'Lj - to. 123. Donnerstag-en 30. August W^WWWK 1S~ JEchallllnzsblalt M MeßenerAiyeiger «Gmewl-AnMes» rrrffPH^^1 können wir dabei wohl aus dem Spiel lassen, 5zerr von Kapmst", erwiderte sie mit einer Ge- mes/enheit, die ihn offenbar sehr unangenehm enttäuschte sn^rfrF,AnU-kter klölt ihre Mittagsruhe, und Fräulein von Marschall ist augenblicklich beschäftigt, so erklärt es sich auf sehr einfache Weise, daß Sie zunächst mit mir vorlieb hna«n mi-^eiL ®ie werden ja begreifen, daß wir auf LLLffLA"- Ruches feit langem ,ficht mA stützte sich mit beiden Händen auf ihren schrechtisch; denn es .wurde ihr dunkel vor den Augen ' ben ®°ben unter ihren Füßen schwinden "3<& verstehe Dich nicht, Charlotte", brachte sie mit hervor. „Sind es Soldaten, von denen Du sprichst? Und wer — wer ist an ihrer Spitze?" Noch war das Fräulein von Menzelius zu sehr von jubelnder ^Freude über das unverhoffte Ereignis erfüllt Äs? dre iahe Veränderung in Elisabeths Aussehen und Benehmen sogleich hatte wahrnehmen sollen. frtrFi+p gJ1' "Uders als der Leutnant von Kapnist!" lachte sie „Er macht uns den Besuch, den er in itraf- wurdlger Unhöflichkeit so lange hinausgeschoben hat, jetzt GHhJrr°$em- ®efoif9e- er sieht prächtig aus in seiner Kurassieruniform auf dem hochbeinigen Rappen. Aber tdi werde wich wohl hüten, es ihm zu sagen. Erst muß er >* Verzeihung sauer erringen, bevor ich — doch wa ist das — was hast Du, Elisabeth? Du bist ja kreide- weiß^geworden - Du zitterst -" 1 J we toefirroL ^on Lasdehnen machte eine ab- SmbBeT0Uv9' btre alle weiteren Fragen ab- £mbwirrnIIte;-*Per ?re "berreizten Nerven gehorchten! Wollen nicht mehr, und ein krankhaftes Schluchzen Sttertechren schönen Leib. In der nächsten Sekunde i»tte ßr*m^«c^en ®rmcn umschlungen und ^h^, voll ängstlicher Bestürzung in die Augen. „Mein Gott, ich ahnte nicht, daß es Dicht so auf- a?rttnmrbe’r miä)i Skaubcn lassen, daß er Freude?^ gleichgiltig sei. Aber es ist doch nur die Mit aller Energie, die sie noch aufzubieten ver- stch^nä vung Elffabeth nach Fassung. Sanft machte sie sich aus der Umschlingung ihrer jungen Freundin los. mir Me Freude! Aber sage ' ^ksarlotte, hast Du bereits mit ihm gesprochen?" „Aem. Ich hörte vom Garten aus das Pferdei getrappel, und als einer auf dem Höfe schrie: „Die Kü- I hia fip6 Evwmen!" da versteckte ich mich hinter das Portal, Und dan^^9^"?, Ovaren, daß ich ihn erkennen konnte. "vch ehe er meiner ansichtig geworden war ^ksich herauf, Drr die Neuigkeit zu verkünden. Da sieh 'Pr b?«?Eenlos Nachgebende zum Fenster hm, »er rst mrt fünf Mann ttt den Hof geritten und steiat eben sus dem Sattel. Findest Du nicht auch«, daß er viel schöner aussieht, als damals in Küstrin?" kommen — rr tritt ins Haus —; er wird herauf- . wird sich bet mir melden lassen. Und ick! kann ihn rn diesem Augenblick noch nickt emtifnnnpn • fimge Minuten wenigstens muß ich Zeit habe^mZ zu sammeln. Wenn Du mich lieb hast, Charlotte ch geb Qanst nbA“tte l?ntoäre es auch'nur für ganz turze Zett. Ich werde Drr den Freundickaitsdienst niemals vergessen, den Du mir damit erzeigst." I . bedarf dazu weder einer so dringenden Bitte noch ernes Dankes, Elisabeth! Ich, verstehe Deine S I regung recht gut, und ich begreife auch-, daß Du sie ibm nicht zeigen mochtest. Sei versichert, daß ich thun werde was ich vermag, um- für Dich Zeit zu gewinnen." •r5atte- bvs mit ganz tonloser Stimme aesprockeu mechanisch wie wenn sie eine auswendig qelerrrte Lektion hersagte, und während sie hinausging killt sie ! r0b^Ä^klich so, daß Elisabeth ihr Gesicht nicht sehen konnte. Als sie die Thür hinter sich zugezogen hatte blieb ^..schwer atmend eine Minute lang stehentote fa