m M 1900. - Nr. 107. Ji ja* ml lerne selbst dich überwinden! Das ist der Tugend schönste Pflicht. Nie wirst du Ruh' auf Erden finden, Bezähmst du deine Triebe nicht. Gallisch. (Nachdruck verboten.) Geächtet. Roman von LotharBrenkendorf. (Fortsetzung.) Der General von Marschall war im lebhaften Gespräch mit seinem Adjutanten, als sie das im Gegensatz zu den übrigen Räumen des Hauses mit soldatischer Einfachheit ausgestattete Arbeitskabinett betrat. „Guten Morgen, Langschläferin!" ries er ihr wohlgelaunt entgegen. „Hat Dich etwa der Lärm in den Straßen um Deine Nachtruhe gebracht, daß Du dem lieben Herrgott nachher ein paar der schönsten Tagesstunden abstehlen mußtest?" Statt der Antwort umarmte ihn Elisabeths zärtlich und küßte ihn auf die Wange. Freundlich grüßend erwiderte sie dann Sixtus von Plothows stumme Verbeugung. Voll gespannter Erwartung forschten ihre Augen in seinem Gesicht- Sie hoffte auf einen bedeutsamen Blick, aus irgend ein stummes Zeichen des Einverständnisses. Aber die Miene des jungen Offiziers war ernst und undurchdringlich Statt der frischen Heiterkeit, die feinem hübschen Antlitz sonst einen Ausdruck so gewinnender Liebenswürdigkeit verlieh, lag es heute wie eine schwermütig düstere Wolke über seinen Zügen. Das verstohlene und doch so innig beredte Flehen in Elisabeths Augen schien er nicht zu verstehen. Und als der General nun seiner Tochter auseinandersetzte, welche Verfügungen er mit Rücksicht auf die drohende Kriegsgefahr über ihre nächste Zukunft getroffen habe, wandte er sich vollends von ihr ab, um angelegentlich einige der auf dem Tische ausgebreiteten Papiere zu studieren. In einer Zerstreutheit, die ihrem Vater glücklicherweise entging, nahm Elisabeth die Mitteilung entgegen, daß sie am nächsten Morgen in Begleitung Sophiens nach Kustrin abreisen solle. In diesem festen Platze glaubte der General sein kostbarstes Kleinod selbst für den Fall einer unglücklichen Wendung der Dinge besser geborgen, als m der Hauptstadt, um so mehr, als er sie dort zugleich, dem Schutze einer würdigen Dame, der verwitweten Frau von Menzelius, die dem Marschallschen Hause weitläufig verwandt war, übergeben konnte. „Ich hätte Dich nach unserer Besitzung Lasdehnen oben in Litauen geschickt", fügte er hinzu, „wenn die Reise nicht gar so weit wäre, und wenn ich nicht obendrein besorgen müßte, daß Du eines Tages unerwünschten Besuch von unseren lieben Nachbarn, den Russen, haben könntest.. Da lebt sich's doch immer noch besser hinter Wällen und Mauern, im Schjutze preußischer Kanonen. Wir wollen hoffen, daß ein paar glorreiche Viktorien unseres Königs Deinem Exil bald ein Ende machen". Daß Elisabeth die Neuigkeit so überaus gleichgiltig aufnahm, mochte ihn schließlich, doch ein wenig in Erstaunen setzen; aber er kam nicht mehr dazu, sie deshalb! zu befragen; denn mitten in seiner Rede wurde er durch das Erscheinen des alten Christoph unterbrochen, der ihm mit halblauter Stimme eine anscheinend wichtige Meldung abstattete. Verwundert schüttelte der General den Kops. „Was, zum Henker, wollen die Herren in meinem Hause? Und obendrein in einer Affaire von größter Jmportance? Nun, ich will sie int Vorzimmer ab fertig en; denn diese Perrückenstöcke wissen mit ihrer Suade sonst nimmer ein Ende zu finden." Etwas verdrießlich ging er raschen Schrittes hinaus, gefolgt von dem Diener, der die Thüren hinter seinem Gebieter schloß. Kaum aber waren sie allein, als