Sonntag den 5. Mai 190L LL 9lles blüht und freut sich wieder, Grüne Hoffnung schmückt die Welt, Und aus blauem Himmelszelt Tropfen frühe Lcrchenlicder. Sieh'! Die Sonne lacht so heiter Und die Luft weht lind und lau; In den Wolken steht: „Vertrau Und sei fröhlich — Gott hilft weiter!" Zoozmann. ag (Fortsetzung.) „Ich habe kaum die Hälfte davon gebraucht. Tu stehst mich ungläubig an; aber ich lüge nicht. Die Natur hat mich zur'Verschwenderin bestimmt; aber ich besitze einigermaßen die Kraft, meine Triebe niederzuhalten. Der Tag wird kommen, an dem ich das nicht mehr nötig habe. Und (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. dann — ah, dann —" , Sie breitete die Arme aus, als ob ste damrt eure Fülle von unsichtbarer Herrlichkeit umfassen wollte, und in einem tiefen Atemzuge hob sich ihre Brust. „Du bist Deiner Sache sehr gewiß, und rch wünsche von Herzen, daß Deine Hoffnungen sich erfüllen. Aber ich fürchte, Hanna, auch Tu wirst eines Tages die Macht jenes kleinen, geflügelten Gottes empfinden, vor dem wir allzumal schwache Sterbliche sind. Mit einer einzigen Bewegung seiner Schelmenhand wirft er unsere festesten Grundsätze über den Hausen, und mit einem Hauch seines Mundes bläst er unsere schönsten Luftschlösser in alle Wurde." Dein geflügelter Gott wird mir nur wenig anhaben, Bernhard! Er wird es gewiß nicht sein, der meine Pläne stört." _ In lächelnder Warnung erhob der Rechtsanwalt ^Fordere ihn nicht heraus, Schwesterchen! Man soll der Gefahr nicht spotten, bevor man sie überstanden hat." „Ich aber habe sie bestanden." Er horchte verwundert auf. „Ist es möglich? — Deshalb--" „Tu meinst, ich sei deshalb aus Zurich entflohen? Nein. Mein jetziger Entschluß hat nichts damit zu schaffen. Tas, woran ich denke, liegt schon um Monate zurück, und seit Monaten schon ist es, als wäre es nie geschehen." „Weshalb hast Tu mich nicht in Dein Vertrauen gezogen, Hanna?" „O, es gab dabei sehr wenig, das des Anvertrauens wert gewesen wäre. Es war nichts als ein kleines Abenteuer. Ein Manu hat mich geküßt, und ich habe seine Küsse erwidert — das ist eigentlich alles." „Hm! — Ein recht einfacher Vorgang, in der That. Aber um seine Bedeutung richtig zu würdigen, müßte man doch wohl die näheren Umstände kennen." „Ich habe keine Ursache, sie Tir zu verschweigen. Wir hatten einen Ausflug ins Berner Oberland gemacht, eine russische Studentin, die sich meine Freundin nannte, und ich. Auf einer Gletscherwanderung, die wir ihrer Harmlosigkeit wegen ohne Führer machten, hatte id). das Unglück aus'zugleiten, und mir eine Sehnenzerrung am Fuße zuzuziehen. Ich konnte ohne Unterstützung nicht einen Schritt weiter thun, und meine Begleiterin war zu schwächlich, mir diese Unterstützung zu gewähren. Darum blieb ich, wo ich war, während sie nach der nächsten Alm zurückgehen wollte, Hilfe zu holen. Kaum aber war sie mir aus dem Gesicht, als unerwartet ein Ritter auftauchte — und zwar seiner äußeren Erscheinung nach ein wirklicher Ritter, obwohl er keine silberne Lohengrin-Rüstung, sondern eine schäbige Lodenjoppe trug. Er wurde auf den ersten Blick meiner Hilflosigkeit gewahr, und bot mir seinen Beistand auf eine Weise an, die eine Ablehnung fast unmöglich machte. Halb geführt, halb getragen, legte ich mit ihm den beinahe einstündigen Weg nach der Schutzhütte zurück, wo ich nach seiner Versicherung eher als auf der Alm alles vorfinden würde, was ich brauchte, um mir den sehr notwendigen festen Verband anzulegen. Natürlich blieben wir unterwegs nickt stumm, und ich