iLM: MWWW WVß - i itt. Ium HeöurLsiage des Kaisers am 27. Januar 1900. Nachdruck verboten. Kaum verklang das Heer von Fragen An das jüngst gebor'ne Jahr, Und schon sind wir fortgetragen Fast durch seinen Januar! Doch noch eh' er ganz entflossen, Des Jahrhunderts erster Mond, Feiern wir Dich, Zollernsprossen, Der als Deutschlands Kaiser thront! Rheinlandskinder, Holsten, Friesen, Schlesier, Sachsen, blond und stark; Pommerlandes treue Riesen Und die Söhne Deiner Mark; Die im Schutz der Schwarzwaldtannen Werkeln wie im Lechgefild; Selbst des Wasgaus spröde Mannen Grüßen freudig heut' Dein Bild! Wieder ging in frohem Schaffen Dir ein Lebensjahr ins Land. . . Pflug und Sichel als Gewaffen Hielt das Volk in fleiß'ger Hand! Denn wie schrill aus andern Reichen Auch der Streit herüber klang, Deutschland stand im Friedenszeichen! Dafiir sei Dir jubelnd Dank! Dafür leuchte Dir entgegen Aus den Augen deutscher Fran'n Reicher, tiefempfnnd'ner Segen! Dafür kling' in allen Gau'n, Von der Ostsee Kreideklippen Zu des Chiemsee's grünem Glanz, Hell von holden Kinderlippen Dir ein „Heil im Siegerkranz Sieger kranz in Friedens kämpfen: . Bleib' er lang' Dir frisch und grün! Haß und Zwietracht still zu dämpfen, Sei fortan auch Dein Bemühn! . . . Und der Herr, den in der Wolke Moses einst als Führer sah. Bleib auch Dir und Deinem Volke Schützend, schirmend, immer nah! . . . A. R. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) XXIII. Das La st er wird offenbar. Am Tage vor Weihnachten betrat Robert spät abends einen Dampfer, welcher eben vom Süden angekommen war. Sein Onkel erwartete eine Ladung tropischer Früchte, und Robert wartete mit anderen Leuten auf Abfertigung. Plötzlich hörte er die Worte: Howell heißt er und muß so schnell als möglich in ein Hospital gebracht werden! Robert trat rasch auf den Beamten des Schiffes zu, der dies gesprochen hatte. Ich glaube, ich kenne den Herrn, von dem Sie sprechen; wenn es so ist, werde ich ihn gleich zu seiner Familie bringen. Der Beamte war froh, dieser Bürde entledigt zu sein, und einen Augenblick darauf sah Robert den alten Howell, -welcher bewußtlos und schrecklich verändert in einer Kajüte lag. — Es ist richtig, sagte Robert, das wird ein furchtbarer Schlag für die Familie sein. ■ Glauben Sie, daß er am Sterben ist? fragte der Beamte. Ich weiß nicht. Ich werde einen Arzt holen und ihn nach Hause führen, unter der Bedingung, daß unsere Ladung sogleich ausgeliefert wird. Die Sache bringt mir Zeitversäumnis, aber die Interessen des Geschäfts können nicht darunter leiden. Ich will Ihnen gefällig sein, wenn Sie mir gleichfalls eine Gefälligkeit dagegen erweisen. Der Aufseher der Ladung wurde herbeigerufen, und Robert erhielt die Versicherung, daß seine Ladung so schnell als möglich ausgeliefert werden sollte. Dann eilte er fort, um einen Arzt zu holen, und sich einen Augenblick ins Geschäft zu begeben, um Mitteilung zu machen. Der alte Mister Atword hörte schweigend zu und nickte nur. Es ist nicht gut, sich in anderer Leute Angelegenheiten einzumischen, murmelte er, als Robert forteilte, aber es ist nicht übel, daß er verstand, daraus Kapital zu schlagen, um unsere Ladung noch heute herauszubekommen. Der Junge ist nicht dumm. In Begleitung des Arztes führte darauf Robert den Kranken in einem bedeckten Wagen nach Hause. Frau Howell öffnete die Thüre, und das bleiche, erschreckte Gesicht