Elisabeth', jede Rücksicht vergessend, auf Sixtus von Plothow zueilte. „Er ist gerettet — nicht wahr? Das Wagnis ist gelungen?!" Langsam legte der Leutnant das Schriftstück, darin er scheinbar gelesen hatte, auf den Tisch, zurück. Seitt Blick aber haftete noch! auf den Blättern, als er erwiderte: „Ich habe den Herrn von der. Röcknitz in eine meiner Uniformen gesteckt und habe ihn instruiert, wie er sich der Thorwache gegenüber zu benehmen habe. Alles ganz nach dem Wunsche des gnädigen Fräuleins. Wie es ihm dann weiter ergangen ist, vermag ich freilich nicht zu sagen. Da aber bislang keine Kunde eingetroffen, daß man ihn angehalten habe, läßt sich wohl vermuten, er sei wenigstens aus der Stadt Berlin unbehelligt entkommen". Er hatte ihr diese Auskunft in sehr gemessenem Tone gegeben. Seine kalte Zurückhaltung that Elisabeth unsägliche weh. „Und Sie empfinden gar keine Freude darüber?" fragte sie mit leisem Vorwurf. „Es erfüllt Sie nicht mit Genugthuung, zu wissen, daß Sie einen Unglücklichen vor Schmach und Schande, vielleicht vor dem Galgen oder vor schimpflichem Selbstmord gerettet haben?" Der junge Offizier erhob den Kopf und sah ihr mrt tiefernstem, ja traurigem Blick ins Gesicht. „Sie lieben Ihren Vetter von Herzen, — nicht so, Fräulein von Marschall?" 426 „Mein Gott, ich kenne ihn seit den frühesten Tagen meiner Kindheit; wir haben miteinander gespielt, und er ist ein Schwestersohn meiner verstorbenen Mutter. Ist das alles nicht Erklärung genug dafür, daß ich ein wenig Freundschaft für ihn empfinde?" „Aber man thut nicht aus bloßer Freundschaft, was Sie für diesen Herrn von der Räcknitz gethan haben. — Sehen Sie, mein gnädiges Fräulein, wenn er mein leiblicher Bruder gewesen wäre, und wenn er mich bei all meiner brüderlichen Liebe um solchen Dienst beschworen hätte, ich würde doch lieber mit ihm gestorben sein, als daß ich den Rock meines Königs mißbraucht hätte zu so frevelhaftem Thun". Die nach ihrem Empfinden wenig ritterliche Art, wie er sie die Schwere des von ihtn gebrachten Opfers fühlen ließ, kränkte sie tief. „Wie sehr müssen Sie mich dann verabscheuen, Herr von Plothow, weil meine Bitten Sie zu so sträflichem Handeln verleiteten!" „Ich Sie verabscheuen? Wie wenig Sie doch in meinem Herzen lesen können, Fräulein Elisabeth! Nein, bei Gott, ich bürde Ihnen keinen Anteil auf an der Verantwortlichkeit für mein Thun. Aber es schmerzt mich freilich, daß ich Ihnen mit alledem keinen besseren Dienst leisten konnte, als gerade diesen. Nichts wäre mir zu schwer gewesen für den Mann, der Ihrer.Liebe wahrhaftig würdig war; dieser Herr von der Räcknitz aber — doch Sie werden die traurige Wahrheit noch frühe genug erfahren, und nicht ich mag es sein, der Ihnen eine so schmerzliche Enttäuschung bereitet". „Was für eine Enttäuschung? Ich verstehe Sie nicht. Hat mir mein Vetter denn irgend etwas verschwiegen?" „Schlimmer als das — er hat Sie schmählich belogen! Nicht ein unschuldig Bedrängter, ein gemeiner Meuchelmörder war dem wir zur Flucht verhalfen". „Nein!" rief sie entsetzt. „Es kann nicht sein. Oder, wenn Sie Ihrer Sache gewiß sind — bei allem, was Ihnen teuer ist, Herr von Plothow, beschwöre ich Sie, mir die ganze Wahrheit zu offenbaren". „Nun, es ist vielleicht auch besser so; denn Ihre Bestürzung könnte Sie verraten, wenn Sie es unvorbereitet von einem andern erführen. Herr von der Röcknitz war im Irrtum, wenn er sein Opfer bereits tot glaubte. Obgleich schwer