(Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. Schluß. Der geheimnisvolle Gast des Lindenhofs wurde lauf seinem gewohnten Spaziergange im Garten von dem Kriminalkommissar und seinen Leuten ergriffen. In der That ergab es sich, daß er der bankerotte Bankier Ludwig Sexauer war, an dessen Einbringung seinen zahlreichen Gläubigern so viel lag. Wie sich herausstellte, war die Frau des Lindenhofpächters Sexauers Schwester. Er hatte seiner auffallenden, im Steckbrief genau angegebenen äußeren Merkmale wegen nicht gewagt, sich aus längerer Eisenbahnreise der Gefahr einer Erkennung auszusetzen, sondern es vorgezogen, sich im Liudenhofe so lange verborgen zu halten, bis einiges Gras über die Sache gewachsen sein werde, um dann mit größerer Sicherheit feine Flucht ins Ausland fortzufetzen. Inzwischen hatten seine Verwandten Has Gerücht von seiner Anwesenheit in Kairo zu verbreiten und ausrecht zu erhalten gewußt und darin größeres Geschick bekundet, als in der Verbergung ihres Schützlings, der sichl zudem in seinem Exile zu mancherlei Unvorsichtigkeiten hatte verleiten lassen. §err Titus Allram hatte an diesem Abende somit einen Doppelfang gemacht, wenn er sicht.auch in dem Sexauerschm Falle die Hande der Kriminalpolizei dazu lieh. Auf seine Veranlassung wurde Frau Bruscher sofort verhaftet, ihr schwer verwundeter Neffe ins Spital gebracht. Die aus dichter Nähe auf ihn abgefeuerte Revolverkugel hatte, nahe am Herzen vorbeigehend, die Lunge gestreift und bei der siebenten Rippe den Körper wieder verlassen. An■ fernem Wiederaufkommen zweifelten die Aerzte, und er selbst hielt seinen Tod für gewiß. So legte er denn ein rückhaltloses Geständnis ab, denn, selbst wenn er mit dem Leben davon- kam, war ihm doch die Strafe für die Ertränkung dev, Fährmanns sicher, da diese That in der Person UllraiM' einen nnanfechtbaben Zeugen gehabt hatte, hierzu tmn noch seine Furcht vor der Schlauheit seiner Tante, welche sicher kein Mittel unversucht lassen würde, sich aus der Schlinge zu ziehen, um ihm allein alle Schuld auszuburden. |n S i!ll ii'ÄäßS icht eine Münze von allgilt'gem Wert Ist unser Glück, nach dem wir alle jagen: Jedwedem ward das Hoheitsrecht beschert, Des eig’nen Glückes Münze sich zu schlagen. Julius Lohmeyer. Dahin deutete er auch- ihre Beteuerung, daß nie das Henkerbeil ihren Hals berühren werde, obgleich dieses Wort in einem ganz anderen Sinne gemeint war. 'In seiner kommissarischen Vernehmung durch einen hierzu beauftragten Richter, welcher mit Protokollführer und Zeugen am Krankenbette erschien, machte Bruscher folgende Aussagen: Der Zufall hatte es gewollt, dast er als Angestellten der Privatpoft „Merkur" die Tour bekam, in deren Straßennetz das Haus des Professors Georgi lag. Seine Tante, die gewöhnlich! die Briese in Empfang nahm, betrachtete und behandelte ihn als vollständig Fremden, bis fie feiner zur Ermordung Georgis bedurfte. Da vertraute sie ihm an, daß fie des Professors Universalerbin sei, daß ihre Erbschaft aber auf dem Spiele stände, wenn der Professor nicht beseitigt werde, ehe er Zeit finde, ein neues Testament zu machen. Sie hatte ihren Neffen schon vorher eingeschüchtert, indem sie ihn an seine früheren Gefängnisstrafen erinnerte, die ihn jedenfalls die Stelle kosten würden, wenn seine Chefs davon erführen; sie war auch dahintergekommen, daß er sich Grotjan nannte, und hielt ihm die Folgen vor, wenn seine Namensfälschung zur Kenntnis! der Polizei gelangte. Sie hatte ihn also in ihrer Hand, und da sie ihm einen Anteil an der Erbschaft versprach, wenn er ihr dieselbe durch die Ermordung Georgis rettete, so entschloß er sich! zu der blutigen That. Zur Ausführung derselben