Zum Hfterfeste 1901. Bon Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) Gottlob, aus langer Winternacht, Aus schweren, sturmdurchbrausten Träumen Ist wiederum die Flur erwacht! . . . Der junge Saft treibt in den Bäumen Und sprengt der Knospen braunes Kleid; Schon grüßt in lichtem Blätterschleier Die Erle Dich, und weit und breit Schmückt sich die Welt zur Frühlingsseier! Des Ackers schwarze Krume bricht, Und aus den tausend schmalen Fugen Drängt Halm an Halm sich keck ans Licht, Um in die weite Au' zu lugen! . . . Am Waldrand grüßt, vom Wind bewegt, Die weiße Frühlings-Anemone, Und Ostergrüße für Dich trägt Der Himmelsschlüssel gold'ne Krone! . . . Den Wald durchklingt's in Dur und Moll, Die Lerche jauchzt vom Himmelsbogen; Längst sind die Starenkästen voll; Sein Radnest hat der Storch bezogen; Aus dunklen Hüllen krochen auch Schon Falter, sich am Licht zu freuen: Des Lenzes warmer Lebenshauch Will überall die Welt erneuen! So hehre Wunder sind gescheh'n, Laß Deine Seele mit frohlocken Und Hoffnung Dir die Brust durchweh'« Beim Jubelklang der Osterglocken! Auch Dich durchströmt Verjüngungskraft; Woll' sie in Zweifeln nicht vergeuden: Der Geist, der all' die Wunder schafft. Taucht auch Dein Herz in Osterfreuden! Froh wird Dein Sinn, Dein Auge klar, Wenn Du Dich ganz ihm hingegeben; « Du fühlst auf Schwingen wunderbar Den Alltagsnöten Dich entschweben! Der Lerche nach, zu Gott empor. Strebst Du, erlöst aus Erdenbanden, Und jubelst mit dem Osterchor Der Krühlingswelt: Christ, ist erstanden! . Christ ist erstanden! Skizze von M. v. Berge. (Nachdruck verboten.) Osterglocken! — Die Sonne scheidet mit einem flüchtigen Kuß auf die errötenden Hügel! — Frühlingsahnung, Frühlingsfriede, Frühlingsliebe, Frühlingsglaube! — Süße Ahnung, holder Friede, sehnsüchtige Liebe und glückseliger Glaube malen sich auf den Zügen des jungen Weibes, das mit leichtem, flüchtigem Schritt den kleinen Hügel ersteigt. „O, wunderschön ist Gottes Erde", jauchzt es in ihrem Herzen, „und ich liebe ihn, lieb' ihn —- Christ ist erstanden! Und die Erde grünte, blühte, xeifte ihre Früchte und bettete sich zum Winterschlummer! — Und dann läuteten die Osterglocken wieder, die Auferstehungsboten! Lau streicht der Wind über die halberwachte Erde, die dunklen zerrissenen Wolken lassen hier und da ein grelles Gelb durchblicken. Schwer geht der Atem des Mannes, der langsam den Hügel hinansteigt. Und dann steht er still, sein schwarzes Auge flammt, und der sausende Wind entreißt seinen Lippen die heftig hervorgestoßenen Worte: O, Maria! Warum schlossest Du mir die Lippen, Du stolzes, unglückliches Weib! Du straftest hart, Dich und mich!" Und de» Wind trägt sie fort bis zu einem armen jungen Weibe, arm und verlassen inmitten ihres Reichtums — C h r i st i st e r st a n d e n! Die Botschaft hör' ich wohl, allein — Und als es wieder Ostern ist, da trägt man zwei Männer zu Grabe, und dumpf tönen die Glocken. Der eine starb einsam, Maria, das war sein letztes Wort; Ostern war's in seinem Herzen geworden. Ein junges Weib steht am Sterbebette des andern, trotzdem stirbt er einsam, einsam und allein. C h r i st ist erstanden! Wieder ist's Osterzeit! Auf jenem Hügel steht ein schönes, großes Haus, das neue Kinderheim! Hier ist Friede und Glück! Die untergehende Sonne glitzert und leuchtet aus den hohen Fenstern. Und kosend legen sich die letzten Strahlen auf das schwarze Haar eines ernsten, milden Weibes, und sie lassen ihre Augen erstrahlen in feuchtem Schimmer, und sie tanzen von einem kleinen Lockenköpfchon zum andern und spiegeln sich in all den fragenden Kinderaugen, die strahlend auf die Dame gerichtet sind und ihr die Worte vom Munde ablesen. Die gläubigen, herrlichen Worte: „C h r i st i st erstanden!". . . Und da fallen die Osterglocken ein und.reden eine Sprache, die mehr und besser als Menschonwort zum Herzen redet, Himmelstöne! Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auf erstand en! Friede auf Exden! 194 Griechische Ostern. Von PanlElsner -Athen. feierlichen Auferstehungsmesse beizuwvhuen. : tiefes, schweres Dunkel, Mitternacht ist nahe. um hohen Kirchenfenstern fällt Heller Lichterschein auf die tausendköpfige, in atemloser Spannung draußen wartende Menge, die keinen Platz im Innern des Gotteshauses hatte Nuden können. Sie hält abermals Kerzen in den Händen die aber diesmal noch nicht angezündet sind, und lauscht andächtig auf das gedämpft zu ihr hinausklingende Gebets- ^uurmeln der Geistlichen. Nun dröhnt dumpf die Mitter- NLchtchtunde vom Turm. Da jagen Wagen durch die aus- gestorbenen Straßen und halten vor dem Portal der Me° tropollskirche, die königliche Familie mit dem Ministerium und Hofstaat rst eingetroffen und wird von dem Metro- polrten an der Spitze eines langen Inges geistlicher Würdenträger begrüßt. Sämtliche Geistliche haben im Gegensatz zu den übrigen Anwesenden brennende Kerzen in den Händen, und wahrend der Metropolit mit weit über den Platz hin- sthallender Stimme dem König und dem harrenden Volk die Freudenbotschaft verkündet: „Christas anesti", Christus ist auferstandeu, entzündet er an seiner Kerze die dem König bei seiner Ankunft überreichte Kerze. Damit hat er das Zeichen gegeben, daß all die großen und kleinen, die dicken und dünnen Lichter wie mit einem Zauberschlage in einem einzigen blendenden Freudenschein auf flammen, in ein wundersam wogendes, weihnachtlich anmutendes Lichtmeer zusammenfließen, das für die nun auch in den Herzen aufgegangene Helle und Freudigkeit symbolisch sein soll. Aber d-ese innere Freudigkeit findet auch ihren echt südländischen lärmenden Ausdruck. Denn nun erdröhnt die bis zu diesem Augenblick noch totenstille Stadt vom Donner der Kanonen, dem Geschmetter der Musik, vom Jauchzen des freudetrunkenen Volkes, jung und alt, arm und reich sinkt sich zum Austausch des Bruderkusses in die Arme, und alle Feindschaft ist für diese Stunden wenigstens begraben. Alles eilt nun nach Hause: Die Frauen, die von den Gallerien herab das heiße Wachs ihres Lichtes gewissenhaft auf die Hute der Männer hatten herabtropfen lassen, die Männer dre im Taumel ihrer Freude ihre Pistolen abschießen, und die Kinder, die schon im Gotteshause beginnen, einen mit» genommenen schönen Bissen zu verzehren. Ja, überschweng- (Nachdruck verboten.) Dem griechischen Osterfeste geht eine vierzigtägige strenge Fastenzeit voraus. Diese Periode im Jahre ist gerade in Griechenland so durchaus unerquicklich, daß man seinen Anteil an den Daseinsfreuden in einem ausgelassenen, wenn auch vordem recht naiven und ländlich-sittlichen Karneval nach Kräften vorweg zu nehmen trachtete. Im Jahre 1899 aber erlebte Athen seinen ersten ganz nach „europäischem" Muster zugeschnittenen Karneval. Ist der letzte Fastnachtstrubel verhallt, dann beugt sich sung und alt demütig unter das Szepter des Schuitt- lauchs und der Zwiebel; dann ist die „veilchenduftende" Stadt des Perikles von Knoblauchgerüchen wehleidig gefüllt Daun malt sich eine tiefe Niedergeschlagenheit auf den vom Fasten gebleichten Gesichtern der Pallikare. Nicht mehr umsteht eine teilnahmsvolle und verständnisinnige Menge diis unter dem Messer des Schlächters ans