m .e.ss< 4 t\ W MM ii u KLWr AW-»Fv^^^MUW IS©'10 ’m quälenden Hunger der Löwe vom Grase sich nähren? NSläk So auch ein hohes Gemüt finke nie unter sich selbst. \jär Herder. (Nachdruck verboten.) Prüfung. Kriminalerzählung von E. Hainberg. (Fortsetzung.) „Es liegt heute eigentlich nur ein Fall von Wichtigkeit vor", sagte der Staatsanwalt, der als letzter eben hinzugetreten war, „das andere sind nebensächliche Dinge, ein Streitfall, der in eine Schlägerei ausgeartet ist, eine Rauferei auf dem Tanzboden, ein paar kleinere Diebstähle, was alles zusammen das Wohl des Staates nicht bedroht- „Schwerer dagegen liegt ein anderer Fall. Wir haben es da mit einem notorischen Wilddiebe zu thun, der schon, mehrere Vorstrafen erlitten hat. Neuerdings sind nun wieder eine ganze Reihe arger Wildfrevel verübt, ohne daß es bisher gelungen wäre, die Spitzbuben zu fassen. Nun hegt unser Forstmeister mehrere Exemplare alter Edelhirsche, wahre Prachtstücke, darunter ein Sechzehnender. Es' ist dem gesamten Forstpersonal aufs strengste verboten, eines dieser Tiere zu erlegen. Und nun wurden ihm gerade diese Tiere weggeschossen. Der Forstmeister war wütend, und ließ streng aufpassen. Er selbst war auch nicht faul. Tag und Nacht ist er dem Gesindel nachgeschlichen, doch! nie entdeckte man eine Spur von den Halunken. Die Tiere waren eben einfach verschwunden, oder man fand ein erlegtes, oder auch nur an geschossenes und verendetes Tier in irgend einem dichten Gestrüpp, gut mit Laub und Reisig verdeckt. „So auch vor einigen Wachsen. Der Forstmeister streift durch den Wald, sein guter Jagdhund pirscht nebenher, aus einmal giebt er Laut, schnüffelt und kratzt an einem Reisighaufen, daß Erde, Dornen und Laub nur so Herumfliegen. ,Ruhig, Tiana', mahnt der Forstmeister und klopft dem klugen Tier das Fell. Der Hund versteht sofort und arbeitet ruhig, aber um so hastiger weiter, nur zuweilen mit einem sprechenden Blick seinen Herrn streifend. Da! — ein Läufer wird frei. Nun weiß der Forstmeister genug. ,Es ist gut, Diana, halt ein', sagte er, und sängt an, sorgsam das Dornengestrüpp wieder zusammenzuhäufen, um den Anschein des Unberührtseins zu erwecken. Als dann alles wieder in den vorigen Zustand versetzt ist, geht er vorsichtig hinweg, zuvor auch noch die letzten Fußspuren, durch frisch hingestreutes Gras verdeckend. Und nun geht er langsam, tu tiefes Sinnen versunken, heimwärts. Ein neuer Gedanke steigt in ihm empor — ein Verdacht auf sein eigenes Personal. Wie kam es, daß bei noch so eifriger Aufsicht auch nie einer der Wilderer ertappt wurde? War ein Verräter unter seinen Leuten, der die Wildfrevler benachrichtigte, wann und wo Wachen postiert und Streifereien unternommen würden? Dem wollte er nun auf die Spur kommen. Der soeben gemachte Fund war ihm hierzu günstig. Das Forstpersonal war anderweit beschäftigt, niemand wußte von feinem Gange hierher und niemand sollte davon erfahren. Dies eine Mal wollte er allein den Wilddieben auflauern, wollte sie überraschen, wenn sie kamen, das erlegte Wild zu holen. Der Forstmeister verhehlte sich dabei durchaus nicht die Gefahr, der er sich dabei aussetzte. Es würden zwei gegen einen sein, und der eine war er. Er wußte auch, mit welcher Verwegenheit und Tollkühnheit die Wilderer um Freiheit und Leben kämpften, sie opferten lieber ein Menschenleben, ehe sie sich! ergaben und einsperren ließen. Aber immerhin, es mußte sein, er war mutig, und feine Dienstpflicht gebot es ihm. So rasch wie möglich entfernte er sich von dem Fundorte und bahnte sich durch Gestrüpp und