[ttiuuiii ich' und falle mit eignem stopfe, Thu' das Deine und thu' cS frisch ! Besser stolz an dem irdnen Topfe, Als demütig am goldnen Tisch, (E. M. Arndt.) Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) Frau Howell und Mildred lachten und seufzten über jung Bellas humoristische Erzählung ihres Abenteuers. Aber etneit Teil ihres Gespräches mit Schriven hatte sie verschwiegen, weil sie wußte, daß ihre Mutter dann aus kernen Fall ihre Einwilligung geben würde. Bella hatte stch rasch eine gewisse, geschäftsmäßige Härte und Un- empfrndlrchkert angeeignet und blickte der Zukunft erwartungsvoll entgegen. Sie wußte, daß ihr ein Leben des Kampfes mit anderen in gleicher Lage bevorstand. Papa würde diesen Menschen niederschlagen, wenn ich ihm sagte tote er gesprochen nnd mich augeblickt hat, aber was wäre dre Folge davon? Wenn nicht Papa sehr bald wieder auf- rommen kann, so müssen Mildred und ich selbst für uns sorgen. Jetzt bin ich eine Ladendame und muß ohne sentimentalen Unsinn nach Erfolg streben, soviel habe ich schon gelernt, während ich mit Mama nach Stellen gesucht habe. a 1 ' Ach! Sie wußte nicht, welche Prüfungen ihr noch be- vorftandcn. Als sie am Montag im Geschäft erschien, wurde ste vom Geschäftsführer an ihren Platz gewiesen. Er sagte ihr kurz, das Mädchen am Ladentisch werde ihr die Zeichen Preise und so weiter mitteilen. Dieses Mädchen und die anderen Verkäuferinnen empfingen Bella sehr kalt und teilten ihr in schroffer Weise nur das Nötigste mit. Bella achtete nicht darauf, sondern bestand darauf, daß ihr alles Nötige initgeteilt wurde. Ich werde mit den anderen besser fertig iverden, wenn ich so viel weiß, als sie, dachte sie. |te m das Zimmer ging, in dem sie frühstückten, hielten |td) die Mädchen von ihr fern, wie von einer Aus- satzigeu, aber, um sie zu ärgern, that sie, als ob sie das mcht bemerkte, und war so heiter wie ein Maimorqen. Befriedigung sah sie, daß ihr Benehnlen den gewünschten Erfolg hatte. Abends eilte sie nach Hause, um auszuruhen von der ungewohnten Anstrengung, den ganzen Tag über aus den Beinen zu sein. Denn hier mußten, wie in so vielen Läden, die Berkäuferinneu den ganzen Tag über, auch in müßigen Augenblicken, stehen oder gehen und es gab keine Stühle oder Bänke zum Ausruhen für sie. Der nächste Tag verlief ebenso. Ihr heiteres, frisches Aussehen verschaffte ihr bereits manche Bevorzugung vvil Seiten der Käufer, aber die anderen Mädchen hielten sich mit eisigem Schweigen von ihr fern. Es herrschte augenscheinlich eine Spannung in der Bänderabteilung, und dies schien auch der Geschäftsführer zu bemerken, welcher häufiger als sonst mit finsterer Miene erschien. Bella hatte das Gefühl, daß ein Sturm im Anzug war. Ihre Entrüstung stieg rasch, und in ihren dunklen Augen glänzte eine drohende Glut. Sie glaubte, ebensoviel Recht zti haben als die anderen, und war entschlossen, es zu verteidigen. Gegen Abend, als man begann, das Geschäft zu schließen erschien ein bleiches, schmächtiges Mädchen, setzte sich vor Bella nieder und blickte sie starr an. Sie sind also die herzlose Person, die mir meine Stelle weggenommen hat? sagte sie langsam. Ich verstehe sie nicht erwiderte Bella entrüstet. _ O, Sie verstehen sie ganz gut, kleine Schlange! flüsterte ihr emes der Mädchen ins