Donnerstag de« 5. September Q 4 G Ki enn du in den Rat gehst, so laß deine Person daheim. (Nachdruck verboten.) Prüfung. Kriminalerzählung von E. Sg.ai.itb er g. (Fortsetzung.) Der Sonntag war da. Held und Mohrmann fuhren gegen Mittag in einem leichten Landauer hinaus nach! der Forstmeisterei B. Held befand sich in sehr gehobener Stimmung. Er freute sich auf das Wiedersehen mit dem lieben Mädchen, das ihn bis jetzt in seinen freien Stunden fast unaufhörliche beschäftigt hatte. — Nun war der Augenblick gekommen, wo er ihre Hand mit leisem Druck zur Begrüßung fassen durfte. Während Mohrmann noch mit der Hausfrau einige verbindliche Worte wechselte, standen die beiden jungen Menschen etwas entfernt von den übrigen und sahen sich! gegenseitig in die strahlenden Augen, mit einer Wiedersehensfreude, welche die kurze Bekanntschaft eigentlich gar nicht rechtfertigte, und doch wieder welche dumpfe, alle Sinne beklemmende Befangenheit dabei. Wie schnell war der selige Augenblick entflohen. Die Hausfrau wandte sich! an Held mit der Frage, wie ihm sein neuer Wohnort gefalle? „Nicht wahr, ein simples Nest?" setzte sie hinzu, „die Einwohner steif und zurückhaltend dem Fremden gegenüber. Und als fremd betrachten sie alle, die nicht daselbst geboren und ausgewachsen sind. Es bedarf erst längerer Zeit, um sich unter ihnen wohl zu fühlen. Ick) weiß ein Lied davon zu singen, Herr Amtsrichter." „Meine Frau übertreibt", siel lächelnd der Forstmeister ein. „Ganz so schlimm ist es nicht. Man kann es ja gewissermaßen den Leuten auch nicht verdenken, wenn sie sich dem Fremden gegenüber etwas kühl Verhalten, sie wollen ihn eben erst kennen lernen." „O Du Blindgläubiger! Du siehst eben das abwehrende, das stille, leise Zurückhalten nicht; weil Du frei und mit offener Herzlichkeit einem jeden entgegenkommst, übersiehst Du ganz, wie das bei den andern weit weniger der Fall ist." „Aber Kind, hättest Du denn wirklich« Ursache, über zu geringes, gesellschaftliches Entgegenkommen zu klagen? Haben wir nicht ein hübschen, gemütlichen Kreis lieber Freunde?" „Ganz recht", entgegnete seine Gattin, „aber dieser Kreis besteht nur aus Beamten, ebenfalls Fremden, den Eingesessenen gegenüber." „Und was thut das, Kind?" „O, ich, bebaure das auch weiter nicht, ich wollte nur damit den Ton schildern, den die Alteingesessenen uns Zu- gewanderten gegenüber bekunden." „Solche Elemente giedt es eben überall. Ein jeder ist von seiner Heimat eingenommen und mißgönnt gleichsam dem Fremden die Vorzüge, welche dieselbe in seinen Augen besitzt. „Und hat dabei eine still. Wut gegen den Beamtenstand." „Urteilst Du auch da nicht zu schroff, liebe Frau? Du könntest wahrhaftig unfern Heben Amtsrichter bange machen und ihn zu einer schleunigen Flucht veranlassen. „Ja nicht, Herr Amtsrichter! Ich hoffe vielmehr, daß Sie sich unserem Kreise um so getreuer auschließen, an Aufmunterung dazu wird es nicht fehlen." Held verbeugte sich gegen die Hausfrau. Sie hatte das alles in heiterem, munterem Ton gesagt, dennoch wollte ihnt ihre Art nicht gefallen. Lag dem wirklich ein Gekränktfühlen zu Grund, oder war es nur die Ueberhebung der Großstiückerin, der alles Kleinbürgerliche verhaßt ist und lächerlich erscheint? Sollte seine stille Befürchtung, der er gegen Hanna an ihrem Reisetage einigen Ausdruck gegeben, am Ende doch eintreffen und die junge Schwester des Forstmeisters keinen allzu leichten Stand ihrer Schwägerin gegenüber haben? Das wäre ihm des stillen, sinnigen MädchMs halber leid gewesen. Auch! Hanna schien den leisen Druck, den diese Frau