mSws guten Alten In Treuen halten, Am kräst'gen Reuen Sich stärken und freuen, Wird niemand gereuen. Geibel. (Nachdruck verboten.) Auf der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Fortsetzung.) Auf unseren Fahrten begegneten wir mitunter der Pastorin, welche mit ihrer jiingsten Tochter sich gern Sigurds Führung anzuvertrauen schien. Oft fühlte ich! den prüfen-, den Blick der klugen Frau auf mir ruhen, und vielleicht mit Unrecht schöpfte ich bald den Verdacht, sie wolle unser Alleinsein stören, über Gunhilda wachen. Sigurd blieb gewöhnliche im Boote, wenn die Damen ausstiegen, steif und wortkarg, jede Annäherung meinerseits ablehnend. Während Gunhilda, von der Pastorin begleitet, im Innern der schmutzigen Hütten verschwand, streifte Hannah unruhig wie ein Irrlicht überall umher. Sie brachte seltene Pflanzen und sonstige Raritäten angeschleppt; eine wahre Sammlerwut schien in der Kleinen erwacht zu sein. Ja, sie konnte gar ganz verständig und ruhig dasitzen, wenn ich ihr auf ihre fortwährenden Fragen dies und jenes erklärte. Sonst hätten mich diese Schätze mit Freuden erfüllt; jetzt hatte ich kaum ein Auge dafür und war heimlich froh, wenn die junge Dame wieder nach einem neuen Schmetterlinge oder einer glänzenden Muschel lief, um ,unsere' Samrn- lung, wie sie das Ganze stolz nannte, damit zu ergänzen. Wie im Traume lebte ich dahin. Für mich! existierte nur ein Wesen, Gunhilda, um sie drehte sich mein ganzes Denken und Fühlen —. und doch fragte ich nicht, was daraus werden wollte. Kurz nach meiner Ankunft in Norwegen hatte rch meinem Onkel geschrieben, daß ich mich entschlossen hätte, den Sommer dazu zu benutze«, eine Studienreise an der Küste entlang zu machen. Er schien nichts Absonderliches in dieseW Plan zu finden und ermahnte mich nur dringend, fleißig Material zu einer wissenschaftlichen Abhandlung über die ziemlich unbekannte Fauna und Flora der Schären zu sanimeln. Sein Wunsch war ja, mich als Universitätslehrer in Christiania zu sehen, und wie er sein Lebtag seine Umgebung beherrscht hatte, so fiel es ihm auch nicht un entferntesten ein, ich, sein Adoptivsohn, könnte es wagen, mich gegen seinen mächtigen Willen auszulehnen. Und doch hegte ich im stillen ganz andere Pläne: ich wollte mich einer jener Expeditionen anschließen, welche unser Norwegen jetzt so eisrig zur Erforschung des Eismeeres ausrüstet. Nansen war mir persönlich bekannt, und er hatte mir in die Hand gelobt, dafür Sorge zu tragen, daß ich ihn das nächste Mal auf seinen kühnen Fahrten begleite. Jetzt war mir aber dies ebenso gleichgiltig geworden wie alles andere. Nur eins erfüllte mich mit jubelnder Freude: der Gedanke, daß ich hier, fern von der großen, lärmenden Welt, frei und ungestört leben könnte und ein Glück genießen, das mir ein in t)ie Unendlichkeit dauerndes, nie getrübtes erschien. Thor, der ich« war — nein, damals noch nicht! Sechstes Kapitel. Es war ein klarer, warmer Augusttag, als die ganze zivilisierte Bevölkerung unserer Insel, das heißt die wohner des Leuchtturms und des Pfarrhauses, auswanderte, um einer Einladung des Kaufmanns Hall Folge zu leisten. Die beiden Zwillinge trugen ihre blau und weißen Kattunkleider, frisch gebügelt und so gestärkt, daß sie bei jeder Bewegung knisterten. Hannah glich einer frischen Rosenknospe in ihrem rosa Mullfähnchen, das aber bald zerknittert und zerdrückt war, so wild und unruhig tollte sie umher. Wie leicht und kleidsam schmiegte sich dagegen der weiße Schnee