verwundet und in nahezu hoffnungslosem Zustande, ist der Franzose doch auch heute noch am Leben, und seine Aussagen sind vernichtend für den Mörder. In einem Hause, wo heimlich Hazard gespielt wird, sind die beiden gestern in einen Woüwechsel geraten, und der Komödiant beschuldigte Ihren Vetter, daß er ihn mit falschen Würfeln beim Spiele betrogen habe. Man verlangte von ihm, daß er vre Würfel zur Besichtigung vorlege, aber er nahm statt dessen seinen Mantel, und machte sich eilends davon. Eine halbe Stunde hernach wollte auch der Franzose sich auf den Heimweg begeben. Da er aber den finsteren Flur des Hauses durchschritt, wurde ihm hinterrücks ein Dolchmesser in den Rücken gestoßen. Eine Aufwärterin, die auf sein Wehegeschxei herzueilte, erkannte den fliehenden Mörder und rief ihn bei Namen. So war seine Angst, daß die Verfolger ihm bereits auf den Fersen sein könnten, allerdings erklärlich genug". Totenblässe hatte Elisabeths Antlitz überzogen, und sie stützte sich mit beiden Händen auf den Rand des Tisches, weil ihr die Kniee zu brechen drohten. „O mein Gott! Und um dieses Elenden willen brachte ich. Sie in Zwiespalt mit Ihrem Gewissen, vielleicht sogar in eine ernste Gefahr! Ja, nun! begreife ich's freilich, daß Sie mir nimmer verzeihen können." „Was hätte ich Ihnen zu verzeihen, Ihnen, die sicherlich am härtesten getroffen wird von dieser Enthüllung? Denn Sie hatten dem Unwürdigen Ihr Herz geschenkt und —" „Mein Herz? — Ja, es ist wahr, seine Thränen und seine Verzweiflung hätten mich gerührt; es drängte mich, ihn um jeden Preis vor seinen Verfolgern zu retten. Aber dann — gestern abend schon — als ich ihn neben Ihnen stehen sah in der ganzen Jämmerlichkeit feiner Feigheit und Schwäche, da war doch für ihn nichts anderes mehr in meiner Seele als Abscheu und Verachtung". „Wie? — Ist das Wahrheit, Elisabeth? Nur Mitleid war es, daß Sie so warm für ihn eintreten ließ, nicht Liebe?" Eine heiße Blutwelle stieg bis über die Stirn hinauf in dem eben noch marmorweißen Gesicht empor, und das feine Köpfchen senkte sich tief. „Womit habe ich es verdient, daß Sie so schlecht von mir denken konnten, Herr von Plothow? Nie habe ich mehr als verwandtschaftliche Zuneigung für meinen Vetter empfunden, nie habe ich ihn geliebt". „O, dann ist alles gut!" rief er in einer Aufwallung von Fröhlichkeit, die sich seltsam von seinem bisherigen Benehmen unterschied. „Was auch immer —" Aber er kam nicht weiter; denn hochroten Antlitzes riß der General von Marschall in diesem Augenblick beide Thürflügel auf und sagte, beiseite tretend, mit einer einladenden Handbewegung nach dem Vorzimmer hin: „Nur gefälligst hereinspaziert, Messieurs! Sie können gleich hier in meinem Kabinett mit der Visitation beginnen. Keine Exküsen und Ausflüchke, wenn ich bitten darf! Die Justiz muß ihren gehörigen Lauf nehmen, und vor dem Gesetz gilt kein Ansehen der Person". Er befand sich unverkennbar in einer ganz außerordentlichen Erregung, und die beiden nach Art der Gerichtspersonen gekleideten Herren, die zögernd seiner nach- drücklichen Aufforderung gehorchten, fühlten sich ersichtlich keineswegs wohl in der Hisübung ihrer amtlichen Obliegenheiten. „Der Herr General wollen gütigst verzeihen", sagte überaus ehrerbietig der eine, „nur die bestimmte Depo- sition derer beiden Zeugen —" „Zum Henker, wie oft soll ich den Herren noch erklären, daß mir selber daran gelegen ist, mein Haus vom Giebel bis zum