v>L»,<»K'jLNL?lI>i-K»» ! AWW »rr Ok@ Rlßfill |iiiiig»ipÄ rOfflGuj ™||™ s®W» NE ZSI&Ä&äs"™” Dienstag den 29. Mai.^M *11 1 n IUI. "WM JsM as Leben soll die Erde sein, Darin die Weisheit Wurzel schlägt, jS*® Und pflanzt ihr drin den Kern nicht ein, Wächst euch kein Baum, der Früchte trägt. Badenstedt. (Nachdruck verboten.) „Es sah eine Linde ins tiefe Thal." Novelle von R. Litten. (Fortsetzung.) Tiefsinnig starrte er dabei auf das weiße niedliche Händchen neben sich, welches so zierlich die silberne Gabel zum Munde führte, aber plötzlich sprang er auf, schlug an sein Glas und erklärte der aufhorchenden Tischgesellschaft, daß man sich unverantwortlich gegen seine Nachbarin, die Baronesse Elisabeth von Wehdau, benehme, daß sich die arme junge Dame, welche als Großstädterin ein doppeltes Anrecht auf Zerstreuung habe, entschieden zu langweilen beginne — Beweis ihr stilles, gedrücktes Wesen — und daß man nur durchs ein Waldfest großen Stiles dieses Unrecht gut machen könne. Wer sich mit ihm in dieser Ansicht eins fühle, erhebe sein Glas auf das Wohl und das Vergnügen der genannten, tief beklagenswerten jungen Dame. Jubelnder Beifall, lustiges Gläserklirren, durcheinanderschwirrende Vorschläge und Pläne. Im Nu war Schreibmaterial zur Stelle, die Namen der Eingeladenen bezeichnet, und ein herrlicher Buchenwald mit daranstoßendem See zum Festplatz ausersehen. Aber wenn Jupiter Pluvius sich launenhaft zeigt? Auch dafür wußte Heiking Rat. < „In dem Falle bitte ich, den Schauplatz des Festes in den Tanzsaal meines Hauses verlegen zu dürfen", meinte er. Leise, nur für seine Nachbarin verständlich, fügte er hinzu: „Er ist seit Jahren nicht benutzt worden, und ich würde es für ein glückliches Omen ansehen, wenn gerade Ihre Füßchen ihn, seiner Bestimmung wiedergeben". Wie hübsch die Kleine aussieht, wenn sie errötet. Wie Rosenglut huscht es über ihr Gesichtchen, selbst die kleinen Ohren, der runde weiße Hals bleiben nicht davon verschont. Nicht zu ihrem Schaden, mußte der Baron noch nach ein paar Stunden, als er neben Professor Volkmann heimwärts ritt, immer wieder daran denken. Er lächelte dabei und gab seinem Genossen zerstreute Antworten aus dessen Fragen. Am nächsten Vormittag trat er in das Zimmer seines Gastes und warf die Reitpeitsche, die er in der Hand hielt, ärgerlich auf den Tische „Fatal! Will eben nach Welting- hausen, um den Damen persönlich die Einladung zu unserem Feste zu überbringen, da läßt sich natürlich Loewenthal melden. Er kommt des Weizens wegen, wir haben lange Abrechnungen miteinander; möchte dem armen Kerl nicht zum zweiten Male den weiten Weg zumuten. Was thun?" ~ Der Professor erhob sich von seinem Schaukelstuhl int bi legte die Zeitung auf die Marmorplatte des danebenstdhen- den Tischchens. „Sehr einfach, Baron, Sie nehmen mich als Abge- sandten! Ich kenne ja bereits den Weg, und eine Wänder- ung durch den Wald erscheint mir sehr verlockend. Nicht minder freilich solch improvisiertes Plauderstündchen mit Ihrer schönen Nachbarin", fügte er lächelnd hinzu. Heiking reichte ihm dankbar die Hand. „Das ist brav, Professor, und wenn es Ihnen in Mellinghausen gefällt, denken Sie, bitte, daran, daß ich keineswegs zu der liebenswürdigen Gattung von Wirten gehöre, welche ihren unglücklichen Gästen am liebsten ein Band um den Fuß schlingen möchten, um sie nur ja jederzeit in ihren Käfig zurücEzupfen zu können. Meine Empfehlung den Santen! Wenn Loewenthal glücklich überwunden, folge ich Ihnen wahrscheinlich". Thür schloß sich hinter dem eilig