Roberts verkündete ihr schlimme Nachrichten, noch ehe ein Wort gesprochen wurde. Mein Mann! stöhnte sie und sank in einen Stuhl. Ich habe ihn mitgebracht, und auch einen Arzt. Zu- 50 fällig habe ich ihn auf einem Dampfer gefunden, als man ihn eben ins Hospital senden wollte. O Gott, bringen Sie ihn! Schnell! schnell! Fassen Sie Mut! Durch gute Pflege wird das Schlimmste verhütet werden! Robert sandte Frau Willow hinauf zu Frau Howell. Daun trug er den Kranken mit Hilfe des Arztes in das Zimmer und legte ihn auf ein Bett. O Martin, wie verändert! O Gott, er ist am Sterben! Wir wollen das Beste hoffen, sagte der Arzt. Würden Sie nicht wünschen, daß Bella und Mildred hier wären? fragte Robert. Ja, gewiß, er ist am Sterben, sie müssen hier sein! — Dann gehen Sie auch zu Doktor Benton in der drei- undzwanzigsten Avenue! rief der Arzt. Er ist ein Freund von mir und hat große Erfahrung. Robert nahm eine Droschke und fuhr zu Doktor Benton und von dort nach dem Laden, in welchem Bella angestellt war. Der Weihnachtsabend war nahe, und der Laden war überfüllt mit Käufern der letzten Stunde. Die dunklen Linien unter Bellas Augen und die teilnahmslosen Blicke zeigten, wie erschöpft sie war. Als Robert erschien, hellte ihr Gesicht sich auf, beim Anblick seiner ernsten Miene aber erbleichte sie wieder. Was giebt es? fragte sie. Erschrecken Sie nicht! Kommen Sie schnell mit mir, ich werde es verantworten! Bella, sagte er, als sie am Wagen standen, Sie müssen standhaft sein, Ihr Vater ist zu Hause und sehr krank, vielleicht hängt sein Leben davon ab, daß alle Aufregungen ferngehalten werden. Doktor Benton, ein erfahrener Arzt, ist im Wagen und wird mit uns fahren. Sie müssen es Ihrer Schwester sagen, — ich kann es nicht. Bella weinte heftig und vermochte sich nicht so weit zu fassen, um in den Laden zu treten, wo Mildred stand. Diese schwere Aufgabe fiel Robert zu. Man war im Begriff, den Laden zu schließen, und die Disziplin des Geschäfts war vorüber. Eine zornige Röte stieg auf Mildreds Wangen, und ihre Augen glühten. Sie war augenscheinlich sehr entrüstet, während die anderen Mädchen sehr" belustigt schienen. Als sie Robert erblickte, verstärkte sich noch die Röte auf ihrem Gesicht, ihre Stirn faltete sich, und sie setzte ihre Arbeit, die Waren weg zu räumen, fort, als ob sie ihn nicht gesehen hätte. Sehen Sie, da haben Sie ja noch einen Verehrer, flüsterte eines der Mädchen ihr zu, als sie vorüberging. Dieser sieht ganz hübsch aus, und Sie werden ihn nicht so grausam behandeln. Sie achtete nicht darauf, aber sein ernstes Gesicht fiel ihr auf. Fräulein Howell, begann Robert wieder leise, fassen Sie Mut! Ihr Vater ist zurückgekommen, und sehr krank. Bella und ein Arzt erwarten Sie draußen im Wagen! Einen Augenblick später stand sie am Wagen. Als er sie hineinhob, sagte er, Doktor Benton werde ihr alles erklären. Robert! rief Bella, aber er sprang auf den Bock, und nach kurzer Zeit hielten sie vor der Thüre des alten Hauses. Er stirbt! rief Mildred, als sie ihren Vater erblickte. O, warum habe ich ihn allein reisen lassen! rief die Mutter. Die Aerzte untersuchten den Kranken. Doktor Benton schlug ihm die Aermel zurück und deutete auf viele kleine Punkte an seinem Arm. Der jüngere Arzt schien ihn zu verstehen. Das ist schlimmer und besser, als ich fürchtete, bemerkte er. Schlimmer! Schlimmer! brummte Doktor Bentou. Was meinen Sie