1900 i [H ul M ifiBß MM ^^Much an Dornen fehlt'S wohl nicht, Denk' ich, wenn ich Rosen sehe; irr' Rosen sind wohl in der Nähe Denk' ich, wenn ein Dorn mich sticht. Robert Hamerling. (Nachdruck verboten.) Brennende Liebe. Eine lustige Geschichte von AlwinRömer. I. Die schrägen Strahlen der rotglühenden Abendsonne sielen durchs die Buchenwipfel und ließen die buntfarbige Herrlichkeit des herbstlichen Waldes ttodE). einmal hell auf- leuchten, ehe sie den Schatten der Nacht sür ihr glanztötendes graues Gewerbe Raum gaben. Es war feierlich still im hohen Bergwald; kaum ein Grillenlaut ließ, sich vernehmen; auch die Vögel schwiegen, .spie in Andacht vor dem majestätischen Schauspiel des nahenden Sonnenuntergangs versunken. Kein Beilschlag mehr von der nahen Lichtung, wo die Holzhauer -tagsüber schafften; kein Jodeln der romantisch angelegten Stadtdamen, die unten im kleinen Badeort Wodenquell als Patienten oder Sommerfrischler Aufenthalt genommen hatten; kein Hundegebell von den Rüden des pürschenden Försters! Nur ein leiser Abendwind rauschte durch die Kronen der hochstämmigen Buchen wie geheimnisvoll verhallender Orgelklang.- Sigrid Lorenzen war ganz gefangen genominen von dem Zauber dieses köstlichen Wendfriedens. Wie, von einer überirdischen Sehnsucht ergriffen, saß sie auf der roh gezimmerten Waldbank, die Hände gefaltet und den Blick auf die langsam finkende, feurige Sonne gerichtet. Ein Gefühl seliger Ruhe senkte sich auf sie. So rein und unbeirrt hatte sie die Wunder der Waldeinsamkeit lange nicht genossen. , . Ein Sonett Krummachers kam ihr rn den Sinn: „Bist Du einmal in stiller Abendzeit, Wenn schon ihr letztes Lied die Vögel sangen, In Dich, gekehrt durch einen Wald gegangen, Der einz'ge Mensch im Dickicht weit und breit? — Da kam's Dich an tote Lust und halb wie Leid". — Aber nun ließ sie ihr Gedächtnis im Stich, und während sie noch grübelte, die Fortsetzung zu finden, hörte sie plötzlich an dem Knacken dürren Reisigs, daß ein Mensch in ihre Nähe kam, und noch dazu einer, der von! der Poesie dieses herrlichen Sonnunterganges mcht die geringste Ahnung zu haben schien. Denn noch ehe sie des Störenfrieds ansichtig geworden war, hörte sie auf einmal seine Stimme zu einer forschen Liedzeile einsetzen. Gerade, wie sie die folgenden Verse ihres Sonetts gefunden hatte: • „Es war ein tiefes, heimtoehvolles Bangen, Es war ein stilles seliges Verlangen, Daß Dich beschlich in dieser Einsamkeit". — gerade in diesem Augenblick schallte es durch die Stämme halb lustig, halb voll Grimm Zu ihr herüber: „Hängt Euch auf, alle mit einander, — alle mit einander, — alle mit einander! Hängt Euch, auf —" „Entsetzlich)" murmelte sie. „So ein Klotz!" Und arg verstimmt erhob sie sich, und trat hinter eine der Fichtengruppen, die den Buchenwald Nach. dem Berg-Abhange zu abgrenzten, um jede Begegnung mit einem solchen Barbaren zu vermeiden. Indessen war der kühne Sänger, der seinen menschenfreundlichen Imperativ immer behaglicher wechselte, in die Nähe der Aussichtsbank gekommen. Sein Blick glitt in die Landschaft hinaus, die ihm bisher der Wald verdeckt hatte, und auch auf ihn schien das wunderbare Bild seine Wirkung nicht zu verfehlen. Seine