... MMW eforge nicht, wenn du dich selbst beschränken lernst, Daß du dich mehr und mehr nur von dir selbst entfernst: Die Selbstbeschränkung ist die Frucht der Selbsterkenntnis, Die Form von deines Wesens vertrauterem Verständnis. Hammer. (Nachdruck verboten.) Aus der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. ©tiefen. (Fortsetzung.) „Sie selbst weiß, wie ich hörte, daß sie eine Fremde ist?" „Leider. Dazu das dumme Gerede der Leute. Sie nimmt alles ' zu ernst und meint in ihrem Pflichteifer, nie könne sie dem Pflegevater, uns allen vergelten, was wir Gntes an ihr gethan haben. Sie ist dazu geschaffen, die Seele eines großen Kreises zu sein, eine rastlose Thätig- feit zu entfalten, dabei aber" — — Sie schwieg und zerpflückte mechanisch eine Blume, die sie in der Hand hielt. „Was wollen Sie sagen, verehrte Frau?" schaltete ich! gespannt dazwischen ein. „Ich meinte nur", sagte sie schnell ansblickend und mir prüfend in die Augen sehend, „daß in ihrer Natur trotz alledem ein gewisser schwärmerischer Zug liegt, ein Sinn für Poesie, eine Begeisterung für alles Neue, Fremde, dazu eine Neigung, unbedingt zu vertrauen, wo sie be- bewundern kann. Möchte sie sich selber nie untren werden und in der Fremde suchen, was ihr hier zn finden bestimmt ist!" Ich! stutzte. Wie verschieden ftd) auch die beiden Gatten ausgedrückt hatten: beide fürchteten sie für die Zukunft des . seltsamen Mädchens, das auf .ihre Umgebung einen so wunderbaren Einfluß auszuüben schien. Tie Töchter gesellten sich! zu uns, und das Gespräch nahm eine andere Wendung. Bald nachher verabschiedete ich! mich! von der gastlichen Familie, nachdem ich! wiederholt hatte versprechen müssen, die alte Heimat meiner Kinderjahre bald wieder zu besuchen. Fünftes Kapitel. In Gedanken versunken verfolgte ich, ohne aufzublicken, meinen Weg; die letzten Worte der guten Frau hallten noch in meinem Ohr wieder. War es eine Warnung, ober war es mein eigenes Gewissen, das mir ihre Rede als solche erscheinen ließ? „Pah!" dachte ich, „wer wird alles gleich so schwer nehmen! Ich werde schon dem Mädchen keine Raupen in den Kopf setzen, brauche mich! ja garnicht um sie zu kümmern. Uebrigens wird sich unsere Schöne schon die Lehre des weisen Pastors zunutze machen — sie ist ja praktisch nnd verständig, und daß der wohlhabende Kaufmannssohn in sie vernarrt ist, das stayd in seinen Augen geschrieben. Es war gerade kein freundlicher Blick, den er mir gestern zuwarf! Nun, vor mir kann er sicher fein. Olaf Raven- fkjold, der Rival eines (Steuermanns! Köstlicher Gedanke! Tas wäre etwas für den aristokratischen Onkel, der mit seinem Erben so hoch hinaus will. Meine Pflicht ist es aber, der Klemen sofort so entgegenzutreten, daß sie sich nichts einbildet." Eine Biegung des muschelbestreuten Pfades brachte mir wieder den Leuchtturm in Sicht. Doch nicht dort hinauf sah ich, aus einem hervorspringenden Felsblvck hart am Meere erspähte ich eine Gestalt, bei deren Anblick mir gleich alle Pulse rascher flogen. O, über den Wankelmut von uns Menschen! Vergessen, verflogen waren bie Erwügnngm, welche mich eben beschäftigt hatten. Mich! erfüllte nur ein Gedanke: sie wiederzusehen, ihrer süßen Stimme wieder zu lauschen! In der Hand hielt sie ein offenes Buch, doch! ihr Antlitz war dem Westen zugewandt, wo sich ein purpurnes Schloß erhob mit goldenen Türmen und Zinnen nnd rings von duftigen Rosengärten umgeben. Tie ganze glühende, strahlende Herrlichkeit spiegelte sich in dem funkelnden Meere, das in Gold getaucht