Hinausschreitenden, und der Gelehrte vertauschte seinen bequemen Morgenanzug mit einem besuchsmäßigeren Gewände, nahm den weichen Filzhut vom Ständer, warf einen flüchtigen Blick in den Spiegel und trat seine Waüderung an. Mellinghausen stieß "fast unmittelbar an die Besitzung seines Gastfreundes, in einer kleinen Stunde sah er das Schloß vor sich liegen. Aber von einer anderen als der bereits bekannten Seite erblickte er es, er war doch wohl vom gestern eingeschlagenen Wege abgewichen. Rasch sich orientierend, durchschritt er den prächtig gehaltenen Park, der ihn von seinem Ziele trennte, und stieg die bequemen Terrassenstufen des <Ähloßberges hinan. Oben aber blieb er wie festgebannt stehen und schaute mit entzückten Blicken auf das Bild, welches sich ihm hier so überraschend bot. Man hatte an dieser Seite die Spitze des Hügels abgetragen und ein Stückchen Eden darauf geschaffen. Eine Fülle von seltenen köstlichen Blumen, duftenden Gebüschen, schattigen Bäumen, von großblumigen, schwebende Guirlanden bildenden Schlinggewächsen, flatternden, um zierliche Lauben spielenden Ranken, und dazwischen lockend, winkend, mit weißen, geheimnisvollen Gesichtern aus dem Grün lugend, zahlreiche weiße Steingebilde. Am Eingang eines luftigen Pavillons bemerkte der Professor auf schön gemeißeltem Granitsockel eine besonders anmutige Gestalt aus edlem Marmor. Er wollte aus dieselbe zuschreiten, blieb aber plötzlich hinter der hochstäm- 302 migen Pflanzengruppe, die er umgehen mußte, stehen. Die Thür des zierlichen, von Kletterrosen umrankten Baues war offen, Gräfin Frieda stand im Rahmen derselben. Golden schimmerten im Sonnenlicht ihre gelösten, nur durch einen kleinen Schildpattkamm zusammengehaltenen Locken, ein loses Gewand von weicher tiefroter Seide floß in malerischen Falten an ihrer biegsamen Gestalt herab. Der sie selbstvergessen Anschauende glaubte nie etwas Liebreizenderes erblickt zu haben, und als sie jetzt leicht das Köpfchen neigte, so daß das schimmernde Lockengewirr fast die dunklen feingezeichneten Brauen berührte, abs sie dann wieder aufblickte und mit träumerisch-sehnsüchtigen Augen in die Ferne schaute, da durchzuckte es ihn eigen, mit fast quälender Gewalt. Vor seinem Geiste flatterte etwas, ein Schemen, ein traumhafter Gedanke, eine unklare tastende Empfindung, die sich nicht sesthalten, in keine bestimmte Form bringen ließ. Und das Sonderbarste: Genau so war es ihm schon einmal gewesen, am verflossenen Tage, als zum erstenmale die weiche dunkle Stimme des schönen Mädchens an sein Ohr schlug. Aber hier war nicht der Ort, solchen momentanen Regungen nachzuspüren! Er mußte vortreten, sich zeigen, wollte er nicht als dreister Späher etfcfyemen. Mit tief- gezogenem Hute schritt er auf die Träumende zu. „Verzeihung für den Eindringling!" bat er. „Ich weiß, ich war kühn, aber die Schönheit dieses herrlichen Fleckchens Erde könnte selbst weniger schönheitsdurstige Augen wie die meinen zu unbefugter Umschau verleiten." Sie hatte ihm erst blaß und sprachlos — vor Schreck über sein plötzliches Erscheinen, schalt das Gewissen des Gelehrten — «entgegeNgesehen, jetzt reichte sie ihm hocherglühend, mit strahlendem Lächeln, die Hand. „Willkommen, Herr Professor! Willkommen in meinem eigensten Reich! Nicht währ, es ist schön hier oben? Und besonders hier auf meinem Lieblingsplätzchen, das einen so. entzückenden Blick auf Park und Wald gewährt". Er trat, ihr zustimmend, an ihre Seite, dann wendete er den Kopf zu der Statue, welche vorhin seine Aufmerksamkeit