Ohr, während es einen Karton ivegsetzte. Bella wendete sich so plötzlich und heftig mit zornigem Gesicht um, daß das junge Mädchen eilig zurucktrat und den Karton fallen ließ. Gerade in diesem Augenblick kam Schriven aus seinem Koutor. um zu gehen, und war Zeuge der ganzen Scene. Er blieb lachend stehen. Der Geschäftsführer hatte ihm mehrmals über die kleine Komödie in der Bünderabteilung Bericht erstattet, und die beiden Potentaten sahen die lebhafte Szene als ein erheiterndes Schauspiel in dieser flauen an. . Sie ist gewandt wie ein Jagdhund, sagte das Echo, und sie wird bald mehr verkaufe,!, als zwei andere Mäd- Xn- Bella schrak nicht zurück vor dieser allseitigen Feind- seligkeit und juchte ihren Zorn nicht zu verbergen. Um seine Wurde zu bewahren, schien Mister Schriven nicht zu bemerken, was vorging, hüllte sich in seine Größe und ging den Laden entlang, indem er die erregte Gruppe mit etnem kalten $fitf streifte. Sobald er verschwunden war, uatre etn lebhafter Tumult zum Ausbruch gekomrnen, wenn nicht Bella in ihrer entschiedenen Weise die Sache zu einer raschen Entwickelung gebracht hätte. Es waren keine Käufer toeye ttn Laden, und die Disziplin des Tages war vorüber. Deshalb rief das Mädchen, nach dem Bella sich so zornig angewandt hatte, ans sicherer Entfernnng ihr zu: Ich age es noch einmal, daß es alle hören können, selbst, wenn ich meine Stelle deshalb verliere, Sie sind eine nichtswürdige, schwarze Giftschlange! Wir wissen alle, wie öte dieses Mädchen um seinen Platz gebracht haben, und §enn Sie hier bleiben wollen, so werden wir Ihnen die Hölle heiß machen! Und ich sage Ihnen, ich habe ein Recht, hier zu sein 34 und werde hier bleiben! sagte Bella in heftigem Zorn. Ich fürchte Euch nicht! Entweder seid Ihr alle boshafte Katzen, wenn Ihr ein Mädchen so behandelt, wie mich diese zwei Tage, oder es steckt etwas dahinter, was ich nicht verstehe, aber jetzt muß ich alles wissen! Ihr schweigt und laßt dieses Mädchen sprechen, welches behauptet, ich habe ihm diese Stelle genommen. Nur mit dieser habe ich zu thun. Aber erst will ich Ihnen sagen, wie ich diese Stelle erhalten habe, — ich habe darum gebeten, das ist die ganze Geschichte, und ich wußte nicht, daß ich jemand den Platz wegnehme. Bellas mutvolles Wesen brachte eine Wendung zu ihren Gunsten hervor, und alle horchten, was das entlassene Mädchen sagen werde. Dieses besaß nicht Bellas Energie. Nach einem langen Seufzer begann es, ohne den Kopf zu erheben: Ob Sie Recht haben oder nicht, darüber will ich nicht mit Ihnen streiten, ich wollte nur sehen, wer jetzt meinen alten Platz eingenommen hat. Wie geht es Ihrer Mutter? fragte eines der Mädchen. Sie liegt im Sterben, sie verhungert, antwortete die Fremde mit derselben tonlosen Stimme, und wieder richten sich böse Blicke auf Bella. Aber Bella wußte ihnen zu begegnen. Einen Augenblick riß sie ihre Augen entsetzt auf, dann sprang sie auf das Mädchen entsetzt zu, ergriff ihre Hand und rief: Großer Gott, was wollen Sie damit sagen? Kommen Sie, ich gehe mit Ihnen nach Hause. Das Mädchen blickte Sie an. Ja, sagte sie, kommen Sie mit mir, dann werden Sie alles verstehen. Wir werden Ihrer Mutter etwas bringen, sagten zwei oder drei Mädchen, während das arme Geschöpf sich langsam erhob, um Bella zu folgen. XV. Ich