fast gegen jedermann auszuüben verstand, bereits zu fühlen. Ihr liebes Gesichtchen, das er während der lebhaften Aburteilung der Hausfrau mehrmals gestreift, schien ihm nicht die heitere, zuversichtliche Ruhe von neulich« auszudrücken, etwas wie eine bange Sorge schien darauf zu liegen. Doch« trotz der kleinen Mißstimmung mußte er anerkennen, die Forstmeisterin verstand meisterhaft, es ihren Gästen behaglich! zu machen. Das Diner war ausgezeichnet, und der Forstmeister hall«: für einen guten Tropfen gesorgt. So war es denn kein Wunder, wenn bald eine sehr lebhafte, fröhliche Stimmung Platz griff. Held hatte Hanna zu seiner Tischnachbarin, während Mohrmann die Hausfrau zur Tafel geführt hatte. Auf diese Weise konnte er sich seiner Reisegefährtin eingehend widmen, und er that das mit allem Eifer, den ihm sein Interesse für Hanna eingab. Aber sonderbar, so oft er in ein heiteres oder tieferes Gespräch! mit Sganna verwickelt war, hatte die Hausfrau stets eine Frage an ihn, die sie dann in die Länge zu ziehen verstand, sodaß Hanna meist nur stille Zuhörerin war. Jede Bemühung, die Held aud) versuchte, das Gespräch abzubrechen, oder wenigstens Hanna 502 mit hineinzuziehen, scheiterte an der Hartnäckigkeit der Tarne, die, wie es schien, sich als Mittelpunkt betrachtet wissen wollte, gleichsam als Sonne, um die sich alle kleinen Gestirne drehen mußten. Tie Forstmeisterin war eine schöne Frau, von stattlichem Wuchs und einem lebensprühenden Gesicht, in dem zwei dunkle Augen beständig ihre besondere Sprache redeten. Ja, schön war diese Frau, außerordentlich schön, das sagte sich auch Held, doch mehr eine Schönheit, die auf die Sinne wirkte, das Gemüt blieb dabei unberührt. Und dann diese Augen, die für jeden die Aufforderung: „Huldige mir!" zu enthalten schienen. Wie anders dagegen der sanfte, sinnende Ausdruck in Hannas lieben Zügen, ihr seelenvolles, tiefes Auge, in dem keine Spur von Gefallsucht zu finden war. Ob der biedere Werner sich wohl glücklich fühlte an der Seite dieser Frau? Fast schien es so; vielleicht daß gerade der Stolz auf seine schöne, einst so vielumworbene Gattin ihn die kleinen Koketterien derselben übersehen ließ. Und sie hatte ja außerdem auch ihre Vorzüge. Ihr lebhafter Geist wußte alles mit Blitzesschnelle zu erfassen, sie wußte gut und verständnisvoll über alles zu reden. Und der leichte, neckende Ton, den sie den Herren gegenüber anschlug, übte auf diese einen nicht wegzuleugnenden Zauber. Sie war demnach, was man eine liebenswürdige Frau nennt, dazu vollkommen Gesellschaftsdame. Tie Tafel war aufgehoben, die Tischgäste weilten jetzt draußen im Garten, auf welchen der Forstmeister vielen Wert zu legen schien; denn er war aufs sorgfältigste gepflegt, und eine große Fülle edler Rosen verbreiteten liebliche Düfte; auf kurzgeschorenen Rasen sarbenstrahlende Teppichbeete und Gruppen edler Nadelhölzer; dann nahm der Blumengarten eine parkähnliche Gestalt an; dunkle Nadelhölzer wechselten ab mit dem Laub der Rotbuche, 'oder dem Hellgrau der Silberpappel. Der Forstmeister verfehlte auch nie, seine Gäste auf das harmonische Farbenspiel dieser Baumpartien aufmerksam zu machen. Auch jetzt unterließ er es nicht, auf diese feine Lieblinge besonders hinzuweisen. „Himmlisch", sagte Haüna, die an seinem Arm hing, „hierher werde ich mich zuweilen flüchten und meinen Träumen nachhängen. Wie ein Stückchen aus dem Paradiesgarten kommt mir dieses Fleckchen Erde vor, das unter Deiner liebevollen Pflege so wunderbbar schön gediehen ist, Tu bist zu beneiden, Robert, um die Kunst, der