lernte in dieser Stunde den ersten Mann kennen, der mir durch die Ueberlegenheit seines Geistes, ebenso wie durch die Ueberlegenheit seiner Körperkraft imponierte." „Harro hat also doch recht, man muß einem jungen Mädchen zu imponieren verstehen, um es zu gewinnen." „Eine Kunst, in der sich Tein Freund bis jetzt noch etwas unsicher fühlt, nicht wahr? Nun, mein Ritter war allerdings aus anderem Holz geschnitzt als er. Schüchtern oder bescheiden war er durchaus nicht. Als er mich die letzten hundert Meter dis zur Schutzhütte in seinen Armen hinaufgetragen hatte, weil ich vor Schmerzen halb ohnmächtig war, fühlte ich plötzlich seinen Mund auf dem meinigen, und er lächelte mich dabei so zuversichtlich heiter an, als wäre dies die selbstverständlichste Sache von der Welt." Sie erzählte ihr Abenteuer ohne alle mädchenhafte Befangenheit, wie wenn sie über das Erlebnis einer- fremden Person berichtete. Tie ernsthafte Miene ihres Bruders schien sie zu belustigen, und aus seine Frage, ob sie denn dem Unverschämten solchen Mißbrauch ihrer Wehrlosigkeit nicht sehr energisch verwiesen habe, erwiderte sie lachend: „Nein, durchaus nicht — sondern wie ich Dir schon sagte: ich gab ihm seine Küsse zurück." „Aber, Hanna — ist es möglich? Tw — meine stolze, unnahbare Schwester!" „O, in jenem Augenblick war ich garnicht stolz, nicht im mindesten. Ich war nur glücklich; denn ich liebte den Mann, der mich küßte, und es beseligte mich, zu fühlen, daß er stärker war als ich." „Nach einer Bekanntschait von einer Stunde? Und vielleicht wußtest Tu noch nicht einmal, wer er war." „Nein. An eine gegenseitige Vorstellung hatten wir bis dahin wirklich nicht gedacht. Man vergißt derartige Förmlichkeiten in solcher Lage, und inmitten einer solchen Natur. Da wir anfingen, französisch zu sprechen, sobald wir einen Zuhörer hatten, konnte uns der biedere Aelpler, der die Schutzhütte bewirtschaftete, für ein junges Ehepaar halten. Und ein paar Stunden lang ließen wir ihn in diesem Glauben." Der Rechtsanwalt schüttelte den Kopf. „Wenn es ein anderer wäre, der mir das von Dir erzählte, Hanna — ich glaube, ich würde ihn auf Pistolen fordern." „Es wäre kein Grund dazu, falls er bei der Wahrheit bliebe; denn es geschah selbstverständlich nichts, dessen ich mich in der Erinnerung vor mir selbst oder vor irgend jemand zu schämen hätte. Aber ich werde nie in meinem Leben wieder so glücklich sein, wie ich es in jenen Stunden gewesen bin, obwohl ich zeitweilig vor körperlichen Schmerzen laut hätte aufschrcieu mögen." „Nun? Und weiter? Wie endete das Abenteuer?" „Auf die nüchternste Art von der Welt. Meine russische Begleiterin, die mich schon aus dem Grunde irgend einer Gletscherspalte geglaubt hatte, erschien mit zwei Führern und einem Tragsessel. Mein Ritter wurde dadurch veranlaßt, sich vorzustellen, und erwies sich als ein auf Ferienurlaub befindlicher Volksschullehrer Müller aus Brandenburg an der Havel." „Während Du ihn bis dahin für einen verkleideten Prinzen gehalten hattest, nicht wahr?" „Nicht gerade für einen Prinzen, da ich mir unter der Mehrzahl dieser Herren weder ausnehmend schöne, noch ausnehmend geistreiche Männer vorstelle, immerhin aber für etwas anderes, als er es. seinem Geständnis nach war." „Und Tu warst nun mit einem Mal von Deiner Leidenschaft für ihn geheilt?" Hanna machte eine verneinende Gebärde. „Er verlor in meinen Augen keinen seiner Vorzüge, weil er nur ein Volksschüllehrer war. Aber die Sache mußte unter solchen Umständen natürlich sofort ein Ende haben. Ich