ihres Gewandes um Gunhildas schlanke Gestalt! Hätte ich gewußt, daß ihr Sigurd den kostbaren Stoff mitgebracht hatte, wäre meine Freude daran vielleicht nicht so gr!vß gewesen. Ter Gedanke an den schlucken Gespielen ihrer Kindheit beunruhigte mich mitunter mehr, als ich es in meinem Stolz zugeben wollte, und ich beschloß, heute genau Obacht auf die beiden zu geben. Unterwegs wurden eifrig Feldblumen gesammelt, und Gunhilda bestand darauf, ihre kleine Freundin damit zu schmücken. „Sieht Hannah nicht allerliebst aus mit dem bunten Kranze?" flüsterte sie mir vertraulich zu, und ein schelmisches Lächeln spielte um den sonst so ernsten Mund. Ich nickte nur; denn hoch oben in einem Felsspalt am Sunde hatte ich einen einsamen Rosenstrauch entdeckt. Während die Boote zurechtgemacht wurden, kletterte ich mit Lebensgefahr hinauf und brachte dem schönen Mädchen triumphierend die dunkelroten Blüten. Sie dankte mir ruhig, gleichsam etwas verwundert, und ließ es geschehen, daß Hannah ihr eine Rose in die schwarzen Haare steckte. Tie Einschiffung ging unter vielen Schwierigkeiten von statten. Tie vier Freundinnen wollten natürlich beisammen sein, die Pastorin, welche ihre Furcht vor der See nie ganz los werden konnte, hielt fidy beharrlich an der Seite des ehemaligen Kapitäns und erklärte, sich nur dessen Führung anvertrauen zu wollen. Tas Ende vom Liede toar, daß der alte Seebär schmunzelnd mit allen Repräsentanten des schönen Geschlechts abfuhr, während es mrr überlassen blieb, mit dem geistlichen Herrn zu folgen. £bex. war es kein Zufall? Ich glaubte einen vielsagenden Bück aufzufangen, den die Pastorin ihrem Eheaespons zuwarf, ich sah, wie dieser sich bedeutsam räusperte und, l» .Gedanken verloren, sogar die geliebte Pfeife ausgehen „Merkwürdig diese Einladung, hat damit gewiß- seine eigene Bewandtnis", begann er endlich- und schielte vorsichtig zu mir hinüber, der ich kräftig die Ruder führte und triumphierend an dem ersten Boot vorüberschoß »Wie meinen Hoch,würden?" fragte idj, zerstreut. „Nun, Ihnen gegenüber braucht man ja fein Hehl aus seinen Vermutungen zu machen. Sie gehören fast zu uns, ®te, auch bald die Insel verlassen werden." Ich horchte hoch! auf. Was in aller Welt ging ihn mein Bleiben oder Gehen an? „Kaufmann Hall will heute ein Familien- ereignw feiern. Er hat seinen Sohn in die Firma auf- \ genommen und zugleich- hofft er, - hoffen wir alle . ~e£ alte Herr brach plötzlich ab und beobachtete scharf einen Seeadler, der hoch über uns schwebte, dann rasch, mederschoß, um eben so schnell, einen silbernen Fisch in zusteige'^^"' Mieder in die klaren Lüfte senkrecht hinauf- I „Nun?" versetzte ich gleichniütig. „Gemach, lieber Freund, das werden wir alles seiner Zeit erfahren" sagte der Pastor in der alten, bedächtigen Weise. „Tie Wege des Herrn sind oft wunderbar, und! wenn wir seinen sichtbaren Willen sehen, dann sollen Wna UnttM?£t,Or buten, mit frevelnder Hand hineinzugreifen. Was geschehen soll, das geschieht doch, und viel Herzeleid und- Kummer können wir unseren Mitmenschen ersparen wenn wir dies demütig anerkennen." ’ • wurde aufmerksam. Galten diese Ermahnungen wir? Wo wollte der Alte hin? „Muß man es nicht als eine sichtbare Fügung Gottes ansehen, daß unsere Gunhilda von den Wellen hierher^ getrageii wurde, gerade hierher? Daß sie in unserem würdigen Freunde einen Vater Md? Hat sich nicht das Gegenteil von der thörichten Prophezeiung gezeigt und war das Mädchen nicht bisher der gute Geist dieser Insel9" , will dies bestreiten?" erwiderte ich, ohne auf- zuoncken. . 