glaube an Sie! Kommen Sie, rief Bella ungeduldig, während sie durch die überfüllten Straßen eilte, warum gehen Sie so langsam? Wenn meine Mutter so krank wäre, so würde ich zu ihr fliegen. Schwerlich, wenn Sie seit zwei Tagen nichts gegessen hätten. Was? rief Bella und blickte ihre Begleiterin fragend an. Sie zog sie in einen Bäckerladen, nahm ihre kleine Börse heraus und leerte sie in den Händen des Mädchens. Hier nehmen Sie alles, was ich habe, und kaufen Sie, was Sie wollen, sagte sie. Ich glaube, Sie sind doch nicht so schlecht, sagte die Fremde langsam. Ich bin nicht so schlecht, daß ich einen Pfennig behalten könnte, wenn ich weiß, daß jemand hungrig ist. Sehen Sie mich nicht so an und kaufen Sie, was sie wollen. Wie ist Ihr Name? fragte das Mädchen, als sie wieder auf der Straße waren. Bella Howell. Mein Name ist Klara Bute. Aber ich weiß nicht, wann ich Ihnen Ihr Geld wieder geben kann. Ach, sprechen Sie nicht davon. Wir wollen kaufen, was Ihre Mutter brauchen kann, und es ihr bringen, ohne viele Reden. Sie kauften Brot und Milch, etwas Thee und Fleisch, eine Hand voll Holz und damit waren Bellas schwache Finanzen erschöpft. Sie bogen in eine Seitenstraße ein und erreichten bald ein hohes Miethaus. Ich kann nicht mehr, sagte das Mädchen, und Bella verließ sie aus der Treppe sitzend. Sagen Sie mir, wo Ihr Zimmer ist, ich werde zurückkommen und Ihnen helfen. Das letzte Zimmer oben links. Bald hatte Bella die Thüre erreicht, welche etwas offen stand, um Luft einzulassen, denn der Abend war schwül. Sie stieß die Thür mit dem Fuße auf und legte die eingekausten Sachen auf, den Tisch. Dann blickte sie sich um. Sie irren sich wohl? sagte eine schwache, hohle Stimme. Dunkle, fieberhaft glänzende Augen blickten ihr entgegen. Bella rannte hinab zu Klara und half ihr herauf. Schnell geben Sie Ihrer Mutter etwas, damit sie sich erholt. Sagen Sie mir, was ich thun soll. Klara ging zu ihrer Mutter und küßte sie zärtlich. Fasse Mut, Mama, ich habe etwas für Dich. Sie fi» so aufgeregt, Bella, lassen Sie sich Zeit, ich weiß, toe§ zu thun ist. Sie tauchte etwas Brot in die MiÜH und reichte es ihrer Mutter. Wer hat Dir das alles gegeben? Wer ist das? fragte die Kranke. Ich bin das Mädchen, das Klaras Stelle eingenommen hatte, begann Bella. Ich wußte nichts davon und kann es mir nicht verzeihen. Sprechen Sie nicht so! Wenn Sie arm finb,jo haben Sie keine Wahl, und jetzt ist es mir lieber, daß tote meine Stelle haben, als sonst jemand; denn ich hätte sie doch nicht mehr lange behalten können. Es fiel mir immer schwerer, diese Treppen heraufzuklettern. Ich wünschte, ich könttte hier bei meiner Mutter bleiben, bis man uns herabträgt, die Füße voran. Verlieren Sie nicht den Mut! ries Bella. Wir alte werden für Sie sorgen, und es wird besser gehen. Wir alle? Wer sind diese? Möchten Sie mir sagen, wer Sie sind, und wie Sie meine Stelle bekommen haben? Bellas kurze Erzählung war sehr einfach, aber originell. O Himmel! rief Klara, als es dunkelte, Ihre Elteim werden in Angst um Sie sein, gehen Sie nach Hause. Sie haben uns mehr Gutes als Uebles zugefügt und Sie haben uns nicht schaden wollen. Gewiß nicht, rief Bella. Aber ich werde meine «Schwester Mildred mit mir zurückbringen und zugleich einige Sachen. Man war in der Tat