r „Gemein- nd Heime", ein wahrer von uns ist landten oder Angehörigen Aufenthalt l gibt, aber rll in Frage lässiges Ver- ■ Persönlichen sind die . Während offen stehen, tanb, Beruf, i oder einen Verzeichnis erfreulicher- ags nur die it mehr als im nächsten ant sind die en Känig- je Kriegs- o reich illu- ek: „Jons nd Charlotte uschen- und lfsätzen noch ct und Bild : „Frauen- c den selb- ivrtrefflichen ;d, Holbein, vorzügliches entlichungen g Alfred I 23 Bogen. 'S „Vereins ehestet und orliegendem lgigkeit und Charakteren tngskunst u f jeden >orragenden chren seines reifen dem it, und die ten Eintritt Der Inhalt er werden, jang beson- ichhandlung ner: ießen. jij ii iina IIMM dUM s o u Adolf Wilbrandt. erzichte, verzage, Verzand're dich nicht! Bedenk', was bedächtig Der Weltweise spricht: Ergründe, ergrabe, Ergreife das Glück! Entflohen, entflogen, Kommt's nimmer zurück! (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) 'Gerade diese letzten Worte waren es, die der Stadtrat Sartorius und sein Sohn deutlich vernahmen, als sie an den beiden vorüber gingen. Ihr eigenes Gespräch hatte eine jähe Unterbrechung erfahren in dem Moment, da der Doktor Margaretens ansichtig geworden war. Denn mitten in einem begonnenen Satze hatte er inne gehalten, um mit dem Ausdruck unmutigen Erstaunens auf die junge Dame und ihren Begleiter zu starren. Ists sie einander ganz nahe gekommen waren, lüstete er grüßend seinen Hut, und auch der Stadtrat bequemte sich, wenngleich auf eine sehr steife, fast widerwillige Weise, zu dieser Höflichkeit. Margarete aber wandte sich kaum nach! ihnen um, und ihr Dank bestand einzig in einem sehr flüchtigen Neigen des Kopfes. Fester als zuvor preßte Walther die Lippen zusammen, und die kleine Falte zwischen! seinen Augenbrauen wurde noch tiefer. Mit einem zornigen, feindseligen Blicke streifte er Rudolf San- dorys gleichmütiges Gesicht, und alle Lust zum Sprechen schien! ihm vergangen zu sein, als er an seines Vaters Seite weiterging. Jetzt erst glaubte er ja die volle Gewißheit gewonnen zu haben) daß Margarete nichts von Reue über die bei seinem ersten Besuche an den Tag gelegte Unfreundlichkeit empfand, und er glaubte nun zugleich! die Erklärung dafür zu besitzen, weshalb ihr so wenig an einer Wiederbelebung der alten Freundschaft gelegen war. Gegen diesen 'Fremden aber, zu dem ihte schatten Augen! so voll leuchtender Bewunderung empor gesehen hatten', fühlte er, ohne ihn zu kennen, einen ingrimmigen Haß. Ob Rudolf Sandory von alledem etwas wahrgenommen hatte, verriet sich! in seinem Benehmen nicht. Er hatte mit der Antwort auf Margaretens letzte Aeußer- ung gewartet, bis die beiden Herren vorüber waren. Dann sagte e!c mit einer liebenswürdigen Offenheit, die etwas sehr Gewinnendes hatte: „Ich verkleinere mein Verdienst wahrhaftig nicht, liebes Fräulein, wenn ich mich dagegen verwahre, wegen dieser Bagatelle unter die Löwentöter und Drachenbezwinger .gezählt zu werden. Mein Wort darauf: wenn jetzt ein wütender Stier auf uns zukäme, oder etwa ein aus einer Menagerie entsprungener Elefant, so würde ich unter den allerersten sein, die das Hasenpanier ergreifen. Denn gegen einen Stier oder einen Elefanten vermöchte ich ohne Zweifel nicht das Geringste auszurichten, und ich unterscheide mich von einem wirklichen Helden, der sich ja blindlings in jede Gefahr hineinstürzen soll, eben dadurch, daß ich nie etwas wagen würde, was meine Kräfte übersteigt. Der kleine Junge, der mit der Gerte einen fauchenden Gänserich in die Flucht schlägt, verdient dafür sicherlich mehr Bewunderung , als ich für meine vermeintliche Großthat von vorgestern. Wäre der Gaul nicht so elend und so klapperdürr gewesen, daß ich