1900. «KZ IW ii®w8?S ifaanH fi: M SM , Hwf ^yvSw1' n i'kOQ W »iS M -=■ Mch kenne einen wunderbaren Baum, E Der doppcllebig ist, er heißt die Reue; > Die dunkle Wurzel fußt int Höllenrauin Und heißt die Schuld. Jedoch in Himmelsbläue, Die Sterne küßend, hebt mit edlem Schwung Der Wipfel sich: er heißt die Besserung. Dahn. (Nachdruck verboten.) Geächtet. Roman von LotharBrenkendors. (Fortsetzung.) „Es gab für mitfi, zunächst keine andere Zuflucht, Elisabeth, als den Weg in dies Haus. Die Verfolger müssen mir ja bereits auf den Fersen sein. Und wohin ich mich auch für den Augenblick gerettet hätte, in meine eigene Wohnung oder in die Wohnung irgend eines Freundes, überall hätten sie mich, sicherlich schon entdeckt und ergriffen. Hier aber, unter dem Dache des Generals von Marschall, vermuten sie mich gewiß zuletzt. Bis sie auch hierher kommen, kannst Du rnir eine Verkleidung verschafft haben, die es mir ermöglichst, unbehelligt die Thor- wache zu passieren. Bin ich erst' einmal außerhalb« der Stadt, will ich mir mit Hilfe eines in der Nähe wohnenden Freundes schon weiter helfen bis über die sächsische Grenze." Elisabeth dachte eine kleine Weile nach; dann aber schüttelte sie traurig den Kopf. „Es geht nicht, Franz! So wenig es sein mag, was Du da von mir verlangst, es ist doch mehr, als ich leisten kann. Ich habe nichts als meine eigenen Kleider, und ivas sollten sie Dir nützen?" Röcknitz machte eine ungeduldig abwehrende Bewegung. „Es handelt sich freilich nicht um einen Fastnachtsscherz, daß ich mich als Frauenzimmer vermummen dürfte. Aber Du wirst mir doch einen Anzug Eures Dieners besorgen können, oder, was noch besser wäre, irgend eine Uniform." Mit s chwerem Herzen mußte ihm Elisabeth antworten, daß ihr das eine so unmöglich« sei wie das andere. Auch toenit sie sich dem Bedienten «hätte anvertrauen wollen, ein Wagnis, das bei der Denkungsart des alten, seinem Herrn blindlings ergebenen Mannes nicht ohne große Gefahr gewesen wäre, würde damit kaum etwas gewonnen gewesen sein. Denn Christoph war von kleiner, dicker Gestalt, und nicht ein einziges seiner Kleidungsstücke hätte dem hageren, lang aufgeschossenen Franz auch nur annähernd gepaßt. Wie aber sollte sie nun gar zu einer Uniform gelangen! Der Gedanke an einen Anzug ihres! Vaters war von vornherein ausgeschlossen, und es wäre offenbarer Wahnwitz gewesen, wenn sie sich einem der im Hause anwesenden Offiziere oder gar «einem gemeinen Soldaten hätte entdecken wollen. Vergebens zerbrach sie sich den Kopf, irgend einen rettenden Ausweg zu finden. Was auch« immer der unglückliche Flüchtling in seiner von Minute zu Minute wachsenden Verzweiflung vorschlug, sie konnte ihm auf alles doch stets nur dieselben trostlosen Worte erwidern: „Es geht nicht, Franz! — Es kann nicht sein — es ist ganz und gar unmöglich!" Da warf er sich zuletzt gleich einem Rasenden auf den Fußboden nieder, drückte die Stirn gegen die Dielen und erging sich in den entsetzlichsten Verwünschungen gegen sein Schicksal. Nicht lebendig wollte er dies Zimmer verlassen, erklärte er mit dem wilden Trotz eines Menschen, der jeden Weg zur Rettung versperrt sieht. Sie möge nur gehen, um ihre;: Vater zu benachrichtigen, oder noch besser gleich die Polizeidiener zu holen; denn nun sei ja doch alles verloren, und je eher diese Qual ein Ende habe, desto willkommener solle es ihm sein. Umsonst mahnte Elisabeth ihn zu männlicher Fassung und Ergebung. Die wahnsinnige Todesangst machte