erregt hatte. „Wen haben Sie sich hier als Hüterin Ihres Edens bestellt?" fragte er. „Ach, eine sehr gut ausgeführte Nymphengestalt! Wie reizend der schlanke erhobene Arm, die Haltung des feinen lockigen Köpfchens!" Er neigte sich tiefer um die im Sockel eingegrabenjen Buchstaben zu erkennen. „Echo? Warum gerade diese Bezeichnung? Eine Künstlerlaune, nicht wahr, gnädigste Komtesse?" Er hob sein Gesicht zu ihr empor, und ihn befremdete der eigentümliche, sehnsüchtig forschende Ausdruck, mit dem ihre Augen die seinen streiften. „Wnstlerlaune", wiederholte sie leise, „gewiß! Wer nun", sie richtete sich aus ihrer träumerischen Versunkenheit auf, „kommen Sie, Herr Professor! Es wäre ungastlich, Sie nach so weiter Wanderung noch länger der Sonnenglut auszusetzen". Er bot ihr seinen Arm, und so schritten sie zusammen den breiten, zu beiden Seiten mit köstlich duftender Reseda eingefaßten Weg entlang, der zur Hinterfront des Schlosses führte. Nur einmal blieben sie noch vor einem hochstämmigen, über und über mit herrlichen Blüten bedeckten Rosenbäumchen stehen. „Meine Lieblingsblume", hatte sie gesagt, und ;er trat näher, ihr einen Zweig der voll erschlossenen, tiefroten Rosen zu brechen. Der Lederhandschuhe hinderte ihn dabei, er streifte ihn ab, und wieder berührte es ihn sonderbar, den leidenschaftlich gespannten Ausdruck ihres Gesichtes wahrzunehmen, mit welchem sie sein ThUn beobachtete. War es der ungewöhnlich breite Goldreif am kleinen Finger seiner Rechten, der ihre Aufmerksamkeit in so hohem Grade erregte? Auch ein tiefes Atemholen, fast ein leises Seufzen, hatte sein Ohr gestreift, aber er hatte sich doch wohl geirrt; denn als sie nun an seinem Arm weiterschritt, bemerkte er, daß sie mit strahlenden Augen einem alten weißhaarigen Mütterchen zunickte, das, die Augen mit der Hand beschattend, von einem offenstehenden Erkerfenster zu ihnen herabsah. „Meine einstige Wärterin", beantwortete sie seinen fragenden Blick. Drinnen im kühlen, durch schwere Vorhänge und herabgelassene Stores dämmerigen Gemach saß er ihr dann gegenüber und brachte sein Anliegen vor. Es schien ihr willkommen zu sein, wenigstens war ein Leuchten in ihren Augen, das nicht auf das Gegenteil schließen ließ. Erwartete sie zu dem Fest jemand, dem ihr Herz entgegenschlug, dem es sich bereits zu eigen gegeben fürs Leben? Hans Volkmann sprang plötzlich auf und trat vor ein großes Gemälde, welches einen beträchtlichen Teil der gegenüberliegenden Wand einnahm. Erst blickte er darauf hin, ohne etwas wahrzunehmen, dann wurde er aufmerksamer. Er trat näher. „Welch ein herrliches Gemälde!" rief er. „Was stellt es vor, Gräfin? Ist es ein Porträt?" Sie gab keine Antwort, sondern schritt zum Fenster und zog den schweren Vorhang zurück. Eine Fülle von Licht überflutete plötzlich das Bild. Da sie noch immer schwieg, schaute er wieder darauf hin, und gab seiner Bewunderung Ausdruck. „Ganz köstlich", sagte er hingerissen, „das schuf eines Meisters Hand. Dieser tiefe Waldesfrieden, diese alten mächtigen Bäume, die nickenden Gräser und Blumen zu ihren Füßen, und mitten in dieser schweigenden Einsamkeit wie ein lebendig gewordenes Märchen dieses junge, holdselige, träumerische Geschöpf. Sieht man nicht förmlich die Sonnenstrahlen über das braune Köpfchen huschen, aus dem weißen Gewand, den zarten blumentragenden Händen gaukeln?" „Wer wie ist mir", fuhr der Sprechende sinnend fort. „Sollte ich dieses edle Profil, diese tiefblauen sehnsüchtigen Träumeraugen nicht kennen, nicht bereits in Wirklichkeit