liebenswürdige Aufforderung an irgend eine Freundesgruppe, „durch, Seilers Fenster zu gucken", blieb ihm plötzlich, in der Kehle stecken, seine gebräunte Stirn, die bis dahin arge Falten gezogen, glättete sich, und seine Augen wurden mild und freundlich. „Hm —", brummte er vor sich hin, „ist doch schön, unseres Herrgotts Erde; das mNß man ihm lassen! — Trotz alles Gesindels, das darauf herumwimmelt!" Nach einer Weile fiel sein Blick auf die Bank, auf der zu seiner Verwunderung ein weißes Bündel lag. Hatte das jemand vergessen? Er trat herzu und schaute in das nur lose geknüpfte, feine Taschentuch hinein. Ein Ruf ärgerlichen Erstaunens kam dabei über seine Lippen. Es waren Pilze in dem Bündel, Pilz« von allen Sorten. Eßbare und giftige bunt durcheinander. „Wer hat sich, denn diesen Blödsinn geleistet?" sagte er, entrüstet über so viel Unverstand den Kopf schüttelnd. Ein wahres Glück, daß das Bündel liegen geblieben ist! Das wäre eine nette Mahlzeit geworden !" Darauf schob er die Spitze seines Bergstocks unter die geknoteten Zipfel und ließ die Pilze mit einem Ruck aus dem Tuch zur Erde fliegen, wo er sie sogleich mit seinem Stocke zerstieß und Mit den Absätzen seiner derben Stiefel zertrat. „So!" meinte er dann, offenbar sehr befriedigt, „art dem Brei wird sich, wohl keiner mehr den Magen verderben!" Wer diese Eigenmächtigkeit war der Sammlerin der zerstörten Schwämme denn doch etwas zu bunt. Ent- - 5ö4 — sie zögernd. „Und ich, weiß nrcht, ob tote roirutoj Gelegenheit und Neigung haben —" „Häufig-!" beteuerte er. „Ich machte alle Abend mente Waldspaziergänge, mitunter auch vor Tau und Tag, und achte aus alles, was Mutter Natur hervorbrtngt. Man läuft sich seinen Aerger dabei von der Seele. chch bm nämlich Ingenieur drüben an den Hüttenwerken und habe da gründlich meine Plage! Mer wenn man trt .den Wald kommt, wird einem bald wieder frei ums Herz und mcm beritt —u .. . „Hängt Euch auf, alle mit einander!" ergänzte fte seine Rede, da er einen Moment lang stockte. „Ganz recht!" nickte er vergnügt. „Ich glaube, tvtr verstehen uns, ohne uns zu kennen. Dem Mangel mochte ich übrigens gleiche abhelsen, indem ich mich ^zhnen bekannt mache: ich! heiße Wingold Hartmann!" „Sigrid Lorenz!" entgegnete fte und wurde ent tuschen rot dabei, worüber sie innerlich, gewaltig erboste; denn es lag doch gar keine Veranlassung dazu vor. „Also, verehrtes Fräulein Lorenz", Hub eb darauf lächelnd an, „wie ist das mit diesem gehörnten Mohn? „Ich kann Ihnen im Augenblick wirklich! ketn rechtes Bild davon geben!" sagte sie hastig und schaute den Westhimmel an, der nur nach eine Kappe des Sonnenballes sehen ließ. „Auch ist es hohe Zeit, daß tch hetm- kehre! - Vielleicht schreibt Ihnen Papa" - „O, das wäre doch ziemlich umständlich. Treffe tch Ihren Herrn Papa nicht irgendwo in Wodenquell? Viel- leicht im „Goldenen Engel" oder in de« „Kuhlen Quelle? Ich bin jede Woche ein paarmal abends drüben! ,Jm „Goldenen Engel" wohnen wir!" erklärte Sigrid Lorenz und wurde abermals rot, als wäre das etne stumme Einwilligung zu einem halben Stelldichetn. Aber das war sicher, sie würde sich alle die kommenden Abende auf ihrem Zimmer aufhalten. Herr Wingold