m jUjl; A 51 Martin Greif. ls ich auf der Wiese lag Und nach Wand'rers Weise Süßen Selbstvergessens Pflog, Hort' ich's donnern leise Droben in den Höh'n. Als das Äug' ich aufgethan, Siehe, Wolken zogen Dunkel überall heran, Und die Vöglein flogen Aengstlich über mir. So voll Glück und Sonnenschein War mein Jugendmorgen; Doch es zog Gewölk herein, Und es kam der Sorgen Dichtgedrängtes Heer. (Nachdruck verboten.) Geächtet. Roman vonLotharBrenkendorf. (Fortsetzung.) Franz war kreidebleich geworden. Er hatte gewußt, daß sich die Stolze nicht ohne Kampf ergeben würde, auf eine so todesmutige Entschlossenheit aber hatte er doch nicht gerechnet. „Es stirbt sich nicht so leicht, Elisabeth, wenn man jung und schön ist wie Du, und wenn man ein langes Leben voll Glück und Genuß vor sich hat. Ich habe nicht den Wunsch, Dich ohne Not zu betrüben; aber es muß doch gesagt sein — die Tage Deines Freundes sind gezählt, auch'wenn ihn nicht schon in dieser Nacht sein Verhängnis ereilt. .Ob ich! ihn ausliefere oder nicht, Du würdest zur Witwe werden, noch ehe Du die Seligkeit gekostet hättest, seine Gattin zu sein. Nur ein eingebildetes Glück ist es, auf das Du verzichtest, wenn Du Dich nicht ihm zu eigen giebst, sondern mir — mir, der ich Dich heißer liebe als er, und der ich —" „Genug! Mehr als genug! Spare Deine Worte, die Dich! mir nur widerwärtiger machen können. Quäle mich nicht länger, und wenn e§ Dir eine so köstliche Genug- thuung gewährt, so geh in: Gottes Rainen hin, uns zu verraten! Du siehst, daß ich nicht einen' Finger rühre. Dich daran zu hindern." . Deutlicher als alle Versicherungen sagte ihm die mar-, mörne Starrheit ihrer Züge, daß es ihr heiliger Ernst sei mit dem, was sie sprach, daß ihr weder Drohungen noch .Vorstellungen jetzt eine andere Antwort entlocken würden. Aber er konnte sich trotzdem noch nicht entschließen, auf die Verwirklichung des Traumes zu verzichten, in dessen Seligkeiten er bereits geschwelgt hatte wie in einem sicheren Glück. Nach kurzem Kampfe griff er darum zu einem letzten Auskunftsmittel. „Höre mich an, Elisabeth", sagte er, mit komödiantischem Geschick einen freundlichen, fast treuherzigen Ton anschlagend. „Wenn ich in Wahrheit der Schurke wäre, zu dem Du mich! durchaus machen willst, so würde ich nach dieser Erwiderung vermutlich nicht länger zögern, meine Rache zu nehmen für den neuen Schimpf, den Du mir angethan hast. Aber ich liebe Dich zu sehr, als daß. ich nicht von ganzem Herzen wünschen sollte. Dir und mir jene traurige Notwendigkeit zu ersparen. Und ich 'hoffe, daß Du bei ruhigerer Ueberlegung selbst zu der Einsicht kommen wirst, wie wenig unbillig mein Verlangen ist. So lasse ich Dir eine Stunde Bedenkzeit, Deinen letzten endgiltigen Entschluß zu fassen. Die Umstände gestatten mir nicht. Dir eine längere Frist zu gewähren, doch ich meine, daß diese mehr als ausreichend ist, Dich erkennen zu lassen, was Du Dir und Deinem Freunde:schuldig bist. Ich will Dir unterdessen nicht mit meiner Gegenwart lästig fallen. In einer Stunde erst klopfe ich wieder an Deine Thür, und es steht bei Dir, ob Du mich alsdann einlassen willst oder nicht. Vor einem nur muß ich Dich zu Deinem eigenen Besten warnen. Du sollst Dich nicht der trügerischen Hoffnung hingeben, daß Du diese Stunde nützen tonntest, um dem Major zur Flucht zu verhelfen. Auch wenn die Posten ihn durchließen — ich bin auf meiner Hut, und jeder Versuch, zu entweichen, besiegelt sein Geschick." Schweigend, mit abgewandtem Gesicht, hatte Elisabeth seine Rede über sich, ergehen lassen, und