besorgt um Bella. Jhp Vater war schon nach dem Laden gegangen, und Frau Willst» blickte die Straße entlang nach ihr, als Bella erschien. — Bella erzählte hastig ihr Erlebnis, und Frau Willst» wurde ins Vertrauen gezogen. Eine Nachbarin versprach, auf Frau Willows Kinder acht zu geben, worauf die beiden Schwestern sich mit ihr auf den Weg machten, beladen mit allerlei nützlichen Dingen. Wie geht's? fragte die praktische Frau Willow, welche sich sogleich der Kranken zuwandte. O, viel besser! — Ich glaube, ich werde wieder gesund werden. Klara, hier ist meine Schwester Mildred, von der ich Ihnen gesagt habe, sagte Bella. Warum haben Sie Ihre Mutter nicht ins Hospital gebracht fragte Frau Willow. Sprechen Sie nicht vom Hospital, meine Mutter kann es nicht hören, denn sie fürchtet nichts so sehr, als von mir getrennt zu werden. Klara sah mit Erstaunen, daß ihr kleiner Schrank mit Vorräten für die Zukunft sich füllte. Aber wie könnt Ihr alle diese Dinge entbehren, wenn Ihr doch selbst arm seid? fragte sie. Ja, wir sind arm, aber nicht so arm, wie Sie, sagte Mildred einfach- In diesem Augenblick öffnete sich die Thüre, und zwei Mädchen aus dem Laden erschienen mit einigen kleinen Packeten. Ehe sie eintraten, flüsterte Klara hastig mit ihnen auf dem Flur, dann erst traten sie ein und blickten Bella an, welche am Tische saß und einge- schlafen war. Klara küßte sie und Bella murmelte: Mama! Mama! Sie glaubt zu Hause zu sein, erklärte Mildred mit feuchten Augen. Dies ist ihre Schwester, sagte Klara, und diese Fran ist eine Freundin von ihnen, sie haben sich selbst beraubt, um mich zu beschenken. Wir wollen Ihre Schwester nicht aufwecken, sagte das eine der Mädchen. Sie ist müde, das ist kein Wunder. Hätten wir sie besser, gekannt, so hätten wir sie nicht so schlecht behandelt. Bitte, sagen Sie ihr, daß Sie morgen einen besseren Empfang haben wird. Dann gingen sie, begleitet von Klara, mit der sie nochmals draußen flüsterten. Bald erschien Howell mit einem Arzt, welcher ihn nach kurzer Unterredung mit der Kranken bei Seite rief uno sagte: Sie kann jeden Augenblick sterben. Es ist überflüssig, noch etwas zu unternehmen, denn ihr Ende ist nahe. 35 Tann ist es besser, Sie sagen dem armen Mädchen die Wahrheit, erwiderte Howell. Klara wurde gerufen und hörte mit krampfhaftem Schluchzen den Ausspruch des Arztes. Ich habe das befürchtet, sagte sie. Ich werde die Nacht über bei ihr bleiben, begann die mitleidige Frau Willow, wenn Fräulein Howell nach meinen Kindern sehen will. Nein, Frau Willow, erklärte Mildred entschieden, ich werde dableiben. Sie müssen bei Ihren Kindern sein. Papa, bringe Bella nach Hause! Klara und ich können jetzt alles thun, was nötig ist. Gut, erwiderte Howell, ich werde zurückkehren und bei Euch bleiben. Bald waren Klara und Mildred allein. Mildred besichtigte flüchtig den schwach erhellten Raum. O Himmel, seufzte sie, werden wir auch so weit kommen. Die alte Frau war sichtlich dem Ende nahe. Ihr Mnd hatte wenig von den Freuden dieser Welt kennen gelernt und wußte nichts von der jenseitigen. Fräulein Howell begann sie, glauben Sie an einen Himmel? Ja, gewiß. Wie sieht er aus? Das weiß ich nicht zu sagen. Er wird uns beschrieben als das Schönste und Herrlichste, was die Welt bieten kann. Ich glaube, wir