m fämbäcK' v-Ct 'bot-pgr. aufa HJNol l_._G IXSSän- Ätil I b.llllliH i^Wu Tp^ M A|vgJ 1 Gewalt und Kraft versagen, Siegt durchdringend der Verstand: yFr Die Axt kann den Krystall zerschlagen, Doch ritzt ihn nur der Diamant. Julius L o h m e y c r. Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. (Fortsetzung.) Während dieser Unterredung war Karl, der Knecht, auf dem einsamen, vor dem Bahnhofe liegenden Platze mit seinem Handkarren auf und abgewandert, erwartungsvoll den Kopf nach der Eingangsthür gerichtet. Weit und breit hörte man keinen Laut, auch der Bahnhof schien in dieser Pause zwischen nächtlicher Ankunfts- und Abfahrtsstunde in Schlaf versunken zu sein. Ganz in der Ferne sah Karl den Anfang des Waldweges, welchen er mit Nettchen gewandelt war; ein paar niedrige Birken nur, mit jungem Frühlingsgrün auf den dünnen Zweigen wie mit zartem Seetang behangen, aber weiterhin gesellten sich starke, schöne Stämme markiger Eichen dazwischen, bis das in einzelnen Gruppen stehende Gehölz immer dichter und reicher wurde, und schließlich zum Wald anwuchs. Und durch die Nachtstille dieses Waldes waren sie dahingezogen,'das Lied vom Wandern singend! Wandern durfte alles, die Steine, die Räder, und der fröhliche Müllerbursch'. Ja, alles, was Mut und Kraft besaß, durfte vorwärts, durfte wandern und die Welt an sich vorübergleiten lassen, und nur ein furchtsamer Knecht, wie er, hatte können ein Lebenlang an der winzigen Scholle kleben. — Während er über diese Dinge weiter nachgrübelte, fühlte er wie vieles, das bisher so fest in ihm gewachsen und gewuchert war, das stumpfe Pflichtgefühl, unter dem er so glücklich dahingelebt hatte, und die Ergebung, die ihn so wunschlos erhalten hatte, sich loslöste und nur noch zitternd an den letzten Fasern hingen. Ein ivildes Chaos von Gedanken bestürmte ihn. Warum sollte nicht auch er hinaus, wie der Müllerbursch', dorthin, wo die Welt neu und voll Freuden war. Warum ging er nicht hin, in dieselbe große Stadt, zu der es das fremde Mädchen zog und suchte dort einen Dienst, und lebte dort herrlich nnd viel vergnügter als daheim? Wie, wenn er es sagte, wenn er sie fragte? Wenn er sich hinstellte vor sie und spräche: „Ihre Worte, daß man nicht thun soll, was einen quält, sind mir im Kopf herumgegangen; ich will nun auch hin zur Stadt, und mir einen Dienst dort suchen. Meine Ersparnisse trag ich im Beutel auf der Brust, und zu Hause laß ich nichts zurück, als die alte Joppe".-- „Nichts, als den alten Flaus, die Joppe!" sagte der Knecht laut vor sich hin. „Denn die Anne und das Kind, die sollen nachkommen, denen schicke ich Geld, sobald ich's soweit habe, daß ich's erübrigen kann". Wie im Fieber drehten sich diese Gedanken in seinem Hirn, zu seiner „Braut", zu seinem Kinde hin, und wieder von ihnen fort, auf und ab, zerknirschend und zermahlend, wie die wandernden Räder des Mühlenrads. — Er griff nach seinem Halse, und riß die Hemdknöpfe auf. So eng, so zum Ersticken war ihm noch nie gewesen. „Was ist mit mir, — was ist in meinem Hirne los?" dachte er. Nie hatte ihn noch eine solche Aufregung gepackt gehabt, glühende Hitze strömte durch seine Glieder. Er sah Nettchen's dunkle, sprühende Augen im Geiste aus sich gerichtet, hörte ihre Stimme ihn nennen — Karl! und lieber Karl! Er erblickte die Stadt mit ihren Freuden, wie er sie sich in seiner Phantasie ausmalte, einen Wirbeltanz bunter, verwirrender Erscheinungen, und Nettchen, wie sie mit ihren weißen Händen winkte--Und fern, ganz in der Ferne tauchten Schatten auf — Anna, seine Braut, im plumpen Lodenrock, die Füße nackend, das Gesicht verhärmt, — und das Kind, das die Aermchen