Kellergelaß visitiert zu sehen? — Ich mache keine gemeinschaftliche Sache mit Falschspielern und Meuchelmördern. Wenn man den Burschen unter meinem Dache findet, so mag man ihn meinetwegen gleich vor der Hausthür aufknüpfen —• und den dazu, der ihm Unterschlupf gewährt hat hinter meinem Rücken". Elisabeth war einer Ohnmacht nahe; aber sie kämpfte ihre Schwäche nieder und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen. Durch eine gebieterische Handbewegung des Generals wurde sie daran gehindert. „Nicht von der Stelle! Die Herren sollen nicht glauben, daß hier Durchstechereien getrieben werden. Wenn Sie mit der Durchsuchung dieser Zimmer fertig sind, Messieurs, so werde ich Sie in die Appartements meiner Tochter und in die Kammern der Dienstboten führen. Es soll durchaus nicht anders Verfahren werden, wie bei einem gewöhnlichen Burgersmann. Wenn Sie auch nur den kleinsten Winkel undurchsorsckck lassen, so thutt Sie das aus Ihre eigene Gefahr! Denn ich kann für keines Menschen Rechtschäffenheit garantieren als für meine eigene". Elisabeth war wieder an den Tisch zurückgekehrt. Sixtus von Plothow, der sie seit dem stürmischen Eintritt des Generals noch keinen Moment aus den Augen gelassen Hatte, sah, wie sie sich verfärbte und am ganzen Körper zu zittern begann. Er brachte sich unauffällig an ihre Seite und flüsterte ihr zu: „Mut, gnädiges Fräulein — um Gottes willen, Mut! Sie haben nicht das geringste zu fürchten. Im Fall einer Entdeckung nehme ich alles ganz allein auf mich!" Da der General eben mit großem Geräusch die Thür eines Schrankes aufriß, darin sich übrigens nicht einmal ein Zwerg hätte verborgen halten können, fand das geängstigte junge Mädchen die Möglichkeit, ihm mit bebenden Lippen als Erwiderung zuzuraunen: „Es ist umsonst — ich bin verloren. Der blutbefleckte Mantel in meinem Schlafgemach muß verraten". Auch der junge Offizier wurde um ein Geringes bleicher; aber der ruhig feste Ausdruck seines Gesichts blieb doch ganz unverändert. Ohne daß der General oder die Gerichtpsersonen es hätten wahrnehmen können, ergriff er einen vor ihm auf dem Tische liegenden Stift und schrieb stehend in fliegenden Zügen auf ein weißes Blatt: „Was jetzt auch geschehen mag, wenn Sie mir ein wenig gut sind, beschwöre ich Sie zu schweigen. Ich allein bin der Schuldige". 427 — Er schob den Zettel zu ifyc hin, und als er gewiß war, daß sre seinen Inhalt verstanden, faltete er ihn nach Art eines Fidibus zusammen und verbrannte ihn an der Flamme einer auf dem Schreibtisch stehenden Kerze, deren sich Herr von Marschall vorhin zum Siegeln von Briefschaften bedient hatte, zu Asche. Verwundert sah der General seinem Beginnen zu. „Was treiben Sie denn da eigentlich, Herr Leutnant? — Am Ende werden die Herren noch glauben. Sie ver- michteten irgend ein kompromittierendes Dokument". Plothow blieb ihm die Antwort schuldig; doch als wenige Minuten später der Hausherr die immer verlegener dreinschauenden Justizbeamten abermals aufforderte, ihn jetzt in die Zimmer feiner Tochter zu begleiten, vertrat er ihnen, hoch aufgerichtet, den Weg. „Mit Verlaub, Herr General, dessen bedarf es nichjt! Wenn es der Herr von der Röcknitz ist, den Sie suchen, so müssen Sie sich schpn um ein gut Stück Weges weiter bemühen. Er befindet sich nicht mehr in Berlin". (Fortsetzung folgt.) Handelsbeziehungen bleiben indessen aufrecht erhalten, aber immer durch neue, rein deutsche Elemente. All diesen asiatischen