Donnerstag den 21. Funi BUH i i |mhO iHi ■y-Sf&tz fs ist große Weisheit, in seinen Handlungen nicht hitzig und vorschnell zu Werke zu gehen und auf seinen eigenen Sinn nicht hartnäckig bestehen. — Man muß nicht jeder Neigung, die gut scheint, sogleich folgen und nicht jede widrige Empfindung sogleich fliehen.. Thomas von Kempen. (Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. ^Fortsetzung.) Als Allram allein war, ging er in seinem Zimmer auf und ab, die Hände auf dem Rücken. Als Detektiv war er durch strenge Selbsterziehung dahin gelangt, daß selbst seine Gewohnheiten auf seinen Beruf zugeschnitten waren und daß er sich von jeder Gewohnheit freihielt, die ihm darin hätte schaden können. Daher führte er auch nie laute Selbstgespräche. Hätte er aber in einem solchen die Gedanken, die ihn bei seinem Spaziergange durch das Zimmer beschäftigten, in Worten ausgedrückt, so würden drese etwa so gelautet haben: „Kuriose Geschichte das! Em junger Irrenarzt verliebt sich in seine Patientm, dre m geistig gestörtem Zustande einen scheußlichen Mord begangen haben soll. Ich soll nun diesen Mord von rhr nehmen. Eine verdammt harte Nuß zum knacken. Aber wenns gelänge, so machte ich das Pärchen damit Hunderte mal glücklicher als die hundert Gläubiger des säuberest! Herrn Sebastian Sexauer, wenn ich ihnen den Kerl mW sämtlichen mitgenommenen Geldern zur Stelle schasste. Das war nämlich jener Fall, dessen Uebernahme Twus Allram bereits halb und halb zugesagt hatte. Sebastian Sexauer, der Inhaber eines Bankgeschäfts, hatte einen glänzenden Bankerott gemacht und sollte dabei ein paar hunderttausend Mark bei Seite geschafft haben. Es war ihm gelungen, aus der Untersuchungshaft zu entkommen- Nach allen Haupthäfen waren telegraphische Weisungen zu seiner Verhaftung ergangen, aber ohne Erfolg, trotzdem er an gewissen äußeren Merkmalen leicht kenntlich war. Nun wollte man ihn in Kairo gesehen haben; so ging das! allgemeine Gerücht, dessen Herkunft niemand nachweisen: konnte. Mehrere Geschäftsfirmen, welche bei dem Bankerott große Verluste erlitten, hatten sich an Herrn Titus Allram gewendet. Er sollte nach Kairo reisen und von dort ans die Spur des Flüchtlings weiter verfolgen. Schon oft hatte sich in der Lösung derartiger Aufgaben sem auM- ordentlicher Spürsinn erprobt. Da er jedoch an da»- unverbürgte Gerücht, welches den Durchgänger in Kairo auf- I tauchen ließ, nicht recht glaubte, sondern eher vermutete/ es sei von umbekannten Freunden des Bankerotteurs aus-? gesprengt worden, um die Verfolgung irrezuleiten, so, hatte er noch keine feste Zusage gegeben. Nun war er vor die Wahl gestellt, seine Dienste entweder den Gläubigern Sexauers oder dem Doktor Gerth zu widmen. Der! letztere Fall schien fast hoffnungslos; aber der jungte Irrenarzt aus St. Rochus hatte Allrams Sympathie und! Teilnahme erweckt, und der Detektiv besaß eine schwächte Seite: er hatte nämlich ein Herz. Im Parterre eines Hinterhauses, welches in einem großen Hofe lag, befand sich eine Werkstatt. Das daraus hervordringende Geräusch von Säge und Hobel ließ auf eine Tischlerei schließen. Aber es war viel vornehmere Arbeit, welche die genannten Werkzeuge hiev verrichteten, und nur für vornehme Leute waren die Erzeugnisse dieser Werkstatt bestimmt, welche sich auf einem Schilde über der Thür als die „Parkettfußbodens- Fabrik von Karl Thorben ankündigte. Man sah keinen rauchenden Schlot und hörte kein Brummen eines Dampfkessels, obwohl