Hartmann sollte nicht etwa glauben, daß es ihr um etwas anderes als Glaucium luteum zu thun gewesen Jet. „So werde ich mir den Steckbrtef also tm „Goldenen Engel" holen!" , , , „Bitte!" sagte sie artig. „Papa wird sich freuen, einen so bereitwilligen Helfer zu finden, der mit Weg und Steg vertraut ist, — Förster Wilke ist blos für seine Schonungen zu haben. Alles andere ist ihm Unkraut, es mag heißen, wie's will!" „Stimmt bis aufs Tipferl!" lachte der Ingenieur. „Ich kenne den wackeren Nimrod!" „Leben Sie wohl!" sagte indessen Sigrid Lorenz, die eine seltsame Eile hatte, heimzukommen, obwohl fte sonst sehr häusig noch nach! Sonnenuntergang den Wald durch- ftrcif tc Guten Abend! "sagte er freundlich und nickte. Und als 'sie schon ein Stück des Weges gegangen war, riest er ihr „Auf Wiedersehen!" nach. Wer sie wandte den Kopf nicht. Es war ihr doch wirklich nur wegen des Glaucium luteum gewesen!" Im „Goldenen Engel" saßen die wenigen Sommergäste, die der September dem Wirt gelassen hatte, schon beim Abendbrot, als Sigrid heimkam. „Wo bleibst Du blos, Mädchen?" fragte Papa Lorenz, als sie endlich, an seiner Seite Platz nahm, und der Wirt, der dem alten Herrn Gesellschaft leistete, erkundigte sich lächelnd, ob ihr nicht ein wenig bange sei, im Abeno- dämmern durch den Wald zu streifen. „Ich, habe den Sonnenuntergang genossen! erklärte sie. „Es war herrlich, heute abend! Vor wem E mich übrigens furchten sollte, ist mir rätselhaft. An Wichtelmännchen und Waldgeister darf man ja nicht mehr glauben, wenn man nicht ausgelacht werden will, uno die braven Wodenqueller Holzhauer thun keinem was zu ICtbe„Sa^i°a; mein lieber Herr Mertens, meine Sigrid „Hornmohn?" meinte er grübelnd. „Sie glauben gär nicht, wie viel Dinge es auf der Welt giebt, von denen ich nicht den geringsten Schimmer habe! Wollen Sie mir nicht einen kleinen Steckbrief über diesen Bösewicht, der sich ]o gut verborgen hält, entwerfen? Vielleicht kommt er mir doch einmal in Sehweite!" „Gesehen habe ich, ihn selbst auch nicht! erwiderte sie zögernd. „Und ich, weiß nicht, ob Sie wirklich Geschlossen trat sie jetzt hinter der Tannengruppe hervor und herrschte den Fremden an: „Was sällt Ihnen ein ? Lasten Sie doch meine Pilze zufrieden!" Einen Augenblick lang stand der so plötzlich zur Beran ilvortung Gezogene ganz verdutzt vor der prächtigen Erscheinung, die vom Abendsonnengold umflossen, einen märchenhaften Reiz auf ihn ausübte. „Donnerwetter, ist die schön!" dachte er und zog unwillkürlich den Hut so tief, als wäre sie eine wahrhastige Prinzessin. „Die blendet einen ja ärger, als die hebe Sonne Dann «aber, als! er den! Zorn jm-Mren großen, braunen Kinderaugen blitzen sah, zog ein leises, spöttisches Lächeln über fein scharf geschnittenes Antlitz, und er sagte: „Ihre Pilze find Gift Pilze, mein gnädiges Fräulein! Wenigstens die meisten! Sie können ganz froh fern, daß ich dazu gekommen bin und Sie vielleicht vor einer verhängnisvollen Thorheit bewahrt habe!