nannte ihm weder meinen richtigen Namen, noch den meiner Begleiterin, und benutzte die zufällige Bemerkung eines Führers, daß irgendwo in der Nähe ohne allzu große Lebensgefahr Edelweiß zu erlangen sei, um mich seiner zu entledigen. Sobald ich sicher war, daß er nicht vor Ablauf von zwei Stunden wieder in der Schutzhütte sein konnte, begann ich in meinem Tragsessel den Abstieg, und der Vorsprung, den ich damit gewann, erwies sich denn auch glücklicherweise als groß genug." „Du hast diesen Herrn Müller nicht wiedergesehen?" „Nein; denn ich war vierundzwanzig Stunden später wieder in Zürich; und wenn er mich überhaupt gesucht hat, kann es nur nach der entgegengesetzten Richtung gewesen sein." „Und dawit glaubst Tu die Gefahr bestanden zu haben, von der wir vorhin sprachen? Nein, Hanna, wie romantisch auch Dein Reiseabenteuer gewesen sein mag, die Macht einer wahren Liebe hast Du damit noch nicht erfahren." Sie legte ihr Zigarettenstümpfchen in die Aschenschale, und stand auf. „Es liegt mir nichts daran, Bernhard, Dich vom Gegenteil zu überzeugen. Für mich aber ist es sicher, daß ich nie wieder einen Mann lieben werde, wie ich diesen geliebt habe. Gelang es mir damals, die Versuchung zu meistern, so wird es mir, wenn es jemals nötig werden sollte, wohl auch künftig gelingen. Und nun, gute Nacht! Ich fange an, müde zu werden. Und morgen ist auch noch ein Tag." „Ein fröhlicher, wie ich hoffe; denn für morgen abend lade itty uns bei den Restorps zu Gast. Und ich freue mich schon letzt darauf, zu sehen, wie gute Freundinnen ihr nach Verlauf der ersten Stunde sein werdet — Du und Inge." Sie bot ihnr ihre Wange, ohne zu antworten, und auf ihrenl schönen, ruhigen Gesicht war nicht zu lesen, ob sie seine Hoffnung teilte. (Fortsetzung folgt.) Thslers letzte Erdentage. Von H. Berdrow (Berlin). (Nachdruck verboten.) Die Tage, welche in fröhlicher Runde das alte, lustige Gesellschaftslied vom wandernden Thaler erklingen hörten, sind anscheinend gezählt. Nicht lange mehr soll der Thaler hinieden wandeln; zum letzten schwersten Gange, von dem es keine Wiederkehr giebt, muß auch er sich rüsten. Wenngleich gegen den Tod überall, selbst für einen so unverwüstlichen Gesellen, kein Kraut gewachsen ist, so wollen wir ihn — das heischen Dankbarkeit und alte Anhänglichkeit — wenigstens nicht ohne Sang und Klang von hinnen fahren lassen. Das Reichsgesetz vom 1. Juni 1900, welches den Vorrat von Scheidemünzen von 10 auf 15 Mark für den Kopf der Bevölkerung zu erhöhen beschloß, hat unserem Freunde das Todesurteil gesprochen; denn das zur Ausprägung dieser Mehrsumme erforderliche Silber sollte durch Einziehung der Thaler, deren Bestand vor kurzem auf etwa 120 Millionen Stück geschätzt wurde, gewonnen werden. Zunächst nahm man unter Einberufung der ältesten noch umlaufenden deutschen Jahrgänge und der landfremden Oesterreicher die Ausmünzung von 22 einhalb Millionen Mark in Angriff; sie wird gegen Ende März 1901 beendet feilt. Dann sollen weitere Prägungen in Höhe von 30 Millionen Mark stattfinden, denen außer den noch nicht ertappten Oesterreichern deutsche Gepräge aus den Jahren 1823 bis 1856 zum Opfer fallen werden. Jüngere Jahrgänge werden bei dem unablässig steigenden Bedarf an Reichssilber voraussichtlich bald Nachfolgen. Mit unseren Thalern geht ein anschaulicher, klingender Abriß deutscher Geschichte des vor 1870 liegenden halben Jahrhunderts dahin. Es sind so charakteristische Gestalten, so „ausgeprägte" Individualitäten darunter, daß der Samm- ler seine Helle