der offenen Straße verendende magere Rind, nicht mehr trägt der Ministerialrat die prächtigen, in höchsteigener Person auf dem Markt erhandelten Fische heim. — Und darum durchzuckt em herber Schmerz die dem Fleisch- und Fischgenuß fanatisch ergebenen Herzen der „Söhne der Klepliten" wahrend der Fastenzeit vor Ostern. Aber dies melancholische Knuspern an trockenem, durch eine Zuthat von Ziegen- kase etwas genießbar gemachtem Brot, dieses wehmütige Versenken in Schüsseln, die mit Oel beträufelte Kräuter- massen enthalten, wird doch wenigstens durch die Aussicht stuk den Himmel versüßt. Tenn mau glaubt, durch, diese Selbstkasteiung ein Gott wohlgefälliges Werk zu khnn. , -------------o-,..... Die Besitzer von Schafherden aber, die aus Erfahrung I "w ist der Nachkomme des Perikles in seinen Freudenwissen, welch ungeheurer Fleischkonsum für die Ostertaqe I ansbruchen! Tie ganze Nacht kommt er nicht zur Ruhe, und bevorsteht, kommen inzwischen von ihren Bergen und I ,nuf^ Ostersonntage widerhallt die Stadt trotz des polizei- Thälern, aus Dörfern und Gehöften nach der Hauptstadt I Mjen Berbpts von Flinten- und Revolverschüssen. Es kom- um dort ihre kläglich blökenden Sammlern den Meistbieten- i babei immer viel Menschen ums Leben. Aber was den zu überlassen. Denn selbst in den ärmsten Familien I thut das? Es knallt so schön. Und bann; es sieht ja nie- wo es das ganze Jahr über nur Oliven zu verspeisen und I ~an,, ’ denn die Schüsse werden vorsichtshalber aus den klares Wasser zu trinken gießt, will man zu Ostern ein I den Höfen, ja selbst durch die Kamine abgefeuert, lebendes Lamm haben, um es selbst verbluten und braten zu I - tcach dem Kirchgang nimmt am Ostersonntag die Bratensehen. Und da lassen sich denn die unschuldigen Tiere I 'ra$e gesamte Familie voll und ganz in Anspruch Das ahnungslos auf den Schultern der wackeren Familienväter I OPferlamvi hat schon am Tage vorher sein Leben davontxagen, um von der verhungerten Kinderschar mit I • ’'e? wüsten. Nun schaufelt der Hausvater mit Bedacht ungestümer Freude willkommen geheißen zu werden. I _etne. Grube aus, steckt zwei Pfähle hinein, legt Tie mit den letzten Fasttagen naturgemäß immer mehr I «raiw® darüber, füllt die Grube mit verdüsterte allgemeine Stimmung spiegelt sich in dem faß I Holzkohle und dreht dann den Spieß mit liebe- schauerlich anmutenden Gebrauch 'Ver von den ein^nen I m Sorgfalt und kundiger Hand Über der Glut, bis das Kirchgemeinden Athens in der Nacht des Karfreitags voll- I "re- " ?bge,ln der Kunst gebraten ist. tzogenen Grablegung Christi wieder. Tiefes Tunkdl lastet I Kn i Ostervergnugen besteht auch in dem auf den ausgestorbenen Plätzen der Stadt. Angstvoll real I Sf ieJ'Seiartten Ostereier aneinander zu stoßen. Wessen der Pfefferbaum sein nervöses Laub. Und dann naht es I tvm;Cre■ Z^bricht, hat es dem Besitzer des widerstands- ein Singen und Klingen, ein einförmiger trüber ®efana' I ,®te§ a“^uMern. Diesem obliegt nun wieder die wie er an offenem Grabe erschallt! Immer stärker schwillt I Verpflichtung, das gewonnene Ei auf der er an, um endlich machtvoll und ZchÄtteK durch bie I Z^e zu verzehren. Die Leistungsfähigkeit der grwchi- tiefe Stille hinzubrausen. Welch flackerndes Lichtermeer, I £ Äßen * ^^whung durfte einzigartig in der welch dustere, tm unsicheren Kerzenschein noch bleicher aus- I . sehende Gesichter! Um die schwarze Bahre mit dem Kreuze I versammelt stch das athenische Christi drängen sich die Popen, und in langen Reihen folaen I “em 0^1^010116« ^upiterplatz mit seinem köstlichen die Gläubigen, mit brennenden Kerzen