vergebens wartete er jetzt auf ihre Antwort. „Ich stehe", wiederholte er mit gesteigertem Nachdruck. „Denke daran, daß Deines Freundes Wohl und Wehe jetzt einzig von Deiner Entscheidung abhängt. In einer Stunde komme ich, sie mir zu holen." Nach einem letzten fruchtlosen Zaudern entfernte er sich »wirklich; aber Minuten vergingen, ehe Elisabeth aus ihrer statuenhaften Erstarrung erwachte. Sie sah mit wirrem Blick in dem leeren Zimmer umher und strich sich ein paarmal mit der Hand über die Stirn, wie wenn sie da etwas Drückendes fortwischen wollte, das sie hinderte, ihre Gedanken, zu sammeln. Sie that ein paar unentschlossene, zwecklose Schritte, um dann wieder stehen zu bleiben und wie geistesabwesend vor sich hinzustarren. Endlich rang es sich gleich einem verzweifelten Aufschrei von ihren Lippen: „Zu ihm! — Ich will zu ihm! — 534 — Nicht ohne mich sollen sie ihn haben. Ich. will mit ihm sterben." Hochaufgerichtet, aber mit eigentümlich schweren auto- matenhaften Bewegungen ging sie zur Thür und durch das Borzimmer bis an die Stiege. Da aber verließen sie ihre Kräfte, und die grausame Qual, deren lieber» maß schon ihren Geist zu verwirren begann, löste sich in einem krampfhaften, wilden, unaufhaltsamen Weinen. — „Elisabeth, meine geliebte, teure Elisabeth! — O, mein Gott, wenn ich doch sterben könnte, um wieder gut zu machen, was ich an Dir gethan!" Charlottens schluchzende, verzweifelte Stimme war es, die plötzlich neben ihr ertönte, und die zierliche Gestalt, schon in den grauen Mantel gehüllt, durch den sie sich bei ihrem bevorstehenden Rendezvous mit dem Leutnant sich etwaige Späher nach Möglichkeit hatte unkenntlich machen wollen, kniete an der Seite der Zusammengesunkenen Nieder, um sie voll überströmenden Mitleids und heißer Reue mit beiden Armen zu umschlingen. Und so furchtbar hatte'der Ansturm der letzten Ereignisse Elisabeths starke Seele erschüttert, daß sie sich an die Teilnahme dieses halben Kindes klammerte, wie ein Ertrinkender an den Arm des Retters, der sich im Augenblick der letzten, höchsten Not nach ihm ausstreckt. Sie verstand den Sinn ihrer verzweifelten Selbstanklage nicht, aber sie hörte auch wohl überhaupt kaum auf das, was Charlotte sprach. Die Stirn an die zarte Wange der jungen Freundin schmiegend, weinte sie unaufhörlich leise vor sich hin, immer in dem Bann des einzgen Gedankens festgehalten, den ihr gemartertes Gehirn noch zu fassen vermochte. Und sie selber wußte es wahrscheinlich gar nicht, daß ihre Lippen diesem Gedanken halb mechanisch Worte zu geben begannen. „Zeige mir einen Weg, ihn zu retten, Lotte! — Eine Stunde noch — eine einzige Stunde —! Und zu denken, daß sein Leben an dieser Stunde hängt — sein teures Leben! — Kann dies Deine Barmherzigkeit sein, Gott im Himmel? — Nimm mich — nimm mich — nur zeige mir einen Weg, ihn zu retten!" Mit heftigem Erschrecken erst, dann mit wirklichem Entsetzen horchte Charlotte auf diese Aeußerungen, denen sie keine Deutung zu geben wußte, und die außer jedem Zusammenhang standen mit dem Kummer, der, wie sie meinte, Elisabeths Thränen erpreßt hatte. „Um'des Himmels willen, Elisabeth, von wem sprichst Du? Wer ist es, dessen Leben an dieser Stunde hängt? — Für wen willst Du Dich opfern?" Oftmals noch mußte sie ihre Fragen wiederholen, bevor sie eine Antwort erhielt, die sie auch nur Halbwegs verstand. Dann aber sagte ihr Elisabeth in dem unwiderstehlichen. Drange, ihren grausamen Kummer durch Mitteilung zu erleichtern, alles, was sie so lange als ein unantastbares Geheimnis gehütet hatte. Es