järeJ1 1901. - Nr. 2 eAi b ", 8 N^WMW8i^WM^ EWUW -7WZ8E s MM ag's taglang tüchtig auf dich regnen — Stimmung und Wetter wechseln schnell; Ein einzig freundliches Begegnen, Und alles um dich her ist hell. Joh. Trojan. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigin. Seeroman von -Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Zweites Kapitel. Kindheit. Unbeschreiblich ist' der Reiz, den unser altes Wohnzimmer in ineiner Kindheit für mich hatte. Es war inir streng verboten worden, irgend etwas anzufassen; doch wurde ich nie müde, mir die „Kuriosa", wie mein Vater sie nannte, anzusehen, was wohl zur Genüge beweist, wie groß ihre Anziehungskraft für mich wP. Tenn welches Kind mag lange beschauen, was es nicht ansassen darf? All diese Sachen riefen in mir kindliche, harmlose Gedanken wach. Meines Vaters Gespräche, wenn er daheim war, die Geschichten, die mir meine Mutter von seinen Reisen erzählte, mit) die Wunder der tiefen See kamen mir bei meinen Gedankenbildern zu Hilfe oder bildeten vielmehr das Fundanrent derselben. Meine frühesten Erinnerungen sagen mir, daß ich die Speere und den Schild über dem ovalen Spiegel nie ansehen konnte, ohne an unermeßliche blaue Wasserflächen und- an grüne, schimmernde Inseln zu denken, die wie in einem Bette flüssigen Glases ruhten. Ich sah im Geiste dunkle Gestalten durch- die schneeweiße Brandung schwimmen oder aus dem goldgelben Sande dahinlaufen; die Luft war mit dem Dufte der Orangen» und Limonenbäume erfüllt, und die würzigen Haine verbreiteten einen berauschenden Geruch. Die chinesischen Elfenbeinschnitzereien ließen mich von Stefanien und grünen sonnenschirmähnlichen Palmen und seltsam geformten Tempeln träumen, deren Inneres von Edelsteinen glänzte. Wahrhaftig, im Herzen war ich schon wanderlustig, als ich noch nicht alt genug war, meine Hafergrütze allein zu essen, und ich schwärmte für Seeleute und Schiffe und flog im Geiste wie ein Vogel über den Spiegel des Ozeans, noch ehe meine Zunge die Worte korrekt aussprechen konnte. Ich- war das einzige lebende Kind meiner Eltern, und aus diesem Grunde hatte ich. obgleich ich viele Kinder kannte und es mir außerhalb nie an Spielgefährten mangelte, im Hanse selbst nur meine Mutter, die Magd und die Freunde, die uns besuchten, zur Unterhaltung. Daher wurde ichi ohne Zweifel für etwas altmodisch in meinem Benehmen und für über meine Jahre altklug gehalten. Meine Mutter war nicht ans dem Norden, sondern aus der Gegend von Brighton zu Hause. Wie sie mit meinem Vater bekannt wurde, das ist ein kleiner Roman, der ein interessantes Kapitel bilden würde. Es würbe zu weit führen, die Geschichte ausführlich zu erzählen. Ich begnüge mich also mit einem kurzen Abriß. Als zweiter Steuermann eines Ostindienfahrers befand sich mein Vater auf der Heimreise. In den Breitegraden des Kaps der guten Hoffnung mußte das Schiff eines orkanartigen Sturmes wegen beigedreht werden. Bald darauf wurde am Horizont ein augenscheinlich im Sinken begriffenes Schiff bemerkt, das bereits zwei Masten verloren hatte. Auf dem Wrack befanden sich noch einige Menschen und unter der Leitung meines Vaters gelang es, trotz der schwierigen Umstände, sie sämtlich mit dem von dem Ostindienfahrer ausgesetztem Boote -zu retten. Einer der Geretteten, ein junger Mann Namens Mills, bat meinen Vater dringend, als er erfuhr, daß er hauptsächlich ihm feine Rettung zu danken habe, ihn nach seiner Rückkehr in Sussex z,u besuchen. Bei dieser Gelegenheit lernte mein Vater seine zukünftige Frau kennen und lieben. Annie war die Schwester des jungen Mills, ein hübsches, sanftes Mädchen von neunzehn Jahren. Sie waren drei Jahre verlobt, ehe sie heirateten, und- der Brautstand hatte möglicherweise noch länger gedauert, wären nicht die alten