nach thm streckte ---- Aufstöhnend lehnte er sich auf die Last der hochgestellten Körbe. . Wo blieb sie, die ihn in solche Verwirrung brachte, warum ließ sie ihn hier draußen vor dem hochbepackten Karren so lange warten? Er löste den Zugriemen, der quer über seine wollene Joppe eine Furche eingedrückt hatte. In demselben Augenblick that sich die Bahnhofsthür auf, und Nettchen, von Mr. Seitre gefolgt, trat heraus. — „Ich reise mit diesem Herrn, bringen Sie die Körbe in's Haus, Karl!" sagte sie hastig. Mr. Seitre war an die Karre getreten. „Fassen Sie an, ich eben mit ab!" befahl er kurz. Der Knecht, stand regungslos. Seine Augen blickten starr. — „Nun", sagte Nettchen, „warum zögern Sie, Karl?" Ihre Stimme klang weich. Der Knecht zuckte zusammen. Seine Augen irrten über ihr heißes, von Verwirrung erfülltes Gesicht. „Eins — zwei — drei — los!!!" kommandierte Mr. Seitre. Dann winkte er einem verschlafen aus der Halle tretenden Gepäckführer. „Briugen.Sie dem Fräulein die 174 Körbe auf den Perron. Wir fahren mit Nachtzug Halle". — „Ich lohnen inzwischen die Knecht ab". „Er ist bezahlt", sagte Nettchen, die sich anschickte, dem Gepäckträger zu folgen. Plötzlich, von einer raschen Regung übermannt, trat sie an den Knecht heran. „Leben Sie wohl, Karl, — und ich danke Ihnen", sagte sie. Sie drückte seine schwielige Hand. Dann eilte sie davon. — In der Familie Brinkmann waren die wenigen, aufregenden Tage längst vorüber, welche Paul und Johannes Hochzeit trotz aller Bescheidenheit mit sich gebracht hatte. Aber wo nach so vielen Stürmen Licht und Sonne, und unendliche Wärme sich soeben auszubreiten begannen, da senkte sich noch einmal ein tiefer Schatten herab. Paul's Mutter schloß die Augen. Die Flamme reinster Mutterliebe verlosch über Nacht, als habe ein Windstoß sie ausgeblasen. Die jüngere Frau, die so gern noch im Glück ihrer Kinder gelebt hätte, mußte gehen, und die alte, deren Scheitel weiß geworden war, und die dem Tode so heiter entgegensah, bereitete das Leichenhemd, das sie sich für den eignen, letzten Gang genäht hatte, für die Tochter vor. In -der stillen Häuslichkeit that sich eine gähnende Lücke auf. Auch als Paul der zweite geboren wurde, schloß sie sich nicht, aber die Trauer wurde sanfter, und in der gleichsam verstummten Häuslichkeit regten sich wieder die ersten Töne des lauten, fordernden Lebens. Johannes kinderhafter Körper war noch zarter geworden, als sie von ihrem Wochenbett aufstand. Der kleine Paul, der mit seinen runden Fäustchen, dem roten, seiften Gesicht wie ein strammer Trompeter in seinem weißverhangenen Korbe lag, sah aus, als werde er dieser kleinen Mama im Handumdrehen über den Kopf gewachsen sein. Paul der Aeltere konnte nicht begreifen, daß er der Vater eines so kolossalen Weltbürgers sein sollte. Sein Gesicht erstrahlte vor Stolz. Sein mutloses und verschlossenes Wesen begann sich an dem Kinde abzuschleifen, und oft erstaunte Johanne und hielt in ihrer Arbeit inne, wenn sie ihren ernsten Mann im Nebenzimmer zur Wonne des Kindes wie einen Hund bellen oder wie ein Pferd wiehern hörte. — Des Abends beeilte er sich mehr als alle seine Kollegen, mit der Arbeit, die ihn immer noch den Schweiß seines Angesichtes kostete, fertig zu werden. Mit einer Pünktlichkeit, die Johanne jeden Blick auf die Uhr ersparte, meldete er, durch das mit dem Drücker am Thürschloß verursachte Geräusch, daß es sieben Uhr sei, und die Hausfrau die Eier in's kochende Wasser legen müsse. — In den kleinen Zimmern, die Nettchen verschmäht hatte, sah es zu dieser Zeit, wo Paul eintrat, stets so behaglich aus, daß er immer erst einen Augenblick stehen