war keine geordnete, ausführliche Erzählung in wohlüberlegten Worten und in klarem, logischem Zusammenhang; vieles mußte der Zuhörerin unverständlich bleiben und manchen wichtigen Umstand, den Elisabeth zu erwähnen vergaß, konnte sie nur aus dem klebrigen erraten. Aber die kleine Lotte von Menzelius schien mit einem Male wie durch ein Wunder um Jahre älter und reifer geworden. Mit großen, aufmerksamen Augen und mit verhaltenem Atem lauschte sie dem inhaltsschweren Bekenntnis, dessen tragische (Änzelheiten ihre junge Seele wohl mit Schrecken und Grauen erfüllen konnten. Kein Ausruf des Entsetzens, keine überflüssige Aeußerung jammernden Mitleids kam von ihren Lippen, die wenigen Fragen, mit denen sie die Freundin unterbrach, waren klug und verständig, und plötzlich leuchtete es wie ein Schimmer beglückter Hoffnung über ihr reizendes Gesichtchen hin. „Weine nicht ntehr, Elisabeth !Jch werde Dir bet» stehen, und ich weiß einen Weg zur Flucht für den Major." „Du, Charlotte? — Ach, das ist ja unmöglich! Der ganze Hof ist mit Wachen umstellt." „Ich bringe ihn trotzdem hinaus, vertraue auf mich, Teuerste! Die Vorsehung selbst muß mir den Gedanken eingegeben haben, den Leutnant von Kapnist zu einer heimlichen Unterredung an die kleine Mauerpforte auf der Nordseite zu bestellen — ich that es freilich in einer ganz anderen Absicht — ach, ich war so thöricht! Aber wie gut ist es nun, daß ich es gethan habe! In einer Viertelstunde erwartet er mich; die Soldaten, die jene Pforte bewachen, werden aldann nicht mehr dort sein. Herr von Kapnist selbst wollte aus Rücksicht auf mich die Wache übernehmen, und mit ihm — o, mit ihm will ich. jschon fertig werden. Wenn der Major nach einer Viertelstunde bereit ist, mag er sich getrost meinem Schutze überlassen. Ich schwöre Dir's, Elisabeth, daß ich ihn glücklich hinausbringe." Hastig wurden noch einige weitere Einzelheiten, die von besonderer Bedeutung schienen, zwischen ihnen verabredet; dann raffte sich Elisabeth mit neu belebter Hoffnung auf, um Sixtus von dem zu seiner Rettung ersonnenen Plane zu unterrichten. Sie hatte sich! lautlos wie ein Schatten über den Gang gestohlen, der zu seiner Kammer führte; niemand — so wähnte sie — hatte es erspäht. Doch in dem Augenblick, da sich leise die Thür hinter ihr geschlossen hatte, löste sich aus dem Dunkel einer Mauernische die hagere Gestalt eines Mannes, der ihr aus den Zehen nachschlich, um lauschend an jener Thür stehen zu bleiben. Aber die Unterhaltung da drinnen wurde offenbar mit gedämpften Stimmen geführt, und die dicken Eichenbohlen ließen keinen Laut bis an das Ohr des Horchers dringen. Außerdem war er hier in Gefahr, von dem heraustretenden Major überrascht zu werden, und Franz von der Röcknitz empfand sicherlich keine Sehnsucht darnach, seinem einstigen Lebensretter unter vier Augen gegenüberzustehen. In dem kleinen Verschlage neben der Kammer aber war er vor einer solchen fatalen Begegnung völlig sicher, und dort konnte ihm auch ihr Gespräch nicht entgehen; denn er wußte, daß die trennende Zwischenwand nur aus dünnen Brettern bestand. An den kranken Jakubeit dachte er nicht sogleich, und erst, als er bereits in der niederen Thüröfsnung stand, wurde er durch einen Blick in den schmalen Raum sehr unangenehm an ihn erinnert. Von dem unsicheren Licht einer auf dem Sims stehenden Stalllaterne matt beleuchtet, lag die fast zum Gerippe abgemagerte Gestalt des alten Tagelöhners auf dem eilig hergerichteten Bette. Sein knochiges, fahles Gesicht mit den tiefen. Augenhöhlen und den