damit? fragte Frau Howell, mehr tot als lebendig. Meine Dame, begann Doktor Benton sehr ernst, haben Sie nie gesehen, daß Ihr Herr Gemahl ein kleines Instrument, wie dieses hier benutzt hat? Dabei zog er eine kleine Spritze aus der Tasche. Nein, antwortete sie verwundert. .Der Arzt lächelte satirisch und bemerkte leise: Ich hoffe, das Gift hat nicht die ganze Familie angefressen! In solchen Fällen ist es ganz unmöglich, die Wahrheit zu erfahren. Glauben Sie, daß er sterben wird? fragte sie angstvoll. O nein, ich glaube, ivir können ihn bald wieder auf die Beine bringen. Aber es wäre besser, er würde sterben, als den Gebrauch des Morphiums fortsetzen.. Ich kann kaum begreifen, wie Sie davon nichts bemerkt haben. Mildred stieß einen lauten Schrei aus. — Jetzt begriff sie, was ihr so lange seltsam geschienen hatte. Das schreckliche Geheimnis war nun offenbar, — ihr Vater war ein Morphinist und lag jetzt nur in einer Betäubung. Als sie die Augen erhob, begegneten sie Roberts Blicken, und sie wandte sich errötend ab. So oft ich eine Demütigung erfahre, ist er immer Zeuge davon, dachte sie.mit Bitterkeit. Meine Herren, ich verstehe Sie nicht, sagte Frau Howell, als sie sich aus ihrem ratlosen Erstaunen erholt hatte. Er hat nie etwas vor mir verborgen, und ich fürchte. Sie irren sich in Bezug auf den Zustand meines Mannes. Ihre Vermutungen scheinen mir höchst grausam und ungerecht. Wollen Sie uns entlassen? fragte Doktor Benton. Er war sehr geschickt, aber schroff, besonders wenn er eine beabsichtigte Täuschung vermutete. Sehen Sie, ich habe viele Fälle dieser Art gesehen; Mister Howell wird am Leben bleiben, und bald im stände sein, mit Ihnen zu sprechen. Wenn Sie ihn nur dazu bringen können, das Morphium aufzugeben, so wird er so gesund werden, wie früher. Ich kann es nicht glauben, rief Frau Howell. Hören Sie, junger Mann, sagte Doktor Benton zu Robert, gehen Sie in meine Wohnung und holen Sie mir einen elektrischen Apparat. Als Robert zurückkehrte, begann Howell aus seiner tiefen Betäubung zu erwachen, und sein Zustand besserte sich rasch. Herr Howell ist jetzt außer Gefahr, bemerkte Doktor Benton nach einiger Zeit. Aber es hängt alles von seiner künftigen Behandlung ab. Es ist nicht nötig, daß ich noch länger hier bleibe, denn der Arzt, der ihn hierher begleitet hat, kennt den Fall genügend. Aber Sie haben Mißtrauen gegen uns ausgedrückt und wünschen vielleicht, einen anderen Arzt rufen zu lassen. Zuvor aber muß ich Ihnen beweisen, daß ich recht habe, und daun ist meine Verantwortluhkeit zu Ende. Er ergriff Howells Weste und nahm aus einer inneren Brusttasche derselben eine kleine Spritze und ein Fläschchen mit Morphiumlösung. Hier haben Sie die Beweise, welche meine Worte bestätigen. Die Punkte an seinem Arm sind mit diesem kleinen Instrument gemacht und — Er wurde durch einen leisen Aufschrei der Frau unterbrochen, welche in Ohnmacht sank. Mildred eilte herbei mit bleichem Gesicht und sagte: Ich werde diese Sachen in Verwahrung nehmen. Dann trug sie dieselben in ihr Zimmer, worauf sie sogleich zurückkehrte und Frau Willow half, ihre Mutter wieder zuni Bewußtsein zu bringen. Mildred, was bedeutet das alles? fragte Bella angstvoll. Alje Hoffnung ist verloren, erwiderte Mildred mit dumpfer Stimme. Papa liebt das Morphium mehr als Dich und mich und die hilflosen Kleinen, mehr als den Himmel und seine eigene Seele. O, hätte