1900. MMß --.iLSSA. »2 S? ic Zeit ist schnell, noch schneller ist das Schicksal; Wer feig des einen Tages Glück versäumt: Er holt's nicht ein und wenn ihn Blitze trügen! Körner. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Noe. (Fortsetzung.) Der eine Geschäftsführer, welcher jetzt den Erfolg der Durchsuchung vernahm, sagte mit großer Entrüstung und so laut, daß alle Anwesenden es hören konnten: Schutzmann, führen Sie sie fort, und die Gerechtigkeit soll ihren Lailf haben, denn wir wollen alle Unehrlichkeit ans unserem Geschäft ausrotten. Kommen Sie, sagte der Schutzmann, indem er rauh die Hand auf ihre Schulter legte. Wohin? fragte sie fast betäubt. Nun, natürlich auf das Polizeibureau erwiderte er ungeduldig. O, das kann nicht Ihre Absicht feilt. Kommen Sie! Kommen Sie! Machen Sie keinen Unsinn und keine Geberden! Sie wußten wohl, daß die Polizei und das Gefängnis am Ende der Straße sind, die Sie eingeschlagen haben. Diebe werden immer früher oder später entdeckt! Wenn Sie sich widerspenstig zeigen, wird es nur schlimmer für Sie sein. Kann ich — kann ich nicht ein Wort nach Hause schreiben? O nein, jetzt nicht. Ihre Genossinnen müssen alle morgen vor Gericht erscheinen. Sie blickte sich hilfesuchend um, aber auf jedem Gesicht sah sie nur Abscheu und Feindschaft. Es ist alles vergeblich, murmelte sie. Es scheint, als ob die ganze Welt und Gott selbst gegen mich sei. In verzweifelter Ergebung folgte sie dem Schutzmann hinaus in das Lampenlicht der Straße, in den wilden Märzsturm, der sie dem Gefängnis zutrieb. Heda! Sehen Sie sich doch vor! schrie der Schutzmann einen Vorübergehenden an, welcher, den Schirm gegen den Surtm geneigt, auf den Schutzmann zurannte. Der Schirm wurde zurückgezogen und vom Sturm den Händen Roberts entrissen. In dumpfer Betäubung blickte er in ihr weißes Gesicht. Endlich war ein Augenblick gekommen, wo ihr seine Begegnung angenehm war. O, Mister Atword! rief sie, sagen Sie den Meinigen zu Hause, daß ich unschuldig bin! Was bedeutet diese Niederträchtigkeit? rief er in einem Tone, daß der Schutzmann nach, seiner Waffe griff. Das bedeutet, daß ich Sie arretieren werde, wenn Sie sich noch mit einem Wort einmischen! Gehen Sie weiter! Kümmern Sie sich um Ihre Sachen! Miß Howell, erklären Sie mir, sagte er ernst, ohne einen Zoll zu weichen, und die wenigen Vorübergehenden begannen sich um die Gruppe zu sammeln. Sie dürfen nicht mit der Verhafteten hier auf der Straße sprechen, sagte der Diener des Gesetzes rauh und wenn Sie nicht aus dem Wege gehen, so wird es Ihnen leid thun! Bitte, ziehen Sie nicht die öffentliche Aufmerksamkeit noch mehr auf mich! bat Mildred hastig. Sie können nichts thun! Ich bin falsch angeklagt worden, — sagen Sie das zu Hause. Er stellte sich rasch auf ihre Seite und flüsterte ihr zu, sie sollte keinen Augenblick allein sein. Ich werde folgen und Ihre Unschuld beweisen. Wie ein Blitz zuckte die Szene, die er am Abend zuvor beobachtet hatte, durch feine Erinnerung. Nun fort, rief der Schutzmann, oder —! Aber der junge Mann war schon weiter gegangen. Er wandte sich jedv'ch bald wieder um und folgte Mildred, bis sie durch die Thür des Polizeibureaus eingetreten war. Der Sturm war so heftig, daß niemand seinem Beispiel folgte. Er war jetzt ruhiger. Nachdem der Schutzmann, der die Verhaftung vorgenommen hatte, das Bureau wieder verlassen hatte, trat Robert ein und wandte