gewiß sein konnte, ihn mit einem kräf- ttgen Ruck zusammen zu reißen, wer weiß, ob ich ihn nicht ruhig hätte laufen lassen." „Nein, das hätten Sie nicht gethan!" unterbrach ihn Margarete im Tone aufrichtigster Ueberzeugung. * „Und rch verstehe gar nicht, warum Sie durchaus für weniger hochherzig gelten wollen, als Sie sind." „So werden Sie mir's vielleicht auch nicht glauben, mein Fräulein, daß ich schon einmal mit vollem Bewußtsein dessen, was ich that, den Tod eines Menschen herbeigeführt habe?" „Nein, wahrhaftig, das glaube ich Ihnen nicht. Mit dem Bilde, das man fich gewöhnlich' von einem Mörder macht, haben Sie denn doch gar zu wenig Aehnlichkeit, Herr Sandory!" Um die bärtigen Lippen des Mannes huschte ein Lächeln. „Wieviel Entsetzen es Ihnen verursacht, das schreckliche Wort aussprechen! zu müssen. Aber Sie dürfen sich beruhigen. Ein Mörder von der Sorte, die alte Pfandleiherinnen totschlagen, oder nachts im Chausseegraben auf ein Opfer lauern, bin ich! auch wirklich, nicht. Und mein Gewissen, das ja wohl in solchen Fällen für die oberste Instanz gilt, spricht mich völlig frei. Die That- sach!e selbst freilich bleibt nichtsdestoweniger bestehen, und! ich muß wohl darauf gefaßt sein, in Ihrer Wertschätzung sehr tief zu sinken, wenn ich. Ihnen die Geschichte erzähle." „Dann sollten Sie es lieber nicht thun. Met ich bitt im übrigen ganz sicher, daß diese Wirkung nicht ein- treten! würde." — 618 — „Nun, wir werden ja sehen! Es war irgendwo in Rußland, wo ich mich eines Tages in sehr einsamer Gegend mit Schlittschuhlaufen ergötzte. Die Dämmerung war schon hereingebrochen, da sah ich einen betrunkenen Bauern, der aus das Eis geraten sein mochte, ohne es überhaupt zu wissen, dreißig Schritte vor mir geradeswegs in ein £otf): hineinlaufen, wie es die Fischer in den Flüssen offen zu halten Pflegen. Ich dachte mir's in meiner Unerfahrenheit nicht sonderlich schwer, den Mann zu retten, warf mich auf dem Rand der Oeffnung platt auf den Leib nieder und erfaßte auch glücklich seine Hände, mit denen er sich an der scharfen Eiskante festzuklammern versucht hatte. Aber als ich mich nun anstrengte, ihn herauszuziehen, wurde ich sofort inne, daß ich meine Kräfte weit überschätzt hatte. Ich brachte tf)u nicht um einen Zoll in die Höhe, und die Lage wurde im Gegenteil rasch für mich selber höchst bedenklich, da mich- der Mensch mit seinen verzweifelten Bemühungen, sich hinauf zu arbeiten, mit in das nasse Element hinab zu ziehen drohte. Ich bohrte die Spitzen meiner Schlittschuhe in das Eis und spannte alle meine Muskeln auf das äußerste an, um mich zu halten, aber ich spürte bald, daß ich das Verhängnis damit nicht lange würde aufhalten können; denn mein Körper fing an zu erstarren, und meine Arme starben ab. Die messerscharfe Eiskante schnckt tief in meine Handgelenke ein; die Anstrengungen des Ertrinkenden aber wurden immer fürchterlicher und wilder. -Da geschah es denn, daß der Trieb der Selbsterhaltung in mir stärker wurde, als meine opferwillige Nächstenliebe. Ich dachte nicht mehr daran, den Menschen zu retten, sondern nur noch daran, meine Hände von seinem eisernen Verzweiflungsgriff zu befreien. Und als ich eine von ihnen endlich 'losgerungen hatte, da — nun kommt das Schändliche, mein Fräulein! — da schlug ich mit der geballten Faust auf den Arm des Unglücklichen los, der die andere durchaus nicht fahren lassen wollte. Aus dem beabsichtigten Rettungswerke war ein richtiger Kanipf geworden, ein brutaler, unmenschlicher Kampf um mem eigenes Leben. Der Sieg blieb auf . Meiner Seite. Er ging unter wie ein Stein, und ich weiß nicht, wann man seine Leiche herausgefischt haben mag. Wahrscheinlich! würde ich in- einer