Rankengewächs einen Weg, der ihn rasch, in ein anderes Revier brachte. Er traf dann noch hier und da mit seinem Forstpersonal zusammen; obgleich er noch keinen bestimmten Verdacht hatte, wollte er sich doch einem jeden arglos, weit entfernt vom Orte des Wildfundes zeigen. War ein Verräter unter ihnen — er sollte ihm heute nicht anmerken, welchen Fund er gethan und was für die Nacht sein Vorhaben war. Als dann die Dämmerung hereinbrach, ging er auf Umwegent seinem Ziele zu. Er hatte sich schon am Morgen einen passenden Standort ausgesucht, der ihm gute Deckung bot und doch einen Ueberblick auf den Platz, wo sich die nächtliche Scene abspielen würde, frei ließ. Fast eine halbe Stunde stand der Forstmeister aus seinem Lauerposten, als sich leise Tritte hören ließen. Vorsichtig umherspähend erblickt er zwei Männer, die sich von der entgegengesetzten Seite dem Thatort näherten. Graues Gewölk deckte den Himmel, durch das der bereits im letzten Viertel stehende Mond nur einen matten Schein hindurchsandte, dennoch war dieser genügend, die Umrisse der beiden Männer erkennen zu lassen, während ihre Gesichtszüge unkenntlich! blieben. Der Forstmeister wartete nun ruhig, bis die beiden an ihr Werk gingen, um sie in voller Thätigkeit zu überraschen. — Der Hirsch! war freigelegt, der Forstmeister konnte deutlich erkennen, wie die beiden Männer ihn hervorzogen, sah, wie der eine niederkniete und wie das Weidmesser in dessen Hand blitzte, nm den Hirsch auszunehmen. Nun war 498 Unten im Hausflur öffnete sich eine Thür Man mochte wohl neugierig sein, was die bieten ^.ausereien mitten in der Nacht zu bedeuten hatten. ., „Guten Morgen", sagte der Forstmeister zu dem zwischen dem Thürspalt hervorlugenden alten Mann. „Guten Morgen", erwidert dieser mürrisch, Der Forstmeister war schon an der Hausthur, da wandte er sich noch einmal zurüst nach dem ihm nachschauenden Alten. „Können Sie mir nicht sagen, lieber Mann, wann der Forsthüter oben in dieser Nacht in seine Wohnung zurüst- Qefdjxt ift?" Nein"', gab dieser zur Antwort, „darum bekümmern wir uns nicht. Unsereins schläft die Nacht, weil wir am Tage arbeiten müssen. Da achtet man nicht auf einen fruy oder spät Heimkehrenden. Nur in der Morgenfrühe, da fällt einem ein solches Kommen und Gehen auf und scheucht den Schlaf aus den Augen." Der Forstmeister machte die Thur hinter sich zu, er sah ein, ans dem Mann war nichts hervorzuholen, obgleich er innerlich fest überzeugt war, daß derselbe recht wohl über das Kommen und Gehen des Forsthüters unterrichtet war. „Nun", dachte er bei sich „die Aussage der Alten genügt schon, ich habe mich also nicht getäuscht, und damit list unsere bisherige Erfolglosigkeit erklärt" Er ging nun nach. Haus und legte sich für em paar Stunden nieder, setzte dann eine Eingabe an die Staatsanwaltschaft auf, worin er den Karsten des Wildfrevels und den Forsthüter als der Beihilfe dazu und Verletzung des Dienstgeheimnisses verdächtig bezeichnete. Darauf nahm die Staatsanwaltschaft die Anklage I auf, zwei Termine haben bereits stattgefunden, ohne daß I den beiden wirklich! Positives nachgewiesen werden konnte. Tie Anklage scheint in hohem Grade begründet, aber beweisen läßt sich, nichts, M auch der Forstmeister, obgleich I seiner Sache sicher, die Anklage doch nicht aus seinen Diensü I eid nehmen will und die Mutter des Schwarz ihre Aussage, dem Forstmeister gegenüber, zurückgenommen hat. ,„^hr l Sohn", sagt sie jetzt aus, „sei den ganzen Abend und m der I Nacht, bis zur Ankunft des Forstmeisters, §u Hause 9C= I wesen, und