Freude an ihnen hat, und auch der Laie sich gern in einem solchen „Thalerkabinett" umsieht. Die nun zunächst zur Einziehung bestimmten Stücke tragen auf der Kehrseite sämtlich die gleiche Umschrift: XIV eine feine Mark. Diese Gehaltsbestimmung bildete das einzige gemeinsame Merkmal der in Porträt, Wappen und Wahlspruch so unendlich verschiedenen norddeutschen Thalergepräge. Preußen münzte nach diesem Fuße schon seit 1823, und ihm schlossen sich 1832 Kurhessen, 1834 Hannover undl Anhalt-Bernburg, sowie 1837 Braunschweig an. Erst int Jahr 1839 gelang es, im Anschluß an den Zollverein eine Münzkonventivn durchzusetzen, die dem preußischen Münzfuß wenigstens in Norddeutschsänd allgemeine Geltung verschaffte und bestimmte, daß aus einer feinen Mark Silber 14 Thaler oder 24 einhalb Gulden zu prägen seien. Mnen erheblichen Fortschritt brachte der zu Wien im Januar 1857 geschlossene Münzvertrag, durch den sich die Zollvereinsstaaten mit Oesterreich! dahin einigten, das neue Pfund feinen Silbers zu 30 Thalern oder 45 österreichischen resp. 52 einhalb süddeutschen Gulden auszuprägen. Diese Thaler tragen die Umschrift: XXX ein Pfund fein. Auch dieser Versuch einer wenigstens ideellen Einigung blieb nicht ohne Erfolg; allmählich prägten alle deutschen Staaten, ausgenommen die nichi im Zollverbande stehenden Hansestädte, an Stelle der bisherigen Thaler und Gülden die neuen Vereinsmünzen, und auch die süddeutschen Staaten haben seit 1857 zahlreiche Thalergepräge in die Welt gesandt. Oesterreich schied infolge der Ereignisse des Jahres 1866 aus diesem Münzverbande aus, und hat seitdem das Ausmünzen von Thalerstücken eingestellt. Im Jahre 1871 fand die Thalerprägung mit Einführung der Markwährung ihren Abschluß. Tie von den vier Königreichen und der freien Stadt Bremen hergestellten Siegesthaler beschließen auf glorreiche Weise die 251 — Geschichte des Thaters. Als verspäteter Nachkömmling, der sich seines Geburtsjahres schämte, und deshalb ohne Jahreszahl auftrat, ist der im Jahre 1875 geprägte bayrische Marienthaler zu nennen. Aber so eine Thalersammlung erzählt uns nicht nur von dem Ringen Deutschlands nach Einigkeit, sondern auch von den Opfern, die, zumeist durch eigenes Verschulden, ihr gebracht werden muhten. Ta begegnen wir manchem Zeugen geschwundener Größe, dessen Anblick dem Herzen eines braven Partikularisten wehe thun würde. Tie Anhalt- Bernburger, schöne Ausbeute- oder Segensthaler, mit dem gekrönten Bären auf der Mauer und der Inschrift: Segen des Anhalt. Bergbaues, wurden nur bis 1862 geprägt; ein Jahr später erlosch das Fürstenhaus, und das Land fiel an Anhalt-Dessau zurück, welches nun den sogenannten Ver- einigungsthaler mit der Inschrift: Geteilt 1603, vereint 1863, prägen ließ. Welcher Leser hätte nicht schon einmal mit der schönen Francofurtia geliebäugelt, zu deren reizendem Profil die Schauspielerin Janauschek gesessen haben soll. Die Sage läßt freilich die Tochter des Frankfurter Rothschild oder gar eine Geliebte des Millionärs als Vorbild gelten, während man andererseits das Zeichen des Münzmeisters am Gewandabschnitt: A. v. Nordheim als Anna v. N. liest. Den Frankfurtern bereitete ebenso wie den noch zahlreich umlaufenden Hannoveranern, den Thälern des Kurfürstentums und der für uns Jüngere schon völlig sagenhaft klingenden „Landgrafschaft" Hessen, sowie denen des Herzogtums Nassau das böse Jahr 1866 ein unerwartetes, jähes Ende. Aber auch Erinnerungen minder ernster Art verkörpern sich in den blanken Silberstücken. Da lesen wir