ähnlichen Lage heute genau so handeln. Sie sehen also, daß es mit meinem vermeintlichen Helden- tume nicht weit her ist." Mit verhaltenem Atem hatte Margarete rhm zugehört. Es stand ihr auf dem Gesicht geschrieben, wie tief erschüttert sie durch seine Erzählung war. „Das ist furchtbar", sagte sie leise, und ihre Augen wagten sich nur scheu zu seinem ruhig lächelnden Gesicht zu erheben. „Wenn mir etwas derartiges geschehen wäre, ich glaube, die Erinnerung daran würde mich mein ganzes Leben hindurch Tag und Nacht verfolgen." „Glücklicherweise kommt man zu guterletzt doch- darüber hinweg. Aber ein fatales Andenken an die Geschichte trage ich allerdings mit mir herum. Eigentlich war es ja ein Wunder, daß ich mich damals nicht daran verblutet habe." Er hatte deN Mockärmel und die Manschette von dem rechten Handgelenk zurückgestreift, und mit einem kleinen Erschauern sah Margarete die Narbe, die gleich der Spur eines Säbelhiebes quer über seinen Unterarm ging. „Nun, mein liebes Fräulein", fragte er, „halten Sie mich jetzt nicht für einen abscheulichen, herzlosen Egoisten? Wenden Sie sich nach diesem Geständnis nicht voll tiefer Verachtung von mir ab?" Mit Entschiedenheit schüttelte Margarete den Kopf. „Nein! Sie hatten es ja sehr gut mit dem Manne gemeint, und es würde ihm doch auch keinen Nutzen gebracht haben, wenn Sie mit ihm ertrunken wären. Da Ihr eigenes Gewissen- Sie freispricht, darf sicherlich- auch- kein anderer einen Vorwurf gegen Sie erheben." Sandory neigte sich! ein wenig herab und sah der Sprechenden so bedeutsani in die AugeN, daß dem jungen Mädchen das- Blut in die Wangen stieg. „Ich danke Ihnen für dies gute Wort, Fräulein Margarete! Es ist eine Freisprechung, die mich glücklicher macht, als Ruhm und Schätze. Sie können gar nicht ahnen, ein wie reiches Geschenk Sie mir damit gemacht haben." ,,O, Sie legen meiner Aeußerung doch wohl zu großes Gewicht bei", stammelte sie verwirrt. „Was kann Ihnen schließlich an meiner guten oder schlechten Meinung gelegen sein! — Uebrigens muß ich mich hier verabschieden. Im Namen der armen Kinder danke ich! noch einmal für Ihre Spende. Adieu!" „Auf Wiedersehen bei dem Feste! Da wollen wir von angenehmeren Dingen plaudern als heute — nicht wahr?" Er hatte die kleine Hand, die sie ihm zögernd gereicht hatte, mit sehr warmem Druck umschlossen. Als er sie wieder sreigegeben, eilte Margarete mit beflügelten Schritten davon, und sie war unwillig über sich selbst, weil sie ihr Herz in so merkwürdig stürmischem Tempo pochen fühlte. Auf Rudolf Sandorys Gesicht aber blieb das heitere Lächeln auch dann, als er seinen Weg fortsetzte. Die kleine Mißstimmung, die ihn vorhin in Franz Norren- bergs Kontor beherrscht hatte, war offenbar vollständig verschwunden. Als er bis an! eines der alten, spitzbogigen Thore gelangt war, blieb er einen Augenblick zaudernd stehen; aber seine Unentschlossenheit war nicht von langer Dauer. Er zündete sich in dem windgeschützten Winkel eine Zigarette an Und schlug dann geradeswegs die Richtung nach! Norrenbergs elegantem Landhause ein. IN dem kleinen Vorgarten wäre er um ein Haar mit Georg Lengfeld zusammengeprallt. Der Staatsanwalt kam mit bitterbösem Gesicht aus der Villa und blieb auch nicht stehen, als er Sandory erkannte. Die Art, wie er in Erwiderung des artigen Grußes, der ihm von diesem zuteil wurde, an! seinem Hute rückte, war geradezu unhöflich zu nennen, und er warf die eiserne Garten- thür hinter sich zu, baf es klirrte. Lächelnd stieg Sandory die Stufen zur Einganas- thür empor und zog die Glocke. Das Mädchen, welches ihm öffnete, schien beauftragt, jeden Besucher abzuweisen, aber es war noch nicht über die ersten Worte