bleiben und sich an dem Anblick weiden mußte. Der Tisch war geradezu blitzend sauber gedeckt. Die Lampe, die seine Mitte einnahm, trug einen Schirm aus hellen Papierrosen, und in jede derselben hatte Johanne eine Glasperle eingenäht, die wie ein Tautropfen funkelte, und das Licht des Rundbrenners in Strahlenblitzen verdoppelt wiedergab. Ueberall an den Wänden hingen Kunstwerke aus Seidenpapier; gefaltete, gerippte und gezackte Dinge, Fächer und Blumen, kurz, alle jene kindlichen Dekorationen, deren Vorzug die Billigkeit ist, und die keinen anderen Wert haben, als jenen, daß ein liebendes Herz sie erdichtet. Ueberall versuchte Johanne mit ihren winzigen Mitteln eine Imitation des Farbenreichen und Blütenreichen hervorzubringen, und selbst in jene Räume ihrer kleinen Wohnung, die sich mehr in diskreter Abgelegenheit befanden, verteilte sie Rosen und chinesische Zehnpfennig- Fächer !mit goldenen und silbernen Männern. Als das erste Weihnachtsfest ihrer jungen Ehe herankam, durfte ihr Erfindungsgeist sich bis zu einem wahren Taumel entfalten, und der kleine Tannenbaum, den sie mit heißen Wangen schmückte, mußte es über sich ergehen lassen, daß fast auf jede seiner unzähligen Nadeln ein winziger Flitter gespießt wurde. Er stand da wie ein kleiner, herausfordernder Parvenü, und ließ seine dickvergoldeten Nüsse wie Louisdore glänzen. Er war eigentlich kein Tannenbaum mehr, sondern beinah nur ein vergoldeter Büschel, an dem man die ursprünglichen, grünen Nadeln mit der Lupe suchen mußte. Die einzige, der dieser Baum nicht imponierte, war die Großmutter; aber sie sagte nichts davon, als Johanne die große Serviette von ihrem Kunstwerk hob, um es ihrer Familie zu enthüllen. Sie verstand ja nur zu gut, die alte Frau, daß dieser Drang, das Leben zu vergolden und zu verschönen, nur die Reaktion der äußerlich und innerlich so farblosen, grauen, bitterlichen Jahre war, die Johanna im Gefängnis der Handarbeitslehrerin Windelbach, ihrer Tante, zugebracht hatte. Mit dieser Dame war seit dem Hochzeitstage, an dem sie noch einige Proben ihrer harten Bissigkeit in Form von finsteren Sticheleien gegeben hatte, endgiltig aufgeräumt worden. Paul hatte darin eine sonst an ihm ungewohnte Energie entwickelt: Der böse Drachen durfte ihm nicht ein zweites Mal ins Haus. — Jahre gingen hin. Paul der jüngere war zu einem dicken, hübschen Buben herangediehen. Seine braunen, vollen Wangen umgaben dunkle Locken, seine Augen blickten groß in die Welt, und der rote, kleine, immer gleich zum Weinen zitternde Mund, den er von seiner Mutter geerbt hatte, stand ihm den ganzen Tag nicht still. — In der dunklen Moabiter Stadtwohnung, in der sie lebten, und die durch den Hinzubau neuer Häuser völlig verdüstert wurde, erhielt er nicht viel Lust und Licht, und so wurde die Großmutter mit ihm in die schattigen Gänge des nahen „kleinen Tiergartens" hinausgesandt, damit er sich dort rote Wangen holen sollte. Hier war zur Nachmittagszeit meist eine ganze Frauenversammlung vertreten. Alle Mütter und Großmütter des kleinbürgerlichen Stadtteils, den der Park begrenzte, schienen auf diesem Flecke grüner Erde versammelt zu sein, um sich von des Tages Lasten zu erholen. Kinder waren wie Sand am Meer vorhanden; viele von ihnen nahmen die angelegentliche Unterhaltung ihrer Mütter wahr, um sich der Linie der Straße zu nähern und einen Abstecher zwischen die Pferdebahnen und dahinrollenden Omnibusse zu unternehmen. Dann vernahm man jedes Mal ein Zetergeschrei, und sah einzelne Frauen sich aus den Gruppen lösen und ihren Flüchtlingen nachspringen; mitunter auch fiel irgendwo einer der kleinen Unholde von den