Plötzlichem Schwachegefühl an den Pfosten lehnend Ein Iporenklir^nher Schrrtt und das Rasseln eines Säbels ber Stiege her schreckte sie auf. Noch einmal preßte sie beide Hände auf das Pochende Ler? wie ersticken wollte- bnuu » r*n heilten oder llck ersebuwu ärb," T9 fte tapfer dem so lange heimlich ersehnten Ankömmling entgegen. in Helle? Treud?wu^!" rief der Leutnant von Kapnist iu yeuer Freude, sobald er ihrer ansicktia wurde bau Sie die Erste sind, die mich empfängt' Auf dem ganzen Wege hatte ich mir's so gewünscht, und ich nehme Wunsch Erhört?" ^°"bedeutung, daß der Himmel meinen enn wir die Schattenseiten der Menschen kennen lernen wollen, brauchen wir sie nur im Sonnenschein des Glücks zu sehen- dann werden sicherlich auch die Schatten nicht fehlen. __ ______Eötvös. (Nachdruck verboten.) Geächtet. Roman von Lothar Brenkendorf. (Fortsetzung.) «w 490 „Wen« es nur auf mich angekommen wäre, Fräulein Charlotte, so hätte ich ihn gewiß nicht bis heute ausgeschoben. Aber es giebt verwünscht strengen Dienst bei meinem Regiment, und wer weiß, wie lange ich mich noch in unbefriedigter Sehnsucht hätte verzehren können, wenn mir nicht das Wohlwollen meines Obersten die ehrenvolle Mission verschafft hätte, in deren Ausführung ich mich jetzt hier befinde." „Es ist also nicht einmal Ihr eigener Wille, der Sie zu uns geführt hat, Herr Leutnant?" „Sie wissen, Fräulein von Menzelius, daß ein Soldat überhaupt nicht oft in der glücklichen Lage ist, einen eigenen Willen zu haben. Der Dienst nimint keine Rücksicht aus die Regungen unseres Herzens, und wir sind nach dieser Richtung hin die mitleidswürdigsten Kreaturen aus Erden"'. „Nun, es freut mich zu sehen, daß die unbefriedigte Sehnsucht wenigstens Ihrer leiblichen Gesundheit keinen Abbruch gethan hat. Wäre es übrigens unbescheiden, nach der Beschaffenheit Ihrer wichtigen Mission zu fragen?" „Sie hoffen natürlich, daß Sie Gelegenheit finden werden, sich über mich lustig zu machen, nachdem ich! es Ihnen gesagt habe. Damit aber ist es diesmal nichts; denn es handelt sich wirklich um eine Sache von großer Bedeutung. Ich befinde mich gewissermaßen auf dem Kriegsfüße, Fräulein Charlotte! Es gilt, eine Bande gefährlicher Marodeure aufzuheben, die hier in der Umgegend ihr Wesen treiben soll, und ich hoffe, die Kerle werden es uns nicht allzuleicht machen. Es wäre ewig schade, wenn es dabei ohne ein paar tüchtige Scharmützel cib tritt 9 „Seit wann sind Sie so schrecklich blutdürstig, Herr von Kapnist? Es wird allerdings eine gewaltige Helden- that sein, wenn Sie mit Ihren fünfhundert Kürassieren eine Handvoll Landstreicher besiegen." „Wußte ichs nicht, daß Sie nur darauf bedacht sein würden, mich zu verspotten? Aber wie in aller Welt kommen Sie aus fünfhundert Kürassiere ? Meines Wissens sind es ihrer kaum neunzig, selbst wenn ich meine eigene Wenigkeit, wie sichs gebührt, für drei zählen will. Unserer Gegner werden es nicht viel weniger sein, und sie sind jedenfalls nicht zu verachten. Lauter altgediente Soldaten, die im letzten Kriege mehr als einmal Pulver gerochen haben. Natürlich werden wir sie besiegen; ganz so rühmlos aber, wie Sie annehmen, wird dieser Sieg doch nicht sein." „Nun, ich werde nicht ermangeln, Sie zu beglückwünschen, wenn Sie als lorbeergekrönter Held vom Schlachtfelde heimkehren. Aber Sie haben doch wohl nicht erwartet, die Räuberbande hier auf Lasdehnen zu finden und sich unter den Fenstern unseres Hauses Ihren ersten Lorbeer zu erkämpfen?" ~ , ,Nein. Meine Einkehr auf dem Gute des Fräuleins von Marschall hat allerdings einen anderen Zweck, und Ihre Frage erinnert mich daran, daß ich zunächst meine dienstlichen Obliegenheiten