Hafenplätzen steht aber ohne Zweifel noch eine ganz besondere Entwickelung bevor. Die Insel Hongkong wurde erst 1841 an die Engländer abgetreten, ist aber heute bereits einer der wichtigsten Handelspunkte der Welt geworden, mit prächtigen Straßen und Anlagen, großen Banken, Hotels, Klubs, Regierungs- und Privatbauten, so daß die Stadt einen recht angenehmen Aufenthaltsort bildet. Was aber auf den Weltenbummler natürlich einen besonderen Reiz ausüben muß, das ist das eigentliche chinesische Quartier. Auch hier sind bereits die Jinrikschas eingesührt, jene leichten zweiräderigen Wägelchen, die von einem rasch dahintrabenden Eingeborenen gezogen werden. Es fährt sich darin recht bequem, wenn auch der Gedanke, einen Mitmenschen als Zugtier zu benutzen, gewiß peinlich sein muß. Das eigentliche chinesische Beförderungsmrttel ist aber die Sänfte. Ein jeder von drei Mann hoch getragen, machten daher ein Reisegefährte! und ich verschiedene Ausflüge in die chinesischen Stadteile. Es war höchst interessant, aber es schien uns doch alles schon zu europäisch übertüncht. Es verlangte uns bald nach einem unverfälschteren China, und so beschlossen wir eines Tages, eine kleine Expedition in das Innere zu unternehmen. 150 Kilometer von hier den Chin-kiang oder Perlenfluß hinauf liegt Kwang-tun oder Kanton, die bevölkertste Stadt des ganzen China, mit einer Einwohnerzahl von mehr als zwei Millionen. Dahin stand unser Sinn, und j wir befanden uns alsbald an Bord des einen regelmäßigen Verkehr mit der Stadt unterhaltenden Dampfers. Wir standen gerade vor dem „Armoury", das die rM Falle eines feeräuberischen Ueberfalls an die Passagiere und Mannschaften auszuteilenden Waffen enthält. Da I wurde mein Freund plötzlich bange — bange, daß er am Ende zur Weiterfahrt seines Dampfers nicht früh genug zurückkehren würde. Nichts konnte ihn bewegen, an Bord zu bleiben, und so mußte ich gerade diese Tour allem unternehmen, was mir um so ärgerlicher war, als sich Nicht I ein einziger anderer europäischer Passagier an Bord befand. Nur der Kapitän war ein Engländer, der Ingenieur em Italiener und etwa ein halbes Dutzend Wachtmannschasten I waren Eurasier, oder, wie alle Mischlinge hier durchweg I genannt werden: Portugiesen. Denn die Portugiesen waren die ersten Europäer, die sich hier aufgehalten haben und mit den Eingeborenen in Verkehr getreten ftnd. That- sächliche Gefahr war! nun,wohl eigentlich nicht zu befurchten, doch war es in früheren Zeiten bei den seeräubertsch gesinnten Chinesen ein beliebtes Verfahren, als schembar I harmlose Passagiere mit einigen Bündeln Gepäck an Bord I eines Dampfers zu kommen, dann während der Fahrt plötzlich die Waffen hervorzuziehen, Kapitän und Mannschaften und die nicht int Komplott befindlichen Reisenden I zu überwältigen und das Schiff auszurauben. Bei den seither getroffenen Vorsichtsmaßregeln war indessen seit mehreren Jahren kein derartiger Fall vorgekommen, tote I schlimm es in diesem Augenblick auf dem Perlenfluß auch I wieder aussehen mag. . Diese Flußdampfer sind nun Ntcht allzu bequem. Doch I ist die für Europäer reservierte erste Kajüte noch ganz I leidlich. Aber den rechten Begriff vom chinesischen Leben erhielt ich erst, als ich in Begleitung des Kapitäns abends I in die für die Eingeborenen bestimmten Räume hmabstteg. Da lagen die Menschen dicht nebeneinander auf dem Boden I hingestreckt. Andere hatten auch dazu nicht Raum genug. Sie hockten auf Kisten und Kasten und Bündeln aller Art I und kauerten in entlegenen Winkeln zusammen. Bet dem I matten Schein einiger Laternen bereiteten sich hier etntge ein Nachtmahl. Dort spielten einige Gruppen mit dicken Karten aus Pappe, andere lagen dem vm:d erblich en.nationalen Laster des Opiumrauchens ob.