Bänken, oder geriet einem anderen, kleinen Hosenmann gegenüber in leidenschaftlichen Kriegszustand. Dann konnte man beobachten, wie sich ganze Massen Volkes bildeten, um im Kreise um den jedesmaligen Häuptling, Für oder Wider Partei zu nehmen. Frauen von den verschiedensten Vierteln, die einander sonst in dem Durcheinander des Straßenlebens kaum begegnet wären, knüpften hierbei Bekanntschaften mit einander an; kleine Dienstmädchen, von der ärmlichen Sorte, die sich ihre Herrschaft nicht wählen konnten, tauschten aufgeregt die (Äfahrungen ihres Lebens aus, und so war dieser Park mit seinen vielen Bänken der Zentralpunkt eines ganzen Stückes öffentlichen Lebens. — Paul an ihrer runzligen Hand vorsichtig und langsam geleitend, mengte sich die alte Frau bescheiden in den lauten Kreis. Sie kannte niemanden von all diesen Menschen, oder doch nur dem Ansehen nach. So viele Jahre sie auch schon mit den Ihren in diesem Stadteil heimisch war — sie hatte nie irgend welche Freundschaft geschlossen; zwischen ihr, ihrer schwerfälligen, ostpreußischen Denkweise und diesem mundgewandten und raschen Volke schien ihr ein unüberbrückbarer Abstand zu liegen. Sie setzte sich mit Paul in die einsamste Ecke, auf die einsamste Bank und ließ das Kind zu ihren Füßen spielen. Wer sie konnte nicht verhindern, daß ein Tuscheln durch die in der Nähe befindlichen Frauengruppen ging, und man unverhohlen spöttisch auf das Kind zu ihren Füßen blickte. — Allerdings nahm der kleine Paul sich sonderbar genug aus. — Auf seinem Matrosenanzuge, den zwei Anker zierten, prangten goldene Schnüre, welche die Hosennähte, die Brust und wie bei einem Husaren auch noch die Rückensäume verzierten. Am Hute trug er goldene Kokarden, und eine kleine, falsche, goldene Uhr an der Weste, und seine Mutter würde ihm auch noch die Stiefel vergoldet haben, wenn dies nur 175 einigermaßen mit der herrschenden Sitte zu vereinigen gewesen wäre. Johanne hatte kein Arg darin gesunden, als sie ihrem Jungen so viel Gold auf seinen äußeren Menschen nähte; ihre Sehnsucht, ihn schön und stattlich zu machen, und so glänzend und prächtig, daß er wie ein blankes Geldstück der ganzen Menschheit in die Augen stechen sollte, war nichts anderes, als derselbe Ueberschwang von Liebe, mit dem sie damals ihren ersten Tannenbaum heraus- geputzt hatte — — Aber die Großmutter empfand das Lächerliche, das in diesem Aufputz lag. --- (Fortsetzung folgt.) Schach, Dame, Salta?) Eine Studie über das Brettspiel von H. Z. Der Welt ein geistreiches Spiel zu schenken, ist unstreitig ein Verdienst, das mit ehernen Lettern in das Buch der Geschichte eingetragen werden muß. Man kann nun nicht gerade behaupten, daß dieser ehernen Lettern bislang viele gebraucht worden wären. Denn der erste, den die Geschichte als Erfinder eines wirklich geistreichen Spieles verzeichnen mußte, war auch gleichzeitig der letzte. Und zudem hatte er das Mißgeschick, daß die Geschichte zu seiner Zeit noch nicht mit der Gründlichkeit geschrieben wurde, wie heute, sodaß „Name, Stand und Wohnung" des betreffenden noch immer in tiefes Dunkel gehüllt ist. Nach der bekannten morgenländischen Erzählung von Behun und dem Schach hätte sich einst ein Mann aus dem Volke, der dem König von Indien das Schachspiel zeigte, als Belohnung dafür erbeten, daß Behun auf das erste der 64 Felder des Schachbrettes ein Weizenkorn und auf jedes folgende doppelt so viel, als auf dem vorhergehenden sich befinden, legen möge. Da nach später angestellter Berechnung diese Forderung 18 Trillionen, 73 700 Millionen, 551650 Weizenkörner umfaßte, wird der König von Indien, obschon er über eines der fruchtbarsten