auf einem Thaler König Johanns von Sachsen die Worte: Geprägt in Gegenwart S. M. des Königs, Dresden, d. 24. April 1855. Ein sogenannter Münzbesuchsthaler, bestimmt, den welthistorischen Moment zu verewigen, in dem Hoheit oder Majestät der Prägung ihres Bildnisses zuzuschauen geruhten! Wegen ihrer Seltenheit sind von solchen Stücken sehr geschätzt die Gedenkthaler Georg V. von Hannover von 1853, Adolphs von xNassau (ohne Jahreszahl), von denen 1861 nur drei Stück probeweise geprägt worden sind, weil der Besuch der Münze unterblieb, und Friedrich Augusts II. von Sachsen. Letzterer sollte an den Besuch der Prinzen Albert, Ernst und Georg und der Prinzessin Elisabeth erinnern; der Prägeteufel jedoch, offenbar von seinem Vetter, dem Druckfehlerteufel, verführt, erlaubte sich den Scherz, die Königlichen Hoheiten zur Dreieinigkeit umzustempeln, und sein Werk d e m Prinzen Albert Ernst Georg zu widmen. Wie unzeitgemäße Scherze muten uns heute auch zwei Gedenkthaler an, mit denen Hannover ein Jahr vor seiner Einverleibung die Welt beglückt. Der erste ist „den Siegern von Waterloo gewidmet", als welche nach hannoverscher Auffassung nur die Engländer und Hannoveraner gälten. Der zweite feiert, in zwei schönen Prägungen sogar, die fünfzigjährige Vereinigung Ostfrieslands mit dem Welfenstaate, und war erst recht geeignet, in Preußen, das dieses Ländchen 1815 hatte abtreten müssen, böses Blut zu machen. Unfreiwillige Komik spricht aus einigen Thalern des Jahres 1848, aus denen mehrere Fürsten sich durch Fortlassen des V. G. G. ihres Gottes- gnadentums entäußerten. Solche „Angstthaler", wie das Volk sie taufte, erschienen z. B. in Hannover und Mecklenburg-Schwerin. Erfreulicher, als die soeben angeführten Prägungen, berühren einige, hauptsächlich von den freien Städten ausgehende Thalerstücke, welche Gelegenheiten feiern, bei denen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Wunsch nach der Einigung Deutschlands zum Ausdrucke kam. So prägte Frankfurt im Jahre 1859 einen Gedenkthaler: Zu Schillers hundertjähriger Geburtsfeier, 1862 einen solchen zum deutschen Schützenseste, auf dessen Vorderseite Germania, aufrecht und mit der Linken auf den Schild gestützt, mit der Rechten einen Kranz darreicht. Im August 1863 folgte ein Gedenkthaler mit der Umschrift: Fürstentag zu Frankfurt am Main. Die Vorderseite dieses vorzüglichen Stückes zeigt den Römer, vor welchem Franz Joseph von Oesterreich in offener Equipage vom Volk begrüßt wird. In demselben Jahre prägte Bremen einen Gedenkthaler: Zur 50jährigen Jubelfeier der Befreiung Deutschlands, und 1865 feierte es das in seinen Mauern stattfindende zweite deutsche Bundesschießen durchs eine eichenlaubgeschmückte Denkmünze, auf deren Wappenseite wir die Währungsangabe: Ein Thaler Gold, lesen. Preußen hat hinsichtlich der Prägung von Gedenkmünzen immer große Zurückhaltung bewiesen. Die beiden einzigen Stücke dieser Art sind der Krönungsthaler von 1861 und der Siegesthaler des Jahres 1871 mit der thronenden, das Schwert haltenden Germania. Der sogenannte Siegesthaler von 1866 unterscheidet sich! von seinen Vorgängern nur durch den Lorbeerkranz auf dem Haupte des Königs, und der Sterbethaler Friedrich Wilhelms IV., nach dem Ableben dieses Herrschers im Jahre 1861 in einer Anzahl von 10 000 Stück geprägt, trügt gar kein besonderes Merkmal. Zeitweilig schon mit 100 Mk. und darüber bezahlt, ist er jetzt im Preise aus 20 bis 30 Mk. gesunken. Einen sehr schönen Sterbethaler widmete Sachsen dem Andenken seines im Jahre 