eingesunkenen Wangen glich ganz dem eines Toten, und für einen Toten auch würde Franz ihn gehalten haben, wenn nicht der röchelnde Atem gewesen wäre und ein in kurzen Zwischenräumen wiederholtes, unheimliches, qualerpreßtes Aechzen Aber der Mann war jedenfalls ohne Bewußtsein, und es wäre lächerlich gewesen, sich vor diesem kraftlosen Sterbenden zu fürchten. So trat Franz nach kurzem Zaudern vollends in den Verschlag, und als er in geringer Höhe über dem Fußboden einen beinahe fingerbreiten Spalt in der Bretterwand erspähte, kniete er hart neben dem Lager Jakubeits nieder, um mit Auge und Ohr in gespannter Aufmerksamkeit die für ihn so bedeutsamen Vorgänge in der Nebenkammer zu verfolgen. Was er da sah und hörte, versetzte ihn. bald in eine so atemlose Spannung, daß seine Sinne ihre Empfänglichkeit für jeden anderen Eindruck verloren. Er bemerkte es ebenso wenig, daß der Alte, dessen fieberglänzende Augen sich plötzlich weit geöffnet hatten, auf seinen, gesunden liniert Arm gestützt, sich langsam aufrichtete, als er die grauenhafte Verzerrung dieses ohnehin so entsetzlichen Totengesichtes wahrnehmen konnte. Unter dem Banne seiner heißen, verzehrenden Leidenschaft, blind und taub selbst für das, was kaum zwei Schritte hinter ihm geschah, neigte er sich noch tiefer herab, um keinen Laut von dem raschen, erregten Geflüster nebenan zu verlieren. Er sah den Schatten der Gestalt nicht, die sich allmählich in fast riesenhafter Größe vor dem Flämmchen der Laterne aufgereckt hätte, er hörte nichts von dem warnenden, verräterischen Klirren, das unter den im Winkel aufgestellten Gerätschaften entstand, als Jakubeit mit seinem gesunden linken Arm die große Holzaxt zwischen ihnen hervorzog. Er vernahm es nicht einmal, als jener, zum Schlage ausholend, mit seiner ' furchtbaren Waffe an die Holzdecke des niederen Raumes stieß, und ohne auch nur einen einzigen armseligen Laut 535 t>on sich zu geben, fiel er mit dem Gesicht vornüber auf die Dielen, als mit einem gräßlichen, dumpfen Geräusch die Schneide des wuchtig niedersausenden Beiles durch seine zertrümmerte Hirnschale drang. (Fortsetzung folgt.) Tierische Trunkenbolde. Bon Dr, Hans Körte. an _ Nachdruck verboten. Wenn in der Spruchweisheit des Volkes auch eine kerniger Wahrheiten steckt, so treffen doch in vielen Fällen die diesbezüglichen Redensarten nicht Am 'Man macht einem betrunkenen Menschen den Vorwurf, daß er „be- .zecht fer wie ein Vieh", und in demselben Atemzuge hält man ihm vielleicht das Tier als nachahmenswertes Vorbild der Mäßigkeit mit den Worten vor: „Das Tier weiß wenn es genug hat; und Du. . . usw." Wie gewöhnlich, liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte. Fanatische Anhänger von Bacchus und Gambrinus sind die Tiere schon deswegen nicht, weil ihnen für gewöhnlich die Gelegenheit mangelt, zu alkoholischen Getränken zu gelangen, und obendrein bewahrt den weitaus größten Teil der Tierwelt die instinktive Abneigung gegen die dupch alkoholische Gärung entstandenen Getränke vor den Gefahren des Alkoholismus. Aber nicht alle sind Tempe- ränzler; es gießt vielmehr eine ziemliche Reihe unter ihnen, die, wenn sie zu Wein, Bier oder Schnaps gelangen, es eben so arg treiben, wie der ärgste Quartalssäufer und — es gießt doch noch eine Gerechtigkeit in der Welt — für ihre Exzesse ebenso mit Katzenjammer ßüßen müssen, wie volle.Menschen. Wenn man vom größten aller Säugetiere, dem Walfisch, absieht, der begreiflicherweise kaum je in die Lage kommen kann, sich zu berauschen, ist gleich der nächstgrößte aus