ich diesen Tag nie erlebt! Fortsetzung folgt. Genreinnütziges. Hauswirtschaft. Rauchende Oefen. Sehr häufig trägt die Schuld an dem schlechten Brennen der Oefen nur eine zu starke Belastung des Schornsteins mit Feuerstellen. Bei kleinen Einfamilienhäusern kommt es vor, daß der an sich schon sehr niedrige Schornstein Zug für 4—5 Feuerstellenschaffen soll, und das Resultat ist dann gewöhnlich, daß bei trübem Wetter einige der Oefen oder auch alle nicht brennen wollen. In solchen Fällen erzielt man eine bedeutende Verbesserung, wenn man überall dicht schließende Ofen- thüren (aus Schmiedeeisen und ohne Zuglöcher) einsetzt und vor den Aschelöchern ebenfalls dicht schließende Schieber anbringt, die, so lange der Ofen nicht geheizt ieder auf e sterben. Ich kann haben. tzt begriff as schreck- : war ein ung. Als i Blicken, : Demüti- e sie.mit Fran Ho- en erholt ch fürchte, Mannes, und un- ; mton. Er t er eine ich habe wird am Zhnen zu lnen, das rden, wie sell. ienton zu >oleu Sie us seiner d besserte te Doktor ;on seiner B ich noch erher be- z Sie haben vielleicht, • iber muß ist meine ' Weste und ine kleine g- Worte beit diesem au unter- j nb sagte: m. Dann gleich zu- - ieder zum jte Bella idred mit mehr als : als den ieseu Tag ne Schuld zu starke ' ei kleinen sich schon m schaffen ei trübem brennen edeutende ide Ofen- c) einsetzt chließende )t geheizt wird, geschlossen gehalten werden, sodaß kein kalter Lnft- strom durch ihn in den Schornstein eindringen, und den Zug in dbn übrigen Oefen vermindern kann. Gut ist es, abends, toenn kein Feuer mehr gebraucht wird, alle Oefen abzuschließen. Der Schornstein bleibt dann über Stacht warm und das lästige Rauchen, welches sonst oft beim Wieder - Anzünden auftritt, wird mehr oder weniger vermieden. (Prakt. Wegw.) Jeld und Karten. Wie mancher Gartenbesitzer hat wohl schon den Wunsch geäußert, sich einen kleinen F o r m o b st g a r t e n anzulegen, und sich in seinen Mußestunden selbst mit der Pflege der Spalier-Obstbäumchen zu befassen, aber meistens scheiterte wohl dieser schöne Vorsatz an der natürlichen Frage: „Wie hast Du die Sache anzufangen, nach welchen Gesichtspunkten hast Du die Einrichtung Deines Form- obstgartens vorzunehmen, soll er praktisch sein und auch Nutzen bringen?" In klarer, leicht verständlicher Weise wird dieses Thema in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau besprochen, es wird nicht nur die Anlage selbst ausführlich behandelt, sondern es findet auch die so wichtige Sortenfrage die gebührende Berücksichtigung. Interessenten erhalten diese Nummer auf Wunsch vom Geschäftsamt des praktischen Ratgebers int Obst- unb Gartenbau zu Frankfurt a. O. kostenfrei zu- gestellt. Kefundheitspffege. Nach überstanbener Influenza tritt erst die eigentliche kritische Zeit ein: Der Puls ist schwach, der Geist bedrückt, die Körperkraft gemindert, und nur langsam int Wiederkehren begriffen. Da ist es durchaus erforderlich, daß der Genesende sich hüte und pflege, um dem Eintritt einer ernsten Krankheit zu entgehen. Als sehr wesentliches Stärkungsmittel hat sich der regelmäßige Genuß einer Tasse kräftiger Fleischbrühe aus dem echten Liebig's Fleisch- Extrakt zwischen den Mahlzeiten erwiesen; sie ist leicht hergestellt, schmeckt und bekommt den Rekonvaleszenten vortrefflich. Das ist allerdings etwas sehr einfaches, aber gerade auf diese weuig komplizierte Art