still dalag, als wolle es durch keine Bewegung das Bild trüben, welches ihm selbst neuen Glanz verlieh. ‘ Ein Stein, der sich zu meinen Füßen loslöste und mit leisem Geplätscher ins Wasser siel, verriet der Träumerin, daß sie nicht mehr allein sei. Eine höfliche Entschuldigung auf’ den Lippen, trat ich näher, doch sie wandte sich schnell wieder dem glühenden Abendhimmel zu und rief mit leuchtenden Augen: „Ist! es nicht schön, was wir hier sehen? Kann das selige Alseland, welches den Schissern dort in der Ferne manchmal erscheint, herrlicher sein? O, warum kann ich! nicht dahin, nach dem Lande des ewigen Glücks!" „Sie möchten Alseland suchen?" fragte . ich, . unwillkürlich mit fortgerissen von ihrem Eifer, der ihr die Farbe in die Wangen getrieben hatte und , sie noch schöner erscheinen ließ. „Fürchten Sie aber nicht die Gefahr, die Enttäuschung? Als ein Kind dieser Schären müssen (sie ja wissen, daß die Elfen gar oft ihr grünes Eiland in graue Nebelschleier hüllen, sobald sich der kühne Sterbliche ihrem Reiche naht. So ist es auch; mit dem Glück. Glauben wir thörichten Menschen, es zu halten, so schwindet eS unter unseren Händen wie die Perlen des Taus> die lockend im Blütenkelch schimmern — und ärmer als zuvor stehen wir da." 374 „Aber es gießt ein Glück", sagte sie bestimmt, „und wer ix- einmal, ob auch nur eine kurze Minute, sein eigen genannt hat, der bleibt reich für alle Zeiten. Wenn ich draußen ganz allein auf der Nixentreppe stehe und mir Wind mtb Wellen ihre alten Sagen zuraunen, da klingt t'v mir manchmal wie eine einzige Stimme, ein einziger lockender Ruf: ,Geltz, suche dein Glück, es harret deiner wie jedes Menschen -—'in weiter Ferne vielleicht, aber nicht unerreichbar'. Tann kommt es über mich wie ein trostloser Jammer, daß ich ein Mädchen bin und immer hier bleiben muß. Wie die Königstochter der Sage möchte ich meinen stolzen T-rachen besteigen, die ganze Welt durchschiffen — alles sehen, alles lernen!" Sie schwieg und starrte wie traumverloren vor sich hin. Mir war, als wisse sie gar nicht mehr, daß ich, ein Fremder, diesen ihren geheimsten Gedanken lausche — und ich hütete mich, durch eine Antwort den Zauber zu lösen, der mir in dieser kurzen Stunde einen Einblick in ihr eigentlichstes Wesen gegeben hatte, welchen ihre nächsten Umgebungen vielleicht nie gewinnen mochten. Kein Wind regte sich, nur; das leise Plätschern der Wellen unterbrach die Stille. Tie Sonne trieb aber noch ihr gaukelndes Spiel, ließ ihre Gärten in wechselndem Farbenglanz schimmern und wob eine Strahlenkrone um Gun- Hildas weiße Stirn. Ta drang ein schriller Pfiff über die lauschenden Wasser dahin. Ein Prusten und Stöhnen, eine schwarze Rauch!- wolke, die sich wie eine riesige Schlange am blauen Himmelszelt dahinwand .— der Dampfer legte unten an der Landungsbrücke an. Gunhilda fuhr erschrocken zusammen und warf mir einen seltsam fragenden Blick zu. Ihre Lippen bewegten sich leise, als ob sie reden wollte, dann aber richtete sie sich hoch auf, und ohne sich weiter um mich zu kümmern, eilte sie schnell auf die Mole hinaus. Ich folgte ihr langsam und sah den Lenchtturmverwalter mit Paketen beladen das Schiff verlassen. Ein älterer Herr, der ihm eifrig die Sachen hinreichte, grüßte mich und rief, als das Fahrzeug schon fvrtdampfte: „Auf Wiedersehen nach den Manövern! Empfehlen Sie mich der Familie Ström!" „Unser Brigadearzt, Tr. Falsen", sagte mein Wirt, indem er mir die Hand drückte, und gleich wußte ich, wo ich dies scharfe, gelbe Gesicht mit dem kurzen Schnurrbart und den grauen, stechenden Angen gesehen hatte. Dr. Falsen war ein Freund meines Onkels und hätte ihm noch näher treten sollen, wenn das Gericht recht hatte, welches wissen wollte, er sei dereinst mit Eordelia Raven- skjold, der einzigen Schwester des Gerichts'rats, versprochen gewesen. Nach damaliger Sitte hatten die Eltern die Verdi.