^ „Und welcher Art wäre diese verhängnisvolle Thorheit gewesen?" fragte sie ironisch. Er sah sie ungewiß an. n . „Sie wollten das Zeug doch kochen?" fragte er dann. „Nun, und?" lächelte sie. „Und? Und?" ereiferte er sich, „vergiftet hatten Sie sich, damit! - Hier, das war Knollenschwamm, den Sie, wie schon viele, für Champion gehalten haben! Und das hier ist Birkenreizker, kein echter Reizker, wie Sie vielleicht gedacht haben! Wissen Sie, was Birkenreizker •ift?" __ „O ja", entgegnete sie, offenbar riesig belustigt und vollständig versöhnt über die erst so peinlich empfundene Störung. „Warum soll ich nicht wissen, was ■Sactoria torminosa ist?" „Lac —" begann er verblüfft. . . . „Aber sehen Sie, hier war auch Sactama beltctoja! Den haben Sie sinnlos mit zerstört! Und hier diesen Boletus edulis gleichfalls! Gerade über den habe ich mich so sehr gefreut, weil ich erst gar keinen finden konnte!" fuhr sie fort und zeigte auf einen zerschmetterten Steinpilz. , , ., , „Ja, - was, - wieso, -" stotterte er und schaute bald das Schlachtfeld an, das er angerichtet hatte, bald ihr schalkhaft lächelndes, frisches Gesicht. „Ich glaube, Sie wissen besser Bescheid! mit Pilzen als ich!" „Kann man's wissen?" entgegnete sie. „So wollten Sie das Bündel gar Nicht sur Ihre Küche?" erkundigte er sich verlegen. - „Allerdings nicht! — Aber wenn auch: was hatte das Sie kümmern können?" „Na, erlauben Sie, bitte!" . „Ist das so ein gewaltiger Unterschied, ob wir uns alle miteinder vergiften oder, wie Sie das vorhin so hinreißend verlangten, aufhängen?" fragte fie lachend. ' „Das war nicht an Ihre Adresse gerichtet!" erwiderte er und lachte mit. , .. „Alle mit einander?" meinte fte und zuckte die Achseln. „Da ist man doch! schließlich auch dabei!" „O bitte, die Anwesenden sind immer ausgeschlossen! scherzte er. „Aber möchten Sie mir nun nicht sagen, was Sie mit der Henkersmahlzeit da eigentlich anfangen wollten?" „Ich hatte sie für meinen Vater gesammelt!" Harte sie ihn ' auf. „Der ist nämlich Botaniker und hat ein spezielles Interesse an der Flora dieser Gegend". , „Schade!" sagte er, die Opfer seiner Stiefel noch, einmal'musternd. „Au denen wird er nicht viel mehr bestimmen können! — Aber ich weiß weiter hinauf einen Fleck, da stehen! die prächtigsten Giftlinge, da werde ich Ihnen morgen eine Heine Wagenladung als Entschädigung hinunkerschicken! Sie wohnen doch gewiß in Wodenquelk, nichts" * Allerdings!" antwortete sie lachend. „Aber auf diese fürchterliche Revanche möchte ich denn doch verzichten! Pilze giebt's diesen Herbst ja so viele daß ich den Verlust schnell genug ersetzen kann. Wenn Sie sich um. die Botanik wirklich verdient machen wollen, so fahnden Sie vielleicht 'mal auf Hornmohn, Glaucium luteum, der hier vereinzelt Vorkommen soll, und den mein Vater gern konstatieren Möchte!" — 555 -5 ist tapfer wie ein alter Landsknecht!" schmunzelte der Professor. „Und doch, habe ich vor einigen .Tagen eine junge Dame zitternd und bleich, im Keller gefunden, —" lächelte der Wirt. „Das war während des dummen Gewitters!" bemerkte ©igrib, verlegen errötend. „Blitzen kann ich's nun einmal nicht sehen, ohne ängstlich zu werden!" „Ihre Achillesferse!" bestätigte der Professor, „hat sie von ihrer Mutter! Die mußte sich auch, jedesmal verkriechen! — Aber nun sag mir mal, wie war denn Deine Ausbeute? Du wolltest Dich, doch nach Pilzen umsehen?" „Ich hatte ein ganzes