< Etliche hatten offenbar I bereits geraucht. Regungslos lagen sie da. Ob sie wohl I wirklich von so lieblichen Träumen umgaukelt waren. ^hr I Aussehen verriet es gewiß nicht. Es war ent höchst abstoßendes und doch auch wieder so fesselndes Bild, wav sich hier darbot. Abstoßender aber als alles andere war der I widerwärtige Geruch, der von all dem Ohun und ^reiben > der Menschen aufstieg. Reisebilder aus China. Von Wilh. F. Brand. Nachdruck verboten. I I. Von Hongkongnach Kanton. Eine der allerschönsten Städte der Welt, mit einem I prächtigen Hafen, ausgedehnten und noch in starkem Anwachsen begriffenen Handelsverbindungen, ist Hongkong, I eine der wertvollsten Perlen des Kolonialbesitzes der Engländer. Mit einer Hand voll britischer Truppen, im übrigen -aber nur mit Sikhs, jenem trefflichen Kriegsmaterial aus dem nördlichen Indien, und einer kleinen Polizeitruppe, die aus Eingeborenen gebildet ist, wird die öffentliche Ordnung aufs beste erhalten. Und auch die tiefe Er- | Witterung, die das gegenwärtige Vorgehen der Engländer in Südafrika in uns allen erweckt haben muß, kann uns nicht abhalten, an Städten wie Hongkong, wie sie ähnlich an allen Ecken und Enden der Welt anzutresfen, britischem Unternehmungsgeist volle Anerkennung zu zollen. Freilich, wenn wir nach den Ursachen der Größe dieses Weltreiches forschen, so ergiebt sich als vornehmlichste doch wohl der Umstand, daß die Engländer eben so viel früher int Felde waren als wir. Hätte sich- die deutsche Nation nur etliche Jahrzehnte früher aufgerafft, M der Höhe des Unternehmungsgeistes emporgeschwungen, aus der sie heute steht, । welch anderes Ansehen hätten die Landkarten der Welt -leicht gewinnen können. j Wer nach der Gerechtigkeit, die ich eben den Engländern habe widerfahren lassen, darf ich nun auch wohl einen anderen Eindruck hervorheben, den ich in besonderem Maße wieder hier in Hongkong gewonnen, den Eindruck von dem alles überflügelnden, thatkräftigen deutschen Unternehmungsgeist unserer Tage. Und so ist es heute schon dahin gekommen, daß unsere Landsleute hter wie in Singapore und Shanghai bereits ungefähr die Hälfte .alles Handels an sich gerissen haben. Deutscher Einfluß ist aber immer noch wie kein anderer im Zuwachs begriffen. Die Erhaltung des Deutschtums in Ostasien ist eine viel wichtigere, viel lohnendere Sache als in den meisten -anderen Teilen der Welt. Wie erfreulich die Macht und der Einfluß unserer Landsleute z. B. in den Vereinigten Staaten auch sein mögen, so muß es uns mtt um so lebhafterem Schmerz erfüllen, daß dieselben doch tn der zweiten oder dritten Generation für das Vaterland verloren gehen. Anders in Ostasien, selbst wenn wtr Ktau- tschou, und was noch alles darauf folgen mag, außer Beachtung lassen wollten. In Plätzen wie Hongkong tst das immer wachsende Deutschtum nicht nur au ftch ^s^chitg genug, um anderen Elementen auf die Dauer das Gletch- gewicht zu halten, sondern auch das Klima durfte schon für Reinhaltung der deutschen Bevölkerung emtreten. Des Klimas und der Erziehung wegen werden bte Kruder tn die Heimat geschickt, und im Mer oder auch schon vorher — kehren