Länder der Welt verfügte, wohl kaum den Wunsch erfüllt haben. Hätte es sich doch um einen Haufen Weizen gehandelt, zu dessen Erzeugung die Erde 76 mal so groß hätte sein müssen, als sie ist, und wären doch nicht weniger als 625 Millionen vierspänniger Wagen zur Fortschaffung notwendig gewesen. Dem Manne, der diese Forderung gestellt haben soll, wird der Name Stazir zugeschrieben: ob er nun wirklich so geheißen und was er denn eigentlich gewesen ist, darüber weiß man eben nichts, so viel 'steht ja aber fest, daß es einer war, der sich mit „Kleinigkeiten" nicht abgab. Neben dem Schach haben zu allen Zeiten schon andere Brettspiele existiert. Durchmustert man die lange Liste derselben, so findet man sogar manche darunter, die recht interessant, zum Teil auch solche, die geistanregend sind, das Prädikat geistreich aber hat bislang noch keines gerechtfertigt. Wenn nun in der Gegenwart hier und da eines neuen Brettspieles Erwähnung geschieht, dem nachgerühmt wird, auf ähnlich geistreichen Theorien aufgebaut zu sein, wie das Schach, so ist dies wohl Grund genug, sich mit dem betreffenden Spiel ein wenig näher zu beschäftigen. Das in Rede stehende, wenn ich nicht irre, von einem Rheinländer erfundene Spiel heißt „Salta". Dieser Name (Springe!) erweckt die Vorstellung, als handele es sich um eine Abart jener Spiele, die durch das Springen der Steine dirigiert werden, und in denen das Endresultat bedingt wird von dem mehr oder minder großen Geschick im Springen oder Springenlassen. Dem gegenüber sei vorweg bemerkt, daß das Springen wohl eine der Grundregeln des Saltaspiels bildet, im übrigen aber keineswegs das Wesen des Spieles charakterisiert. Schon bei der ersten und oberflächlichen Bekanntschaft mit dem „Salta" werden wir wahrnehmen, daß für seine Beurteilung nur zwei andere Brettspiele zum Vergleich herangezogen werden können: das Schach- und das Damenspiel. Es mag manchem Schachverehrer als eine Profanierung dieses edlen Spiels erscheinen, dasselbe in einem Atemzuge mit dem Damenspiel zu nennen. Ihm sei bemerkt, daß es uns bei unserem Vergleich zunächst nur auf die bezüglichen Grundgedanken und aus spieltechnische *) Nachdruck nur mit Erlaubnis des Verfassers gestattet. Aeußerlichkeiten ankommt; nur so können wir zunächst die Stellung ermitteln, die dem zu besprechenden „Salta" unter den bekannten Brettspielen zusteht. Betrachten wir jetzt einmal ganz kurz das Wesen der zum Vergleich herangezogenen Spiele, des Schachs und der Dame. Das Schachspiel ist ein Kampfspiel, das sich in der Aufstellung der zur Verwendung gelangenden Streitkräfte an jene taktische Ordnung anlehnt, wie wir sie in den Heldengeschichten der Inder als stehenden Typus für die indische Schlachtordnung kennen lernen. Die Bauern auf dem Schachbrett gleichen dem Fußvolk, das im indischen Heere voranmarschierte; die Türme den Elephanten, die thatsächlich Türme trugen und als Flügeldeckung dienten; die Springer der Reiterei; die Läufer den Streitwagen. Im Hintergründe hielten sich zu Beginn der Schlacht der König und sein Feldherr (beim Schach die Königin) auf. Während ersterer nie selbst aktiv eingreisen kann, sondern sich als des Spieles Preis stets in der Defensive halten und infolgedessen von allen Streitkräften beschützen lassen muß, ist der Feldherr (die Königin) der eigentliche Stützpunkt der Operationsidee. Jede Figur im Schachspiel hat eine eigene, dem Werte ihrer Stellung entsprechende Gangart. Schon dieser Umstand allein stellt an das Orientierungsvermögen und die Urteilskraft des Spielers ganz gewaltige Ansprüche. Sind doch über die Gangart des Springers oder den sogenannten