wurde der Tag bestimmt, an.welchem das Dienstmädchen Resi während der ersten Morgenstunden durch Wäschemangeln außer dem Hause beschäftigt war, welches! Bruscher als Briesträger unauffällig betreten und verlassen konnte. Frau Bruscher selbst erfand für sich einen; geschickten Vorwand zu einer Reise, durch welche sie ihre Abwesenheit während der kritischen Zeit nachweisen konnte. Die Schuld sollte auf Konstanze Herbronn abgelenkt werden, die zu jener Stunde mit dem Professor allein zu Hause war. Ein paar Tage vorher wußte Frau Bruscher sich die Kleider zu verschaffen, in denen Konstanze auszugehen pflegte, und diese Kleider legte sie mit aller Sorgfalt ihrem Neffen an. Seine schlanke Gestalt, fein schwarzes Haar, seine dunklen Augen, seine ziemlich kleinen Hände, die in den Glaceehandschuhen leicht sür Dameiihände gelten konnten, kamen der Täuschung sehr zu statten. In dieser Verkleidung kaufte Bruscher bei dem benachbarten Eisen- warenhäudler den Hammer, mit welchem er später die That ausführte. Der dichte Schleier, welcher das Antlitz verhüllte, verhinderte ein schärferes Unterscheiden der Gesichtszüge, hierzu war auch! die Dämmerungsstunde gut gewählt; das vorgebliche Zahnweh und das vor den Mund gehaltene Taschentuch rechtfertigten das leise, nur ans das Notwendigste beschränkte Sprechen. So wurde denn Bruscher während der kurzen Augenblicke, die -er im Laden verweilte, für die Vorleleserin des Professors gehalten, - W — die in derselben Kleidung vom Eisenwarenhändler oft genug gesehen und widerholt als Kundin von ihm bedient worden war. Frau Bruscher selbst kaufte in einem entlegenen Stadtteile einen iganz gleichen Hammer, den sie am Vorabende des Mordes unter Konstanzes Weißzeug legte, nachdem sie ihn vorher naß gemacht hatte, -sodaß es den Anschein gewinne« mußte, als sei nach vollbrachter That das Blut abgewaschen worden. Sie hatte ihren Neffen mit einem Entreeschlüssel versehen, damit er unbemerkt in die Wohnung gelangen konnte, und unmittelbar vor ihrer Abreise hatte sie die auf den Korridor führende Thür des Em- psaugssalons aufgeriegelt, wodurch dem Mörder der Weg in das Schlafkabinett seines Opfers freigelegt war, ohne daß er erst durch den Sammlungssaal gehen mußte, wo Konstanze ihn vielleicht hätte hören können. Die grausige That gelang, — nur durch den nicht abgegebenen Brief an das Dienstmädchen Resi und die Folgen der verspäteten Bestellung sowie durch den Spürsinn des Detektivs sollte zuletzt das schlau gesponnene Jn- triguengewebe zerrissen werden, nachdem der Gerichtshof bereits sein Urteil über die unglückliche Konstanze Herbronn gefällt hate, deren Schuld die vielbelesene Frau Bruscher glaubhafter zu machen wußte, indem sie das junge Mädchen zur hochgradigen Epileptikerin stempelte. Zwischen Tante und Neffen war verabredet worden, daß der letztere nach verübter That eine größere Summe erhalten und sich nach Amerika begeben sollte. Er mochte die Absicht der Tante, ihn los zu werden, Wohl durchschaut haben, und da er wahrscheinlich im Sinne hatte, die reiche Erbin nach Möglichkeit auszupressen, so blieb er im Lande. Frau Bruscher erwarb die gerade zum Verkauf ausgebotene SägeMühle für ihn, vermutliche um ihn in ein gut fundiertes Geschäft zu setzen, welches seine geregelte Thätigkeit in Anspruch nahm und ihn von einem gefährlichen Müßiggänge fernhielt. An jenem Abende, wo das Verbrecherpaar in der Mühle den Plan zur Beseitigung des Detektivs flüsternd besprach, war zugleich auch Wippachs Tod beschlossen worden. War es schon unbequem, daß er um Bruschers Namensfälschung wußte, so wäre es im höchsten Grade bedenklich gewesen, ihn in das Komplott gegen Allram