kann man dem Körper gar viel zu gute thun, uud der Versuch, der so geringe Mühe macht, wird gewiß jeden von der Wirksamkeit des Hausmittelchens überzeugen. Mr die Küche. Elsässer Brodsuppe. Ein Suppenteller fein aufgeblättertes Schwarzbrod wird gebäht; einige Peter- silienwurzeln, zwei gelbe Rüben, zwei Lauchzwiebeln, drei Kartoffeln, eine Sellerieknolle, — alles zugeputzt und gewaschen, — schneidet man fein länglich, um es in eigrvß zerlassenem Rindermark zu dämpfen. Nach einer Viertelstunde kommt das Brod dazu; läßt es ein Weilchen mit« dünsten, und füllt dann mit leichter Fleischbrühe ober siedendem Wasser auf. Ist die Suppe mit Salz, Pfeffer und Muskatnuß abgeschmeckt und gut ausgekocht, gießt man sie mit zwei Theelöffeln Maggi aufgebefsert zu Tische. Vermischtes. Die Fabrikation von Antiken. Die namentlich in England und Frankreich verbreitete Sucht, antike Bildwerke zu besitzen, hat in den letzten Jahrzehnten eine förmliche Industrie herangebildet, die die Erzeugung imitierter Antiken zum Zweck hat. Die einzelnen Werkstätten, in denen dieser interessante Arbeitszweig betrieben wird, haben natürlich alle ihre verschiedenen Fabrikationsgeheimnisse, besonders in Bezug auf einzelne Details der Herstellung. Im allgemeinen verfährt man bei der Fabrikation solcher ehrwürdigen Altertümer folgendermaßen: Eine Statue wird von einem mittelmäßigen, aber schnell arbeitenden Bildhauer angefertigt. Dann geht man daran, das eben erstandene Werk mit den nötigen Defekten zu versehen. Das ist gar keine leichte Arbeit, nnd es find geschickte Hände dazu nötig, denn das Bildwerk muß doch auf eine geschmackvolle Artz und Weise zerbrochen werden. Ist endlich das zu veredelnde Erzeugnis plastischer Kunst genügend zerstückelt und zertrümmert, dann wird durch Polieren — erst mit Sandstein, dann mit Bimsstein und zuletzt mit einer Masse, deren Zusammensetzung Geschäftsgeheimnis ist — dem Marmor jener eigentümliche Glanz verliehen, der den Antiken eigen ist. Zum Schluß wird dann dem Stück der bestimmte Farbenton gegeben, der dem Alter entspricht, das es haben soll. Dieser letzte Teil der Behandlung ist einfacher, als man denken sollte. Aus dem Absud von Tabaksblättern, Kaffee und noch zwei bis drei anderen Ingredienzien (die einzelnen Fabrikanten halten diese ganz besonders geheim) wird eine Mischung hergestellt, die längere Zeit gekocht werden muß. Dann wird die Flüssigkeit mit einer weichen Bürste gleichmäßig auf die Oberfläche des Bildwerks aufgetragen. Nach zehn bis fünfzehn Minuten wird das Stück wieder sorgfältig abgewaschen und hat nun ganz das Aussehen, als ob es 1000 bis 1500 Jahre alt wäre. Wird ein höheres Alter gewünscht, so muß man die erwähnte Flüssigkeit etwas länger auf den Marmor einwirken lassen. Man sagt, daß jede weitere Minute das Bildwerk um hundert Jahr mehr altern läßt. Die so erreichte Tönung verbleibt dem Stein nun für immer, ja, die Fabrikanten dieser Imitationen behaupten sogar, daß sie mit der Zeit immer mehr ausreift. Daß gerade in London mit Vorliebe sowohl echte als auch diese imitierten Antiken gekauft werden, erklären die dortigen Antiquitätenhändler dadurch, daß neue Bildwerke aus Marmor unter der rauch- und rußgeschwängerten Atmosphäre der Themsestadt leiden und sehr bald eine schmutzige Farbe annehmen, die sich nur umständlich wieder entfernen läßt. Die antiken Marmorbilder aber, und ebenso die künstlich