dieser Tierklasse, nämlich der Elefant, ein arges Kneipgenie. In Asien, wo dieser intelligenteste aller Vierfüßler als dienender Genosse des Menschen mit jenem in engster Berührung lebt, kann man das Bild eines völlig betrunkenen Dickhäuters nicht gar selten sehen. In Hinter- asien und auf den Sundainseln werden Arak und ähnliche Alkohole aus Reis und anderen mehlreichen Feldfrüchten in genau derselben Weise gewonnen, wie bei uns Korn aus Roggen und Spiritus aus Kartoffeln, d. h. es wird erst das Mehl in Zucker und dieser durch Gärung in Alkohol verwandelt, der dann abdestilliert wird. In der Mitte dieses Gärungsstadiums ist die Reismaische bereits ziemlich; alkoholreich, während sie auch noch einen beträchtlichen Teil Süßstoff besitzt, und wirkt so ungefähr wie der einige Tage alte süße junge Wein, in größeren Mengen genossen, höchst berauschend. Wehe der Brennerei, wenn durch eine unverschlossene Thüre um diese Zeit ein Elefant über das süße Getränk kommt. Dem Genüsse, der nicht eher unterbrochen wird, als bis der Magen bis auf das letzte Plätzchen gefüllt ist, folgt ein Ausbruch der ungebundensten Heiterkeit; nur zertrümmern diese Riesentiere in ihrer guten Laune häufig alles, was sich, in ihrer Nähe befindet, und kommen erst wieder zu sich, wenn sie ihren Rausch ausgeschlafen haben. Noch ärger treiben es die Affen, welche, wenn sie erst einmal von dem süßen Trank der Lethe gekostet haben, leidenschaftliche Alkoholiker werden. In Ländern, wo man Palmwein als Hausgetränk genießt, muß man denselben daher auch ängstlich vor den trinklustigen Vierhändern verbergen, die übrigens in den verschiedenen Stufen der Trunkenheit von der tollsten Ausgelassenheit bis zur todes- ähnlichen Betäubung einen höchst ergötzlichen Anblick gewähren. Unter unseren Haustieren huldigt eine große Anzahl dem Trünke. Eine überaus treffliche Beschreibung eines betrunkenen Esels liefert Zola im Anfang seines Romans „Mutter Erde", und der berühmte Romancier muß wohl einmal einen Meister Langohr in diesem Zustande gesehen haben; sonst hätte er unmöglich den Rausch dieser Tiere mit solcher Naturwahrheit schildern können. Daß, man feurigen Rennpferden häufig kurz vor Beginn des Rennens eine Flasche Champagner einschüttet, um sie zu einer außergewöhnlichen Kraftleistung anzuspornen, ist bekannt. Aber auch der friedliche Ackergaul und unser Rindvieh, welches ja vielfach ohnehin mit Schlempe gefüttert wird, trinkt mit besonderem Vergnügen, wenn ihnen der Zufall einmal einen Eimer süßer alkoholreicher Maische beschert. Hunde gewöhnen sich überaus leicht ans Biertrinken und wenn sie z. B. in einer Restauration leicht über das Abtropfbier geraten können, so gewöhnen sie sich derart an den Gerstensaft, daß sie schließlich täglich ihr Deputat förmlich fordern, und leichthin vier bis fünf Glas bewältigen, ohne einen Rausch davonzutragen. Man sagt ihnen nach daß sie einen Widerwillen gegen Wein haben; das trifft aber in Wahrheit gar nicht zu; der Wein muß nur entsprechend gesüßt sein. Verfasser dieser Zeilen besitzt als Beweis hierfür noch jetzt einen alten Vorsteher Namens „Punzel", der schon als einjähriges Tier die Süßigkeiten der Bacchiusgabe entdeckte, als er einmal dazu kam, etwas vergossenen Glühwein aufzulecken, und der seitdem auch einen Schluck spanischen Wein oder Marsala nicht verschmäht. Als Verächterin des Alkohols durchaus gilt im allgemeinen die Katze, und das trifft ungefähr zu. Da aber keine Regel ohne Ausnahme ist, möge hier der selbstbeobachtete Fall in einer befreundeten Familie erwähnt