in den Händen ge- I 6s""e' i-otJin0e Meer und die hochragende messen und ernst gesenkten Hauptes dahinwandelnd 'Nur I erhabene Akropolis, um durch Tanz wenige Minuten und wieder ist der gespenstische Zug im I , e“te tiachfeier des Osterfestes nach seinem Ge- Schoße der Nacht Verschwunden. Andere Züge nahe/und I -fZs' "ü Besonders charakteristische Züge entschwinden wie der erste in der Richtung der vericbie- I [t"^(Aa9,er Glicht vorhanden. Diese haben jedoch die denen Kirchen, wo die betreffenden Gemeinden nach solchen I auJ £en Zweiten Feiertag fallenden die Grablegung Christi symbolisch andeutenden Umaänaen I Ostertanze tn hohem Grade aufzuweisen. Und tee"naeme,,c b“"6"" «-»als T-mp-q-rLchk.it p-angLd- 2 'd-m hEgfn Hch" Aus den | des Zeus umrauschte alte Megara einen bezaubernden An- Dud gewahrte, macht die neue, reizlose, ja unschöne Stadt emen wenig ansprechenden Eindruck. , „Den Vormittag über wird seit Jahrhunderten außer- der Stadt im grünen bei einem Kirchlein getanzt, die Fortsetzung der Tänze aber nachmittags auf den Marktplatz verlegt. Die naturgemäße Erwartung, daß sich sämt- 195 Wie dumm man doch eigentlich aufwächst da heraußen! Meint man, weiß Gott, was Heiliges, Vornehmes so ein Besitz rst, und zuletzt ist er so, wie eine andere Ware auch Johannes starrte oft sprachlos auf dieses Wunder, wie man im Handumdrehen einen ganzen Wald aus dem Lande schleppt. Und dicht hinter dem Heer der Faller folgte ein zweites, das der Aufräumer. Die Gesellschaft hatte eine „Wenn er die hundertfünfzigtausend Mark bekommt, selbstverständlich!" erklärte Polentz. „Ist das so, Matthes?" „G'rad a so, wia der verlang i." „Und der Ferl, dem Bauer pom Wald?" „- D "<7.^ ' ""Erbrach Polentz die Antwort. I Sommerfrische im Hause. Johannes verstand sich in diesem ftihfeUArt°i?rkberDie paar Grund- I Jahre viel besser mit der Braut, welche ihn mit allem chUae . Das verlohnt sich doch nicht mehr. Oder wollen I erdenklichen, ihm völlig unbekannten Aufmerksamkeiten be- roicbcr **• ** M,te' « Ä ’WÄ Ujk^dir Nix - Herr Polentz, der Hof g'hört I Er hatte jetzt nur noch eine Sorge die Zukunft des ^zweihundert >;ahr die AltiNgers. Wissen S' das? fragte I Hofes. Viele Ansprüche waren damit nicht zu machen aus derbes wie Thränen klang. I sobald der Wald weg war. Die Oekonomie ^war unbe- L ntz lächelte überlegen und zuckte die Achseln. „Aber I deutend, und bei der Lage des Hofes nicht einträglich Lbttte Sie, lieber, guter Mann, lassen Sie doch die I somit war am Ende der Ferl gut genug, abqesehen^von Scherze. Wer kümmert sich denn daimm, .heutzutage." ! der Liebe der Rosk zu ihm. 0 ' 9 " DOrt Äfnrf'brhob sich. Er mußte sich auf seinen l Aber der Ferl war immer noch nicht da. Er war $ s "A?Ut£m re mt brum, verstand'«, Herr I einen festen Arbeitsvertrag eingegangen, und mußte seine Polentz, i der letzte Bauer vom Wald, wia i merk." I Zeit abwarten, schrieb er 0 P 1 Der dicke Mann schrumpfte förmlich zusammen vor | Am Ende lag aber die Sache doch anders. Scklimme b Jhochaufgerichteten Gestalt des alten Bauern. I Gerüchte gingen von dem liederlichen Volk, das sich draußen "dfUU' bann gut. Zu was denn die Erregung? Wenn I in dem Nonnenrevier mit den Arbeitern eingenistet' dazu Sie nicht anders wollen — dann bleiben Sie in Gottes I kam die verderbliche Nähe der Stadt mit ihren Verlockünaen Nawen hier. Wir können uns ja einigen -" Wenn der Ferl dem allen zum Opfer fiel in ftinkm Lm bas ganze Zeug!" platzte jetzt I und Zorn? Dann hatte er ihn auf dem Gewissen Matthes ärgerlich heraus. „Sie soll ihr'n Ferl heirat'n. I Und er hatte sich schon ganz hineingelebt in den dann?"