zu erfüllen habe. Giebt es hier niemand, der mich bei dem gnädigen Fräulein melden kann?" Zu seiner Verwunderung erhielt er von Charlotte nicht sogleich eine Antwort. Sie hatte sich von ihm abgewendet und blickte zum Fenster hinaus. Wenn ihn schon die Seltsamkeit ihres bisherigen Benehmens, das statt der alten, harmlos gutmütigen Spottlust eine herbe, verletzende Schärfe zeigte, stark befremdet hatte, so fand er für dieses lange Schweigen auf eine so naheliegende und unverfängliche Frage vollends keine Erklärung. Zuletzt hielt er es für nötig, sie durch ein respektvolles Räuspern an seine Anwesenheit zu erinnern, und nun kehrte sie ihm allerdings mit einer hastigen Bewegung ihr Gesicht wieder zu. „Entschuldigen Sie, Herr von Kapnist", sagte sie in einem ganz veränderten, sehr ernsthaften Ton. „Ich selbst werde sogleich Ihre Anmeldung besorgen. Aber zuvor — zuvor möchte ich Ihnen noch etwas sagen. Ich bedarf Ihrer Verzeihung; denn ich habe mich einst eines großen Unrechts gegen Sie schuldig gemacht." Nun fiel er aus der ersten Verwunderung jäh in eine noch größere zweite. „Meiner Verzeihung — Sie, Fräulein Charlotte? Aber ich weiß wirklich nicht — jedenfalls kann ich. Sie versichern, daß ich Ihnen niemals etwas übel genommen habe." „Sie können ja auch bis jetzt gar nicht ahnen, um was es sich handelt. Ich — ich habe Sie einmal belogen — abscheulich belogen." Der Leutnant wurde rot, wie wenn sie die Beschuldigung nicht gegen sich selbst, sondern gegen ihn erhoben hätte. „Ach, das ist nicht Ihr Ernst. Dessen sind Sie ja gar nicht fähig." । „Vielleicht könnte ich einiges zu meiner Rechtfertigung anführen, zum Beispiel, daß ich selber mich damals in einem Irrtum befunden. Aber das ist nun ganz gleich- giltig, und wenn Sie künftighin recht schlecht von mir denken wollen, so werde ich Sie nicht daran hindern. Die Hauptsache ist, daß Sie wenigstens jetzt endlich die Wahrheit erfahren." „Aber wenn ich nur begriffe —" „O, Sie begreifen es längst — Sie müssen es begreifen, wenn Sie nur ein klein wenig Nachdenken wollen. Erinnern Äe sich nur des Gespräches, das wir vor einem Jahre in Küstrin miteinander führten — damals, als Sie mich allein angetroffen hatten — in der Gartenlaube —" „Meinen Sie etwa jenen Morgen, an dem Sie mich verhinderten, die größte Narrheit meines Lebens —" „Nennen Sie es nicht so!" unterbrach sie ihn hastig. „Zehn Jahre meines Daseins wollte ich darum geben, wenn Sie damals nicht den unglücklichen Einfall gehabt hätten, mir Ihr Vertrauen zu schenken." Der schmerzliche, beinahe verzweifelte Klang dieses Stoßseufzers machte ihn nun doch ein wenig besorgt. „Aber was in aller Welt können Sie denn da Schlimmes gethan haben !Es war doch ohne Zweifel nur die lautere Wahrheit, als Sie mir sagten —" „Nein, das war eben nicht die Wahrheit", fiel sie ungestüm ein, ohne erst das Ende des Satzes abzuwarten. „Ich glaubte es freilich selbst, aber das ist keine Entschuldigung für meinen Leichtsinn. Und ich würde das elendeste Geschöpf unter der Sonne sein, wenn es jetzt zu spät wäre, wieder gut zu machen, was ich an jenem Tage gesündigt." Der Leutnant starrte ziemlich fassungslos in ihr erregtes Gesichtchen. „Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich darauf antworten soll. Sie wollen mir doch nicht etwa die Meinung beibringen, daß Fräulein von Marschall meiner Werbung Gehör geschenkt haben würde?" „Fragen Sie sie selbst, dann werden Sie Gewißheit darüber erhalten." „Aber es fällt mir gar nicht ein, sie zn fragen. Ich habe nicht das geringste Interesse daran. Habe ich doch inzwischen längst eingesehen, daß jene Heiratsidee nichts als eine Thorheit gewesen." „Sie