werden, wo ein lungenleidendes Familienmitglied täglich Milch mit Cognac trank, von welchem ja nicht üblen Gemisch die schöne Kauskatze, ein mächtiger Angorakater, jedesmal seinen Anteil bekam und mit Würde aufschlürfte. Hiermit ist aber die Reihe der Trinker unter den Säugetieren noch lange nicht abgeschlossen. Ratten, Mäuse und Meerschweinchen haben eine wahre Leidenschaft für den Alkohol, und trachten, wenn sie jerft einmal hinter den Geschmack gekommen sind, auf jede Weise sich in den Besitz desselben zu setzen. Auch andere Nager, wie Hamster und Zieselmäuse, verschmähen einen herzhaften Trunk nicht, und daß unser bei alt und jung beliebter Meister Petz, ein Allesesser in des Wortes vollstem Sinne, sich gern einen gehörigen Fetzen antrinkt, können alle, namentlich; int Osten häufigen Wandertruppen, bestätigen, die mit einem oder mehreren Tanzbären von Ort zu Ort ziehen, und deren zottiger, in einem leeren Stalle logierender Kuntpan recht ost den Weg zu Bier und Wein zu finden weiß. Unter Pen Bogelgeschlechtern sind ganz gefährliche Trunkenbolde die Gänse. Sind sie erst einmal zur Kenntnis der berauschenden Wirkung von Wein und Bier gekommen, so lassen sie nicht davon ab, und auf Landgütern, wo die alkoholhaltigen Äbfallwässer von Brennereien über den freien Hof laufen, gewöhnen sich die Wächterinnen des Kapitols regelmäßig das Trinken an, sodaß sie in dem darauf folgenden Zustande schwerlich durch ihr Schnattern ein modernes Kapitol vor einem Gallier, nehmen wir an, ein deutsches Sperrfort in den Vogesen vor einem heraufkletternden Franzosen, retten würden. Die Ente, das genußsüchtigste und gefräßigste von unseren Haustieren, thut es natürliche ihnen nach. Am närrischsten gebärden sich aber unsere Hühner. Um ein Hühnervolk im Zeitraum von 10 Minuten völlig betrunken zu machen, ist nichts weiter nötig, als sie, namentlich wenn sie recht hungrig sind, mit kleingeschnittenem Brot oder Weißgebäck, welches man in einen süßen Schnaps getaucht hat, zu füttern. Der Scherz ist ziemlich, ungefährlich, und es gewährt einen drolligen Anblick, unsere Eierlegerinnen, die dank ihrer Zweibeinigkeit die Bewegungen eines si^ver- bezechten Menschen sehr getreu wiedergeben, augenverdrehend in Zickzackbewegungen über den Hof torkeln zn sehen. Unsere Zier- und Singvögel, einheimisch^ wie exotische, gewöhnen sich fast ausnahmlos leicht an Spiri- tuofen. Ein Stückchen Biskuit oder sonst eine Lieblingsspeise in süßen Likör getaucht, wird von Heu wenigsten verschmäht, und Papageien, selbst die zierlichen Jnseparables (Wellensittiche) erheben, nachdem sie sich einmal an die Bacchusgabe gewöhnt haben, ein so mörderisches Geschrei, wenn ihnen dieselbe einmal vorenthalten wird, daß man ihnen des lieben Friedens wegen gern nachgiebt. Der Puter oder Truthahn verliert beim Alkoholgenuß alle seine Würde und Ehrsamkeit, die ihn sonst zum unbestrittenen Herrscher des Geflügelhofes machen. 536 und wenn er Alkohol genossen hat, kennt man den majestätischen Granden im schwarzen Gewände mit Purpurbesatz gar nicht wieder, der dann tänzelt, in die Luft springr und Rüder schlägt, bis die zunehmende Betäubung sich seiner bemächtigt und er seinen Rausch ausschläft. Daß sich endlich auch die Schweine gern betrinken, könnte man nach einer hier nicht wiederzugebenden volkstümlichen Redensart schon von vornherein vermuten. Diese Annahme trifft auch zu. Denn das in seiner Nahrung so wenig wählerische Tier nimmt recht gern die Rückstände der Branntweinbrennereien, in denen wenig guter Alkohol, aber große Mengen