Mills innerhalb eines Monats gestorben und infolgedesseu Vaters Braut ganz allein aus der Welt zurückgeblieben. Ihr Bruder war nämlich nadj. Indien zurückgekehrt und hatte sich dort niedergelassen. Sie brachte meinem Vater nur ein kleines Vermögen zu; allein sie besaß, was kostbarer ist als Gold — das sanfteste, liebevollste Herz, das je in der Brust eines Weibes geschlagen hat. Äls ich zur Welt kam, war mein Vater vierzig Jahre alt, und mit vierzig Jahren ist ein Seemann so alt wie ein Landbewohner mit fünfzig. Seit seinem dreizehnten Jahre hatte er zur See gefahren, und seit Generationen waren die Männer seiner Familie Seeleute und die Frauen Seemannsfrauen gewesen. Auch ein ganz Fremder konnte nicht in das Gesicht meines Vaters sehen, ohne daß ihn die unverfälschte, großherzige, treue und herzhafte Natur auzvg, die auf demselben ausgeprägt war. Wenn ich an ihn denke, so fallen mir immer die folgenden Worte aus Dibdius Lied ein, das niemand schöner singen konnte als er: In seinem treuen Antlitz paarten Sich Mut und milder Sinn. Stets blieb er treu der Pflicht, der harten. Nun ist er längst dahin. Nie schaute man in seine schönen grauen Augen, ohne daß man ein zutrauliches Leuchten darin sah, welches ihnen 6 einen unbeschreiblichen Zauber verlieh. Sein Lachen war so tief und klangvoll, daß jeder Ausbruch feiner Heiterkeit wie ein lustiges Lied ertönte. Jeder Zug in seiner Haltung und Erscheiunug verriet den Seefahrer, obwohl er es für lächerlich hielt, ein seemännisches Aeußere und seemännische Gewohnheiten zur Schau zu tragen. Kein Mann, der sich, von Kindheit an auf allerhand Schiffen und unter allerlei Schiffsleuten herumgetrieben hat, wird sich jedoch — vorausgesetzt, daß er sie je besessen hat — die Sitten und das seine Benehmen eines Salonhelden bewahren können. Obgleich ich! nun diesen äußeren Schliff durchaus nicht verachte — offen gesagt, finde ich das Fehlen desselben bei jedem Manne, der nicht zur Entschuldigung angeben kann, daß er Seefahrer ist, unverzeihlich — so wird der Mangel daran doch wohl durch den Umstand aufgewogen, daß der echte Seemann Gott fürchtet, jede seiner Pflichten auf das getreueste erfüllt, den Adel und die Größe seines Berufes richtig schätzt, in seiner Häuslichkeit fromm und ehrenhaft lebt und stets bereit ist, einem Kameraden, der im Kampfe ums. Dasein ermattet hintenan bleibt, hilfreich seine Hand zu reichen. So war meines Vaters Charakter beschaffen, und viele Seeleute seiner Zeit glichen ihm, ganz besonders diejenigen in unserer Heimat. Das waren Männer, die, solange sie ein Schiff führten und als Seeleute an Land bekannt waren, nie zugegeben hätten, daß ein Fleck auf den Ehrenschild ihres Berufes siel. Mein Vater gehörte zu jener Klasse von Seeleuten, die nun bald aus sterb en wird. Er hätte zu jeder Zeit den Oberbefehl über ein Kohlenschiff mit seinem rußigen Deck und den rauhen Gesellen, wie es auf einem solchen Fahrzeuge sowohl die Offiziere als auch die übrige Mannschaft sind, mit dem eines Passagierschifses voll seiner Herren und Damen vertauschen können, und würde sich! unter diesen mit derselben ungezwungenen Höflichkeit bewegt haben, wie irgend ein Seekapitän, der in einem schwimmenden Dampfpalast erzogen und unter den Passagieren.groß geworden ist. Ich kenne keinen Kohlenschiffer, der ihm heutzutage das uachmachte. Wenn ich wie ein Seemann schreiben kann, so verdanke ich dies meinem Vater. Mein Mann lehrte mich auch einiges, doch nur wenig. Schön ehe ich heiratete, konnte ich jeden Teil eines Schiffes, die Masten, Raaen und Taue mit Namen nennen; und ich glaube, als ich fünfzehn Jahre alt war, hätte ich, was praktische Kenntnis des Takelwerks anbetrifst, jedes Examen bestehen können. Ich erwähne dies nur, um die Vertrautheit mit