ihn taub gegen alle ihre Vorstellungen und Bitten. Er klagte sich selber der jämmerlichsten Feigheit an, weil er noch nicht den Mut finden könne, die Pistole gegen seine Schläfe abzudrücken, und dann flehte er aufs neue unter Weinen und Schluchzen, sie möge ihn nicht seinen erbarmungslosen Henkern überlassen. Alles, was noch von halb verblichenen Erinnerungen an gemeinsam erlebte Freuden! und Leiden der Kinderzeit in seinem Gedächtnis haftete, beschwor er in herzbewegenden Worten herauf, um sie zu rühren, vor keiner Demütigung schreckte er zurück, um das Mitleid Elisabeths bis zu selbstvergessener Opserwillig- keit zu steigern. Da ging es zuletzt denn wirklich über ihre Kraft, diese qualvolle Scene länger zu ertragen. Als er wieder das fahle, verzerrte Antlitz zu ihr erhob und dabei mit zitternden Fingern nach dem Kolben der Pistole tastete, wurde ein Gedanke, den sie während der letzten Viertelstunde in ihrer Seele schon hundertmal verworfen und doch immer aufs neue erwogen hatte, plötzlich zum festen Entschluß. „Wohlan, Franz, ich will versuchen, Dich zu retten, wenn die Möglichkeit einer Flucht wirklich Rettung für Dich bedeutet. Ob es mir gelingen wird, weiß ich freilich nicht. Aber da Du Dir selber nicht mehr zu helfen vermagst, ist ja auch im schlimmsten Falle nichts damit verloren. Erwarte mich hier, und versprich mir, bis zu meiner Rückkehr keine neue Uebereilung zu begehn." 418 Räcknitz richtete sich auf und suchte mit starrem Blicke in dem Gesicht seiner jungen Verwandten zu lesen. „Was willst Du jetzt thun, Elisabeth? — Gehst Du jetzt hin, mich zu verraten?" Verächtlich streiften ihre schönen Augen über ferne armselige, gebrochene Gestalt dahin. „Weshalb hast Du Dich mir entdeckt, wenn Du nicht einmal Vertrauen setzest in die Wahrhaftigkeit meiner Worte? Wann hast Du jemals eiue Lüge aus meinem Munde vernommen?" „Vergieb mir", bat er, „vergieb! Ja, ich vertraue Dir, und ich will geduldig über mich ergehen lassen, was Du sür das Rechte hältst. Aber ich beschwöre Dich, Elisabeth, laß mich nicht zu lange auf die Erlösung warten. In der nächsten Minute schon können die Schergen auch hierher kommen, mich zu suchen." „So lange ich Dich in diesem Gemache verberge, tust Du sicher. Niemand wird Dich in meinem Zimmer vermuten. Auch! magst Du hinter mir den Schlüssel abdrehen und die Zchür erst dann wieder öffnen, wenn Du meine Stimme erkennst." , ... = Er nickte stumm zum Zeichen des Einverständnisses, und Elisabeth ließ ihn allein. Drittes Kapitel. Der Leutnant von Plothow ivar es, auf den die Tochter des Generals in der Unerfahrenheit ihrer siebzehn Jahre so verwegene Hoffnungen gesetzt hatte. Sie gedachte ihn durch eine der in beständigem Kommen und Gehen befindlichen Ordonnanzen herausrufen zu lassen, falls er sich noch im Kabinett ihres Vaters befand; denn eine Angelegenheit wie die ihrige mußte selbst König Friedrichs Kriegsplänen gegenüber den Vorrang haben. Aber der Zufall erwies sich ihr günstiger, als sie zu hoffen gewagt hatte. In dem Augenblicke, da sie den Gang betrat, der zu den Gemächern des Hausherrn führte, sah sie sich der hohen Gestalt des jungen Offiziers so unvermutet gegenüber, daß sie nahe daran war, in der ersten Ueberraschung all ihren mühsam erkämpften Mut wieder zu verlieren. Sixtus von Plothow trat respektvoll grüßend beiseite, um ihr den schmalen Weg freizugeben; Elisabeth aber blieb dicht vor ihm stehen, und unwillkürlich hoben sich ihre gefalteten Hände