ein- zuweihen. Der Hauptgrund war jedoch ein anderer. Wip- pach selbst sollte gewissermaßen das gegen den Detektiv geplante Verbrechen decken und mit diesem zugleich ins Wasser gestürzt werden, damit sich die Sache so darstellte, als seien beide während der Ueberfahrt verunglückt, was bei der bekannten Trunksucht des Fährmanns durchaus glaubhaft erschienen wäre. Das Fährboot hatte Bruschjer dann leer den Strom hinabtreiben lassen wollen. Frau Bruscher leugnete dem Untersuchungsrichter gegenüber jede Mitschuld an dem Verbrechen ihres Neffen. Als ihr defsen Geständnis vorgehalten wurde, schien ihr alles Blut aus dem Antlitz gewichen, und ihr Aussehen glich dem einer Leiche, aber über ihren Mund kam kein Wort mehr. Am anderen Morgen fand man sie tot in ihrem Gefängnisse. Die ärztliche Untersuchung stellte eine Vergiftung durch Cyankali fest. Sie hatte das dem Detektiv zugedachte Pülverchen leicht zu verbergen gewußt und es selbst eingenommen. Gleich nach ihrer Inhaftnahme war in ihrer Wohnung in Berlin eine gründliche Haussuchung vorgenommen worden, weil man Briefe von ihrem Neffen zu finden hoffte. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, dagegen fand man einen Brief Herbronns, der an seine Tochter Konstanze gerichtet war. Er schilderte ihr darin seine geschäftlichen Unglücksfälle und seine hoffnungslose Lage, welche ihn zu dem verzweifelten Schritte eines Selbstmordes dränge. Nur Konstanze könne ihn davor bewahren. In jebein ihrer Briefe an die verstorbene Mutter habe sie die teilnahmsvolle, ja väterliche Güte gerühmt, die Georgi ihr erweise — ein warmes Wort der Fürbitte an den edlen Mann werde gewiß einem Verzweifelnden, der Konstanzen so nahe stehe, Hilfe und Rettung bringen. Dieser Brief war niemals in Konstanzes Hände gelangt und der unglückliche Schreiber desselben, der vergebens auf eine Antwort wartete, war in bitterer Verkennung seiner Pflegetochter, von der er sich verlassen und vergessen glauben mußte, aus dem Leben geschieden. Offenbar hatte Frau Bruscher den Brief unterschlagen, und mit welchem Erfolge sie die Kenntnis seines Inhalts gegen die Angeklagte zu benutzen verstand, wie sie ihr eine tiefe, bis zur tätlichen Rachsucht gehende Verstimmung gegen den Professor anzudichten wußte, welcher die Bitte seiner Vorleserin abgewiesen haben sollte, dürfte dem Leser noch erinnerlich sein. Alles hatte jene hinterlistige, von Habsucht und Geldgier geleitete Frau aufs genaueste berechnet, um den Mord auf Konstanzes unschuldiges Haupt zu wälzen. Nur ein einziges Moment war vorhanden, darin sie sich dem Zufalle anvertraute: daß nämlich der verdächtige Hammer bei Konstanze gefunden und zu deren erstem Ankläger werde. Das Blut an Konstanzes Hand war das Eintreten dieses außer aller Berechnung liegenden Zufalles, indem es zur Durchi- suchung ihrer Sachen führte. — Abermals kam nun der Mordprozeß vor dem Schwurgerichte zur Verhandlung. Wider Erwarten war Bruscher von seiner schweren Verwundung wieder genesen, sodaß er persönlich vorgeführt werden konnte. Auch Konstanze Herbronn war eben erst von schwerem Krankenlager erstanden. Nach ihrem mißglückten Fluchtversuche hatte sie wochenlang zwischen Leben und Tod geschwebt, aber ihre Jugend unb ihre elastische Natur, besonders jedoch bie Kunst und Pflege ihres Arztes Doktor Gerth hatten sie dem Tobe entrissen. Freilich; trug sie bie Spüren all ihrer Seelenleiben unb der kaum überwundenen Krankheit an sich,, und wer sie bei der ersten Verhandlung- des Prozesses gesehen, der kannte das schöne junge Mädchen kaum wieder, dessen gebrochene Haltung und tief schwermütiger Gesichtsaus- druck eine furchtbare Leidensgeschichte erzählten. Durfte sie