seemännischen Fachausdrücken zu erklären, die ich möglicherweise zeigen werde, wenn wir erst miteinander ans See kommen. > Es klingt vielleicht seltsam, daß eine Fran solche Dinge kennt. Ein Mädchen mag wohl vom Militärwesen alles mögliche wissen, es mag über das Kasernenleben genau unterrichtet sein und wissen, was man unter Parademarsch, Augen rechts, Präsentiert das Gewehr und ähnlichem Zeug versteht. Das alles thut der weiblichen Bescheidenheit und Zurückhaltung weniger Abbruch, als das Geständnis, etwas vom Seewesen zu wissen. So ist es, aber warum? Wahrscheinlich, weil es absolut unmöglich ist, in den Attributen des seemännischen Berufes irgend'etwas; Weibisches zu finden. Trotzdem bin ich nicht die einzige Seemannstochter, .die, wie man bei uns im Norden sagt, eine ganz „anständige" Schiffskenntnis besitzt. Ich sah einst das Modell eines Voll- schiffes, welches die Tochter eines Seekapitäns tadellos gebaut und in jeder Hinsicht richtig getakelt hatte. Kein Schiffsbaumeister hätte den Rumpf besser zusammensetzen, und kein Takelmeister die Takellage mit größerer Genauigkeit anbringen können. Warum soll mein Geschlecht nichts von Schisfen verstehen? Ein bischen seemännische Kenntnis bei Frauen hat schon mehrfach Schiffe mit wertvollen Ladungen vor dem Untergange gerettet. Ich will nicht weiter von meiner Erziehung sprechen, um diese Einleitung nicht unnötigerweise !zu verlängern. Als ich neun Jahre alt war, nahm mein Vater meine Mutter und mich auf eine Reise mit. Er führte damals eine Bark. Unser Ziel war Westindien, und die Fahrt dauerte sechs Monate. Er nahm uns nachher noch auf zwei kleinere Reisen mit, eute ging in das Mittelmeer und eine in die Ostsee, und ich glaube, er würde uns auf jede Reise mitgenommen haben, wenn meine Mutter es zugegeben hätte. Aber sie war nicht seefest; sie litt viel durch Seekrankheit und hatte Furcht vor schlechtem Wetter. Obgleich diese Reisen ihrer Gesundheit sehr dienlich waren, so sagte sie doch, nachdem wir von der Ostsee heimgekommen, daß sie nicht wieder zur See gehen wollte, und sie hielt Wort trotz aller Bitten meines Vaters. Da hätte er gern mich mitgenommen; aber meine Mutter sagte nein; sie brauchte mich! zu Hause; ich wäre ihr einziges Kind; sie könnte nicht mich und ihren Mann zugleich, missen. . • Ihre Weigerung betrübte mich sehr, und ich weinte heftig, als sie sagte, sie würde mich nichx gehen lassen. In meinem jungen Leben hatte ich bis jetzt kein größeres Glück gekannt, als auf einem Schiffe zu leben. Die Matrosen hörten auf zu arbeiten und lachten über mich, wenn ich in die Hände klatschte, sobald das Schiff seinen Bug in die grünen rauschenden Wogen tauchte, und wenn dann der weiße Sprühregen durch die Luft flog und im Sonnenschein wie weiße Seide erglänzte. Meine Mutter konnte mich kaum aus dem Volkslogis herausbekommen. Die Leute lockten mich einerseits dorthin, und meiner Mutter Befehle hielten mich anderseits zurück, so daß ich! manchmal mit meinem Witz zu Ende war. Trotz des Verbots meiner Mutter war ich jedoch viel unter den Matrosen, und wenn ich jetzt an jene Zeit zurückdenke, so geht mir erst das richtige Verständnis für den Seemannscharakter auf. Welch! zarte Achtung zeigten sie dem kleinen Mädchen, das unter ihnen umherschlüpfte und schwatzte! Mit welch herzlichem Vergnügen bewachten und hüteten sie mich! Wie treu waren ihre Herzen, und wie hätten sie jeder Gefahr getrotzt, damit mir nur kein Haar gekrümmt würde auf jener unermeßlichen Tiefe, deren kalter, stürmischer Schoß ihre Wiege war, und mit deren mannigfachen Gefahren sie Tag und Nacht kämpften, um für sich einen kärglichen Lebensunterhalt und Geld für ihre Herren zu erwerben. Auf diesen Reisen lernte ich einen großen Teil vom Seewesen kennen. Man lehrte