zur Brust empor, während sw beklommen zu ihm aufsah: „Ich war eben willens, Sie aufzusuchen, Herr Leutnant; denn ich muß mit Ihnen sprechen, muß Sie!u,m etwas bitten, das Sie mir nicht abschlagen dürfen." „ Er war unverkennbar in der glücklichsten < Laune. Die Neuigkeiten, die er drinnen im Kabinett des Generals erfahren, mußten wohl trefflich zu seinen eigenen Wünschen gestimmt haben. . „Wenn Sie nicht mehr als mein Leben von nur fordern, Fräulein von Marschall", erwiderte er heiteren Tones, „so ist Ihre Bitte im voraus gewährt." „O, es ist nicht so leicht, wie Sie vielleicht glauben. Aber ich darf es Ihnen nicht hier auf dem Gange fügen, wo wir jeden Augenblick gestört werden können. Lassen Sie uns in jenes Zimmer dort eintreten, Herr v. Plothow!" Er folgte ihr bereitwillig, ein wenig überrascht von ihrer scheuen Befangenheit und dem gepreßten Klang ihrer Stimme. Drinnen, wo das helle Lampenlicht auf ihr marmorweißes Gesichtchen fiel, verwandelte sich sein Befremden dann sogleich in äußerste Bestürzung. „Um des Himmels willen, Fräulein Elisabeth, wie verstört Sie aussehen! Ist Ihnen denn etwas schlimmes begegnet?" Ohne auf seine Frage zu antworten, sagte sie, indem sie ihm fest ins Gesicht sah: „Sie müssen mir bei Ihrer Ehre versprechen, Herr Leutnant, daß kein menschliches Wesen aus Ihrem Munde erfahren wird, was ich Ihnen jetzt anvertraue." Sixtus von Plothow zauderte nicht einen Augenblick, ihrem Verlangen zu willfahren. „Was immer es sein mag, Fräuleinbon Marschall, ich gelobe bei meiner Ehre, unverbrüchliches Schweigen zu bewahren." „Sie kennen meinen Vetter Franz von der Räcknitz?" Die Stirn des Offiziers bewölkte sich leicht. „Ich bin dem jungen Herrn ein paarmal begegnet", sagte er ausweichend, „doch blieb unsere Bekanntschaft immer sehr oberflächlicher Natur." „Genug, daß er Ihnen nicht fremd ist. Sie werden dann um so eher Mitleid mit der schrecklichen Lage empfinden, in die er ohne seine Schuld geriet. Mein unglücklicher Vetter hat sich hierher geflüchtet vor den Häschern, die ihn greifen und ins Gefängnis absühren wollen." „Ins Gefängnis? — Herrn von der Röcknitz? Ja, mein Gott, was hat er denn sträfliches gethan?" „Er hat im Streit einen von den französischen Komödianten erstochen, wie er sagt, einen besonderen Liebling des Königs. Und er fürchtet, zum Zuchthaus oder gar zum Galgen verurteilt zu werden, wenn man sich feiner bemächtigt." Nun war freilich nichts mehr von Heiterkeit und Glücksstimmung in Sixtus von Plothows Zügen. Traurig und voll innigen Mitgefühls blickte er auf das zitternde junge Mädchen. „Welch ein schreckliches Ereignis! Und Ihr Herr Vater — er weiß noch nichts?" „Er weiß nichts, und er darf auch nicht früher etwas erfahren, als bis wir dem Armen zur Flucht verhalfen haben. Das ist es, um was ich Sie bitten wollte, Herr von Plothow." „Mich? Verstehe ich Sie recht, Fräulein Elisabeth? — Um was wollten Sie mxä), bitten?" „Um Ihren Beistand für einen Verzweifelten. Franz glaubt, daß er gerettet sei, wenn es ihm gelingt, die Thorwache unangefochten zu passieren. Denn mit Unterstützung eines zuverlässigen Freundes gedenkt er sich draußen weiter zu helfen bis über die sächsische Grenze. Aber er bedarf vor allem einer Verkleidung. Und wenn Sie — wenn Sie ihm vielleicht eine Ihrer Uniformen leihen wollten —" . Der Leutnant öffnete die Augen weit in betroffenem Erstaunen. „Das ist unmöglich, gnädiges Fräulein! Und es ist auch nicht Ihr Ernst. Ich würde mich