1900. 'hpift4r-.au^g~H,'Noii. Cksscn ['IIuheRS* AtaÄr’T^ ■ÄS 4 "MM? WM P« 'UM MW MM P«/?4&L xMMiss Z E8 "Hier trägt, was er trägt, Wer Geduld zur Bürde legt. ' V Log au. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Fünftes Kapitel. Pünktlich um vier Uhr nachmittags erschien Sandory in Franz Norrenbergs Villa und überreichte Fräulein Dora einen prachtvollen Strauß frischer Rosen, wie man um diese Jahreszeit auch in. der Hauptstadt sicherlich keine schöneren hätte auftreiben können. In ihren heißen Augen leuchtete es freudig auf, und sie wehrte dem freigebigen Spender nicht, als er ihre weiche Hand auffallend lange an seine Lippen drückte. „Das ist ein viel zu kostbares Geschenk, mein Herr! Aber ich leugne nicht, daß es mir großes Vergnügen bereitet. Gerade für diese Rosen habe ich eine besondere Schwärmerei". „Ich wußte, daß es Ihre Lieblingsblumen sein müßten, mein gnädiges Fräulein!" „Wirklich? Woher ist Ihnen solche Gewißheit gekommen?" „Nur, wenn ich ein Dichter wäre, könnte ich das in angemessenen Worten ausdrücken. Jedenfalls war ich sicher, daß nur die königlichste aller Blüten Ihrer würdig sei". Seine verschleierten Augen begegneten wieder den funkelnden Sternen in dem elfenbeinweißen Antlitz, und eine leichte Blutwelle ging über Doras Wangen. „Sagen Sie mir solche Artigkeiten lieber in Gegenwart meines Verlobten", erwiderte sie mit etwas gezwungenem Lachen. „Eine kleine Lektion in der Ritterlichkeit könnte ihm nichts schaden". Franz Norrenberg unterbrach ihr Gespräch, um den Besucher in sein Rauchzimmer zu nötigen, wo sie fast eine Stunde lang allein miteinander blieben. Erst als die Ankunft des Staatsanwalts gemeldet wurde, traten sie wieder heraus. Rudolf Sandory heiter und sorglos lächelnd, der Bankier mit bleichem Gesicht und schlaffen Zügen, wie ein Schwerkranker. In den verbindlichsten Formen vollzog sich die Anknüpfung der Bekanntschaft mit Doras Bräutigam. .Der Staatsanwalt Georg Lengfeld war nur wenige Jahre jünger als Sandory, eüt Mann von mittlerer Gestalt, mit den unverkennbaren Anfängen frühzeitiger Beleibtheit. Auch er trug einen stattlichen Vollbart; aber sein Haupthaar begann sich in der Scheitelgegend merklich zu lichten. Das derb geschnittene, lebhaft gerötete Gesicht mit den Epikuräerlippen und den kleinen wässerigen Augen ließ auf eine starke Vorliebe für die leiblichen Genüsse des Daseins schließen. Und in der That zeigte der Staatsanwalt viel mehr Aufmerksamkeit für die einzelnen Gänge des vortrefflich zubereiteten Mahles, als für die Schönheit seiner Braut. Sein Verkehr mit Dora hatte durchaus nichts von der Zärtlichkeit eines beglückten Liebhabers. Seine Huldigungen gingen nicht über jene kleinen Aufmerksamkeiten hinaus, die ein wohlerzogener Kavalier unter allen Umständen seiner Tischdame schuldig ist; für ihr Aussehen und ihre Toilette aber hatte er nicht ein einziges Wort schmeichelnder Anerkennung gehabt. Und doch war es Dora ganz augenfällig darum zu thun gewesen, gerade heute sehr schön zu sein. Ihr Anzug war fast zu reich für den kleinen Kreis und für ihre Stellung als Tochter des Hauses; aber mit kluger Berechnung hatte sie ihn gewählt. Anfänglich bestritten Sandory und Dora fast allein die Kosten der Unterhaltung. Mit dem Schwung