1854 gestorbenen Königs Friedrich August II. Die Kehrseite zeigt die thronenden Göttinnen der Gerechtigkeit und der Liebe mit der Umschrift: Er säete Gerechtigkeit und erntete Liebe. Bayern prägte unter Ludwig II. neben gewöhnlichen Thalerstücken die schon erwähnten schönen Marienthaler, welche anstatt des Wappens aus der Kehrseite die Jungfrau mit dem Christuskinde auf Wolken thronend und die Inschrift: Patrona Bavariae zeigen. Ein würdiges Gegenstück zu ihnen bildet der bayrische Gedenkthaler auf den Frankfurter Frieden 1871, mit der thronenden, Lorbeerkranz und Füllhorn haltenden Friedensgöttin und der Umschrift: Durch Kampf und Sieg zum Frieden. Die deutschen Kleinstaaten waren nicht häufig in der Lage, sich das Vergnügen eigener Thalerprägungen leisten zu können; sie halsen sich mit dem Reichtum der großen Herren aus. Einige von ihnen, z. B. Lippe-Detmold, die beiden Reuß, Schaumburg, Waldeck, Liechtenstein haben nur ein- oder zweimal prägen lassen; daher kommt es, daß wir ihren Thalern kaum jemals im Umlaus, sondern nur noch als geschützten und oft sehr teuer bezahlten Sammelobjekten begegnen." So wird z. B. das Exemplar der 1862 zu Wien in 'der geringen Anzahl von 1920 Stück geprägten Liechten- steinschen Thaler gegenwärtig mit 50 bis 60 Mk. bezahlt. Zu den vom Sammler begehrten Seltenheiten gehören u. a. die braunschweigischen Thaler Herzog Wilhelms von 1837, die hannoverschen Ernst Augusts von 1838, 1840 und 1839, letztere auf der Kehrseite anstatt des Wappens mit der Inschrift: Glückauf! Klausthal, im September 1839; ferner ein hessischer Ludwigs III. von 1857 mit der Randschrift: Konvention vom 24. Januar 1857, der ein Probestück bildete und vor seiner endgiltigen Genehmigung noch Abänderungen erhielt. Ein ebenso seltenes Probestück ist der Thaler Friedrich Wilhelms III. von 1823 mit der erhabenen Randschrift: Gott mit uns. Wenn auch in den vorstehenden Zeilen die Reihe der schönen, merkwürdigen oder seltenen Zhalergepräge noch keineswegs erschöpft ist, so regt doch vielleicht schon das Angeführte mqnchen Leser an, die ihm durch die Finger gehenden Stücke etwas genauer anzusehen, und diesen oder jenen schönen oder seltenen Vogel einzufangen, ehe er sich, ein zweiter Phönix, in die Flammen stürzt, aus denen er als Markstück von neuem geboren werden soll. Wir werden uns durch solche gelegentliche Rettung den Tank von Kind und Kindeskind erwerben, denen der „Thaler" sonst zum leeren, inhaltlosen Begriff zusammenschrumpfen müßte. Unser Garten im Mai. (Nachdruck verboten.) Die angenehmste Arbeit ist das Stechen des Spargels. Vorsicht dabei! Man soll die Pfeifen freilegen, bevor man sie sticht, und nicht zu tief mit dem Messer in den Boden hineingehen, das Messer trifft sonst die Spargelpflanze nnd richtet Verwüstungen an. Gegen die Spargelfliege, die junge Anlagen besonders gefährdet, sind weiße Stäbchen mit Vogelleim beschmiert auf das Spargelfeld zu stecken. Gegen den Spargelkäfer und gegen das Spargelhähnchen ist frühzeitiges Absuchen in kleinen Anlagen, Bespritzen mit Pariser Grün in größeren Anlagen notwendig. Es werden Bohnen ansgesäet, vom 10. bis 15. Mai Gurken, Melonen, Kürbis, doch sorgt man für recht warmen Boden. Das Pflanzen aller Gemüse nimmt seinen Fortgang. Man 252 bedenke, daß Tage und Stunden im Frühjahr für die junge Pflanze viel bedeuten und daß, wer die Pflanzen durch schlechtes Herausmachen oder durch mangelhaftes Pflanzen und Gießen schädigt, viel länger auf Ertrag warten muß. Schutz daher allen Würzelchen! Es