damit ja in aller Form zu seinem Mitschuldigen machen." „Wenn das ein Verbrechen ist, so sehen Sie, daß auch ich entschlossen bin, es zu begehen. Aber mein Gewissen macht mir darum keine Vorwürfe. Einen Verfolgten gegen den ungerechten Zorn der Mächtigen zu schützen, kann nimmermehr eine Sünde sein." „Fühlt Herr von der Röcknitz sich ohne Schuld, so thäte er jedenfalls besser, die Gnade des Königs anzu- rusen. Und würde ihm selbst die Gnade versagt, auf Gerechtigkeit darf er unter allen Umständen bauen." „Er ist darüber anderer Meinung, und da es sich für ihn um nicht mehr und nicht weniger als um das Leben handelt, finde ich es wohl begreiflich daß er sein Heil lieber in der Flucht als in dem Vertrauen auf Friedrichs Gerechtigkeit suchen will. Auch Könige sind nur Menschen, und mein unglücklicher Vetter wäre der Erste nicht, der einem Justizmorde zum Opfer fiele. Ja, wenn der Erschlagene nicht gerade einer von diesen Franzosen wäre!" „Ich kann dem Herrn von der Röcknitz nicht vorschreiben, was er thun oder lassen soll; aber ich warne Sie dringend, gnädiges Fräulein, ihm bei seinem tollkühnen Unterfangen hilfreiche Hand zu leisten. Wie ich Ihren Herrn Vater kenne —" „O, ich! weiß wohl, h aß er mir zürnen würde, wenn er es erführe. Aber das kann mich nicht abhalten, eine Pflicht der Barmherzigkeit zu erfüllen. Und warum müßte er es denn mich erfahren? Sie werden mich doch, wohl nicht an ihn verraten?" „Hätte ich Ihnen nicht mein Wort verpfändet, daß ich schweigen werde, wahrhaftig, ich würde selbst vor dem, was Sie einen Verrat nennen, nicht zürückschrecken, um Sie vor einer verhängnisvollen Unbesonnenheit zu bewahren". Um Elisabeths Mundwinkel zuckte es in schmerzlicher Bitterkeit. c „So war es also keine überflüssige Vorsicht, daß ich dies Gelöbnis von Ihnen begehrte. Fast hätte ich's unterlassen, denn noch vor kurzem hegte ich eine bessere Meinung von Ihrer Freundschaft, Herr von Plothow". „Könnte ich Ihnen doch nur beweisen, wie echt und 419 aufrichtig diese Freundschaft ist! Aber warum mußten Sie sie gerade auf diese Probej stellen, warum gerade auf diese?" „Das sind, wie mich dünkt, gar wohlfeile Phrasen, Herr Leutnant! Und ich will es besser unausgesprochen lassen, was ich darüber denke. Auch ist zu müßigen Wortgefechten jetzt keine Zeit. Drüben in meinem Zimgier wartet ein Unglücklicher in Todesängsten, daß ich ihm Kettung oder Verderben bringe. Nun, da ich Ihre tugendhaften Grundsätze kenne, wäre es nutzlose Grausamkeit, ihn noch länger in seiner Ungewißheit zu lassen." Ihr junges Antlitz war von einer statuenhaften Starrheit. Sixtus von Plothow sah, daß die Qualen und Kämpfe einer einzigen Stunde das sorglose Kind hatten zum Weibe reifen lassen. Und er sah auch, daß der Groll, den sie jetzt gegen ihn empfand, ein unversöhnlicher sein .würde, wenn er sie so von sich gehen ließ. Ein wilder Zwiespalt wühlte in seinem Herzen, der Zwiespalt zwischen seinem Pflichtgefühl und seiner Liebe, deren er sich nie zuvor so klar bewußt geworden war wie in diesem entscheidungsschweren Augenblick. (Fortsetzung folgt.) Vom Durst und vom Trinken. Von Dr. AlbertLüders. Nachdruck verboten. Wenn der Dichter sagt: So lange nicht den Bau der Welt Philosophie zusammenhält. Regiert das Weltgetriebe Der Hunger und die Liebe so gehört er jedenfalls nicht zu denjenigen, welche klagend ousrufen: „Man spricht vom vielen Trinken, doch me vom großen Durst" und macht sich, soweit er die hervorragendsten