-düng beschlossen, und alles Sträuben der jungen schönen Tochter half nichts: die Verlobung wurde gefeiert, der Hochzeitstag bestimmt. Er kam. Verwandte und Freunde versammelten sich in der geschmückten Kirche. Tie Braut ließ aber auf sich warten, nnd als der Bräutigam ihr entgegeneilen wollte, sagte man ihm, daß Eordelia seit dem frühen Morgen gesucht würde — doch- ohne Erfolg. Sie war und blieb verschwunden, und ihr ferneres Geschick blieb für immer in Tuntel gehüllt. Im Elternhause wurde ihr Name nie genannt. Auch mein Onkel halle- erklärt, die Schwester sei fortan für ihn wie eine Tote, und nur der Schwatzhaftigkeit der alten Wirtschafterin verdankte ich es überhaupt, etwas von der ganzen Geschichte erfahren zu haben. Tie Alte wollte aber wissen, ihr schönes Fräulein sei mit dem fremden Marineoffizier entflohen, der so viel int Hause verkehrte und bei den strengen Eltern um ihre Hand geworben hatte. Viel grübelte ich" als Kind über dies Familiengeheimnis nach; dann hatte ich beinahe das ganze vergessen, bis mir der Name Falsen die alte Geschichte wieder ins Gedächtnis zurückrief. „Und der Doktor kommt hierher?" fragte ich, unangenehm berührt. Vorläufig hatte ich gar nicht die Absicht, von meinem Asyl Bericht zu erstatten. „Erst im August oder September. Er soll jetzt die Rekruten inspizieren, will dann zu seiner Erholung einen Besuch im Pfarrhaus machen. Sie sehen, unsere gute Insel kommt in Aufnahme. Wird am Ende noch eine gesuchte Sommerfrische. Hoffe, Sie werden den Leuchtturm Ihren Freunden in der Hauptstadt empfehlen, Doktor!" Er zwinkerte schlau mit den Augen und schritt rüstig voran. Ich behauptete ruhig den Platz an Gunhildas Seite, obgleich ich merkte, daß sie mir lieber ausgewichen wäre. Zeigen mußte ich ihr doch,, daß ich sie verstanden, daß sie endlich in der Wildnis eine wahlverwandte Seele getroffen hatte, der sie sich, rückhaltlos anvertrauen konnte. Wie aber den abgerissenen Faden wieder anknüpfen? Hilfe sollte mir kommen von einer Seite, von der ich sie am wenigsten erwartete. Ter ehemalige Schiffer machte plötzlich Halt, deutete mit dem breiten Daumen nach der Sonne und- meinte: „So etwas sehen Sie meiner Treu nicht alle Tage, Sie alter Bücherwurm! Fein, nicht wahr?" „Herrliche, rief ufy, vergeblich nach- Worten suchend, um mein Entzücken zu schildern. „Tas wahrhaftige Alfe- land, wie es unser großer Welhaven besingt: „Draußen int Westen bei Helglands Riffen Ruht eine Insel auf goldener Welle, Doch nahen die Dreisten mit ihren Schiffen, So hüllt sich alles in Nebel gar schnelle. Verschwunden ist dann der winkende Strand, Noch- keinem gelang's, zu betreten das Land. Mit Sehnsucht und- im stillen Sinn, Darf denken der Seemann dorthin, dorthin Nach der Elfeninsel, der schönen." Gunhilda hemmte ihre Schritte. Ihre Augen hingen so gespannt an meinen Lippen, als wolle sie die Worte wegfangen. So fuhr ich fort, und aus dem halbironischen Ton, mit dem ich angefangen, ganz in Ernst übergehend, deklamierte ich- das ganze Gedicht. „Die Geschichte hat der Kerl uns Schiffern ja gestohlen", rief der alte „Tas ist nichts Neues." „Wer wie er es sagt, ist es neu", sagte das Mädchen leise. „Wenn