hinausgekommen, als Dora selbst aus einem der Parterrezimmer trat. „Ah, Sie sind es, Herr Sandory! Dars ich Sie bitten, näher zu Preten? Mein Vater ist leider noch! in der Stadt." „Ich wußte es; denn ich! komme soeben voN ihm", sagte der Besucher, als sie in dem kleinen Salon allein waren. „Und ich empfinde in diesem Augenblicke beinahe etwas wie Gewissensbisse; denn ich fürchte, er sieht meine Besuche in seinem Hause nicht allzu gern." (Fortsetzung folgt.) Si-Rgan-Fu, die neue Hauptstadt Chinas. Von Heribert v. Hiller-Sternberg. Nachdruck verboten. Die kaiserliche Familie Chinas hat auf der Flucht vor den „roten Teufeln" ein großes Stück Land zwischen sich und die Expeditionstruppen der europäischen Mächte gebracht. Nicht weniger als volle 1000 Kilometer landeinwärts ist der eilige Rückzug gegangen bis nach Si-ngan-fu, der uralten Residenz der ersten chinesischen Dynastien und im Schatten der Ruinen, welche von einer viertausendjährigen Geschichte reden, können Kwang-sü und seine kaiserliche Tante Tsze-hsi „der liebevolle Wandschirm", wie eine ihrer unzähligen Titulaturen lautet, darüber nachdenken, wie sie nach- dem frevelhaften Völkerrechtsbruche dieses Sommers wieder zu einem annehmbaren Frieden mit den von ihnen so verachteten westlichen Mächten kommen. Die Nachricht, daß der chinesische Hof dauernd seine Residenz nach Si-ngau-fu verlegen wolle, ist zuerst als eine jener Flunkereien- aufgefaßt worden, mit welchen die chinesischen Machthaber Europa von -einer energischen militärischen Kraftentfaltung abhalten wollen, und das ist auch! ganz richtig, daß dieser Wechsel des Regierungssitzes die — 619 - Aussicht auf eine baldige Beendigung der chinesischen Wirren keineswegs verbessert, weil von einer Ausdehnung der militärischen Operationen bis tief hinein nach dem Herzen Chinas ohne ganz außerordentliche Kraftanstreng- ungen Europas, die sich nie bezahlt machen würden, gar nicht die Rede sein kann. Die chinesischen Machthaber! würden sich also ungefähr in der Lage der Russen gegenüber dem nach Moskan vordringenden Napoleon I. befinden, wenn sie die Seeprovinzen den Europäern einstweilen preisgäben und würden das blutige Spiel „Kämmerchen vermieten" im Westen ihres ungeheuren Reiches beliebig lange fortsetzen können, um, wenn den Europäern die Lust zum Nachsetzen vergangen, wieder nach Peking zurückzukehren. Immerhin muß man jedoch mit der Möglichkeit rechnen, daß es Mit der Verlegung der Residenz nach Si-ngan-fu ernst ist; denn es zeugt von einer etwas starken Naivität Europas, zu glauben, daß eine über 250 Millionen Seelen gebietende Dynastie freiwillig sich in eine Mausefalle hineinbegeben werde, zu welcher die Großmächte .Peking durch die Zerstörung der Befestigungswerke und die Verlegung starker europäischer Garnisonen dorthin umgestalten würden. Unter diesen Umständen ist es nicht ohne Interesse, zu betrachten, was die jetzt zur Hauptstadt erklärte Stadt in der Ebene des Wei-ho einstmals bedeutete und jetzt vorstellt. Um die Bedeutung Si-ngan-fus zu ermessen, muß man auf die Geographie und die älteste Geschichte Chinas zurückgreifen. Während das von Yang-tse-kiang durchflossene China sich in hundert und aber hundert bedeutende Thäler verästelt, deren Wasserläufe wie die größeren und kleineren Seitenrippen eines Blattes der Hauptrippe zustreben, sind die wasserkundlichen Verhältnisse des den Norden Chinas durchfließenden Hoang-Ho verhältnismäßig einfach. Der „unverbesserliche Fluß" — d. i. nämlich die wortgetreue Uebersetzung von Hoang-Ho — welcher im nördlichen Tibet am Nordostabhang des Bajancharaula, einer Parallelkette des Küen-lün, entspringt, macht, nachdem er mehrere, dicht nebeneinander liegende