Hraö ji II Ä/wr’F WMU^ s M VSKM EP© iufeii'FgR orte giebt's, die nie verhallen; Sie sind wie Steinchen, die gefallen In einen Brnnen schwarz unb tief, Und die von Kant zu Kante springen Und stets vom neuem auswärts klingen, Wenn scheinbar längst ihr Ton entschlief. Moritz Hartmann. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigin. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Mein Mann legte seine Hand auf die Thürklinke, als- ob er eintreten wollte; dann besann er sich und trat zurück. Ich folgte ihm. Staunen und eine Art üoit Grauen hatte sich meiner bei dieser unheimlichen Stille bemächtigt, und ich hatte alle Gefahren, denen wir entronnen, darüber völlig vergessen. „Das ist im höchsten Grade rätselhaft und geheimnis-: voll", sagte Richard immer noch im Flüsterton. „St! Hörst; Du nichts?" Ich lauschte und Antwortete: „Nichts als das Flappen der Segel." „Ich werde vorn mal nachsehen", sagte er; „bleibe, wo Du bist, Jessie." „Nein, nein", rief ich aus, „laß mich mit Dir gehen.". Diese Kajüte erregte meine Angst bedeutend mehr, als ber Aufenthalt in dem kleinen Boot es gethan hatte. Er nahm mich bei der . Hund, um mir Mut einzuflößen; und mir auch über das Gewirr von Tauwerk an Deck hin-; wegzuhelfen; wir gingen bis Wi die Thür des vordersten Deckhauses. Sie war geschlossen. Mein Mann öffnete sie,; steckte den Kopf hinein und sprang sofort wieder zurück,, indem er mit den Anzeichen des höchsten Ekels auf Deck, spuckte. „Herr des Himmels!" rief er aus. „Welch furchtbare Luft! Da^ ist noch schlimmer, als' die Dämpfe auf der „Aurora". Kaum hatte er dies gesagt, als auch ich einen tauten Schrei ausstieß und schaudernd zurückwich. Aus dem vorderen Ende des Deckhauses war die hagere, verstörte Gestalt eines Mannes herausgetreten. Ob' er jung oder alt sei, konnte man nicht erkennen. Das Gesicht war mit einer förmlichen Schmutzkruste überzogen. Langes, rotes Haar hing wild und verworren um sein Gesicht, aus dem die blutunterlaufenen Augen hervortraten. Er trug ein rotes Hemd und Segeltuch-Beinkleider, die bis über die Knie aufgerollt waren. Arme und Brust waren bloß, und die Arme sahen wie das Gesicht schwarz und schmutzig aus, wie bei einein Kohlenbergwerksarbeiter. Nach der Art, wie er uns anstarrte, zu urteilen, mußte er wahnsinnig sein, und ich schmiegte mich eng an Richard an. Unser Anblick schien geradezu versteinernd auf ihn zu wirken. Sein Unterkiefer sank herab; dadurch wurde seine untere Zahnreihe sichtbar und erhöhte noch das Furchtbare seiner Erscheinung. Seine Arme hingen schlaff, doch mit weit auseinandergespreizten Fingern herunter, als ob er sie im nächsten Augenblick erheben wollte, um uns abzuwehren. „Sind Sie einer von der Mannschaft?" rief Richard, indem er vor mich hintrat. Er war ebenso erstaunt über diese außergewöhnliche und wirklich schrecklich aussehende Erscheinung wie ich selber, wenn er auch allerdings keine Furcht davor hatte. Das unglückliche Wesen starrte uns noch immer unbeweglich an. Ich flüsterte Richard zu:^ „Er versteht vielleicht kein englisch." Als aber mein Mann ihn zum zweiten- male in unserer Sprache anredete, antwortete er mit rasselnder, seltsanr hohl klingender Stimme, aber vollkommen verständlich : „Ja. Aber wer sind Sie? Wo kommen Sie her?" „Wir