Bedürfnisse des Menschen erwähnt, in der That einer groben Unterlassungssünde schuldig; denn das Gefühl des Durstes ist ungleich quälender und erheischt viel dringender Befriedigung als der Hunger. Wer nicht von gar zu schwächlicher Konstitution ist, kann ohne Gefährdung seiner Gesundheit, wenn es ihm sonst Vergnügen macht, getrost einmal 3 oder 4 Tage hungern, und die Beispiele von Hungerkünstlern wie Succi und von verschütteten Bergleuten beweisen, daß, wenn nur Wasser zur Stillung des Durstes vorhanden ist, der absolute Mangel an Nahrung trotz der quälenden psychischen Vorstellungen, die aus einen im Schoße der Erde Begrabenen einstürmen, eine bt» Mehrere Wochen ertragen werden kann, während die Entziehung des Wassers jedes Geschöpf mit Ausnahme der niedrigsten Lebensformen binnen kurzer Zeit dem Tode in seiner qualvollsten Form überantwortet. Einen Menschen verdursten zu lassen, war eine der raffiniertesten Hinrichtungsarten, die man im Mittelalter praktizierte und die noch heute bei den laugbezopsten Herren am Hoangho und Yangtsekiang in Hebung ist. Es bemächtigte sich daher ein gerechter Unwille des Publikums als vor kurzem bekannt wurde, daß in einet Hinversitachstadt -Mitteldeutschlands ein junger Kliniker einem an diabetes insipidus leidenden Kranken den Wassergenust entzogen hatte dessen Entbehrung derartigen Leidenden schon /binnen wenigen Stunden ganz unerhörte Qualen bereitet und sogar Lebensgefahr bringt. Daß das Bedürfnis nach Flüssigkeit sich in so heftiger Weise geltend macht, hat seinen guten Grund; denn es fmd nicht nur die Nieren, welche fortwährend Flüssigkeit ab- fondern, sondern mehr als die Hülste alles aufgenommenen Getränkes wird durch die Lungenatmung ausgeschieden und -verläßt auf dem Wege der Hauttransspirativn den Körper. Wenn-daher nicht eine fortwährende Ergänzung des Wa,ser- verlustes stattfindet, dicken sich die Körpersafte, und zwar nicht nur das Blut, sondern auch die Lymphslustigkeit derartig ein, daß schließlich unter Erscheinungen,die auf eme Vergiftung des Nervensystems deuten, der Tod emtntt Bei geringeren Graden von Wassermangel macht sich em unangenehmes Gefühl in der Schleimhaut des Mundes und des Schlundes bemerkbar, wahrend die Mundhöhle trocken und die Schleimabfondernng vermindert ist. Er- iolgt keine Stillung des Durstes, so roten sich allmählich die Schleimhäute des Mundes und des ganzen Verdauungs- kanals, die Sprache wird heiser, das Schlucken beschwerlich, und der Puls nimmt ein Fiebertempo an; die Augen entzünden sich, und während der Körper schwach und hinfällig wird, bemächtigt sich des Nervensystems eine ungeheure Reizbarkeit. Es folgen Delirien und Paroxysmen, Jrre- reden und Krämpfe, und endlich macht der Tod dem gemarterten Menschenleben ein Ende. So ungefähr verläuft das Verdursten, wie es in den Wüsten Afrikas und Australiens schon ost Tiere und Menschen ereilt hat und wie es ohne Zweifel bei der Tollwut der Hunde eine große Rolle spielt. Aber auch wer, vollsästig und zum Schwitzen neigend, stundenlang int Gebirge geklettert ist, ohne sich an einem frischen Quell laben zu können, wird einen Vorgeschmack der Höllenqualen des Durstes bekommen haben! Menschen von schlankem Wuchs und leichtem Gewicht, die nicht körperlich schwer arbeiten, können ihren Wasserbedarf wohl mit zwei Liter befriedigen. Wenn aber Lehrbücher der Physiologie dieses Quantum als Normalmaß hinstellen, so ist das nur ein Beweis für die schrullenhafte Gleichmachungssucht