beides von dem Begriffe „Fabrik" unzertrennliche scheint. Da aber der Konsument heutzutage feine Bedürfnisse am liebsten „direkt aus der Fabrik" bezieht, weil Fabrikanten billiger arbeiten als Handwerker, so that der junge, erst seit kurzem etablierte Geschäftsinhaber dem vorurteilsvollen Publikum den Gefallen, sich den Titel eines Fabrikanten beizulegen, was jedenfalls ungefährlicher ist, als die unberechtigte Doktortitulatur. Aus der Hausflur führte eine dunkle Holztrchpe nach dem ersten Stock, und aus der hier gelegenen kleinen Wohnung hörte man eines Nachmittags die sentimentalen, empfindsamen Töne einer Zither. Der Spieler war noch sehr ungeübt, machte oft eine längere Pause von einer Note zur anderen und griff zuweilen auch falsche ivdaß es für einen Zuhörer nicht leicht gewesen wäre, dre Melodie des schönen Liedes: „Steh ich in finstrer Mrtter- nacht" herauszusinden. Die Person, von welcher diese musikalische Leistung ausging, war weiblichen Geschlechts und von imposanter Rundung der Körperformen, deren Krönung ein Gesicht bildete, welches von Gesundheit nicht nur strotzte, sondern auch glänzte. Dem Leser haben wir sie bereits als „Professors'.dicke Resi" vorzustellen Gelegenheit gehabt, rn der Litteratur des Prozesses Georgi fungierte sre unter dem korrekteren Namen Therese Zeidler; seitdem aber war aus ihr Frau Thorbeck geworden, und wenn es ihrer angeborenen Bescheidenheit nicht zuwider gewesen wäre, so hatte sie sich eine Fabrikantengattin nennten können. Mitten in ihrer musikalischen Beschäftigung wurde sie 346 ein paarmal unterbrochen. Erst kam ein Geselle aus der Werkstatt, der um eine neue Frottierbürste bat, und da die Frau Meisterin, welche diese und andere derartige Bedarfsartikel in einem großen Schranke unter Verschluß hatte, hierüber etwas ungehalten war, weil dies heute bereits die dritte Bürste war, die sie herausgeben mußte, so schickten die Gesellen das nächste Mal als Kugelfang den Lehrling, mit dem noch bedenklicheren Ersuchen um frisches Wachs. „Schon wieder das Wachs alle!" eiferte Frau Thor- beck, einen Wachsblock aus dem Schranke hervorholend, „bald eine neue Bürste, bald neues Wachs! So geht's heute nun den ganzen Tag. Aber ich kenne das schon, wenn mein Mann nicht da ist, wird allerlei gebraucht, weil ich's nicht kontrollieren kann. Was man mit den Arbeitern für einen Aerger hat, das glaubt niemand!" Kaum hatte sie wieder in die Saiten ihrer Zither gegriffen und ein neues Stück begonnen — diesmal: „Der Mensch soll nicht stolz sein auf Gut und auf Ehr'" —> als abermals Schritte die Holzstiege heraufkamen. Frau Thorbeck machte sich darauf gefaßt, daß auch! das Terpentinöl alle geworden sei, aber das Klopfen an der Thür klang für die derben Fingerknöchel eines Arbeiters zu manierlich, und der Eintretende war ein feingekleideter Herr. „Mein Mann ist nicht zu Haufe", empfing die junge Frau den Besuch nach vorhergegangener gegenseitiger Begrüßung, „aber wenn Sie eine Geschäftssache mit ihm haben, so kann ich vielleicht ebenso gut Auskunft geben." Der Herr sah der jungen Frau lächelnd ins Gesicht und sagte in einem schelmisch feierlichen Tone: „Ist Ihnen vielleicht die lateinische Bibelausgabe von Robertus Stephanus aus dem Jahre 1532 bekannt? Ein sehr kostbares! Buch und sehr selten!" Frau Thorbeck riß bei dieser höchst merkwürdigen Anrede die Augen weit auf und warf einen Blick im Zimmer umher, als suche sie nach einem Gegenstände, der ihr gegen