auch die Eltern ins Vaterland zuruck um. gewöhnlich keineswegs mit leeren Händen. Dte deutschen 428 Mein Bett ließ viel zu wünschen übrig. Ich, mochte schließlich wohl einige Stunden geschlafen haben, als ich davon erwachte, daß sich etwas neben mir im Bette regte. Ich hatte doch die Thür fest verschlossen und verriegelt und nun sollte — — da bewegte sich's wieder. Rasch fuhr ich empor und tap! — tap! platschte etwas von meinem Lager aus den Boden. Es waren Ratten. Kleiderbürsten zu reinigen. Es giebt gewiß noch manche junge Hausfrau, die garnicht daran oenkt, daß Kleiderbürsten auch einmal der Reinigung bedürfen, und doch ist dies ebenso nötig, wie das Kleiderreinigem Man sollte sich daher angewöhnen, wöchentliche einmal die Bürste so lange an -einer Tischkante, über welche man reines weißes Papier gelegt hat, zu streichen, bis das Papier rein bleibt. Ist die Bürste sehr schmutzig, so kann man sie auch in lauwarmem Seifenwasser reinigen und an der Luft trocknen lassen. Durch Reibung veranlaßte Flecken aus Sa mm t oder Plüsch w e g z u w a s che n. Wenn durch Druck oder Reibung die ausstehenden Fäden schief zu liegen kommen und dadurch Flecken entstehen, so befeuchtet man die Rückseite dieser "Stellen mit einem in reines Wasser getauchten Schwamm und zieht sie dann sogleich auf der Rückseite langsam über ein heißes Bügeleisech während man auf der rechten Seite mit dem Schwamm in entgegengesetzter Richtung der Fäden fährt. Kesundheitspflege. Essig gegen Ohnmächten. Eine Hand voll Lavendelblüten- 3Q Gewürznelken, 50 Wachholderbeeren.und ein Stück Zimmet werden in eine Weinflasche gethan und mit einem halben Liter Weinessig übergossen, fest gepfropft und an der Sonne oder am warmen Ofen destilliert; damit werden Ohnmächtigen die Schläfen und Pulsadern eingerieben, oder es wird ihnen unter die Nase gehalten: — es fyat eine sehr kräftige Wirkung. H u st e n r e i z b e i K i n d e r n. Ein einfaches probates Mittel bei diesem oft auftretenden Uebel ist folgendes: Man koche für 10 Pfg. Huflattichblüte in einem halben Liter Wasser, gieße diese Flüssigkeit über 125 Gramm klein gestoßenen weißen Kandiszucker und lasse dies zu Syrup verkochen. Von demselben gebe man dem Kinde stündlich einen Theelöffel voll. Bereitung der Ro m er sh a us e n er Augen- essenz. Diese bei Erkrankung und Schwäche der Augen vielfach begehrte und sehr heilsam wirkende Flüssigkeit stellt man wie folgt her: Man zerstößt 50 Gramm Fenchel, übergießt denselben mit zirka 1,5 Kilogramm Weingeist, läßt in gelinder Wärme einige Tage hindurch ziehen, gießt die Mischung durch ein Tuch, preßt sie aus, löst 2 Gramm Fenchelöl darin auf und filtriert das Ganze nochmals. Kolik schnell zu heilen. Ein Handtuchs oder eine Serviette wird in Heißes Wasser getaucht, rasch, ausgewunden und auf den Magen gelegt. Eine zweckmäßige Behandlung der Kopfschupp-en besteht in der Einreibung des ganzen Haarwuchses mit Schmierseife, dann nach einer Viertelstunde Losweichen und Auswaschen mit lauem Wasser, hiernach Einölen mit einem Haaröl, bestehend aus 10 Tropfen Zimmtöl, 100 Gramm Provenzeröl. Die Behandlung muß mehrere Tage länger fortgesetzt werden, als noch irgend etwas Reizung oder gar Krustenbildung wahrzunehmen ist. Jür die Küche. Gute, kalte Küche. In der heißen Jahreszeit ißt man mit Vorliebe -etwas kaltes. Gesülzte Schweinsknöchelchen, Zunge, Kotelette, Huhn u. dergl. schmecken in der That vorzüglich, besonders zur