Sonntag den 25 März M Utriui »MS! ollt nicht stets das gestern loben, Nicht Vertrau'n auf morgen setzt! Herz im Busen, Gott da droben, Handelt im lebendigen Jetzt. L o n g f e l l o w. Nachdruck verboten. Das Wegekind. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. ' (Fortsetzung.) Der Knecht blickte scheu in das erregte Gesicht. „Na, denn mag's losgehen", sagte er. Er setzte die Laterne an die Erde, warf seine Nachtjacke ab und fuhr in seine wollene Joppe. Dann holte er aus einer Ecke des Stalles einen Ballen Schnur, hing die Laterne an einem Haken unter der Decke auf, ivarf noch einen prüfenden Blick über die schlafend am Boden liegenden Pferde, packte eine alte Schiebkarre, deren Gurte er sich über die Schulter legte, und folgte Nettchen auf den dunklen Hof hinaus. Eilig, doch leise schritten sie den vom Hause etwas entfernt stehenden, grünen Artistenwagen zu, ächzend unter der Last von Korb und Karre. „Durch den Hof können wir mit der Karre nicht zurück", sagte der Knecht. „Das Quietschen der Räder würde 'unsere Leute aufmerksam machen. Halten Sie mir, wenn Sie so gut sein wollen, einen Augenblick die Stricke. Ich will nur Licht machen". — Er zog Streichhölzer aus der Tasche, die er an seinem Beinkleid rieb, und erleichtert sah Nettchen auf das Aufblitzen, das einen schwachen Lichtschimmer verursachte. Der Knecht steckte nun die am Kutschsitze der Arche Noah angebrachte Wagenlaterne an. Sofort erhob das Geflügel, in deren enges Verließ durch die Wandspalten der fahle Schimmer hindurch drang, ein lebhaftes Geschnatter; in der Meinung, es sei bereits Morgen und die Zeit des ersten Frühstücks gekommen, begann in dem im Wagen befindlichen Ställchen ein wildes Flügelschlagen. „Wir müssen uns eilen", sagte der Knecht, „und ste beim Kopf kriegen, sonst schreien sie den ganzen Hof in Aufruhr'. Nettchen hatte bereits die Thür des Stallverschlages geschlossen. „Ruhe!" rief sie mit unterdrückter Stimme in das Gefängnis hinein. „Wer hier noch schnattert wird aufgehangen. Geht, seid vernünftig, wir reisen letzt zu Besuch bei Großmama'n". Und beschwichtigend, als spräche sie zu kleinen Kindern, überstürzte sie sich in gütlichem Zureden, während sie Vogel um Vogel beim Schlafittchen erfaßte, und in den Korb warf, den der Knecht ihr aus dem Verschlage heruntergelangt hatte. Karl stand da, und sah mit offenem Munde zu. Das kindische, lebhafte Geplapper, das die thörichten Tiere in der Thal zu beruhigen schien, setzte ihn in das größte Erstaunen. So hatte er noch nie jemanden mit dem lieben Vieh verhandeln hören, und feine Sympathie für dieses schöne, fremde Fräulein wuchs. Auch er war ja gewöhnt, sich und seinen vierbeinigen Freunden die Stunden der gegenseitigen Einsamkeit durch Plaudern zu vertreiben! „So!" sagte Nettchen, als der letzte Zögling mit einem Schrei des Widerspruchs in den Korb geflogen war. „Nun etwas Stroh zwischen Korb und Deckel schieben, daß die Gesellschaft Luft behält. Dann den Strick ringsherum. Binden Sie fester, Karl, meine Täubchen sind glatt und flink wie die Mäuse, die drängen sich durch die engste Luke". — Endlich standen die beiden Körbe auf der Karre. Karl wand die Stricke fest um die Bagage, und befestigte die Schnur am Hinterteil des Gefährts. Darauf schlang er sich den Gurt um den Leib und zog an. Sie traten auf die Landstraße hinaus. „Noch den Hof abschließen", sagte