Quellseen durchflossen hat, eine gewaltige S-förmige Krümmung und erreicht bei Gui-de-tin die Grenze des eigentlichen Chinas, von wo er etwa 50 Deutsche Meilen genau gegen Osten fließt. Bei Lan-Tschou, der Hauptstadt Kaw-sus an der chinesischen Mauer, biegt er scharf rechtwinklig nach Norden ab, geht hundert Meilen weiter nördlich in die Ostrichtung über, die er durch etwa 70 Meilen verfolgt, wendet sich dann bei Toto genau nach Süden, welche Richtung er durch volle 100 Meilen beibehält, um bei Tunk-wan den von Westen kommenden Wei-ho aufzunehmen, der dicht bei dem ersten Knie des Hoang-ho entspringt, und dann in die weite Ebene seines Unterlaufes zu treten. In diesem nahezu 400 Meilen langen Oberlaufe nimmt er — außer dem schon genannten Wei-ho — keinen nennenswerten Nebenfluß von rechts auf, weil aus dieser langen Strecke die Gebirgszüge des Küen-lün den Strom begleiten und jenseits desselben die Wässer bereits dem Yang-tse-kiang zuströmen; auf der Nordseite hingegen treten weite, unbebaute Gebiete bis nahe an den Strom heran. Dank dieser Bodengestaltursg ist der obere Hoang-ho samt dem Wei-ho die Völkerstraße gewesen, auf der die moügollschen Eroberer vor etwa 4500 Jahren von den Hochebenen Centralasiens in das eigentliche China vordrangen, wo ebenso, wie in Japan, die Ainos, eine verweichlichte, wenig widerstandsfähige und des Krieges ungewohnte Urbevölkerung wohnte. Hier, wo sich eine starke Bevölkerung durch Ackerbau nähren konnte, war auch der von der Natur vorgezeichnete Platz sür die Entstehung einer großen Hauptstadt. Als üm das Jahr 3000 vor Christus die Urväter des „schwarzhaarigen Volkes" von den tibetanischen Steppen ans erobernd in China einfielen, gründeten sie an der Gabelung der genannten Flüsse, 10 Kilometer vom Wm-ho entfernt, das heutige Si-ngan-fu, das infolge seiner überaus günstigen Lage überraschend schnell emporblühte, und es ist ein Beweis für die Lebenskraft des Ortes, daß er die zahllosen Kriegsstürme, die ihn oftmals zerstört haben, überdauert hat und noch heute ein Gemeinwesen ist, das mit einer Million Einwohner vielleicht stark überschätzt sein mag, jedenfalls aber Äie halbe Million bedeutend überstergll Lex qu§ verbreiteten die großen chinesischen Monarchen wie Fuhi, Jao, Schun und Jü die Keime der Gesittung über ihr Reich, welches damals allerdings noch nicht die.Grenzen von heute hatte und nur die Stromgebiete des Hoang-ho und Yang-tse-kiang umfaßte. Sie begründeten die Kultur des Maulbeerbaumes und die Zucht der Seidenraupe, führten die Institutionen der Ehe bei den Urbewohnern ein, die vorher einem wilden Zusammenleben der Geschlechter gehuldigt hatten und schufen in der total versumpften Ebene ein großartiges Entwässerungssystem. Von letzteren Arbeiten zeugt noch heute im Altertumsmuseum von Si-ngan-fu eine Steintasel, die eins der merkwürdigsten Schriftstücke der Weltgeschichte ist und ihr Gegenstück allenfalls nur noch in der Trajanstafel am eisernen Thor an der Donau findet, vor welcher Inschrift sie aber den Vorzug des mehr als doppelt so hohen Alters voraus hat. Aus dieser Tafel, die eine Kopie der berühmten „In-Inschrift" an der Quelle des Hoang-ho ist, meldet Au, der Minister Yaors, wie er im Jahre 2200 vor Christus den Wassern des Gelben Flusses und anderen, die damals einen großen Teil Chinas zu versumpfen drohten, den geeigneten freien Ablauf verschafft habe. Ein anderes ebenso eigenartiges Monument dieser einzig dastehenden Sammlung von Altertümern ist eine im Jahre 1625 von den Jesuiten bei Fundamentierungs- ■ arbeiten gefundene Marmorplatte mit syrischen Worten in chinesischer Schrift und einem Kreuze, dem ältesten Dokumente des Christentums in China, welches