sich an den Sergeanten hinter dem langen Schreibtisch. Ich bin ein Freund von Fräulein Howell, sagte er sehr höflich, der Dame, welche soeben verhaftet worden ist. Ich möchte nichts thun, was der Vorschrift widerspricht, aber wenn es möglich wäre, möchte ich sie sprechen und für ihre Bequemlichkeit sorgen, soweit es angeht. Wollen Sie so freundlich sein, mir zu erklären, wie weit das erlaubt ist? Nun, es ist ein ernster Fall, und der Beweis ist überzeugend. Die gestohleiien Waren sind bei ihr gefunden worden, und die Geschäftsinhaber verlangen, daß mit aller Strenge verfahren werde. Die Geschäftsinhaber können nicht wünschen, daß sie grausam behandelt werde, und wenn auch, so haben Sie doch nicht die Wünsche dieser Leute auszuführen, bemerkte Robert. Ihre Freunde bitten nur um gute Behandlung und Gerechtigkeit innerhalb der Grenzen der Vorschriften. Außerdem haben wir Mittel, ihre Unschuld zu beweisen, und ich erlaube mir, Ihnen zu versichern, daß sie von Geburt und Erziehung eine Dame ist, obgleich ihre Familie verarmt ist. Sie hat einflußreiche Freunde. 58 Roberts Worte und Benehmen hatten ^augenscheinlich Eindruck gemacht. ' Ja, erwiderte der Beamte, das habe ich schon bemerkt, daß sie nicht von gewöhnlicher Art ist. Und Sie haben wohl auch gesehen, daß sie zart und schwächlich ist? Ja, das auch, und wir sind gern menschlich gegen Gefangene. Sie können ihr etwas Abendessen und, Bettzeug senden, und wenn Sie an sie schreiben wollen, so ist das erlaubt, aber was Sie schreiben, muß dem Leutnant vorgelegt werden. Ich erwarte ihn jeden Augenblick. Robert schrieb hastig: Fräulein Howell! Ihre Freunde sind überzeugt von Ihrer Unschuld, und ich glaube, wir werden im stände sein, sie zu beweisen. Es hängt viel davon ab, daß Sie Kraft und Mut bewahren. Es wird Ihnen Bettzeug gesandt werden, und ich hoffe. Sie werden das Abendessen nicht zurückweisen, welches bald gebracht werden wird. Ich habe immer geglaubt, daß Sie das tapferste Mädchen der Welt seien, und jetzt, wo so viel von Ihrer Haltung und Kraft abhängt, bin ich überzeugt, daß Sie die Bemühungen Ihrer Freunde unterstützen werden. Mit vollster Hochachtung Ihr Robert Atword. Der Leutnant, welcher bald erschien, hatte nichts gegen diesen Brief einzuwenden und versprach, ihn Mildred zu senden. Darauf begab sich Robert in das nächste Restaurant und bestellte ein einladendes Abendessen, welches er mit einer Tasse Kaffee so rasch durch den Sturm trug, daß alles noch heiß in Mildreds Zelle gebracht wurde. Dann nahm er eine Droschke und fuhr rasch nach ihrer Wohnung. Howell war glücklicherweise abwesend, denn Mildreds natürlicher Beschützer würde die Sache schlimmer gemacht haben. Wenn die Wächter des Gesetzes die herabgekommene und verfallene Gestalt gesehen hätten, so würden sie darin eine Erklärung für das Verbrechen gesehen haben, dessen Mildred beschuldigt war. Aber ein Besuch von Frau Howell konnte einen ganz anderen Eindruck machen, und er beschloß, sie auszufordern, ihn ganz allein nach dem Polizeibureau zu begleiten. Es ist unmöglich, den Kummer der unglücklichen Frau zu beschreiben, welcher sie fast vernichtete, aber auf Roberts Aufforderung raffte sie sich bald auf, um ihr Kind zu verteidigen. Aus seinen Rat kleidete sie sich so viel als möglich wie eine Dame, deren Erscheinung und Wesen von ihr unzertrennlich waren. Mit Mühe überredete er die weinende und entrüstete