mich steuern, und manchmal stand ich eine halbe Stunde lang am Rade, und der Matrose, der steuern sollte, stand dabei und erklärte mir die verschiedenen Steuerkommandos wie „Dicht am Winde!" „Anluven!" „Ruder in Lee!" u. s. w. Ich studierte die Striche auf dem Kompaß, bis ich sie ebenso geläufig wie mein Vater herbeten konnte, und wenn er mich nach» dem Kompaßhäuschen schickte, damit ich 'nachsähe, was „anläge", so konnte ich ihm dies sofort bis auf einen Viertelstrich angeben. Es gehört kein großes Genie dazu, um Seeausdrücke zu verstehen, und einem Mädchen,etote mir, das so für Schiffe schwärmte und soviel mit Matrosen in Berührung kam, konnte es nicht schwerer fallen, die das Seewesen betreffenden Namen zu beherrschen und den Gebrauch der so benannten Dinge zu begreifen, als auf der Maschine nähen oder ein Paar Strümpfe stricken zu lernen. Manchmal half mir ein Matrose in die Wanten und leitete mich bei der Hand auf den Großmars. Nie werde ich den Eindruck vergessen, den es auf mich! machte, als ich zum erstenmal das Meer aus der Höhe der Untermastspitze erblickte und mit glänzenden Augen das herrliche Schauspiel der Tiefe überschaute. Mit der Zeit blieb mein Vater mehr zu Hause und unternahm nur noch kürzere Reisen. Er war zeitlebens sparsam gewesen und hatte sein ganzes Vermögen in Schiffen angelegt, was zu feiner Zeit noch ein hübsches Sümmchen ab warf. Er pflegte oft davon zu reden, daß er sich zur Ruhe setzen wollte; er hätte, meinte er, genug gearbeitet und würde nun alt. Es wäre auch Zeit, jüngeren Leuten Platz zu machen, und jede Reise sollte seine letzte sein. Wenn es aber soweit war, konnte er sich nicht dazu entschließen. „Was soll ich anfangen", pflegte er zu sagen, „wenn ich die See verlasse? Wie soll ich; mir die Zeit vertreiben? Neulich riet mir Michel Hanson, die See aufzugeben und mich am Land als Wetterprophet niederzulassen. Aber es ist ein erbärmliches Geschäft, andere auf Stürme aufmerksam zu machen, noch dazu, wenn man seiner Sache selbst nicht so sehr sicher ist. Ebenso gern möchte ich Wander- 7 Prediger werden. Nein, ich will noch einmal auf die Reise gehen; da habe ich Zeit, mir die Sache nochmals zu überlegen und vielleicht danach zu einem Entschlüsse zu kommen." (Fortsetzung folgt.) Vom Monat Januar. (Nachdruck verboten.) Nach den bewegten Festwochen lenkt der Verkehr auf den Marktplätzen wieder in ruhigere Bahnen ein, und der Handel auf dem offenen Markt rüstet sich für die winterliche Ruhe und Gleichmäßigkeit. Die ungemütliche Ueber- gangswitterung läßt die Zahl der ländlichen Markt- lreferanten beträchtlich sinken, und die Marktbesucher werden längere Zeit die normale Besetzung vermissen. Der Gemüsemarkt verrät am ehesten die vorgeschrittene Jahreszeit. Außer dem, den Winter aushaltenden Rot- und Weißkohl, gutem Braun- oder Grünkohl, mäßigem Welschkohl ist guter italienischer und griechischer Blumenkohl zu beachten, und an Wurzelgemüsen: Teltower Rüben, Sellerie, sowie Kohl- und Mohrrüben, die sämtlich in guter Zubereitung eine immer annehmbare Speise bieten. Sehr schöne Schwarzwurzeln liefert der Markt und die Delikateßläden; zwar nicht billig, aber seines außerordentlichen Wohlgeschmackes wegen, verdient dieses Gemüse mit Recht als der Spargel des Winters bezeichnet zu werden. Von Delikateßgemüsen sieht man Artischocken und französische Treibgemüse, Salat und Radieschen haben hohe Preise. Zu feineren Salaten sind in den Delikateßläden Escarol, breitblättrige Endivien und englische Schlangengurken zu haben. Erfurt sendet uns die überaus gesunde Brunnenkresse, sie zeichnet sich durch ihren Appetit anregenden Geschmack aus und giebt einen angenehm aromatischen Salat. Ein bis zwei Stunden vor dem Gebrauch wird die gut gelesene Kresse gewaschen, mit