1 K.t tvahr", rief er mit einem 6e{ {^m seltenen Glser, sichtbar erleichtert aufatmend. „Sie selbst ' der ehren« werte Gast bMest aTei5' ia Sunde, daran zu denken, das liebe Ärer1^ ®u entführen, in welchem der Vater der Waisen chm seinen Platz angewiesen hat? Wie wird es meme Frau freuen, daß Sie so ganz mit uns einverstanden ö ii? weun Gunhilda erst die Gattin des braven Sigurd V£ben ßie cha?" rief ich, das Boot so jäh an- di?Wabrbe°it rs heftig schwankte. „Um Gottes willen - K WWDM --»"---n SMKZ „Ruhig, ruhig, lieber Freund", erwiderte -er firfi «nru I ^e-ten ^°vte umsehend, ba§ weit hinter' uns war I ist ja nur eine Vermutung von uns daß Gunbilda I Sigurds Braut wird an dem Tage wo er als I in IMS «efMft eintritt ®i« Ä 'ftab Lh j- hert an gut, und Sigurd — er würde tornnh»//0' I e6e J°?te in diesem einen, woraus e/ sein I Herz gesetzt hat, getauscht werden." *etn I - '/”b Gunhilda?" sagte ich- bitter. „Wissen Sie aucb- I lna9e%^'' Ob ^te stch Mlt dem Los begnügen will und kann I bag ihr jener anzubieten vermag? Ihre Frau sagte selbst I einmal, sie Jet dazu geschaffen, die Seele eine/ großen I Kreises zu fein. Und sie sollte hier in dieser Einöde I verkommen! Nie und nimmermehr!" | ächtete sich- auf, sein mildes Gesicht war I ernft, und seine tiefe Stimme hatte einen feierlichen Klana I cife er mit schlichter Würde sagte: Unaniebnlicb nnh I kommen Ihnen diese Felsen vor, die zwischen den Gewässern I emporragen und den Menschen eine kümmerliche Zufluchts- | I Träi^e 'Her Holfei' rief mich aus dem Lande der I nnr™ m Wirklichkeit zuruck. Beinahe wäre ich au I f' J Bestimmungsort vorbeigerudert. Mich gewaltig zu- I sammenuehmend, steuerte ich langsam um die Landzunae I dem zweiten Boot Zeit lassend, heranzukommen . r,"3'te tarnen allzeit voran", rief der Leuchtturmver- hfl- UnS vorbeirudernd. „Ein tüchtiger Seemann ’ ■ Wp/ des gelehrte Herr, nicht wahr?" Mein Blick suchte Gunhilda; ich sah sie 5iand in wst oer Pastorin, dasitzen, während Hannah sich an sie schmiegte und- eifrig auf sie einr-edete Iw- alaubte I wernen Namen zu hören. Gehörte auch der Gutwillige ^bold zu meinen Feinden, war Hannah auf mich eifer« fubfjttg, weil rch mich um die Gunst ihrer Freundin bewarb 9 ~ twnt, dies Kind war wenigstens arglos, und seltsam wohlthuend berührte mich sein Helles Lachen, der freund! ’ v11 torber ^^wme Als wir aneinander vorbeifuhren warf die Kleme mtr übermütig ein paar Blumen w unh tthV ^an te herzliche, daß sie mich verwundert mit ihren ^bx(?un.en .Augen fansah. Für mich waren die kleinen Vergißmeinnicht em Zeichen, daß doch Eine mir freunMiA gefilmt war und während ich''an Gnnh"ldadachte vew wahrte ich sorgsam Hannahs Blumen an meiner Brustl . und so steuerten wir auf unser Ziel los, anscheinend ewe heitere, harmlose Gesellschaft, doch jeder die ver- schiedensten Entschlüsse im Herzen bergend. Was würde uns der Abend bringen? Thorheit, zu fragen. Stunden eine ita^alfeTsuft' u?5 .davon" zu trennen. ' Noch, ivar aues Lust und Sonnenschein. ; Häuser mit grünen und blauen Fensferladen umgaben die innere -Bucht. Km Häsen Bcrrtefi» ein reges Leben. Boot an Boot lag da, auf dem Felseu wurden Fische zum Trocknen aufgehangen. Bor vollen Segeln steuerte eine Yacht herein. Die Sonne beleuchtete ^ell das braune Marssegel und die roten Jacken ' der Matrosen. Laut hin schallte der Refrain: "Hvihollaoi, jetzt geht es ans Land, Hoihollaoi, zieht