der Knecht, „dann mag's vorwärts gehn". Es war ihm eigentümlich zu Mute. An Stelle der Zaghaftigkeit war ein seltsamer Frohsinn in fein Herz gezogen. In dieser Reisegesellschaft, mit dem schönen Mädchen und ihrem Korbe fröhlich schnatternden Geflügels hätte er jetzt bis an's Ende der Welt gehen mögen. Eilig bewegte sich der kleine Zug auf der Landstraße vorwärts. „Wir wollen den Weg durch's Gehölz", sagte Karl, „das ist näher zum Bahnhof, und wir brauchen da nicht durch's Dorf". Und sie bogen in den Wald ein. „Wir wollen ein Lied fingen", sagte Nettchen, als sie aus der Nähe der Häuser waren, und auf dem einsamen, mondbeschienenen Waldwege fürbaß schritten. Ihre Augen blitzten, die alte Abenteuerlust erwachte in ihr. „Singen Sie mit, Karl!" sagte sie lächelnd. Und mit ihrer frischen Stimme begann sie halblaut: „Das Wandern ist des Müllers Lust, Das Wandern ist des Müllers Lust, Das Wa—au—-dern". Der Knecht war mit seinem heiseren Basse eingefallen. Er wußte nicht, wie ihm war. Ihm schien es', als ginge er nicht durch den Wald, durch den er allmorgendlich die Kühe zur Weide trieb, sondern als sei er in ein Stück Märchenland verirrt. Ab und zu fuhr er mit lautem Räuspern in seinen Gesang hinein, um ihn glatter und hell zu machen, dann tönten die beiden Stimmen wieder zusammen, und nur der Aufschrei einer Gans, oder das Kollern des Truthahns, dem es ungemütlich im Korbe wurde, unterbrach zuweilen für einen Augenblick das Duett. 170 „Da sind wir!" sagte Nettchen, als der Bahnhof sich vor ihnen zeigte. Der Knecht richtete den Kopf unter dem Ziehgurt empor und blickte blöde auf diesen Gebäudekomplex, von dem er jeden Fußbreit kannte. Ein plötzlicher Schmerz durchzuckte ihn, und hilflos zog er weiter. „Nun will ich mir das Billet lösen — ich muß vierter Klasse fahren, weil ich die Körbe bei mir behalten muß", sagte Nettchen, indem sie mit ihrem neuen Freunde vor dem Eingänge zum Gepäckraum stehen blieb. „Siebleiben wohl so lange bei den Sachen, Karl". Sie hatte ihre Hand ausgestreckt, und ehe er es verhindern konnte, ihm zwei Thalerstücke in die Tasche seiner Weste geschoben. So flüchtig die Berührung auch war, den Knecht durchzuckte sie wie glühendes Feuer. Seine Hände griffen nach der Stelle auf seiner Brust, die Nettchen so flüchtig gestreift hatte, und starr blickte er ihr nach. Nettchen war in den Bahnhofsflur getreten. Die Kasse war aber noch geschlossen. Nun trat sie aus den Perron hinaus; niemand zu sehen, den sie hätte fragen können. Kurz entschlossen öffnete sie die Thür zum Wartesaal. — Ein heißer Schreck fuhr wie ein Blitzstrahl durch ihre Glieder. In der Nähe des Buffets, vor einem schwach erhellten Tisch saß Mr. Seitre. Er erblickte sie sofort. Erstaunt sprang er auf, und kam auf sie zu. Nettchen war blaß geworden bis in die Lippen. — Ihre Kniee zitterten. „Sie — hier?" stieß sie hervor. „Ich bin im Begriff abzureisen", sagte Mr. Seitre; „man muß sich selbst nehmen die Freiheit, die andere einem nicht geben. Aber Sie, — was wollen Sie ter ?" „Ich — wollte gleichfalls — heimlich" — stotterte Nettchen, ohne kaum zu wissen, was sie sagte. — „Also doch, wie ich sagte", entgegnete lächelnd Mr. Seitre. „Sie wissen doch, wir sprachen davon. — Reiß- ausnehmen! Nach aus! Zu Mama und Großmama!" „Nein!" rief Nettchen mit zitternder Stimme aus. Ihre Augen blitzten. „Es ist durchaus nicht wie Sie sagten — ich gehe nur, um mir neues Engagement zu suchen — um mehr Geld zu verdienen — nach Berlin an ein großes Theater".