erblickt haben?" Er bemerkte nicht, daß die junge Gräfin jetzt netzen ihm stand und totenbleich, beide Hände aufs Herz gepreßt, zu ihm aufschaute. Die Thür wurde geräuschvoll geöffnet, Frau von Suchen trat über die Schwelle. „Willkommen, mein lieber Herr Professor!" ries sie schon von weitem. „Was mögen Sie nur von mir denken, und auch Sie, Komtesse? Man hat einfach unterlassen, mir den Gast zu melden. Unbegreiflich, nicht wahr? Wer Sie sind mir deswegen nicht böse? Beide nicht?" Nein, man war es nicht! Der Gelehrte begrüßte sie zerstreut und Gräfin Frieda mit einem Lächeln, an dem ihre Augen keinen Anteil hatten. Die alte Dame trat ihr näher. „Wie blaß Sie sind, Komtesse", meinte sie besorgt. „Aber das macht die Hitze, nichts weiter. Sie sollten um diese Zeit nicht so viel im Freien sein oder sich wenigstens mehr vor den Sonnenstrahlen schützen. Ich glaube wirklich. Sie vergaßen heute wieder Ihren Garteinhut. Daß Ihr Teint dabei feine Färbung behält, ist unbegreiflich!" Die behäbige Dame ließ sich schwer in einen der seidenen Sessel fallen und wehte sich mit ihrem Battisttuche Kühlung zu. „Sie bleiben doch zum Diner, Herr Professor?" Der Angeredete schaute auf die junge Schloßherrin, welche noch immer vor dem Bilde stand. „Gnädige Gräfin sehen in der That ermüdet aus; ich fürchte zu stören". Sie blickte ihn wie erwachend an. „Gewiß nicht, Herr Volkmann! Nur bitte ich mich für kurze Zeit zu entschuldigen, nur so lange, um" — sie sah mit schwachem Lächeln an ihrem losen, schleppenden Gewände herab — „meiner Jungfer eine kleine Audienz zu gewähren". Sie neigte sich mit der leichten Anmut, welche jeder ihrer Bewegungen eigen war, dann schugen die schweren Falten der bronzefarbenen Thürdraperie hinter ihr zusammen. (Fortsetzung folgt.) Tinte. Nachdruck verboten. Die sonderbare Thatsache, daß gewisse, vor sechs bis stcht Jahrhunderten geschriebene Dokumente und Bücher bedeutend besser lesbar sind, als viele Schriftstücke, die nvch nicht einmal hundert Jahre überdauert haben, könnte uns fast glauben machen, daß die Kunst der Tintenbereitung seit dem Mittelalter znrückgegangen sei. 303 Daß die minder dauerhaften Tinten während der letzten Jahrhunderte in Ausnahme gekommen sind, liegt aber Zweifellos vornehmlich daran, daß man zum Schreiben Farbstoffe anzuwenden wünschte, die sich dünnflüssig genug erhielten, um leicht und schnell mit der Feder über das Papier dahineilen zu können. Die Tinten der Alten sollen, wie Vitruv, Plinius und andere berichteten, aus Ruß. oder Lampenschwarz und einer zähen Flüssigkeit bestanden haben, der bisweilen noch -etwas Farbe zugesetzt wurde. Es erscheint nun kaum .zweifelhaft, daß die Beständigkeit der alten Schriften auf die Verwendung per Kohle zurückzuführen ist; denn als man gegen Ende des Mittelalters diesen Farbstoff als ungeeignet bei der Tintenfabrikation ausschloß, verblaßten auch die Manuskripte immer schneller. Vor Jahren wurde in dem aufgegrabenen Herkulanum ein Behälter mit einer geringen Quantität Tinte ausgefunden, die, wie sich bei näherer Untersuchung ergab, aus einer Mischung bon, Lampenruß und einem dicken Oel bestand. Es ist die Tinte, wie sie zurzeit der Verschüttung der Stadt zum Schreiben auf Papyrus benutzt wurde. Gewiß mußte diese Substanz häufig genug umgerührt werden, um sie flüssig .zu erhalten. Auch wurde die Schrift wahrscheinlich mitj seinen Pinseln ausgeführt. Für den modernen Menschen, der das Schreiben nicht als Kunst betreibt, wie die Mönche -des Mittelalters, wäre aber eine zähe, verdickende