lieben Elisabeth also gar nicht mehr? Sie wollen sie verschmähen? O, das ist schrecklich — schrecklich!! Und ich wollte, ich wäre tot!" Sie schlug die Hände vor das Gesicht und begann bitterlich zu weinen. Ihre Thräneu und die augenfällige Echtheit ihres Kummers brachten den armen Kapnist vollends in Verwirrung. Er trat auf sie zu und beugte sich voll hilfloser Teilnahme zu ihr nieder. (Fortsetzung folgt.) Grüne Bohnen. Gastronomische Plauderei von Th. V. G a l l. Nachdruck verboten. Kaum ein anderes Gemüse erfreut sich der Gunst des modernen Kulturmenschen in so hohem Grade wie die grüne Bohne. Und das mit gutem Recht; denn sie ist schmackhaft und zart, und muß, auf die richtige Weise zubereitet, wohl oder übel jedem munden. Dabei ist sie, wenigstens bei schon etwas vorgeschrittener Sommerszeit, so wohlfeil, weil häufig in Feld und Garten, daß sie auch auf den Tisch des ärmsten Haushaltes gelangen kann. Kurzum, in unseren Breitengraden darf sie gewissermaßen 491 als das Allerweltsgemüse der augenblicklichen Küche angesehen werden, und sie spielt in den Sommermonaten, cm« gefangen vom Juli, und über diese hinaus bis in den Herbst hrnern, was ihre Beliebtheit und Vorbereitung betrefft, etwa die gleiche Rolle wie die wohlfeilen Kohlarten, Zumal das Sauerkraut, nachher im Winter bis wieder Zum degrnn des Frühlings. Ich kenne Familien, in denen allwöchentliche bestimmt einmal grüne Bohnen auf den Trsch kommen, ohne daß ein einziges Mitglied jemals des- wegen murrte ober mit geringerem Behagen dem so häufig wrederkehrenden Gerichte Zuspräche. Woher dies Gemüse stammt, dürfte ungemein schwer Sicherheit nachzuweisen sein. Nur soviel steht fest, daß die Kulturvölker des Altertums Bohnen überhaupt ganz bestimmt nicht kannten. Weder bei den Schmausereien, des Feinschmeckers Lukull, noch später auf der Tafel <5 r^?l*<%n,6äfaren toar sie anzutreffen, und die mittelalterliche Klosterküche, der wir so viele köstliche Schüsseln verdanken, meldet gleichfalls nicht das mindeste von ihr. Um so häufiger wird sie bald nach der Entdeckung Amerikas erwähnt: der Schluß liegt also nahe, daß man der großen Seefahrt des kühnen Genuesen, wie so vieles andere so auch diese Frucht zu verdanken habe. Wahrscheinlich ist also ihre Heimat Zentralamerika. Noch heute wird sie nirgends in Europa, so häufig angebaut wie gerade in also demjenigen Lande, das sich vermöge seiner politischen Beziehungen zuerst und vorwiegend die wirtschaftlichen Erzeugnisse des neuentdeckten Erdteils sichern Upd anderseits können wir uns selbst bei aller Vorliebe für grüne Bohnen kaum eine Vorstellung machen, rn welcher Gunst dies Gemüse in Mittelamerika bei der gesamten Bevölkerung steht. In Mexiko beträgt der Jahresverbrauch für den Kopf nahe an hundert Kilogramm. Man genießt dort ausschließlich ein Gartenerzeugnis, die sogenannte schwarze Bohnen (frijoles). Freilich sollen Boh- nen auf mexikanisch zubereitet so köstliche munden, daß sie Mit Fug und Recht als ein Leckerbissen allerersten Ranges angesehen werden dürfen. Habs und Rosner schildern dies Gericht in ihrem allerliebsten „Appetit-Lexikon" folgendermaßen: Me frijoles werden zunächst langsam und lange tn Salzwasser ab gekocht, dann, nachdem das Wasser abgeschuttet worden (das in Mexiko geradezu für giftig gilt!), mit Schmalz und zerstoßenen Pfefferschoten einge- fchmort und endlich mit Zwiebeln ober Knoblauch ein wenig gewürzt. Bei uns werben zumeist zwei Haupttypen gezogen, die Stangenbohne mit einem drei bis vier Meter langen, sich windenden Stengel, der durch einen Halt unterstützt werden muß, und die Zwerg-, Krieche oder Buschbohne, deren charakteristische Wesenheit schon