Rösselsprung allein dickbändige Abhandlungen geschrieben worden. Im diametralen Gegensätze zur Kompliziertheit des Schachspieles, in dem es nur wenige Auserwählte zur Meisterschaft bringen, steht die Einfachheit des Damespiels. Abgesehen von unwesentlichen Abweichungen bei den verschiedenen Arten dieses Spieles (Schlagdame, Polnische Dame ic.), sind alle Steine hier gleichwertig. Die Spieler haben danach zu trachten, die Steine des Gegners möglich schnell zu schlagen (überspringen) und vom Brett zu entfernen. Als Sieger gilt, wer entweder alle Steine geschlagen hat, oder die noch auf dem Brett gebliebenen so fest gestellt hat, daß der am Zuge befindliche Gegner sich nicht mehr regelrecht bewegen kann. Von einem wirklich kampfähnlichen Aufbau der Streitkräfte kann ebenso wenig beim Damespiel die Rede sein, wie von geistreichen Grundgedanken oder theoretischer Entwickelungsfähigkeit der Spielidee. Wie verhält sich nun das „Salta" zu den beiden eben skizzierten Spielen in Bezug auf äußeres Wesen und spieltechnische Innerlichkeiten? Zunächst sei bemerkt, daß Salta auf einem Brette mit 100 Feldern gespielt wird. Die Truppen für jedes Lager bilden je fünf Sonnen, fünf Monde und fünf Sterne, und zwar bei der einen Partei in grüner, bei der anderen in roter Farbe. An sich untereinander völlig gleichwertig, unterscheiden sich die fünfzehn Steine jeder Partei dadurch, daß ein jeder von ihnen seinen bestimmten Standort hat, von dem aus er in den Kampf zieht. Nur die schwarzen Felder des Brettes werden occupiert, und bei der Aufstellung kommt auf das erste schwarze Feld linker Hand Stern 1, auf das zweite schwarze Feld Stern 2 und so weiter, bis Stern 5 aus dem fünften schwarzen Felde der ersten Reihe steht. In gleicher Weise kommen in der zweiten Reihe die Monde 1—5, und in der dritten Reihe die Sonnen 1—5 zu stehen. Eingeschaltet muh hier werden, daß natürlich jeder Stein ein ^Kennzeichen trägt; Sonne 1 weist eine Sonne, Sonne 5 fünf kleine Sonnen auf seinem Schilde auf, und dem entsprechend auch die anderen Steine. Alle Steine, auch die geschlagenen (übersprungenen) bleiben bis zum Ende der Partie auf dem Brette. Die Spielaufgabe ist nun die, seine eigenen fünfzehn Steine in der ursprünglichen Aufstellung in das Lager des Gegners zu rücken. Hunderte von Fährnissen lauern unserer auf diesem Wege, und glaubt man, bereits am Ziele zu sein, so kann uns ein unbedachter Zug wieder weit davon abbringen. Denn es wiederholen sich hier alle jene Vorkommnisse des wirklichen Krieges, der Vormarsch, der Rückzug, die Umzingelung, die Ueberrumpelung, btt Entwaffnung 2C. rc. Wie im Kriege, so ftnd auch im Saltaspiel zwei Arten von Erfolg zu unterscheiden, bte Verbesserung der eigenen Stellung und die Verschlechterung der Stellung des Gegners. Man verbessert z. B. seine 176 Stellung, wenn man mit einem Stein so zieht ober mit ihm so springt, baß man dem Zielfelde des Steines näher kommt. Man verschlechtert die Stellung des Gegners, wenn man einen von dessen Steinen mehr und mehr von dem Wege zum Ziele abbringt, was dadurch möglich wird, daß man den Gegner zwingt, mit diesem Steine nach der falschen Seite zu springen. Die Bewegungen der Truppen, welche die Kampfregeln zulassen, gewähren unerschöpfliche Möglichkeiten für Kriegslisten aller Art und zur Schmiedung von weit ausholenden Plänen. Dabei sind die Regeln selbst so einfach wie nur irgend möglich. Wie also einerseits das Saltaspiel von Kindern gespielt werden kann, stellt es, wenn es vollendet gehandhabt werden soll, an den Geist der virtuosen Spieler Anforderungen, die eine phänomenale Organisation der Gedanken und