Olivenöl, Citronensaft, etwas sehr- fein gehackter Zwiebel, Salz und Pfeffer gut gemengt und bis zum Gebrauch zum Ziehen hingestellt. Weiter bieten die Delikateßhandluugen für Liebhaber den Süßfenchel an, den beinahe kein deutsches Kochbuch erwähnt, der sowohl zu Salaten wie Gemüse verwendet wird; die feine italienische Küche verwendet ihn zu Saucen für einige weichfleischige Fischarten. Der italienische Süß- oder Gemüsefenchel (Foeniculum dulce) ist eine ausdauernde Staude, mrt einer verdickten, rübenartig verzweigten Wurzel, aus welcher zahlreiche Blattsprossen in dichtgedrängtem Schopf Herauswachsen. Das zarte Herzstück dieses Schopfes und die Blattstiele mit ihren Scheiden, soweit sie noch fleischhäutig und nicht schon trockenhäutig sind, geben der italienischen Küche eine Reihe feiner Gemüse von hohem Wohlgeschmack. Der an dem frischen Gemüse etwas starke Fenchelgeruch und Geschmack verschwindet beim Kochen im kräftigen Salzwasser. Die in Salzwasser weichgekochten Stiele verkocht man in einer hellen Buttermehlschwitze, worin etwas feingehackte Zwiebel gedämpft ist, würzt das Gemüse mit dem nötigen Salz, Pfeffer und Muskatnuß, thut nach Belieben eine Prise Zucker daran und kräftigt es mit Liebigs Fleisch- Extrakt. Man kann auch die abgekochten Stiele mit Essig, Oel und Pfeffer als Salat geben. In beiden Fällen besitzt der deutsche Markt keine gleich zarte Speise, die sich auf besseren Tafeln rasch einbürgern dürfte, wenn erst das Mißtrauen gegen den an die Apotheke erinnernden Namen, wie seinerzeit beim Kompottrhabarber, überwunden sein wird. Das Wasser, worin die Blattstiele abgekocht sind, giebt einen ganz vorzüglichen Suppenbeiauß. Der Obstmarkt bringt noch reiches Angebot von Achseln in guten Sorten zu billigen Preisen. Eine Reihe ausländischer Naschfrüchte bieten die Delikateßhandlungen, wie Kaktusfrüchte, Kakis, Physolis, Granatäpfel, schon sehr schöne süße Orangen und Mandarinen, ostindische Ananas, Nuß- rosinen oder Li-chi, und die beste Mandel, die Jordans- mandel, besonders beliebt als Salzmandel zum Nachtisch. Als etwas ganz Besonderes liefern die Treibhäuser frische Erdbeeren, Kirschen und Weintrauben. Auf dem Geflügelmarkt ist im Januar als Saisonvogel die Pute in bester Auswahl vertreten, ebenso noch recht reichlich Hühner, Enten und Gänse. Beim Kauf der letzterem ist schon besondere Vorsicht geböten, namentlich bei den Stopfgänsen, damit eine nicht ganz sachkundige Käuferin sich nicht ein zu ehrwürdiges Mitglied des Geflügelhofes anloben läßt. Für feines Mastgeflügel ist durch französische und Brüsseler Poularden, steirische Kapaunen, Perlhühner, große Florentiner Tauben, Poulats und Hamburger Hühner bestens gesorgt. Wildgeflügel ist in guter Auswahl in reichem Angebot. Mitte Januar beginnt die Schonzeit für Wachteln, Hasel-, Birk- und Auerwild und Hasen. In diesem Winter bleibt der Preis für Hasen unverändert hoch. Rehwild wird teurer. Wildschwein, Rot- und Damwild, sowie russisches Renn ist zu haben. Als Ersatz für das teurer werdende Wildbret bietet der kochkundigen Hausfrau die Bereitung eines falschen Gems- schlägels eine gute Abwechslung. Eine altgeschlachtete Hammelkeule wird gehäutet, von allem Fett befreit, gespickt, in einen passenden Topf gelegt, und mit soviel Rotwein und Essig zu gleichen Teilen übergossen, daß die Flüssigkeit übersteht. Am nächsten Tage gießt man Wein und Essig ab und kocht darin Salz, Gewürz, Lorbeerblätter, Pfefferkörner, Thymian und einige Wachholderbeeren eine halbe Stunde lang. Ist diese Marinade erkaltet, gießt man sie durch ein Sieb auf die Hammelkeule zurück, läßt sie 3—4 Tage stehen, wobei man sie öfters umwendet. Beim Braten gießt man etwas von der Marinade hinzu, fügt etwas Liebigs Fleisch-Extrakt bei und läßt den Braten