nur die Furcht, der Forstmeister könne ihrem Sohne was anhaben, daß er, statt in den Wald zu gehen, zu Haus geblieben fei, habe sie zu ;ener Aussage veran aßü I Das alles trägt nun wohl Den Stempel der Unglaubwurdig- keit, aber was soll man hagegen machen? , Nun ist heute noch einmal Termm angesetzt, es sind noch" zwei Mitbewohner des Schwarz'schen Hauses als «euqen vorgeladen, um wegen der Vorgänge tn jener Nacht vernommen zu werden; ob damit aber etwas erzielt wird, möchte ich sehr bezweiseln, die Leute hangen bei solchen I Anlässen aneinander wie die Kletten, es verrat keiner den an de Nix t^ut mir leid, er hat sich nur zwei Feinde gemacht, die ihm die Anklage sicher nie vergessen werden." . < , . Der neue Amtsrichter hatte dieser Auseinandersetzung des Falles mit hohem Interesse gelauscht und den Staatsanwalt mit keinem Wort unterbrochen; jetzt sagte er, dem Erzähler beipflichtend: „Auch mir thut der Forstmeister leid ’ es ist Tein angenehmes Gefühl, solche Fernste rm Rücken zu haben, der Forstmeister scheint mir em biederer kennen chn bereits?",fragte der Staatsanwalt. „Nur einmal gesehen und flüchtig einige Worte mit ihm ^wechstlü r.chttg beurteilt", bestätigte der Staatsanwalt, „doch da ist er selbst, hören wir, ob er neues $r*n$er soeben Eingetretene trat aus die beiden Herren zu. „Guten Morgen, meine Herren! SchM m Tyatigteit, ^r„Uch^noch^dazu in Ihrer eigenen Angelegenheit, von der mir eben der Herr Staatsanwalt berichtet hat. „Wie steht es, Herr Forstmeister, bringen Sie neues? redete der Letztgenannte ihn an. , Leider, nein. Tic Leute sind verschwregeu wie das Grab, wenn es gilt, einen der ihren gegen uns in Schutz i m nehmen. Die Sache wird wohl erfolglos fern ich! hatte S ?E"«t tatet bas handwerl ein- für altem» M | Und nun gar zu wissen, daß der eigene Untergebene Mit- sagte Werner, „es ist mir lieb, daß Sie mir das sagen. Und nun Verzeihung wegen der spaten Storung, Frau Schwarz.^ fagcitz §err Forstmeister, der^ versäumte Schlaf wird sich schon wieder einholen.lassen. Sie ging in ihr Stübchen zurück, und der Forstmeister stieg die Treppe hinab. der Augenblick des Vorgehens gekommen. Der ForstmeDer . areiit in seine Brusttaschie und nimmt für alle Falle fernen 1 Solber zur Hand. So, die Waffe zum Schüsse bereit, be- i schleicht er die Verbrecher. Seine Tritte sind, fast unhor- I bar, so vorsichtig geht er vorwärts. Schson ist er ihnen ; auf wenige Schritte nahe, die beiden Frevler gegen. Gesetz und Ordnung kehren ihm den Rücken und sind ganz m ihre Arbeit vertieft. Schon glaubt er 'in der einen Gestalt einen I seiner Waldhüter zu erkennen und in dem anderen den kaum nach mehrjähriger Gefängnisstrafe wieder in Freiheit gesetzten berüchtigten Wilddieb Karsten mit Namen. Noch I ein paar Schritte und er hätte sie erreicht und ihre Person- I Weit mit Sicherheit feststellen können - da will es das Unglück, daß der Forstmeister über eine vorstehende Baurn- I Wurzel stolpert und zu Fall kommt. Mit emem Fdich springen die Kerle empor und ein unterdrücktes. „Der Forstmeister" glaubt Werner aus . dem Munde dessen zu vernehmen, den er als einen seiner ~eute zu erkennen I glaubt. Aber der Augenblick des Falls und fern Wieder- I emporrichten hat den Kerlen, _ die m toller Flucht davon- rannten, einen tüchtigen Vorsprung gegeben; beide Huben 1 sich nach verschiedenen Richtungen entfernt und sind alsbald im Waldesdunkel den Augen des Forstmeisters entschwunden. I Dieser überlegt, was nun zu thun ist! Hin zu der Wohnung des Waldhüters und sich! überzeugen, ob der Mensch zu