Sie derartige Lieder lieben, müßten Sie mehr von Welhaven lesen", Hub ich an, sehr befriedigt von dem Eindruck, den ich hervorgebracht hatte. „Ich kenne ihn nicht, ich. kenne gar keine Poesie", erwiderte sie schüchtern, und eine leichte Röte flog über ihr blasses Gesicht. „In der kleinen Bibliothek, die mir der gute Doktor hinterlassen hat, finden sich keine Gedichtbücher — und- Sigurd bringt mir immer Reisebeschreibungen mit. Was er selbst gesehen hat, will er mir in dieser Weise näher rücken." „Sie möchten aber gewiß gern unsere neueren Dichter studieren", rief ich so eifrig, als hätte ich! mich mein Lebtag mit der heimischen Dichtung beschäftigt und hielte dies Studium für unerläßlich. „Uebrigens gehört Welhaven zu den älteren, von der jungen Generation halb vergessenen Dichtern." „Um so größere Schande, ihn nicht zu .kennen", murmelte sie leise, gesenkten Hauptes weiterschreitend. Ein schneller Entschluß reifte bei mir. „Fräulein Gunhilda", rief ich-, „diesem Mangel, wenn es überhaupt einer ist, wäre leicht abzuhelfen. Auch! ich bin durchaus nicht so bewandert in diesen Sachen, wie es sich gebührte. Was meinen Sie dazu, wenn wir es versuchten, unsere Kenntnisse zu erweitern? Ich- lasse Bücher kommen, wir lernen erst -einheimische, dann fremde Dichterfürsten kennen. Als treue Kameraden wollen wir einander helfen, zum Fleiß ermuntern, und- uns des Schönen erfreuen. Sind Sie einverstanden?" Ich hielt ihr bittend die Hand hin, ich horchte nach, der Antwort, als hinge für mich Tod- nnd Leben davon ab. Einen Augenblick zögerte sie, dann schlug sie freudig ein. „Einen Hauslehrer habe ich gewonnen", rief sie übermütig dem Alten zu. „Jetzt beginnt -ein neues Leben im Leuchtturm, Väterchen. Jetzt wird- Gunhilda alles lernen, wonach sie sich all die Jahre gesehnt hat. Haben Sie aber mit mir Geduld", fügte sie plötzlich ernst werdend hinzu, und etwas wie , Angst prägte sich in dem feinen Gesicht aus. „Ich bin so dumm, habe so wenig gelernt, und ich weiß. Sie sind- ein gescheiter Mann. Was haben Sie nicht alles studiert!" „Wirst auch fleißig sein und hübsch aufpassen", unter- 375 brach sie der Vater und drohte mit dem Finger, während sein altes Gesicht vor Freuden strahlte. Und sie nickte ganz ernsthaft und sah demütig zu mir hinauf. .„Wasserrose", murmelte ich leise, den Blick tief in diese dunklen, klaren Augensterne senkend, in welchen sich die ganze Unschuld und Wißhegierde des Kindes wiederspiegelten. Bis dahin hatte ich nicht nach Gunhildas Alter gefragt, jetzt wußte ich, daß sie kaum achtzehn war. Merkwürdig, wie jung sie mir diesen Abend vorkam, gestern hätte ich sie für mindestens zwanzig gehalten! Früh am nächsten Morgen ging ich selbst hinunter zu den Fischerhütten und beauftragte den alten, zuverlässigen Rasmus, für gutes Geld sofort nach Bergen zu segeln und das sorgsam ausgewählte Verzeichnis beim Buchhändler abzugeben. Ich weiß nicht, wer sich mehr auf diese Stunden freute, ich oder Gunhilda. Ein Rest Gewissenhaftigkeit oder Angst vor der Frau Pastor gebot mir, den Vorschlag zu machen, eine der Töchter mit zu der Partie zu nehmen. Als aber Gunhilda verwundert meinte, selbst Hannah habe oft erklärt, Bücher seien nur da, um den Leuten Kopfweh zu bereiten, bestand ich nicht mehr darauf — eigentlich war es mir auch nicht Ernst damit gewesen. Tie Bücher kamen, die Stunden begannen und nahmen ihren Fortgang. Stunden? — Minuten schienen sie mir, so schnell verflogen, wie gekommen. Gab es eine Schülerin wie Gunhilda? Vertauschten wir