imitierten lassen sich leicht durch bloßes Abwaschen reinigen, da bei diesen auf dem glattpolierten Marmor der Schmutz sich nur oberflächlich festsetzt. (Romanwelt.) Musik. Des Kaisers Lirbsingsmarsch, der Petersburger, nebst 19 anderen der beliebtesten und besten Märsche finden sich in dem bei P. I. Tanger, Köln, in bequemem Taschenquerformat erschienenen Bändchen „Marsch-Album", für Klavier leicht, Preis schön und stark karton. Mk. 1,—. Es liegt in unseren Armeemärschen ein feuriger Zug, der die Massen begeistert, sie elektrisiert; deshalb ist es nicht zu verwundern, daß obiges Bändchen so große Erfolge hatte. Es ist gewiß vielen angenehm, auf die Sammlung wieder hingewiesen zu werden, denn sie bietet die Möglichkeit, sich zu Hause nach Belieben all' die schönen Märsche, die vorzugsweise zur Zeit des Kaisergeburtstags gespielt werden, in Muße zu wiederholen. Es ist immer ein lobenswertes Unternehmen, hochstehende Werke der Kunst zum Gemeingut des Volkes zu machen, denn die Kunst erhebt und bildet und ist ein mächtiger Hebel tut Kulturwerke der Menschheit. Deshalb verdient die rührige Firma P. I. Songer in Köln, die soeben eine neue, billige Ausgabe (2 Bände je Mk. 1.—, prachtvollste Ausstattung) der schönsten Löweschen Balladen und Lieder gebracht hat, volle Anerkennung. Löwe ist gewiß jedem, der sich für Musik interessiert, wenigstens dem Namen nach bekannt, und wer seine Balladen singen gehört, vergißt sie nie. In seinem Geist tauchen sie wieder auf die stolzen, mutigen Klänge, die Mären von edlen Rittern, von Vaterlandsliebe und Königstreue, vor seinen Ohren erklingen aufs neue die lieblichen Lieder leichtbeschwingter Elfen und Rixen, die im Mondschein den Wanderer umspielen, und er gedenkt mit Freuden der Töne, die die Minne verherrlichen und den Sieg der Schönheit verkünden. Der erste Band (14 Nrn.) der Tongerschen Ausgabe enthält Erlkönig, Heinrich der Vogler, Das Erkennen, Prinz Eugen u. s. w., der zweite Band (5 Nrn.) die großen Balladen Archibald Douglas, Der Nöck, Der gefangene Admiral, Der Graf von Habsburg, Der Edelfalk. — Allen wahren Musikfreunden fei die Tongersche Ausgabe aufs wärmste empfohlen. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten.) (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Namenrätsels in voriger Nummer: Gretchen — Melanie — Karolinc — Bertha — Irmtraut — Adelgunde — Mathilde; Gertrud. — 52 Maskenkostüme. Don E. Würffel, Kiel. Nachdruck verboten. Zu den bevorstehenden Maskenfesten wird die Beschreibung einiger Kostüme gewiß manchen Leserinnen will- koinmen sein. Ich nenne zuerst das Kostüm: Laune. Die Laune? nicht wahr, ein sonderbarer Gedanke? Aber warum soll eine Frau, welcher doch von bösen Zungen so oft die Launenhaftigkeit nachgesagt wird, nicht einmal wirklich die Laune haben, die Laune zu repräsentieren! Wenn jene vorerwähnten Zungen recht haben, so kann die naturgetreue Darstellung derselben in Wort und Gebühren den Frauen nicht schwer fallen, und das Kostüm? ei,nun, ich denke es mir folgendermaßen: Die Laune oder wechselnde Stimmung ist in ein rosa Gewand gekleidet, über welches schwarzer, durchsichtiger Spitzenstoff fällt. Die Taille umschließt eine rosa Schärpe, deren Enden mit schwarzen Spitzen garniert sind. Das schwarze lieber» gewand zeigt unten mehrfache Einschnitte, aus welchen rosa Falten hervorblitzen. Im Haar trägt die Laune zwei zierliche