einen entsprungenen Tollhäusler als Verteidigungsmittel dnenen könnte. Plötzlich ging ihr jedoch ein Licht auf; die eben vernommenen Worte weckten eine alte Erinnerung in ihr, und mit dem freudigen Rufe: „Ei, Herr Allram! mein lieber Herr Allram! jetzt erkenne ich Sie erst!" ergriff sie dessen beide Hände. „Ach Gott, ja! die uralte, kostbare Bibel!" „Die dem Herrn Professor Georgi aus seiner Altertumssammlung entwendet worden war", ergänzte jovial der Detektiv. „Und auf mich fiel der Verdacht!" nickte Theresp, beide Hände an ihr Herz pressestd, als erneuerten sich, alle die Aengste und Schrecken, welche sie damals aus- gestanden hatte. „O Gott! Herr Allram, liebster, bester Herr Allram, Ihnen danke ich, daß ich meinen ehrlichen. Namen behalten habe. Was wäre mit mir geschehen,, hätten Sie nicht den Dieb ermittelt! Gerechter Himmel! Das hatte sich ja kein Mensch träumen lassen, daß der Neffe des Herrn Professors selbst —" „Die unschätzbare Bibel verklopft hatte. Wie hieß doch dieser viel versprechende junge Mann?" „Wippach hieß er, Alfred Wippach", antwortete Therese, und mit großer Lebhaftigkeit fügte sie hinzu: „Und denken Sie nur, letzthin bin ich ihm begegnet!" „Herrn Alfred Wippbach sind Sie begegnet? Nicht möglich! Sein Onkel schickte ihn ja damals schleunigst nach Amerika." „Er ist aber wieder da", versicherte die junge Frau. „Aber bitte, bester Herr Allram, setzen Sie sich doch!", bat sie, ihren Gast nach dem Sofa führend und an seiner Seite Platz nehmend. „Und wie haben Sie mich denn nur aufgefunden? Zwar was frage ich da erst! Dem Herrn! Allram stehen alle Wege offen." Der Detektiv lächelte. „Also Herrn Wippach hat es! in Amerika nicht gefallen, wie es scheint", nahm er das Gesprächsthema wieder auf. „Wo und wann haben Sie ihn denn getroffen?" Therese nannte die Straße. Es sei vor acht oder zehn Tagen gewesen. „Er sah so verkommen aus, daß er mich dauerte", fuhr sie fort. „Und denken Sie nur, er frug mich, ob ich nicht eine Kleinigkeit Geld bei mir hätte. Er, ein Mann, der studiert hat. Ich gab ihm, toa§' ich gerade im Portemonnaie trug." „Haben Sie ihn nicht gefragt, wo er wohnt und was er jetzt treibt?" „Nein; er mochte sich wohl seines herabgekommenen Zustandes schämen und ging gleich weiter, sowie er das Geld hatte. Ganz nüchtern schien er auch nicht zu sein, denn er roch nach Fusel." „Wie sieht er denn eigentlich aus?" frug Allram obenhin. „Ich habe ihn damals gar nicht zu sehen bekommen, da sein Onkel sich begreiflicherweise nicht angeregt fühlte, ihn mir vorzustellen." Frau Thorbeck entwarf nun das Porträt eines jungen Mannes, der mit seinen sechs- oder siebenundzwanzig Jahren, seinem hellbraunen Haar, feinen graublauen Augen und seiner „mittleren Figur" genau so aussah, wie tausend andere. Dabei wußte sie sich nicht einmal zu erinnern, ob er einen Kinn- oder Backenbart oder einen Vollbart trug. „Daß sich Gott erbarm'! Sein Glück, seine ganze Zukunft durch leichtsinnige Streiche so zu verscherzen!" beklagte sie das Schicksal des Gesunkenen. „Welche Lammsgeduld hat sein gutherziger Onkel mit ihm gehabt, welche Unsummen von Schulden hat er für ihn bezahlt, ehe er ihn enterbte. Aber daß der Undankbare zuletzt gar zum Diebe wurde, das schlug dem Fasse den Boden aus. Ueb- rjgens wäre er ganz der Mann dazu gewesen, das schöne Vermögen seines Onkels in ein paar Jahren durchzubringen." „Da ist es in der Hand der Frau Bruscher jedenfalls besser aufgehoben", warf Allram