Natur solche Harmonie zu entlocken." „Kleine Schwärmerin", lachte der Forstmeister geschmeichelt. „Sie haben recht, mein Fräulein", stimmte Held Hanna bei, „es ist etwas Lohnendes um die Kunst, die Natur in ihrem Schöpfungstriebe zu belauschen und ihr die gedeihliche Pflege zur Unterstützung ihrer harmonischen Entfaltung zu geben." „9to, nun haben auch Sie sich auf dies Gebiet verirrt, Herr Amtsrichter; fangen auch Sie an, zu schwärmen?" rief die Hausfrau Held lachend zu, der soeben, während Mohrmann der Hausfrau kleine Skandalgeschichten aus der Stadt erzählte, welche diese höchlichst zu interessieren schienen, von ihrer Seite weg zu Hanna und dem Forstmeister geschritten war, deren Gespräch! ihm nicht entgangen war. Nach einer Weile eifrigen Plauderns hin und her löste der Forstmeister sankt feinen Arm von Hannas Umschlingung, und zu Held gewandt sagte er mit einem kleinen, schalkhaften Lächeln, das Hanna eine leise Röte der Verlegenheit in die Wangen trieb: „Ich überlasse nun Ihnen, Herr Amtsrichter, meine kleine Schwester, ich will einmal dem anderen Paare nachgehen. Suchen Sie dem Kinde ein wenig die melancholischen Gedanken zu vertreiben, ich glaube, sie leider an Heimweh und kann sich bei uns noch nicht heimisch.fühlen." Hanna widersprach der letzteren Ansicht. „Wo sollte ich mich wohl sonst heimisch fühlen, wenn nicht bei Dir. Die erste Heimat ist mir verloren gegangen, nun bist Du meine Zuflucht, und Du bist so gut!" „Nun höre einmal einer!" lächelte der joviale Herr, „singt mir das Kind da etne Lobeshymne! Liebe Hanna, dazu hast Du bis jetzt noch gar keine Veranlassung, werde erst einmal hier warm, Kleine." Damit ging er kopfnickend und fein lächelnd davon und hatte bald mit seinen riesigen Schritten das vorangehende Paar eingeholt, dem er sich nun anschloß. „Warum hast Du Hanna und Herrn Held nicht mitgebracht? Ich fürchte, Hanna wird keine allzu amüsante Gesellschafterinn für den Amtsrichter sein", tadelte seine Gattin. „Es scheint mir, liebe Bertha, als hätten sich die beidpn auf ihrer Reise doch recht gut unterhalten, und da wird ihnen auch heute der Stoff nicht fehlen." „Ich möchte einmal Mäuschen sein", kicherte Frau Bertha boshaft, „hast Du denn wohl schon ein einziges heiteres Wort aus Hannas Mund vernommen — nichts als Sentimentalitäten." „Du darfst and) solche Ansprüche nicht an das Kind stellen. Hanna hat vor kurzem ihre Mutter verloren, und der Schmerz ist noch zu frisch um den Frohsinn, der ihr sonst eigen war, jetzt schon von ihr zu erwarten." „Ihr scheint eine musterhafte Familie gewesen zu sein, da läßt keiner was auf den andern kommen; lauter Familienideale! Aber ich denke mir, Hannas Frohsinn kann auch früher nicht weit hergewesen sein; man kann doch mit einem Male nicht so mundt-t gemacht werden. Ich habe auch meine Mutter verloren. Du lieber Gatt, wer hätte nicht einen Toten zu betrauern?" „Liebe Bertha", der Forstmeister sprach das mit einem bittenden Ton, „Du mußt bedenken, nicht alle sind wie Du. Tu hast nun einmal das heitere, sorglose Temperament, aber das ist nicht jedem gegeben. Tief empfindenden Naturen ist in ihrem Schmerz nun einmal das wortlose Schweigen eigen." „Nun, Gott sei Dank!" lachte Frau Bertha, „daß ich nicht zu diesen stillen Duckmäusern gehöre; ich liebe das Leben und die Freude, und wenn ich Gäste um mich habe, sollen auch sie froh sein!" Diese letzte Aeußerung seiner Gattin beantwortete der Forstmeister, indem er aut das aus einem Seitenweg auf sie zukommende Paar zeigte. „Sieh, auch da hat der Frohsinn seinen Einzug