« langt s no, meinet t. I verlang kei Staud'n I Gedanken; ja, es war ihm plötzlich, als könnte er keinen r • ~ . ... m £ _ | geeigneteren Bewerber um Rosls Hand finden als den Johannes sah seinen Sohn mit einer Art von Staunen | Sohn des alten Grimm. b^'Alcht st also auf den ganz'n Hof? Is das I Auf dem tiefsten Grunde seines Herzens regte sich eine 8 - I unbestimmte freudige Hoffnung, der er selbst keinen Namen zu, geben wagte, die aber in inniger Beziehung stand zu dem Ferl. fragte Johannes noch einmal. | Grimm wußte keinen Bescheid. Der Zunge haßte das Polentz sagt. Kein Staud'n I Schreiben wie der Vater, und beschränkte seine Mitteil- | ungen auf das äußerste. Die Rosl aber wußte erst recht Holzknecht sein Sohn, wird | nichts. ' 196 mußte, wie der Herr Fritz Polentz, dieses windige Stadt- früchtel, sich alle Mühe gab, dem Mädel den Kopf zu verdrehen, und das in einer Weise, welche schon wiederholt die Scham und Zornesröte auf ihre Wangen trieb. War auch ein Verlaß aus die Rosl, und bemerkte er auch ihre derbabweisende Haltung, zuletzt mußte doch das Gift wirken. Ließ sich der Ferl sehen, war mit einemmal die Gefahr beseitigt, daran zweifelte Johannes keinen Augenblick, und Gnad Gott dem Herrn Fritz, wenn er dann nicht das Feld räumte. Johannes war in diesem Falle fest entschlossen, Ferl völlig freie Hand zu lassen, und er kannte die Hand Ferls, es wuchs kein Gras mehr, wohin die traf. 4. Der erste September! Ein frischer Morgen. Aus dem dichten Nebel, der ringsum lag, tönte der Lärm der Holzarbeit, das Schnauben der Lokomobile, das Rasseln der Holzzüge über die holperigen Schienen — alles Laute, welche Johannes längst gewohnt war. Sie schmerzten gar nicht mehr wie anfangs. Als aber plötzlich der Nebel sich hob, und die entrindeten Stämme herausblitzten, die wirr durcheinander die Schlagfläche füllten, da warf es Johannes förmlich! zurück, der eben aus dem Hause trat. Vor ihm, auf freier Lichtung, lag die Holzhütte des alten Grimm. Eben neigte sich der letzte Stamm, der die Aussicht störte, und stürzte dröhnend zu Boden. Er sah durch die offene Thür das Feuer brennen auf dem Herd, der Grimm hielt wohl eben Mahlzeit, und jetzt humpelte er heraus zur Thür. An seiner Seite ein großer Mann, und der Grimm deutete hinauf auf den Hof, und der Mann schwang seinen Hut, und stieß einen lauten Juchschrei aus, daß es weithin schallte. Johannes kannte die Stimme, und sein scharfes Auge überwand die Weite. Der Ferl war es, kein anderer. Zuerst verdroß ihn der Juchschrei, er wußte sehr wohl, wem er galt. iÄ wußte auch, was dem Ferl der Alte gesagt, auf den Hof weisend. Der alte Trotz regte sich in ihm. Abzwingen läßt er sich nichts, auch nicht vom Schicksal. Doch diese Empfindung währte nur einen Augenblick. Dann machte sie rasch einer anderen Platz, unbedingt einer freudigen, dem zufriedenen Lächeln nach, das plötzlich seinen Mund umspielte. Im Grunde genommen freute er sich schon lange auf diesen Augenblick, ja, es war ihm wie eine dunkle Vorahnung, als ob es nicht mehr viel Freuden gebe für ihn nach diesem. Rosl wußte nichts von der erwarteten Wiederkehr des Ferl, kein Wort hatte er noch mit ihr darüber gesprochen. Jetzt rief er sie. Schon oft hatte er die Zeit über darüber nachgedacht, auf welche Weise sich das Wiedersehen der beiden vollziehen sollte, jetzt hatte er einen ganz raffinierten Plan ersonnen. (Fortsetzung folgt.) Das „Daheim." Ein neues Quartal beginnt mit Nr. 27 des „D a h e i m". Tas altbewährte Blatt vereinigt in seiner jetzigen Gestalt die Vorzüge der schnellen