auch sicher sein, daß sie, von ^Schuld entlastet und gereinigt, diesen Saal verlassen werde, so fühlte sie sich doch von einer entsetzlichen Angst bedrückt, denn wie ein Damoklesschwert schwebte die Möglichkeit über ihr, es könne im Laufe der Verhandlung zu Tage kommen, daß Georgi ihr Vater gewesen sei, und der Fehltritt ihrer Mutter könne sich entschleiern, für welche sie alle die Leiden einer unschuldig Verurteilten ertragen hatte. Aber Frau Bruscher hatte jenes Geheimnis mit ins Grab genommen. Dem Leben wieder zurückgegeben, klammerte sich Bruscher von neuem an dieses an und widerrief seine Geständnisse, — aber er selbst hatte seine Schuld zu klar bewiesen, und mit finsterer Ergebung vernahm er sein Todesurteil. Konstanze Herbronn wurde freigesprochen. Fast Ueber- menschliches hatte sie ausgestanden, aber in der finsteren Nacht der Leiden war ihr der Stern erschienen, dessen freundliches Licht von nun an ihr Leben verklärte:, sie ward von Gerth als Gattin heimgeführt. Der Irrenarzt schied für immer aus St- Rochus und reiste mit seiner jungen Frau nach Italien. Als Beide nach Jahr und Tag von dort zurückkehrten und in Konstanz den Dampfer verließen, -der sie von Bregenz über den blauen Bodensee gebracht hatte, trafen sie im Gedränge der Reisenden, welche das schon wieder zur Rückfahrt sich rüstende Schiff bestiegen, unerwartet einen alten, lieben Bekannten. Es war Titus Allram. Konstanzes Anblick überraschte ihn, so schön war sie im Süden von neuem erblüht. Er wünschte dem jungen Paare, welches ihm eine unbgglrenzte Dankbarkeit bewahrte, Glück und Segen. Wie gern hätten, beide einige Stunden mit ihm verplaudert! Aber er hatte leider große Eile und durfte den Abgang des Dampfers nicht versäumen. Wie es schien, befand sich der Unermüdliche wieder auf irgend einer Fährte. Chinas Staatsverfaffung. Nachdruck verboten. Die gegenwärtige politische Lage giebt uns leider Veranlassung, uns eingehender mit China zu beschäftigen, und so dürfte es jedermann interessieren, auch über die Staats-Verfassung und Verwaltung des „himmlischen Reiches" etwas Näheres zu erfahren. An der Spitze des chinesischen Staates steht unter regulären Verhältnissen der Kaiser, „der Sohn des Himmels", der abgöttische Verehrung genießt und unumschränkte Ge- walt über alle seine Untertyanen besitzt. Er gilt für den Vollstrecker der Gebote des Himmels nnd ist ebensowohl geistliches Oberhaupt als höchster Richter und oberster Kriegsherr. Die wichtigsten Angelegenheiten des Staates verhandelt ein Ministerrat (Künkitschu) in Gegenwart des Kaisers, und zwar sonderbarerweise ganz früh am Morgen (zwischen 5 und 6 Uhr). Neben diesem besteht als oberste Verwaltungsbehörde der aus zwei chinesischen und zwei tartarischen Mitgliedern zusammengesetzte sogenannte „innere Rat". Diesem sind folgende sechs Staatsministerien (Liu-pu) untergeordnet: 1. Das Ministerium zur Ernennung und Ueberwachung aller Verwaltungsbeamten des ganzen Reiches, zur Beglaubigung sämtlicher Regierungs- erlasse durch das Staatsfiegel und zur Aufzeichnung der Verdienste und tüchtigen Leistungen hervorragender Männer; 2. das Finanzministerium; 3. das Ministerium zur Bewahrung der alten Bräuche und religiösen Riten, sowie zur Erhaltung der Staatsstempel; 4. das Kriegsministerium; 5. das Justiz-Ministerium; 6. das Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Die Präsidenten dieser Ministerien legen die Entscheidungen ihrer Ressorts dem „inneren Rate" vor, der sie nach eingehender Besprechung an den Kaiser gelangen läßt, dem die endgiltige Beschlußfassung obliegt. Ferner sind zu nennen: Das Ministerium für die Verwaltung der Nebenländer (Mongolei, Dsungarei, Türkistan