Dienstag den 1. Dktober. ÜÜMW !VM «WM ) 1901. — Nr. 140, । »tfert»rgMi *>i »WwÄ ZMM * Wx^ •jfc R uch ein geschickter Arzt heilt nicht alle Wunden. । Sprichwort. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. ! ; (Fortsetzung.) , VH. > Als sich Eitel Fritz gegen Mittag erhob, fühlte er sich wie zerschlagen in allen Gliedern. Er nahm ein Bad', das ihn erfrischte, und nach und nach kehrte die Erinnerung an die letzte Nacht zurück. Er hatte gespielt — hoch gespielt, und eine große Summe verloren. Doch wußte er nicht genau wieviel und an wen. Dunkel stand es ihm in derErinnerung, daß er vor seinem Fortgehen mit dein Rittmeister Meyering verhandelt hatte — daß er einen Schuldschein unterschrieben — aber über welche Summe — ob zu Gunsten des Rittmeisters, das wußte er nicht mehr genau. Tie Ungewißheit quälte ihn. Er zog sich an und begab sich! zu dem Rittmeister, den er in seiner Junggesellenwohnung bei einem kleinen Gabelfrühstück traf. „Famos, daß Sie kommen, Petershagen", rief ihm der Rittmeister entgegen. „Da — nehmen Sie Platz und essen Sie ein Kaviarbrödchen, das wird Ihnen nach der schweren Sitzung der letzten Nacht bekommen. Ein Glas Sherry darf ich! Ihnen auch! wohl einschenken. Eitel Fritz war zum ersteninale in der Wohnung des Rittmeisters, die nüchtern und mit steifer Eleganz, tote alle die besseren Junggefellcntovhnnngen Berlins, eingerichtet war. Nichts ließ auf eine gewisse Eigenart, einen bestimmten Charakter des Bewohners dieser Räume schließen; die Wände zeigten nicht einmal einen militärischen Schluck aus der Dienstzeit des Rittmeisters, nur einige schlechte Oeldruckbilder in breiten Goldrahmen zierten sie. Aus dem Schreibtisch lagen geöffnete Briefe und einige Sportzeitungen wirr durcheinander; auf dem grünen Plüschsofa, der Hut, die Handschuhe nnd der Spazierstock, sowie sie von dem Rittmeister heute früh beim Nachhausekommen dorthingeworfen waren. Die Thür nach! dein Schlafzimmer war geöffnet und zeigte das noch ungeordnete Bett. Eitel Fritz, der an peinliche Ordnung und Sauberkeit gewöhnt war, fühlte sich unbehaglich in dieser achtlosen Unordnung und schäbigen Eleganz der Mietswohnung. Man merkte, daß der Inhaber derselben nicht viel zu Hause war. Der junge Offizier aß ein Kaviarbrötchen, während der Rittmeister fortwährend plauderte, „Eine verdammt schwere Sitzung", sagte er. „Der Brandau war ja rein des Teufels — ließ immer wieder Sekt anfahren . . . denkt wahrscheinlich, daß er das Hamburger Derby und den großen Preis von Iffezheim schon in der Tasche hat. Na, wenn Sie feinen Ungar reiten, kann es ja leicht sein — würde an Ihrer Stelle aber aus keinem fremden Pferde reiten, Petershagen . . ." „Ich habe auch! nicht die Absicht. . ." „Na, Sie haben es doch! Bxändau versprochen. .■." Eitel Fritz ärgerte sich; Das! Blut stieg ihm in die Wangen. Er hatte das Versprechen total vergessen. „Oder wollen Sie sich, wieder 'nen Rennstalk zulegen?" „Dazu habe ich! nicht die Mittel." „Pah, die finden ftd);! Bei Ihren Aussichten — Sie sind ja durch! den gestrigen Sieg in die erste Reihe der Reiter gerückt. Sie wurden ja gefeiert wie ein siegreickM Feldherr. — Gingen aber auch höllisch ins Zeug diese Nacht beim Spiel — kalt Blut beim Spiel und- Sekt scheint nicht Ihr Fall zu sein, Petershagen. — 's war nur gut, daß ich Sie aus der Patsche reihen konnte, 's ist besser, daß Sie mir das Geld schulden, als dem Herrn Lindemann — weiß der Henker, ich! traue diesem Menschen nicht recht! Niemand weiß, woher der Kerl stammt." „Aber Sie haben ihn doch! selbst in den Klub eingeführt?" „Freilich — lernte ihn in Baden-Baden und Homburg kennen. Brachte mir Empfehlungen aus Wien." „Es ist mir sehr unangenehm, daß ich