und der Wärme eines Poeten wußte der neue Gast von den vielen Herrlichkeiten zu erzählen, die er auf seinen weit ausgedehnten Reisen gesehen, und seine heitere Gesprächigkeit hatte dabei so wenig Aufdringliches und Selbstbewußtes, daß ihm auch der Staatsanwalt mit Vergnügen zuzuhören schien. Doras Augen aber hingen fast unausgesetzt an feinen Lippen. Sie war offenbar verdrießlich, wenn einmal ihr Verlobter in seiner schwerfällig-nüchternen Weise das Wort ergriff, und sie wußte durch geschickte Zwischxn- fragen dafür zu sorgen, daß die Unterbrechung immer nur von kurzer Dauer war. Ta lenkte sich das Gespräch zufällig auf Dinge, die mit dem Lebensberuf des Staatsanwalts in einem gewissen Zusammenhänge standen, und wie durch ein Zauberwort schienen mit einem Male alle Schleusen seiner Beredsamkeit aufgethan. „Sie wollen behaupten, daß die Kriminalpolizei in Rußland tüchtiger sei, als bei uns?" rief er in einem Ton, als ob ihm eine schwere persönliche Beleidigung widerfahren sei. „Ich Lenke, mein verehrter Herr, es sollte Ihnen herzlich schwer fallen, das zu beweisen". „Ein Beweis in mathematischem Sinne ist da freilich k»um zu führen. Aber ich habe doch die Wahrnehmung gemacht, daß man in Deutschland Verbrecher viel leichter entschlüpfen läßt, als bei unseren slavischen Nachbarn. Ja, ich meine sogar, daß hier beinahe jeder, der nicht geradezu auf frischer That ertappt wird, sich nur =- 602 — durch feine eigene Ungeschicklichkeit ans Messer liefert. Ist das nicht auch Ihre Ansicht, lieber Norrenberg?" Ter Bankier, der während der letzten Stunde kaum zwanzig Worte gesprochen hatte, fuhr zusammen, als hätte man ihn unsanft aus einem Traume geweckt. „Ich? Wie soll ich dazu kommen, ein Urteil darüber zu haben? Ich habe mich mein Leben lang nicht um solche Dinge gekümmert". Seine Bestürzung war so augenfällig, daß sie das Befremden der anderen hätte erregen können. Sandory aber ergötzte sich daran, ihn noch ein wenig zu quälen. „Nun, Sie interessieren sich doch ohne Zweifel für die Geschichten von verwegenen Bankdieb stählen und großen Defraudationen, die man so khäufig in den Zeitungen lesen kann, und Sie werden mirzugeben, daß ein solcher Streich nur ein bischen geschickt angelegt zu fein braucht, um feine Urheber unangefochten davonkommen zu lassen". In Franz Norrenbergs fahlem Gesichte zuckte es, und er zerknüllte die Serviette zwischen den Fingern. Sein künftiger Schwiegersohn aber überhob ihn der Mühe einer Erwiderung. „Sie sagen das im vollen Ernst? Und Sie glauben wirklich, daß die russischen Behörden geschickter seien als die unserigen? Nun, dann haben Sie wohl nichts von dem berühmten Fall Suworin gehört, der vor zwei oder drei Monaten in der ganzen europäischen Presse von sich reden machte?" Rudolf Sandory dachte ein wenig nach. Daun schüttelte er den Kops. „Nein, ich erinnere mich in der That nicht. Aber vielleicht haben Sie die Güte, meinem Gedächtnis ein wenig zu Hilfe zu kommen". „O, es ist eine ganz alltägliche Mordgeschschte", fiel Tora verdrießlich ein. „Sie werden kaum etwas darin finden, das Sie interessiert". Doch der Staatsanwalt brannte offenbar daraus, fein Erzählertalent leuchten zu taffen. „Vergieb, liebe Dora", sagte er in überlegenem Tone. „Es wäre doch wohl möglich, daß Herr Sandory und ich einen solchen Fall von anderen. Gesichtspunkten aus betrachten. Außerdem ist es rasch erzählt. Fürst Suworin war ein in der russischen Gesellschaft als reicher und verschwenderischer Lebemann bekannter Kavalier. Er starb ohne vorausgegangene Krankheit und unter allen Anzeichen einer Vergiftung aus einer seiner ländlichen Besitzungen, nachdem er erst Tags zuvor von einem Ausfluge nach Sankt Petersburg zurückgekehrt war. Jenen Ausflug aber hatte er in der Gesellschaft eines Menschen — eines angeblichen deutschen Barons — unternommen, der schon vorher sein Gast gewesen war. Sie verkehrten zwar mit einander auf dem vertrautesten Fuße; der Fürst pflegte indessen so wenig wählerisch in seinem Umgang zu sein, daß er vermutlich auch von diesem sogenannten Freunde nicht viel mehr als den Namen gewußt hat. Schon beim Empfange war es der Dienerschaft aufgefallen, daß sie sich offenbar nicht mehr im besten Einvernehmen befanden. Nach dem Abendessen aber kam es zu einer erregten Auseinandersetzung, die mit einem vollständigen Zerwürfnis zu enden schien. Fürst Suworin selbst erteilte Befehl, den Baron am nächsten Morgen nach der Station zu fahren, und in der Thal verließ der andere in der Frühe des folgenden Tages ohne Abschied das Schloß. Wenige Stunden später fand man den Fürsten mit dem Tode ringend auf dem Fußboden des Speisezimmers. Er hatte nach seiner Gewohnheit vor dem Frühstück ein ganz harmloses, appetitreizendes Medikament nehmen wollen und mußte unmittelbar nach dem Genüsse in heftigen Krämpfen zusammengebrochen sein. Ehe man noch einen Arzt herbeischaffen konnte, war er tot". „Eine ganz romanhafte Geschichte", meinte Sandory, der mit großer Aufmerksamkeit zugehört hatte. „Und der deutsche Baron? Man machte sich natürlich sogleich an seine Verfolgung?!" Mit einem triumphierenden Lächeln strich der Staatsanwalt seinen Vollbart. » „Jeder untergeordnete Kriminalpolizist bei uns in Deutschland würde das bei einer so einfachen Sachlage ohne Zögern auf seine eigene Verantwortung hin gethan haben. Im Zarenreiche aber geht man, wie es scheint, etwas schwerfälliger zu Werke. Als man durch eine umständliche chemische Analyse endlich festgestellt hatte, daß jener harmlosen Arznei in der Thai ein rasch Und unfehlbar wirkendes Gift beigemengt war, erwog man zunächst sehr ernsthaft alles, was für die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordes zu sprechen schien, und verlor eine kostbare, unwiederbringliche Woche mit zwecklosen Vernehmungen der Tienerschaft, unter der man vielleicht den Schuldigen suchte. Da endlich- als diö glücklichen Erben nach der Beisetzung anfingen, sich ein wenig um die Geldangelegenheiten des Verstorbenen zu kümmern, fiel ein Lichtstrahl der Erkenntnis in die dunklen Köpfe. Man stellte fest, daß der Fürst auf feiner letzten Petersburger Reise einen Betrag von hundertzwanzigtausend Rubeln erhoben halte, die zur Anzahlung auf gewisse kürzlich erworbene Ländereien dienen sollten. Die Anzahlung war nicht erfolgt und konnte ja auch nicht erfolgt sein, da Suworin schon am Morgen nach seiner Heimkehr gestorben war; von dem Gelde aber fand sich trotz des eifrigsten Suchens nirgend eine Spur. Nun endlich war man scharfsinnig genug, auf den Baron als auf den einzigen Menschen zu raten, der zu Lebzeiten des Fürsten etwas von dem Vorhandensein jener Summe gewußt hatte, und man fing an, den wahren Zusammenhang der Dinge zu ahnen. Aber jetzt war es selbstverständlich viel zu spät; denn ein Verbrecher von solchem Schlag weiß den Vorsprung einer Woche zu nützen. Bis nach Petersburg konnte man seine Spur mit Mühe und Not verfolgen; dann aber löste sich alles in vage Vermutungen auf. Die russischen Behörden nehmen an, daß sich der Mörder ans Umwegen nach Deutschland gewendet habe. Einen sicheren Anhalt dafür aber hatten sie ebensowenig,. als sie uns über dre Persönlichkeit und die Vergangenheit des Menschen näheres anzugeben vermochten. — Nun, was sagen Sie zu diesem kleinen Muster von russischer Schlauheit und Schneidigkeit, mein verehrter Herr Sandory? Glauben Sie wirklich, daß dergleichen auch bei uns in Deutschland Vorkommen könnte?" „Ich fühle mich in der That beschämt durch Ihre Geschichte, Herr Staatsanwalt! Schadennr, daß der überlegenen deutschen Klugheit nicht auch der Triumph be- schieden gewesen ist, den gefährlichen Menschen innerhalb unserer Grenzen dingfest zu machen". (Fortsetzung folgt.) Unsere Jagdtiere einst nnd jetzt. Von Ernst Vogel. Nachdruck verboten. Tie Zahl unserer Jagdtiere ist sehr zusammengeschmolzen. Für den gewöhnlichen Jäger besteht die Jagdbeute fast ausschließlich aus Hasen, Rebhühnern und wilden Kaninchen; ein Fuchs, Dachs und eine Schnepfe zählen schon zu den Seltenheiten, und Hirsche und Rehe, das sogenannte Hochwild, kommen nur noch in bescheidener Menge vor. Ein Auerhahn erscheint in den Zeitungen bereits unter der Rubrik „Seltenes Jagdglück", meist ist überhaupt die Auerhahnbalz auch heute noch ein Vorrecht der großen Herren, nicht weil es bem Bürger- und Bauersmann verboten wäre, in ihren Revieren Auerwild nach Belieben zu erlegen, sondern weil die Waldungen, in denen die Tiere sich aufhalten, zum größten Teil „herrschaftliches" Eigentum sind. Hirsche müssen, um sie auf einem gewissen Stand zu erhalten, gefüttert, und Wildschweine gar in besonderen Tiergärten gezüchtet werden. Das Elchwild ist im Aussterben begriffen und findet sich nur noch in einer Anzahl von etwa hundert Exemplaren im Kreis Gumbinnen. Ehemals boten die deutschen Wälder ein anderes Bild. Da brummte Meister Petz im pfadlosen Dickicht; Wölfe, Luchse und wilde Katzen lauerten im Gebüsch; Biber bauten an den Flüssen ihre berühmten Dämme; Fischottern verbargen sich in den Uferhöhlen; wilde Schwäne zogen ihre majestätischen Kreise auf den damals viel zahlreicheren Seen und Teichen; Scharen von Wildgänsen und Wildenten. tummelten sich mit ihnen auf den Gewässern; Adler und Falken breiteten über den Bergen ihre gewaltigen Schwingen aus; wilde Pferde zerstampften die Niederungen. Die fortschreitende Kultur hat fürchterliche Musterung unter den Bewohnern der Wälder und Lüfte gehalten; der Mensch, ihr Todfeind, hat sie Hre ber- be- )alb chlbar "t sehr Selbst- 2, UN- n der digen : Beilegenstrahl : fest, einen hatte, rbene jt er- oorin war; chens innig m zu Vor- fmg Men. t ein einer seine ' sich rden nach afür stön- an- esem steit, lich, men ivl- nite Ka- jion nie lor. ter die sen er- >en die :s" ge- -ne -as ur int ld. fe, er ch- ne iel en e- 2N st- at er ie 603 •->> befiegf und zerstreut. Indem er die Wälder lichtete imb npr et’lett höheren Zwecken dienstbar machte, raubte er ihnen ihre Zufluchtsorte und Schlupfwinkel, iemehr sich die Zahl der kleineren Tiere verminderte desto unhaltbarer gestaltete der Mangel an Nahrung die S^ßen. Vor dem Feuergewehr mußten schließ- llch dre letzten Baren und Wölfe die Flucht ergreifen, oder vielmehr, sie wurden ausgerottet bis auf den lebten Schwanz; und wenn wir heute hören, daß es einst in unserem schonen Vaterlande, das wir vom Norden bis zum ®^en' der Maas bis an die Memel ohne Waffen sicher bet ^.ag und bei Nacht durchqueren können, derartige Bestien gegeben hat, daß Wölfe und Bären, ja noch früher Äwen und Auerochsen hier hausten, so mutet uns solche Thatsache fast tote ein Märchen an, und wir versetzen das Geschehnis ganz natürlich in eine ferne, ent» legene Zeit. 1 ' r, doch liegt diese Zeit iioch gar nicht soweit zurück, als wtr rm allgemeinen annehmen. Noch in den letzten Zähren des 18. Jahrhunderts wurde im Thüringer Walde em Bar erlegt (1797 im Fürstentum Rudolstadt), der letzte Luchs erst 1846, und Wölfe verirren sich noch jetzt zu- toe,t?e,n aus Rußland und Frankreich in unsere' Grenz- Noch im 17. Jahrhundert war der Bär in Mitteldeutschland und dem Thüringer Wald ein gar nicht allzu seltenes Wild, er wurde sogar durch gesetzliche Verordnungen hier und da geschützt, da die Bärenhatz ein Lieb- ^^^?b^3uugen der Fürsten und Herren bildete; nachdem Schaden, den die Bestie dem Landmann zufügte, fragte man nicht. Beklagt es doch 1663 der Herzog von Braunschweig sogar bitter, daß „etzliche unverständige Schützen" chin die schönen Bären, welche ihm der Kurfürst von Sachsen geschenkt und die man im Harz ausgesetzt hatte, wo ste sich „ziemlich vermehrten", weggeschossen hätten, sodaß nur noch zwei übrig seien. Wie häufig der große Sohlengänger in unseren Wäldern war, zeigen die von H. Heß tn seinem interessanten Merkchen „Der Thüringer Wald m alten Zeiten" zusammengestellten Angaben. Allein auf der städtischen Jagd zii Mendorf an der Werra wur- ben von 1467 bis 1502 22 Bären erlegt; 1585 im Amt Schmalkalden 7 Bären und 4 Bärinnen mit Jungen; 1881 erlegte Graf Georg Ernst im Hennebergischen allein 6 Baren. Seit 1650 lassen sich auf dem Thüringer Wald Bären Nachweisen, doch ist ihre Zahl in Wtrklrchkert wohl viel größer gewesen. Manche deutsche Fürsten hielten sich noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Bären in großen Zwingern, um sie mit Hunden kämpfen zu lassen oder unter gewal- ttgem Gepränge auf abgesperrten Plätzen zu hetzen. So wurde 1630 auf dem Marktplatz zu Koburg ein Lustjagen veranstaltet, bei welchem zwei Bären, vier Hirsche, acht wtlde Schweine und zahlreiche andere Tiere losgelassen und zu Tode gehetzt wurden. Aus dem Zwiüger August des Starken zu Augustusburg entsprang eines Tages ein Bär, rrß bei einem Fleischer ein Kalbsviertel herunter nnd erwürgte die Fleischersfrau samt ihren Kindern. Gemeinhin verursachten jedoch die braunen, zottigen Bestten weit weniger Schaden als die Wölfe, weil letztere tn viel größerer Zahl vorhanden waren. Vor allem wahrend des dreißigjährigen Krieges hatten sie sich zu unglaublichen Scharen vermehrt, sodaß sie das Leben der Menschen bedrohten und für ganze Gegenden zur Landplage wurden. U. a. fiel 1647 ein Wolf die Tochter eines Köhlers zu Winterstein an und brachte ihr mehr als 30 Wunden bei, denen sie nach mehreren Wochen qualvoller Schmerzen erlag. 1641 zerriß ein Wolf die Witwe Margarete Wickmann aus Magdala int Mäderthal, und am 9. März 1643 wurden irrt Mühlthal zu Jena zwei Bürger von einem Wolfe überfallen. In Georgenthal wurde in den Jahren 1643 bis 1648 44 Wölfe gesehen, von denen 21 gefangen wurden; 1661 erschlug man int Zillbacher Forst allein 35 Stück. Innerhalb der Grenzen Preußens wurden (nach Brehm) 1817 noch 1080 Stück geschossen. In Posen erlagen ihren Bissen 1814 bis 1815 28 Kinder, und 1820 noch 19 Kinder und Erwachsene. Auch jetzt treten sie bei uns noch zeitweise auf, hauptsächlich als Ueberläufer aus Rußland und Frankreich. In den Reichslanden z. B. wurden von 1872 bis 1882, also in 11 Jahren, nicht weniger als 459 Stück getötet. Weniger häufig kam der Luchs vor, doch machten ihn serne Raubgier und Kühnheit zu einer überall gefürchteten und gefährlichen Erscheinung, um so gefürchteter, weil er em so verborgenes Dasein führte, und aus diesem Grunde nur schwer zu bekämpfen war. Trotzdem ist die Zahl der Luchse, dte int 16. und 17. Jahrhundert zur Strecke gebracht wurden, eine verhältnismäßig große. Unter den Kurfürsten Johann Georg I. und II. in Sachsen (1611 bis 1665) wurde int ganzen 324 Bären, 5093. Wölfen und 305 Luchsen das Lebenslicht ausgeblasen. Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts trat der Luchs in manchen Gegenden m nicht unbeträchtlicher Anzahl auf; fo wurden im Ettaler Gebirge 1820 bis 1821 noch 17 Stück erlegt; der letzte in Deutschland überhaupt im Jahre 1846. Können Bären, Wölfe und Luchse bei uns als ausgerottet gelten, so treiben Wildkatzen, Füchse, Dachse, Marder, Fischottern usw. noch immer ihr Wesen, nur finden wir sie in früherer Zeit in viel größerer Menge vor. Nach der erwähnten Schrift von Heß sind 1600, auf zwei Jagden Johann Kasimirs anßer 434 Stück Wildpret auch 4 Luchse, 5 Wildkatzen, 16 Wölfe, 253 Füchse, 4 Fischottern, 21 Marder und 4 Biber erlegt worden, während im Herzogtum Gotha die Anzahl des erlegten Raubwildes in den Jahren 1789 bis 1791 auf 15 wilde Katzen, 208 Füchse, 241 Marder, 89 Iltisse und 4017 Wiesel und Igel angegeben wird. Im Hohleborncr Revier wurden von 1730 bis 1748 nicht weniger als 1352 Füchse zur Strecke gebracht. An Wildschweinen fehlte es ebenfalls nirgends; in Hessen wurden allein während der Sauhatz int Jahre 1559 1120 Stück gefangen. Hirsche und Rehe mögen in einzelnen Distrikten iit weit größerer Menge als jetzt vorhanden gewesen sein, doch sorgten in der Regel die großen Raubtiere dafür, daß ihre Zahl sich nicht allzusehr vergrößerte. Einen besonders starken Wildstand hatte man zeitweilig int Hessischen und Hennebergischeu; von 1730 bis 1748 wurden nach Ausweis der Jagdchronik der Oberförsterei Hohleborn 3146 Hirsche erlegt, und im Hennebergischen fing man 1612 die Kleinigkeit von 2689 Hirschen, 302 Rehen, 215 Hasen usw. Der Hase ist das einzige Wild, das von der Kultur Nutzen zog; mit der Vermehrung der bestellten Aecker erweiterten sich seine Nahrungsquellen, während die Verminderung des Raubzeugs ihn von seinen gefährlichsten Gegnern befreite, sodaß er allein von allen Jagdtieren in der Gegenwart eine größere Verbreitung besitzt als in früherer Zeit. In großer Masse vorhanden waren Auer- uud Birkhühner, sowie Wassergeflügel aller Art. Auerhähne schoß inan int Gothaischen int 18. Jahrhundert jährlich durchschnittlich 117 Stück; die wilden Gänse traten in solchen Scharen auf, daß sie der Landwirtschaft in hohem Grade schädlich wurden. Auch Raubvögel nisteten in Menge int Thüringer Wald, wo int Herzogtum Gotha allein iit den Jahren 1748 bis 1750 und 1789 bis 1791 16 Steinadler und 29o60 andere Raubvögel, sowie 10 642 Raben menschlichen Verfolgern zur Beute fielen. Außer dem Steinadler gehörten damals auch Fischreiher und wilde Schwäne zu den häufigsten Bewohnern Mitteldeutschlands. ' Noch sei zum Schluß einiger Gattungen gedacht, die tu wildem Zustande in Deutschland entweder völlig aus- gestorben sind oder nur noch in ganz vereinzelten Exemplaren vorkommen. In erster Linie muß hier der Biber genannt werden, ein früher in unserem Vaterlande fast überall heimisches Tier, das zurzeit nur noch in wenigen Exemplaren an der Saale und Elbe beobachtet wird. Gänzlich ausgerottet ist das wilde Pferd; denn auch dieses zählte in früheren Jahrhunderten zu den keineswegs seltenen Jagdtieren unseres Vaterlandes, und sein Fleisch diente unseren Vorfahren wie jetzt noch den Jn- dianerstämmen Amerikas zur beliebten Speise, sodaß im Jahre 732 Papst Gregor III. dem Bischof der Deutschen, Bonifaeius, Auftrag gab, den Geuuß des Fleisches wilder Pferde zu verbieten. Nach Heß kamen 1593 in den Vogesen noch wilde Pferde vor, in Preußen erließ 1543 Herzog Albrecht noch ein Ausschreiben zur Verhinderung ihres Aussterbens. In Thüringen werden sie noch 1437 und 1557 erwähnt; jedenfalls gehörten sie damals schon zu den Seltenheiten, und sind wohl bald nachher ganz verschwunden. Ob es sich dabei um thatsächlich wilde oder nur verwilderte Rosse gehandelt hat, ist mit Sicherheit kaum mehr nachzuweisen, doch findet neuerdings die An- = 604 — Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: G eibet Dachs Mahl Wand Hagel Brei Bier Karten Rast Gegen heftigen Ohrenschmerz- rheumatischer Art wird folgendes Hausmittel empfohlen: 2 Loth Mm- mel werden in ein Viertel Pfund Brodteig geknetet, das daraus gebackene Brot durchgeschnitten und warm mit einem Tuche auf das leidende Ohr gebunden. HelleEichenmöbelschnellzudunkelu , gtebt es ein einfaches Verfahren. Man stelle die Gegenstände in Heißt dein Herz dich Gutes thun, Thu' es rein um deinetwillen. Läßt das Schöne dich nicht ruh'n, Bild' es, deinen Trieb zu stillen. Doch das lass' dich ungeirrt, Was die Welt dazu sagen wird. sammcnstellung aufzutrciben ist. Wir können unserer Damenwelt daher ein Abonnement auf die „Arbeitsstubc" nur empfehlen. Der billige Preis von vierteljährlich nur 1 Mk. steht kaum im Verhältnis zum Gebotenen. Abonnements nehmen alle Buchhandlungen und Postanstalten entgegen. _______________ Umwandlungsrätsel. Nachdruck verboten. Jedes der nebenstehenden Wörter ist durch Umwandlung eines Buchstabens an beliebiger Stelle in. ein neues Hauptwort zu verändern. Die hierbei benützten neuen Buchstaben benennen im Zusammenhang ein freudiges Ereignis, das letzthin zumal in Rheinland und Südfrankrcich gefeiert ward, aber auch seit altersher die übrigen Kulturvölker interessiert. Auflösung in nächster Nummer. nähme, daß matt es wirklich mit toilbett Pferden zu thun hat, immer mehr Unterstützung. Zweifellos steht fest, daß ein unserem heutigen Pferde entsprechendes Wildpferd m Guropa zur Schwemmlandzeit sehr häufig und sogar in zwei Arten Equüs fossilis u. Equus spelatus vertreten war. Zn wildem Zustande begegnen wir ferner noch zu Ende des 16. Jahrhunderts unserer Honigbiene, deren Honig der Bienenjäger in den Wäldern als willkommene Beute ern- heimste, noch 1568 wurden in einem einzigen Forst des Thüringer Waldes von den Forstknechten 302 Tannenbäume zu Bienenbauten mit besonderen Marken ausgezeichnet. Zwe t s ch e n h o n i g k o ch e r ei. Dicht bei der Stadt I Crossen an der Oder liegt ein Dörfchen mit dem aufregen- I den Namen „Hundsbelle". Hier hat sich im Laufe der I Jahre und in der Stille eine Industrie herausgebildet, I die in von Jahr zu Jahr steigendem Maße während der I Herbstmonate an die körperliche Letstungsfähtgkett der I Hundsbeller die höchsten Anforderungen stellt: das Em- I kochen von Zwetschen zu Mus,, in Hundsbelle die „Pflaumenmuskocherei" genannt. Die Produkte dieser ^u- I dustrie gehen als „schlesisches Pflaumenmus" m alle Welt. In der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers tnt Obst- und Gartenbau wird in Wort und vielen Bildern Hundsbelle unter dem Zeichen des Muskochens geschildert. Mit Recht hebt der Chefredakteur des Blattes, Joh. Bott- ner, der den Aufsatz geschrieben, rühmend hervor, tote die Muskocherei in Hundsbelle bei möglichster Ausnutzung menschlicher Arbeitskräfte doch in denkbar emfachsten Anlagen geschieht im Gegensatz zu den kostbaren Gebäuden und sonstigen Einrichtungen moderner Obstverwertungs- genosseuschaften, durch die bei den schwankenden Obsternten von vornherein der Todeskeim in das Gedeihen gelegt wird. Die Baulichkeiten bilden Schuppen unter Pappdächern im Freien, die Feuerungsaulagen sind denkbar einfachst angelegt. Der besonders durch dre vortrefflichen, vom Kunstmaler Kleindienst an Ort und Stelle aufgenommenen Illustrationen lehrreiche Aufsatz sei den Besitzern von Zwetschen-, auch Pflaumenbäumen genannt, hiermit zur Beachtung empfohlen! Lttte*a*rsches. Wenn die Tage kürzer und die Abende länger werden, wenn der rauhe Nordost das Herannahcn des Winters kündet,, dann beginnt für unsere Damenwelt der große Borbereitungskampf für das fröhliche WeihnachtSfefl. Dann wird beraten und erwogen über Anzahl und Art der Geschenke, mit denen man die ©einigen erfreuen kann. Freilich etwas Selbstangefertigtes, eine Gabe, welche die Siebe, die Geduld und der Fleiß der Schenkenden geschaffen, ist stets das schönste Geschenk! Welche Anzahl von Damen leicht selbstanzufertigeuder Handarbeiten es qiebt .führt uns das neueste, soeben erschienene Heft des Handarbeit- Spezialblattes ,.Dl« Ardeitsstub«" vor Augen, welches, nun schon 30 Jahre lang in regelmäßiger Folge erscheinend, der Damenwelt feinen bewährten Rat bietet. Das int neuen Jahrgang vergrößerte Format, sowie die Beigabe eines Handarbeit-Schnittmusterbogens werden den