und Tibet), das im Jahre 1860 eingesetzte Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten (Tsunglijamen), das u. a. mit der Aufsicht über die von den Europäern geleiteten Institute betraut ist, und das berühmte Hanlia-Kollegium, eine Art Akademie der Wissenschaften. Endlich gehören zur Regierung zwei Behörden, über deren uns zum Teil etwas eigentümliche scheinende Funktionen wir namentlich durch das Werk des Engländers Gray über China gut unterrichtet find; näm- lich: 1. der Rat der öffentlichen Zensoren und 2. das kaiserliche Hausministerium. Die Mitglieder des ersteren, sechzig an der Zahl, haben das Privilegium, gegen jede politische und wirtschaftliche Maßnahme der Regierung, von der sie eine Schädigung der dynastischen oder staatlichen Interessen befürchten, Einspruchs zu erheben und beim Kaiser wegen Aufhebung derselben vorstellig zu werden; sie haben daher die Aufgabe, den Sitzungen des „inneren Rates", sowie der sechs Ministerien beizuwohnen. Außerdem reisen sie im Lande umher, um die Thätigkeit der Provinzialbehörden zu betrachten,, über die sie sodann an den Rat berichten. Auch sendet dieser Geheimagenten und Spione aus, um in unauffälliger Weise verdächtig gewordene Beamte oder Bürger zu beobachten. Noch eigenartiger ist die Funktion des aus sechs Mitgliedern bestehenden Ministeriums des kaiserlichen Hauses. Dieses führt die Verzeichnisse der Geburten, Todesfälle, Vermählungen und sonstigen Familienverhältnisse der Prinzen von Geblüt und hat dem Kaiser über das Verhalten derselben Bericht zu erstatten. Die erwähnten Verzeichinsse werden alle zehn Jahre dem Herrscher vorgelegt, der daraufhin Belohnungen und Titel austeilt. Die Mitglieder diefer Behörde haben ferner den sechs Zentral-Ministerien häufig darüber Mitteilung zu machen, welcher von den Söhnen des Kaisers nach seinen Fähigkeiten am mersten zum Thronfolger geeignet erscheine. Die betreffenden Berichte gelangen dann durch Vermittelung des „inneren Rates" an den Kaiser, der bei der Wahl seines Nachfolgers durch>- aus nicht auf die kaiserliche Familie beschränkt ist wenn ihn auch, natürlich! das dynastische Interesse gewöhnlich zur Ernennung eines seiner Söhne veranlaßt, der Regel wird einer von den Söhnen der drei ersten kaiserlichen Gemahlinnen, durchaus lischt immer der älteste, zum Thronfolger ernannt; übrigens wird die Wahl erst beim Ableben des Monarchen bekannt gemacht. Ist der Kaiser kinderlos, so ersieht er sich einen Prinzen aus einer Seitenlinie seiner Dynastie zum Nachfolger aus. Die ursprüngliche Sitte, jedem kaiserlichen Prinzen ein Staatsamt zu übertragen, besteht heutzutage nicht mehr, da von Prmzen, die M in hohen staatlichen Stellungen befanden, häufig Empörungen und Aufstände ausgingen. Sie, erhalten daher jetzt nur noch den Titel „Könige", ohne irgend welche sonstige Auszeichnung seitens des Staates. Was die Verwaltung der 18 Provinzen des eigent- 403 - lichen China anlangt, so hat zunächst jede derselben eirteti Gouverneur; außerdem stehen 15 Provinzen, teils für sich allein, teils zu dreien, zum größten Teile aber je zwei zusammen unter einem Generalgouverneur oder Vizekönig (Tsungtu). Das militärische Oberkommando führt der Generalgouverneur oder Gouverneur; nur die tartarischen Truppen, die als Gegengewicht gegen das rein chinesische Element dienen sollen, find aus diesem Grunde einem selbständigen Tartaren-General unterstellt. Die übrigen höchsten Provinzialbeamten find der erste Befehlshaber des Fußheeres und der erste Admiral der Flotte; ferner der Schatzmeister, der Vorsitzende der Kom'mission für die Prüfungen der Gelehrten und der Oberrichter. Diesem letzteren unterstehen die