sind Schiffbrüchige", erwiderte Richard. „Wir entdeckten dieses Fahrzeug bei Tagesanbruch und hielten darauf zu. Wo sind die anderen Leute von der Mannschaft?" „Tot", war die Antwort. „Ha!" rief Richard und wich einen Schritt zurück, indem er einen flüchtigen Blick auf das Deckhaus warf. „Woher kommt Ihr denn?" „Von Sherborough", antwortete der Arme. Er sprach, als ob er im Traume wäre. „Sherborough, dicht bei Sierra Leone?" „Ja." ',/Was habt Ihr geladen?" „Palmkerne." „Ist niemand weiter übrig als Sie?" „Niemand." Dann schlug der Unglückliche, als ob er aus dem Traum erwache, beide Hände vors Gesicht und rang sie darauf mit jammervoller Gebärde über seinem Kopfe, indem er rief: „Alle außer mir sind tot, am Fieber gestorben. Herr! O, mein Gott, was habe ich für eine schreckliche Zeit durchgemacht, so ganz allein! Sind Sie gekommen, Herr, mich zu erlösen?" Damit rannte er auf. uns zu und blieb auf Armeslänge vor Richard stehen, indem er uns mit einem jammervoll flehenden Ausdruck anblickte. „Ja", sagte Richard. „Mit Gottes Hilfe, Mann, wollen wir Sie retten und uns selber auch. Ist irgend etwas zu essen an Bord?" 126 brachten Arbeit ja auch leicht erklärlich war. Doch auch bei ihm wie bei mir überwog das Gefühl der Dankbarkeit gegen Gott für unsere Erlösung. ... Er trat wieder in das Deckhaus und blieb darin, bis er mit dem anderen einen kleinen Kessel mit Pech aus den Herd gesetzt hatte. Darauf kamen sie beide an Deck nnd verschlössen die Thür hinter sich, damit nichts von dem Dampfe des kochenden Pechs entweichen könnte. Jetzt betrachtete ich mir auch den einzigen, elenden Neberlebenden der Schiffsmannschaft etwas genauer und entdeckte, daß er zwar ein sehr rauh aussehender Hungluig sei, aber doch kaum mehr als achtzehn Jahre alt sein rönne. Als wir auf die Kajüte zuschritten, fragte ihn Richard nach dem Namen der Brigg. Er antwortete, daß es die „Bo- lama" sei, die nach Sunderland zu Haus gehöre und auch nach jenem Hafen bestimmt wäre. „Und wie heißen Sie?" fragte Richard. „Joseph Spence", versetzte er. „Als was haben Sie gemustert?" „Als Junge, Herr." . „Und wie kommt es, daß sich das Deck in diesem Zustande befindet?" fragte Richard, und zeigte aus das unordentlich umherliegende Tauwerk. ..Na", meinte Spenee, „ehe der Kapitän krank wurde, „Massenhaft zu essen, Herr", rief der Aermste, indem er weinte wie ein kleines Kind. „Nun, wenn das der Fall ist", meinte Richard, „haben Sie sich doch wohl nichts abgehen lassen und sind so ziemlich bei Kräften?" , „£>, ich kann arbeiten", antwortete der Mann. „Ich werde alles thun, was Sie mir anftragen, und Gott danken, daß er Sie au Bord geschickt hat." , „Ihre Geschichte könueu Sie mir spater erzählens meinte Richard. „Jetzt, so lange das Wetter schön ist, müssen wir aus Werk gehen und die Brigg ausklaren, damit sie wieder ein etwas schiffsmäßiges Aussehen bekommt. Zunächst, dabei zeigte er auf das Deckhaus, iuobei ein gewisses Grauen sich in seinem Gesichte zeigte, „wieviel von den armen Burschen liegen noch dort?" Der Mann schien sich zu besinnen, zählte an den Fingern und antwortete: „Drei." „Sind sie alle tot?" „Ja, schon seit zwei Tagen." ,r ,, „Jessie", sagte mein Mann, „geh' so lange nach achtern aus dem Wege, bis wir die Leichen über Bord befördert haben. Wir müssen das sofort thun, wenn uns unser Heben lieb ist. Die Luft in jenem Deckhanse birgt den Stofs zu M9» und befand mich erllarUcherweif»! ft-u-L"--. 