schön braun werden. Auf dem Fischmarkt finden wir im Januar reichste Auswahl. Das schmackhafteste Fleisch haben: Barsch, Aesche, Schmerle, Brasse, Schleie, Wels, Quappe, Steinbutt, Aale, Karpfen und Forellen. Ein feiner und billiger Tafelgenuß ist Ostseelachs, ebenso Seezungen. Schellfisch und Kabeljau sind dieses Jahr sehr teuer. Für die Bedürfnisse der Zeit der Gesellschaften sind alle Krebsarten der Suppenkrebse, Hummern bis zur Languste verwendbar. Die Hochfischerei auf Hering hat in der Nordsee schlecht abgeschnitten, daher sind die Heringe bedeutend im Preise gestiegen, quch Caviar ist teurer geworden. Die Verfälschung der Kaffeebohnen. Von Arnold Rohde. (Nachdruck verboten.) Die Verfälschung des Kaffees ernährt Legionen von Spitzbuben und Betrügern in allen Kulturländern. Daß der gebrannte und gemahlene Kaffee, wie alle pulverförmigen Erzeugnisse, ohne besondere Schwierigkeiten gefälscht werden kann, ist sehr einleuchtend; aber man sollte kaum glauben, daß auch die Kaffeebohnen in ihren allgemein bekannten Formen, ihrer charakteristischen Färbung und Struktur aus wertlosen Stoffen nachgebildet werden. Insbesondere wurden künstliche Kaffeebohnen häufig größeren Lieferungen beigemengt, so daß der Betrug nicht ohne weiteres zu erkennen war. So wurde z. B. nach Mitteilungen A. Vogls in großem Maßstabe -ein künstlicher Kaffee aus leicht gerösteten und gemahlenen Eicheln und Getreidemehl erzeugt, indem man aus diesen Stoffen einen Teig bereitete und denselben in Formen preßte; hierauf verlieh man den so gewonnenen Bohnen durch Rösten die nötige Konsistenz, um sie schließlich mit einem glänzenden Ueberzug aus weingeistiger Harzlösung zu versehen. Mit derartigem Kaffee, welcher von Wien und Prag aus in den Handel gebracht wurde, wurden insbesondere Kaufleute auf dem Lande reingelegt. Derartige Verfälschungen sind allerdings sehr leicht nachzuweisen, indem mau die Bohnen in Wasser legt, wobei die künstlichen erweichen und zerfallen. Die mikroskopische Untersuchung ergiebt dann, welcher Stoffe sich die Betrüger bedient haben. In Wien fand man auch künstliche Kaffeebohnen, welche aus dem Sameneiweiß der Steinnuß hergestellt waren; auch diese Fälschung ist unter dem Mikroskop leicht festzustellen, da die Zellen der Steinnuß breite charakteristische Kanäle bilden. Sind die Bohnen aber aus Thon oder Brotteig geformt, so bedürfen wir nicht des Mikroskops, um die Fälschung zu entdecken; denn derartige Kunstbohnen weichen im Wasser auf, werden bröcklig und können zwischen den Fingern zerrieben werden. Sogar Maschinen wurden schon Mr Herstellung künstlicher Kaffeebohnen gebaut und in England befand sich vor mehreren Jahren eine derartige Maschine selbst auf der Patentliste. In Deutschland werden derartige spitzbübische Erfindungen nicht patentiert, aber in England scheinen geniale Schwindler den Schutz des Gesetzes zu genießen. 8 Ein anderes Kapitel der Fälschungen bildet die Färbung der Kaffeebohnen. Loch muß man unterscheiden, ob die Färbung erfolgt, um mißfarbigen und verblaßten Sorten, welche von geringem Werte sind, das Aussehen guter und frischer Sorten zu gewähren, oder ob man einem wirklich guten oder wenigstens normalen Kaffee eine Färbung verleiht, welche beim Publikum gerade beliebt ist; denn das liebe Publikum ist manchmal sehr närrisch, und der Kaffee hat ebenso gut seine Modefarbe wie die Pariser Schönen, welche heute gelben Teint und rotes Haar für besonders anmutig halten und gleichfalls der Mode wegen alle möglichen Färbemittel anwenden. Ohne Zweifel macht sich derjenige, oer mißfarbigen Kaffee färbt, einer strafbaren Handlnng schuldig, während die Färbung guten Kaffees nicht gar so schlimm zu beurteilen ist,!wenn der Preis wirklich dem Werte der Ware entspricht. So gilt