Bella, bei den Kindern zu bleiben, denn er wußte, daß sie viel zu aufgeregt war, um mit der Polizei sich zu verständigen. Bald erreichten fte das Polizeibureau, und der wachthabende Sergeant Be^tüßte sie höflich. Als er aber ihren Wunsch erfuhr, erwiderte er: Nein, Sie können sie nicht früher sehen, als bis sie morgen vor Gericht geführt wird. Auf die Bitten der Mutter und Roberts Vorstellungen erwiderte er ungeduldig: Glauben Sie, ich werde die Vorschriften mißachten? Sie können indessen warten, bis der Leutnant wiederkommt. Es blieb ihnen deshalb nichts weiter übrig, sie setzten sich nieder und warteten. Während die Mutter leise weinte, versank Robert tief in Gedanken. Endlich kehrte der Leutnant zurück. Hier ist die Mutter des verhafteten Mädchens, sagte der Sergeant, sie wünscht Sie zu sprechen. Nun, was giebt es, fragte der Polizeileutnant etwas rauh, aber sein Wesen wurde Milder, als er die zarten Züge der Bittenden erblickte, welche ihre alten Reize noch nicht verloren hatte und beredt von dem unaussprechlichen Gram einer Mutter sprachen. Seien sie unbesorgt, fügte er etwas freundlicher hinzu, wir sind nicht unmenschlich und nicht hartherziger, als unsere Pflicht es verlangt. Endlich brach Frau Howell aus: Wenn Sie ein Herz haben, so lassen Sie mich zu ihr! Man hat sie beschuldigt, morgen soll es bewiesen werden. Noch vor einem Jahr hatten wir eine schöne,: glückliche Heimat, und meine Tochter einen Vater, den alle achteten. Wir hatten Unglück, aber meine Tochter ist schuldlos! Kann ich sie nicht sehen, wenigstens für einen Augenblick, um ihr ein Wort des Trostes zu bringen? Sie könnte wahnsinnig werden aus Angst! Es ist ein schrecklicher Irrtum vorgefallen, rief Robert, als er sah, daß der Polizeileutnant unschlüssig wurde und die Mutter wohlwollend ansah. Angesehene Leute werdeü gern Zeugnis dafür ablegen, daß Fräulein Howell einer unehrlichen That unfähig ist. Ich muß ihnen sagen, erwiderte der Beamte scharf, daß eine solche negative Aussage nur wenig Wert hat gegen die positiven Thatsachen des Falles. Ach, lassen Sie mich mein Kind sehen! rief Frau Howell in leidenschaftlichem Tone. Seine Skrupel schwanden. Führen Sie sie hinab! sagte er zu dem Sergeanten. Als Mildred im Begriff war, in das Polizeibureau einzutreten, hatte sie sich umgeblickt, und zum erstenmal in ihrem Leben in der Hoffnung, Robert zu sehen. Dann hatte er ihr zugewinkt, und sie wußte, daß er alles für sie thun werde, was in seiner Macht stand. Jetzt fühlte sie sich getröstet durch den Gedanken, daß nicht die ganze Welt gegen sie sei. Sie wußte auch, daß er ihre Blutter und Bella von der entsetzlichen Angst wegen ihres-Ausbleibens befreien, und Mister Wentworth zu Hilfe rufen werde, aber daß er irgend etwas wußte, was das Geheimnis erklären könnte, hielt sie nicht für möglich. Sie war so elend und niedergeschlagen, daß sie in eine Art Betäubung versank. Ein Gefängnis war für sie ein Ort namenloser Schrecken, denn die Romane, die sie in früheren Jahren gelesen hatte, beschrieben sie als mittelalterliche Burgverließe. Von dem prosaischen Charakter eines modernen Gefängnisses wußte sie nichts, und beim Anblick der eisernen Gitter sank sie trostlos auf die alte, hölzerne Bank. Bei jedem Laut fuhr sie zusammen. Es war noch früh am Abend, und sie war die erste Gefangene, und der Gedanke, daß bald noch andere schreckliche Gestalten hereingeführt