hin. „Ei, das will ich meinen! Die hält's zusammen!" versicherte Therese. „Das 'Geld hatte sie immer ein bischen lieb. Sie mochte sich wohl schon als Wirtschafterin einiges erspart haben und hatte Geld auf Grundstücken stehen; denn wenn's Vierteljahr um war, kamen Leute zu ihr und brachten Zinsen." „Was war sie sonst für eine Frau?" „Eine ganz gute Frau; es kamen ihr immer gleich die Thränen, wenn es etwas gab. Sie las sehr gern, besonders in den Zeitungen; sie studierte diese von Anfang bis zu Ende durch." „Wie stand sie sich mit dem unglücklichen Fräulein?" „Mit Fräulein Konstanze?" frug die junge Frau, und nun kamen ihr plötzlich selbst die Thränen und rannen ihr wie ajngeschwollene Bäche über die roten runden Wangen. „Oh, sehr gut stand sie sich mit dem armen Fräulein; Sie hat sie eigentlich auch gerettet, wenigstens vor dem Schlimmsten." „Von wegen der Epilepsie, nicht wahr?" „Das war's ja!" nickte Therese, noch immer beschäftigt, mit einem gelben, rot getüpfelten Taschentuche ihre Thränen zu trocknen. „Niemand hat um die schreckliche Krankheit gewußt, als Frau Bruscher und der Herr Professor." „Trug sich der Professor nicht mit Heiratsgedanken, hm?" frug Allram, indem er plötzlich sehr leise sprach und einen vertraulichen Ton anschlug. Frau Thorbeck blickte sinnend nach der Decke und dann auf ihre Schürze, die sie sich glatt strich. „Nun, ein Gewohnheitsmensch war er ja", sagte sie; „er sah nicht gern fremde Gesichter um sich und fürchtete sich vor jeder Störung seiner Ordnung. Sie hat ihn gut verpflegt — man kann mit einem Kinde nicht sorgsamer umgehen — und sie ist ja auch gar keine üble Frau. Aber um sie zu heiraten, dazu war er ihr doch an Bildung zu sehr über. Es muß freilich einmal so etwas in der Luft gelegen haben. Vor zwei tober drei Jahren gab es nämlich zwischen ihnen eine arge Verstimmug; sie sprachen nur das nötigste miteinander; sie ging mit verweinten Augen herum und ließ gegen mich Worte fallen, als ob sie nächstens ihre Stelle aufgeben würde. Dann war aber plötzlich alles wieder gut zwischen beiden. So ganz klug bin ich aus der Geschichte ja nicht geworden. Ob sie nun auf eine Heirat gedrungen und mit ihrem Abgänge gedroht hatte, das weiß ich! nicht. Doch! 'mag es damals wohl gewesen sein, wo er sie zu seiner Erbin eingesetzt hat, und damit konnte sie ja zufrieden sein, und er konnte 347 wohl .auch nichts besseres thun, als sich eine so zuverlässige Frau zu erhalten; denn er war sehr leidend, und wer weiß, ob er wieder eine Wirtschafterin gefunden hätte, bei der er so gut aufgehoben gewesen wäre." „Natürlich, ganz natürlich!" nickte der Detektiv, der sich nicht im geringsten merken ließ, daß Therese seine Frage mißverstanden hatte. „Na, und an eine Heirat mit der schönen jungen Vorleserin wird er wohl auch nickst gedacht haben." „Ei Gott bewahre!" rief Frau Thorbeck, den Kopf zurückwerfend, „er war stets sehr gütig gegen sie, aber so etwas ist ihm ganz gewiß nicht in den Sinn gekommen." „Ging er zuweilen mit ihr aus? Sie war doch ein fein gebildetes Fräulein; nahm er sie nicht dann und wann einmal mit ins Theater, in Konzerte?" „Die besuchte er nie. Nur in die Kirche begleitete sie ihn öfter des Sonntags. Er war ein fleißiger Mrchen- besuch er." „Hübsche Gemälde haben Sie da", bemerkte Allram. Er hatte sich vom Sofa erhoben und betrachtete die Bilder, welche das Zimmer schmückten. „Dieser Oelsarbew- druck ist doch eine herrliche Erfindung; wirklich wie aus der