vieler Herren Stubengelehrten, die, obwohl sie im Dienste der menschlichen Gesundheit thatig zu sein glauben, den wirklichen Verhältnissen des Lebens fern stehen. Denn, wenn man von den vertrockneten Männlein und Weiblein absieht, die mit dem Schneidergewicht von höchstens 99 Pfund durchs Leben laufen, so trinken die meisten Menschen bedeutend mehr, wovon sich, jeder selbst überzeugen kann, wenn er seinen täglichen Flussig- keitskonsum, bei dem natürlich Kaffee, Thee, Suppen usw. und der Wassergehalt der Speisen mitberücksichtigt werdest müssen, gewissenhaft zusammenrechnet. Bei Menschen mit lebhaftem Stoffwechsel steigt ober namentlich, wenn sie m einem heißen und trockenen Klima leben, die Menge des genossenen Getränkes bedeutend, und es ist durchaus nicht zu hoch gegriffen, wenn Reisende den Flüssigkeitskonsum in den äquatorialen Wüstengegenden auf täglich mindestens 12 Liter angeben. Was im Vorstehenden beschrieben wurde, ist der natürliche Durst, wie ier dem Menschen mit den Tieren gemein» fam ist und eine Notwendigkeit zur Erhaltung unseres irdischen Leibes bildet. Daneben aber existiert der künstliche Durst, nämlich das unbezähmbare Verlangen, welches dem Menschen von den tiefsten Kulturstufen angefangen, innewohnt, seiner Kehle und seinem Magen Getränke zuzuführen, die an sich keine zum Lebensunterhalt notwendige Nahrung sind, aber als Reizmittel und Genußmittel überall verlangt und verbraucht werden. Wenn man die Mitglieder der Heilsarmee und anderer Enthaltsamkeits-Vereine über den Genuß eines Glases Sier oder Wein zetern und lamentieren hört, als ob die ewige Selig! !t des Betreffenden, alkoholische Getränke konsumierenden, lasterhaften Menschenkindes auf dem Spiele stände, so fragt man sich eben doch erstaunt, wie es kommt, daß das Ebenbild Gottes allüberall seine Lebensgeister künstlich durch gegorene Getränke anfeuert. Es kann ohne weiteres zugegeben werden, daß der Alkohol in jeder Gestalt für viele Menschen ein Gift ist, dem fte am besten gänzlich entsagen und daß eine Hnmenge menschlichen Elends einzig und allein seinen Grund darin hat, daß titele -Individuen eben in krankhafter Weise mit ihren Nerven gegen alkoholische Getränke reagieren. Daraus kann man aber vernünftigerweise doch nur den Schluß Stehen, daß man den Alkoholismus nicht als Sünde und Verbrechen, sondern als Krankheit zn betrachten hat, und daß man nut' den Exzessen in seinem Genuß entgegentreten darf. Der friedsame Bürgersmann aber, der von seinem woyl- verbrieften Rechte Gebrauch macht, hier und da in einem Tempel des Gambrinus ein Glas Münchens: oder Kulmbacher oder sogar hellblondes Pilsener Tschechenbier^hinter die Binde zu gießen, und die Herren Mexikaner, die sich an der aufregenden Pulque ergötzen, oder unsere neuen Landsleute in Samoa, die als vollendetste Kavaliere die Wurzeln und Knollen, ans welchen fte chre gegorenen Getränke bereiten, zuvor im Munde der schönsten jungen Mädchen und Frauen des Dorfes kauen lassen, fmd, soweit sie sich dabei in maßvollen Grenzen halten, keineswegs > mehr zu tadeln, als die Kaffeeschwester, welche beim 420 Damenkaffee, als ihr die fünfzehnte Tasse eingeschenkt wird, meint: „aber das ist ganz gewiß die vorletzte". In sehr bekannter Weise äußert sich Brillat-Savarin, also der erste Sachverständige in der Kunst des Genießens über die verschiedenen Abstufungen des Durstes mit folgenden Worten: „Der stille oder gewöhnliche Durst besteht in jenem unmerklichen