durch die Bezeichnung genügend angedeutet wird. Die ersten grünen Bohnen sind selbstverständlich entsprechend teuer, aber auch überaus zart, sodaß sie gewissermaßen auf der Zunge zergehen. Ebenso unvorteilhaft für den Genuß ist die sich schon dem Reifeprozeß nähernde Schote. Holzig, stark mit Gefaser durchsetzt, dabei streng schmeckend und zugleich ziemlich schwer verdaulich sollte sie als Nahrungsmitel des Menschen überhaupt nicht in Betracht kommen. Nichtsdestoweniger sendet man leider heute fast alles auf den Markt, was überhaupt noch das Aussehen eines Genußmittels hat, und es giebt auch genug Hausfrauen, die so wenig bewandert sind in den Grundgesetzen des Einkaufs, daß sie solche Bohnenschoten erstehen und auf den Tisch bringen. Der gleiche Vorwurf, und zwar recht ernst zum Ausdruck gebracht, trifft auch gar manche unserer Konservenfabriken. Diese verwenden nicht selten ein Material, das ganz und gar nicht mehr die Bezeichnung „grüne" Bohnen verdient. Oder zum mindesten war man bei der Zurichtung sorglos oder geradezu fahrlässig. Oftmals muß derjenige, der solches Gemüse zu essen beabsichtigt, die ein« zelnen Stückchen geradezu aus einem Gewirr von Fäden heraussuchen. Es ist eben Fabrikware mit all dem herben Tadel, der in dieser Bezeichnung angedeutet ist, die uns aufgetischt wird. Me Hausfrau wird gut thun, sich gewissen Konservefabriken gegenüber künftig durchaus ablehnend zu verhalten. Vielleicht empfiehlt es sich, auch, daß die Gesundheitspflege den betreffenden Firmen entsprechend schärf auf die Finger sieht. Was die Zubereitung dieses Gemüses angeht, so ist es felbstverständlich nicht möglich, auch nur annähernd sämtliche Methoden hier aufzuzählen, geschweige denn eingehender zu schildern. Einer großen Beliebtheit erfreuen sich grüne Bohnen, zusammengekocht mit Hammelfleisch oder entern Stück saftigen Rindfleische Me norddeutsche Küche, dre mit Vorliebe Hering zu diesem Gericht giebt, stattet es gleichfalls mehr oder weniger reichlich mit einer Zuthat von Pfesferkraut aus, und es existiert eine ganze Reihe von Familien, denen grüne Bohnen ganz und gar nrcht munden, wenn sie nicht zuvor diese Würze erhalten In Westfalen thut man beim Kochen dieses Gemüses einige säuerliche Aepsel hinzu. Die Zusammenstellung ist durch^- aus Nrcht,übel und verdient, auch außerhalb der roten Erde nachgeahmt zu werden. Ueberhaupt muß man wohl mit Recht die Meinung jener Koch,kundigen hören, die behaupten, daß die übertriebene Würze mit Pfefferkraut den den an sich so zarten und lieblichen Wohlgeschmack der grünen Bohnen, zumal der ersten im Jahre, geradezu erwürge. Sehr zu empfehlen ist dies Gemüse rn der Art angerichtet, wie es in Italien geschieht. Me jungen, möglichst kleinen Bohnen werden sorgfältig geputzt und abgefädet. Dann wäscht man sie, gesellt sie wie Spargel zu einander in Bündchen und legt sie in kochendes Salzwasser. Hier verbleiben sie so lange, bis sie gerade weich geworden sind. Sie werden dann genauso wie Spargel angerichtet, also mit zerlassener Butter übergossen. Als Zuspeise giebt man Schinkenschnitte oder geräucherten LachD. Etwas Parmesankäse über dies Gemüse gestreut, verleiht diesem jenen pikanten Geschmack, den der Italiener an dieser Schüssel unter allen Umständen verlangt. Auch die Franzosen stellen grüne Bohnen auf eine ganz bestimmte Weise her. Damit sie nämlich recht schnell weich werden, thut man gern ein winziges Stückchen Soda in das Kochgeschirr. Herausgenommen kommen sie in ein Sieb zum Ablaufen; danach in eine Kasserolle, wo sie in einer Mehlschwitze und gewürzt mit etwas Pfeffer und feingewiegter Petersilie, gut durchdämpfen müssen. Unbedingt