an, zieht an!" | statte bieten Ich widerspreche Ihnen nicht. Hart ist das | ^ebeu des Inselbewohners, kämpfen muß- er ums Dasein I Se^n eiusetzen, soll er im ewigen Streite gegen | dre wilden Elemente nicht zu Grunde gehen. Doch/auch I Serrngsten ist ein Sonnenstrahl auf Erden b-eschiedech I hell spielt er über die Me-eressläche dahin und verjagt | Grauen und Finsternis. Sie haben Gunhildas Wirken^ge- I stMN — und wie sie mehr Furcht als Liebe erntet Wie MKLMAK« £ WSÄ MHin BoWt“ * « *«■" I rois Glück finden", unterbrach ich ihn in meiner | //^//^st ^j? ,,t§rregung, jede Mäßigung vergessend, I „Sind denn Wohlthaten eine Kette, mit welch-er man den f«ten Willen knechtet? Dars ein Mädchen weil es arm unb öerkffen nicht selbst über sein Geschick bestimmen? /°A'Mu die vieleu Worte!, Auch ich kenne Gunhilda wird " daß sie nur der Stimme ihres Herzens folgen I "Der Wille des Herrn geschehe!" seufzte er leise. Was ä.TjL auc^‘ Sie sind ein Ehrenmann — vergessen Sie Nicht, was der Gast seinem Gastfreunde schuldet!" Dte Besonnenheit des älteren Mannes beschämte mick .-3/ etne scharfe Zureichtw-eisung vermocht hätte Ä ^tchrak über mich selbsh über die bösen Worte, die nur über tue Zunge rollten. Mich erfüllten Haß und Bitterkeit gegen Menschen, die mir nur Gutes erzeigt hatten n/de?hatfe Zufriedenheit, ihr stilles Glück fast be- Sn? Gin kalter Hauch-, der einen Moment die blanke Flä-cki-e Lk IÄ^uselte,, berührte mich wie die ei ige Hand des Schicksals, oas also wirklich hier auf der Insel meiner berfien9 zw meinem Mück oder zu meinem Ver- es m-cht; ich wußte nur, ba$ alle, alle, hls Ausnahme einer einzigen vielleicht, gegen mich, waren d°ß Ich mein Glück erobern wollte, und sollte ich dabei ben Ituch der ganzen Insel auf mich laden! , Verschwunden war jedes Zögern, jedes Bedenken imrfu ibann, ja dann/!//'^b^ude Wort gesprochen werden, und Von dem großen Packhause wurden Salzfässer und Ballen heraus- und hereingeschleppt. Tie Tonnen hoben sich dunkel ab gegen den sandigen Grund, über welchen die weißen Gänseblumen und grünen Gräser ihren bunten Teppich woben. Dazwischen lagen große FelsMcke, um welche die wilden Rosen und Himbeersträucher ihr üppiges Geflecht rankten. Und über das Ganze wölbte sich! ein sommerlicher Himmel mit leichtem, grauem Gewölk, durch welches das schimmernde Blau wie von feinem Flor überzogen hervorblickte. „Eine hübsche Einöde", sagte der Pastor mit gut- mütigem Spott, ehe er sich anschickte, behutsam die steile Brücke hinaufzuklettern. „Gestatten Hochwürden!" Eine braune, kräftige Hand streckte sich dem alten Herrn entgegen, gerade über mir sah ich die markigen Züge und die klaren Augen Sigurds. (Fortsetzung folgt.) Unser Garten im Juli. (Nachdruck verboten.) Aus den in Nr. 13 und 14 des „Erfurter Führers im Gartenbau" veröffentlichten Ernteberichten geht hervor, daß unsere Obsternte, insonderheit die Apfel- und Birnenernte, nicht ganz so günstig ausfallen wird wie im vergangenen Jahre. Tie Berichte zeigen aber, daß wir mit unserer Ernte noch zufrieden sein können, und sicher werden da und dort Obstbaumbesitzer gezwungen sein, die schwer beladenen A'este zu stützen, damit sie nicht brechen. Dem Stützen vorausgehen soll in solchen Fällen ein Ausdünnen der Früchte, damit wir marktfähiges Obst bekommen und nicht Obst vierter Güte. Auf die Güte des Obstes hak auch die Düngung der Bäume jetzt einen erheblichen Einfluß; denn diese Düngung, die in flüssiger Weise durchgeführt werdeu