-- „Kommen Sie doch mit mir!" sagte Mr. Seitre. „Ich aben heut morgen eine telegraphische Nachricht von die Kölner Vaudeville-Theater hierher nachgeschickt erhalten, derzufolge ich reisen ab, um nicht zu aben morgen Schwierigkeiten mit unser Direktor. Man sichert mir ein guten Honorar. Und ich werden Sie dort anbringen, wenn Sie wollen. Ich aben gesehen eut Ihre Leistungen. Sie sind eine geniale, kleine Zauberer". Das Lob, das in diesen Worten lag, mehr noch der Blick, der sie eine Sekunde lang begleitete, trieben eine warme Röte in Nettchens Wangen. Sie stand wie betäubt. Ihre Augen suchten den Fußboden, und dicht an ihrem Ohr hörte sie diese ruhige, bestechende Stimme, die in einem so warmen Tone, wie sie bisher noch nie gehabt, Bilder der Zukunft für die sich dem Zufall Ueberlassende ausmalte--- „Wollen wir das Geschäft machen in Compagnie?" fragte Mr. Seitre fast eindringlich. „Wollen wir unsere Leistungen verbinden zu eine Produktion — wie es mir ist, seit ich Sie aben sehn agieren auf der Bühne, den ganzen Tag durch den Kopf gegangen!? Ich aben bewundert in Amerika diese Doppelprogramm', wo verschiedene Artisten von verschiedene Metiers vereinigen sich zu einer Nummer. Sagen Sie ja, schlagen Sie ein! Undd ich will Ihnen erzählen unterwegs den ganzen Plan, was ich mir hab' ausgearbeiten". „Ich kann doch nicht — mit Ihnen allein — so in die Weite hinaus" — — flüsterte Nettchen, schon halb widerspruchslos. — „Sie können denken, ich sein Ihre Vater oder Ihre Bruder", sagte Mr. Seitre kalt. „Sie werden sehn, daß ich nicht bin, wie andre junge Herrn — ich lieben nichts als meine Metier. Wir machen zusammen die Reis' bis Köln, befestigen bei einen Agenten unsere artistische Vertrag, und darauf wir trennen uns, um uns zu suchen jeder sein Logis. Ich werde mir nie erlauben, Sie zu belästigen mit mir, außer zu die Proben für unsere Produktion". — (Fortsetzung folgt.) Pariser Weltausstellung 1900. Bier Wochen vor Eröffnung. Nachdruck verboten. Je näher der Tag der Eröffnung rückt, um so fieberhafter wird auf dem Ausstellungsterrain gearbeitet. Es ist, als ob jeder seine beste Kraft einsetzt, das ganze Werk bis zur bestimmten Stunde zu vollenden. Man hat sehr genau berechnet, welches Pensum noch zu leisten ist, und dieses jst so groß, daß man an jedem Tage so tüchtig arbeiten muß, als gälte es schon am nächsten die Pforten der Ausstellung dem Publikum zu öffnen. Es bleibt nichts anderes übrig, als Tag und Nacht ununterbrochen zu schaffen, um den Besuchern bei Eröffnung nicht ein halbes Werk zu zeigen. Andererseits sind die Arbeiten nicht .so weit im Rückstände, daß man nicht an eine festliche überaus glänzende Eröffnung glauben könnte. Die letzten Apuren des ehemaligen Jndustriepalastes sind jetzt verschwunden; die mittlere Eingangshalle, die bis zuletzt bestand, sowie die letzten Trümmer, wurden nun auch beseitigt, und nun kann man von dem Champs-Elysees aus die prächtige AvenUe Nicolas II. in ihrer Gesamtwirkung beurteilen. Wer das Recht erlangt, die Bauplätze zu betreten, wird sich überzeugen, daß die Nivellierung des Terrains am Grand und Petit-Palais jetzt vollendet ist; mit der Anlage der Alleen ist man beschäftigt, die Bürgersteige sind hergestellt und vor dem