gehalten, betrachte nur beider Mienen, welche stille Heiterkeit sich! auf ihnen zeichnet." Ter Hinweis war nichr ungerechtfertigt. Der Ausdruck beider Gesichter zeigte, daß die Langeweile ihnen nicht beigekommen war. Auch Frau Bertha bemerkte das, und wie ein leichter Verdruß lagerte es sich über ihr schönes Gesicht. So hatte Held vorhin in ihrer Begleitung nicht ausgesehen. Sie empfand das fast wie eine Kränkung ihrer eigenen Person. Sie war nun einmal nicht die Frau, die ihren Geschlechtsgenossinnen irgend einen Vorzug gegenüber dem anderen Geschlecht gönnte- Deshalb war auch die stille, sanfte, aber auch überaus liebliche junge Schwägerin durchaus nicht nach, ihrem Geschmack, sie fürchtete mehr, wie sie sich Wohl selbst eingestand, die Anziehungskraft der jungen Verwandten auf Männcrherzen. Bisher gewohnt, überall, wo sie miftrat, auch! Siegerin zu sein, fürchtete sie in der jugendlichen Schwägerin eine gefährliche Nebenbuhlerin zu besitzen. Und Frau Bertha war nichr gewohnt und auch nicht Willens, je die zweite Rolle in irgend einem Zirkel zu übernehmen. Deshalb das wohl mehr unwillkürliche, als aus wirklich böser Absicht entsprungene Herabsetzen Hannas; denn Frau Bertha war nicht schlecht, die gönnte keinem Menschen Böses, aber eitel und herrschsüchtig, und wer ihr hier in den Weg trat, der versündigte sich schwer an ihrer Eigenliebe. Mohrmann hatte während der Wechselrede des Ehepaares still vor sich hingelächelt. Er kannte ja Frau Berthas ausgesprochenes Herrschertalent, welches gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir", und er ahnte, daß diese kleinen Ausfälle gegen die junge Verwandte ihrer verletzten Eitelkeit entsprungen waren. Tie gute Forstmeisterin, sie hätte seiner Meinung nach unbesorgt sein können. Das junge Mädchen, so reizend es war,' würde wohl kaum jemals als Rivalin der schönen Frau gelten können, aus dem einfachen Grunde nicht, weil sie nie darauf ausgehen würde, Eroberungen zu machen. Mochte die Frau Forstmeisterin also nur immerhin ihre Netze ausspannen, ihre junge Schwägerin würde ihr nie in den Weg treten. Und wenn sich! da, wie es fast scheinen wollte , zwischen dem neuen Amtsrichter und der Schwester 503 — des Forstmeisters was anshinnen wollte, so würde die Liebe zu dem Manne ihrer Wahl, Fräulein Hanna, voll und ganz fesseln, und jeder andere würde ihr gleichgiltig sein. Das sagte ihm sein geübter, juristischer Scharfblick, der gewohnt war, in den Mienen der Menschen zu forschen, um ihren Geisteszustand zu erraten. In den von dem Forstmeister und seiner Gattin frequentierten Gesellschaftskreisen hatte die Nachricht von der Ankunft des jungen Gastes sich schnell verbreitet, und man wartete gespannt auf die Vorstellung der jungen Dame. Die Einladung des neuen Amtsrichters und des Staatsanwalts in die Forstmeisterei, ehe die guten Kleinstädter die junge Dame ancy, nur zu Gesicht bekommen hatten, verdroß diese gewaltig, und man beschloß! tat stillen, dies, Forstmeisters sowohl wie die beiden Gäste durch eine etwas reservierte Haltung entgelten zu lassen. Auch, aus den neuen Amtsrichter war man gespannt; es war immerhin ein Ereignis, wenn ein junger, unverheirateter Beamter nach dem kleinen Provinzialstädtchen versetzt wurde, und die heiratsfähigen Damen und Mütter solcher Töchter machten dann beizeiten ihre Pläne. Doch was helfen alle Pläne, wenn der Betreffende, ehe man ihn nur einmal zu Gesicht bekommen hat, schon von einer anderen, einer Fremden, wie die Kleinstädter mit einer gewissen Verachtung hinzusetzten, sich einfangen ließ? Das war