z. B. eine schöne blangrüne Färbung als charakteristisch für den Ceylon-Kaffee. Was soll nun der Produzent anfangen, wenn die Ernte nicht blau- grün, sondern graugrün oder gelblich grün aussällt? Am Ende bezweifeln selbst die Großhändler die Herkunft des Kaffees, d. h. sie glauben dem Produzenten überhaupt nicht, daß sein Kaffee aus Ceylon kommt; denn die Herkunft ist thatsächlich bei vielen Sorten sehr schwer nachweisbar. Ein Mißtranen gegen die Zuverlässigkeit der Produzenten kann aber sehr störend ans den ganzen Handel einwirken, und so wird man begreifen, daß der Produzent zur Färbung des Kaffees seine Zuflucht nimmt, ohne sein Gewissen nut einer thatsächlichen Verfälschung zu belasten. Es giebl denn auch eine ganze Reihe von Modefärbnngeu des Kaffees, und ein Chemiker Nanning hat die bezüglichen Rezepte für die verschiedensten Kaffeesorten angegeben. Nach einer Mit ieitnng Hanauseks färbt man z. B. grüne Kaffeebohnen gelblich, indem man sie brüht unb mit Ocker behandelt, _ und diese Färbung ist sehr schwierig zu erkennen. In Westfalen aber giebt man den blauen Bohnen vor dew gelben den Vorzug, und so werden letztere so lange mit gepulvertem Eiseu geschüttelt, bis die gewünschte Färbung eintritt. Gewiß ist diese Art der Färbnng nicht zu billigen, weit schlimmer ist aber die Anwendung blauer und gelber Farb- mictel, zum Teil sogar giftiger Stoffe zur Färbung schlechter und mißfarbiger Kasfeesorten. Insbesondere sind Färbungen mit Berliner Blau, Indigo, Kupfervitriol, Curcuma, Chromgelb, welche je allein oder in Mischungen angewendet werden, streng zu verurteilen; in den meisten Fällen wird sich ein Vergehen gegen die Nahrungsmittelgesetze nachweisen lassen. . Der Nachweis der Farbstoffe geschieht nach Angaben Grießmeyers, indem man eine dem Kaffee entnommene Probe mit Chloroform ansschüttelt; ist Indigo ober eine Mischung von Indigo und Curcuma verwendet, so färbt sich die Flüssigkeit blau ober grün. L-etzt man dann Salpetersäure zu, so wird der Indigo entfärbt, während die Curcuma als gelber Niederschlag zur Erscheinung kommt. Verwendet man Kalilauge zur Untersuchung, so färbt sich Curcuma braun, setzt man zur Lösung Salzsänre hinzu, und entsteht hierauf ein blauer Niederschlag, so ist Berliner Blau vorhanden, während ein gelber Niederschlag die Verwendung des giftigen Chromgelbs erweist. Kupfervitriol wird durch Verwendung von Blutlaugensalz nachgewiesen, und natürlich giebt es auch eine ganze Reihe von chemischen Mitteln, um den schön gefärbten Kaffee seiner glänzenden Hülle zu entkleiden, ihm seine schöne Larve herunterzureißen, um ihn als das zu enthüllen, was er thatsächlich ist, nämlich — Schund. Jedenfalls ermöglicht die Färbung, ein geringwertiges Produkt zu hohem Preise zu bringen, Händler und Käufer schwer zu schädigen, und deshalb kann man nicht dringend genug empfehlen, den Schwindlern nachzuspüren und sie die volle Strenge des Gesetzes fühlen zu lassen. spült und hierauf schnell getrocknet; die Eisengegeuftände sehen dann wie mattes Silber ans. Als Vorbeugungsmittel gegen Rost wird von Prof. Calvert empfohlen, die Eisen- öder Stahlteile in eine Lösung von kohlensaurem Kali oder kohlensaurem Natron einzutauchen. Um Wasser vor dem Gefrieren gn schützen, setzt man'ihm 10 Prozent Glyzerin zu. Diese Mitteilung ist besonders für Besitzer von Acethylenapparaten, welche nicht frostfrei aufgestellt werden können, von Bedeutung. Gelundheitspflege. Gegen Verbrennungen und Verbrühungen. Es wird oft Zeit verloren deshalb, weil man nicht weiß, was man bis zur Ankunft eines Arztes beginnen soll. Ein einfaches Mittel hierfür besteht in folgendem: Man.schabe gewöhnliche Hausseife, mache mit etwas Wasser einen Brei davon, streiche ihn dick auf Leinwand unb bedecke die Brandwunden