kleinen Palaste hat man die Blumenbeete bereits so weit hergerichtet, daß sie nichts weiter als Sonne und milde Witterung verlangend Rund um die beiden Paläste sind die Gärten vollendet, die Alleen vorgezeichnet und die Sträucher gepflanzt; man wartet in der That nur noch auf schönes Wetter, um hier die letzte Hand anzulegen; ist es aber so weit, so ist in acht Tagen alles gethan. Der große Palast war bisher das Schmerzenskind der Baumeister. Dennoch behauptet man, die Fertigstellung sei jetzt gesichert. Die große Schwierigkeit lag in der Beschaffung der Eisenkonstruktion für die Bedachung; man mußte fürchten, daß es gar nicht möglich sein werde, in der kurzen Zeit so viel Walzeisen herbeizuschaffen. Man hat sich, um ganz sicher zu gehen, an die ersten Werkstätten, Daydö & Pill6, la Societä des Ponte et travaux en fer und Moisant, Laurent et Savey gewandt, und diese drei Firmen haben bei der Herstellung dieser Bedachung, die 6000 Tonnen Stahl beansprucht, und die in weniger als acht Monaten vollendet sein mußte, einen rühmlichen Wetteifer und eine außerordentliche Leistungsfähigkeit bewiesen. Acht Monate sind sehr wenig, wenn man bedenkt, daß die Maschinengalerie aus dem Marsfelde, die nicht einmal die gleichen Schwierigkeiten bot, fast zwei Jahre bis zur Vollendung beanspruchte, und wenn man berücksichtigt, in welcher außerordentlichen Weise die großen Eisenbauanstalten sonst noch für die Weltausstellung in Anspruch genommen wurden. Schon jetzt sind alle Gerüste aus dem Innern des Großen Palastes entfernt; das weite Schiff zeigt sich in seiner ganzen imposanten Schönheit. Die Fenster und Oberlichte, wie die Malereien sind fast vollendet, und man kann die innere Einrichtung jn Angriff nehmen. Auch die Fronten sind fertig bis auf einige Bildhauerarbeiten. Wenden wir unfern Blick dem Petit Palais zu, so sehen wir, daß er sich gleich seinem Gefährten in wenig Wochen den Besuchern in seinem vollen Glanze zeigen kann; außer den Skulpturgruppen der Mittelhalle ist alles fertig. Die großen Fensteröffnungen der Fassade sind sogar schon mit Rahmen und Spiegelscheiben versehen. Treten wir in das Gebäude ein, so sind wir erstaunt über die wunderbaren, ganz mit Malereien und Ornamenten bedeckten Säle; es fehlt nur noch die Aufstellung der Werke, welche die historische Ausstellung bilden sollen. Eine ziemlich ernste Unannehmlichkeit bildete der Ber- 171 kehr über den Quai de la Conference zwischen den neuen Palästen und der Alexanderbrücke; es war schwierig, den Verkehr an dieser Stelle ganz zu hemmen und die Fußgänger zu dem großen Umweg über die Champs-Elysees zu zwingen, wenn sie von dem Cours la Reine nach der Place de la Concorde wollten; auch war es thatsächlich unmöglich, den Straßenbahnverkehr anzuhalten. Es waren hier bedeutende Erdarbeiten auszusühren, da Wan die Chaussee um zwei Meter über ihr ursprüngliches Niveau erheben mußte, um sie auf gleiche Höhe mit der Fahrstraße der Alexanderbrücke zu bringen. Um den Verkehr auf den Quais so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, hat man, sich damit begnügt, den Wagenverkehr aufzuheben und nur den Verkehr den Straßenbahnen und Fußgängern zu gestatten; man hat die Straße in zwei Hälften geteilt, und während man die rechte Hälfte vollendete, überließ man die linke dem Verkehr. Auch die Alexanderbrücke ist im großen und ganzen fertig. Was