Flüssigkeit völlig ungeeignet, und diesem Umstande verdankt die dünnflüssige Gallustinte ihren Weltruf und ihre Verbreitung. . Die Gallusäpseltinte, welche aus einer Lösung von Eisenvitriol in einem wässerigen Extrakt von Eisengalläpfeln besteht, war schon vor Jahrhunderten in Gebrauch, doch setzte man anfangs dieser Mischung auch Ruß oder Lampenschwarz zu. Durch Lösung des Eisenvitriols, eines mattgrünen Salzes, in Wasser erhält man eine fast farblose Flüssigkeit, die nun mit dem hellbraunen Galläpfelextrakt gemischt wird. Der schwarze Farbstoff der Tinte -entsteht jedoch erst unter Einwirkung der Lust, welche eine Oxydation des Eisenvitriols bewirkt. Steht nun aber die Tinte dauernd mit der Luft .in Berührung, so bildet sich' ein unlöslicher schwarzer Körper, der sich, im Tintejnfaß miederschlägt und den unangenehmen Satz desselben' bildet. Durch Zusetzen von arabischem Gummi kann man das Miederschlagen dieser Farbsubstanz verhindern, nur wird die Tinte dann wieder für unsere Schnellschirift zu dickflüssig und träge. Man ist daher zu einem anderen Hilfs- rnittel übergegangen. Setzt man der Flüssigkeit nämlich ein wenig Schwefelsäure zu, so wird das Eisenvitriol in der Luft nicht verändert, und die Tinte bleibt blaß und dünnflüssig. Wenn chir mit dieser Flüssigkeit schreibens so wird sie durch die in unserem Papier enthaltene Thon-" erde und Soda wieder neutral, und es bildet sich durch die oxydierende Wirkung der Luft der schwarze Farbstoff. Um nun aber diese Tinte auch schon im Glase, wie wir es nun einmal gewöhnt sind, schwarz oder farbig erscheinen zu lassen, setzt man der Flüssigkeit etwas Indigo oder einen -anderen Farbstoff zu, der aber mit der eigentlichen dauerhaften Wirkung der Tinte auf dem Papier nichts zu thun hat. Auch farbige Tinten, die wahrscheinlich aus Pflanzen- extrakt bestanden, waren den Alten bekannt. Das soge- wannte Sacrum Encaustum war eine purpurfarbene Tinte, während die -grüne Tinte von den Griechen für Staatsdokumente Vorbehalten blieb. Unsere jetzigen farbigen Tinten sind häufig einfache Lösungen von Anilinfarben, doch auch Campecheholz und andere Pflanzenfarben wer-? den in bedeutenden Men'gen für diese Zwecke verbraucht. Ein besonders bemerkenswertes Produkt unseres Zeitalters ist die feuerfeste Tinte, deren Hauptbestandteil ein Pla- iinasalz bildet, und die in Verbindung mit einem feuerfesten, hauptsächlich aus Asbest bestehenden Papier Anwendung findet. Die Dauerhaftigkeit der Schrift hängt aber in hohem Maße von der Beschaffenheit des Papiers ab. Die Pergamenthäute, auf welchen früher geschrieben wurde, waren hinsichtlich der Dauerhaftigkeit einer Urkunde unserem heutigen Papier weit überlegen. Besser als dieses war in dieser Hinsicht auch, sogar das alte ungebleichte Papier; denn gerade die geringen Mengen von Chlor und Kalk, welche nach der Bleiche immer im Papier zurückbleiben, üben im Laufe der Zeit einen zersetzenden Einfluß auf dieses, wie auf die Tinte aus. Auch kann man die Folge der Verwendung von Holzstoff zur Papierfabrikation schon, heute bei vielen Büchern erkennen. Das Papier ist braun gefärbt und so spröde, daß man es durch bloßes Zerknüllen in der Hand in kleine Stückchen zerbrechen kann. Das ist anderseits auch ein Trost; denn bei der heutigen ungeheuren Bücherproduktion wäre schließlich für neue Werke kaum noch Raum, wenn nicht die alten der Vernichtung anheimsielen. Aber wie das Papier eine vernichtende Wirkung auf die Schrift ausübt, so auch die Tinte auf die Feder, da Stahl den