muß, kommt wesentlich den Früchten zu gute. Ter Formobstzüchter wird außerdem die Güte und Schönheit seiner Früchte noch erhöhen, indem er sie in den Sac de Franee einhüllt; denn dieser wirkt veredelnd auf die Farbe sowohl, als auch auf den Geschmack derselben. Abgefallene Früchte sind überall anfzulesen und zu vernichten, damit wir die Ursache des Madigwerdens vermindern. Madige Früchte an Formbäumen, die noch festsitzen, kann man durch Einspritzen von etwas Spiritus in die Madenlöcher vielleicht noch retten. — Den Weinstock bestäubt man mit gemahlener Schwefelblüte gegen den echten Mehltau, man bespritzt ihn mit Kupferkalkbrühe gegen den falschen Mehltau. Der Sommerschnitt wird im Juli am Weinstock und am Obstbaum dringend gefördert. Wir müssen mit ihm fertig werden, da späterer Schnitt sehr häufig ungünstige Wirkungen hat. — Tas Abbrennen der in diesem Sommer massenhaft auftretenden Birnengespinstmotte ist dringend durchzuführen; auch ist der Fang des anderen Ungeziefers bei den Obst-' bäumen durch das Anbringen von Jnsektenfanggürteln in die Wege zu leiten. Im Gemüsegarten werden Winter-Endivien ausgesät, krause von Meaux, vollherzige Grüne und die gelbe Es- cariol. Man sät zuerst die krausblätterigen Endivien, da sie sich nicht so gut halten und deshalb am schnellsten verbraucht werden müssen. Von Herbstrüben werden gesät: lange weiße, rotköpfige für die Küche und die grün-l köpfigen Sorten zu Futterzwecken. Man sät Winterrettich, runden und langen schwarzen sowie weißen Münchener Bierrettich. Von Spinat bewähren sich zur jetzigen Aus-; saat rundblätteriger mit rundem Korn und langblätteriger mit scharfem Korn am besten. Man beginnt mit der letzten Aussaat von Staudenbohnen und nimmt dazu, weil die Ernte schon in die kalten Tage hinein kommt, widerstandsfähige Sorten, zartfleischige Brech, sowie rote Flageolet sind solche. Auch von den Erbsen macht man die letzte Aussaat und verivendet dazu Kneifelerbse Frühe Mai. St'a=. rotten zum Herbstgebrauch wären ebenfalls auszusäeu, und von Rapünzchen ist die erste Aussaat zu machen. Wo Steckzwiebeln und Knoblauch gelbe Blätter haben und abgestorben sind, nimmt man sie heraus. Das Laub von gesäten Zwiebeln wird erst dann umgebogen und niedergedrückt, wenn die Zwiebeln sich bereits gut ausgebildet haben, aber niemals früher. Wo man mit madigen Zwiebeln zu thun hat, da ist das Land zur Zwiebelkultur 379 — schlecht ausgewählt. Es beginnt das Bleichen der Bleichsellerie, das Pflanzen des Winterkohls und Rosenkohls, das Düngen der Gurken mit Dungwasser. Das Entranken der Erdbeeren ist fertigzustellen und vor allem darauf zu achten, daß ibliß Raupen heim Kohl nicht das Ueber- gewicht bekommen und die Kohlernte in^Frage stellen. Tie Tomaten erhalten den richtigen Schnitt, die Würz- kräuter Beisuß, Wermut, Mop, Salbei, Thymian,' Majoran und Bohnenkraut sind in voller Blüte abzuschneiden und zum Trocknen in eine Helle Kammer aufzuhängen, niemals aber in die Sonne, weil die Sonne die Gewürzöle herausziehen würde. Ter 24. Juni gilt als Scbluß des Spargelstechens bei jedem gewiegten Spargelzüchter. Mit diesem Zeitpunkt beginnt eine energische Düngung der Spargelbeete durch Jauche oder durch künstliche Düngung, ganz besonders durch Chilisalpeter. Auch die jungen Spargelanlagen, die noch nicht gestochen werden, sind für solche Behandlung im Sommer überaus dankbar. — Im Rosengarten fangen wir an zu okulieren. Wo die Stämme noch nicht lösen, wird durch Anplatten