Verlangen, das Flüssigkeits- gcwicht herzustellen, da jeder Atemzug eine Quantität Flüssigkeit entführt. Dieser Durst ladet ohne Schmerzgefühl ein, beim Essen zu trinken, und ihm verdanken wir es, daß wir beinahe zu jeder Zeit zu trinken vermögen. Dieser Durst begleitet uns überall und macht in gewisser Hinsicht einen Teil unseres Wesens aus. Der künstliche Durst ist dem Menscheu eigentümlich und entstammt jenem angeborenen Instinkt, der uns in den Getränken eine Kraft suchen läßt, die die Natur nicht hineingelegt hat, und welche nur durch die Gärung erzeugt wird. Dieser Durst ist eher ein künstlicher Genuß als ein natürliches Bedürfnis und in Wahrheit unauslöschlich-, weil die Getränke, mit denen man ihn zu stillen wünscht, ihn unfehlbar stets aufs neue erzeugen. Wenn er schließlich zur Gewohnheit wird, bringt er die Trunkenbolde aller Länder hervor, und bei diesen nimmt beinahe immer das Trinken erst dann ein Ende, wenn entweder das Getränk fehlt oder wenn dieses den Trinker besiegt und unter den Tisch gestreckt hat. Wunderbar ist es, daß derjenige, der seinen Durst mit reinem Wasser stillt, das dessen natürliches Stillungsmittel zu sein scheint, nie einen Schluck über das Bedürfnis trinkt. Der brennende Durst entsteht durch die Steigerung des Bedürfnisses und durch die Unmöglichkeit, den stillen Durst zu löschen. Man nennt ihn brennend, weil er von einem brennenden Gefühle auf der Zunge, Trockenheit des Gaumens und verzehrender Glut im ganzen Körper begleitet ist." Die Frage wie viel einer trinken soll, kann nicht mit bestimmenden Maßen und Zahlen beantwortet werden. Klima, Jahreszeit, Art der Beschäftigung und vor allem natürlich die angeborene Konstitution des Individuums find hier die maßgebenden Faktoren, und diese können sich so verschieden gestalten, daß allerdings außerordentlichverschiedene Resultate herauskommen. Die Brauknechte der großen süddeutschen und österreichischen Brauereien bekommen täglich 6 bis 8 Liter Freibier als Deputat und trinken außerdem, da sie es um einen sehr billigen Preis erhalten, häufig noch weitere 8 bis 10 Liter. Sie befinden sich bei der von ihnen geleisteten schweren Arbeit trotz dreses kolossalen Flüssigkeitskonsums ganz wohl, höchstens zieht sich der oder jener eine Herzverdickung zu, welche bei seiner auch im übrigen sehr kräftigen Lebensweise selten schlimme Folgen hat, während ein armseliges schwaches Schreiberlein vielleicht von einem Liter umgeworsen wird. Den besten Maßstab zur Beurteilung des Wievieis giebt vielleicht nachstehende, auf einem thatsächlichen Vorfall beruhende Anekdote. Einem an der Majorsecke stehenden Hauptmann schrieb sein Bataillonskommandeur in die Konduite „Trinkt viel"; der wohlwollende und mit den Verhältnissen vertraute Oberst, welcher die Bemerkung des I gehässigen Majors nicht wohl annullieren konnte, machte den Zusatz: „Verträgt auch viel", und der ebenfalls dem Hauptmann gewogene Brigadier fügte noch hinzu: „Bezahlt es auch". Nur derjenige, der mehr trinkt, als er vertragen und bezahlen kann, ist ein Säufer und noch etwas schlimmeres als dieser, und der berühmteste Mann Deutschlands, dessen irdisches Teil unter den Eschen des Sachsenwaldes ruht, käme herzlich schlecht weg, wenn man seinen Durst, dessen Befriedigung ihn nicht gehindert hat, den Bau des deutschen Reiches zurechtzuzimmern, nach dem kleinlichen Maßstabe Zuckerwasser trinkender Philister messen wollte. Das deutsche Volk vertrinkt im Jahre in Gestalt