Fehler hat, sich selbst in verdünnter Schwefelsäure aufzulösen. Es scheint fast, als ob man gar kein besseres chemisches Produkt zur Vernichtung der Stahlfedern hätte erzeugen können als schwarze Tinte. Es ist sicher, daß die Stahlfederfabrikanten den Tinten-Chemi- kern nicht grollen, und daß sie weit davon entfernt sind,, ihren Federn eine unbegrenzte Haltbarkeit zu geben. F. Hd. Gemeinnütziges. Waschbare Stoffe sollten nicht in geblautem und gestärktem Zustande für den Winter fortgepackt werden — geblaut werden sie gelb, gestärkt mürbe — auch neue Stoffe nicht, wenn sie fleckig oder sehr schmutzig sind. Farbige Waschstosse müssen vor der ersten Wäsche gebeizt werden, damit sie nicht ausgehen und.manchmal muß man das Verfahren nach einigen Wäschen wiederholen. Die beste Beize, besonders sür alle Arten Rosa und Grün, ist starkes Salzwasser, worin man die Gegenstände aus 12 bis 24 Stunden legt, und dann sofort In die Wäsche thut, ehe das Salz darin eintrocknet. Für Blau und Braun ist starkes Alaunwasser besser, aber es muß nach jeder dritten Wäsche wiederholt werden. Pensee, Lila und Gelb lassen sich, nur in Wasser, dem etwas grüner Vitriol beigefügt ist, beizen (8 bis 10 Stunden). Bei letzterem ist jedoch Vorsicht nötig, da es giftig ist. E. O. K., New-Orl. („Prakt. Wegw.") Petroleum aus einem Billardtuch verschwinden zu machen, ohne daß das letztere von der Unterlage abgenommen wird, gelingt so ziemlich, wenn man Kartoffelmehl fingerdick über den Fleck breitet und einige Stunden darauf liegen läßt; oder wenn man den Fleck mit Löschpapier bedeckt und dieses recht heiß überbügelt. Das Löschpapier muß. sehr ost gewechselt, und das Bügeln wiederholt werden. Wie geschieht das Wasserdichtmachen der Sackleinwand? Nimm gleiche Gewichtsteile von Alaun und Bleizucker (essigsaures Blei), löse beide unter Um» rühren in heißem Wasser aus, vermenge hierauf diese Lösungen, versetze sie dann mit warmem Wasser und lege in diese Mischung die Leinwand 24 Stunden lang ein; schließlich trockne die Leinwand. — Oder: man koche 50 Gramm Hausenblase so lange mit weichem Wasser, bis sie völlig aufgelöst ist, löse darauf 100 Gramm Alaun in 3 Liter Wasser und 30 Gramm weiße Seife in 1,5 bis 2 Liter Wasser, menge sodann die Filtra und trage die Mischung in stark erwärmtem Zustande mittelst Bürste aus das Zeug auf. Wie sind Fässer wasserdicht zu machen? In drei Teilen frischen, heftig geschlagenen Blutes werden vier Teile zu Staub gelöschten Kalkes gethan und dieser Mischung etwas Alaun hinzugefügt. Die so erlangte dünn- klebrige Masse kann sofort zum Ärstrich verwendet werden. Je nach dem gewünschten Grade der Dichtigkeit wird der Anstrich zwei- oder dreimal wiederholt. Leimen pon Holz auf Metall. Zu diesem Zwecke rauht man die betreffende Metallseite durch unverdünnte Schwefelsäure. Sobald das Metall trocken abgewischt ist, verleimt man dasselbe mit bestem Tischlerleim, dem eine kleine Menge Glyzerin und Galläpfelabkochung zugesetzt ist. Das Verfahren eignet sich, nicht nur zum Leimen kleiner Plättchen, sondern auch größerer, doch 304 — müssen dieselben überall gleichmäßig aus der sein aufgerauhten Holzunterlage aufliegen. Wie man Stahlfedern behandelt. Es ist gut, jede neue Feder vor dem Eintauchen, statt sie mit dem Mund zu befeuchten, in eine frisch geschnittene Kartoffel zu stecken, wodurch ein leichtes Ausfließen erzielt wird. Aber auch bei einer alten, mit einer Tintenkruste überzogenen Feder ist dieses einfache Verfahren mit Erfolg gekrönt, denn ein ein- bis zweimaliges