Berichterstattung in Wort und Bild, unter Zugrundelegung aktueller Augenblicks-Photographien und deren Wiedergabe in Autotypie, mit der sorgsamen Pflege künstlerischer Bestrebungen. — Es bringt in jeder Nummer Wiedergaben guter Gemälde in edlem Holzschnitt und außerdem in jeder zweiten Nummer eine besondere Kunstbeilage in getöntem Kunstdruck: in der vorliegenden Nummer z. B. Böcklins berühmten „Jagdzug der Tiana". — Der Inhalt des Blattes ist, wie stets, gediegen, die beiden Schaffer anregender Unterhaltung und ernsterer Belehrung in sich vereinigend. — Wir finden da z. B. einen außerordentlich spannend aushebenden Roman „Quellensucher" von Ludw. Annshagen, einen famosen Artikel über „H. Thoma" von Fritz von Ostini, dem berühmten Münchener Kunstkritiker, eine allerliebste Novelle „Tante war einmal sehr schön" von Georg von Ompteda, einen Beitrag von Professor Köstlin über das „Osterlied" usw. Die zahlreichen Unterabteilungen: das „Frauen-Daheim", der „Hausgarten", die „Hausmusik", das „Kinder-Daheim", das „Samncker-Daheim" machen das Daheim Wohl zu dem reichhaltigsten aller deutschen Familien- Blätter. Vermischtes. Frankfurt a. Oder. Vor einiger Zeit wurde vom praktischen Ratgeber im Obsh- und Gartenbau ein Preisausschreiben erlassen, zur Erlangung von Entwürfen zur gärtnerischen Ausschmückung des Wilhelmsplatzes in Frankfurt a. Oder, auf dem in jüngster Zeit ein Reiterstandbild Kaiser Wilhelms des Großen von Professor Unger entstanden ist. sind auf dieses Ausschreiben 117 Arbeiten, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus England, Holland, Rußland, ja sogar aus Amerika eingelaufen. Am 8. März trat das aus 7 Herren bestehende Preisgericht zusammen und erkannte einstimmig den Preis Lon 1000 Mark dem Entwurf mit der Aufschrift: „Architektur", dessen Verfasser Herr Gartenbaudirektor Encke-Wild- park ist, zu. Dem Vernehmen nach soll die Stadt Frankfurt a. Oder willens sein, diesen Entwurf zur Ausführung zu bringen. Die preisgekrönte Arbeit ist in Grundplan und 2 perspektivischen Ansichten in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau, die vom Geschäftsamt dieses Blattes in Frankfurt a. Oder zu erhalten ist, abgebildet. Buchstabenrätsel. Nachdruck verboten. Wir kommen aus dem Meer, Feinschmecker schätzen uns sehr. Wird uns ein and'rer Kopf verlieh'», Die Seele wird ein Glanz durchzieh'». Und in der Glocken hellem Klingen Wird frohe Botschaft zu uns dringen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer: o AST ASTER STIEFEL OSTERFEST EINFALT STERN OST T b. - Preisrätsel.*) Anagramm Nachdruck verboten. Es stnd 13 Wörter zu suchen von der unter a angegebenen Bedeutung. Von jedem dieser Wörter ist durch Umstellung der Buchstaben ein anderes Hauptwort zu bilden, dessen Bedeutung unter b ersichtlich. Die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b ergeben im Zusammenhang gelesen ein Sprichwort. *) Lösungen sind mit Aufschrift: „Preisrätsel-Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gießener Familienblätter" einzusendcn. 1. Abkömmling — Blume. 2. Alter Gott — siegreicher Khalif. 3. Zeichen — Gefäß. 4. Borname — Klebstoff. 5. Himmelskörper — Vorname. 6. Nahrung — Pflanzenteil. 7. Weibliches Wesen — Teil des Baums. 8. Männlicher Schmuck — Gangart. 9. Heilmittel — Stadt in der Schweiz. 10. Nahrungsmittel — alte Göttin. 11. Kriechtier — Gebäck. 12. Landwirtschaftsgerät — Industriestadt. 13. Schöpferische Kraft - Rest. Redaktion: 9. Burkhardt. — Druck und Verlag der vrühl'fchcn Uniderflttts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Grien) in Gietz«,