noch zu thun bleibt, bezieht sich nur auf die Details, die noch in letzter Stunde an Ort und Stelle angeordnet werden können. Schon hat man auf die beiden Pylonen am rechten Ufer die Flügelrösse gestellt; man hat sie mit einer Schicht Glanzgold bedeckt, deren Anblick zwar jetzt etwas schreiend wirkt, sich jedoch mit der Zeit sicherlich mildern wird. Die Balustrade und die Kandelaber, welche die Uferpfeiler schmücken sollen, sind in den nächsten Tagen an Ort und Stelle. Es sind prächtige Werke der Firma Barbedienne, und werden den lebhaftesten Beifall finden. Der Anstrich der Brücke ist ein undefinierbares Gemisch von Grau, Blau und Weiß; eigentlich ist es eine ganz neue Farbe, und ein Witzblatt hat sie als couleur Pont-Alexandre bezeichnet. Kommen wir auf das linke Seine-Ufer, so sind wir einigermaßen erstaunt über den Rückstand der im Vordergründe stehenden Paläste. An den beiden Haupteingängen des Mannsakturpalastes fehlt noch jeder Schmuck; und sie sollen doch sehr reich und voll dekoriert werden. Hier ist noch viel zu thun, aber das ist auch der einzige Teil, welcher so weit im Rückstände ist, daß seine Fertigstellung in Zweifel steht. Die anderen Paläste an der Esplanade, die keinerlei Verzögerungen erlitten haben, und an denen man ruhig und regelmäßig weitergebaut hat, sind jetzt im ganzen fertig; es fehlt nur noch der Anstrich und der letzte Rest bildnerischen Schmuckes. Einer der interessantesten Teile der Ausstellung — die Seine-Ufer zwischen der Invaliden- und der Alma- Brücke — ist auf dem besten Wege der Vollendung. Die beiden Fußgängerwege zur Seite der Brücken, deren Ausführung der Firma Daydee & Pillee übertragen ist, sind in der Eisenarbeit vollendet; es fehlt nichts als ihre Stuckverzierung. Die Paläste der fremden Staaten sind alle vollendet, außer dem türkischen, dessen Arbeiten sehr spät begonnen wurden; wenn wir auch einige dieser Gebäude noch von Gerüsten umgeben sehen, so hat man dieselben nur darum stehen lassen, um sich ihrer bei Ausführung von Malereien bedienen zu können, deren Ausführung man absichtlich auf die letzte Stunde verschoben hat, damit sie sich bei der Eröffnung der Ausstellung in vollster Frische zeigen. Auf dem rechten Ufer ist der Gartenbaupalast schon sehr vorgeschritten. Die beiden großen Treibhäuser sind fertig montiert, und auch die Verglasung ist vollendet; nur die Rundbauten an beiden Stirnseiten und der Mittelbau sind noch nicht gleich weit vorgeschritten. Der Kriegspalast ist trotz der zahlreichen Schwierigkeiten, die sich seiner Ausführung in den Weg stellten, der Vollendung nahe. Seine schnelle Fertigstellung ist eines der überraschendsten Kraftstücke dieser Weltausstellung. Hinter dem Kriegspalaste sehen wir eine ganze Reihe kleinerer Bauwerke, Gebäude, welche ausländische Gesellschaften errichtet haben, um das Kriegsmaterial der verschiedenen Länder auszustellen. Unter diesen kleinen Palästen ist der bedeutendste zweifellos der an der Seine erbaute Creusot-Palast; er ist nicht sehr weit im Bau vorgeschritten ; die Streiks, unter denen die Metallkonstrukteure zu leiden hatten, haben anfangs bedeutende Verzögerungen veranlaßt; indessen — man wird sich trösten müssen, wenn einige Gebäude dem Publikum erst drei oder vier Wochen nach Beginn eröffnet werden. Die Ausstellung ist so umfangreich, daß man ohnehin in wenigen Tagen nicht alles