des betäubenden Fusels enthalten sind, zu sich, und die Folgen sind dann auch danach. Wollte man alle Vertreter der niederen Tierwelt aufzählen, welche sich, gelegentlich einmal einen tüchtigen Rausch holen, so würde der Umfang dieses Aussatzes ungebührlich anschwellen. Es genügt daher der Hinweis darauf, daß sich die so lästigen Schwaben und Russen, ferner auch Schmetterlinge, allerhand Käfer und zahllose Jnsekten- arten, wie Bienen, Hummeln, Wespen, Fliegen, bis Zur Bewußtlosigkeit betrinken. Schlangen, die lange in der Gefangenschaft gehalten werden, gewöhnen sich leicht daran, Milch aus einer an bestimmtem Platze stehenden Schüssel zu trinken. Verfasser dieses sah einmal in der Behausung eines Kräutersammlers in Kärnthen, der mit einer nahezu zwei Meter langen, zahmen Aeskulapsschlänge das Zimmer teilte, wie dies, übrigens ganz ungefährliche Tier, einen Milchnapf leerte, in welches sein Besitzer ein ganzes Glas stark gesüßten Schnaps gegossen hatte. Die Schlange, deren Art übrigens die größte der in Mitteleuropa heimischen ist, fing bald an, sich auf das lebhafteste zu ringeln und förmlich zu tanzen, lag aber, vom Rausche übermannt, eine Viertelstunde lang völlig unbeweglich da und regte sich bei keiner Berührung mehr. Aeußert sich bei den Tieren schon der Rausch in ganz ähnlicher Weise wie beim Menschen, so ist dies auch mit dem Katzenjammer der Fall. Bienen und Hummeln streichen sich mit den Füßen ihren glänzenden Pelz, als ob sie richtiges Haarweh hätten, und verkaterte Hunde kann man Sauerampfer fressen sehen, während in derselben Verfassung befindliche Schafe und Ziegen sich an sauren Beeren delektieren, ganz wie wir einen marinierten Hering genießen. Ein Teil der Menschen trägt vom ersten schweren Rausche einen dauernden Widerwillen vor alkoholischen Exzessen davon, während ein anderer wieder dabei erst auf den Geschmack kommt und „nie wieder trinkt bis zum recht baldigen nächsten Male". Auch hierin halten es die Tiere ganz wie wir; denn während die Minderzahl durch die Qualen des „Jammers" für immer geheilt ist, betrinken sich die meisten Tiere bei der nächsten Gelegenheit ganz ebenso wie beim ersten Male. Nimmt man nun noch! dazu, daß viele Tiere sich an frischen Tabakblättern, jungem Knoblauch, in vollem Saft stehenden Mohnpflanzen und dergleichen mehr gern berauschen, so muß man wohl zugeben, daß durch die ganze Lebewelt der Drang nach erregenden und narkotischen Stoffen geht. Oder sollten etwa all die Tiere, groß und klein, bei einem modernen Pessimisten in die Schule gegangen sein und im Ekel am Leben den Zustand des Nichtdenkens und Nichtfühlens für den begehrenswertesten halten? Vielleicht schreibt uns einmal einer der Jüngsten und Neuesten den tragisch endenden Roman einer Hasen- familie, wo die Untreue der Häsin den Gatten von Stufe zu Stufe sinken ließ, bis er aus Gram über die trostlosen Familienverhältnisse eines schönen Juliabends zu viel des^ opiumhaltigen Mohnsaftes genoß, um nie — nie mehr zum Leben zu erwachen, zum Entsetzen der tief, aber zu spät bereuenden Gattin, die beim bleichen Frührot den Gemahl als „tote Leiche" fand. GLnMWMNtziges«. Seit langen Jahren haben wir endlich einmal wieder ein gutes Obstjahr. Da wundert sich wohl mancher, tote- es zugeht, daß hier ein Apfelbaum mit Früchten beladen ist, sodaß die Aeste gestützt werden mußten, während unmittelbar daneben ein anderer Apfelbaum kaum einige Früchte zeitigt. Es liegt das an den A p f e l s v r t e n — die eine paßt für den betreffenden Boden, das Klima u, s. w., die andere