3» • „bJ,. Hvtfrrp« Andes-iiiast bau er ienes Laus betteten I fieberkrank. Da drehte sich der WiNd, uno oer stapuun tun Durch den schmalen Gang an der Steuerbordseite der ^^un" saate"Rick b „wir müssen das sogleich be- Kajüte gelangte ich bis an das Steuerrad und hatte nun I " / icm uX ;a au§ als ob sie in einem Gefecht die Kajüte zwischen mir und dem vorderen Deckhaufe, sodaf; sorgen. Die^rrgg fieyr ja aus, l ich nichts von den Leichen sehen konnte. I 9 ö;fnete Kajütenthüre und steckte den Kopf hinein. In dem Moment jedoch, wo ich das Steuerrad. Hier kann ch n chts verVchiiges riechen", meinte er. „Wie blickte, zuckte ich zusammen wie vom Herzschlag getrchfen "^Steuerleute waren an Bord?" und fühlte, wie sich mein Haupthaar emporstraubte. Dort, I H^r" antwortete Spence. mit dem Rücken gegen das Rad gelehnt, faß em toter I " .L denn der gestorben?" Mann. Das Kinn war auf die Bruft hinabgesunten; feine I » feiner: Kantmer", erklärte Spence, indem er aus Hände lagen mit nach oben gekrümmten Fingern auf dem StZ beutete er Var bet erste." Deck, unb seine Beme hatte er lang von gestreckt. I ' $genn toir diese "Kajüte benutzen wollen, Jeß", meinte Erst nach einer Pau,e gelang es mir, soviel von I g"*" ,^sseu wir sie zunächst ausräuchern. Du kannst meiner Fassung wieber zu erlangen, um zu fchreien. .ch | ) bleiben unb Ausguck halten. Tort achtern steht rief laut nach Richarb. Er kam sofort, mbem er fich in an X^einer eiserner Ofen. Spence, mein Junge, laufen seiner gräßlichen Beschäftigung unterbrach. | ’S{c maf nacf) üorne uub bringen mir, was Sie dort an „Was gtebt's?*' rief er. ^ann erblickte er den Toten I Rnerungsmaterial finden können und ein Stück Segeltuch, und rief nach dem Butfchen auf dem Großdeck. Auch die,er rieu Schornstein zu verstopfen. Kohlenranch ist zwar rief mein Mann, und z-igie «f die fchmn»iz ***** ***» Kg"* fStS’ I ""sfSSS»1«*« der Jüngling, mit altem not. gaß, Ihnen zu sagen, daß er hier fei. Er war der letzte, I versehen wieder da; offenbar befand sich ein aber er machte sich nichts aus dem Fieber und h elt noch XiVr Kohle^rat V der Kombüse. Innerhalb einer immer das Rad, bis ich nach achtern kam und iah, daß I ®ierterftunj,e gatten sie nicht nur das Feuer in Gang ge- er tot an Deck lag. Ich nahm ihn auf und setzte ihn gegen I Xdern auch Matratzen, wollene Decken und sonstiges das R-d Dann ging ich nach J Attze'nq ans d?n chiedJnen Kammern an Deck «1» und wartete darauß datz das Fieber auch mit mi I unb das Kojenzeug aus der Steuermannskammei SZUM- SM MZZSWZ § W--.-------------- W «se» s«assa- @c£,aS einiger Zeit, als ich kein Klatschen des Wassers I „Es muß noch genug in der Kajüte sein, Herr", aut- mehr vernahm, ging ich etwas weiter nach vorne und sah wottete Spence. erschien gleich darauf WNNLL bern LnN°nd°Smir Z 4 Me UcBm* sie damit beschäftigt wären, Feuer an^umachen, um einen I @tude^ Vin bem' Rauch entdecken konnte", iKSrs-ÄB »wes .-LWL-MKS---:.--- Äar mtteÄSÄ nnd der ans Schänder bnse »ich?einen Teller nnd ein ober zwei Messer ftnbe« ^Ät=CÄunb?™»i”°erS 7L to* K?»”