werden könnten, versetzte sie in Angst. Sie fürchtete den folgenden Tag, da sie sich nicht denken konnte, was zu ihrer Rechtfertigung gegen die schreckliche Anklage vorgebracht werden könnte, und dachte mit Entsetzen daran, daß ihr Name in den Zeitungen erscheinen werde, daß Miß Wetheridge vor ihr zurückschrecken würde. Was sollte aus der Familie werden ohne sie, wenn ihre Unschuld nicht bewiesen werden konnte? Sie befand sich in tiefster Verzweiflung und hatte keine Thränen mehr. In diesem Augenblick wurde ihr Roberts Brief gebracht, der von neuem ihren Mut hob. Die Hoffnung erwachte wieder, und sie küßte leidenschaftlich das Papier. Wenn er meinen Namen vor Entehrung schützen kann, murmelte sie, wenn er meine Lieben vor Armut und Schande dadurch retten kann, so will ich jedes Opfer bringen, das er verlangen kann. Ich will meine alte Liebe vernichten, und wenn auch mein Herz brechen sollte, so will ich dennoch sein treues Weib werden. Ach, wenn er doch Bella anstatt meiner lieben würde! Aber gewiß wird es mir gelingen, meinen alten, süßen Traum, der nie mehr als ein Traum war, zu vergessen, und wenn auch Jahre darüber hingehen sollten, so werde ich doch endlich den Gedanken an denjenigen überwinden, der während aller dieser traurigen Monate mir kein Wort zukommen ließ. Ein weibliches Herz kann sich nicht gegen Vernunft und Dankbarkeit und die heilige Pflicht, die sie den Ihrigen schuldet, verschließen. Aber kann Robert irgend etwas Bestimmtes zu meinen Gunsten erfahren haben? Es scheint unmöglich! Ach, ich fürchte, es ist eine leere Hoffnung! Mildred! ries eine bekannte, geliebte Stimme. Der Schlüssel knirschte im Schloß, und im nächsten Augenblick lag sie an ihrer Mutter Brust. Mildred erzählte ihrer Mutter alles, was vorgefallen war, und Frau Howell sprach ihr Vertrauen auf Robert aus. Du darfst den Mut nicht verlieren. Wir werden Dir alle beistehen, und auch Mister Wentworth, der Geistliche, wird da fein)'. Wo ist Papa? fragte Mildred. Ich weiß nicht, erwiderte Frau Howell mit einem tiefen Seufzer. - , Ach, Mutter, es ist sehr traurig, aber es wäre viel besser, wenn er nicht erscheinen würde. Gewiß, erwiderte die: Mutter. Und nun lebe wohl! Gott erhalte Dich! Sei ohne Furcht! Ich kann jetzt nicht länger bleiben! Die Zeit ist um, rief der Wächter. Sage Mister Atword, daß ich ihm tief verpflichtet bin 59 auf bte Augen. Gegen das Brennen der Augen (infolge von Studium u. s. w.) hilft Waschen oder Baden mit Fenchelwasser. — Fenchel ist also eines der vorzüglichsten I berer Leiben im Gefolge haben. „Leute, bte an Blähungen uttb Gasen zu leiben haben", sagt Vater Kneipp, „haben I große Unruhe in ben Gebärmen, fühlen oft ein gewaltiges I Kollern, sinb ziemlich stark aufgetrieben, uub nach oben unb I unten gehen viele Gase ab, worauf es ihnen leichter wirb. Sinb bte Anhäufungen von Gasen stark, so bewirken sie bet bent einen Angst; ber anbere bekommt gern Schwinbel, Kopfweh ober auch anbere liebel: Schlaflosigkeit, Seitenstechen, Kreuzschmerzen unb selbst hochgrabige Nervosität I u. s. w. Wie sich bie Gase schwächer ober stärker ansammeln können, so können sie sich auch berart steigern, baß eine gefährliche Krankheit, bte Winbkolik, entsteht, bei welcher eine starke Ausbehnung bes Darmes stattfinbet, bte heftigsten Schmerzen sich fühlbar machen, unb ein Zerplatzen bes Darmes zu befürchten ist. Die Schmerzen I finb groß, unb bie Entleerung ber Gase ist unmöglich". Hier ist es vor allem ber Fenchel, allein ober mit Anis unb I Kümmel, welcher schnell bie Schmerzen nimmt, unb bent Kranken große Erleichterung bringt, unb zwar muß ber Avsub ganz heiß getrunken werben. In Milch gesotten, ist Fenchel noch bebeutenb wirksamer; auch sechs bis acht Tropfen Fenchelöl, in warmem Wasser eingenommen, bringen rascheste Hilfe. Gegen Magenkrämpfe, Leibgrimmen unb innere Erkältungen giebt es kein besseres Mittel als Fenchelmilch, so warm wie möglich genossen. Fenchel, in ber Milch gesotten, bient auch bazu, biefe selbst verbau- kicher zu machen. Wenn manche magenschwache Personen bie reine Milch gar nicht vertragen, so ist sie bvch mit einem Zusatz von Fenchel ziemlich leicht bekömmlich, unb ein Gerinnen im Magen ausgeschlossen. Fenchelmilch ist auch von befonberem Nährgehalt, unb sollte barum von I sehr blutarmen unb herabgekommenen Personen häufig, aber in kleinen Portionen, zur Stärkung unb Blutbilbung genossen, werben. Weiter wirkt Fenchelmilch außerorbent- lich wohlthätig bei Schleim- unb Wechselfieber, welch letzteres beshalb so gefürchtet ist, weil oft ein so schneller Verfall ber Kräfte eintritt, baß bas Enbe meist plötzlich unb unversehens hereinbricht. Bei asthmatischen Zustänben unb Krampfhusten eignet sich zur Lösung bes Krampfes von innerlichen Mitteln hauptsächlich toieber heiße Fenchelmilch. Auch wenn es sich barum handelt, ben Körper rasch in Schweiß zu bringen, namentlich bei beginnenber Influenza, >st Fenchelmilch vorzüglich. Dieses einfache Mittel war in früherer Zeit bei berartigen Zuständen stets in Gebrauch und genügte infolge des darauf eintretenden reichlichen Schweißes tn den weitaus meisten Fällen, um den unangenehmen Gast in kurzem los zu werden. „Ich kann mich nicht erinnern, daß wegen der Grippe (Influenza) jemals em Arzt geholt wurde. Sie ging bei dieser Behanblungs- weise ganz unschädlich vorüber", sind Vater Kneipps eigene Worte. Noch auffälliger ist die Wirkung des heißen Fenchelabsudes oder der Fenchelmilch bei Cholerine und Cholera, wo durch reichliche Schweißerzeugung und Stillung des Erbrechens bald jede Gefahr beseitigt wird. Auch heftiger Durchfall muß bei Anwendung des Fenchels, als Absud in Milch ober Rotwein gekocht, weichen. Zu gleichen Teilen, mit Anserine unb Raute vermischt, giebt ber Fenchel einen vorzüglichen Thee bei krampfartigen Zuständen unb Schwinbelanfällen; mit Angelika unb Augentrost angesetzt, bilbet berselbe ein wirksames Magenmittel. Ein Teil Fenchel mit zwei Teilen Foenum graeeum vermischt, ist vorzüglich gegen Blutspeien, Verstopfung, innere Hitze unb Blasenleiden. Mit Honig unb Milch giebt er ein Mittel gegen Husten, Magenverschleimung unb Auszehrung ber Kinber. Mit Wermut unb Wacholberbeeren hält Fenchel auf Reisen ben Magen in Orbnung. Auch als husten- stillenbes Mittel finbet ber Fenchel Verwenbung; als Gurgelwasser gebraucht, heilt er rauhen Hals unb Heiserkeit. Schließlich bars nicht unerwähnt bleiben, baß Fenchelabsud unb Fenchelmilch, innerlich genossen, bei Vergiftungen sehr gute Dienste leisten. Zu Hilfe! schrie Milbreb, rasch! Der Manu am Ofen sprang auf! Dort! Sehen Sie! — Rasch! Rasch! Der Wächter begriff sogleich, öffnete bie Thüre unb burchschmtt bie Kleibungsstücke, an welchen bas Mäbchen sich aufgehängt hatte. Bald erwachte sie toieber zum Leben unb überschüttete ihn mit Flüchen. Ohne barauf zu achten, beobachtete er sie jetzt aufmerksam, bis sie in Stumpfsinn verfallen zu sein schien. Fortsetzung folgt. Fenchel, Kümmel und Anis. Nachdruck verboten. Diese drei Pflanzen ans der Familie der Dvlden-Ge- wächse kommen wild nur im südlichen Europa, auf sonnigen, steinigen Anhöhen vor, werden aber vorwiegend sowohl dort wie auch im übrigen Europa als Gewürzpflanzen in Gärten gezogen. Ihre heilkräftigen Wirkungen sind im allgemeinen die gleichen, weshalb sie auch häufig miteinander vermischt gebraucht werden. Allen voran steht ber Fenchel. Wegen seines angenehm gewürzhaften Geschmackes wirb bie Frucht bes Fenchels ebenso wie jene bes Kümmels beim Einmachen bes Sauerkrautes unb bei ber Zubereitung des Topfenkäses als Beigabe Oertoenbet. Zu Heilzwecken kommt ber Fenchel erstens äußerlich als Augenwasser in Betracht. Man nimmt zu biefent Zwecke auf einen Viertelliter Wasser einen Kaffeelöffel voll Fenchel, zerstößt ben- selben unb siebet ihn etwa fünf Minuten lang, läßt bie ' Abkochung stehen, bis ber Fenchel zu Boben gesunken ist, unb bas Augenwasser ist fertig. Dieses Augenwasser, als Auflage gebraucht, reinigt unb kräftigt bas Auge stngemein, unb hat in Verbindung mit ben Augenbädern schon Tausende .von ihrem Augenleiden befreit. Auch bei roten und trüben Augen, sowie bei Entzündungen der Hornhaut haben sich Waschungen mit Fenchelwasser sehr wirksam erwiesen.'. Noch energischer wirken die Angendämpfe von Fenchelpulverabsud, und da ein Augendampf gewöhnlich zugleich in Verbindung mit dem Kvpfdampf genommen wird, so gelangt der Fencheldampf durch die Atmung auch in den Magen, um auch dort zu stärken und aufzulösen. Sogar der innerliche Genuß des Fenchels ist, abgesehen von cmbe- xen günstigen Wirkungen, von sehr wohlthätigem Einfluß sür seine Hilfe unb für sein Vertrauen zu mir, sagte Milbreb. Nach einer langen Umarmung trennten sie sich Zukunft Örme 9reäbt^en »iit mehr Hoffnung in bie Nachbem bie Bettstücke gebracht worben waren leate I ’S? Stärkung ber Sehkraft. ^Jnner- fie sich nieber um zu schlafen, um Kräfte zu sammeln Aus tC$ Fenchel, wie schon erwähnt, vor allem auflösend, ihrer halben Betäubung würbe sie burch einen schrillen b- h- gastreibend. Die Schrei aufgeschreckt. Auf ben Treppen würben Schritte r!u,e lItb ~e§ bekanntlich, bte burch Auftreibung des Untergehört unb bann wieder wildes Geschrei. Einen Augen- I Schmerzen veruriachen, unb eine Unzahl an» blick später zogen zwei Polizisten ein Weib herein, welches- sich wütend sträubte unb schrie. ' Es war ein schrecklicher Anblick; bie Gesichter ber großen Manner waren burch bie Anstrengung gerötet, benn bas Weib schien übernatürliche Kräfte zu besitzen. Fhre Kleidung war zerrissen unb beschmutzt, ihr langes, schwar- zes Haar hing wirr um ihre Weiße Stirn unb ihre Augen glühten tote im Wahnsinn. Enblich würbe bas Weib in eine Zelle gebracht, welche Milbrebs Zelle gegenüberiag, unb bann eingeschlossen. Nun bleibe ba brinnen, Du betrunkener Teufel bis Du nüchtern bist! sagte ber eine Polizist, heftig atmenb nach ber Anstrengung, unb barauf entfernten sie sich Milbreb schrak zurück unb hielt sich bie Ohren zu, um nrcht bas Geschrei unb bie gräßlichen Worte zu hören, welche bas Weib ausstieß. Der Gefängniswärter saß schläfrig tn einiger Entfernung am Ofen unb ließ sich burch ben Lärm nicht stören. Enblich würbe bas Weib ruhig. Balb barauf vernahm Milbreb