sehen kann. Auf dem Marsfelde sind der Elektrizitätspalast und das Wasserschloß am weitesten im Rückstände. Man ist soeben mit dem Rohbau fertig geworden, und wenn wir die rechtzeitige Vollendung dieser Bauten in Zweifel ziehen, so ist das gewiß kein weitgehender Pessimismus. Indessen ist hier in den letzten Wochen so außerordentliches geleistet worden, daß wir auch hier angenehm überrascht werden können. Dasselbe können wir nicht in Bezug auf den Festsaal der Maschinengalerie sagen; denn es ist absolut unmöglich, daß er rechtzeitig fertig wird. Die dekorativen Teile dieses riesigen Bauwerkes erfordern eine Riesenleistung, und noch ist nicht einmal mit der Ausführung dieser Teile begonnen. Dies kann natürlich erst geschehen, wenn das Metallgerippe vollständig an Ort und Stelle ist — und das ist auch nicht der Fall. Aber da der Saal Ausstellungsgegenstände nicht enthält, so ist dieser Fehler nicht so groß; allerdings werden diejenigen, welche zur Eröffnungsfeier nach Paris kommen, vermutlich deshalb untröstlich sein. Die Jenabrücke, welche das Marsfeld vom Trocadero trennt, wird gegenwärtig in sehr bemerkenswerter Weise um 10 Meter verbreitert; von 14 Meter Weite bringt man sie auf 24; es werden Bürgersteige geschaffen, die auf Mauervorsprüngen auf beiden Seiten der Brücke ruhen. Der Trocadero bietet schon jetzt einen reizenden Anblick mit all den so verschiedenartigen und buntgeschmückten Bauten der tropischen Länder und der französischen Kolonieen. Der wunderbare grüne Rahmen, den man ihm hier bereits unter Aufwendung künstlicher Mittel gegeben hat, paßt bewundernswürdig zu den Gebäuden, denen die kraftvolle Vegetation Lokalfarbe verleiht. Man darf es nicht leugnen, daß in den vier Wochen, welche wir noch vor uns haben, außerordentlich viel zu thun ist; aber die meisten Firmen, denen die Bauarbeiten übertragen wurden, haben einen so großen Wetteifer gezeigt, daß die Ausstellung immerhin zur Eröffnung ein glänzendes Bild gewähren wird. Man wird aus manches verzichten müssen, aber ich glaube, daß die Gesamtwirkung uns dies vergessen machen wird. Um den Besuchern der Ausstellung die Mühen einer Fußreise nach dem Sportpark zu Vincennes zu ersparen, baut gegenwärtig die Gürtelbahn-Gesellschaft einen neuen Bahnhof an der Claude-Decaen-Straße, zwischen den Stationen Bercy-Ceinture und Bel-Air, einige Meter von der Porte de Renilly entfernt. Dieses Thor wird einem Monumentalbau weichen, der als Haupteingang dienen soll. Man wird aber auch noch auf anderem Wege aus der Stadt nach dem Sportpark gelangen können. Eine Arbeiterabteilung ist jetzt mit der Legung einer Straßenbahnstrecke beschäftigt, die von der Nationalbrücke, bei dem Thore von Bercy, ausgeht, über den Boulevard Poniatowsky bis zur Porte de Renilly führt, wo sie direkt in die Sport-Ausstellung einfährt. Eine zweite Straßenbahnlinie, oder vielmehr eine zweite Sackbahn, beginnt bei der Ecke der Montempoivre-Straße und des Boulevard Soult und führt den letzteren entlang bis zur Porte de Renilly, durch welche sie nach der Sport-Ausstellung gelangt. Mese Tramway-Linie wird nach Schluß der Ausstellung wieder eingestellt. Sie dient dem Zweck, einerseits den mit den Pariser Dampfbooten und den Tramway- Linien Clarenton-Louvre und Creteil-Louvre Ankommenden einen Anschluß nach Vincennes zu verschaffen, andererseits den mit der Vincennes-Eisenbahn