ist falsch gewählt und trägt dort nichtl Gerade dieses Obstjahr sollte alle, die Obstbau treiben, veranlassen, sich in der Nachbarschaft umzusehen und sich die Obstsorten zu merken, die reich tragen. Um die Sortenkenntnis zu erweitern, hat der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau seit dem Beginn dieses Jahres eine vortreffliche Einrichtung getroffen: er legt für die einzelnen Obstsorten sog. „Grundblätter" an. Für jeden Monat bezeichnet die Redaktion eine bestimmte Obstsorte, heute einen Apfel, im nächsten Monat eine Birne, eine Erdbeersorte n. s. w. lieber diese Sorte treffen im Laufe des Monats Berichte ein aus allen Teilen Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz. Jeder Leser, der Erfahrungen mit der betreffenden Sorte gemacht hat, teilt sie mit. Am Schlüsse des Monats werden die eingelausenen Berichte von der Redaktion sorgfältig durchgearbeitet und das Ergebnis in einem erschöpfenden „Grundblatte" zusammengestellt. Daneben wird die Sorte abgebildet. So wird genau ermittelt, unter welchen Verhältnissen eine Obstsorte gedeiht, und unter welchen nicht. Augenblicklich steht der Apfel Charlamowsky zur Besprechung. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auf diese Weise immer mehr Klarheit und Sicherheit in die schwierge Obstsortenwahl gebracht wird. Preis-Ausschrciben! 300 Mark! Ein neues Preis-Ausschreiben veranstaltet wieder in seiner soeben erschienenen Nummer das allbekannte und allbeliebte Familienblatt „M o d e und Haus", Verlag John Henry Schwerin, Berlin. Was dieses Blatt seinen zahlreichen Lesern bietet, an Reichhaltigkeit und Gediegenheit, das sucht wohl in ganz Deutschland seinesgleichen. In vorzüglich ausgeführten Moden-Genrebildern führt es seinen Lesern äußerst chike Straßen- und Gesellschaftstoiletten, Herbst- und Winterpaletots, elegante Hüte, Kinderkleider, Wäsche, Handarbeitendessins u. s. w. in buntem Wechsel vor, die auch die unerfahrene Hausfrau wit Hilfe der beigelegten muster- giltigen Schnittbogen sich mit geringen Kosten selbst an- fertigen kann. Außerdem liefert der Verlag Extraschnitte nach eingesandtem Körpermaß — keine sogenannten Normalschnitte — gegen Vergütung der eigenen minimalen Selbstkosten von 50Pfg. pro Schnitt. Doch auch in sonstiger Hinsicht bietet das Blatt geradezu Ueberraschendes an Reichhaltigkeit, wir verweisen auf die hochinteressante, reich illustrierte „Belletristische Beilage", die 8 fettige „Romanbeilage", die „Illustrierte Kinderwelt" re. Jede Hausfrau, die sich nur einmal von der Güte, Reichhaltigkeit und Billigkeit von „Mode und Haus" überzeugt hat, wird eine dauernde Freundin des Blattes werden. „Mode und Haus" kostet trotz seines reichen Inhalts pro Quartal nur Mk. 1.—; mit achtseitiger Romanbeilage „Ans besten Federn" und Moden-Kolorits Mk. 1.25. Abonnements bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratis-Probe- nummern bei ersteren und durch den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. Geheimschrift. Nachdruck verboten. Nachstehende Buchstabenreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung paffender Vokale zu sinngemäßen Wörtern bilden lassen. Mnddnrbhnstgtzfrdnht Dchwrmnfngstzfrdnkmmtnchtwt. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer. Es sporne dich auch in schlimmer Zeit Ein jeglicher Tag zur Thätigkeit. Um den ist's gethan, er hat nur Leid, Der die Arbeit verschiebt auf beff're Zeit. Telakowsky. KeMtun: «. »urkdardt. — »ruck und Verlag der Brühl'schen UnwertztSK-Buch. und Gteiodruckerei (Pietsch' lkrbe») in ®ie|ea.