• I ,On”"' W.) 127 f Henriette Davidis. Gedenkblatt.zu ihrem 100. Geburtstage von Emma Heine. (Nachdruck verboten.) Am 1. März 1901 war ein Jahrhundert vollendet, seit- dein diese weltberühmte und von der ganzen Frauenwelt so hochverehrte und gefeierte Schriftstellerin in dem Kirchdorfe „Wengern a. d. Ruhr das Licht der Welt erblickte. Ein wörtlicher Auszug aus dem dortigen Taufregister lautet: „Sontag den 1. Mertz abends halb acht Uhr gebohren und den 11.' Mertz getauft: Johanna Friederika Heinriette Catharina. Eltern: tit. Herr Pastor Ernst Henr. Davidis und Frau Maria Catharina Lithauer." Jahr 1801." Es ist nicht unsere Absicht, an dieser Stelle ein ausführliches Lebensbild der genialen Frau zu bringen. Aber wir halten es für eine gebotene Pflicht, diesen Erinnerungs- tag nicht schweigend vorübergehen zu lassen, sondern allen deutschen Frauen, und namentlich den unzähligen Verehrerinnen der Davidisschen Werke die unermüdliche Schöpferin dieser vorzüglichen Bücher, deren rastlos schaffende Hand nun lange im Grcche ruht, in kurzem Wort wieder nahe zu bringen. Eine nicht lange vor ihrem Tode ausgezeichnete Selbstbiographie von Henriette Davidis beginnt folgendermaßen: „Endliche habe ich mich dazu entschlossen, den warmen Anregungen und freundlichen Wünschen meiner vielen Anhängerinnen und den vielseitigen Aufforderungen, eine Biographie von mir für die Oeffentlichkeit aufzuzeichnen, nachzukommen, und ihr Erscheinen könnte vielleicht Verwirklichung finden, so Gott der Herr mir Leben und Gesundheit schenkt. Oft und oft habe ich es abgelehnt; denn es erscheint mir nichts so schwer, als öffentliche von meinem Lebenslauf zu erzählen. Derselbe hat sich still und einfach entfaltet und ist nicht mit auffallenden Ereignissen verwoben, so daß ich immer glaubte, ein Schriftchen darüber könne kein Interesse erwecken. So sei denn mein Leben und Wirken ohne Ausschmückung offen und wahr dargeboten" u. s. w. Dieses Manuskript ist wegen des unerwartet eingetreten Todes der Verfasserin, und weil es dann lange Jahre verschollen gewesen, noch nicht zum Drucke gelangt. Es ist jedoch mit noch anderen von ihrer Hand verfaßten wertvollen Schriften, die noch nicht ganz vollendet sind, wieder aufgefunden, und wir wollen demnächst der uns von der Verstorbenen überkommenen Verpflichtung gerecht werden und deren Biographie, sowie diese aus ihrer eigenen Feder geflossen, in ihrem Jubiläumsjahre veröffentlichen. Herr Eugen Twietmeyer in Leipzig, der die Lieblingswerke von Henriette Davidis im Verlage hat, wird natürlich auch ihre Biographie verlegen. Henriette Davidis entstammte einer angesehenen, hoch- beliebten Pfarrersfamilie, und war das 10. von 13 Kindern des Pastor Davidis. Unter treuer Obhut rind guter Erziehung geliebter Eltern und inmitten einer blühenden, fröhlichen Geschwisterschar ist sie im traulichen, gastfreien Pfarrhause aufgeivachsen. Hier in ihrer westfälischen Heimat, in dem mit Bergen, saftigen grünen Wiesen und Waldungen umgebenen schönen Ruhrthale, uttb im regen Verkehr mit ihrem geistig sehr begabten und wissenschaftlich gebildeten Vater, von dem Henriette größtenteils ihren Schulunterricht erhielt, hat sich ihre geistige und körperliche Entwickelung frei und naturgemäß vollziehen können. Auch! ihr poetisches Talent fand hier Nahrung, und