Einstoßen derselben in die Kartoffel löst jeden Ueberzug ab. Kesundheitspflege. Schädigung der Augen durch übermäßige n T a b a k g e n u ß. Man ist allgemein der Meinung, die einzige schädliche Wirkung des Tabaks auf die Augen liege im Rauch. Ferner ist die Ansicht verbreitet, daß Tabakschnupsen ein den Augen zuträgliches Mittel sei. Dem ist aber nicht so. Die durch das Schnupfen hervorgerufeneu Reize der Schleimhäute der Nase pflanzen sich durch die Thränenwege nach den Augen fort und können so Augenröte und stärkeres Thränen im Gefolge haben; nur bei großer Trockenheit der Augen sollte man deshalb eine Prise nehmen. Weit schädlicher für die Augen wirkt das in dem Tabak enthaltene Gift, das Nikotin, wenn es beim Rauchen und Kauen von Tabak in zu großen Mengen in den Körper gelangt. Dieselben üblen Folgen hat übermäßiger Alkoholgenuß. • Die Wirkung des Alkohol- und Nikotingiftes ist eine langsame und wird gewöhnlich erst vom Arzte entdeckt. Appetitlosigkeit, unruhiger, oft unterbrochener Schlaf, Abnahme des Gedächtnisses, Zittern der Hände usw. sind die ersten Zeichen, schließlich aber stellt sich eine zunehmende hochgradige Schwachsichtigkeit ein. -7 Es sei damit nun nicht gesagt, daß sich jeder den Genuß einer Zigarre, einer Pfeife oder eines Glases Bier entziehen soll, nur hüte man sich vor Uebermaß. Daß Bier ein Heilmittel gegen Hämorrhoiden, Magenleiden und Blutarmut ist, dürfte wenigen bekannt sein. Zur Verwendung kommen solche Biere, die leicht und nicht für den Export eingebraut sind. Mit dem Bier wird geriebenes Schwarzbrot und etwas brauner Streuzucker aufgekocht. Ein zu langes Kochen muß vermieden werden, da die Güte des Trankes darunter leiden würde. Mit Hämorrhoiden Behaftete, die an schmerzhaftem Stuhlgang leiden, müssen morgens als erste und abends als letzte Mahlzeit diese Biersuppe essen. Diese Suppe muß möglichst warm gegessen werden und der Genuß von Thee und Kaffee hat zu unterbleiben. Außer der Mittagsmahlzeit sollte während der Kur, die gewöhnlich in drei Tagen beendet ist, nur diese Biersuppe gegessen werden. Jeld und Karten. Radieschen! Der praktische Ratgeber im Obst-und Gartenbau hat eine große Zahl neuer Treib-Radieschen- sorten vergleichsweise angebaut und veröffentlicht in Wort und Bild die Ergebnisse. Als die beste Radieschensorte hat sich darnach herausgestellt: „das Breslauer ovale scharlachrote Treibradies". Es folgt das „rosenrote mit weißen Spitzen" und „Ruhin von Mechau". Wer einen schärferen Geschmack liebt, wähle das „Karminrote Nord- häuser". Bei dieser Gelegenheit wird darauf aufmerksam gemacht, daß beim Treiben des Radieschen für reichliches Lustgeben Sorge getragen werden muß, sonst verkrüppeln die Radieschen und werden doch unförmig und unansehnlich. Mr die Küche. Klops gebraten. Ein halbes Kilo Rindfleisch, ein viertel Kilo Schweinscarre, ein viertel Kilo Schweinerückenfett, alles sehr fein gewiegt. Zwei eingeweichte, wieder ausgedrückte Semmeln, zwei Löffel geriebene Semmeln, vier Eier, zwei Löffel Butter, das nötige Salz, gestoßener Pfeffer, wenig Muskat, wenig abgeriebene Zitronenschale, alles gut vermischt. Kleine Klops geformt, in hellbrauner Butter auf beiden Seiten gebraten. Zwei Löffel Mehl, in Butter oder Fleischbrühe braun geschwitzt, kräftige Fleischbrühe, ca. einhalb Liter, auch etwas Bratönsauce aufgefüllt, zur Sauce verkocht, die Klops hineingelegt, einmal darin aufkochen lassen, anrichten. Sauerampfersauce. Einige Hände voll Sauerampfer in kochendem Wasser weich kochen, auf ein Sied schütten, ausdrücken, durchstreichen. 