immense Geistesschärfe zur Bedingung haben. Die Variationsfähigkeit des Saltaspieles ist aber eine schier unendliche, uird es ist heute, wo wir noch Anfänger in diesem neuen Spiele sind, unmöglich, das Spiel durch Kombinations-Thesen zu erschöpfen. Gleich wie beim Schach würde übrigens auch das „Salta" aufhören, ein so gewaltiges Schärfungsmittel des Verstandes zu sein, wenn alle möglichen Kombinationen rubriziert würden. Resümierend, kann ich nach alledem nicht anstehen, dem „Salta" unmittelbar hinter dem Schach seine Stellung unter den Brettspielen anzuweisen. Da die Spielregeln bedeutend einfacher sind, die Gangarten der Steine gleichmäßig und die Steine untereinander gleichwertig, wird das Hirn des Spielers zudem nicht so gemartert wie beim Schach. Salta hat aber sogar einen wesentlich anderen Vorzug vor dem Schach; es wird im Gegensatz zu diesem nicht einfach nur gewonnen oder verloren, sondern mit einer bestimmten Anzahl von Points gewonnen oder verloren. Wenn nämlich der Gewinner den letzten seiner Steine zu Platz gebracht hat, werden die Züge gezählt, die der Gegner zu machen hat, um auch seine Steine an ihre Standorte zu bringen; mit der betreffenden Zahl wird er der Schuldner des Siegers. Hamburg, Fremdenblatt Nr. 305, 5. Beil., 30. 12. 99. Gemeinnütziges. Das Anschreibenlassen und säumige Bezahlen dex Rechnungen ist eine üble Gewohnheit vieler Kunden, unter der ein großer Teil unserer Gewerbetreibenden, Kaufleute und Handwerker schwer leidet; sie ist am Untergange manches redlichen Mannes mitschuldig. Einen interessanten Versuch, diese schlechte Sitte manchem abzugewöhnen, macht jetzt der sonst von der Alkoholbekämpfung her bekannte Schriftsteller Dr. Wilhelm Bode in Weimar. Er giebt im Selbstverlag, einen Brief heraus, der fast den Eindruck eines geschriebenen macht und der diesen Uebelstand nicht aufdringlich, aber eindringlich behandelt. In vorsichtiger Form wird den Empfängern nahe gelegt, selber ihre Lieferanten nicht durch blose Gedankenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit zu schädigen und andere gleichfalls für „die geheime Gesellschaft" der pünktlichen Zahler zu gewinnen. Der Brief, den man gegen eine Zehnpfennigmarke erhalten kann, soll von gemeinnützig gesinnten Männern und Frauen und von dem unter dem Uebel leidenden Geschäftsleute verbreitet werden, auch schickt der Verfasser selbst gegen billigste Entschädigung und unter Verschwiegenheit den Brief an angegebene Adressen. In wenigen Wochen wurden 4000 Stück abgesetzt, was gewiß die Ausdehnung des Notstandes beweist. Jedenfalls ist es sehr erwünscht, daß solche Fragen der „Konsumenten-Moral" mehr auf die Tagesordnung kommen. Kesundöettspflege. Vorzügliches Mittel gegen aufgesprungene Hände. Eines der besten Mittel gegen aufgesprungene Hände ist Honigwasser, und zwar löst man in 1 Liter Wasser einen Eßlöffel Honig auf. Die Wirkung wird noch eher erreicht, wenn man dieser Auflösung noch einen Eßlöffel voll Glycerin zufügt. Durch das Bestreichen der Hände Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheN mit dieser Flüssigkeit wird die Haut überaus weich und geschmeidig. Stockschnupfen. Ist derselbe sehr heftig, so halte man den offenen Mund über einen Topf kochend heißen Fliederthees, indes man den Kopf mit einem dichten Tuche verhängt. Den Gebrauch der Dämpfe wiederhole manr und bald wird man das Uebel los sein. Würmer. Zu den wirksamsten Mitteln gegen die Spulwürmer gehört Knoblauch in Milch gekocht und letztere geseiht getrunken. Humoristisches. Verfehlt. Der Referendar Sauser kehrt nachts um zwei Uhr von einem schweren Gelage nach Hause zurück. Er entdeckte, daß er den Hausschlüssel vergessen hat, und muß infolgedessen den Portier herausklingeln. — Portier: „Nanu, zu wem wünschen Sie denn hier mitten in der Nacht?" — Referendar: „Fragen Sie nicht so dämlich! Erst lassen Sie mich hier eine Viertelstunde aus der Straße warten und dann machen Sie mir noch Umstände! In meine Wohnung will ich natürlich.