manch Samenkörnchen, das im Herzen der späteren Schriftstellerin schon im Vaterhause unbewußt zu keimen begann, ist nach Jahren zu einem gemütsinnigen Gedichte ausgeblüht. Ihre Gedichte sind ein Spiegel ihrer feinen Herzensbildung, wie auch ihres frommen, gläubigen Sinnes; diese sinnigen Gefühlsäußerungen waren indessen nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt. Zur Herausgabe ihrer Gedichte hat sich Henriette Davidis, nachdem sie schon seit vier Jahren, als die Verfasserin d es berühmten Kochbuches, überall bekannt war, rasch entschlossen, als die Nachricht von der plötzlichen Verarmung einer ihr befrenndeten Familie sie erreichte. Die immer Hilfsbereite, wo es galt, Thränen zu trocknen, die sich stets in den Dienst der Liebe stellte, und die meistens Rat wußte, wenn auch die eigenen Mittel schon versiegt ivaren, besann sich nicht lange und übergab ihre Gedichte sogleich, ungesichtet, einem Verleger. Die innere Befriedigung und die Freude, die ihr wurde, als sie bald ihrer Freundin das Honorar — über 200 Thlr. — einhändigen und somit die größeste Not von den Hartbedrängten abwenden konnte, war wahrlich ein schöner Erfolg für die edle Frau. Es war im Jahre 1848, als diese Gedichte erschienen, sie sind dann noch einmal aufgelegt worden. Ihre sinnigen Poesien haben oft Anklang gefunden, und einzelne sind in Gedichtsammlungen — auch, wohl in Schulbücher ausgenommen worden. Die litterarische Wirksamkeit auf hauswirtschaftlichem Gebiete war das eigentliche Arbeitsfeld, in dem die Wurzeln ihrer Kraft fußten, seit der schriftstellerische Beruf in ihr erwacht war, und auf diesem Felde hat sich Henriette Davidis ihre Lorbeeren gepflückt. Sie wollte ihren deutschen Mitschwestern als treue Lehrerin und zuverlässige Ratgeberin in allen Hausfrauenwissenschaften und praktischer Lebensweisheit dienen, und der Inhalt ihrer vorzüglichen, gediegenen Lehrbücher ist nicht auf Theorie begründet, sondern dem Bereiche ihrer eigenen Erfahrung entnommen; denn sie hatte ihre hauswirtschaftlichen Studien , im praktischen Leben aufgebaut. Die Vorschule war ihr Elternhaus, und ihr leuchtendes Vorbild darin die geliebte vortreffliche Mutter, welche mit geschickter Hand das große Hauswesen leitete. Im gastlichen, von vielen blühenden Kindern belebten Pfarrhause, wo liebe Gäste stets willkommen waren und ein sehr großes Einkommen nicht zu Gebote stand, war eine verständige, sparsame Einrichtung durchaus erforderlich, und so lernte Henriette schon frühe die Notwendigkeit einer praktischen Wirtschaftsführung erkennen. Ihre Mutter, eine feingebildete Holländerin, hatte den Pflichten einer Hausfrau verständnislos gegenüber gestanden, als sie den Pastor Davidis heiratete. Es konnte darum nicht ausbleiben, daß die junge Frau mit vielfachen Schwierigkeiten und peinlichen Verlegenheiten zu kämpfen hatte, besonders, als sich das Haus mehr und mehr mit Kindern füllte, bevor es ihr gelang, den Betrieb des großen ländlichen Pfarrhaushaltes in einer musterhaften Weise in Ordnung zu halten. Das Bestreben, ihre Familie zu beglücken, ließ der braven Pfarrfrau nicht Ruhe, bis sie sich mit eiserner Willenskraft, durch Klugheit, Umsicht und Fleiß nach und nach zu einer durchaus tüchtigen und erfahrenen Hausfrau herangebildet