Abendmahlzeit. Die Bereitung von Sülzen unter Verwendung von Kalbsfüßen ist immerhin umständlich; wer -ein rasches Verfahren liebt, versuche es auf folgende einfache Art: Man löst 30 Gramm seine Gelatine in einer Obertasse Weißwein auf, kocht in einem Liter Wasser eine in Scheiben geschnittene -Zwiebel,. etwas Zitronenschale, ein halbes Lorbeerblatt und einige gequetschte Pfefferkörner eine Viertelstunde, fügt das nötige Salz und nach Geschmack Estragon- -oder Weinessig bei und giebt unter beständigem Rühren die geweichte Gelatine ein Blatt nach dem anderen nebst dem Wein dazu. Dann zieht man die kochende Brühe vom Feuer, macht sie mit einem Eßlöffel Maggi zum Würzen lästig im Geschmack, fügt allenfalls noch etwas Weißwein und Zitronensaft hinzu und gießt sie durch eine feuchtgemachte Serviette in einen Napf. Wenn die Sülze sich klar gesetzt hat, übergießt man damit das zu sülzende Fleisch, wie kalten Braten, Wildpret, Zungeschnitten, gedünstete Kalbs- und Schweinskoteletten, aus der Terrine gestochene Gänseleber-Pastete, halbierte harte Eier, ausgebrochene Krebsschweifchstn, Hummer, blau abgekochte Fische rc. Soll die Sülze gestürzt werden, so streiche man die Form erst mit gutem Salatöl aus, gieße den Boden mit Sülze aus, lasse diese erstarren, und lege dann das zu sülzende Material abwechselnd mit Sülze so ein, daß es beim Stürzen schön zur Geltung kommt. Platten oder Form stelle man ganz eben auf Eis oder in den Keller und bewege sie nicht, bis die Sülze fest geworden ist. Die Form gieße man bis 1 Zentimeter vom Rande voll, Th. H. Literarisches. „Der Stein der Weisen" eröffnet seinen neuen (13.) Jahrgang mit einem sehr gehaltvollen, glänzend illustrierten ersten Hefte, welches allen Freunden dieser verdienstvollen Revue die Gewähr bietet, daß sie, von der Gunst eines großen und intelligenten Leserkreises getragen, unentwegt ihr Ziel verfolgt. Haben schon die vorausgegangenen Jahrgänge immer einen beachtenswerten Fortschritt gezeigt, so gilt dies ganz besonders von dem jetzigen. Der gediegene Text umfaßt die Abhandlungen „Klassizität und Germanismus", „Das naturhistorische Museum in Paris" (mit prächtigen Abbildungen), „Langens Schwebebahn" (gleichfalls reich und interessant illustriert), „Tabellen für die Kalenderberechnung", „Photographien elektrischer Funken" (mit hervorragend instruktiven Photogrammen), „Der Pflug", „Die totale Sonnenfinsternis am 28. Mai 1900" usw. Das Heft zeigt einige Veränderungen gegenüber denen der vorangegangenen Jahrgänge, welche die Freunde der beliebten Halbmonatschrift gewiß befriedigen werden; der Haupttext ist nämlich beträchtlich! erweitert, während die Notizen übersichtlich (nach Wissensfächern) angeordnet sind. Alles in allem: Der neue Jahrgang des „Stein der Weisen" dürfte seine Vorgänger um ein bedeutendes Maß überragen und seine Popularität bewahren. Man verlange das 1. Heft als Probeheft in der nächstgelegenen Buchhandlung oder direkt von der Verlagshandlung (A. Hartleben's Verlag, Wien). Rösselsprung. Nachdruck verboten. Herr stein sanf nen edel sal sei und erst fen lich hell ter Hand auch rau könn das sein hen ihn sters fen glänzt des wohl ge dank te grif aber mei wenn schlif- Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Anagramms in voriger Nummer: E s e l — E l s e. Redaktion: ®. Burkhardt. — Send und »erlog der Brühl'schen UntdersttSts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch tt6en) in PieHeu.