Haus ist! Gedacht — gethan. Nach emer halben I Stunde starken Ausschreitens hat der Forstmeister die I Wohnung des Verdächtigen erreicht- chic Thur ist verschlossen, er donnert daran und begehrt Einlaß. Nach emer Weile öffnet sich im oberen Stock ein Fenster und die Stimme des Forsthüters fragt, wer ist unten? „Ter Forstmeister", klingt es zurück, „offnen Sie schnell, ich habe nut Nach emiger Zeit öffnet ihm jener die Thür. Er macht I einen durchaus unbefangenen Eindruck und bittet den I Draußenstehenden, einzutreten. Cs war wohl schon mehrmals vorgekommen, daß das Forstpersonal bei nachtschlafender Zeit aus dem Bette geholt und an bestimmte Stellen im Walde beordert wurde, denn der Forstmeister versteht seinen Dienst streng und , fordert ein Gleiches von seinen Beamten. „Wo waren Sie 6(8 ta- 6.6«. I WÄÄ'Äf geradezu vor den Kopf, „wenn ich Sie nicht eben im Walde getrost ^.”en ^er Herr Forstmeister", sagte der Mann ganz ruhig, „ich habe soeben .erst mein Lager verlassen. Der Forstmeister schweigt, er will sich die suche noch bedenken, besitzt er doch keine Gewalt, den Mann zum Reden zu bringen, wenn dieser sich weigert. . 5 „Machen Sie sich sofort bereit, mir zu chlgen , spricht Pr daher nur. Das geschieht und der Forstmeister fuhrt chn zu der Stelle, wo der Hirsch liegt „So, hier stehen Cie Posten, bis ich! zwei Arbeiter schicke, die den Hirsch aufladen und in die Forstmeisterei bringen. Werner zieht eine kleine Laterne aus der Tasche, zündet sie an und beleuchtet ringsum den Boden, nach! irgend emem Gegenstand, ter den beiden Männern von vorhin etwa entfallen ist. Doch! nichts findet sich. Nun geht der Forstmeister langsam und nachdenklich zurück. Noch einmal kehrt er m.be§ cti?irrfhüter§ Wohnung ein. Er weiß, daß derselbe mit emer alten Mutier zusammen wohnt. Er klopft die Alte heraus und fragt, wann ihr Sohn nach! Hause gekommen. Sie antwortet • „Es war schon ziemlich; spät, der Herr Forstmeister kam ja gleich darauf selbst und holten ihn ab. So" fragt der Forstmeister noch emmal, „also erst kurz "vor mir selbst ist Ihr Sohn nach Haus gekommen? „Ach Gott ja, Herr Forstmeister ^.beteuerte die Alte, die wohl glauben mochte, es handle sich; um eme Dienst- 499 Hilfe leistet und den Verräter spielt! Ich werde natürlich auf sofortige Versetzung des Schwarz antragen, sobald er freigesprochen wird, was ja kaum zu bezweifeln ist. Trotzdem bleibt mir die Angelegenheit unangenehm." „Beunruhigen Sie sich vorerst nicht, Herr Forstmeister", spracht Held, „wir wollen erst sehen, was die heutige Verhandlung zu Tage fördert." Tie Zeit war indessen vorgerückt, die Verhandlungen mußten beginnen. Tie Herren trennten sich Tie kleinen Sachen wurden rasch erledigt. Nach etwa anderthalb Stunden konnte die Verhandlung gegen die vom Forstmeister Angeklagten beginnen. Sie zog sich ziemlich in die Länge, verlief aber schließlich, wie alle Beteiligten vorausgesehen, resultatlos. Tie beiden Angeklagten wurden wegen mangelnden Beweises freigesprochen und die Kosten auf die Staatskasse übernommen. Die Angeklagten verließen höhnisch lachend und zugleich mit einen: grimmigen Blick auf den Forstmeister den Gerichtssaal. Werner war noch zurückgeblieben und trat nochmals mit den übrigen Herren zu einem kleinen Disput zusammen. Eine lebhafte Besprechung des eben verhandelten Gegenstandes entspann sich- nun unter den drei Herren', zu denen sick noch zwei Rechtsanwälte gesellt hatten. Ankläger, Richter und Verteidiger, alle ohne Ausnahme, stimmten betritt überein, daß die Angeklagten schuldig seien; nur der