nicht oft die Rollen? War sie es nicht, die mich die Schönheit jenes Gedichtes, den tiefen Sinn dieses Ausspruchs oft ohne Worte, nur durchs den Blick ihrer Augen, den tiefinnigen Ton ihrer sonoren Stimme verstehen ließ? Manchmal ruderten wir weit hinaus/ und unsere Schulstube war bald der einsame Fels, wo uns die Möwen umflatterten, bald eine schattige Wiese unter duftigen Birken. Oder ich begleitete Gunhilda zu ihren Kranken, die ringsum auf den Inseln hausten. Ich sah die sonderbare Art, wie diese ihr begegneten, wie einer Prinzessin fast. Von Vertraulichkeit war zwischen ihnen nicht "die Rede; klagten ihr die Leute ihre Not, so wußte sie zu raten und zu trösten. Ihre Hilfe wurde angenommen, als wage man es nicht, sich gegen ihre Anordnungen aufzulehnen; die Verehrung war mit Scheu gepaart. Sie stand- allein, obgleich! sie wie keine weit und breit gesucht und gekannt war, und doch! paßte sie wieder seltsam in dies ganze Leben und Treiben hinein. Gerade dies stille, üher ihre Umgebung erhabene Wesen flößte den rohen Leuten Respekt und Vertrauen ein. Ich merkte bald, daß sie eine Art Schiedsrichter sei; an ihr Urteil wurde appelliert wie an die höchste Instanz, selbst der Pfarrer rief sie herbei, wenn den unruhigen Gemütern nicht anders beizukommen war. (Fortsetzung folgt.) Sonderbare Münzen. (Nachdruck verboten.) Lu früheren Zeiten waren die Geldformen, selbst inner- halN eines Landes, so zahlreich, daß es ost schwer gewesen sein muß, festzustellen, welchen Wert sie repräsentieren, und niemand wußte so recht, wie reich er war. Heutzutage werden die Münzen meist aus Gold, Silber und Kupfer geprägt; aber das war nicht immer der Fall. 'Bei den Spartanern, unter der Herrschaft des Lykurg, waren diese Metalle verpönt; man prägte die Münzen aus Gifen, wahrscheinlich, um die. strenge Zucht der Spartaner zum Ausdruck zu bringen. Die neugeprägten Münzen wurden noch in rot glühendem Zustande in Essig gelegt, um sie spröde zu machen, damit sie sich zu keinem anderen Zwecke mehr verwenden ließen — eine überflüssige Vorsicht. (Vergleiche Chamb. Journ. März 1901.) Plutarch machte auf Kosten der Spartaner folgenden kleinen Scherz: Er sagte, sie müßten einen Wagen und ein Ochsengespann verwenden, um einen geringen Betrag Kleingeld mit sich zu nehmen. Von den Völkern des Altertums verwendeten die Byzantiner in ihrer höchsten Blütezeit gleichfalls Eisengeld; das waren auf einer Seite gestempelte Platten von Eisenblech. Noch heutigen Tages ist Eisengeld in Kordofan (im Innern Afrikas) in Umlauf. Tie Münze entspricht dem Querschnitt eines Pilzes und ihr Wert beträgt etwa einen halben Pfennig. Von allen Ländern weist China die merkwürdigsten Münzen auf. Das älteste Geld, über welches zuverlässige Nachrichten vorliegen, stammt aus der Zeit 2000 v. Ehr. und besteht aus Muschelschalen und Kauris. Tie Kauris wurden als'Wert für die kleineren Münzen, die Schildkröten- und Purpur-Cypraea-Schalen für größere Werte verwandt. Letztere waren 2 Zoll bis anderthalb Fuß lang, wurden meist im Norden der Shantung-Halbinsel gefunden und waren sehr schön und sehr begehrt. Nach und nach wurden die Muscheln knapp, und der steigende Wohlstand machte es erforderlich, ein anderes geeignetes Tauschmittel ausfindig zu machen. Der Muschelkurs wurde noch nicht ganz verdrängt, aber im Jahre 335 v. Ehr. wurde unter Hwei-Wen, dem Fürsten von Tsing, an Stelle des altbekannten Bargeldes eine runde Kupfermünze mit einem viereckigen Loch in der Mitte eingeführt. Von Wang-Mang (9—23 