veredelt. Rosenstecklinge sind zu machen. Stecklinge von Fuchsien, von Pelargonien, von Verbenen, von Alternantheren und Gnaphalien und wie sie alle heißen mögen, wachsen im Juli gesteckt vorzüglich. Man kann sogar die Pelargonienstecklinge auf die durch das Spargellaub überdeckten Beete stecken. Von Blumen werden ausgesät Myosotis, Stiefmütterchen, Silenen, Topfprimeln, Alpenveilchen, Reseda. Das Jäten der Wege und Beete bildet eine dauernde Arbeit. Besonders lästig ist das Reiuhalten der Wege. Um die Wege dauernd oder doch fakt ganz unkrautfrei zu halten, giebt es ein Mittel, welches wir demnächst veröffentlichen werden. I. C. Schmidt, Erfurt. Grohvater-Uhrm. (Nachdruck verboten.) Tie alte Stadt Gloucester in der englischen Grafschaft gleichen Namens war früher Mittelpunkt der englischen Uhrenindustrie, hat aber in neuer Zeit in dieser Hinsicht jede Bedeutung verloren. Es ist eine alte Beobachtung, daß die Industrien wandern und ihr Heim wechseln, an einem Orte niedergehen und an einem anderen neu emporblühen, je nachdem es äußere Umstände, die sehr mannigfacher Art sein können, bedingen. Berühmte Uhrmacher in Gloueester ivaren Washbourn, Peytou, Thackwell, Miles, Higgins und Weight; man findet ihre Namen noch auf alten englischen Standuhren, welche man treffend als „Großvater-Ühren" zu bezeichnen pflegt. Henry Weight fertigte auch mehr als hundert. Uhren für Kirchen und öffentliche Gebäude, und man erzählte sich, daß er das Glockengeläute der St. Nikolas-Kirche in Gloueester nach Vollendung des für diesen Zweck komponierten Tonstückes, eines Werkes des Hilssorganisten der Kathedrale, binnen 40 Minuten zusammengesetzt habe. Auch die Finemores in Birmingham, eine Uhrmacherfamilie, .welche die Herstellung künstlich bemalter Zifferblätter als Spezialität betrieb, stammte aus der Grafschaft Gloucester. Diese Zifferblätter werden noch jetzt als Kunstwerke geschätzt, und man bezahlte dieselben in den letzten Jahren mit 300 Mark, auch wenn dieselben Darstellungen vielfach wiederkehrten. Es wurden, je nach dem Preise, welcher erzielt werden sollte, Zifferblätter mit einfacher und reicherer Malerei hergestellt, und es scheint, daß sich diese Arbeiten der Finemores einer außerordentlichen Beliebtheit und Verbreitung erfreut haben. Eins der einfachsten aber sehr begehrten Muster zeigte Blumen nnd einen fliegenden Vogel auf bläulich-weißem Grunde. Ein anderes Zifferblatt trug einen Adler und war mit dem Motto „Tempus fugit" versehen, wieder ein anderes zeigte Merkur auf einer Halbkugel. Ein kostbares quadratisches Zifferblatt enthielt auf den vier Ecken Tar- ftetlungen der Jahreszeiten; der Frühling war durch, einen Hirten oder eine Hirtin vertreten, der Sommer durch eine Darstellung der Heuernte, der Herbst durch die Schafschur oder durch ein Sportbildchen, der Winter durch einen holzbe- ladenen Knecht, der seine Last durch den Schneesturm einer in der Ferne sichtbaren Hätte zuträgt. Ein anderes Meister- wörk stellte Britannia mit Schild und Dreizack dar, begleitet von einem Löwen, dessen Augen beweglich waren. Sehr beliebt waren auch biblische Szenen: David vor Saul spielend, Hirtenbilder und dergleichen, endlich „der Sundensall": Adam und Eva im Paradiese; Adam pflückt einen Apfel tont Baum, während die verschiedensten Vögel und andere Tiere aus dem Blattwerk ringsum hervor- schauen. Eine andere Art Zifferblätter sind die mit lebenden Darstellungen, die man verschiedenen englischen Meistern zuschreiben