es, was die guten Freunde des Forstmeisterhauses in Zorn versetzte. Mußte da em so junges, wildfremdes Mädchen Herreisen, und gleicb unterwegs denjenigen bezaubern, auf den so viele andere, gewiß nicht minder begehrenswerte Mädchen ihre stille Hoffnung gesetzt hatten? Dann hatte der Amtsrichter Besuch, gemacht, und trotz des stillen Vornehmens, ihn recht gemessen und reserviert zu empfangen,. begegnete man ihm doch allenthalben mit der größten Liebenswürdigkeit. Cs ging eben gar nicht anders, seinem offenen und freimütigen Wesen gegenüber. . Tie schöne Sommerzeit gab genügend Veranlassung, kleine Ausflüge und Festlichkeiten im Freien zu veranstalten. Und es schien die Bewohner von C. nun auf einmal eine große Vergnügungssucht überkommen zu haben; denn sie wetteiferten förmlich, einer dem andern mit Einladungen zuvorzukommen. Der neue Amtsrichter wurde bei diesen Einladungen nie vergessen. Trotzdem war der also Gefeierte so unhöflich, die meisten dieser Einladungen abzulehnen; denn nachdem er einige dieser Vergnügungen gekostet, hatte er genug davon; dieses ihn Umschwärmen älterer, sowie jüngerer Damen, dessen Endzweck sich nur zu deutlich bemerkbar machte, war ihm unsäglich zuwider. Es kam ihm vor, wie ein Feilhalten, ein Zu-Markte- führen heiratsfähiger Schönen. „Ebensogut", dachte er, „könnten die Mütter die Töchter zur Parade führen, sie in Reih und Glied aufstellen, und die heiratslustige Männerwelt an ihnen vorbeidefilieren und wählen lassen. Es wäre wenigstens einfacher und weniger kostspielig und der Wahrheit angemessen." (Fortsetzung folgt.) Aus dem Minnelebm der Tauben. Von Julius von Hoven. (Nachdruck verboten.) Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Tauben, die wilden, sowohl wie die zahmen, in Einehe leben. Eine einmal geschlossene Ehe gilt als lebenslängliche, die nur der Tod trennt. Die Zärtlichkeit der Ehegatten und ihr friedliches Zusammenleben i,r sprichwörtlich. Opferfreudig nährt der Täuberich stellenweise seine Gesponstin, wenn nicht mit seinem Herzblut, so doch mit Gerichten, die er der leichteren Verdauung halber in seinem Kropf hergerichtet hat, in der Weise, tote beide später ihre Jungen nähren. In den vielen Jahren, in denen ich Gelegenheit hatte, Tauben zu beobachten, habe ich nur musterhafte Ehen kennen gelernt, und es wurden diese selbst von den flottesten Junggesellen, denen eine ehrbare Annäherung noch nicht zur Gattin verhalfen, geachtet, als ob das zehnte Gebot alle Triebe beherrsche. Eigentliche Sittlich? keitsvergehen blieben sonach förmlich ausgeschlossen. Man kann daher leicht mein Erstaunen begreifen, als ich die Wahrnehmung machte, daß ein jugendlicher Fant, blauschwarz von Farbe, kaum mannbar geworden, sich in sträflicher Absicht einer goldgelben Taube näherte und dieser sogar in frecher Weise Liebeserklärungen machte, wodurch die Ruhe und der Friede der goldgelben Eheleute in empörender Weise gestört wurde. Obwohl die Gattin in sittsamer Betrachtung, von sträflicher Liebe frei, die Bahn der ehelichen Pflicht wandelte, hatte der Gatte einen beständigen Kampf mit dem Zudringlichen zu bestehen, um ihn zu verscheuchen. Aber selbst tüchtige Schnabelhiebe, die der Totlkopf erhielt, wie die moralische Entrüstung der besseren Gesellschaft — obwohl sich diese im übrigen neutral verhielt — waren nicht tat stände, seine Lebensglut zu mindern und ihn auf den Weg der Besserung zu führen. So lange der Goldgelbe in Ermangelung eines flammenden Schwertes mit flammendem Auge in der Umgebung des ehelichen Heims Wache hielt, spielte dieser den