nötig für den zu erzielenden Wohlgeschmack ist ein stetes ganz allmähliches Zugießen von einem Schuß Fleischbrühe. Wer diese nicht zur Hand hat, bediene sich einer Lösung von Liebigs trefflichem Fleischs-Extrakt, der, wie in vielen Fällen, so auch hier, vorzügliche Dienste leistet. Wie gesagt: grüne Bohnen kann man bis in den Herbst hinein haben. Manz muß nur sämtliche Schoten an der Pflanze fortpflücken, sodaß auch nicht eine einzige zurückbleibt. Dann fährt nämlich, jene fort, immer und immer neue Blüten zu treiben und junge Schötchen anzusetzen. Anderseits jedoch läßt das Blühen nach, wenn nicht diese Art und Weise des Einerntens befolgt wird. Ebenso soll man von Zeit zu Zeit an eine neue Aussaat gehen. Sowohl Stangen- als auch Buschbohnen kann man noch in der ersten Hälfte des Juli in bereits abgeerntete Beete legen. Diese müssen zu diesem Zwecke frisch umgegraben, dürfen aber keinesfalls gedüngt werden. Im allgemeinen kann man von Stangenbohnen länger ernten als von Buschbohnen. Ich sagte schon oben, daß ich von Konservebohnen im großen Ganzen keine sehr gute Meinung habe, ohne daß es darum nicht dennoch ganz bestimmte Fabriken grebt, die eine ausgezeichnete Ware liefern. Wer selber grüne Bohnen konservieren will, der kann freilich mit hinreichender Sorgfalt zu Werke gehen. Sehr zweckmäßig ist die folgende Methode. Man zieht von den Schoten in üblicher Weise die Fäden ab und kocht die ersteren dann leicht in Salzwasser ab. Hierauf werden die Schoten durch die schmale Seite von unten nach: dem Stilende zu in reichlich: dreiviertel ihrer Länge eingeschnitten und dann auf ausgespannte gäben zum Trocknen aufgehängt. Nach einigen Tagen sind die Bohnen so dürr, daß sie bei einer Berührung der Fäden rasseln. Sie werden nun in Blechbüchsen oder Gläsern aufbewahrt und halten sich: Jahre hindurch. Ein weiteres Verfahren besteht in dem Konservieren in Essig. Man putzt möglichst zarte Schloten, thut ie in Salzwasser, hebt sie nun heraus und trocknet sie ab. Bester Weinessig, etwas fester Zucker, ein Beutelchen das Zimmet, Nelkenblüten und Gewurzkörner enthält, muß gut aufkochen und sorgfältig abgeschäumt werden. Hier hinein giebt man nun die trockenen Bohnen, die gleichfalls einige Male aufkochen müssen und dann mitsamt dem 492 übrigen Inhalt in ein Porzellangefäß gegossen werden. Mehrere Tage hindurch werden die Bohnen stets von neuem aufgekocht und zuletzt in Gläser gefüllt, um, sobald sie erkaltet, mit Pergamentpapier Überbunden und ausbewahrt zu werden. Der Gewürzbeutel wird selbstverständlich vorher entfernt. Auch die konservierte grüne Bohne kann ganz ebenso mannigfaltig wie die frisch vom Strauch gepflückte verwendet werden. Vor allem liefert sie einen ganz vorzüglichen Salat, -vorausgesetzt natürlich, daß man zarte, junge, fleischige Schoten zur Verfügung hat. Schließlich will ich noch nach Kohlhammer die Methode wiedergeben, die wohl die allgemein übliche sein dürfte , Die Bohnen werden entsadet, möglichst gleich große ausgesucht, dann in Salzwasser gebrüht,, nun in Büchsen, Einmachgläser, Töpfe oder Flaschen eingeschichtet. Hebet die Bohnen schüttet man ziemlich starkes Salzwasser (aus 10 Kilo Bohnen ein halbes Kilo Salz), bis es über dem Eingemachten zusammenläuft. Nun wird luftdicht verschlossen, entweder mit Patentver- schlüß oder mit Schweinsblasen oder eventuell auch mit Pergamentpapier. Das Konservengefäß wird jetzt so verschlossen ins Wasserbad gestellt und dort mindestens eine Stunde lang gleichmäßig gekocht. Nachher läßt man die Konserven mit dem Wasser erkalten. Sitzt der Deckel des Konservenglases fest, auch wenn man den Verschluß öffnet, oder sinkt die beim