Wetterfahnen als Symbol ihrer wetterwendischen Stimmung. Eine ebensolche Wetterfahne hängt am rosa Atlasbande um den Hals. Der herzförmige Halsausschnitt endigt vorn mit einer Schleife aus schwarzem Tüll und rosa Band. Die launenhafte Stimmung noch deutlicher vor Augen zu führen, hat „Die Laune" die rechte Hand mit einem rosaseidenen, die linke Hand mit einem schwarzseidenen Handschuh bekleidet. Ein rosa Fächer mit schwarzen Spitzen läßt sich vorzüglich bei dieser Rolle verwerten. Wie gefällt Dir meine „Laune", geschätzte Leserin? Willst Du es einmal mit ihr versuchen? Regenbogen. Das Gewand ist aus duftigem, grauem Stoff hergestellt, wolkig, gebauscht und unten abgeschlossen durch sieben schmale übereinander genähte seidene Bänder in den Farben des Regenbogens (rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau, violett). Eine gleiche siebensarbige Borde begrenzt den Halsausschnitt, die Aermel und Handschuhe. Das ganze Gewand ist mit länglichen Glasperlen — Regentropfen darstellend — benäht. Den Kopf ziert ein siebenfarbiger Reifen, von dem — hochgebauscht — grauer Gazestoff über den Rücken niederwallt. Das Haar ist mit großen Glasperlen bestreut, natürlich nur scheinbar, in Wahrheit halten kleine Haarnadeln die klaren Tropfen fest. Die Schuhe, grau überzogen, sind mit einer bunten Rosette geschmückt. Das Schneeglöckchen. Hierzu gehört ein weißes, unten ausgezacktes Gewand. Die Taille umschließt ein zartgrüner Miedergürtel. Der ganze Anzug ist mit Schneeflocken aus Watte bestreut. Die Watteflocken werden mit Gummi leicht bestrichen und mit Diamantine bestäubt. Auch kleine Schneeglöckchensträuße sind hin und wieder nach Geschmack angebracht. Den Kopsputz bildet ein großes Schneeglöckchen, etwas schief auf das silbergepuderte Haar gedrückt. Man schneidet die Form aus Pappe aus, überzieht sie mit weißem Atlas und befestigt statt der Kelchblätter eine zartgrüne Schleife. Eine ebensolche mattgrüne Schleife, einen Schneeglöckchenstrairß umschließend, füllt lang von der linken Schulter herab. Die Schuhe sind mit weißem Atlas bezogen unb mit einer zartgrünen Schleife geschmückt. Dies Kostüm eignet sich vorzüglich für ein junges Mädchen. Krieg unb Frieden. Zwei hübsche Masken sind „Krieg und Friede n". Dieselben eignen sich für ein Brautpaar, Ehepaar oder für* Bruder und Schwester. Der Herr stellt natürlich den Krieg dar; er ist in Wehr und Waffen. Der Helm, welcher den Kopf bedeckt, ist mit einem Lorbeerkranze geschmückt. Von Zeit zu Zeit stößt er in die Kriegstrompete. Neben ihm wandelt der liebliche Frieden. Die Dame, welche denselben darstellt, ist in ein langes, weißes Gewand aus feinem, weichen Wollstoff in griechischem Schnitte, gehüllt. Die Taille umschließt ein weißes Seidenband, das in tanger Schleife an einer Seite niederfällt. Ein Palmzweig, als Zeichen des Friedens, reicht von der rechten Schulter quer über die Brust bis zur Schleife, welche den Stiel bedeckt. Weite, griechische Aermel fallen lose von der Schulter nieder. Auf dem Kopfe flattern kleine, zierliche Miniaturfähnchen, die weißen Friedenssahnen; eine größere mit der Aufschrift: „Frieden" wird in der Hand gehalten. Der Sternenhimmel. Hierzu gehört ein blaues Gewand von Atlas oder Mull in der Farbe des nächtlichen Himmels. Eine weiße Tiill- schärpe, (die Milchstraße darstellend) — wird auf der linken Schulter mit drei Goldsternen befestigt und fällt