Bündel.' Steinpilze, Bovist, Reizker —" „Hm, — Lactaria deliciosa —" „Auch torminosa!" „Wirklich? — Hm, und wie war's mit pyrogallus?" »Ich glaube, auch den! Leider hat sie mir ein edler Menschenfreund samt und sonders in Stücke gehauen. Don Quixote hätte es nicht tapferer vollführen können! — Er dachte nämlich ich hätte sie zu einem Mittagbrot bestimmt und wollte uns durch seinen heldenhaften Angriff vor allerhand Magenkrämpfen und elendem Verscheiden schützen! — Das lange Gesicht hätten Sie sehen müssen, als er hörte, daß ich eines Botanikers Tochter sei und die Pilze alle kannte!" „Ach, das glaube ich!" lachte der Wirt. „Wer war denn der Unglücksrabe?" „Ein Herr Hartmann von den Eisenwerken drüben. Er wollte natürlich sofort Ersatz schicken. Aber dafür habe ich, gedankt. Nun wird er Dir Glaucium suchen helfen". — „So? — weiß er einen Fleck, wo — ?" erkundigte sich lebhaft interessiert Papa Lorenz. „Das nicht! Du sollst ihm sogar erst den Steckbrief geben, wie er sagte. Aber er scheint im Walde sonst Bescheid zu wissen". — „Und ob er Bescheid weiß!" mischte sich der Wirt ein. „Jeden Morgen streift er einen Bestand ab, ob's regnet oder schneit. Ein sehr netter Mensch übrigens. Stammt vom Rheinland her. Sein Vater hat ein paar Weinberge und schickt öfter ein Fäßchen!" „Was ist dieser Herr Hartmann?" fragte der Professor. „Ingenieur an den Eisenwerken! Ein tüchtiger Kerl. Die rechte Hand boM Direktor, und in kurzem wahrscheinlich auch sein Schwiegersohn! Das heißt, ich habe nichts gesagt, kmeine Herrschaften! Die Sache ist Noch nicht offiziell, also —? Das Mädel ist ein bischen eigensinnig, aber hübsch; das muß ihr der Neid lassen! Und Geld hat sie auch, die Lilli; denn der Alte hat's verstanden!" schilderte der Wirt. „Geld ist natürlich die Hauptsache!" bemerkte der Professor ironisch. „Und ob!" meinte Mertens. „Vor Geld kann man den Deibel tanzen lassen! — Na, ich, gönn es ihm! Er ist eine gute Haut. Die Arbeiter lassen nichts auf ihn kommen. Und das will was heißen fetzt! — Und lustig sein kann er auch,! Und tanzen! Hei, ich sage Ihnen! — Sie werden's ja sehen am Erntefest! Denn so lange bleiben Sie doch? Sonntag in acht Tagen ist's schon!" „Nur um Hartmann tanzen zu sehen?" fragte Sigrid spöttisch. „Freitag reisen wir, nicht wahr, Papa?" „Das war ja wohl eigentlich unsere Absicht!" bemerkte nachdenklich! der Professor. „Aber da ich Glaucium noch immer nicht gefunden habe —" „Weil es hier eben nicht m'ehr vorkommt!" warf sie ungeduldig hin. „Sieh da, dort kommt Herr Hartmann schon!" rief der Wirt und ging dem Eintretenden entgegen. Sigrid fühlte einen Stich im Herzen. Es war doch empörend von einem Manne, der so gut wie verlobt war, ihr so nachzulaufen. „Ich! werde Dir die Mappe mit den Abbildungen herunterschicken, damit Du dem Herrn Ingenieur Hartmann Hornmohn zeigen kannst! Ich gehe nach oben, weil ich müde bin!" erklärte sie hastig ihrem Vater und stand auf. Just als der Ingenieur sich leuchtenden Blickes dem Tische näherte, kam sie an ihm vorüber, erwiderte mit einer kühlen Neigung ihres Kopfes seinen Gruß und war verschwunden. Es blieb ihm nichts übrig, als sich mit dem Professor allein zu begnügen und sich von diesem durch die Flora aller fünf Weltteile schleppen zu lassen. Aber ein sehr aufmerksamer Zuhörer war er nicht. Er lugte unablässig nach der Thür, ob sie das prächtige Professorenkind nicht wieder hereinlassen würde. Doch seine Hoffnung erfüllte sich) nicht. Sigrid Lorenz kam nicht zurück II. Seit diesem Abend kam Wingold Hartmann tagtäglich in den „Goldenen Engel" und berichtete dem Professor, der ihn nicht ungern sah, was für Ergebnisse seine Frühfpaziergänge gehabt hatten. Der arge Hornmohn blieb vorläufig freilich unentdeckt. Der Ingenieur empfand darüber jedoch viel weniger Kummer, als über die konsequente Zurückhaltung Sigrids, die er trotz der verschiedensten Abendstreifereien nicht mehr getroffen hatte, und die sich! auch! vom Abendtisch nach wenigen förmlichen Fragen und Antworten stets auf ihr Zimmer zurückzog. Wie frisch und ursprünglich war sie ihm an jenem ersten Abend oben im Walde erschienen! Und wie gemessen und unzugänglich, war sie jetzt! Er zergrübelte sich den Kopf über die Ursache dieser Wandlung. Freudig überrascht war er, als er sie eines Tages auf dem kleinen Postamt in Wodenquell fand, wo sie just Marken kaufte. „Welch, netter Zufall, gnädiges Fräulein!" sagte er und reichte ihr die Hand. Sie war erschrocken zusammengefahren, als sie seine Stimme gehört hatte, und wollte sich nach! kurzem Gruße entfernen. Aber er faßte die Gelegenheit beim Schopf und erbat sich die Gunst, sie ein Stück begleiten zu dürfen. Wortlos ließ sie es zu, daß er mit ihr auf die Straße trat. „Wie kommt es, verehrtes Fräulein", fragte er warm, „daß ich Ihnen nie mehr im Walde begegne?" „Das ist wohl ein Zufall!" sagte sie mit einer gewissen Anstrengung in der Stimme, die ihm nicht entging. Er schüttelte den Kopf. „Ein Zufall, dem Sie ein bischen nachhelfen!" klagte er dann. „Abends gehen Sie mir ja auch aus dem Wege, als ob sch ein Verbrecher wäre. — Habe ich- Ihnen denn etwas zu leide gethan?" „Nicht, daß ich! wüßte!" erklärte sie, sich, zum Trotz sammelnd. Was wollte dieser Schmetterling von ihr? Glaubte er vielleicht, mit ihr ein flüchtiges Herbstabenteuer erleben zu können? Suchte er nach den Launen seiner Lilli ein wenig Mwechslung, und sollte sie ihm dazu gerade gut genug sein? Das wollte sie ihm gründlich verleiden. „Warum meiden Sie mich denn?" fragte er, lebhafter werdend. „Ich, meide Sie ganz und gar nicht!" sagte sie schneidend. „Aber wenn ich! es auch thäte, woher könnten Sie das Recht nehmen, mW danach zu fragen?" „Soll W Ihnen jetzt die Stelle aus dem „Tell" deklamieren: Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, Greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel Und holt herunter seine ewigen Rechte?" fragte er, sich zur Lustigkeit zwingend. „Mer Sie sind im stände, mich dann hier wie einen armen Waisenknaben stehen zu lassen! Also: mit gar keinem Rechte! Nur aus ehrlicher Sympathie heraus! Und nicht wahr, nun schneiden Sie mich nicht mehr so jämmerlich, liebes Fräulein? Ich bin allemal so froh, wenn ich Sie sehe". „Ich bin Ihnen durchaus nicht böse!" murmelte sie, viel freundlicher, als sie gewollt hatte. In der Stimme dieses Schwerenöters lag ein seltsamer Zauber, dem sie sich, nicht zu entziehen vermochte. „Das ist doch ein Wort!" rief er erfreut. „Und nicht wahr, nächsten Sonntag tanzen wir zusammen?" „Wir reisen am Freitag!" erklärte sie bestimmt. „Das wäre doch einfach abscheulich so dicht vom Erntefest auszukneifen!" „Papa wünscht es!" „O, mit dem Herrn Professor will ich schon einig werden!" — „Er ist fertig mit seinen Studien!" I 3— 556 Das neue Quartal werden die Familienblätter mit einem spannenden Roman von Reinhold Ortmann, betitelt: Unter dem Schwerte der Themis beginnen. UswerfitStt-Vuch» und Sttfakradeni (Pietsch St* tn) ta 6it|m, A D R I D l e p p O u b l i N o l a n D s o n z O o l m a N Wortspiel. Nachdruck verboten, Es sind 12 Wörter zu suchen von der unter a angegebenen Bedeutung. Von jedem diese» Wörter ist durch Umstellung der Buchstaben ein anderes Wort zu bilden von der Bedeutung unter b. Sind die Und mit fröhlichem Gruß schritt er Papa Lorenz ent- g^Mch am selben Abend sandte er an seinen Freund Doktor Ählgreen, der Custos eines großen! botanischen Gartens war, einen Eilbrief. — ..~ meter beträgt. ' Aus dem Altertum , aus der Zeit Ramses L, aus dem Mittelalter Japans, dem alten Griechenland, aus b. schmackhafte Wurzel, feiner Stoff, weiblicher Wesen. Gedankenausdruck, männlicher Vorname, Befestigungsmittel. Kriechtier. Land in Asien. Seeräuber. AmtSkleid. Märchengestalt. Gefäß. Herrenmoden für den Herbst. Nachdruck verboten. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Füllrätsels in voriger Rümmer: M a n t e L a. 1. Schutzvorrichtung 2. Zuspeise 3. Teil der Baumes 4. Planet 5. Bindemittel 6. Fangvorrichtung 7. Nagetier 8. Getreideart 9. Fremdes Tier 10. Amtsperson 11. Bestimmte Reihe 12. Zeichen genieur. ' ,, . c • „Was hätten Sie davon, wenn er wirklich daraus ent« ginge? Davon haben Sie die Hauptsache doch nicht!" „Sie meinen den Hornmohn? £>, den finden wir dann, und wenn wir den Teufel dazu beschwören müßten!" „Da wäre ich neugierig!" spottete sie. „Lassen Sie mich nur sorgen!" sagte er. „Um den T-nr k-mm-n mr •*!' ; , I Älchrrsienholt" die M-d- ihre Motive zu ’ben ncueBcn, tÄ Tw« SBnquetl S - fcr Um- | für’Aatten betonten . «agb». gegend Tänzerinnen genug!" „Aber keine, mit der es mir so viel Vergnügen bereiten Gemeinnütziges. Straußfedern wascht man in lauem Seifenwasser, dem (jedoch nur bei weißen Federn) eine ganze Wenigkeit Waschblau zugesetzt wird. Nachdem dieselben tüchtig gespült, hängt man sie zum Trocknen in der Sonne. Bevor die Federn noch gänzlich getrocknet, werden sie in mäßiger Entfernung über gelindes Kohlenfeuer, dem man etwas Salz aufstreut, gehalten. Die „Wiener Mode" bringt im ersten Hefte des neuen Jahrganges als interessante NeueMng eine Abteilung für Herrenmoden mit zahlreichen Abbildungen. Aack)- stehenden Aufsatz drucken wir mit Erlaubnis der Redaktion der „Wiener Mode" ab. , ' . Die Herren der Schöpfung haben gar kernen Grund, über die Folgewidrigkeit der Damenmode zu sprechen; denn jede Saison bringt Veränderungen ihres äußeren Menschen, die oft so merklich! sind, daß Kenner jedem Anzug das Datum seines Entstehens ansehen. Für den heurigen Herbst bevorzugt man mäßig lange, etwa lv bis 20 Zentimeter unterhalb der Knie endigende Ueberrocke