Tantai's, jedem von diesen die Präfekten einer Präfektur, letzteren wiederum alle Statthalter eines Bezirkes, und endlich, jedem von diesen die Lokalverwaltungen sämtlicher Städte und Dörfer eines Bezirkes. Außerdem steht diesem Würdenträger eine beratende und ausübende Korporation zur Seite. Das ganze große Heer der chinesischen Beamten ist in neun Rangstufen eingeteilt, deren wichtigstes äußeres Unterscheidungszeichen die Farbe und der Stoff des oben auf der Mütze getragenen kugelförmigen Knopfes ist (dunkelrot, hellrot, dunkelblau, hellblau, Krhstall, Perlmutter, Gold und Silber). Die höchsten Würdenträger haben ferner eine unterhalb des Knopfes befestigte, schief nach hinten herabfallende Pfauenfeder mit zwei Augen, niedrigere eine solche nur mit einem Auge. Die Tracht der Beamten besteht in einem blauseidenen, goldbestickten, bis zu den Knöcheln reichenden Gewand, über welches ein kurzes Kleid von veilchenblauer Seide geworfen wird. Die Aermel dieses Obergewandes sind sehr weit und reichen ein gut Teil über die Fingerspitzen hinaus; gewöhnlich werden sic über das Handgelenk zurückgeschlagen, in Gegenwart des Kaisers jedoch müssen sie ganz herunter gelassen sein — eine eigentümliche, übrigens sehr alte Sitte, die den Zweck haben soll, dem Träger des Gewandes in solchen Momenten den Gebrauch, seiner Hände unmöglich zu machen und dadurch etwaigen Attentaten auf die Person des Monarchen vorzubeugen. Auf der Vorder- und Rückfeite des Oberkleides ist ein — je nach, dem Range verschiedener — Vogel aüfgestickt, der mit ausgebreiteten Flügeln aus einem von Meereswogen umbrausten Felsen steht. Um die Schulter wird ein kurzer seidener Ueberwurs getragen, dessen verschiedenartige Beschaffenheit den literarischen Grad des betreffenden Beamten andeutet. So sehen wir denn, wie in der Verfassung und Verwaltung des gewaltigen „Reiches der Mitte" alles bis auf die geringfügigsten Kleinigkeiten und Aeußerlichkeiten fest geregelt und bestimmt ist. Die eigenartige Starrheit und Unbeweglichkeit dieses Staatsorganismus aber läßt die Kenntnis aller Einzelheiten in diesen Einrichtungen und Verhältnissen für diejenigen europäischen Nationen, die in politische und wirtschaftliche Beziehungen zu China treten, nur um so notwendiger erscheinen. Es ist nicht unsere Schuld, daß diese Beziehungen jetzt so unangenehme geworden find. G. H. Gemeinnütziger. Die Behandlung des S ch u h w e r k s. Erstes und unbedingtes Erfordernis, um Schuhwerk in möglichst lange brauchbarem Zustande zu erhalten, ist, daß dasselbe Paar Schuhe, Stiefel, rc. nicht täglich getragen, sondern mit einem zweiten Paar ausgetauscht und dem getragenen Paare ausreichend Zeit zum ganz allmählichen Austrocknen gewährt wird, denn es sammelt sich tagsüber stets soviel Feuchtigkeit in den Schuhen an, daß dieselbe sich während der Nachtstunden nicht völlig verflüchtigen kann. Den zerstörendsten Einfluß auf Oberleder und Brandsohle aber übt die Ausdünstung des Fußes aus. Dieselbe bewirkt eine so vollständige Durchfeuchtung, daß die Haltbarkeit des besten Stiefels in allerkürzester Zeit beeinträchtigt ist, wenn derselbe zwischen dem Tragen nicht austrocknen kann. Zu vermeiden ist dabei ganz besonders ein zu plötzliches Trocknen, da hierdurch auch das im Leder enthaltene und diesem unentbehrliche Fett verflüchtigt wird, das Oberleder wird infolgedessen sofort hart und brüchig, ganz - 404 — Gräser. Jür die Küche. . Bodenfiedt. Der echte Frohsinn im Gemüte Ist eines guten Herzens Blüte. Schweinssülze. Einen halben Schweinskops gut gereinigt, mit 2—3 zerschlagenen, gereinigten Kalbsfüßen, Wurzelwerk, 2 Zitronenscheiben ohne Kern, 2 Lorbeerblättern 6 Nelken, 