muß. Sie zeigen u. a. hin- und hergehende Schisse, ferner Monde, welche erscheinen und wieder verschwinden und so das Auf- und llntergehen dieses Tra- vanten anzeigen. Herr Weight, ein Nachkomme der er- wahnten großen Uhrmacherfamilie, weiß ton einem merk- Schatz zu berichten, den einer seiner Verwandten, ein Muller namens Lea, besaß. Es war eine Standuhr, deren Zifferblatt eine Wassermühle in voller Thätigkeit 8ei9te; das fließende Wasser wurde durch Glasröhren dar- ge,teilt, welche sich um ihre Achse drehten. Am Mühl- wasser stand ein Pferd, das durch seine Bewegungen sehr charakteristisch das Saufen kennzeiclMete. Im Vordergründe drehte ein Manrt einen Schleifstein, an welchem eiii anderer eine Axt schliff, und an der Seite standen zwei Manner, damit beschäftigt, Holzblöcke zu zersägen. Außerdem sah man auf dem Zifferblatt die Dorfkirche mit eruer kleinen Turmuhr, welche genau dieselbe Zeit an- Aergte, tote die große Uhr, welche die ganze Darstellung enthielt. — Das war aber noch nicht alles; diese Uhr spielte sehr anmutig zwölf verschiedene Weisen. Derartige Kunstwerke sind jetzt nur noch selten zu „Ae billigen amerikanischen Uhren, welche um das >oahr 1849 eingeführt wurden, haben die „Großvater- Uhren ' als „unzeitgemäß" völlig verdrängt. Aber obwohl ™-e "??raltet" sind, haben sie die Amerikaner in großer Anzahl angekauft und zum Teil auch hohe Preise dafür gezahlt. Die Amerikaner haben einen scharfen Blick für alles, was Wert Hat oder Wert erlangen kann; sie haben es verstanden, manchem armen Teufel ein Kleinod zu entreißen, Vas. dieser nicht zu schätzen wußte. Kinder-Erziehung in Amerika. (Nachdruck verboten.) Tie Erziehung der Kinder ist in Amerika eine andere als in Deutschland; man glaube aber ja nicht, daß, wie oft angenommen wird, es dort überhaupt keine gebe. Im Alter ton 4 oder 5 Jahren schickt man die Kinder in den Kindergarten, wo sie zur Schule vorbereitet werden und oft schon etwas lesen und schreiben lernen. Mit dem sechsten oder siebenten Jahre werden sie daun in eine öffentliche oder Privat-Schule geschickt. Von wohlhabenden Familien werden die Kinder seltener in die „Public schools" (öffentlichen Schulen) gegeben, sondern durch einen Hauslehrer zu Hause unterrichtet. Im vorgeschrittenen Älter kommen sie dann aus dem Hause in eine der zahlreichen Privat-Unterrichtsanstalten (private bvarding-schools) in Pension, wo die Mädchen meist bis zu 20 Jahren bleiben, während die Knaben bereits mit 16 oder 17 Jahren in das geschäftliche Leben treten, oder in die Colleges zu weiterem Studium übergehen. Das Letztere ist jedoch mit vielen Kosten verbunden, sodaß nur sehr wohlhabende Eltern ihre Sohne einen Eollege-Kursus durchmachen lassen, dem sich hierauf erst ein besonderes Fachstudium anschließt. Der Kursus in einem College umfaßt vier Jahre in vier Klassen Tre beiden ersten Klassen sind ungefähr den beiden oberen Klassen in deutschen Gymnasien oder Realschulen gleich während die Lehrgegenstände der beiden oberen Klassen' junior (jüngere) und senior claß, namentlich in Mathematik' Physik usw. mehr in das Gebiet der deutschen technischen Hochschule hinübergreifen. — Den jüngeren Kindern gewährt man in der Regel reichliche Spielzeit; doch nehmen viele Musikunterricht, der sie nötigt, ein bis zwei Stunden tägliche am Klavier zuzubringen, oder sie gehen in die Näki- schule. mit ihnen. Man fragt sie um ihre Mein !g, erlaubt ihnen ein Urteil; niemals spricht man ihnen ein solches gänzlich