von Nestorianern herrührt, die im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung über Persien bis hierher gelangten. Wenn Si-ngan-fu durch seine geographische Sage in politischer und kommerzieller Hinsicht ungeheure Vorzüge hatte, so mußte es als natürlicher Mittelpunkt des Landes auch stets der Schauplatz zerstörender historischer Ereignisse sein. Etwa 20mal niedergebrannt und immer wieder neu aufgebaut, war es bevorzugte Stätte des großen Religionsfehden des Ostens und fah ein Ereignis in seinen Mauern, welches an die Verbrennung der päpstlichen Bannbulle durch Martin Luther erinnert; denn hier ließ im 3. Jahrhundert vor Christus der Kaiser Tsin-tschi-wanti, der Erbauer der großen chinesischen Mauer, ein Monarch, dessen Ruhm bis nach dem altklassischen Rom drang, die verfehmten Bücher des Confueius verbrennen. In späteren Zeiten hat dann die Stadt der Welt einmal das gewiß recht eigenartige Schauspiel geboten, daß sich hier zwei Dynastien, die der Tang und der Sung sehr gut miteinander vertrugen. Das heutige Si-ngan-fu hat als Handelsplatz fast noch eine größere Bedeutung als früher. Radienartig breiten sich von hier wohlgepflegte Handelsstraßen nach Norden, Osten und Südwesten aus; ein natürlicher Paß-, der einzige aus 150 Meilen Länge, führt von hier nach der ebenso fruchtbaren wie volkreichen Provinz Hu-peh, und eine Kunststraße, die sich auch vor europäischen Ingenieuren sehen lassen kann, führt nach der Perle Chinas, der Provinz Sze-tschuan. Der äußere Anblick Si-ngan-fus ist freilich kein besonders anmutender. Die innere Stadt, welche ein drei und einen halben Kilometer langes und zwei Kilometer breites Rechteck bildet, wird von einer 12 Meter hohen, mit Türmen gekrönten Mauer umgeben, die zwar recht drohend aussieht, für die Sprenggeschosse einer europä- isch-en Artillerieabteilung aber nur ein vorübergehendes Hindernis sein würde. Im Innern aber zeigt sie heute nach mehr als 40 Jahren noch die frischen Spuren, welche die Taipingrebellion hier hinterlassen hat. Noch im Jahre 1872 legten hier die Aufrührer zahlreiche Paläste in Trümmer, und zwischen den Gärten und Feldern, welche breite Flächen innerhalb der Umfassungsmauern einnehmen, ragen die traurigen Ueberreste der Zerstörung. In der Mitte erhebt sich der ebenfalls sehr verwahrloste kaiserliche Palast, ein von Mauern umgebenes Rechteck mit Parken und zahlreichen einzelnen Gebäuden, welche jetzt das Gouvernement und den kaiserlichen Vizekönig beherbergen. Wie weit die Stadt schon gegen Westen liegt, zeigt sich am deutlichsten in der Thatsache, daß hier bereits 50000 Muhamedaner wohnen, welche acht Moscheen besitzen und den größten Teil des Durchgangshandels an sich gerissen haben, im übrigen sich aber an Frenrdenseindlichteit von den Bekennern Buddhas, Con- su-tses und Lao-tses kaum unterscheiden. Gegen Westen zu ist Si-ngan-fu jedenfalls der letzte Ort, der sich zur Regierung des großen Reiches eignet, vom politischen Gesichtspunkte vielleicht aber auchj gleichzeitig der günstigste. Von hier aus steht der Dynastie, wenn sie wirklich eine europäische Expedition im nächsten Frühjahr zur weiteren Flucht zwingen sollte, der Süden offen, der ztvar eine große Zahl reichbevölkerter Städte enthält, der aber bisher in fast vollständiger politischer Unabhängigkeit von der Zentralregierung gelebt hat, da seine Vizekönige, abgesehen von den Tributen an die kaiserliche Kasse, hier nahezu als selbständige Souveräne regierten. Der Handel von Si-ngan-fu ist sehr bedeutend; denn hier vertauscht der Norden Chinas seine Produkte gegen die Erzeugnisse des Südens. Von den zentralasiatischen; Hochebenen, aus Turkestan, Tibet und Kuldscha kommen