Geräusch, als ob ihre schreckliche Nachbarin bie Thur zu öffnen versuchte. Milbreb blickte burch das eiserne Gitter und war zuerst verwundert über bas, was sie sah, 5?atmn™ab,err. ihr Herz still, benn sie bemerkte, baß das Wem sich än bem Gitter über ber Thüre aufgehängt WA S zu Er Weib warer dessen fange: Mildr Polizi war l daß s werde Kellni daß ei dankte A nicht T Kaffee Polizi O er auj die Si hatte war r wieder sucht, sollte, er ers: benach der R führui Schult LitterarischeL Eine Frau Weiß setzt mit dem zweiten Zuge matt. Auflösung folgt in nächster Nummer. Schachaufgabe. (Nachdruck verboten.) viel Fenchel werden mit einem Liter guten Branntwein übergossen, und später mit zwei Liter Wasser verdünnt. Der Geschmack der Mischung wird noch erhöht durch Beigabe von einigen Zitronenschalen und eines entsprechenden Quantums Zucker. Um Anistinktur zu erhalten, verfahre man genau nach obigem Rezept; nur das Wasser ist fortzulassen. — In der Tierheilkunde galt Anis schon seit den ältesten Zeiten als Heilmittel bei Lungenentzündnng und allen schnupsenartigen Krankheiten; ebenso wie bei Unverdaulichkeit, Blähungen, Winden und Krampfkolik — Anzahl solcher Citronenbäume aus Japan zu importieren, nnd haben sich dieselben anch hier in Deutschland als vollständig winterhart erwiesen. . „ . , Wahrscheinlich werden nun auch viele deutsche Gärtnereien diese Citronenbäume in ihre Bestände ausnehmen, denn die verlockende Aussicht, sich im eigenen Garten am köstlichen Duft der Citronenblüte zu erfreuen, die goldigen Früchte selbst vom Baume pflücken zu können, durfte man- rfipw lAniUonbküiüer wm Ankauf eines solchen Citronen- Das GeschlrchtSlebsn ves Weihes, foitale Studie mit ärztlichen Ratschlägen von Fi sch er-Ducket mann, 1900. Preis Mk. 1.50. Bermühler, Berlin SW. 61. Die Verfasserin, abcdef g h a b c d e f g h physiologisch- Dr. Anna Verlag von Hugo die durch ihre bereits Redaklion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Fenchel-, Wrnrnel- und Anisöl dienen äußerlich, ein» sein oder gemischt, zu schmerzstillenden Einreibungen bei krampfhaften Magen- und Unterleibsbeschwerden. (Kn. Bl.) Außer dem Absud werden aus dem Fenchel durch Ansetzen mit Spiritus oder echtem Branntwein auch Tropfen gewonnen. Diese Art der Zubereitung ist deshalb so empfehlenswert, nm das Mittel im Falle der Not sogleich bei der Hand zn haben. Ungleich schwieriger jedoch ist die Herstellung des Fenchelöls, welches deshalb besser fertig in der Apotheke gekauft wird. Fenchel dient auch als Ge- »in.« I °m°s f*. dem Fenchel nicht weit zurück und dient, wie dieser, anch I baumes veranlassen, zur Beförderung der Milchabsonderung bei Frauen. Beide - — Kräuter geben zusammen mit Anserine ein vortreffliches, magenstärkendes Mittel, das namentlich bei Krämpfen von sehr günstiger Wirkung ist. Bei Kolik, Influenza und Cholera ist Wrnrnel, in Wasser oder Milch gekocht, gleich vorzüglich, um schnell Wärme und Schweiß zu erzeugen; Kümmel hilft außerdem gegen schlechte Verdauung und hebt Schwindel, Kopfweh und Migräne. i Bermühler, Berlin a w. oi. am o«iuii«-., »» Der Anis wirkt erregend auf die Verdauungsorgane I erschienenen Schriften in weitesten Kreisen bekannt geworden ist und pq ffiÄ’ÖfifflSnLsGchM gtoSRÄ»*?