Ritter Toggenburg, indem er unverwandten Blicks, wo er sich auch befand, sein schwarzes Antlitz der Goldgelben zuwandte. Es war ein öffentlicher Skandal, der in der Taubenwelt noch nicht dagewesen war, und es stand zu befürchten, daß das Treiben des Nichtswürdigen lockernd auf die altererbte Sittenreinheit wirken und die eben Heranwachsende Jugend entsittlichen könne. Das Einfachste wäre nun wohl gewesen, daß ich den Störenfried aus der tugendhaften Gemeinde entfernt hätte; doch seine sonstigen Eigenschasten waren mir zu kostbar. Er stammte von vornehmen Eltern (Holländern) ab, die ihre seltenen Vorzüge auf diesen, ihren Sohn, vererbt hatten. Er war der beste Flieger, schlug den Burzelbaum acht, oft auch vierzehnmal hintereinander ohne Pausen, und war dabei von graziöser Haltung und glänzendem Gefieder. So griff ich denn zu dem nicht mehr ungewöhnlichen Mittel, ihm eine Frau anzusiegeln, die ihn von seiner Thorheit heilen sollte. Zu diesem Zwecke erstand ich — meine Nachzucht war noch zu jung — eine schwarze Taube und steckte beide in den sogenannten Paarkasten, ein engeres, auf einer Seite vergittertes Behältnis, das beide von dem Verkehr mit der Außenwelt abschließt, und in dem nach althergebrachter Sitte und Erfahrung in längstens drei bis vier Tagen die Ehe vollzogen wird. Doch welcher Schrecken erfaßte mich, als ich. am folgenden Tage einen Blick in den Paarkasten werfe. Die Taube war jämmerlich zugerichtet, und es blieb mir nichts anderes übrig, als wieder zur Trennung zu schreiten, und ich ließ ihn nun allein im Kasten. Er girrte aufs neue liebestoll nach der Goldgelben, suchte sich durch das Gitter zu zwängen und gebärdete sich mehr wie der rasende Roland, als der sanfte Toggenburg. Nach einigen Tagen weigerte er sich, Futter anzunehmen; ich dachte an Weither und seine Leiden und befürchtete auch bei dem Schwarzblauen Selbstmord. Daher ließ ich ihn frei, in der Erwartung, daß der Goldgelbe seine Rechte energisch wahren und der Schwarze endlich Vernunft annehmen werde. Doch das alte Spiel erneuerte sich wieder, weshalb ich das frühere Mittel noch einmal versuchte. Eine silbergraue Taubenmaid, schlank wie die Palme und lieblich wie die Lilie sollte sein eigen werden, und beide wanderten in den Paarkasten. So hofste ich doch noch, Ruhe und Ordnung im Taubenschlag herzustellen. Doch ich hatte die Rechnung wiederum ohne den Liöbes- wcchu des Schwarzen gemacht. Denn als ich nach zwei Tagen in den Kasten blickte, bot sich mir ein Bild des Jammers dar: Die Silbergraue war nicht nur an vielen Stellen ihres Federschmuckes beraubt, sondern ihre Hirnschale derart verletzt, daß das Gehirn durchschimmerte. Warum diese barbarische Behandlung einer Unschuldigen, die sich ihm ja gar nicht aufgedrungen?! Er konnte sie ja als Genossin betrachten und verlassen, wenn der Kasten sich wieder öffnete. Oder war seine Liebe zur Goldgelben, wie die eines Ulrich von Lichtenstein? Oder aber wollte er der Goldgelben beweisen, daß sie allein in seinem Herzen herrsche, und jede andere ihm gleichgiltig, ja verhaßt sei? Das waren für mich psychologische Rätsel, die ich nicht zu ergründen vermochte. Klar war mir, seine Devise lautete: „Diese, nämlich die Goldelse, oder feine", wie solche Ueber- spanntheiten ja auch bei ideal veranlagten Jünglingen vor- 504 I E R —tz —ub —ut E I E L B E B I 8 E 8 T —be —ck —äs werden auf 1100 Stü! meter im Werte von 1 Welche zwei Buchstaben ergänzen die obigen Wortteile zu bekannten (Auflösung folgt in nächster Nummer.) —ge —mm —hn —nd —ma —st Auflösung des Quadraträtsels ^in voriger Nummer: kommen. Meine Geduld war indes jetzt erschöpft, und so . dratmeter im Werte von 520000 Mk Pro Jahr. Hier smd trug ich mich mit dem Gedanken, den Uebelthäter gegen I zwer Qualitäten ö» unterscheiden. „Kabas, 12 bis 13 Mk. «usicheruna von zwei Stück seiner Nachkommenschaft einem I pro Quadratmeter wert, und »Ras rm Werte von 16 vrS ^ückter zu überlassen. 