* — Portier: „Herr, Sie wohnen doch gar nicht hier, ich kenne Sie gar nicht!"— Referendar: „Na, zum Donnerwetter, hier istdochNummer 152!" — Portier: „Nein, hier ist die Nummer 158." — Referendar: „Was? 153? Aber Sie Esel, da haben Sie mir ja ein ganz falsches Haus aufgeschlossen!!" Nur! Sommerfrischler: „In mein Zimmer dringt das Waffer durch die Decke, die ganze Nacht hat es getropft!" — „Dös lummt nur vor, wann's regnet!" Humor. Arzt (aus dem Krankenzimmer kommend): „Ihre Frau darf also heule kein Wort sprechen; lassen Sie das ja nicht außer acht!" — Gatte (zögernd): „Ach, mein bester Herr Doktor, möchten Sie ihr das nicht lieber selbst sagen?^ Literarisches. Die letzt erschienene Lieferung 46 des Werkes: „Das Neun» zehnte Jahrhundert in Bildnissen", Verlag der Photographischen Gesellschaft, Berlin, enthält an erster Stelle ein schönes Porträt von Abraham Lincoln mit einer biographischen Charakteristik von Karl Federn, sodann den Physiologen D u B o i s-R e y m o n d, gemalt von Max Koner, biographisch behandelt von Julius Pagel, den Physiker Heinrich Rud. Hertz nach einer Naturausnahme, in Lebensgang und Lebenswerk geschildert von Franz Bendt, und von Musikern den oft ungerecht beurteilten Meister derOpperetteJacques Offenbach nach einer Naturaufnahme von Radar und charakterisiert von Leopold Schmidt Schließlich bringt diese Lieferung die Dichterporträts von. Berthold Auerbach, Bildnis nach der Natur, Biographie von H. A. Lier, Annette von D r o st e, nach einem Jugendbildnisse aus dem Besitze des Sohnes Schückings, mit einem biographischen Lebensbilds von Karl Werckmeister, Platen, nach der schönen Relieszeichnung von Straehuber, Biographie von Brunnhofer, und endlich E r n st von W i l d e n b r u ch, besonders nach seiner nationalen Bedeutung gewürdigt von Paul Warncke Woerth. Von Carl Bleibtreu. Jllustriertvon Chr. Speyer. Geh. 1 Mk., geb. 2 Mk. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart. Erst in neuester Zeit empfing man ein richtiges Bild dieser merkwürdigen Schlacht, durch Berücksichtigung der Verhältnisse auf französischer Seite. Bleibtreu hat nun nach seiner bewährten Methode verstanden, die inneren Zustände und die äußere Entwickelung zu veranschaulichen, indem er mühelos seine dichterische, ebenso schwungvolle wie realistisch charakteristische Schilderung mit der kritisch, historischen Forschung verschmolz. Die Todesritte der französischen Kürassiere, der Untergang der 3. Zuaven sind großartig dargestcllt, ebenso viele andere Episoden, wie eingehendes Studium der historiquee (Regimentsgeschichten) sie ihm an die Hand gaben. Diese ergreifende kriegerische Tragödie wird ebenso packend entrollt, wie Bleibtreu früher die andern Hauptaktionen des großen Krieges: Gravelotte, Sedan, Paris dichterisch verarbeitete. Die Illustrationen von Chr. Speyer sind mustergiltig. Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Auflösung in nächster Nummer. Bilderrätsel (Nachbildung verboten^. 1 s Stil Leichtes goldener schütteltk Schmerz Ihre An tochter, i und schn Augen n plaudern sah sieHc mutig a Menscher empor, t weiß unt weiter. „Koi Mutterch „Ich feurig, i dicken Kl daß sie r Die den er a Dornen „Wir Trauben' auch 'wa Lanc fragte di als sie c Der sieben". Er 's. Großmut mutig Icii so ernst