70 Gramm Butter mit einem Löffel Mehl schwitzen, den Sauerampfer zufügen, mit kräftiger Fleischbrühe auffüllen, daß die Sauce dicklich bleibt, mit einem Eigelb und etwas süßer Sahne binden, anrichten. Oder: Zarter Sauerampfer entstielt, blanchiert, mäßig sein gewiegt. Eine weiße Mehlschwitze bereitet, mit Fleischbrühe aufgefüllt, den Sauerampfer zu- gesügt, durchgekocht, mit einem Stückchen frischer Butter gebunden. Ein riesiger Eisenbahnzug verkehrt seit kurzem auf der New Dorker Zentralbahn zwischen der Stadt New Jork und Albany. Von allen Personenzügen dürfte er vielleicht der längste sein, der irgendwo einen regelmäßigen Verkehr aufrecht erhält, und es ist daher von besonderem Interesse, sich einmal das Gewicht eines solchen Eisenbahnzuges vorzustellen. Die Länge erreicht 366,50 Meter ohne Lokomotive und Tender, und die eigentliche Zusammensetzung ist folgende: ein Postwagen von 37 500 .Kilogramm, ein zweiter Postwagen von 39 500 Kg., ein Gepäckwagen von 39 000 und einzweiter von 40 400 Kg., ein Wagen für Raucher 21 200 Kg., zwei weitere Gepäckwagen von 29 200 und 29 400 Kg., ein Buffetwagen 45 300 Kg., ein Speisewagen von annähernd demselben Gewicht, und so weiter: zwei Schlafwagen, ein Salonwagen, noch zwei Schlafwagen und noch zwei Salonwagen. Im ganzen besteht der Zug also aus 16 Waggons mit einem Gesamtgewicht von 639 700 Kg. Dazu wäre nun das Gewicht der beförderten Gegenstände und Personen zu zählen: 13600 Kg. Postsachen, 6800 Kg. Passagiergut, 7200 Kg. Frachtgut, dazu das Gewicht von 600 Reisenden mit 40 850 Kg., er« giebt zusammen das Gewicht des beladenen Zuges zu 708150 Kg. oder 14163 Zentner. Der Zug wird von einer einzigen Lokomotive mit fünf Achsen gezogen, deren Gewicht 76 500 Kg. beträgt, der Tender wiegt 46 300 Kg. Nimmt man nun alles in allem, so erreicht der ganze Zug das stattliche Gewicht von rund 831000 Kg. Diese gewaltige Last legt den 230 Kilometer langen Weg zwischen New Port und Albany in 3 ein Viertel Stunden mit nur zwei Stationen zurück, also mit einer mittleren Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde. Bei der Probefahrt wurde die fahrplanmäßige Fahrtdauer sogar noch um zwei Minuten überholt. Bei solchen Leistungen kann uns vor der Beuutzung der Dampfkraft, wie sie sich in der neuesten Technik entwickelt hat, wohl ein Gefühl der Ehrfurcht überkommen. Keine Furcht. Aus der Gegend von Portland wird in einem Privatschreiben folgende dort thatsächlich vorgekommene Anekdote mitgeteilt: Von einer zum Meere herabführenden Höhe kam ein Viehhändler mit einer großen Herde Ferkel gezogen, während in der entgegengesetzten Richtung eine Kompagnie Soldaten aus derselben Landstraße zu marschieren hatte. Der kommandierende Offizier befiehlt den Leuten, beiseite zu treten, um die Schweine vorbeizulassen. Da grüßt der Viehhändler höflichst und ruft den Soldaten zu: „Ihr braucht Euch nicht zu fürchten, in der Herde ist nur ein Boar (Eber), nur ein Boer!" (Solche Witze machen nun schon die Engländer selbst!) Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben b b, d, e e e e e e, g g, r r r r, y derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Geographische Bezeichnung. 2. Einen Fluß. 3. Kulturpflanze. 4. Englischen Staatsmann. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Citatenrätsels in voriger Numurer: Nur einmal blüht im Jahr der Mai. »edaitian: «. Burkhardt. — Druck und »erlag der Brühl'schen UniversttLU-Buch. und Steiudruckerei (Pietsch Lrben) in «ießen.