hatte. Bei ihren Töchtern sollte es anders werden, und darum zog sie diese schon frühe zu allen häuslichen Arbeiten heran und bildete sie durch Beispiel und Wort zui ihrem künftigen Berufe vor. Tie Lehren der geliebten Mutter fielen in Henriettens empfängliches Herz und brachten segensreiche Frucht, und somit legte jene den Grundstein zum Lebensglück ihrer Tochter. Mit dankerfülltem Herzen erkennt die Schriftstellerin in ihren biographischen Aufzeichnungen es noch an, daß der Aufenthalt im teuren Elternhause so segensreichen Einfluß auf ihren späteren Beruf ausgeübt habe, und wjr finden als „Motto" über einem Abschnitt „Erinnerungen aus meiner Jugendzeit": „Die Jugend ist das Saatfeld zur Ernte unseres Lebens." In dem Vorworte zu ihrer „Hausfrau" sagt sie: „Um indes neben der praktischen Anleitung im elterlichen Hause auch persönliche Anschauungen von verschiedenartigen Lebensverhältnissen zu gewinnen, verbrachte ich anfänglich mehrere Jahre als Erzieherin und lebte dann meiner schriftstellerischen Thätigkeit in verschiedenen Gegenden, in größeren Städten und aus dem Lande, wo sich überall Gelegenheit fand, tiefere Blicke ins innere Familienleben und in Familienschicksale zu werfen." Eigene traurige Herzenserfahrungen sind auch mit die Veranlassung dazu gewesen, daß Henriette Davidis sich ganz in den Dienst der Frauenwelt stellen konnte. Zweimal hat ihr ein schönes Eheglück gewinkt, und beide Male faßte der Tod mit eisernem Griff hinein und nahm ihr den Bräutigam. Still hat sie dieses tiefe Leid für sich getragen und ihre seelischen Schmerzen mit sich ausgekämpft, indem sie diese harten Schicksalsschläge als einen Fingerzeig von Oben ergeben hingenommen hat. Sie ist unvermählt ge- 128 Hieben, obgleich ihr später noch mehrere Male Gelegenheit geboten wurde, sich glänzend zu verheiraten. Ein vergilbtes Stammbuchblättchen trägt folgende Worte ihrer liebelt Schwester Albertine, die sich auf jenes Ereignis beziehen: „Das edle Metall muß durch Flammen geläutert werde», Und ging es zn Grunde, so war es nicht edel." — Ein zweites hierauf bezügliches Blättchen trägt die In- ? schrift ihres teueren früheren Lehrers, der ihr später ein treuer Freund und Berater wurde, des Direktors einer höheren Lehranstalt, bei dem Henriette Davidis nach ihrer Entlassung aus der Töchterschule ihre weitere Wissenschaft-^ liche Ausbildung erhalten hatte. Dieser versuchte, seine ehe-s malige Schülerin, deren schöne ^geistige Begabung und Talente er wohl kannte, und der auch voraussah, daß der. noch schlummernde schriftstellerische Beruf früher oder später in ihr erwachen müßte, durch die Worte aufzurichteu: „Aufgeschaut dahin, von woher ,Jhre große Bestimmung: Ihnen ward!" und Gott wird mit Ihnen sein; denn seine heiligen Engel freuen IM en Rosen." — — — — — Jahre waren seitdem vergangen, und Henriette Davidis - war zu einer bedeutenden Schriftstellerin herangereift. Es ' dürfte gewiß von Interesse sein, einen Einblick in die stille Werkstatt, wo sie ihr Erstlingswerk, mit welchem sie ihre litterarische Thätigkeit begann, zum größesten Teil geschaffen, und von wo aus sie das aller Orten gepriesene Kochbuch in die Welt geschickt hat, zu thuu. In Sprockhövel, einem hübsch gelegen Städtchen in der Nähe ihres Heimatsdorfes, hatte