aus schwarzem und dunkelgrauem Bieunna-Cheviot; der ausaemackte Modemann trägt den Ranglan-lleberzieher .... „ mit seinen bis zur Halsnaht reichenden Aermeln, der Heuer richtigen Wörter gefunden, f° b-z-ichnen di- Anfangsbuchstaben der bedeutend mehr getragen wird als im Anfang seines Ent- Wörter unter b °m° b-ä-bte sportliche Veranstaltung, stehens. Allerdings sind die vielen Steppnähte,„ die ihn noch auffallender erscheinen ließen, entfallen, dafür weitet er sich- am unteren Teile glockiger aus als sem vorjähriges | V^Saeeoanzüge fertigt man aus dunkelfarbigen Mode- stoffen fett ein- und zweireihig geschlossener Weste. Dir Saccos sind zum Unterschiede 'von den bisher mit drei Knöpfen einreihig geschlossenen mit vier- und doppelreihig Angebrachten Kerschlußknöpfen versehen. Westen werden ausnahmslos hoch geknöpft und mit Kragen ausgestattet - kragenlose Westen können nur zu Sportanzügen getragen werden — ebenso sind Saecos und vS a Strichkamm gar n' un d Cheviot geben das Material zu Jackettanzügen, die sich! Heuer mit Bordeneinfassung schmücken und ebenfalls doppelreihig und mit vier Knöpfen gefchloffen werden, deren letzter genau im äC£,t$er ^-Gehrock, dieses vornehme Kleidungsstück, das für Besuch-, Promenade, Theater re. gleich! geeignet ist, hat ehr glockige Schoßteile, lehnt sich! also stark an den Wertherrock an ; er wird aus schwarzem Strichkammgarn Unb Di?Beinkleider^sÄ so eng wie bisher und haben auch sonst keinen nennenswerte Veränderung in der Form er« den schwarzen und dunkölgrauen Ueberröcken gelten nur schwarze Hüte für elegant; grauen Röcken ältesten Völker, Drachen, Krokodile, Eidechsen, Schildkröten, Schlangen, kurz das ganze Heer der Reptilien wird auf tniirhP rtla mit’ Ctfmen!" I Kravatten getragen werden. Eine Neuheit sind Kravatten mSfrofebern verzichten'" I in Form eines Knotens, aber ohne Knoten, sondern mit "Darüber SÄ! noch!" sagte er. „Da kommt | knotenförmig Msammengezogenen Teilen und Kravatten übriäen? de? Herr Professor Ich werde gleich mit ihm I mit kleiner Musterung und großgemustertem Knoten uvrigens oer Herr a | Die neuen Spazierstöcke für Herren sind aus Tulpen- holz in Taubengrau und Braun mit modernen Silbergarnituren; Stöcke aus Burenweichfel- und Patridge- (Lorbeer-)Holz mit Silbereinlagen, und Nußstöcke sind ebenfalls hochmodern. Die Abbildungen im Heft 1 der „Wiener Mode" veranschaulichen Stöcke aus graugrünem Jung- eichenholz mit modernem Silberzierrat und aus Patridge- holz mit echtem Silber- und Elfenbein-Einsatz und Silberkrücke mit vergoldetem modernem Muster. R. F. Und ßtimtrium?" I können wohl grau melierte Hüte gesellt werden, doch ist "Sie willen ia selbst, daß es nicht zu finden ist!" I der Minder und der steife schwarze Hut, der hoch; und "Aber wenn er es doch fände, würde er da nicht doch I breit gehalten ist, entschieden passender und vornehmer dazu Pin NE Du! weroe iyn uuyyv i a | roei)-e in Braun und Schwarz getragen. Aus dem Gebiete der Kravatten macht sich eine ganz neue Geschmacksrichtung geltend; statt der kleinen, abgesetzten Muster kommen ganz große, ebenfalls abgesetzte zur Verwendung, deren Durchmesser oft mehr als 4 Zenti- Rfkatthn: «. ttttb Brühl'schm