darf keines vertrocknen. Merkt die junge Pflanze es nicht, daß sie versetzt worden ist, dann hat man ein Meisterwerk gemacht. Begießen im Mai ist eine große Hauptsache bei warmem Wetter. Jäten und Hacken darf keiner vergessen, Anhäufeln der Kohlpflanzen, der Kartoffeln niemand verabsäumen. Dem Ungeziefer als da sind Kohlfliege, Erdfloh, Kohl- hernre, Engerling und Maulwurfsgrille energischste Bekämpfung. Kohlpflanzen, die unten kröpfen, sind von der Äohlhernie oder von der Kohlfliege befallen; heraus damit! Kohlrabi, die gleiche Krankheit zeigen, können durch sehr eifriges Gießen über die Schwierigkeiten hinweggeführt Im Obstgarten sei das Bekämpfen des Ungeziefers ebenfalls eine Hauptsache. Die abfallenden Birnchen sind von den Maden der Birnentrauermücke befallen und müssen verbrannt werden. Auch die jungen Zwetschgen und Pflaumen fallen oft, weil die .Larve des Pflaumenbohrers darin wohnt, auch sie muß man sammeln und verbrennen. Wo Goldafterraupen, Ringelspinner sich zeigen, die Raupenfackeln zur Hand, um sie herunter zu brennen. Zusammengerollte Blätter vorsichtig öffnen und die darin lebenden Raupen töten. Nach- der Blüte auf trockenem Boden die Obstbäume gießen und düngen, ganz besonders stark sind Tvpfbäume mit Wasser und Dünger zu versehen. Die Triebe unserer Weinreben sind vorsichtig anzubinden. Es beginnt bei dem Formobst das erste Eutspitzen (Grünschinitt). Der Blumengarten verlangt von uns die größte Thätig- keit. Es soll in aller Schnelle die Pflanzung beendet werden. Wir legen Dahlienknollen, säen noch Sommerblumen aus, und bepflanzen diejenigen Blumenbeete, welche mit Fuchsien, Begonien, Pelargonien, Canna und dergl. besetzt werden sollen. Doch wird die Bepflanzung bis zum Vorübersein der drei Eismänner verschoben und die Zeit bis dahin ausgenutzt, indem wir die Pflanzen abhärten durch reichliches Lüften, durch Hinausstellen an schattigen Stand, wo leicht Deckung möglich ist. Nur wenn unsere Pflanzen noch klein und schwächlich sind, werden sie durch Wärme zu starkem Wachstum angeregt. Das gilt insbesondere von Canna, Begonien, auch von Lobelien, Heliotrop. Wo die Pflanzen bislang in Kästen zusammen gestanden haben, kann durch ein nochmaliges Verpflanzen viel Nutzen geschaffen werden; denn die verpflanzten Gewächse wachsen viel besser an, wenn das Verpflanzen auch nur acht oder zehn Tage vor dem Auspflanzen geschah. Sind die Eismänner vorüber, beginnt auch das Hinausbringen der letzten Zimmerpflanzen, die ins Freie kommen sollen. Während Lorbeer, Ancuba, Evonymus, Phormium, Rhododendron, Schildblatt zur Not etwas Kälte vertragen, müssen wir doch mit den Blattbegonien, dem Gummibaum, den Palmen rc. vorsichtiger sein. Ehe sie an den für sie bestimmten Platz kommen, sollen sie sechs bis acht Tage im Schatten eines Baumes oder einer Mauer stehen, damit das Laubwerk gegen die Sonnenstrahlen abgehärtet wird und nicht verbrennt. Frischgepflanzte Rosen, die nicht treiben, sind niederzubiegen und mit Erde anzuhäufeln. Rosenwildlinge durch Okulation mit alten Reisern zu veredeln, Nelken zu vermehren .Das Bepflanzen der Balkons beginnt. Die Erde wird vorher mit etwas Hvrnspähnen gemischt. I. C. Schmidt, Erfurt. Augenblicksbilder. Ziegler, Johannes, Augenblicksbilder, geb. Mk. 4. Berlin, Alfred Schall, Hofbuchhandlung. (Verein der Bücherfreunde.) Inhalt: Winterszeit in Hammerfest. Hofbräuhaus. Im Austernkeller. Sesenheim im Winter. Mein Vetter aus Bremen. Reisegerüche. Ein Sylvesterabend in Nürnberg. Auf der Wartburg. Frohnleichnam in