Hand des Malers hervorgegangen. Man braucht jetzt kein reicher Mann mehr zu sein, um sich so etwas zu vergönnen. Wo verzehrt denn Frau Bruscher ihr schönes Vermögen?" Während er von einem der sehr zweifelhaften Kunstwerke zum anderen ging und Therese ihm geschmeichelt folgte, warf er diese Frage wie von vhngefähr dazwischen. „Sie wohnt in Berlin", antwortete Therese, „meistens ist sie aber auf Reisen; wenn ichj so viel Geld hätte, würde ich mir auch die Welt ansehen. Ich muß Ihnen doch das schöne Hochzeitsgeschenk zeigen, was sie mir gemacht hat", fiel der jungen Frau plötzlich ein. Während sie einen kleinen Schlüssel aus einem Körbchen holte und damit einen Glasschrank öffnete, dessen Inhalt sich hinter einem roten Schiebevorhange verbarg, erzählte sie noch, daß Frau Bruscher ihr zuweilen schreibe und sich nach ihrem Ergehen erkundige, und daß sie (Therese) ihr auf den letzten Bries noch die Antwort schuldig sei. (Fortsetzung folgt.) Vom amerikanischen Postdienst. Von Henry A. Davis' (Newyork). Nachdruck verboten. Die Einrichtungen der amerikanischen Post unterscheiden sich so sehr von denjenigen, welche wir hier gewöhnt sind, daß es sich verlohnen dürfte, auf einige der Haupt-Unterschiede hinzuweisen. Vor allen Dingen wird uns die Einrichtung der second claß mail matter auffallen. Unter diesen Begriff (Postsachen zweiter Ordnung)' fallen nämlich Zeitungen und Zeitschriften. Von diesen wird angenommen, daß sie der Volks-Aufklärung dienen und für die Erleichterung ihrer Verbreitung in weitgehendster Weise Sorge getragen. Das Haupt-Charakteristikum der hierfür angewendeten Bestimmungen ist, daß für sie ein Portosatz, berechnet wird von 1 Cent pro Pfund, gleichviel welche Anzahl von Exemplaren auf 1 Pfund entfällt. So kann es Vorkommen, daß von einer kleinen Vereins-Zeitung 100 Exemplare auf 1 Pfund gehen, die für Len lächerlichen Betrag von 1 Cent (4 Pfennige) an 100 verschiedene Adressen ab geliefert werden. In anderen Fällen, wo es sich- um wöchentlich, öder monatlich erscheinende Zeitschriften handelt, kann ein derartiges Heft allein 1 Pfund wiegen, was aber gegenüber den europäischen Postsätzen immer noch eine bedeutende Verbilligung des Versandts zur Folge hätte. Dies ist übrigens eine Erklärung mit für die überaus große Zahl amerikanischer Zeitungen und Zeitschriften. Daß die Post-Verwaltung hierbei Geld zusetzt, ist klar. In dem letzten Jahre betrug der Verlust der Post zirka 8 Millionen Dollars. Wie man sich- denken kann, wird mit der Einrichtung auch- Mißbrauch getrieben. Von einer Zeitung, die das Privilegium dieser Versendungsart haben will, wird Auskunft verlangt über die Anzahl ihrer Abonnenten, die eine bestimmte Ziffer erreicht haben muß. Trotzdem wird die Einrichtung zu Gunsten von bloßen Reklame-Unternehmungen mißbraucht; besonders häufig von Land-Gesellschaften und Fabrikanten von Patent-Medizinen. Noch sonderbarer dürfte uns erscheinen, wie die Ein- richtung für die Zwecke des Buchhandels benutzt wird. Es ist bekannt, daß ein Autorrecht ausländischer Schriftsteller für Amerika nicht existiert. Vom Nachdruck wird also der weitgehendste Gebrauch-gemacht. Die großen Druckerfirmen haben nun, um von dem Pfund-Versandt Gebrauch, machen zu können, zu dem ingeniösen Mittel gegriffen, ihre Bücher als Serien zu drucken und zu publizieren. Dadurch- erfüllen sie die Bedingung in Bezug aus regelmäßiges Erscheinen, die den Zeitungen das Recht zum Psund-Versandt giebt. So