n. Ehr.) wurden die Muscheln wieder in Umlauf gesetzt; aber die Geschäftsleute wollten das veraltete System nicht mehr dulden, und endliche wurden die Zahl- Muscheln ganz eingezogen. Aber die Chinesen waren schon damals so konservativ, daß noch lange nachher ihre kleinen Kupfermünzen die Form der Cypraea-Muscheln zeigten. Während in Tsing Muscheln kursierten, verwendeten andere chinesische Staaten zu verschiedenen Zeiten andere Materialien für ihre Münzen. Unter den ältesten Formen war eine Porzellanmünze von etwa dreiviertel Zoll Durchmesser und einem Viertelzoll Ticke; sie trugen die . Inschrift „Ewige Wohlfahrt". Zwischen 1122 und 224 v. Chr. kursierte im Staate Tsi eine merkwürdige Münze. Sie war aus Kupfer, wie ein Haken geformt, und etwa 7 Zoll lang, mit einem ringförmigen Griff; zweifellos zu dem Zwecke, die Münzen auf Schnüren aufreihen zu können. Zwischen 605 und 618, einer Periode großer Verwirrung und Knappheit an Metall, wurden Pappstücke, Leder und Stoffe als Geld gebraucht. Bis zum heutigen Tage hat China mehrere Perioden des Metall-Mangels durchmachen müssen, und die Verwalter des Staatsschatzes haben immer neue Kursmittel ausfindig machen müssen. Eisen, Blei, Zinn, Thvnerde, Körner, Seide und Muscheln haben zu verschiedenen Zeiten als Geld gedient. Altindische Münzen entfalten eine fast ebenso große Verschiedenheit wie chinesische. Neben goldenen, silbernen und kupfernen Geldstücken hat mau in verschiedenen Teilen Indiens Messing-, Nickel-, Zinn- und Bleimünzen gefunden. Sogar zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts waren allerlei sonderbare Tauschmittel im Umlaus. In Bengalen wurden Kaurimuscheln, an der Malabarküste persische Mandeln und auf deu Malediven Silberdraht als Kursmittel verwendet. In Ceylon wurde Silberdraht sogar bis in die neueste Zeit als Tauschmittel in Zahlung gegeben. Der Draht hatte die Form von Fischhaken und war amtlich gestempelt. Eine japanische Eisenmünze, die im Jahre 1636 zuerst in Umlauf kam, existiert noch heute. Eins dieser Geldstücke, welches im Jahre 1866 ausgegeben wurde, trägt die Aufschrift: „Möge Dein Reichtum so groß sein wie die östlichen Meere und Dein Älter so hoch wie südliche Berges- gipsel". Sonderbare Münzen aus Silber und Kupfer gemischt waren in der Zeit von 1601 bis 1859 in Umlauf; dieselben hatten verschiedene Formen, von der einer kleinen Erbse bis zu solcher einer großen Bohne. Im Jahre 835 wurden auch Bleimünzen ausgegeben, die 500 Jahre in Umlauf blieben. In den Ländern des Altertums wurde vielfach Thon zur Herstellung von Geldstücken verwandt; man weiß, daß dies z. B. in Etrurien, Rom, Arabien und Palmyra, vielleicht auch in Babylon, Assprien, Aegypten und Indien der Fall war. Im alten Rom wurden auch einmal Holzplatten als Zahlungsmittel verwandt, unb' auch in buddhistischen Schriften wird hölzernes Geld mehrfach erwähnt. Tie Karthager bedienten sich einer Münze aus emer mit Leder und Pergament umwickelten Masse. Tie Natur der eigentlichen Masse kannte mau nicht, aber vermutlich war es Kupfer, und die geheimnisvolle Umhüllung hatte wohl den Zweck, den Wert zu erhöhen. Tie Karthager 376 standen aber mit dieser Täuschung nicht allein da; bei vielen der alten Völker war der Gebrauch von Münzen aus Kupfer oder einem anderen geringwertigen Metall mit einem dünnen Silber- oder Goldüberzug allgemein. Es war daher keine schwierige Arbeit, die alten Münzen, die meist ziemlich roh gearbeitet waren, nachzuahmen; und da sie im allgemeinen bedeutend über ihrem Werte