**»,ÄÄ“ Anisthee ist ein sehr geschätztes Mittel gegen Brustkrampf bi -e§ $2ema ,lt ^t(n (bisher haben wir unsere Erfahrungen über das und zur Lösung des Auswurfes. Au Stelle desselben ge- ©e^MitSlebm des Weibes nur von Aerzten schöpfen können), so hat braucht mau auch häufig das Auiswasser, welches auf fol- das Buch doppelt fesselndes, indem die Verfasserin uns rn vieles elliwciyt, aeude Weise gewonnen wird: 30 Gramm Anis und ebenso I was bisher selten zur Sprache kam ja oft nur von Mauchen geahnt b- t ~ ....... --.....- OIL— —L— I roin.bei Die Leiden nnd Seclenqualcn, die so manche Frau durch die Rücksichtlosiqkeit des egoistischen Mannes während ihrer Ehe zu ertragen hat und die unabsehbaren Folgen derselben, blieben uns meistens durch den Deckmantel der ehelichen Liebe verborgen; hat sich doch bisher i-der Arü gescheut, das eigene Geschlecht und seine Fehler anzutasten. Frau Dr. Fischer-D. tritt hier zum erstenmale diesen Greueln freimütig entgegen, dem Manne beweisend, wie sehr er noch im Sumpfe der Barbarei steckt, indem er das Weib knechtet und sich selbst zum Henker für sie macht. Was jeder Arzt, ja jeder Mann dem anderen Gcschlech e gegenüber zu verschweigen für gut fand, es wird hier zum erstenmale der Menschheit in einem Spiegel vorgehalten, der ihre so wohlverborgenen, mit so großer Mühe gehüteten Verderbnisse scharf nnd klar ersichtlich macht Obwohl die Verfasserin diese Verbrechen gebührend geigelt, so kann man ihr doch nicht absprechen, daß sie anch bei den delikatesten Fragen sehr taktvoll zu Werke ging. Das Buch enthält manch wisienswerte Vorschrift nnd viele gute Lehren für die Ehe, wir können dasselbe ledem . Ehepaare zur Anschaffung nicht genug empfehlen, ja wir halten cs sogar Der Winterhärte Citronenbamn ans Japan. « Nachdruck verboten. zu machen. Das Buch gehört zu jenen seltenen Erscheinungen der Di- in unterem Haushalt f» vielfach »«wendete» »““»ä »'tÄ'»»' « » Früchte des Citronenbanrnes müssen bekanntlich ans snd- J g°uzm Weck zn Hs, lichen Ländern; bezogen werden, da dieseiPslanze in unserem nördlichen Klima nicht gedeiht. Erst in neuerer Zeit hat man herausgefunden, daß eine in Japan heimische Citronenart selbst strenge Winter mit Kältetemperaturen von über 20 Grad Reaumur ohne Bedeckung im Freien aushält, und auch in kälteren Ländern mit Erfolg im Freien gezogen werden kann. Die ersten Anbauversuche mit diesem winterharten Ci- tronenbaum wurden im nördlichen Amerika gemacht. Professor W. F. Massey vom North Carolina College of Agn- cuttur berichtete damals in der Zeitschrift „Orchard and Garden", daß selbst ganz kleine Exemplare, die er zwischen die Hügel von Nordmaryland pslanzte, sehr gut gediehen, und später auch Früchte getragen haben, trotzdem sie tm Winter ohne jeglichen Schutz einer andauernden Kälte von 18 Grad Fahrenheit unter Null (mehr als 20 Grad Kälte nach unserem Reaumur-Thermometer) ausgesetzt waren. Jetzt werden diese Citronenbäume dort drüben schon sehr viel zur Ausschmückung der Gärten verwendet, und jedenfalls auch als Kulturpflanze zum Massenbau etmhal eine groje Rolle spielen, wenn die in neuerer Zeit vom Ackerbau-Ministerium der Vereinigten Staaten angestellten Versuche, durch Befruchtung dieser Winterhärten Citrone mit anderen Orangearten, auch von letzteren, besonders der Apfelsine, winterharte Rassen zu erzielen, ein günstiges Resultat ergeben. c. r Auch! in Deutschland versucht man jetzt, diese Winterhärte Citrone einzuführen. Einer bekannten gärtnerischen Exportfirma ist es im vorigen Herbst gelungen, eine große