findet man Bücher der bekanntesten europäischen Autoren neben denen von amerikanischen Schriftstellern, auf deren Titelblatt der Vermerk sich findet: Serie so und so ersch-eint wöchentlich zweimal, jährlicher Subskriptionspreis so und so viel. Ein großer Teil des Bücher-Bedarfs in den Vereinigten Staaten wird von diesen Firmen gedruckt. Autorgebühren werden nicht gezahlt; der Versandt kostet ein Minimum, und die Druckkosten werden zum großen Teil durchj Annoncen eingebracht, die auf den Deckelseiten oder in einem Anhang Platz finden. Uns würde es natürlich sonderbar berühren, etwa in einem Roman von Gustav Freytag Inserate zu finden von irgend einer Seifenfirma, Uhren in Gold-Imitation und ein neues Nahrungsmittel. Der Amerikaner ist an diese Sachen, die uns als Auswüchse der Rellame erscheinen, zu sehr gewöhnt, um irgend etwas daran zu finden. Erscheint uns die Post-Verwaltung in Bezug auf Zei- tungs- und Bücherversandt außerordentlich liberal, so müssen wir uns .Um so mehr wundern über scheinbare Kleinlichkeiten auf anderem Gebiete. Als zum Beispiel die Ansichtspostkarten aufkamen, nahm die amerikanische Post insofern Stellung dagegen, als sie die Benutzung von Karten, die nicht aus der Postdruckerei hervorgegangen, verbot. Als Postkarten dürfen nämlich- nur Karten mit aufgedruckten Wertzeichen versendet werden, während' bei Drucksachen das Auflleben der Wertzeichen gestattet ist. Diese Maßregel hat natürlich mit dazu geholfen, das Aufblühen einer Ansichtskartenindustrie, wie wir es hier erlebt haben, im Keime zu ersticken. Es hat schließlich eines besonderen Vertrages mit der Postbehörde bedurft, um die Versendung solcher Karten mit aufgeklebten Wertzeichen zu ermöglichen. Dieselben tragen jetzt die Aufschrift: Private Mailing card (Privatpostkarten). Ohne diese Aufschrift unterliegen sie den Bestimmungen für Drucksachen und dürfen nur den Namen des Absenders, allenfals auch das Datum tragen. Eine weitere Eigentümlichkeit des amerikanischen Postdienstes liegt darin, daß Pakete nicht befördert werden. Wer von Deutschland her gewöhnt ist, ein 5 Kilo-Paket für 50 Pfennig bis zu den entlegensten Punkten des deutschen Reiches sowohl wie Oesterreich-Ungarns zu versenden, muß in Amerika sich an die Expreß-Gesellschaften wenden und nach komplizierten Tarifen eine meist sehr erhebliche Gebühr zahlen. So kostet z. B. ein Paket von 3 Kilo von Newyork nach. Texas 1 Dollar (4,20 Mark). Sehr merkwürdig ist auch, daß die amerikanische Post gewissermaßen eine eigene Moral für sich- in Anspruch nimmt. Wenn jemand auf brieflichem Wege beleidigt wird, so braucht er nicht selbst gerichtlich gegen den Beleidiger vorzugehen. Er hat nur nötig, den Thatbestand an die Post zu berichten, die die Verfolgung des Schuldigen übernimmt. Es liegt dabei die originelle Anschauung zu Grunde, daß Beleidigungen eine ungesetzliche Sache sind, und in der brieflichen Beleidigung ein Mißbrauch der Post zu ungesetzlicher Handlung zu erblicken ist. Aehnlich verhält sich die Post in Bezug auf das Lotterie-Wesen. Glücksspiele der Art sind in den Vereinigten Staaten untersagt. Wer also, ganz, analog dem obigen Fall, Lotterie- Listen, Prospekte oder derartiges mit der Post versendet, wird in ähnlicher Weise strafbar. Scheint so die Post eine «gene Moral zu haben, so geht aus einem anderen Umstande hervor, daß sie sich; in gewissem Sinne einer Art Unverletzlichkeit erfreut. Man kann nämlich häufig beobachten, daß Postsachen