Venedig. Russisches Stilleben. Ein Frühstück im Mai. Unschuldiges Locken. Dänische Wintertage. Gondelsahrt. Sommer. Vom Durste und dessen Behandlung. Bücher aus der Kindheit. Er. Von einer Haarnadel. Influenza. Matrosenritt. Veronica. Unter Nihilisten. Von Norwegen nach Triest. Die Durchgegangenen. Triest im Winter. Weihnachtszeit. In Hamburg auf der Alster. Meine Reisegefährten. Winterreise zur See. Augenblicksbilder genannt, zwingen sie den Leser doch zum Verweilen und Vertiefen. Teils ernst, teils heiter, zuweilen beides zugleich versteht es der Verfasser, durch frische Erzählergabe und lebhafte Schilderung zu fesseln, und so seine Welterfahrenheit, Länder- und Menschenkenntnis anderen mitzuteilen. Die Würze der Kürze ist zudem kein geringer Vorzug der Erzählungen, die sichpr kein Leser unbefriedigt aus der Hand legen wird. Bdt. Alumenpflege. Eine neue Art der Rosenzucht. Im „Erfurter Führer im Gartenbau" ist eine neue Art der Rosenzucht beschrieben, die jeden Rosenfreund besonders interessieren wird. Während man sonst alle Wildlinge, welche die Edelrosen treiben, ängstlich vernichtet, sind nach der neuen Weise diese Wildlinge hochgezogen und dann veredelt. Die Wildlinge, welche sonst als Schmarotzer betrachtet werden, dienen hier zur Verschönerung des ersten Stammes. Die Ausführung der neuen Rosenzucht ist sehr leicht. Unseren Abonnenten steht die Nummer kostenfrei zur Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. Mode. Was bringt die Mode Neues? Foulard, dieser für die heiße Zeit so sehr praktische, leichte und gut zu verarbeitende Stoff, wird andere Sommerstoffe stark zurückdrängen. An Stelle der ungraziösen großen Dessins sind kleidsame Muster in Tupfen, Strahlensternchen, Blümchen, Blättern und Potpourris getreten. Das soeben erschienene Heft 15 der „Wiener Mode" vom 1. Mai berichtet eingehend und mit der diesem beliebten Modejournale eigenen Vielseitigkeit über Toiletten, Putz und Hutmodelle modernen Stils. Tie wichtige Beilage „Wiener Kinder-Mode" behandelt außer Firmungskleioern für Knaben und Mädchen auch Straßen- und Hauskleider, Kopfbekleidungen, Schürzen usw. für die Kleinen in großer Mannigfaltigkeit. — Die neugeschaffene Abteilung „Herrenmode" illustriert die soeben aufgetauchten Herrenmode-Neuheiten, besonders Sportskostüme samt Zubehör. — Abonnements nehmen alle Buchhandlungen, Postanstalten, sowie der Verlag der „Wiener Mode" in Wien VI zum Preise von 2.50 Mk. vierteljährlich entgegen. Litterarische». Kinder-Zeitung. Hcrausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 81. Was in der Welt vorgehl: Brief eines Deutschen aus Südafrika; Erlebniffe im südlichen Eismeere; Feuersbrunst in China; Neuer Vormarsch gegen chinesische Truppen; Ausstand in Deutsch-Südwcstafrika; Brand einer Menagerie; Das „Hunger- brüt"; Was Schneefälle der Stadt Berlin kosten; Ein Wettmarsch. Aus dem Reiche der Natur: Kampf zwischen zwei Pferden; Ablagernngen im Meere; Wie bewegen sich die Regenwürmer? Vom Fischfang in der Nordsee. Der Beobachter in Wald und Feld: Ein Morgen im Walde. Vom täglichen Leben: Wie stillt man Nasenbluten? „Peters wunderbare Reisen und Abenteuer." (Forts.) Allerlei. — Zu be- ziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Anagramm. Nachdruck verboten. 1 2 3 4 Insel im Mittelmeer. 2 4 3 1 Erquickung. 3 1 2 4 Ungarische Könige. 4 3 1 2 Biblischer Name. (Auflösung in nächster Nummer.) Kttzaktivn: •, Burkhardt. — ®ra< bmä «erlag der «rghl'schen ldtiversititr-Buch. und $tetatat4etei (Pietsch Erbe») fe eitfee.