von Bier rund 1800 Millionen Mark; der konsumierte Schnaps und Branntwein hat einen Berkausswert von 700 Millionen Mark; dazu kommen noch 400 bis 500 Millionen Mark, die in Wein vertrunken werden, in Summa nahezu 3 Milliarden, welche alljährlich auf den Altären von Bacchus und Gambrinus geopfert werden. Das sind allerdings er- I «ebalties: $. Burkhardt. — »ruck und verleg der Brühl'schen schreckende Ziffern, an denen manches zum allgemeinen und besonderen Wohle gespart werden könnte, obwohl man mcht verkennen darf, daß das Bier doch auch bedeutende Mengen leicht assimilierbarer Nährstoffe enthält und der Alkoyol des Weines und Bieres im Körper als Brennmaterial verbraucht wird und ebenso Wärme liefert wie Zucker, Mehl und Fette. Vielleicht stimmt es die Temperenzler milder, wenn Ire hören, daß für Kaffee und Tabak, welche beide nicht den geringsten Nährwert haben, guch recht erkleckliche Summen verausgabt werden. Deutschland verbraucht nämlich alljährlich Kaffee im Verkaufswert von rund 250 Millionen Mark und bringt ein Rauchopfer dar, welches mit eurer halben Milliarde Mark gering geschätzt!ist.- Jedenfalls rst aber so viel gewiß, daß die größten" Denker und Dichter in ihrer überwältigenden Mehrzahl einen guten Drunk wohl zu schätzen gewußt haben und nach wie vor begeht das Wort des alten Horaz zu Recht, welches in deutscher Uebertraguug lautet: Lange währt nicht der Ruhm und das Leben solcher Gedichte Die ein Poet gereimt, der stets nur Wasser getrunken. ' GernHtMnÄtziges. Zur Erziehung. Wenn ein zartgewebtes Netz in Unordnung geraten will, so packt der Vernünftige nicht mit plumper Hand hinein und verwirrt so das Ganze sondern man versucht mit.leichtem, vorsichtigem Finger die angehende Unordnnng zu heben. Und ein ehr zart und fern besaitetes Ding ist die.Kindesseele. E. Almsloh Literarisches. Frauenluxus. Unter diesem Titel veröffentlicht, das soeben erschienene Heft 21, XIII. Jahrg., der „Wiener Mode einen Aufsatz, der gewiß das Interesse der Damen in hohem Grade fesseln wird. Ebenso großen Beifall durften auch die in diesem Hefte veranschaulichten reizenden ^ulardtoiletten sowie praktischen Waschkleider und Hemd- blou;en finden, die beweisen, .daß man auch iu der „saison morte" Zweckentsprechendes schaffen kann. — Preis vierteljährlich 2.50 Mk., einzelne Hefte 45 Pf. Probeabonuements Monate-August und September zum Preise von 1.70 Mk Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten oder direkt vom Verlag der „Wiener Mode" Wien, IV., Wienstraße 19. Magisches Quadrat. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehenden Quadrats jfintS' die Buchstaben a a a a, e e, l l, n n n, r, s, u u, $ derart einzutragen, daß die magercchtcn und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: l. Biblische Figur. 2. Weiblichen Vornamen. 3. Ein Gewicht. 4. Ortschaft in Westfalen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel^ Treff; b — Grün, Pique; c = Rot, Coeur; d — Schellen, Carreaux X — Aß; II — Unter, Wenzel, Bube; D — Dame, Oberh^ßz Mittelhand hatte a Z, a D, c Z, c K, c 8, c 7, d Z, d D, d 9, d 7 / im Skat lagen b U und d A, Hinterhand bekam die übrigen. — Verlauf des Spieles: 1. V. b9 M. dZ H. dII — — 12. 2. H. oA 58. cD M. oZ — — 24. 3- £>• aA V. a8 2R. a Z = — 21. weiteren Spielverläufe fällt den Gegnern noch ein Trumpf-- stich: B. b 8, M. a I), H. » Q — g Augen zu, wodurch diese im ganzen 62 bekommen. '»Auch, und Strmdruckcrci (Pietsch Erbe«) ta Steint.