Rhabarber, Moschus, Arzneipflanzen, Opium, Wolle und Pelze, aus Hu-peh und Ho-nan Zucker, Honig, Seide und andere Gewebe und aus Tsche-kiang und Sze-tschuan der Thee, von dem zu gewissen Zeiten des Jahres Hunderttausende von Zentnern hier lagern. Ein wohlangelegtes Eisenbahnnetz, das die jetzigen primitiven Transportmittel sofort'verdrängen würde, müßte Si-ngan-fu binnen kürzester Frist zum Chicago des Ostens machen. Geinsinrintzigss. Diesjährige Rosenneuheiten. Im Versuchsgarten des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau wurden über 70 diesjährige Rosenneuheiten angepflanzt, und berichtet der-Pfleger des Versuchsgartens, Redakteur Steffen, in der neuesten Nummer über diese Neuheiten. Danach! haben sich bis jetzt gut bewährt und sind empfehlenswert: Joao Borges Vieira (kupferbroncefarben), Vicomtesse R. de Savigny (kupfrigrosa), Amateur Teyssier (zartrosa) — ist im Ratgeber abgebildet! — Bessie Brown (zartweiß), Marguerite Jurin (dunkelrosa), Admiral Dewey (reinrosa), Conrad Ferdinand Meyer (La France-rosa). — Rosenfreunden sei der ausführliche Bericht empfohlen — die betreffende Nummer wird umsonst von dem Geschäftsamte in Frankfurt a. Oder zugeschickt. Isür die Küche. Karpfen in Rotwein. Ein großer oder zwei kleinere Karpfen, zusammen im Gewicht von 2,5—3 Wo werden getötet — wobei man das Blut derselben in Essig aussängt und mit diesem verquirlt — in Hälften geteilt, gewaschen, in Stücke geschnitten. Nun belegt man den Boden einer passenden Kasserole mit Zwiebelscheiben, Gewürz, Pfeffer, Salz aufstreuend, ein Lorbeerblatt und einige Zitronenstückchen zufügend. Zuerst legt man die Kopfstücke, dann den übrigen Fisch hinein, dazwischen einige Schwarzbrotrinden, 125 Gramm Butter und füllt so viel Rotwein auf, daß das Ganze von demselben bedeckt ist. Nachdem der Fisch ziemlich weich geworden ist, nimmt man ihn aus der Sauce, rührt das Karpfenblut hinzu, gießt 15 Gramm Fleischs-Extrakt, Zucker nach Geschmack hinein, schlägt die Brühe durch ein Sieb, giebt sie zurück in die Kasserolle und läßt den Fisch noch kurze Zeit darßn durchziehen, nicht kochen. Es wird derselbe mit der Sauce zusammen angerichtet. Lttterarisches. «hinefksche Sprache, Schrift und Litteratur. Von Ferd. Heizt. Berlin 1900. Hugo Bermühler Verlag. Preis geh. Mk. 1.50. Wennschon die chinesischen Wirren, obgleich sie uns weit näher angehen, bei uns nicht entfernt der Teilnahme begegnen, welcher sich der Burenkrieg — vornehmlich in seiner ersten Hälfte — zu erfreuen hatte, so regt doch die neuerliche leidige Berühmtheit der bezopften Söhne des Reiches »er Mitte manchen an, sich mit der Geschichte ihres Reiches und Volkes vertraut zu machen. Die vorliegende Heiglffche Schrift, — ein Sondep- abdruck aus des Verfassers größerem Werke: „Die Religion und Kultur Chinas", — will diese Kenntnis vermitteln. Wir müssen unumwunden zngeben, selten auf so beschränktem Raume soviel Interessantes und Wissenswertes in klarer und übersichtlicher Weise zusammengedrängt gesehen zu haben, und können nur jedem, der an der Geschichte jenes einstigen Trägers hoher Kultur Anteil nimmt, raten, sich den Inhalt gedachter Schrift zu eigen zu machen. Wer ein Volk verstehen will, der muß mit ihm leben; dazu bildet Heigls verdienstvolle Arbeit die goldene Brücke. Möchte sie nicht vergebens geschlagen sein. Bdt. Mein Himmelreich. Bekenntnisse, Geständnisse und Erfahrungen aus dem religiösen Leben von Peter Rosegger. 26 Bogen 8°, broschiert Mk. 4.—, geb. Mk. 5.