standen, war die Falschmünzerei ein sehr einträgliches Geschäft. Auch in neuerer Zeit hat man bei Mangel au Gold und Silber oft zu sonderbaren Mitteln seine Zuflucht genommen, um ein Kursmittel zu schaffen. In Leyden wurden während des holländischen Freiheitskrieges Täfelchen aus Pappe ausgegeben, ungefähr in der Größe eines Kronenstückes und mit vorschriftsmäßigem Stempel versehen. Natürlich war das Experiment erfolglos; denn in Zeiten allgemeiner Verwirrung und Unruhen sanken die Münzen zu ihrem thatsächlichen Wert herab. Wenn wir uns die Sache jedoch genauer überlegen, so 'müssen wir doch sagen, daß ein Stück Pappe ebenso gut als Zahlmittel dienen kann, wie unser Papiergeld. Denn nicht auf den wirklichen Wert der Münze kommt es an, sondern darauf, daß der Staat, welcher sie ausgiebt, das Vertrauen genießt, er werde seinen Verpflichtungen nachkommen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß ganz wertlose Blättchen Papier — unsere Briefmarken — sehr häufig als Zahlmittel angenommen werden, und zwar nur deshalb, weil ein Staats-Institut gegen Zahlung dieser kleinen Blättchen sich zu gewissen Leistungen verpflichtet. In Zeiten größter Not und Gefahr, in welchen auch die kaiserliche Post ihren Pflichten nicht nachkommen könnte, wäre der Wert der Briefmarken gleich Null, und mit dem Papiergeld stände es dann eben auch nicht besser. Friedrich Heller. Katechismus der Ziergartnerei. Belehrung über Anlage, Aussckmückung und Unterhaltung der Gärten, sowie über Blumenzucht von H. I ä g e r. Sechste Auflage von I. Wesselhöft. Mit 104 Textabbildungen. In Originalleinenband 3.50 Mart. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Nach allgemeinen Bemerkungen über die verschiedenen Gärten und die bei der Anlage zu befolgenden Grundsätze geht der vorliegende Katechismus zur Behandlung des Bodens über und erteilt Ratschläge über die Verwendung der Gewächse, die Benutzung der Felsen, über Wege und Plätze, sowie die Gartengebäude. Nun wird die Ausführung der Gartenanlagen, Umfriedigung, Erdarbeiten und Bodenveränderungen, Anlage und Bau bet Wege, die Pflanzung des Gehölzes und die Anlagen der Rasenplätze ins Auge gefaßt. Auch an den Besitzer des kleinsten Gartens wendet sich der Abschnitt über den Blumengarten; und wem wäre nicht das Kapitel über die Aufstellung der Blumen im Hause hochwillkommen? Ter zweite Hauptteil des Buches hat es ausschließlich mit der Blumenzucht und deren notwendigen Hilfsmitteln, sowie mit der Vermehrung der Blumen durch Samen, Stecklinge und Absenker, Ausläufer, Zerteilung und Wurzeln, sowie durch Veredelung zu thun. Ter neue Bearbeiter des altbekannten Katechismus hat Erfahrungen und Fortschritte auch der neuesten Zeit überall berücksichtigt und eine Anzahl etwas veralteter Abbildungen durch treffliche neue ersetzt. Das große Buch der Einmachekunst, eine gründliche Anleitung zum Einlegen von Früchten, Gemüsen rc., zur Herstellung von Gelees, Kompotts, Marmeladen, Pasten, Fruchtsäften und dergl. von G. Gartner, ist soeben im Verlag von Hugo Steinitz, Berlin SW. erschienen. Tas auf Gruüd langjähriger eigener Erfahrung verfaßte, von einem guten Haushalter klar und verständlich geschriebene Buch empfiehlt sich selbst dermaßen, daß es jeglicher Anpreisung fremder Zungen entraten kann. Es enthält eine Anleitung über das Einmachen im allgemeinen, über die Behandlung desselben usw. und nicht weniger als 350 ausführliche Rezepte. Ter Preis des ansprechend ausgestatteten Buches beträgt 1.50 Mk., gebunden 2.25 Mk., und darf mit Rücksicht auf das darin gebotene ein immerhin wohlfeiler genannt werden. Gemekttnütziges. Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau veröffentlicht in seiner neuesten Nummer eine sehr einfache und bequeme Art, Flaschen mit Heidelbeeren oder ähnlichen breiartigen Obstkonserven zu füllen,, die manchen Hausfrauen für die kommende Zeit des Obsteinkochens als nachahmenswert zu empfehlen ist. Man nimmt einen gewöhnlichen Kochkessel, verschließt den Deckel fest durch Ueberbinden mit Leinewand, zieht über den Ausguß einen Gummischlauch und setzt den halb mit Wasser gefüllten Apparat aufs Feuer. Nachdem die Dampfentwickelung stark genug vor sich geht, führt man das freie Ende des Gummischlauches in die mit Heidelbeeren zu füllende Flasche, die man mit dem Hals nach unten hält. Durch den eindringenden Dampf wird die Luft aus der Flasche verdrängt. Zieht mau nach Füllung der Flasche mit Dampf den Schlauch heraus und hält sie in den Heidelbeerbrei, so wird sich der Dampf kondensieren; es entsteht ein luftleerer Raum, in den die äußere Luft den Heidelbeerbrei bis zur völligen Füllung hineinpreßt. Man kann so erstaunlich schnell und sauber die Flaschen, die nebenbei noch! durch den heißen Dampf sterilisiert sind, also keine Schimmelpilzsporen rc. mehr enthalten, füllen. Tie Nummer des praktischen Ratgebers, in der abgebildek ist, wie aus diese Weise Flaschen bequem zu füllen sind, kann man kostenlos vom Geschäftsamte zu Frankfurt a. O. erhalten. Lernt schwimmen, denn keine Art des Leibessportes, nächst dem Radfahren, vermag so vielseitig alle Muskeln des Körpers in Anspruch zu nehmen, wie das Schwimmen. Die Völker des klassischen Altertums wußten schon diese Thatsache zu schätzen und pflegten diesen Spork aus hygienischen Gründen in ausgiebigster Weise. Es liegt ja auch der Vorteil nahe, den der Schwimmer im Falle der Lebensgefahr der eigenen Person auf dem Wasser gegenüber dem Nichtschwimmer voraus hat. Mehr noch aber fällt diesem seltenen Falle entgegen zunächst der gesundheitliche Wert ins Auge. Die gleichmäßigen Bewegungen beim Schwimmen, die bei nacktem Körper in einem gleichmäßig abkühlenden Element vorgenommen werden, sind gewissermaßen das Ideal einer gymnastischen Hebung. Die Brust und Lunge weitet sich und wird zum kräftigen Atmen gezwungen, Arme und Beine haben den Wasserwiderstand zu überwinden und werden zu erhöhter Thätigkeit veranlaßt. Tiefe Gesamtthätigkeit des Körpers ist so recht ein llni- versalheilmittel für Nervenkranke, Hypochonder, Hämorrhoi- darer. Fettleibige, aber auch für Frauen und Mädchen; beim gerabe das weibliche Geschlecht bebarf hinsichMch bes Babens und Schwimmens einer Aufrüttelung, ber freilich nicht überall Folge geleistet werden kann, weil der Mangel an geeigneten Badeplätzen gerade aus dem Lande ein allgemeiner ist. Wo es irgend angängig ist, versäume man die sich bietende Gelegenheit nicht und unsere Jugend beherzige die Mahnung: „Lerne schwimmen!" („Prakt. Wegw.", Würzburg.) Magisches Dreieck. Nachdruck verboten. A A B CEE j E E H I I L N N N | j N 0 0 R B S In die Felder des Dreiecks sind die nebenstehenden Buchstaben derart einzutragen, daß die drei Außenseiten und die vier mittleren wagerechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung bilden: 1. Europäische Hauptstadt; 2. Fahrzeug; 3. Halmgewächse; 4. Nahrungsmittel; 5. nordische Göttin; 6. gibt die Möglichkeit des Gewinnes; 7. weiblicher Vorname. Auflösung in nächster Bummer. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.