auf offener Straße oben auf die Briefkästen gelegt werden, falls der 348 Kasten gefüllt ist oder die Gegenstände für Einwurf zu groß sind. Niemandem wird es einfallen, dieses Freiliegenlassen von Postsachen für riskant zu halten. Eigentliche Postämter finden sich in Newyork z. B. bedeutend weniger als wir in europäischen Großstädten anzutreffen gewöhnt sind; dagegen haben meist die Apotheken eine offizielle Filiale. Im auffallenden Gegensätze zu dem, was wir besonders in Deutschland gewöhnt sind, ist die Lage der Briefträger. Diese bekommen das für unsere Begriffe enorme Salair von 22 Dollar gleich 90 Mark pro Woche, und haben sicherlich einen leichteren Dienst als unsere Stephans- Jünger. Ich denke dabei in erster Linie an die bequeme Einrichtung der Briefkästen, die in jedem Hausflur, entweder einzeln oder zu einem schönen System vereinigt, angebracht sind. Der Postbote hat nur die Briefe in die verschiedenen Kästen zu thun und aus den daneben angebrachten Knopf der elektrischen Klingel zu drücken; dre Treppen bleiben ihm erspart. Letzteres auch in solchen Fällen, wo Briefkästen sich nicht unten befinden. Er giebt dann vom Hausflur aus ein Pfeifensignal und ruft den Namen des Adressaten in den Treppenraum herauf. Dre Adressaten holen sich! ihre Briese dann. Dagegen werden in anderer Beziehung auch größere Ansprüche -an die Briefträger gestellt, und zwar speziell in Bezug auf Sprachkenntnisse. In Newyork haben , sich nämlich die einzelnen Kolonien in solcher Weise gruppiert, daß z. B. die Chinesen, Syrer, russischen Juden, Italiener und Deutsche sich in fast streng gesonderten Quartieren befinden. Für diese Distrikte sind dann Briefträger angestellt, die die häufig vorkommenden fremdsprachlichen Aufschriften entziffern können und wohl auch ein wenig die Sprache des Distrikts verstehen. Die Annehmlichkeiten, wie hohes Salair und verhältnismäßig leichter Dienst, deren sich die Briefträger (erfreuen, sind ihnen erst im Laufe der Zeit geworden. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf amerikanische Zustände, daß die dankbaren Postboten dem Manne, der sich im Senat ihrer besonders annahm, dafür auf einem der öffentlichen Plätze Newyorks ein Denkmal setzten. Man sieht dort einen Herrn im Gehrock, in Bronze gegossen, mit erhobenem Zeigefinger auf einen imaginären Senat einredend. Wilcox Scott, glaube ich, ist der Name des Gentleman, der sich so eine bronzene Unsterblichkeit erworben hat. Es erübrigt noch zu erwähnen, daß von der Einricht- tung des Postfachs (Post Office Box) dort ein weitgehender Gebrauch gemacht wird. Ganze Wände im Newyorker Hauptpostamt bestehen aus diesen Postkästen, in die von der Innenseite die einlaufende Post einsortiert wird, und die von (außen dem Mholer, der seinen Schlüssel hat, zugänglich sind. Der Preis , eines solchen Kastens ist verhältnismäßig gering, nämlich 4 Dollar pro Quartal. Daß in einer Hafenstadt wie Newyork der Nachtpostdienst ein ziemlich reger ist, dürfte selbstverständlich! erscheinen. Außerdem ist noch für die Möglichkeit gesorgt, gegen einen Extrazuschlag Briefe noch eine halbe Stunde vor Abgang der überseeischen Dampfer aufzugeben. Zum Schlüsse wollen wir noch auf eine der letzten Neuerungen Hinweisen, die sich sehr schnell auch in Europa eingebürgert haben dürfte. Es ist dies die Verwendung von Automobilwagen im Postdienste. Vor kurzem wurde nämlich in Buffalo der Versuch gemacht, diese neuen Vehikel bei Entleerung der