—. L. Staackmann, Verlag, Leipzig. Das Eingreifen des steirischen Dichters in die religiöse Bewegung seines Landes ist so bekannt, hat weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus so viel Aufsehen erregt, daß die Herausgabe dieses Buches förmlich eine Notwendigkeit geworden ist. Man findet in ihm in klaren, eindrucksvollen Worten die intimsten Gedanken Roseggers über die verschiedensten Probleme des religiösen Lebens niedcrgelegt, und der Freimut, mit dem hier manches gesagt wird, was wohl bisher noch niemand offen ausgesprochen hat, dürfte in evangelischen wie katholischen Kreisen überall berechtigtes Aufsehen, das gleiche tiefgehende Interesse, erregen. Für den Gebildeten, der von einem Buche nickt nur Unterhaltung, sondern auch Anregung und Erhebung des Geistes verlangt, wird es in diesem Jahre kaum ein wer tvolleres Weihnachtsbnch geben, wie das einzig dastehende neue Werk Peter Roseggers. Die „Neue Musik-Zeitung", illustriertes Familienblatt (Verlag von Carl Grüninger Stuttgart), erfreut sich seit lange der gleichen ungewöhnlichen Verbreitung unter dem gebildeten kunstsinnigen Publikum überhaupt, wie in den fachmännischen Keifen. Diese volkstümliche Beliebtheit in der ganzen musikalischen Welt erklärt sich in der unvergleichlichen Reichhaltigkeit und Gediegenheit deffen, was sie an belehrendem und anziehendem Stoff jeder Art und in jeder Form beständig zu bieten weiß. Für diese ihre altbewährten Vorzüge bildet auch ihr letztes Quartal (das dritte des XXL Jahrgangs) aufs neue die beste Probe. Dasselbe bringt wieder neben einer Reihe fachwissenschaftlicher Abhandlungen und kritischer Besprechungen über Neuerscheinungen auf den verschiedensten musikalischen und litterarischen Gebieten in reichster Fülle biographische Skizzen und Gedenkbätter nebst getreuen Porträts, allgemein interessierende Studien und Aufsätze, wie über Beethovens Charakter, I. S. Bach als Erzieher, über den musikalischen Teil deS Oberammergauer Passionsspiels, die Kunst auf der Pariser Weltausstellung, New Dorker Straßenmusik, Münchner Theaterverhältniffe vor hundert Jahren, Musik und Politik etc., ferner einen bisher unveröffentlichten Brief von Richard Wagner im Faksimile, eine fortlaufende Novelle von L. Habicht, reizvolle Plaudereien und Skizzen, eine Menge Notizen, sowie allerlei Feuilletonistisches aus der Musik- und Theaterwelt, künstlerisch ausgeführte Illustrationen, einen bunten Strauß gewählter Texte für Liederkomponisten, endlich 24 Seiten Musikbeilagen bestehend aus Klavierstücken (darunter ein Rondo des 13jährigen Beethoven), feinsinnigen Liedern, Duos für Violine oder Cello und Klavier von namhaften Komponisten. Letztere repräsentieren allein den mehrfachen Betrag des Abonnementspreises von nur 1 Mark pro Vierteljahr (8 Nummern). Erwähnt sei auch der von jeher besonders geschätzte und in weitestem Umfang in Anspruch genommene Briefkasten der Redaktion, der u. a. auch den angehenden Komponisten und Schriftstellern unter den Abonnenten förderlich fein will. — Probenummern versendet an Jntereffen- ten jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie der Verlag selbst auf Verlangen kostenfrei. Zifferblatträtsel. Nachdruck verboten. I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII An Stelle der Ziffern des Zifferblattes sind die Buchstaben AA, DD, EEE, K, L, NN, R derart zu fetzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1—3 altjüdischer Stamm. 1—4 Ausdruck der Erkenntlichkeit. 2—6 Teil der Schiffsausrüstung. 4—7 Teil der Frucht. 5—8 weiblicher Vorname. 7—11 kleines Instrument. 8—11 Stand. 8—12 weiblicher Vorname. 11—2 Gestalt der griechischen Sage. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: In der Ha be Inder, Hader, Hain, Habe, Bein. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brthl'schen Universitätk-Buch- und Tteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.