Dünsten gebildete Blase (bei Verschluß mit Schweinsblase) beim Erkalten ein, so kann das Verfahren als gelungen bezeichnet werden. Der Verschluß muß völlig luftdicht sein. Beim Dämpfen thut man gut, wenn man die Flaschen oder Gläser mit Stroh oder mit einem Tuch umwickelt, und wenn das Erwärmen allmählich geschieht. Zu große Gefäße dürfen niemals genommen werdens das ist ein Kardinalsatz, an dem beim Konservieren von Bohnen unter allen Umständen festgehalten werden muß. Geinernirniziges. Viel zu wenig werden in Deutschland die Häuser mit edlen Reben bepflanzt — so manche von der Sonne voll beschiedene Südwand harrt vergeblich des Weinstocks, der sich an ihr aufranke! Wie kommt das? Abgesehen von dem gemütlichen Anblick, den solch grüne Rebe einem Hause von außen und innen verleiht, sind doch Trauben, die uns im Herbste ins Zimmer hinein wachsen, ein köstliches Ding. Wohl mag oft Gleichgiltigkeit der Grund sein, daß man passende Wände nicht mit Weinreben bepflanzt, noch häufiger aber wird die Urfache zu suchen fein in dem oft beobachteten Mißerfolge: man sieht so häufig kleine, sauere Trauben an den Spalieren und verliert die Lust am Weinstock. Der Mißerfolg wird verursacht einmal durch fälsche Sortenwahl: meistens pflegt man sich überhaupt nicht um die Sorte M kümmern,>m'an pflanzt, was man vom Gärtner bekommt, und dieser verkauft, was er hat. Daun aber fehlen die Kenntnisse, wie man den Weinstock zu behandeln hat — inan läßt ihn wachsen, schützt ihn im Winter gegen Frost, bindet ihn int Frühjahre wieder aus, schneidet dabei weg, was zu dicht steht, das ist alles! Der Weinstock aber verlangt, um süße Trauben zu erzeugen, einen verständigen Schnitt, der nicht schwer zu erlernen ist; besonders jetzt im Sommer müssen Spalierreben gründlich und sachgemäß geschnitten werden. In der neuesten Nummer des „Praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau", die von dem Geschäftsamt dieser Wochenschrift in Frankfurt a. O. auf Wunsche gern umsonst zugeschickt wird, lehrt einer unserer besten Kenner des Weinbaues, Pastor Seippel, den Sommerschlnitt in Worten und vortrefflichen Abbildungen. Vielen dürfte gerade jetzt mit den klaren Erklärungen gedient sein. Einlegen von Salzgurken. Nicht zu große, noch nicht gelb gewordene, fehlerfreie Gurken werden einige Stunden in kaltes Wasser gelegt, mit einer weichen Bürste gereinigt, in reinem Wasser abgespült, mit einem Tuche getrocknet und bann lagenweise mit Dill, Blättern von der sauren Kirsche, Weinlaub und einigen unreifen Weintrauben in Fässer eingelegt. Neue Fässer müssen vorher mrt heißem Wasser ausgebrüht und so lange mit Wasser ausgelaugt werden, bis dasselbe geschmack- und geruchfrei bleibt; bereits gebrauchte Fässer (etwa Weiusässer) müssen vorher ausgebrüht und ausgeschwefelt werden. Ist das Einlegefaß dicht vollgepackt, so setzt man den Deckel ein, füllt dasselbe durch das Spundloch mit kaltem Salzwasser (auf 9 Liter 400 Gramm grobes Salz) an und überläßt es mit offenem Spunde bei Zimmerwärme der Gährung, indem man durch etwa erforderliches Nachgießen dafür sorgt, daß das Faß stets mit Salzwasser gefüllt ist. Nach vollendeter Gährung verspundet man, wenn das Salzwasser einen entsprechend sauren Geschmack angenommen hat, das Faß und hebt es in einem kühlen Keller auf. Um das Hohlwerden der Gurken zu verhüten, müssen sie. bei dem Einlegen mit einer Gabel durchstochen werden. Es ist, wie gesagt, grobes Salz zu nehmen; hat man nur feines zur Verfügung, so ist die oben genannte Quantität (400 Gramm auf 9 Liter) um ca. 100 Gramm zu erhöhen. Um die Gurken etwas pikanter von Geschmack zu machen, kann man noch zusetzen: getrocknete Lorbeerblätter, Nelken, schwarzen Pfeffer, Nelkenpfeffer und eine Stange Meerrettich, der in kleine Würfel gehackt wurde. Recht reichlich Dill und Weinblätter genügen übrigens, um schmackhafte Salzgurken zu erzielen. Lktterarisches. Ernährung und Volksnahrungsurittel. Sechs Vorträge ge kalten von Professor Dr. Johannes Frentzel. Mit 6 Ab bildungen int Text und 2 Tafeln. Geh. 90 Psg., geschmackvoll geb. Mk. 1,15. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wiffenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 19 Bändchen.) Das vorliegende Bändchen der unsern Lesern bereits vorteilhaft bekannten Sammlung begrüßen wir mit größter Freude, da einer unserer hervorragendsten Universitätslehrer dieses jedermann interessierende Thema in anziehender, allgemein verständlicher Weise darstellt. In knapper Form wird zunächst ein Bild der gesamten Ernährungslehre gegeben. Es werden die Begriffe, „Körperstoffe", „Näbrstofse", „Nahrungsmittel", „Nahrung" klargelcgt und die hierher gehörenden Gruppen gemäß ihrer Wichtigkeit ausführlicher behandelt. Hieran schließt sich die Betrachtung der Zubereitung unserer Nahrung. Des weiteren wird der gesamte Verdauungsapparat besprochen und im einzelnen die chemische Wirkung der verschiedenen Verdauungssäste lMnndspeichel, Magensast, Bruchspeichel, Galle, Darmsaft), wie die mechanische Aufgabe der Teile des Verdauungstraktes erörtert. Im Anschluß daran bringt der Verfasser die hierbei notwendigen Untcrsuchungsmethoden (Stoffwechselversuche, Respirationsapparat, Kalorimeter) zur Sprache und erläutert dieselben durch Demonstrationen und Beispiele. Sodann wird gezeigt, wie man unter Berücksichtigung der Zusammensetzung der Nahrungsmittel imstande ist, das Kostmaß, d. h. den Nahrungsbedarf eines Menschen für 24 Stunden, festzustellen. Die beiden letzten Vorträge handeln von den Bolksnahrungs- mitteln, d. h. solchen Nahrungsmitteln, mit Hilfe deren auch der weniger Bemittelte sich gut und reichlich ernähren kann. Hierauf folgt die eigentliche Besprechung der Nahrungsmittel, und zwar teilt der Ver- sassir dieselben ein in solche, die vorwiegend als Eiweißträger, solche, die hauptsächlich als Fettträger, und solche, die in erster Linie als Kohlehydratträger in Betracht kommen. Jedes einzelne Nahrungsmittel wird den wesentlichen Punkten nach genau besprochen. Ein kurzes, aber umfassendes Kapital behandelt hierbei die Herstellungsmethoden der Konserven. Erläuternde Abbildungen und Tabellen erhöhen den Wert des Bändchens. Wir wünschen dem nützlichen Werkchen, welches sich bei einem niedrigeren Preise durch vorzügliche Ausstattung auszeichnet, eine recht weite Verbreitung. _______________ Logogriph. Ein kluges Volk, einst mächtig und reich, Erfand mich, so melden die alten Sagen. Ein Zeichen änd're: als Futter sogleich Verschwind ich in manchem Tieresmagen. m. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel, Treff; b — Grün, Pique; o — Rot, Coeur; d — Schellen, Carrcau; A = 31$; TT = Unter, Wenzel, Bube; D = Dame, Ober.) Im Skat lagen c TJ und c K. Vorhand hatte a Z, aD. aK, a A, b 9, b U, b K, b A, c A, d 7, Hinterhand die übrigen. Verlauf des Spieles: Vorhand ersteht aus den aufgedeckten Karten von Mittelhand, daß die anderen d-Blätter im Besitz von Hinterhand sein bezw. im Skat liegen müssen, und spielt infolgedessen: 1. bis 4. Stich der Reihe nach ihre a-Blätter, ferner: 5. und 6. Stich die b-Farbe ans, sodaß Hinterhand ihre d-Blätter abwerfen kann und der Spieler den 7. Stich, nämlich: 7. B. d 7 M. d8 H. beliebig erhält. Rebeltieu: $. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitätt-Buch- und Kreindruckerei (Pietsch Erben) in Giejeu.