6 Gewürzkörnern, Salz in 6 Liter Wasser weich gekocht, den Kopf herausgenommen, die Brühe dnrchge chMtet. Das Fleisch in kleine Würfel geschnitten, mit etwas in Stückchen geschnittener gekochter Pockelzunge vermischt, mit etwas Brühe angeseuchte - Die durchgeserhte Brühe entfettet, mit Weißwein und Essig abgeschmeckt, zur Hälfte eingekocht, mit dem Fleisch vermischt, etwas gestoßenen Pfeffer zugefügt, in beliebige Form gefüllt und kalt gestürzt. PchLtNsn: ®. Bvr!tz«r6t. — unb Betlag 6er Brühl'schen llat»erMt«°V»ch> uttb tStdnbnititrd (Pietsch Erben; tn NSteSee. gleich ob es vom feinsten, dünnen oder vom stärfften Leder ist. Weiter ist es von Wichtigkeit, jeden Stiesel oder Schuh wenigstens jede Woche eiiimal mit lauem Seisenwasser abzureiben und alsdann gut einzufetten. Ein besonderes Augenmerk ist auch auf die Schuhwichse zu richten. Die im Handel befindlichen Sorten enthalten fast ausnahmslos mehr oder weniger Schwefelsäure, die, je reichlicher vorhanden, dem Leder desto schädlicher ist. Mittelst eines Stückchens in jeder Apotheke erhältlichen Lackmus- papieres ist jeder Laie in der Lage, die in seinem Haushalt benützte Wichse aus ihren Säuregehalt zu prüfen. Dre Wjchse wird zu diesem Zwecke verdünnt, und ein Stückchen Lackmuspapier hineingetaucht. Färbt sich das Papier intensiv rot, so ist die Wichse entschieden zu verwerfen; färbt es sich dagegen nur einen Schein heller, so ist der Säuregehalt nur gering. Zu beachten ist auch, daß für einen stark schwitzenden Fuß alaungare Ledersorten wie Glace-, Kid-, Gems- und Chevreauleder nicht zu empfehlen smd, sondern nur fettgare Leder wie Roßleder, Kalbleder rc. Sägespäne als Mittel zum Reinigen von Flaschen. Zur Reinigung von Flaschen, Ballons usw. besonders solcher, welche Fett enthielten und deren Rerm- aung ost viele Mühe macht, sind reine Sägspähne, mit nicht zu viel Wasser gut geschüttelt, bestens zu empfehlen. Nach mehrmaliger Behandlung mit demselben werden sogar Flaschen, welche stark riechende Flüssigkeiten enthielten, zu jedem Gebrauche wieder tauglich. — Um Flaschen, welche Fette und Oele enthielten, zu reinigen, giebt man etwas gepulvertes doppelchromsaures Kali in dieselben, gießt daraus konzentrierte englische Schwefelsäure, schwenkt die Flaschen damit aus und spült mit kaltem Wasser nach. Jetd und Garten. Sommerschnitt der Obstbäume. Auch im Sommer wollen unsere Bäume geschnitten werden, ^a, man darf sagen, daß richtiger Herbstschnitt und alljährliche Fruchtbarkeit erst durch den Sommerschnitt möglich werden. Den Sommerschnitt führt man folgendemaßen aus: Smd die jungen Triebe fingerlang, dann werden ste entspitzt. Nach dem Entspitzen treiben sie wieder aus. Von den neuen Austrieben darf nur einer stehen bleiben. Man entspitzt ihn und schneidet die anderen weg usw. Es wird auf diese Weise die übermäßige Bildung von Gezweig verhindert, Licht und Luft vermögen überall hinzukommen, Fruchtknospen werden angelegt. In Nr. 16 des „Ersurter Führer" finden wir den Sommerschnitt beschrieben und, was die Hauptsache, durch Abbildungen erläutert Unseren Abonnenten steht diese Nummer kostenfrei zur Verfügung, wenii sie sich mittels P o st k a r t e n a ch E r f u r t wenden. Ein schöner, gleichmäßig grüner, sammtartiger Rasen gehört zu den selbstverständlichen Ansprüchen, die wir an einen wohlgepflegten Garten stellen und dieses selbstverständliche Erfordernis begegnet doch so sehr oft den größten Schwierigkeiten. In der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau (die auf Wunsch gern vom Geschäftsamt der Wochenschrift kostenlos zugeschickt wird) giebt Heinrich Hein in Kiel, wohl die erste Autorität in Gräserkenntnis und