damit. Der Schmerz wird darauf sehr bald nachlassen. Kehrt er wieder, so wird der Verband erneuert. Dieses einfache Mittel ist in den meisten Fällen zur vollständigen Heilung ausreichend. Zeitig angewendet, verhindert es auch die Blasenbildung. Ist die Verbrennung tiefer, oder ein großer Teil des Hautgewebes zerstört, so 'setzt man der Seife, etwas Arnikatinktur zu.. Kindcr-Aeitung. Hcrausgcgebcn von Felix von Etenglin, Groß-Lichierfelde. Inhalt von Nr. 14. Was in der Welt vergebt: Ein Amerikaner über deutsche Truppen; Der deutsche Gesandte und der Sultan von Marokko; Krieg auf den Philippinen; Das Geld der Palaü- Jnsulancr; Der Bärenjäger; Ein wild gewordener Stier. Kleine Notizen. Allerlei. Aus dein Reick? der Natur: Der älteste Banin der Welt; Die Hornisse und die Weintraube. Der Beobachter in Wald und Feld: Eine Entenfamilie. Jndianerlcbcn im Thüringer Wald" (Forts.). Erlebnisse. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemcrstr. 75. Deutsch« Rundschau für Geographie u- S Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegcben von Prof. Dr. Fr. Umlauft. XXIII. Jahrgang 1901. (21. Hartlcben's Verlag in Wien. Jährlich 12 Hefte zu je 1 Mk. 15 Pfg Vorauszahlung einschl. Franko-Znsendung. 13 Mk. 50 Pfg.) Unter den verschiedenen geographischen Zeitschriften nimmt die „Deutsche Nundschau für Geographie und Statistik" sowohl durch Reichhaltigkeit als auch durch Gediegenheit ihrer Ilufsätze eine hervorragende Stelle ein. Was immer aus dem Gebiete der Erdkiiude Neues und Wissenswertes auflaucht, findet in derselben entsprechende Beachtung und Würdigung, sodaß sie für jedermann, der nn geographischen Dingen Interesse nimmt, eine erwünschte Lektüre bildet/ Auch das eben erschienene erste Heft des XXIIL Jahrganges enthält wieder eine Reihe wertvoller Beiträge: Die westamerikanische Hafenstadt Takoma und ihre Umgebung. (Mit 4 Abb.) Von Di- Julius Röll in Darmstadt. — Die chinesischen Boxer. Von Dr Emil Jung in Eisenach — Die Bernsteingrnben nördlich von Polangen. Von Dr. Alb. Zweck in Memel. - Heide und Scrnb int propontischen Gebiete. (Mit 3 Abb.) Von Fritz Braun in Konstantinopel. — Die Bäbia Gura. Von Dr Julius Reiner in Berlin. — Astronomische nnd physikalische Geographie. Ueber die Bestimmung der Sonnenparallaxe aus Beobachtungen des Planeten (433) Eros. — Die Vulkaugrnppe des Jdzön in ON-Tava. (Mit 1. Karte.) — Politische Geographie unb Statistik. Die Mmeralschätze Chinas. — Der auswärtige Handel der europäischen Staaten. — Berühmte Geographen, Naturforscher und Reisende. Professor Dr. Georg Balkens. (Mit 1 Porträt.! — Geographische Metrologie. Todesfälle. Enrique de Jbarreta. iMit 1. Porträt.) — Kleine Mitteilungen ans allen Erdteilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Büchertisch. — Kartenbeilage: Das Jdjunplatea» in Ost-Java. Maßstab 1 :170.000. Tauschrätsel. Nachdruck verboten. Bahn, Wald, Bier, Banken, Salm, Weste, Halm, Bader, Gaul, Bonn, Fuder, Reihen, Wahn, Rasse. Aus jedem Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein neues Wort zu bilden derart, daß die neu eingefügten Buchstaben eine Figur des germanischen Weihnachtskultus bezeichnen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Und bringt auch wechselnd Jahr nm Jahr Enttäuschung uns und neues Leid, So hofft das Herz doch immerdar. Daß Glück auch bringt die neue Zeit. (Martha Rhoden.) Verrost et e Gegen st äudewieberz uneinigen, ist gar nicht schwierig. Man hängt die betreffenden Gegen- slö-de 12 bis 24 Stunden — je nach der Dtcke des Rostes — in eine Lösung von Zinnchlorid. Dann werden sie heraus- genowrnen, zuerst mit Wasser, darauf mit Ammoniak abge«eMtion: 9. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universttätr.Buch. und Steindruckerei (Pietsch «rben) tu Hieße«.