Ankonkmenden und auf der Station Bel-Air Absteigenden denselben Dienst zu er- erweisen. Was wird in der Abteilung zu Vincennes zu sehen sein? Zunächst die Hygiene-Ausstellung; ferner werden Deutschland, die Schweiz, Belgien, Oesterreich, Großbritannien dort unter anderem interessante Beispiele von Arbeiterheimstätten vorführen. Etwas weiter hin sehen wir die Ausstellung für Eisenbahnwesen. Dieselbe ist nicht mehr, wie in früheren Weltausstellungen, in irgend welchen Seitengalerieen unter- 172 t 3 5 8 ein Singvogel. Rebattion: ». Burkhardt. — Bruck und Verlag der Brühl'fchm UniverfititS-Buch- und Stetndruckerei (Pietsch Erben) in Biehen. 8 5 5 1 1 1 1 2 4 1 3 8 asiatisches Reich. 2 weiblicher Vorname. Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer. Der ist arm, den Sorge grau macht. ein Gebrauchsgegenstand. Fignr aus einer Waguer'schen Oper. 5 wohlriechende Blume. 3 5 6 hauswirtschaftlicher Gegenstand. gebracht, sondern hat ihr eigenes Obdach, einen lvirklichen I Cttfcrarifd?C9. internationalen Bahnhof von 200 Meter Länge und 120 I Im Verlage von Stephan Geibel in Altenburg ist erschienen: Meter Breite, Sgier kann man bequem die mächtrgen I D Funcke, Pastor an der Friedenskirche zu Bremen, Fuß- Maschinen arbeiten sehen; Lokomotiven aller Systeme, I spuren des lebendigen Gottes in meinem LebeuSweg«. Durcbaanaswaqen, Speisewagen. Die Schnelligkeit der I Zweiter Band Preis broschiert Mk. 3.60, gebunden mU Goldschnitt aIĮēta, -wiL-n d-r «°-nu° K--M7 und der Route du Lac finden wir dre Fahrräder, Zwei- I bj^bs neuen Bandes steht dem des ersten in keiner Weise nach. Im räder, Dreiräder, Vierräder, dre zu ihrer Fabruanon I weroen uaui gj an ihm die Ehrlichkeit und Offenheit, mit der er ferne Ansichten Abendfeste gegeben werden, werden Acetylen und l I ^^itt, schätzen. Funcke kämpft mit offenem Visier; verurteilt er das, irische Lampen Strome von Licht über das Publikum aus- I mag .. Brecht scheint, so schont er sich selbst am wenigsten. Und was gießen und einen Vergleich ihrer Vorzüge gestatten. I bie goim an(angt/ so zeigt sich der alte Funcke als ewig junger und Zuletzt kommen die den verschiedenen Sports vor- frischer, begeistert und begeisternd; bei tiefstem Ernst em köstlicher, behaltenen Plätze. Diesen Teil hat der Generaldelegierte, I sprudelnder, herzerquickender Humor! Herr Merillon, in hervorragender Weise organisiert.. ®ie Das Mär,heft von „Deutsche «unst und Dekoration", zahlreichen Restaurants, Kaffees, Schenken, die Ufer des (Preis jährlich 12 Hefte Mk. 20, Einzelhefte Mk. 2, -), Verlag Daumesnil-Sees und seine Inseln werden Sammelplätze I von Alexander Koch, Darmstadt, enthält — "ls Wiener Ausstellung . «ff»SriSb XrSmen Silben. Natürlich wird man heft: „Oesterr. Museum» >nd „Secession" -: Das moderne Wiener Ur auch di- üb-rrasch°ndst°» Sp«schauspi-l?b°wund-rn ««*-»-. •” $^«.n ÄÄ können. . . - Firma M. I. Emden Söhne in Hamburg (Abreiß-Kalender). Daneben Alles entsteht setzt mrt überraschender Geschwtndrgtett, I Wettbewerbe. Ateliernachrichten, Kleine Mitteilungen, sowie eine große Anzahl tote unter dem Einfluß einer Zaubermacht, und es scheint, I Vollbilder und Illustrationen im Texte. Der Umschlag des Heftes ist als ob sich die Arbeitskräfte in den letzten Wochen ver- entworfen von Professor Koloman Moser, Wien. Mit diesem Heft zehnsacht »att™. --------- A S G«in«innützigrs. 8"“ Ü»elUNdbeitSVÄeae. Der elektrischen Hochbahn in Berlin widmet "Der Bär" ™ gfefUnuytUyyftCBC. (Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW., Neuenburgerstraße 14») Was thun totr bet Fteber des Kindes. Bet I cjnett reichillustrierten Artikel. Die elektrische Hochbahn ist mäßigem Fieber der Kinder, besonders solchem, welches von I bie fübroenIi*c Fortsetzung des Verkehrsringes, der die innere Stadt leichteren Erkältungsaffektionen, leichter Halsentzündung, | nunmehr lückenlos umspannen wird. Auch das neue Verkehrsmittel hat Luftröhrenkatarrh rc. herrührt, ist es oft sehr förderlich, feine Poesie. Malerische Durchblicke eröffnen sich überall unter den flach die Brust mit warmem Oele em, umhullt jenen oder diese I S unU|Eütljcb an biefem schlanken und doch kräftigen Gefüge von alsdann Mit Watte und giebt warmen Thee zu trinken, I (r-wenden stützenden und schwebenden Gliedern, und wo sich die Geleise- unter starker Schweißbildung tritt alsdann Entfieberung I bre”te flber den Rand der Bahn hinaus zu flachbogigen Ueberkragungen und Besserung der Hals- bezw. Brustschmerzen ein. erweitert, gestaltet sich das bloß Zweckmäßige fast zum anmutigen Zierat. Gegen Kopfschmerzen. Ich machte schon wieder- I Außerdem bringt „Der Bär" eine Reihe illustrierter Artikel, u. a. wiche '£■ s ”-ä - »•—* “■ geben dürfte, und ein Versuch ja niemals schaden kann, "ehrkanal hervor. ------------ so möchte ich alle, die mit Kopfweh behaftet sind, bitten, f dies einfache Mittel an sich selbst zu erproben. I Preisrätsel. ) “ Arithmogriph. (Nachdruck verboten.) Ein uraltes Herbarium befindet, sich in Kairo. I 1 2 2 3 ein Fluß. Es besteht aus einer stattlichen Menge in altägyptischen I 2 6 2 Gräbern aufgefundener Kränze und Guirlanden, die sämt- I 3 5 8 lich noch wohlerhalten sind. Die meisten Pflanzen kann I * 2 man sogar trotz ihrer Zartheit als völlig unverändert I $ bezeichnen, ein Umstand, der wohl hauptsächlich dem künst- I 7 lichen Ueberzuge zu danken ist, welchen die Aegypter den I 2 Pflanzen zu geben wußten. Sogar die Farben haben | 8 2 7 2 6 biblischer Name, wenig gelitten. Die Wassermelonen, welche man den I 8 2 11 gutmütiges Tier. Gräbern entnahm, wiesen, wenn man sie in das Wasser I Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen der Reihe tauchte, noch ihre grüne Farbe auf. Die altägyptischen I nach, von oben nach unten gelesen, ein beliebtes Vergnügen bezeichnen. Gewächse sind teilweise über 4000 Jahre alt. Der Klee I *>. $on 1900 ab bringen wir in angemessenen Zwischenräumen von der Ziegelpyramide in Dahschur, die Gerstenähren und I in ben Familienblättern Preisrätsel, an deren Lösung sich recht eifrig die Wachholderbeeren aus einem Grabe in Sakkara haben I 8U beteiligen, wir unsere geschätzten Leser bitten. Die Lösungsfrist läuft sicherlich dieses Alter; kaum jünger sind die Blumen, I stets acht Tage nach Ausgabe der belr Nr. ab. Unter den an die welche man bei einer Mumie in Beir el Behara fand; Redaktion der „Familienblätter - einzusendenden richtige» Lüsuugm zwischen 3000 und 4000 Jahre zählt die reiche Ausbeute I wird eme °usg°wst, bere.n m,t c f ö in den Gräbern Ramses I. und Ramses II. An Blumen I Buch ober dergleichen - bedacht wird. fand man unter anderen blauen und weißen Lotos, roten Mohn, verschiedene Arten von Chrysanthemum, ferner Gräser, Stechpalme sowie Selleriearten.