Ihnen meine Schuld nicht gleich bezahlen kann, Herr Rittmeister. .'1 „Pah, haben Sie sich doch nicht wegen der lumpigen 10 000 Mark! Ich! habe Ihnen ja sechs Monate Ziel gegeben — der Lindemann hätte Sie gedrängt, deshalb übernahm ich! die Schuld' . . ." „Zehntausend Mark?!" sagte Eitel Fritz erbleichend. „Ja, Sie saßen eklig drin — bei dem Lindemann — ich habe die Saöhe dann geordnet und Sie gaben mir zwei Wechsel über je 5000 Mark — sechs Monate Ziel. Na — bis dahin sind Sie ja längst verheiratet und die Bezahlung der Schuld ist ein Bettel für Sie." „Ich verstehe Sie nicht, Herr Rittmeister", entgegnete Eitel Fritz, und eine Art Widerwillen gegen diesen gefühllosen Menschen, der ganz gelassen und spöttisch lächelnd sein Glas Sherry leerte, quoll erstickend in ihm empor. In dem Tone seiner Worte mußte wohl diese Empfindung sich bemerkbar gemacht haben. Der Rittmeister blickte ihn mit einem raschen, scharfen Seitenblick an, dann nahm sein Gesicht einen ernsten Ausdruck an. Er beugte sich! über den Tisch und sprach! in leisem, aber entschiedenem Ton: „Sie hatten diese Nacht viel getrunken, Petershagen, und waren sehr erregt. Wissen Sie denn nicht mehr, daß Sie mir von der schönen Irma Weserling vorgeschwärmt haben? Wissen Sie nicht mehr, daß wir auf das Wohl Fräulein Weserlings getrunken haben — wir 558 und noch einige Herren? —Man spielt doch nicht mit dem Ruf einer jungen Dame. . ." „Das hätte ich gethan?!" rief Eitel Fritz aufspringend. „Bleiben Sie ruhig sitzen, Petershagen, und lassen Sie uns vernünftig sprechen. Der Ruf Fräulein Weser-. lings ist natürlich in keiner Weise angetastet. Das würde ich nicht geduldet haben — aber Sie sprachen von der jungen Dame in einem solch warmen Tone, daß jeder, der es hörte, annehmen mußte. Sie interessierten sich sehr für Fräulein Weserling. — Und alle Wetter, Petershagen, ist denn das so schlimm? Ichj wüßte in der Thal keine passendere Partie für Sie. Sie sind mit einem Schlage alle Sorgen los. Sein Sie kein Thor, Petershagen, greisen Sie zu. Das Glück ist launig, und bietet sich nicht zum zweitenmale an." Eitel Fritz ging erregt im Zimmer auf und ab. Die Worte des Rittmeisters blieben nicht ohne Eindruck. Der gestrige Tag schien ihn in seinem Denken umgewandelt zu haben. Heiß rollte ihm das Blut durchs die Adern — er sah die Möglichkeit, mit einem Male aller Schwierigkeiten sichj entledigen zu können — er konnte wieder frei das Haupt erheben — er konnte den Pflichten seiner Familie gegenüber Nachkommen — das alte Stammgut seiner Familie erhalten — seiner Mutter, seinen Schwestern ein behagliches Leben verschaffen — seinem Vater ein sorgenfreies Alter, und sich selbst eine glänzende Zukunft. Verführerisch schwebte ihm das reizende Bild Irmas vor den Augen. Er hörte ihre weiche, traurige Stimme wieder, als sie ihm ihr Unbefriedigtsein, ihre Sehnsucht nach einem geregelten Leben klagte — er fühlte wieder den weichen, warmen Druck ihrer schmalen Hand — er atmete tief und heftig auf. „Das sind schöne Zukunftsbilder. . ." sagte er. „Die sich aber leicht in Wirklichkeit umsetzen lassen", vollendete der Rittmeister lachend. „Da — lassen Sie uns auf diese schönen Zukunftsbilder anstoßen!" Tie Gläser klangen aneinander, und im hastigen Zuge leerte Eitel Fritz das feurige. Dann verabschiedete er sich, unzufrieden mit sich und doch voller Wünsche unb stiller Hoffnungen. Am folgenden Tage fand er eine Einladung der Majorin zum Diner für den nächsten Sonntag vor. Er schwankte, ob er ihr folgen sollte — als der Sonntag kam, begab ir sich dennoch nach der Villa Mon Repos in Schöneberg, und wiederum umfing ihn der Zauber der eigenartigen Schönheit Irmas. Irma empfing ihn mit ihrem freundlichsten Lächeln und als er fidj über ihre Hand zum Kusse neigte, glaubte er an dem leisen warmen Druck ihrer weichen Hand zu fühlen, daß auch sie sich der Stunde der vertrauten Aussprache in dem Wintergarten erinnerte. Von diesem Tage an traf man sich öfter, bald auf dem Rennplatz, bald im Zoologischen Garten oder einem feinen Weinrestaurant. Eitel Fritz war nun ein häufiger Gast in der Villa Mon Repos, unb von Tage zu Tage zogen sichj die Fesseln einer Leidenschaft fester nm ihn zusammen, deren er sichj fast schämte. Die Photographie Else Brey- manns, der lieblichen Tochter des Inspektors, die sie ihm während seines letzten Urlaubs geschenkt, und die auf seinem Schreibtisch gestanden, verschwand von dem Tische, und lag unbeachjtet in dem Schubfach — ihr Bild verschwand auch mehr und mehr aus seinem Herzen, nur zuweilen tauchte es in seinen Träumen wieder auf, und bann war es ihm, als verrieten feine Augen und fein Herz brennende Thronen um ein verlorenes Glück. Aber die Leidenschaft für Irmas Schönheit überwucherte fein Herz und feine Träume, und die neuerwachte Lebens- lust, die ueuerwachte Gier nach Genuß, Glanz und Reichj- tum, Ehre unb Ruhm, verscheuchte die heimlich- Wien Wünsche seines Herzens. Ter Herbst kam ins! Laub — noch war bas entfcheibenbe Wort zwischjen ihm unb Irma nicht gesprochen, als ein Ereignis eintrat, welches die Entscheidung in seinem Schpße trug. Als er eines Tages vom Dienst heimkehrte, fand er eine Depesche vor. „Komm sofort. Vater schwer erkrankt. Wagen znm Abendschuellzuge >am Bahnhof. Wanda." So meldete die Depesche in ihrem kurzen Lapidärstil, dessen wenige Worte doch fi-j inhaltsreich waren. Er erschrak heftig. Er erinnerte sich der ahnungsvollen Worte des Vaters beim letzten Abschied — er erinnerte sich des leichten Schlaganfalls, den der Vater vor zwei Jahren gehabt — sollte sich dieser wiederholt haben? Sollte das Ende nahe sein? dann war auch die Entscheids ung über fein eigenes Leben gefallen. Rasch gab er seinem Burschen die nötigen Aufträge. Der Zug ging um zwei Uhr, er hatte noch drei Stunden Zeit. Er fuhr zu feinem Oberst, sich Urlaub zu erbitten, bann fuhr er nach Schöneberg hinaus, um sich von Fran Weser- lmg und Irma zu verabschieden. „ . Er traf Irma allein — ihm sehr angenehm, denn die Lebhaftigkeit der Majorin wäre ihm in dieser Stunde sehr peinlich gewesen. „Ich! bebaute unendlich diese traurige Veranlassung Ihrer Reise", sagte Irma teilnehmend. „Ich hoffe von Herzen, daß Ihnen das Schlimmste erspart bleibt." „Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme, gnädiges! Fräulein. Aber ichj fürchte, mein Vater hatte recht mit feinen Ahnungen..." „O, nicht doch — Sie dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Ich werbe in diesen Tagen oft an Sie denken — werben Sie uns Nachricht geben, wie Sie Ihren Herrn Papa gesunben haben?" „Dars ich an Sie schreiben, Fräulein Irma?" Sie senkte ben Blick, und eine flüchtige Röte huschte über ihre Wangen. „Gewiß. . ." sagte sie leise. „Ichj danke Ihnen —" er küßte ihre Hand, ihm toar's als sollte er die schlanke, feine Gestalt an die Brust öiehen, er fühlte, daß sie nicht widerstreben werde. Dennoch bezwang er sich. Er wollte erst Gewißheit haben, wie sich fein Schicksal gestaltete. „Vielleicht vergeht eine lange Zeit, bis wir uns Wiedersehen", sagte er auf atm en b, noch immer ihre warme, weiche Hand in ber feinigen haltend. „Vielleicht ändert sichj mein ganzes Leben . . „Weshalb jetzt schon von einer solchen Möglichkeit sprechen?" * „Weil ich eine Gewißheit mit mir nehmen möchte, Fraulein Irma..." Sie schien leicht zu erbeben, und blickte plötzlich mit vollem, tiefen Blick zu ihm auf. „Tie Gewißheit", fuhr er fort, „daß ich Sie so wieder- fmde, tote ich Sie verlassen — die Gewißheit, daß Sie meiner nicht vergessen, und daß Sie auch unter veränderten Verhältnissen meines Lebens mir Ihre Freundschaft erhalten wollen. . ." L ' , „Wie seltsam Sie sprechen... ich pflege nicht so leicht zu vergessen . . . wenn Sie nur meiner gedenken werden..." „Immer unb ewig, Irma!" Und er küßte leidenschaftlich ihre kleine zuckende Hand. „So leben Sie wohl — unb auf baldiges Wiedersehen . . ." „Auf Wiedersehen, Irma..." Langsam löste sie ihre Hand aus der feinigen, er ging — an der Thür blieb er noch! einmal stehen, mit lächelndem Blick schaute sie zu ihm hinüber, da hielt er sich! nicht länger zurück, er eilte auf sie zu, umfing sie mit den Armen, und preßte sie leidenschaftlich ans Herz. „Irma — gieb mir die Gewißheit Deiner Liebe!" „Weißt Du es nicht schon längst, daß ich Dichj liebe", sprach! sie, und sah mit einem sehnsüchtigen Lächeln zu ihm auf. „Dank — Dank —" flüsterte er, und küßte in überquellender Leidenschaft ihre Lippen. Regungslos lag sie in seinen Armen. Dann drängte sie ihn sanft von sich „Nun geh, Geliebter — unb bleibe treu . . ." Er eilte davon, tote im Fieber raste fein Blut. Sie aber sah ihm überlegen lächelnd nach, sie hätte ihr Ziel erreicht. (Forffetzung folgt) Messer, Gabel, Schere. 1 ! Von Fred Hood. (Nachdruck verboten.) Alle Tinge, die wir beständig vor uns sehen, pflegen wir mit gleichgiltigem Auge zu betrachten, insbesondere 559 alle jene kleinen Gebrauchsgegenstände, die wir selbst täglich benutzen, und die uns durch! tue Macht der Gewohnheit ganz unentbehrlich! geworden sind. Wir wenden unser ganzes' Interesse dem Neuen, dem Unbekannten zu, obwohl wir noch! mit den alltäglichen Dingen, die beständig durchs unsere Hände gehen, so wenig vertraut sind, daß, wir im Grunde gar nicht verdienen, Kinder eines industriellen Zeitalters genannt zu werden. Unter zehn Gebildeten werden uns neun über die Be- schasfenheit -einer elektrischen Batterie, aber kaum ein einziger über die Entstehung von Messer, Gabel und Schere Auskunst geben können; denn wer sollte sich, mit solchen Kleinigkeiten abgeben, deren Erfindung man bis! auf die wilden Urvölker zurückführen kann. Aber — so möchte ich! einwenden — es ist gerade interessant, zu sehen, wie sich die moderne Industrie aller Mittel unserer vorgeschrittenen Technik bedient, um auch' das kleinste Instrument zu einem nahezu vollkommenen Werkzeug zu machen — wie sie mit Hilfe sinnreicher Arbeitsmaschinen in Sekunden ein Werk vollbringt, auf dessen Ausführung früher der Handarbeiter Stunden im Schweiße seines Angesichtes verwenden mußte. Eine Darstellung der heutigen Fabrikation von Messer, Gabel und Schere, diesen uralten Zeugen der Kultur, wird uns bieg' am besten erläutern, und wir werden erkennen, wie sehr diese Gegenstände, an denen wir sonst gar nichts Interessantes bemerken, unsere Beachtung verdienen. Der Gebrauch der Tischmesser wurde erst im 16. Jahrhundert allgemein. Aber schon früher wurde die Messerschmiedekunst als ein selbständiges Handwerk betrieben, und der englische Schriftsteller Laland wußte schon im Jahre 1838 von einer Straße in Birmingham zu berichten, in welcher hauptsächlich, Schflniede und Messerschmiede hausten. Heute wohnen die englischen Messerschmiede hauptsächlich! in Sheffield, wenn auch! Birmingham noch immer ein Haupt- Jndustrieort für Schneidewerkzeuge jeder Art geblieben ist. In Deutschland bat die Fabrikation schon seit Hunderten von Jahren in dem ehemaligen Herzogtum Jülich-Klev-e- Berg, sowie dem angrenzenden Bezirk Westfalen ihren Sitz, ganz besonders aber in Solingen. Im Jahre 1571 wurde die Messerschmiedefabrikation zu Solingen durch- ein Privilegium ausgezeichjnet; zwar ist die dortige Messerschmiedekunst weit älter, aber bis dähin erfolgte das Schmieden! der Messer auch durch! die Hand der Schwertschmiede. I. A. Henckels war das erste Werk, welches von der Hand- schmiederei zum maschinellen Schmieden überging und Dampfmaschinen und. Dampfhämmer in seinen Dienst stellte. Man hat bei der Erzeugung von Messern und ähnlichen Stahlwaren folgende Verfahren zu unterscheiden: das Schmieden aus dem Groben, das' Schlagen im Gesenke, das Feilen, Härten und. Anlassen, und endlich das Schleifen und Polieren. Aus dem Stahllager gelangen die einzelnen Stäbe verschiedener Größe zunächst unter schwere Exzenterpressen, welche die Stahlstäbe zu kleinen Stücken zerteilen, deren Umfang gerade einer Messerklinge entspricht. Diese Stahlstücke werden auf Rosten über einem Koksfeuer glühend gemacht, worauf das Stanzen des „Kropfes" unter den Fallwerken erfolgt. Tie Formgebung geschieht durch! eine Matrize, deren untere Hälfte das Gesenke des Ambosses bild.et, während die obere Hälfte an dein Hammerbär fitzt. Jed!es Fallen des' Hammers giebt sofort bent Stahlstück die gewünschte Form. Sobald der Kropf im Rohen aus- geschmied!et ist, erfolgt die Ausstreckung des für die Klinge bestimmten Teiles zur .erforderlichen Länge. Man benutzt für diesen Zweck eine besondere Gattung von Triebwerks- Hämmern, sogenannte Schwanzfederhämmer, welche durch außerordentlich! schnelle Schläge (bis 400 in der Minute) das Ausschmieden des Stahls bewirken. Ter gute Stahl, welcher seine Härte nur bm Kohlenstoff und nicht anderen härtegebenden Körpern verdankt, verträgt keine große Hitze und! muß daher bei der Handschiniederei stets aufs' neue erwärmt werden; man ist abev nie sicher, ob nicht diese häufige Erwärmung die Güte des Stahles beeinträchtigt. Aber bei der rasenden Bewältigung der Schmiedearbeit durchs die Dampfhämmer gelingt das Ausschmieden der Klingen in einem Zuge, wobei durch! den Schnellhammer der Stahl noch, besonders zäh und widerstandsfähig gemacht wird. Wenn dann auch; das dünne Ausschjmieden der Schneiden unter Federhämmern, welchie ein ungeheures Getöse Hervorrufen, ’ erfolgt ist, durchwandern die Klingen eine Prüfungsstafiost, in welcher sie Stück für Stück untersucht werden, ob der Stahl die erforderliche Beschäfsenheit erreicht hat. Erst jetzt kommen die Klingen in ein Schnittwerk, wo sie zur rechten Form zugeschnitten werden. Jedes Stück wird auf einen sogenannten Schnittsaum gelegt, dann fetzt der Fuß! des Arbeiters die Exzenterpresse in Bewegung, und« in demselben Moment fällt die richtig zu- geschnittene Klinge in einen Kasten, während! die Stahlabfälle zur späteren Verwendung bei Seite gebracht werden, Aber jetzt hat erst die Klinge die rechte Form erlangt; es fehlt nur noch die Angel, vermittelst deren die Klinge im Holz- oder Metallgriff befesfigt werden must Bei Herstellung des Kropfes ist unterhalb desselben ein Stückchen des Stabes stehen geblieben, das nun auf Hammerwerk- zeugen zur Angel ausgereckt wird.. Das Messer' geht nun wieder durch' die Hände eines Kontrolleurs', der erforderlichenfalls die Angel in die nötige Richtung zu bringen hat, worauf das Härten und Einschlagen des Fabrikzeichens erfolgt. Beim Härten wird, die glühende Klinge und zwar zuerst mit der Spitze in kaltes Wasser getaucht, doch! finden für bessere Artikel auch! noch, besonders erprobte Härtungsflüssigkeiten Anwendung. Damit die Klingen nicht zu spröde ausfällen, muß aber die Härte nachträglich! wieder vermindert werden; das geschieht durch das Anlassen oder Tempern der Klingen. Eine Stelle wird blank gescheuert und hierauf der Stahl soweit erhitzt, daß er violett oder blau anläuft. Jetzt gelangt die Klinge nach! der drittel Kontrollstati-on unb von hier aus, wenn ihre Beschaffe,l- heit als tadellos erkannt wird, in die Schleiferei. Man hat drei Vorgänge des Schleifens! zu unterscheiden: das Vorschleisen, das Feinschleifen und das Polieren. Tas Vorschleifen geschieht durch gvoßje, sich! drehende Schleifsteine; sie müssen für die Tischmesser eine große Peripherie haben, weil diese im Gegensatz zu den Rasiermessern und anderen hohlgeschliffenen Schneiden, flach geschliffen werden. Tie Henckelssche Fabrik besitzt etwa 110 Schleifsteine, von denen etwa 40 einen Durchmesser von 8 und 9 Fuß answeisen. Aber die größte Zahl der Messer wird in den an der Wupper belegenen Schleifkotten bearbeitet. Durch! das' Feinschleisen wird' unter Anwendung verschiedener Sorten'Schmirgel und 'Poliermittel eine größere Glätte und erhöhter Glanz erzielt. Diesem Zwecke dienen hölzerne, sorgfältig ausbälanzierte, häufig mit Leder bekleidete Schleificheiben, welche bis zu 3000 Umdrehungen in der Minute machen. Diejenigen Schleifscheiben, welche man zur Bearbeitung Von Gabeln und Trschmessern verwendet, werden mit Leim bestrichen und mit gepulvertem Schmirgel bestreut, der sich! beim Trocknen des Leimes auf der Scheibe befestigt. Tas Polieren zur Hervorbringung des! höchsten Glanzes auf besonders feinen Erzeugnissen erfolgt meist vermittelst hölzerner mit Büffelleder überzogener Scheiben, auf welche man geschlämmtes rotes! Eisenoxyd mit verdünntem Spiritus aufträgt. Hat nun die Klinge glücklich alle Prüfungen überstanden, so wird sie mit Heft und Zwinge versehen. Tie Herstellung der hölzernen Hefte erfolgt ganz auf maschinellem Wege. Es' finden hierzu einheimische und fremde Hölzer mannigfachster Art, unter anderem das beliebte Ebenholz der Insel Ceylon, Verwendung. Tie vierseitigen Angeln befestigt man im hölzernen Heft mittelst eines aus Pech und Ziegelmehl bestehenden Kittes, während die Befestigung in metallenen Heften durch Eingießen von Blei erfolgt. Flache blattförmige Angeln werden zwischen zweiteiligen Heften eingelegt und durch einige Nieten mit diesen verbunden. Dann schneidet der Bändemacher die eisernen oder neusilbernen Streifen für die Ringe aus, biegt und lötet sie zusammen, worauf sie um das Heft gelegt und poliert werden. Man sieht es einem einfachen Tischmesser wirklich! nicht an, wie mannigfachen Kunstgriffen es! unterworfen wird, uni seiner Ausgabe im Haushalte gewachsen zu sein. Und doch! habe ich nur ein ganz einfaches', typisches Messer heraus- gegrifsen, um an ihm die Entwickelung der Fabrikation zu erläutern. In Wahrheit giebt es viel verzwicktere Schneidewerkzeuge, deren Entstehung man viel ausführlicher behandeln müßte; dazu gehören auch, die Taschenmesser, von denen im Henckelsschen Zwillingswerk ca. 2000 verschiedene Muster erzeugt werden. Beim Schmieden der Gabeln wird wieder die untere 560 — Partie zunächst aus dem Rohen gearbeitet, und es! verbleibt für die Zinken ein etwa zwei einen halben Zentimeter langes Stück des Stabes. Dieses wird glühend gemacht, und zu der erforderlichen Breite und Länge ausgeschmiedet, so daß eS schaufelförmige Form erhält; dann werden die Zinken durch eine Schnittpresse herausgearbeitet, und es folgt die weitere Vollendung durch Feile und Schleifstein. Im übrigen gilt von der Fabrikation der Gabeln, was ich bereits von den Messern gesagt habe, abgesehen von den in der Natur der Sache liegenden Abweichungen. Tas Schmieden der Scheren gehört zu den schwersten Aufgaben des Messerschmieds; das wird jedem einleuchten, der sich einmal eine Schere etwas genauer ansieht. Sie besteht aus zwei genau zu einander passenden Teilen; die Griffe, welche die Hebel bilden, müssen im rechten Verhältnis zu den Schneiden stehen, und die Niete müssen die beiden Glieder gerade derart zusammenhalten, daß die Klingen zweckentsprechend gegeneinander arbeiten. Diese Anfgabe erfordert natürlich besonders tüchtige und erfahrene Arbeiter; insbesondere verlangt das Schleifen der Scheren eine ge- ivisse Kunstfertigkeit. Das Ausschmieden der Klingen unterscheidet sich ursprünglich nicht wesentlich von dem Schmieden der Messerklingen. Auch die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Industrie dürfen wir nicht außer acht lassen. Etwa 3000 Arbeiter find tot Solinger Fabrikbetrieb und in der Hausindustrie beschäftigt. Die Henckelsschen Fabrikgebäude bedecken eine Grundfläche von rund 600 Ar, neun Dampfkessel dienen zum Betriebe der Dampfmaschinen, der Fallwerke, Dampfhämmer, sowie der mannigfachen Werkzeugmaschinen. Der Schmelzraum der Gußstahlfabrik umfaßt zwei Siemens- Regenerativöfen, von denen jeder 200 Schmelztiegel umfaßt, die in 2-1 Stunden zirka 5000 Kilogramm Stahl liefern. . Redaktion: E. Burkhardt. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. „Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der praktischen Technik, der Elektrotechnik, I der bewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirt- I schäft 2C. XXVIII. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien) I Bezugspreis ganzjährig für 13 Hefte franko 7.50 Mk. Ein- I gellte Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Diese Zeitschrift dient a u s s ch l i e ß l i ch der P r a x i s. Ihre Mitteilungen, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht aus- führbaren Anweisungen, Arbeitsverbesserungen und Nener- nnaen auf technischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu n euen, lohnenden Erw erbsarten. Aus der Fülle des Inhaltes des elften Heftes vom achtun dz wan zigsten Jahrgänge seien besonders folgende Artikel hervorgchoben: Neue Akkuntulatorentypen. — Praktische Anleitung zur Verstellung von Phonographen-Walzenmasse. Ozotypte. — Ein neues Verfahren zur Darstellung von Nrtrrten. — Das Uranokrop. — Ein neuer Klavierrahmen. — Neues Verfahren zur Bereitung von Fruchtsyrupen von B. L. Kühne in Rixdorf. — Herstellung feuerfester Kalksandsteine. — Scene Erfahrungen über Fußbodenöle. — Neues Verfahren zum Aufziehen von Photographien. — Wasserdichtmachen von Kleber. — Vertreiben von Insekten ans Arzneipulvern. — Eine neue Patrone. — Konservieren von Blumen und Gräsern. — Der Rheokrat, ein iÄsatz für Rheostate. — Neuere Produkte des elektrischen Ofens. — Praktische Erfahrungen über Bekleben der Riemschieiben. — Neue Herstellung von Malzkaffee. — Nener Milcherhitzer. — Neues Verfahren zur Herstellung von Dekorationsplatten. — Praktische Erfahrungen über Riemenbetrieb in feuchten Räumen. — Neue Erfahrungen in der Automobil-Industrie. — Praktische fahrungen über Verwendung von Ziegelbruch — Peroxole. — Bezugsquellen für Maschinen, Apparate und Malerialien. — Anleitung zur Bestimmung des Nikotins tot Tabak. — Darstellung von Milchsäure. - Bitterwerden der Gurken. — Praktische Erfahrungen über Salzdüngung der Radieschen. - Töten der Fische. Herstellung einer schwarzen Beize, die von Säuren und Laugen nicht angegriffen wird. Herstellung der Wiener Hutsteife. - Herstellung von Schneiderkreide. — Kleinere Mitteilungen. — Neuigkeiten vom Büchermärkte. — Eingegangene Bücher und Broschüren. — Neue Erscheinungen auf dem Patentgebiete. — Chernst cy- physikalisches Feuilleton. — Neue Erscheinungen to der industriellen Fachlitteratur. — Fragekasten. — Beantwortungen. — Briefkasten. Gemeinnütziges. Etw as üb er das Aussehen unser er Sparg el- beet e. Zwar hat schon mit Johanni das Spargelffechen aufgehört, und