dann, leicht über der rechten Hälfte geschürzt, nieder. Das ganze Kostüm wird mit Goldsternen in Form der verschiedenen Sternbilder benäht. Der große Bär muß deutlich hervortreten, außerdem die Krone, Kassiopeja (in Form des W), der kleine Bär, Orion ic. Als Kopfschmuck dient ein Diadem in der Form eines Mondviertels. Der Halsausschnitt ist ringsum mit Sternen geziert, ebenso die Handschuhe und die Fußbekleidung. Um den Hals ist ein blaues Atlasband, mit Sternchen benäht, geschlungen. Die Brieftaube. Dazu gehört ein weißes Gewand mit spitzem Halsausschnitt, Miedergürtel und langen, griechischen, Aermeln, Flügel darstellend. Der untere Saum des Gewandes, der Halsausschnitt und die Aermel sind mit weißem Schwan oder weißen Federn besetzt, ebenso die Handschuhe. Unten rings um den Kleiderrock, etwas über dem Schwanbesatz, läuft eine Bordüre von einzelnen Briesen. Weiße Papier- kouverts mit rotem Siegel in der Mitte werden zu dem Zwecke mit schmalen Silberborden beklebt; auf diese Weise heben sie sich besser von dem weißen Untergründe ab. Der Halsschmuck besteht aus kleinen zierlichen Miniatur- briefchen, die, an ein rotes Atlasband genäht, ein Collier bilden. In dem hochfrisierten Haar ist ein Diadem angebracht, auf welchem eine ausgestopfte, weiße Taube graziös ruht. Kanu man eine solche nicht haben, so genügt auch ein mit weißem Schwan garniertes Barett, an dem zwei Taubenflügel befestigt sind. Das Glück. Das Glück, das holde, lachende erscheint in duftigem Gewände von rosa oder weißem Mull. (Tüll, Tarlatau.) Eine Rosenguirlande fällt von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte schräg herab, und rankt sich über dem Kleiderrock anmutig weiter. Rosen bekränzen auch das Haar; einzelne Rosen sind hin und wieder über dem Gewand verstreut. Aber das schnell enteilende Glück hat auch Flügel, tändelnd eilt es von einem zum andern. Reizend machen sich zwei schneeweiße Taubenflügel, die am Rücken befestigt werden. Wer sich keine naturgetreuen Flügel verschaffen kann, der schneide solche aus Pappe, und überziehe sie mit silberdurchwirktem Stoff. In der Hand trägt das Glück ein Füllhorn, aus welchem es seine Gaben nach Laune austeilt. Als Inhalt können in diesem Falle dienen: Knallbonbons mit Devisen, Briefe humoristischen Inhalts, Lose, kleine Sträuße 2c. Und nun „G l ü ck" auf den Weg! Die Glockenblume. Die den Frühling einläutende Glockenblume läßt sich recht hübsch zum Maskenkostüm verwenden. Der Rock aus helllila Atlas oder Seide endigt unten in großen, etwas länglichen Zacken. Unter dem Miedergürtel hängen Zacken von zartgrünem Atlas heraus, die Kelchblätter darstellen. Die mattgrüne Taille ist am Halsausschnitt ebenfalls zackig ausgenäht. Die Aermel, — wieder helllila, — reichen bis zum Ellbogen und endigen dort in Zacken, auf diese Weise eine Glocke bildend. Beim Einsatz der Aermel in die Schulter sind wieder kleinere, grüne Kelchblätter von Atlas mit eingenäht. Um den Hals ist ein zartgrünes Band geschlungen, das im Nacken mit einer langen Schleife endigt, es ist am Hälfe mit künstlichen Glockenblumen garniert Als Kopfputz dient eine große Glockenblume, deren Form aus Pappe hergestellt, und dann mit Atlas überzogen ist. Lila Strümpfe und grüne Atlasschuhe gehören zum Kostüm. UniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaknan: E. Burkbardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen