L-gfia aii/! lSss! MM (Fortsetzung.) Es war Abend und in dem kleinen Kurort wurden die Petroleumlanipen angesteckt. der nur lau erhellten Hauptstraße bildeten die zwei Gasflammen, die vor dem Kurhanse brannten, dte Glanzpunkte der öffentlichen .Beleuchtung. Um sieben Uhr, in der Dämmerstunde, fuhr der grüne Wagen in dem Hofe ein. . Herr Pohl, der Kurdirektor, der das Varretee-Ensemble für die nächsten Abende verpflichtet hatte, erschien auf der Hausterrasse, um der „Gesellschaft" den Weg zum Bühnenraum anzuweisen. „ Die Frauen, die eilig ihre Kleiderbundel und Requisiten aus den Verschlügen schafften, mußten, um zu dem kleinen und dunklen Hinterraum der Gartenbühne zu gelangen, an der breiten Kolonnade des Hauses vorbei. "Mit flüchtigen und scheuen Blicken sahen sie zu den sommerlich hell gekleideten Damen hin, die vereinzelt bereits die ersten Plätze füllten. . Diese hellen Federhüte und seidenen Shawls, und lächelnden Gesichter und plaudernden Stimmen verfolgten sie bis in den dnnklen Raum, wo'sie ihre Vorbereitungen für die Vorstellung zu treffen hatten. Es war zugig und windig tn diesem Raum, feucht- kalt eine Art Kellerluft. Von dem warmen Fruhlmgs- hauch, der die Blätter der Ahornbäume fächelte, war hier "^^^Ne^ttc^en fror in ihrem hellroten Trikot, der die Brust und die Arme unbedeckt ließ. Sie trug eine Art Pagenkostüm, dazu einen silberbesranzten Dreimaster auf dem Kopf. Aber sowie sie nur die ersten Töne der Orcheper- musik vernahm, begann ihr Blut zu prickeln Und zu wallen, und von der gedrückten Stimmung, in der sie stch befand, verschwand der letzte Schatten. , „ Sie hatte fast den ganzen Nachmittag in thranen- reichem Schmerz um dieses Kapitalstück ihres Besitzes, den Hahn, 'zugebracht. enfe nicht immer an dich allein, Füge gefällig dich dem Ganzen! Es können eben nicht alle tanzen,« Einer muß auch der Spielmann sein. Johannes Trojan. Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Meher-Förster. Das kühle Bedauern der anderen, der ärgerliche Ausdruck im Gesicht des Direktors, das alles hatte ihr zum Bewußtsein gebracht, wie lieblos im Grunde das Leben unter diesen nur für ihr eigenes Wohl besorgten Existenzen war. Nicht zum ersten Male war ihr diese Ueberzeugung aüfgestoßen. Sie hatte bereits mehrere solch bittere Stunden kosten müssen, in denen ihr das Bewußtsein ihrer völligen Einsamkeit inmitten des Trrtbels ihres nunmehrigen Lebens schwer auf die Seele gefallen war. Aber elastisch hob sich ihr Leichtsinn immer wieder aus solchen Momenten empor und flatterte seines Weges weiter, voll Wagemut und Abenteuerlust, und voll Spott für die sentimentalen Anfälle. Während sie jetzt ihre geflügelte Garde ordnete, dte Requisiten für ihr Programm aus dem Korbe packte, hatte sie ganz das forzierte und kaltblütige Aussehen aller dieser Leute, denen die Besorgtheit für das Gelingen ihrer Vorstellung eine so kalte Gleichgiltigkeit gegen alle anderen Interessen giebt. , In dem tzinterraum der Bühne schien sich ein Umsturz alles bestehenden vorbereitet zu haben. Da standen Körbe, offene Kisten, verkleidete Menschen, seltsame Gerätschaften, da wudelten Tiere durcheinander, wurden Trapezpfosten eingerammt; gigantische Riesenformen eines Zauber- Waldes wuchsen auf unerklärliche Weise aus erneut Pappkasten hervor, falsche Waden und Bäuche lagen umher, und mysteriöse Wachsfiguren mit schlaff zusammengeklappten Gliedern entstiegen der Hülle schwarzer Tücher, um auf den Leib gelegt und in den Maschinerien ihres Rückens geprüft und aufgedreht zu werden. Aber wie wenn eine unsichtbare Hand schlichtend tn dieses Chaos griffe, lichtete sich alles. Ordnung und System kam in das anscheinend so wüste Durcheinander; es bildeten sich Gruppen, deren jede ihre eigene Welt umfaßte. Da sah ntan den Bauchredner, der einen Mohren, einen Clown, ein verwegen aussehendes Bürschchen und den König auf dem Thron in menschliche Stellung brachte, während zwei Arbeiter das betreßte Podium herbeischoben, auf dem diese Herrschaften Platz zu nehmen hatten, woraus ihnen mysteriöse Maschinen in den Rücken geschobenl wurden. „ _ ,. Der Zauberwald kroch in den Pappkasten zuruck und wurde samt einer Batterie Gläser, Flaschssn, künstlicher Blumen und Totenköpse in eine Versenkung gebracht, dte sich unterhalb eines kleinen, in der Mitte der Buhne postierten Tischchens befand. Nettchen mit ihren Tieren hatte dte zwette Nuinmer des Programms, während Rosi und Minja die Vorstellung eröffneten. t , An dem lebhaften Klatschen, das aus der Ttefe des Gartens durchdringend zu ihnen in die Kulissen hinein- scholl, vernahmen sie alle, daß die beiden Kinder mtt ihren 162 — anmutigen Produktionen die Stimmung von vornherein freundliche gestaltet hatten, und aufgeregt sah nun ein jeder seiner eigenen Nummer entgegen. Als Nettchen mit ihrer Schar auf die Bühne trat, schenkte man vor allem ihrer reizenden Erscheinung Anf- merksamkeit, ehe man sich ihren Tieren zuwandte. Die Darstellung ging gut von statten; die Gänse schienen chhre glücklichsten Momente zu habeu, und der Truthahn war wie von einer Art Frühlingsrausch besessen; ohne jede Aufforderung wiederholte er sein Bravourstück, durch einen brennenden Reifen zu fliegen und dabei sein Rad zu schlagen, unzähligemal. Da, als Nettchpu sich hochaufatmend eben für den gespendeten Beifall dankend verbeugen wollte, rief jemand aus dem Publikum: „Wo ist der Hahn?" Alle blickten gespannt auf den Frager und dann in ihr Programm. „Es ist wahr", hörte man murmeln, „hier steht doch „„mit einem dressierten Hahn, der eine Pistole abschießt."" „Wo ist der Hahn", hörte man einen zweiten Ruf. Und irgend ein Radaulustiger setzte hinzu: „Und wo ist die Henne?" Das Wort schlug ein wie der Blitz. Sofort wurde es wie eine Münze aufgegriffen und flog von Mund zu Mund. In diesem kleinen Badeort, wo nie die geringste Sensation herrschte, wurde diese an die Freiheiten der großstädtischen Theater erinnernde Publikumunart als. etwas ganz neues belacht. Man sah sich nach den Urhebern um, — mehreren jungen, gutgekleideten Männern, die als „Berliner" in der bunt zusammengewürfelten Badegesellschast die ihnen gebührende Rolle spielten. „Wo ist der Hahn? Wo ist die Henne?" riefen jetzt auch einige junge Witzköpfe des Ortes. Das Amüsement stieg. Die Damen lachten so herzlich, daß sie sich die Taschentücher vor die Lippen halten mußten. Nettchen stand rot auf der Bühne. Sie hörte das Lachen und' Zischeln, und halb besinnungslos vor Erregung, von ihrem heißen Blut übermannt, vom lauten Gelächter zu blinder Wut fortgerissen, rief sie mit vor Thränen funkelnden Augen in der Richtung nach den Herren: „Der Hahn ist gestorben. Machen Sie, daß Sie aus dem Garten kommen." Ein Gelächter, so laut, daß es wie ein Windstoß über die Gesellschaft hinfuhr, folgte diesen Wörtern — „Wollen Sie gleich hinter die Kulissen kommen", schrie zornbebend der Direktor aus dem Hintergrund hervor in das Toben hinein. Aber Nettchen reagierte nicht. Ein Bild der wortlosen Erregung, blieb sie, nach Luft ringend, stehen. Da geschah etwas unerwartetes. Mr. Seitre, der Jongleur, trat vor. Flüchtig verbeugte er sich vor dem Publikum, um darauf blitzschnell mit seinen Produktionen zu beginnen. Hin und her schreitend aus der Bühne, erging er sich in einem wahren Feuerwerk von Experimenten, das die Augen aller zur Bewunderung seiner Leistungen zwang. Nettchen war zur Besinnung erwacht. Dankbar für den Rückzug, deu ihr der junge Mann ermöglichte, schlich sie sich hinter die Kulissen. Eiseskühle von allen Seiten empfing sie. Nur Minja, die sich in eine Ecke verkrochen und jammernd über Halsschmerzen geklagt hatte, trat zu ihr und sagte tröstend: „Weinen Sie nicht! Mama hat man auch schon oft ausgelacht." Ungerührt von diesem Trost, schlich Nettchen ihrer Kammer zu. Stumpfsinnig packte sie das Federvieh in den Korb, dem sie eine Luftluke ließ, setzte sich dann auf einen alten Rohrstuhl und begann den Glanz ihrer Verkleidung abzuwerfen. Grau und zerrissen, wie die Wände in dieser Kammer, schien ihr in diesem Augenblick das Leben. Sie dachte zurück an den Tag, wo bereits einmal der Hohn der Menschen sie so schwer getroffen hatte — damals, als sie den Luftballon nicht besteigen wollte. Irgend ein übernatürliches Mißgeschick, ein finsterer Neid der Götter mußte sich an ihre Versen heften, daß er ihre Erfolge trübte und zerriß. In ihrem stumpfen Brüten wurde sie durch einen wahren Sturm von Stimmen geweckt, die mit „Bravo"- „Dacapo"-Rufen das Haus erschütterten. Langsam öffnete sie die Thür ihrer Kammer eine Spalte breit. Mr. Seitre trat aus den Kulissen. Der brausende Beifall verfolgte ihn bis in den Hintergrund dieses Raumes. Er sah kalt und ruhig aus. Gleichgültig balanzierte er, gleichsam ein zur Angewohnheit gewordenes Spiel fortsetzend, seinen Filzhut und Regenschirm vor sich her. Nettchen hatte ihr Kleiderpaket ergriffen, trat ans der Garderobe und gesellte sich wie zufällig dem jungen. Manne zu. Er grüßte flüchtig; ohne sich weiter nach ihr umzusehen, schritt er dem Ausgang zu. Obgleich, er den dunklen Seitenweg des Gartens nahm, wendeten sich doch ein paar Frauenköpfe aus dem Publikum nach ihm um. „Das ist der Jongleur!" flüsterte man. Nettchen hatte sich den Kopfshawl tief übers Gesicht gezogen; niemand erkannte sie, wie sie, vermummt bis über hie Ohren, ein Kleiderbündel im Arm, aus dem Bühnenraum heraustrat. Niemand hätte in dieser flüchtig dahineilenden Frauengestalt den reizenden und in seiner wilden Heftigkeit so amüsanten Pagen von vorher erkannt. Mr. Seitre schritt eilig durch den Hof und stieg in den grünen Wagen ein. Es verlangte ihn darnach, für die ersten, ungestörten Minuten nach den Strapazen und dem Trubel des Tages allein zu fein. Zudem wollte er einen Plan ins Werk setzen, der ihm noch int Laufe des Tages gekommen war. Ein verächtliches Lächeln schwebte um seine Lippen, als er in die Kammern, Kämmerchen und Ställe blickte. Er hatte ein Engagement bei Stanioli unter diesen für ihn, den gefeierten Artisten im Grunde beschämenden Umständen neben seinen Geldsorgen nur angenommen, um Gelegenheit zu finden, sich vor dem Auftreten in großen Städten und vor einem weniger anspruchsvollen Publikum, in seiner Sicherheit zu üben. Aber dieser erste Tag bei der Truppe, in einer Umgebung, wie er sie seit feinen Kinderjahren nicht mehr gekannt hatte, demütigte ihn. Er dachte an „Bauer" in Berlin und das „Cafee de la Paix" in Paris, wo er feinem Hange zum Vornehmen folgend, die Mitternachtsstunden zugebracht hatte, während er die Artistenlokale, in die feine Kollegen untertauchten, verschmähte. Der Abstand zwischen jenem Dasein und dem jetzigen konnte nicht größer sein. Er grübelte über diese Wechselfälle einer solchen, stets ans den Zufall gestellten Laufbahn nach, vor feinen Augen erschien eine andere Welt als die seine, ein Funkeln von Gold und wieder Gold fuhr blendend durch seine Träume, und seine Augen weiteten sich und wurden starr. Nettchen war leise an ihm vorbeigeschlichen. Sie ging in ihre Kammer, legte ihr- Bündel ab, löste ihr Haar und netzte mit frischem Wasser ihr Gesicht. Eine schwere, ungewohnte Traurigkeit lag über ihrer Seele. Sie öffnete ihr Kammerfenster und lehnte sich weit hinaus. Wie ein goldenes Horn hing der Mond zwischen flaumigem, flockigem, dunklem Gewölk am Himmel. Ab und zu blitzte aus dem Geflock ein Stern hervor, wie ein glänzender Knops aus unendlich weithin verbreitetem, tiefgefärbtem, wogendem Sammt. Sanft reckten sich die Linien des nahen Gebirges am Horizont empor, eine Luft, vom Dufte über das ganze Land verbreiteter Nadelwälder förmlich schwer, drang gleich, einer Wolke in den kleinen, schwülen Kammerraum. Rings war die ländliche Welt so still, als habe eine Riesentzünd sich! beschwichtigend auf sie niedergelegt; nur aus dem Thale heraus kam ab und zu der nackMehende Klang « — 163 — einer Ziehharmonika, deren dünne Melodie der Abendwind auf seine Flügel nahm. (Fortsetzung folgt.) llnbestimmter Bescheid. Nachdruck verboten. Ich glaube, vielen Lesern, besonders den Hausfrauen, aus der Seele zu sprechen, wenn ich hier zu Felde ziehe gegen eine gesellschaftliche Unbedachtsamkeit, die mancher Gastgeberin schon ernstliche Unannehmlichkeiten bereitet hat. Es ist der unbestimmte Bescheid auf eine ergangene Einladung. Da gedenkt die jung verheiratete Fran M. eine größere Gesellschaft zu geben, um alle ein sie bereits ergangenen Einladungen zu erwidern. Die Karten werden verschickt mit der Bitte: „II. A. w. g." Am liebsten möchte Frau M. ergänzen: „Um baldige Antwort wird gebeten". Tas geht leider nicht, und doch, wie gerne hätte sie möglichst rechtzeitig Bescheid; müssen doch die Vorbereitungen nach der Zahl der Gäste getroffen werden. Vielleicht ist es gar nötig, ein Zimmer auszuräumen; und dann die Besprechungen mit der Kochfrau! Aber nun heißt's: „a b w a r t e n!" Und die Antworten laufen ein. Frau Dr. G. dankt ver- bindlichst für die liebenswürdige Einladung, der sie mit ihrem Manne gern Folge leisten wird, wenn das erkrankte Töchterchen zu der Zeit hergestellt sein sollte; sie hofft es sehr, aber bestimmt zusagen kann sie unter solchen Umständen natürlich nicht. Herr A. muß eine notwendige Geschäftsreise antreten und kann noch nicht genau berechnen, ob er am angesetzten Abend wieder zurück sein wird; sollte dies der Fall sein, so würde er nebst Gattin mit Vergnügen erscheinen. Fräulein C. erwartet eine ältere, durchreisende Verwandte; wenn dieselbe am betreffenden Abend noch nicht angelangt sei, so .... re.-- So gehts fort mit verschiedenen Antworten; etwa zehn Geladene sagen bestimmt zu. Was macht die Hausfrau aber nun mit den andern fraglichen Gästen? Kommen sie oder kommen sie nicht? Muß ein Zimmer ausgeräumt werden oder nicht? Richtet man sich aus 40 oder 20 Personen ein? Die Besprechung mit der Kochfrau ist nicht länger hinauszuschieben; beim Gärtner müssen Tischbouquets bestellt werden. Also was nun? Sich auf zu wenig einrichten, ist immer mißlich, man nimmt daher lieber an, daß alle erscheinen werden, wie es ja möglicherweise auch der Fall sein wird. Gedacht, gethan. Frcku M. richtet sich auf 40 Personen ein, die Tischordnung wird demgemäß bestimmt. „Ach, wenn jetzt doch alle Gäste erscheinen möchten!" seufzt Frau M. leise auf, da klingelts. Am letzten Nachmittag läßt Frau W. wegen plötzlich aufgetretener, heftiger Migräne abfagen. Nun heißt es schnell die Tischplätze ändern; keineswegs eine leichte Arbeit; möchte man doch gern jedem passende Nachbarschaft geben. Mit einiger Mühe ist das Werk vollbracht. Da klingelts wieder. „Eine Empfehlung von Frau Dr. S. und ihr Mann sei plötzlich aufs Land gerufen worden, sie bedauere unendlich 2C. — Abermals Aenderung bet Tischordnung. Die Hausfrau fängt bereits an, etwas nervös zu werden. Kein Wunder; weiß sie doch immer noch nicht, wieviele Gäste eigentlich kommen werden. Der Abend bricht an. Etliche von jenen mit be- dingungsweiser Zusage kommen zur Freude der Hausfrau doch nach. Man zögert ein wenig mit dem Zutischgehen, endlich sagte sich die Gastgeberin, daß auf die bis jetzt Ausgebliebenen nicht mehr zu rechnen fei. Wie Schade! Nun wäre das Ausräumen des einen Zimmers gar nicht nötig gewesen, zehn Bouquets welken zwecklos dahin; gar nicht zu gedenken der reichlich eingekauften Vorräte! Schade! Schade! Hätte man das vorher gewußt! Geht's nicht so, werter Leser? Hast Du vielleicht schon selbst ähnliche Erfahrungen gemacht? Was wir aber selbst als, lästig empfinden, das sollten wir auch anderen nicht znfügen. Ein unbestimmter Bescheid ist immer peinlich und unangenehm. Ist eine Einladung an uns ergangen, so mögen wir in zweifelhaften Fällen ernstlM das Für und Wider prüfen, dann aber b e ft i m in t e n Bescheid geben. E. Friedel- Banknoten als Liebesbriefe. Von Fred Hood. Nachdruck verboten. Man weiß, daß vielen Freiern ein Packet Banknoten ebenso wertvoll erscheint wie ein liebendes Herz — oder eigentlich noch wertvoller — und es ist sicher, daß Wertpapiere schon häufig die Stelle der sonst zwischen Verlobten üblichen Liebesbriefe vertreten haben. Daß aber Banknoten thatsächlich als Billet doux gedient haben, ist doch nur selten vorgekommen. In einigen amüsanten Fällen, von denen Tit-Bits zu berichten weiß, haben sie aber thatsächlich diese Rolle gespielt. Doch zeigte es sich, daß derartige Liebesbriefe unter Umständen auch geeignet sind, Liebende von einander zu trennen. Und das ist die Moral von der Geschichte. Ein reicher Mann aus Philadelphia verliebte sich in eine hübsche Schauspielerin, Verlobte sich mit ihr und schrieb ihr dann täglich glühende Liebesbriefe, obwohl ihn nur eine Entfernung von einer Viertel Meile von ihr trennte. Ab und zu waren seine Huldigungen von außergewöhnlicher Form, nämlich mit Bleistift auf zehn Pfund-Noten (200 M.) geschrieben. Natürlich radierte die schöne-Empfängerin die Liebesworte ab und gab schnell das Geld aus. Dies gefiel aber ihrem Liebhaber gar nicht; er wünschte, sie sollte die Scheine als Aeußerungen seiner unwandelbaren Liebe aufbewahren. Infolge dessen schrieb er die nächsten Episteln mit echt schwarzer Tinte, die sich, ohne das kostbare Papier zu beschädigen, nicht entfernen ließen. Trotzdem wechselte hier und da seine Verlobte einen Schein. Einige behielt sie aber doch zurück, in der berechtigten Vermutung, daß so freigebige Verehrer kurz von Gedächtnis und veränderlich seien. Sie hatte sich auch nicht geirrt. Ein anderes Mädchen gewann die einträgliche Liebe des braven Mannes und er wünschte frei zu fein. Sofort verklagte ihn die bezaubernde Schauspielerin wegen Bruches des Heiratversprechens. Seine wertvollen, bei Gericht vorgelegten Briefe galten als vollgiltige Beweise, und das Resultat war, daß er noch ein schönes Sümmchen als Reugeld nachzahlen mußte. Ein anderer Gentleman war nicht ganz so freigebig. Er schrieb seine Liebesbriefe auf fünf Pfund-Noten. Eine solche ging aus Versehen an den Geschäftsführer eines großen Wollwarenhauses, während sie für die Braut des Absenders bestimmt war. Der etwas nervöse Herr hatte in der Eile die beiden Couverts verwechselt, und seiner Dame einen großen Bogen voller Zahlen und Wollstoffmuster gesandt, aus denen sie gar nicht klug wurde. Sie erkannte jedoch die Handschrift auf dem Couvert, sandte die Offerte wieder an ihn zurück und betrachtete den ganzen Zwischenfall als einen Irrtum ihres Bräutigamsh Ter Geschäftsführer des Wollwarenhauses erkannte die Handschrift auf dem die Banknote umschließenden Couvert aber nicht und wußte nicht, an wen er sie zurücksenden sollte. Der Liebesbrief enthielt die Anrede „Teuerstes Sieb" und war mit „Rex" unterzeichnet, also von der Adresse des Absenders keine Spur. Es wurde die fünf Pfund-Note einstweilen ad akta gelegt. Als Rex keine Empfangs - Bescheinigung von seiner Braut erhielt, überging er die Sache mit Stillschweigen. Es war ihm peinlich, feine Braut erst speziell an seine Freigebigkeit erinnern zu müssen. Tie Sache wurde nun dadurch noch verwickelter, daß seine Braut bei Rücksendung her Stoffliste kein Wort der Erklärung hinzngesügt hatte. Zufällig steckte sie gerade, als der Brief eintraf, bis an die Ellenbogen im Seifenschaum; ihr Bruder schrieb für sie die Adresse, und dessen Handschrift war ihrem Verlobten fremd. Beleidigt über sein Schreiben, hielt sich die junge Dame stolz zurück, woraus eine Entfremdung entstand, die aber nur einen Monat währte. Die Sache klärte sich erst auf, als Rex bei dem Wollwarenhändler vorsprach, und sich eine Aufklärung wegen Rücksendung seiner Offerte erbat.- Er zog sie aus der Tasche und wies sie vor mit dem Bemerken, daß er nicht einmal ein Begleitschreiben erhalten. Und er bekam die Ank- - 164 - In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a, b b, d d, e e e e e e e e, i i i i i i, k k, nnnnnnnn, oo, rr r r, S S S s, t t t t t derart einzutragen, daß die wage- rechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Ein Mineral. 2. Athenischen Feldherrn." 3. Geogr. Bezeichnung. wort, die Liste wäre überhaupt nicht angekommen, und die I in der entwickelteren Schrift auf dem Umschläge rühre von keinem Angestellten bald em Geschlecht 'welches mnstme Kräfte entwrckelte^deren der Firma her. Sonderbarerweise sei aber an dem Morgen, I Möglichkeit jetzt noch wr F 5 an dem die Liste ankommen sollte, ein ganz merkwürdiger I __....., Geschäftsbrief eingetroffen, und der Prokurist wies den HnmoriMMes. fünf Pfund-Liebesbrief vor. Hoch erfreut nahm der junge Berechtigt. „Dämlicher B-ngel, Du roochst schon Spar- Mann ihn in Empfang. Noch an demselben Abend schloß Dir doch lieber Deine paar Pfennige. -."^^N ^ne Leüensch er seine Braut in die Arme, herzte und küßte sie, und bat I muß der Mensch doch haben. Ick habe keene Braut, sie tausendmal um Verzeihung. Jetzt hängt die aus Ab- I Schnaps .... also. -------— Wege geratene Banknote in einem silbernen Rahmen m 1 ‘“ÄS2= MÄT 6^9 Hausenden bereitet die Wahl der geeigneten Ende. Der freigebige Herr gab einen Band Gedichte her- I ^»uasquelle arge Verlegenheit. Allen diesen dürfte die Mitteilung aus. Jedenfalls war er kein Schriftsteller von Beruf, I ^kommen sein, daß soeben der Frühjahrs-Katalog des ruhmüchst sonst hätte er seine Banknoten vielleicht zweckmäßiger an- I bekannten Versandgeschästes Mey und Edlichm Lerpz g-P g tz gewandt. Ein Exemplar seiner Gedichtsammlung schenkte äur Ausgabe gelangt ist, der m Folge übersichtlich- er seiner Braut und steckte die gekniffte Banknote geheim- gesührten Warenganungm m^»bmdung m, n;aMnff ttnifrfipn 'wei Blätter des unausgefchnittenen I Illustrationen die Auswahl ungemein eiieilpiiii. o i J Ä i!® Sin £m |M? ’&e NW *** «M. Dame war nicht empfänglich für Gedichte, doch glaubte der I ntna« erscheint in 2 Teilen: I. <6ie einsache Autor, sie würde ihm wenigstens die Ehre anthun, sem I Buchführung mit der Eröffnungs-Inventur, Gewinnberech- Werk durchzublättern. Ob dies wirklich geschehen, wollte er I Abschluß, Steuerdeklaration in 4 Lieferungen & 60 Psg., an der Banknote erkennen. Der Dichter machte eme Reise I brofArt M 2 geb. Mk. 3,-, in Karton Ml. 5,- : H. She ins Ausland und kehrte erst nach einem halben Jahre I ^ppelt (ital.) Buchführung und das gesamte Abschluß, zurück. Im Salon erwartete er das Erscheinen seiner I wesen mit Auszug aus dem neuen.Handelsgesetzbuch m b -A«u«gm Braut und prüfte den bewußten Band, und er fand, daß & 60 Pfg, broschiert Mk. 3,-, geb SM. 4 -, m tote SH. 5, kein einziges Blatt ausgeschnitten war Da er genau wußte Teil l^nd ll Aammen m^erscheint wo die Banknote steckte, zog er sw oben heraus, steckte sw I Mk. , geb. SKt.^, 3o^anne5 Rudolf Gutheil, in sein Portemonnaie und stellte das Buch wieder auf das I Berlin N. 37, Fehrbellinerstr. 86 (Firma I. R. Bücherbrett. Hierauf schrieb er ein paar Worte auf seine I ^er( } Unterrichtsschriften über die Buchführung gubt es Karte und ging ruhig fort. I tete Sand am Meer, darunter brauchbare und unbrauchbare. Methode llwei ~ciac sväter erhielt die erstaunte Dame einen I Gutheil aber ist ein Werk m der berühmten Brief-Lektlonsform, das in Liverpool nach Amerika em und ließ nichts mehr von 1 ~ linb gling trägt emsig zusammen und zwar sich hören. Das „verlassene Mädchen grämte sichem I « smBatitbc und oft auch — Unmögliche, wobei dem guten Geschmack wenig, fand jedoch später Ersatz m entern Nicht poetischen I t imt®er Rechnung getragen wird. Besonders eifrig ist unsere Ju- Herrn, mit dem sie sich verheiratete, und der es vorzog, I gegenwärtig iin Sammeln von Ansichtspostkarten, sog. Liebigbüdern seine Banknoten nicht auf dem Wege der Lyrik in die I »nb 3n3bmt illustrierten Reklamekarten, und mancher Knabe, manches »«"»= »s-b-t-t-m gelang« zu taffen. «°«m W** 'SÄÄÄS I albums kommen nun gerade jetzt reizende Empfehlungskartm von ..... I C Lück in Colberg, der weltberühmten Fabrik des C. Lucks Gesund- | heits-Krauterhonig, sowie der Dr. Fernest'schen Lebens-Essenz ganz ge- . r , I [eqen In der Größe von Postkartenformat machen diese Bildchen bet Der Besitz einer Bibliothek. An fernem fach- I M„ch künstlerischer Ausführung auch durch ihre Motive einen bi- lichen Besitze dürfte so sehr die Unendlichkeit des Geistes I ftcd)enben Eindruck; es kann daher nur jedem, der sich für derartige m erfahren sein als an dem Besitze eines guten Buches. I Sachen interessiert, empfohlen werden, sich an die genannte Firma z MZWZMZ S--M--E der Hausstand. jedem geordneten Hausstände sollen I . ,. , aute Bücher gehören. Ein gutes Buch will wieder und I Kreuzrätfel. wieder gelesen sein. Nach jedem Zeitverlauf faßt man es j Nachdruck verboten, anders auf denn die Eindrücke, welche die Zett gebracht hat, wirken nach und schärfen die Auffassung. Nicht dw Zahl, wohl aber die Wahl der Bücher tst von unerschopf- lirbem Ertraae Es gehört zur Reform unseres deutschen Familienlebens, den besitz einer gewählten Bibliothek jedem geordneten Hauswesen zur Pflicht zu machen Es ist vielleicht keine müßige Anmerkung, daß die Bibel schon dem Ausdrucke Bibliothek entgegenkommt. In der Bibliothek als einem ererbten und erweiterten Hetligtiim, mußte der Familiengeist sich zum Weltgeist erweitern. Man wußte es einer deutschen Familie ebenso sehr verdenken, bloß aus einer LeihbMiothek sich die Nahrung des Geistes zu, holen, i ~ ***.----- Ser mch ^SgSw§n0B^nbesitz'h^t' Rrnu"der Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: 2lfhIa der Litteratur von früh auf auch in der Familw I Rnchmberg — Ubier -Baku-Jschtib-Nostradamus-Santanbcr- ^aanaen würde wenn man so den großen Beruf des Tmnessee-Eiderstedi-Jlmense.-Nadelrap. e$Ä™"nb teSebTntnng bet Presst ,ch°n sti, mich I in. P.t,_ ReboTt-0~ ®. Burkhardt. - Bruck und Verlag der Brühl'schen UniverfitSts.Buch. und Stkindruckerei (Pietsch Erden) in Gießen.