Beweis, der sie überführen sollte, fehlte. „Und das war eben die Lücke in der Kette von Verdachtsmomenten, wie der Herr Staatsanwalt in seiner Rede trefsend bemerkte", schloß einer der Rechtsanwälte die Diskussion. „Uebrigens, Herr Staatsanwalt, die beiden Kumpane werden Ihnen keinen besonderen Dank wissen für Ihre glänzende Verteidigungsrede; Sie haben die Kerle nicht schlecht gezeichnet." , Der Staatsanwalt lächelte. „Dank öder nicht, e§' ist mein Amt, die Uebertreter oer Gesetze zu verfolgen. Uebrigens incine ich, unser lieber Forstmeister wird gut daran thun, ein wenig auf seiner Hut zu sein; die Kerls werden ihm die Anklage so leicht nicht vergessen." „So leicht läßt sich ein Forstmann doch nicht ein- schüchtern, lieber Staatsanwalt, das wäre eine schöne Sache, wenn er bei jedem Fall, der sein Einschreiten verlangt, -erst fragen wollte: „Bringt es dir auch keinen Nachteil?" „Brav gesprochen, Forstmeister!" lachte der Staatsanwalt. „Wir beide setzen sie doch noch einmal fest." Aehnlich äußerten sich nun auch die andern. „Lassen wir die unerquickliche Sache nun ruhen, meine Herren, ich- lade Sie sämtlich im Auftrage meiner Frau für Sonntag zu einem Teller Suppe. Später machen wir einen Skat. „Angenommen", sagte der Staatsanwalt. Die beiden Rechtsanwälte lehnten ab, weil sie sich anderswo verpflichtet hätten. „Aber Sie, Herr Amtsrichter, werden mir keinen Korb geben, ich. würde gar nicht unternehmen, denselben nach Hause zu bringen", nötigte der Forstmeister den noch! mit seiner Zusage zögernden Amtsrichter. Held murmelte etwas von erst Visite machen, obgleich! sein Herz bei dem Gedanken, sobald schon seine liebliche Reisegefährtin Wiedersehen zu dürfen, zu höherem Schlage einsetzte. „Ach was", sagte der Forstmeister treuherzig, „bei uns uuf dem Lande nimmt man es mit der Etikette so genau nicht! Da freut man sich einfach, wenn liebe Freunde einsprechen." Held verbeugte sich: „Ich werde mir die Ehre geben und bitte, mich den Damen zu empfehlen." „Also bis zum Sonntag!" sagte der Forstmeister und schüttelte beiden krästig die Hand. Werner ging nun rasch, nach- seinem Gasthaus, wo er Pferde und Wagen untergebracht hatte. Der Kutscher hatte indessen schon angespanitt, er hatte durch andere erfahren, daß die Sitzung beendet war und wußte, daß er nun seinen Herrn erwarten konnte. Werner stieg denn auch sofort auf und fort rollte das Gefährt. Als sie die Stadt bereits eine Weile im Rücken hatten, wandte sich der alte Kutscher auf seinem Bocke um. „Tie Halunken sind also durchgekommen, Herr Forstmeister! Ja, diese Spitzbuben sind schlauer wie der Teufel!" „Ja, Heinriche es war eine verfehlte Geschichte. Aber es__ ist nun einmal nicht zu ändern, ich muß mich damit trösten, sie ein andermal zu fassen, wenn sie das Wildern nicht verlernen." r „Wird schwer halten, Herr Forstmeister, die Burschen sind gewarnt." Dem mußte der Forstmeister recht geben. „Aber auch! wir sind gewarnt, Heinrich. Ich kenne jetzt die Burschen." (Fortsetzung folgt.) Aus dem Sonnenaufgangs-Lande. Von Wilh. F. Brand. Nachdruck verboten. Nagasaki. — Schnee auf Palmenblättern. — Japanische Trachten. — Stöckelschuhe. — Kimono und Obi- — Künstlicher Höcker. — Japanische Moden. — Frisur- — Sind die Japanerinnen schön? — Nicht bezaubert, — noch nicht! — Nagasakis Umgebung. — „Papenberg". — Schimonoseki- Straße. — Typische Landschaftsbilder. — Diminutive Formen. In Nagasaki, dem wunderbar schön gelegenen Hafenort an der äußersten Westküste Japans, wo seit Marco Polos Zeit die Europäer wohl durchweg gelandet, betrat auch ich zum ersten Male japanischen Boden. Es war Ende Februar und noch empfindlich kalt- Wir hatten einige Tage später sogar noch Schnee. Es war ein wunderlicher Anblick: . Schnee auf Palmenblättern! Denn einige Arten Palmen wachsen, wenn auch in recht verkümmertem Zustande, im südlichen Japan noch überall im Freien. Ebenso Persimmon- und Kampferbäume, Kamelie und Gardenia. Daneben aber aud), Buche und Eiche Was meine Aufmerksamkeit bald aber in weit höherem Grade fesselte, als eine derartige „Zwitterzonigkeit" der Vegetation, waren die japanischen Menschen und ihre Trachten. Alles alte Bekannte! ■— Wo hatte ich! sie nur alle schon gesehen! — Ach-, das waren ja dieselben wunderlichen Figürchen, die mir auf Fächern und Tellern, auf Theetöpfen und Handschuhkasten daheim schon so oft gegenüber getreten, dieselben Gestalten, nun in Fleisch und Blut übergegangen, und in winterlicher Vermummung. So nehmen sie sich fast noch seltsamer aus. — Es giebt sehr wenig wirklich europäisch- gekleidete Männer in Japan, und noch, weniger, man kann wohl sagen, gar keine Damen, die, außer bei Hofsestlichkeiten, europäische Kleidung anlegen. Das ist gewiß recht schön. Die Männer, und gerade die vornehmeren, tragen allerdings fast durchweg europäische Hüte oder aber Reisemützen, und bei kaltem Wetter einen Mantel, häufig mit Pelz besetzt, der wohl für einen europäischen Ulster gelten könnte. Dazu aber die hölzernen Stöckelschuhe mit ein paar handbreiten Brettlein unter den Sohlen, so daß sie gewissermaßen immer auf Stelzen einherklappern. Eine nette Gangart! — Und dieser Spektakel! In Anbetracht des Schmutzes, den es bei den sonst so sauberen Japanern auf ihren in schlechtem Zustande erhaltenen Straßen überreichlich giebt, ist die Einrichtung dieser Stelzschuhe ja ganz zweckdienlich. Die Leute gehen aus denselben einfach über den Schmutz hinweg, — so lange er eben nur handhoch liegt. Unter dem Mantel trägt der Japaner das „Kimono" oder mehrere, die mich — ich kann mir nicht helfen — immer an einen Schlafrock erinnern. Nur habet: sie entsetzlich weite Aermel, die bei der Arbeit recht lästig sein müssen. Die gewöhnlichen Japaner tragen statt des Ulsters das „Haori", anch ein schlafrockartiges Gewand, nur mit dem Unterschied, daß es wesentlich kürzer ist, als das Kimono. Recht nett ist dagegen die teilweise ganz alte, zum Teil aber auch wieder ganz modernisierte Tracht der Boys der Jinrickschas oder „Pullman Cars", die es schon aus Ceylon giebt, „der Droschken des Ostens", die von jungen Burschen gezogen werden. Ihnen würde das Kimono beim Laufen natürlich sehr im Wege sein. Sie tragen statt dessen nur das Haori und auf dem Kopfe die nationale — 500 — - Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaktion: E. Burkhardt. - 1. 2. 3. 4. fällt und schmückt, fließt. stelzt und fliegt, wird gefeiert. Kopfbedeckung, die einem umgestülpten Dopfdeckel oder mehr noch dem Kopf eines Pilzes ähnlich ist. An den Füßen haben sie Sandalen oder gar nichts, und im übrigen ein trikotähnlich ganz eng anliegendes Beinkleid, d. h. im Winter. In wärmerer Jahreszeit fällt da vieles fort. Es fiele wohl, wie noch vor etlichen Jahren, so ziemlich alles fort, wenn nicht neuerdings die hohe Polizei da gar strenge Verordnungen erlassen hätte. Auch bei den Frauen ist das Kimono das eigentliche Gewand, ganz ähnlich wie bei den Männern. Sie tragen dann aber um die Taille noch eine breite dicke Binde, das „Obi", welches auf dem Rücken in einen Zierat ausläuft, das sich ausnimmt wie ein Rückenkissen. Das gilt für besonders schön. Nun, schlank macht es nicht. Wenn die Damen dann aber über das „Kissen" noch das Havri ziehen, so ist der künstliche Höcker da, aber mitten aus dem Rücken. Es macht einen gar närrischen Eindruck, aber doch auch nicht närrischer als etwa die Wirkung von Tournüre und Puffenärmel, wie wir sie seinerzeit in Europa kennen gelernt. Uebrigens sind auch die Trachten der Japanerinnen der Mode unterworfen, die sich in Einzelheiten des Zuschnittes der Gewänder, im Besatz, in der Weite der allerdings stets recht weiten offenen Aermel kundgiebt, und zumal auch an der Größe der daran baumelnden Anhängsel, die wie zwei große, schwere Reisesäcke von den Unterarmen bis beinahe aus die Erde herabhängen, und in der That als Taschen zur Aufbewahrung der papiernen Taschentüchleins, des nie ermangelnden Pudermaterials und, was weih ich sonst, benutzt werden. Ueber das Haupt hat die Japanerin im Winter wohl ein großes Tuch geschlungen, das den Nacken, sowie den ganzen Kops, bis auf die Augen umhüllt. Sonst aber trägt sie aus dem Kopfe nichts als ihr — oder anderer Leute — Haar, dessen kunstvoller Hochbau schtvierig und zeitraubend ist, so daß das Haar nur einmal oder zweimal in der Woche frisiert wird. Damit aber der Aufputz während der nächtlichen Ruhe nicht in Unordnung gerät, stützt sie ihr Häuptlein mit dem Hals während der Nacht nur auf ein Holzgestell, die Mahura. So bleibt der Kopf frei, die Frisur unbeschädigt. An den Füßen tragen auch die Frauen die entsetzlichen Stöckel- pantosfeln, die beim Eintritt in die Häuser indessen sofort abgelegt werden. Hier gehen die stets aus Reinlichkeit bedachten Japaner nur in Strümpfen oder doch in der Fußbekleidung aus weißer Leinwand oder Baumwolle. Schön kann man nun die Frauen dieses Landes jedenfalls auch nicht nennen, doch haben sie unzweifelhaft etwas Anmutiges, Herziges, Graziöses, das uns bei genauerer Bekanntschaft wohl für sie einnimmt. Mein erster Eindruck aber war nach allem, was ich früher über sie vernommen, unbedingt enttäuschend. Als sie mir so in Nagasaki mit umhülltem Haupt, mit dem künstlichen Höcker, im Schlafrock unb den schwerfälligen Reisetaschen entgegentraten, an den Füßen die klappernden, unflätigen Stelzenpantofseln, da war ich gewiß nicht bezaubert! — noch nicht!---- Nagasaki als Stadt bietet sehr wenig, und kommt für den Reisenden eben besonders wegen seiner Naturschönheiten in Betracht. Es lassen sich denn auch herrliche Ausflüge von hier unternehmen, nach dem hübschen Wasserfall von Kwannonno-taki, über die Berge nach Mugi sowie nach der Insel Tahaboko, von den protestantischen Holländern früherer Zeiten „Papenberg" genannt, Werl hrer in den Tagen der Christenverfolgungen im 17. Jahrhundert Tausende der Anhänger des Papstes, die vom Christentum nicht lassen wollten, die hohen, steilen Klippen hinabgeworfen wurden. Doch ist dies in neuerer Zeit nicht ohne Grund vielfach angezweifelt worden. Bon Nagasaki fuhren wir dann werter, ernen ganzen Tag lang durch die herrlichen Binnenseen mit Tausenden von Inseln und Inselchen, und die berühmte Schimonoseki- Straße, welche die Großartigkeit eines norwegrschen Ffvrdv mit der Lieblichkeit der italienischen Seen verbindet, und gelangten dann nach dem gleichfalls sehr hübsch gelegenen Vertragshafen Kobe unmittelbar neben der alten Stadt Hiogo, von wo aus die interessanten Städte Osaka und Nara sich leicht besuchen lassen. Noch weiter mit der Eisenbahn in das Innere des Landes fahrend, nach der alten Hauptstadt des Reiches Kioto, erblicken wir überall die typischen, hübschen Landschaftsbilder Japans: zerklüftete Gebirgsmassen vulkanischen Ursprungs, nur auf der Spitze bewaldet; an den Abhängen und in den Niederungen terrassenförmig übereinander angelegt die Reisfelder, denen ein überall sorgsam ausgebautes Bewässerungssystem die ihnen so erforderliche Nässe zuführt. Jedes Fleckchen Erde scheint ausgenutzt, alles mit Fleiß und Ordnungssinn bestellt. Die einzelnen Felder sind so ihrer natürlichen Lage nach von geringerem Umfang. Aber das ist wieder charakteristisch für Japan. Hier herrscht überall eine diminutive Form vor. Neben den Feldlein und den Häuslein werden selbst manche Bäume in den Gärtlein vielfach mit Absicht und beträchtlichem Aufwand von Mühe, zumal durch ein stetes Beschneiden der Wurzelausschüsse in einem zwergartigen Zustande erhalten. Das gilt für besonders schön, und ist eine besondere Kunst der japanischen Gärtnerei. Alles das steht indessen ja nur im Einklang mit dem japanischen Menschengeschlecht. Dieses ist ja schließlich auch nur von kleiner Statur. Aber wer weiß, zu welch' großen Dingen sich aufzuschwingen ihm noch geschieden! Ueber Blumenschmuck des Zimmers. Wenn man durch die Straßen schlendert und hier und da einen Blick in die Fenster schweifen läßt, so erstaunt man manchmal über die Geschmacklosigkeit und das Unverständnis, welches beim Arrangement von Sträußen an den Tag gelegt wird. Alle möglichen Blumen sind in wildem Durcheinander zu einem Knäuel zusammengeschnürt und dieser „Strauß" dann in ein Geleeglas oder eine Bierflasche gesteckt. Einen erquickenden, die Freude an der Natur anregenden Anblick gewährt solch ein Gegenstand , natürlich nicht, und sollte er auch noch nicht einmal mit seinem Duft das Zimmer füllen, wäre es besser, ihn überhaupt nicht aufgestellt zu haben. Man glaube doch nicht, daß ein Strauß oder eine lose in eine Vase gesteckte Blumenzusammenstellung um so schöner sei, je mehr Blumen und Blumenarten sie enthalte. Im Gegenteil. Nur eine- Blumenarrt lose in eine zu ihr passende Vase gesteckt, ist das Wahre. Er ermöglicht die Schönheit, jede einzelne Blüte bewundern zu können. Der „Praktische Ratgeber im Obst-und Gartenbau" hat von diesem Gesichtspunkte ausgehend, in seiner neuesten Nummer eine Zusammenstellung verschiedener Vasen mit zu ihnen passenden Blumen in Wort und Bild veröffentlicht und hofft dadurch mehr Interesse und Verständnis für Blumenschmuck des Zimmers zu wecken. Die betreffende Nummer kann vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. kostenlos bezogen werden. Blumenpflege in den Schulen. Wenn bei dem Kinde beizeiten das Interesse für die Natur und die Geheimnisse des Pflanzenlebens geweckt wird, so kann man überzeugt sein, daß dieses einen wohlthätigen Einfluß auf die Ausbildung des kindlichen Charakters ausübt. Wird nun in der Schule und zu Hause schon frühzeitig gelehrt, wie außerordentlich mühsam, aber auch wie unendlich dankbar das Aufziehen und Pflegen der Pflanzen ist, so wird es auch lernen, dieselben nach ihrem Werte zu schätzen, und wird sich daran gewöhnen, anstatt als Zerstörer des Pflanzenlebens, als Beschüüer desselben aufzutreten und durch sein gutes Beispiel bei seinen Genossen im gleichen Sinne einwirken. Quadraträtsel. $n die Felder vorstehenden Quadrates stnd die Buchstaben BB, EBBE, FF, III, L, R, 88, T derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen'gleichlautend mit den senkrechten sind und Wörter von der bei- gcfügten Bedeutung bilden. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Delphischen Spruchs in vor. Nr.: Wind — Winde.