ab. So wird ihre geistige Entwickelung auf verständige Weise geleitet. Der Stock kommt in vielen Familien nie zur Anwendung. Dieses freie Auftreten, namentlich das der jungen Mädchen, wird leider von Unkundigen gänzlich mißverstanden und mißdeutet. Da sie streng moralisch erzogen sind, kommen bei ihnen Fehltritte nur selten vor, und wenn sie herangewachsen sind, werden sie dem Manne eine treue Gattin. Allerdings lieben die meisten den Putz, und es kommt vor, daß Frauen ihre Männer durch ihre Putzsucht zu gründe richten; ist aber das Unglück eingetreten, so fügen sie sich willig daretn, und versuchen ihren Männern beizustehen, sich wteder emporzuarbeiten. Schon frühzeitig lernen die Kinder auf eigenen Füßen zu stehen und die Fürsorge und Unterstützung der Eltern entbehren. Man hat sogar viele Falle, too Kinder schon im zarten Alter ihre bedürftigen Eltern unterstützen oder gar ernähren, ohne sich; dessen zu rühmen. Dies geschieht ohne Murren; denn die Ehrfurcht vor den Eltern herrscht in hohem Grade, wenn sie auch, nicht zur Schau getragen wird!. „Der Stein der Weisen." Es liegt uns das 1. Heft des neuen (14.) Jahrganges dieser angesehenen — man darf wohl sagen: führenden — Zeitschrift populär-wissenschaftlicher Richtung vor, und was es bietet, entspricht völlig den Erwartungen, die man auf Grund des im vorangegangenen Schlußhefte entwickelten Programmes hegen durste. Schon der interessant und vielgestaltig illustrierte Prospekt, der dem Hefte beiliegt, eröffnet vielversprechende Aussichten. Tas Heft selbst, um einen ganzen Bogen (8 Quartseiten) vermehrt, überrascht zunächst durch seinen reichen Jllustrativnsschmuck („Ejne Statte deutschen Fleißes", „Tie Antiken-Funde von Cerigo", Photographie in den Alpen"), sodann die in passendster Weise bewerkstelligte Neugliederung des Inhalts. Tie Berlage: „Naturwissenschaftliche Rundschau" mit ihrem abwechslungsreichen Lesestoffe steht - dank der Begabung des diesen Teck der Zeitschrift redigierenden ausgezeichneten Gelehrten — völlig auf der Höhe der Zeit. Daneben figuriert m passender Weise die „Kleine Mappe" als Beiblatt für die Jugend, indem deren Inhalt sich auf physikalische und andere Liebhabereien beschränkt. Die Beilage "Aus der weiten Welt" endlich bespricht an der Hand hübscher Abbildungen die Anlage von „Tropenbahnen" während der Umschlag einen Astronomischen Kalender (nebst Sternkarte) und eine Fülle von Daten über wichtige Gedenktage enthält. So vereinigt sich alles, um den „Stein der Weisen" (A. Hartlebeus Verlag, Wien) als das Vorbild eruer populär-toissenschaftlichen Zeitschrift, „wie sie sein oll, erscheinen zu lassen. Diese Bemühungen von Verlag und Redaktion werden der altbewährten Zeitschrift gewiß viele Freunde zusühren. Das prächtig ausgestattete 1. Heft des neuen Jahrganges wird auf Verlangen ton leder Buchhandlung abgegeben. Zahlenrätsel. (Nachdruck verboten.) 123486784 beliebte Frucht. 2 3 4 7 5 Geschoß. 3 4 5 5 natürliche Hülle. 4 6 4 5 nützliches Tier. 5 7 8 6 4 8 Nahrungsmittel. 6 115 Gemach. 7 5 6 4 Flüßchen im Harz. 0.00 ru.tac. “ 4 5 7 6 4 weiblicher Borname. Auflösung in nächster Nummer. Tas Auftreten der Kinder ist viel beherzter ustd freier als in Deutschland; die Eltern verkehren eben ganz anders Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nr.: B E I RAN LOOS IRENE NACHEN 9tEbaniOt,: d"rkh°rdt. - Druck und «erlag der Brühl'schen Uuiverßtäw°Buch- und St-iudruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.