sie sich! zu jener Zeit ein bescheidenes,. aber anmutiges Heim gegründet. Die Wände ihres gar freundlichen Arbeitszimmers waren bis zur Decke mit groß- j blätterigem Epheu dicht berankt, und zwischendurch schauten allerlei hübsche blühende Topfblumen, die ihren Stand auf kleinen Postamentchen hatten. Die Ausstattung war geschmackvoll, aber sehr einfach und bestand außer bei»; Schreibtisch mit nötigen Schreibutensilien, aus alten, blank-! aufpolierten Möbeln des Wengernschen Pfarrhauses — liebe Erinnerungsstücke ihrer Heimgegangenen Eltern. Hier in dieser lieblichen Umgebung und von der Hoffnung beseelt, daß ihr ein gutes Gelingen des Kochbuchs den Weg zu anderen geplanten Schriften ebnen würde, schrieb Henriette Davidis mit der ihr eigenen Arbeitsfreudigkeit, die sie durchs ganze Leben begleitet hat, die Kochrezepte nieder, welche sie zuvor praktisch geprüft hatte. Kein Rezept hat sie in ihr Buch aufgenommeu, welches sie nicht persönlich mit ihrer kundigen, sicheren Hand ausprobiert und für gut befunden hat, was umsomehr anzuerkennen ist, als das praktische Kochen — obgleich sie eine vollendete Meisterin in der Kochkunst war — nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört hat. Um nun neben dieser prosaischen Arbeit auch anderen Gedanken Raum zu geben, wanderte Henriette Davidis täglich in aller Morgenfrühe in ihren lieben, naheliegenden Wald, wo sie sich körperlich nnd geistig erfrischte, und zu solchen Zeiten sind denn auch die meisten ihrer Gedichte entstanden, die sie zu ihrer Erholung verfaßt hat. Warum dieses Manuskript ihrem stillen Schrein entzogen und später veröffentlicht wurde, ist oben erwähnt und hat Herr Julius Bädeker (Elberfeld, später Iserlohn) 1848 den Verlag der Gedichtsammlung übernommen. Es ist allbekannt, mit wie großem Glück Henriette Davidis ihre schriftstellerische Laufbahn mit dem berühmten Kochbuch eröffnet hat, und wie sehr ihre mühevolle Arbeit, durch welche alle Kochrezepte so zuverlässig geworden und so klar beschrieben sind, daß Anfängerinnen darnach kochen können, überall Anerkennung fand. Im Jahre 1844 übergab sie dieses erste Werk der Oeffentlichkeit, und schon in dem nächsten Jahre war eine neue Auflage nötig, bis e§' kurz vor ihrem Tode zum 20. Male neu aufgelegt und nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch bis weit über dessen Grenzen hinaus als ein Musterkochbuch bekannt wurde. Seit dem ersten Erscheinen hat die Verfasserin alle Auflagen besorgt, vermehrt und verbessert, bis sie es auf die Höhe eines Meisterwerkes gebracht und bei den letzten Auflagen eine weitere Vermehrung nicht mehr als nötig erachtete. Die noch weiter gesammelten Kochrezepte hat Henriette Davidis dann ihrentberühmten Werke „Die Hausfrau" größten- teils noch einverleibt, und es sind auch noch viele Rezepte unter ihren hinterlassenen Schriften aufgefunden worden. In der „Hausfrau" befindet sich als Beigabe ein kleineres, vorzügliches Kochbuch, welches vollständig für bürgerliche Verhältnisse ausreicht. Alle die darin enthaltenen Rezepte sind ebenfalls äußerst zuverlässig. Dieses kleinere Kochbuch erscheint auch abgetrennt vom obigen als: „Besonderer Abdruck aus dem Werke „Die Hausfrau" unter dem Titel: „Davidis-Trainer, Kleines Kochbuch" im Verlage von Belhagen & Klasing in Bielefeld, wo bekanntlich auch das große Davidissche Kochbuch verlegt wird. Freudig angeregt durch bett glänzenden Erfolg ihres Kochbuchs ging nun Henriette Davidis mit erneuter Schaffenslust an ein zweites Lehrbuch für Aufängerinneu und Hausfrauen, und schuf ihr „Gartenbuch", das zuerst im Jahre 1850 herauskam, und welches nicht nur in Hansfrauen- kreisen, sondern auch in gärtnerischen Fachkreisen große Anerkennung fand. Es hat bereits 18 Auflagen erlebt und ist im Verlage von Julius Bädeker in Iserlohn und Leipzig erschienen. Nach, diesem Werke entstand '„Der Beruf der Jungfrau". Jni Jahre 1860 veröffentlichte endlich Henriette Davidis ihr zweites Meisterwerk, das so vorzügliche Lehrbuch, für die Frauenwelt, „Die Hausfrau", und erzielte auch hiermit großartige Erfolge. Der Ruf dieses Werkes uud ihres Kochbuches ist nach Holland, England und Amerika gedrungen, in welchen Ländern diese Bücher, die ins Englische und Holländische übersetzt wurden, sehr bekannt, beliebt und namentlich in Amerika stark verbreitet sind. Noch andere gute und nützliche Schriftchen hat die unermüdliche Schriftstellerin geschaffen, z. B. die „Kraftküche von Liebigs Fleischextrakt", erschienen 1870. Seit sie den Wert dieses vorzüglichen Fabrikates erkannt und die Hausfrauen auf die Wichtigkeit desselben für „Gesunde uud Kranke" hinge- wiesen, hat sich Liebigs Fleischextrakt in den meisten deutschen Familien eingebürgert. So haben die genannten vorzüglichen Bücher nach allen Richtungen hin Gutes und Nützliches gestiftet und als geradezu segensreich für die deutsche Frauenwelt ist die „Hausfrau" vou Henriette Davidis geworden, wie solches Hunderte vou Dankesschreiben beweisen. Ihre litterarische Schaffenskraft war bis zuletzt so lebhaft wie zuvor, und es ist ihr darum auch möglich gewesen, nebenher noch die Fülle von einlanfenden Briefen zn beantworten. Von nah und fern wurde Henriette Davidis bald in dieser, bald in jener Weise von jungen und älteren Damen und sogar von Familienvätern vertrauensvoll in ihre Angelegenheiten gezogen, und sie war immer bereit, Rat und Hilfe zu spenden. Manches junge Eheglück hat sie aufbauen helfen, und alle die, welche den Segen ihrer Feder empfunden und genossen, die durch sie erst deu häuslichen Herd schätzen und lieben gelernt und es deutlich empfunden haben, daß die häusliche Arbeit selbst die höchststehende Frau adelt, werden dankbar der seltenen Frau gedenken. Henriette Davidis wurde am 3. April 1876, im Alter von 75 Jahren, in Dortmund, wo sie ihren dauernden Wohnsitz genommen hatte, mitten aus ihrer unermüdlichen Schaffensthätigkeit durch den Tod herausgerissen. Sie ruhet nun aus von ihrer Arbeit, doch ihre Werke folgen ihr nach. Abstrichräts el. Nachdruck verboten. Kolben, Mond, Bias, Albert, Sinn, Satz, Luna, Galgen. Von jedem Wort ist die Hälfte der Buchstaben abzustreichen, dic andere muß aus nebeneinaudcrstehendeu Buchstaben bestehen. Werden diese stehengeblicbenen Gruppen im Zusammenhang gelesen, bezeichnen sie ein wichtiges Ziel der modernen Politik. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Märzveilchen. Redaktion: $. Burkhardt. — Drnik und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Lteindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.