damit war auch jene köstliche Zeit verfchwun- den, in der sich! die Feinschmecker an der frischen, aromatischen Frucht erlaben konnten; mit einer gewissen Wehmut gedenken sie jener schönen Zeit. Aber daran denken gewiß! die wenigsten bei dem Genüße des Spargels', ivelche Arbeit, Mühe und Sorge erforderlich ist ehe der Spargel soweit gediehen ist daß er zum Verspeisen auf den Tisch gebracht werden kann. Tas weiß nur der Züchter; da heißt es fast das ganze Jahr hindurch! arbeiten, und dankbar wird jeder Wink von erfahrener Seite angenommen, der etwa eine Verbesserung des eigenen Spargelbeetes herbeizusühren tot stände ist. Solche Winke, die das Aussehen unserer Spargel- beete in den verschiedenen Jahreszeiten behandeln, bringt Nr. 23 des „Erfurter Führers im Gartenbau" mit gleich'- geiligen Illustrationen, auf die wir unsere Leser besonders aufmerksam machen wollen; sie wird ihnen, wenn sre sich mit Postkarte nach Erfurt wenden, kostenlos zugesandt. Sonnenlicht. Es gießt viele Menschen, ja ich möchte sägen, eine große Mehrzahl derselben, welche behaupten, das Sonnenlicht nicht ertragen zu können, und sich vor demselben in' den Wohnungen und aus den Spaziergangen schützen. Und wie notwendig ist es, daß! die Sonne alle unsere Wohnräume bescheint; welche gesundhettförderndes! Mittel sind die neu eingeführten, für unser Wohlbefinden wichtigen Sonnenbäder! Sind nicht die Personen, welche rn ihrem Berufe viel in der Sonne sich! aufhalten müssen, viel gesünder und kräftiger, und Ttere und Pflanzen gedeihen in der Sonne zum prächtigen Entfalten, während i sie alle beim Entbehren heg Sonnenlichtes in sonnenlosen Räumen und Orten verkommen müssen. Darum öffnet Eure Wohnungen den Sonnenstrahlen, bekämpft die für nobel und vornehm geltende Mode der künstjlichen Dämmerung; laßt die lebenspendende Himmelsleuchte einziehen! Spiegel ab wischen. Will man die Spiegel in den Zimmern mit leichter Mühe immer blank erhalten, 'so I muh man sie eben wie alle anderen Möbel tägliche ab- abwischen. Dazu nimmt man am besten einen wollenen I Fleck oder ein Leder, und drückt kräftig auf, wobei alle Unreinigkeit verschwindet und der Spiegel sehr blank wird. I Etwaige Flecke verschwinden leicht, wenn man den Lappen I mit wenig Wasser anseuchtet, dann aber mit einem anderen I wollenen Fleck oder mit einer ganz trockenen Stelle so I lauge nachreibt, bis die Fläche wie poliert erscheint. Spt- I rltus soll man nur in den äußersten Fällen anwenden. — I Tie einfachsten Mittel sind aber sehr oft auch die vor- I züglichsten, und die Hausfrau sollte sie vor teuerem Ver- I fahren begünstigen. Aeußerst geeignet zum Putzen der I Fenster und Spiegel ist, wie der „Praktische Wegweiser , I Würzburg, schreibt, ein aus Vigogne oder weicher Wolle I qestrickter oder gehäkelter Handschuh, wie man ihn auch. I als Topfanfasser östers sieht. Man schlägt d!azu 40 Maschen I aus und strickt mit zwei Nadeln immer rechts' hin und her, I bis man ein Stück von etwa 40 Zentimeter Länge hat. Dieses I legt man aus die Hälfte zusammen, häkelt es zusammen unb I umqiebt es unten mit einem einfachen gehäkelten Rande I und Zug in roter Wolle, durch! welchen man ein Gummi- I band leitet. Mit diesem Handschuh angethan, hat man I Spiegel und Bilder in kürzester Zeit geputzt. Will man I ihn häkeln, so arbeitet matt ihn am besten in tunesischem I Häkelstich, und schlägt etwa 30 bis 40 Waschen dazu an. I Der Hausfrau sei ins' Ohr gesagt, däß auch alte, I reine, wollene oder Vigogne-Strümpfe sich! hierzu vor- I züglich eignen. Logogriph. I (Nachdruck verboten.) Die —u— der vielen Kinder So ganz hier in der Näh Des Zimmers, wo ich schreibe, Wird mir zur argen —ä—. (Auflösung in nächster Nummer.)