17 Mk. pro Quadratmeter. In Koutaya, wo auf 2oO Stühlen Bevor ich jedoch zur Ausführung meiner Absicht kam, I jährlich 18 000 Quadratmeter im Werte bon320 000 Mk. jagte*) ich eines Morgens. Durch irgend einen Umstand | hergestellt werden, rst dre Qualität erne sehr gute und der wurde meine Aufmerksamkeit abgelenkt. Da hörte ich Plötz- I Preis schwankt hier zwischen 18 und 21 Mk. pro Quadrat- lich ein Sauftn und wie der Blitz warf sich die ganze meter. Sparta produziert den Perser-Teppichen ähnliche Suite (so nennt man die zu einem Taubenschlag gehörigen I Sachen, deren Preis 18 bis 21 Mk. pro Quadratmeter be- Tauben) auf das Dach des Hauses. Sofort, wußte ich, um was I trägt Es sind 300 Stuhle in Betrieb, welche rahckch es sick bandelte und als ich in die Löhe blickte, bemerkte | 10000 Quadratmeter rm Werte von 240000 Mk. liefern, ich eütett Habicht, mit Beute beladen, davonziehen. Ich! I Nach, der Ansicht des britischen Btzekonsuls Hampson feuerte wohl einen Schutz nach demselben ab, doch ohne I in Smyrna steht dieser Industrie noch erne große Zukunft Erfolg, und als ich die Häupter meiner Lieben zählte, I bevor. . .. bemerkte ich den Verlust des Goldgelben. Aeußerst ver--I stimmt hierüber, sah ich darin gewissermaßen entert Wmk I des Schicksals und ließ den Dingen freien Lauf, obwohl! Die Bepflanzung schattiger Stellen Mit es jeder Züchter vermeidet, Tauben von ungleicher Farbe I Blatt- und Blüten Pflanzen. An sonnigen Stellen sich paaren zu lassen. I prächtige Blütenpflanzen zu ziehen, ist keine Kunst, da Noch bewahrte die Goldelse ihrem Seligen bte Treue, I nächst es fast allein. Aber wenn man tttt Schatten ztehen und wies die Anträge des Schwarzen standhaft zurück; I Bewußtsein in Betrieb; jährliche werdeti hier 190 000 Quadratmeter an I fEeuer Pflichterfüllung gewährt uns aber auch die volle ^evvichen im Werte von 2 400 000 Mk. fertiggestellt. Die- I reine Empfindung und den unverdorbenen Genuß ieloen sind hier zweierlei Art: die eine, „Eylan" genannt, s per Freuden, welche das Leben bringt. Das ist ein be- iit buntfarbig, während die andere, „Paprak" genannte, I müderer Segen, welcher ebenso aus der Handarbeit des nur zwei Farben aufweist. Diese bilden wieder nach! Qua- I Tagelöhners, wie auf der Geistesarbeit des Gelehrten und lität folgende Gruppen: a) „Bafhana", mit wenig wert- I „id)t minder auf dem stillen Walten der Hausfrau ruht! vollen warben Preis 7.00 bis 8.50 Mk. pro Quadratmeter, 1 ~ f hi TMitee-ilmee" Preis 12.00 bis 14.50 Mk. pro Quadrat- I Erganzungsratsel. met« iS c) „SefiSee", 6ie leite Marie to SBäetort unb | **« »»»•'»■ Material mit einem Preise von 17 bis 20 Mk. pro Quadratmeter Koula betreibt 900 Stühle; 1500 bis 2000 Arbeiter sind hier beschäftigt und liefern lahrlich ungefähr 60 000 SÄTÄÄ1Ä sich im Preise je^ nA der Hauptwörtern? Qualität auf 9 bis 36 Mk. pro Quadratmeter. In Gtordes I ,----- werden auf 1100 Stühlen jährlich etwa 100 000 Quadrat- I meter int Werte von 1200 000 Mk. hergestellt. Hier schwankt I der Preis zwischen 10 und 16 Mk pro Quadratmeter. De- I mirdji beschäftigt 450 Stühle und produziert 3a 000 Qua- | Reaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.