Rasenpflege, gute Ratschläge über Rasenpflege. Es kommt vor allen Dingen auf die richtige Zu stimmen sitznng des Grassamens an, der aus einen Rasenplatz gesäet wird, und dabei verlangt jede Bodenart andere Durch die Blume. Besucher: „Wie reizend Ihre neue Wohnung ist, gnädige Frau!" — Dame des Hauses: „Ja wenn nur nicht alles noch in Unordnung wäre. Es dauert so schrecklich lange, bis Ordnung hineinkommt." — Besucher: „Das läßt sich denken." — Dame des Hauses: „Na, bevor Sie wiederkommen, hoffe ich natürlich, daß alles eingerichtet ist!" M Empörter Passant: „Ihr Junge hat einen©tew nach mir geworfen und mich beinah an den Kopf getroffen." — Mr. Grogan: „Sie sagten beinahe?" — Emp. Passant: „Ganz recht, das sagte ich." — Mr. Grogan: „Dann war's nicht mein Junge." Literarisches. Kriegslärm auf den verschiedensten Punkten der Welt! Da wendet sich der friedliche Sinn der Menschen mit doppelter Liebe zu den Segnungen der Kultur. Feiern wir doch in diesen Tagen das Gedenken an einen der genialsten Musiker aller Zeiten, an Joh. Sebastian Bach; Und so war es denn eine lobenswerte Thai des rührigen Verlags John Henry Schwerin, Berlin, daß er uns in Nr. 14 der reichen „Belletristischen Beilage" seines Universalblattes „Mode und Hans" ein abgerundetes Bild dieses Meisters giebt. Aktuell ist das ganze Blatt gehalten, das auf allen Gebieten des Lebens seinen Leserinnen ein wirklich treuer Berater ist. Wie ausgezeichnet sind die Modebilder ausgeführt, die jeder Hausfrau Gelegenheit geben, sich sowie ihre Kleinen mit Hilfe des jeder Nummer beiliegenden, zuverlässigen und mustergiltigen Schnittbogens selbständig zu bekleiden. Stickerei-Vorlagen, Lederarbeiten, hauswirtschaftliche Neuheiten, alles wird uns hier für einen äußerst geringen Preis geboten. Außerdem sorgen mehrere Beilagen für das geistige wie das Unter« yaltungsbedürfuis, daneben macht uns eine Romanbeilage „Aus besten Federn" mit den neuesten Erzeugnissen der Romanlitteratur bekannt. Die „Illustrierte Kinderwelt" wird stets von den Kleinen mit Spannung erwartet; mit einem Wort, das Blatt bietet trotz feiner Billigkeit Ueberraschendes an Reichhaltigkeit wie an vornehmer Ausstattung. „Mode und Haus" ist für nur 1 Mark vierteljährlich und mit achtseitiger Romanbeilage und Moden- Stahlstichi-Kolorits sür nur 1,25 Mark, bei allen Buchhandlungen und Postanstalten erhältsich Gratis-Probe- Nummern bei ersteren und im Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. Der „H a u s t r u n k" nennt sich eine Zeitschrift, welche sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen des Publikums gegenüber den zahllosen Anpreisungen von flüssigen Genußmitteln aller Art zu vertreten. Die uns vorliegende Nr. 3 bringt eine Reihe von Aufsätzen, welche über Kakao, Kaffee, Thee, Bier handeln. Dem Reichiardtschen Doppelkakao sind eine Reihe von Artikeln gewidmet. Allgemeine Aufmerksamkeit verdient der Hinweis auf Eis-Kakao, Kakao ■ mit Selters, welche beide Getränke namentliche in der jetzigen heißen Zeit Genußmittel ersten Ranges sind. Ueber Grußthee und über .Kaffeebereitung werden bemerkenswerte Mitteilungen gemacht. Die Zeitschrift erscheint in loser Folge und wird herausgegeben von der Kakao-Kompagme Theodor Reichardt G. m. b. H. zu Wandsbek-Hamburg, welche das Blatt gern unentgeltlich an Interessenten versendet und Beiträge aus dem Leserkreise erbittet. Logogriph. Nachdruck verboten. Sanft einst schlummertest du in meinem trauten Gewahrsam; Aenderst du meinen Kopf, werd' ich ein Haustier sogleich. m. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Röffelsprungs in voriger Nummer: Wem ein helles Äug' und Ohr gegeben, Dem ward das beste Teil im Leben.