Postkästen zu verwenden. Auf eiüer Strecke von 6 Meilen (englischen), die 40 Kästen umfaßt wurde eine Zeitersparnis von 50 Prozent festgestellt gegenüber der bisherigen Einsammlungsmethode mit Pferd und Wagen. Es steht zu erwarten, daß die Automobtl- wagen bald die verschiedensten Verwendungsarten int Postdienst finden werden, wie ja längst schon in Newyork den Kabelwagen (die unfern Berliner elektrischen Wagen entsprechen würden) Postwagen angehängt sind, in denen sogar während der Fahrt gearbeitet wird. GeineinnLWges. Iür die Küche. Reissuppe. 6 Personen. Zubereitungszeit eine halbe Stunde. Man nimmt von Maggi's Reissuppe drei Würfel, das Stück zu 10 Pfg., zerdrückt dieselben, streut die Masse in anderthalben Liter siedendes Wasser, läßt bei kleinem Feuer eine halbe Stunde kochen und richtet tii Suppe über ein Stückchen süßer Tafelbutter an. Gurkengemüse mit Kalbsschnitzeln. Sechs Personen. 3 mittelgroße Gurken werden geschält, halbiert, ausgekernt, in Scheibchen geschnitten und mit fein geschnittenen Zwiebeln, Salz und weißem Pfeffer in eigroß Butter weichgedünstet. Dann wird ein viertel Liter saurer Rahm mit einem Kochlöffel Mehl verquirlt, langsam daran gegossen, das Gemüse unter öfterem Umrühren noch zehn Minuten gekocht, mit etwas Maggiwürze wohlschmeckender gemacht und zu Kalbsschnitzeln angerichtet. Th. H. Litterarisches. N o v e l l e n - B i b l i o t h e k der Illustrierten Zeitung. 25. Band. Preis 2 Mark, in Originalleinenband 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Diese bereits in 25 Bänden vorliegende Novellen-Bibliothek erfreut sich beim Lesepublikum längst ganz besonderer Beliebtheit. Trotzdem möchte mit einigen Worten auf den ebenso gediegenen als mannigfaltigen Inhalt auch des soeben erschie- neuen Bandes hinzuweifen fein. K. Herold schildert in der Erzählung „Die Nachtmahr" diie erschreckenden Wirkungen blinden Aberglaubens. Hochpoetisch ist die Stimmung, die in H. v. Bequignolles' „Ortlermärchen" formschönen Ausdruck gefunden hat. A. Achleitner spendet ergötzliche Bilder aus dem Leben der Aelpler in „Zwei Tage Bergpraxis". Der Weltreisende v. Hesse-Wartegg berichtet von romantischem Liebesleben int einsamen Leuchtturm des Michigansees. Großstadt und Fischerdorf, die Alte und die Neve Welt sind Schauplätze spannend erzählter Lebensschicksale von Angehörigen der verschiedensten Gesellschaftskreise. Der.schmucke Band sei als kurzweiliger Gesellschafter für daheim wie für die Reise und die Sommerfrische bestens empfohlen. ___________ Königspromenade. Nachdruck verboten. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Felde auS auf ein benachbartes übergeht. Auflösung in nächster Nummer. und al lein will duld jahre kunst nicht wis schäft ge bei lang ist rung tig sen tig dem ge gcist stil traf. gäh macht die schäf wer ein ler die feine nur zeit sein ke - Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel, Treff; b — Grün, Pique; o = Rot, Coeur; d — Schellen, Carreau; A = Stfj; U = Unter, Wenzel, Bube; D = Dame, Ober.) Mittelhand hatte aZ, aK, a 9, a 8, a7, bA, bZ, bK, b9, b7 und Hinterhand die übrigen. Verlauf des Spieles: 1. 8. bU M. a7 H. 0 7. 2. V. ov M. a8 H. c 8. 3. B. all M. beliebig H. dir. 4. $. c9 M. b A H. oA — — 22. 5. H. dA V. d7 M. bZ — — 21. 6. §. dZ 58. d 8 M. aZ — — 20. Sa. = — 63 Augen. «edaki»»: ®. Burkhardt. — Druck und Lerlag der Brühl'schen Uuivrrßtäts-Buch» und Gteiudruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.