werden dort finden, was wir am meisten zu unserem Glück nötig haben. O, dann ist dort Ruhe für Mama und mich, seufzte das Mädchen erschöpft. Gewiß, erwiderte Mildred rasch, in der Bibel steht geschrieben: Es giebt eine Ruhe für die Gottseligen. Das ist's, rief Klara mit einiger Bitterkeit. Es ist immer die Rede von den Gottseligen. Aber was bleibt für solche, wie wir, welche immer nur mit der Not zu kämpfen haben, so daß wir wenig an Gott und die Kirche denken können? O Mildred, ich bin unwissend wie eine Heidin! Ich hatte eine Bibel? aber ich habe sie verkauft, um Wein für die Mutter zu kaufen. Ich hätte daran denken sollen, ihre Seele zu retten. Jetzt aber ist sie zu krank, als daß man mit ihr sprechen könnte. Sie werden nie begreifen, was für ein Leben sie geführt hat. Sie hat nicht gelebt, sie ist nur durch die Welt gezerrt worden. In einem Miethaus ist sie geboren, und in einem engen Gäßchen spielte sie in ihrer Jugend. Das Land hat sie kaum jemals gesehen. Fast ehe sie zu spielen verstand, mußte sie anfangen zu arbeiten. Als sie siebzehn Jahre alt war, heiratete sie ein roher, schlechter Mann. Wie das kam, habe ich nie begriffen. Ich glaube nicht, daß er mehr von Liebe wußte, als ein Schwein; denn so lebte er und so starb er auch, aber nur nicht früh genug. Es scheint entsetzlich, daß ich so von meinem Vater rebe, aber wie sollte ich anders sprechen, da er doch seit meiner frühesten Jugend ein Gegenstand des Schreckens und Abscheues für mich war? Anstatt daß er für die Mutter sorgte, mußte sie für ihn sorgen, die wenigen Groschen, die sie am Waschfaß mühsam verdiente, nahm er ihr ab, um sie zu vertrinken, und wenn er nach Hause kam, bezahlte er sie mit Schlägen und Flüchen dafür. Ich glaube, wir haben in fünfzig Wohnungen gelebt, denn wir waren immer rückständig mit der Miete .und mußten zimmer wieder ausziehen. Manchmal wohnten wir an seltsamen Stellen, kann ich Ihnen sagen, in reinen Rattenlöchern, aber sie hatten das Gute, sie schafften die Kinder fort. Denn zu allem Elend kamen noch immer neue Kinder, elende jämmerliche Wesen, welche von der schlechten Luft, .in der wir lebten, vergiftet wurden, nachdem sie uns so viele Sorgen als möglich bereitet hatten. Ich habe die meisten von ihnen gepflegt, und mein Leben wurde eine Last, ehe ich sieben Jahre alt war. Ich wurde so erschöpft und schwach, daß ich bald froh war, wenn sie starben. Als die Mutter so hinfällig geworden war, daß sie wirklich nicht mehr arbeiten konnte, that uns der Vater zum ersten Mal etwas Gutes, — indem er im Rausche starb. Seit dieser Zeit haben wir uns aneinander geklammert. Wir waren oft hungrig, aber keine Nacht trennten wir uns. Und welche lange Nacht wird jetzt kommen! Das arme Mädchen ließ sich auf den Fußboden nieder. uni von ihrer Mutter nicht gesehen zu werden, und schluchzte krampfhaft. Mildred suchte sie nicht mit Worten zu trösten. Arme Klara, sagte sie, mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, was Sie durchgemacht haben! Das Mädchen erhob sich und blickte Mildred ins Gesicht. Mein Gott, flüsterte sie, Sie weinen über meine Not? Mildred, ich werde alles glauben, was Sie mich lehren werden, denn ich glaube an Sie! Fortsetzung folgt. Moderner Seeraub. Eine zeitgemäße Studie über das Seevölkerrecht. Von Dr. Egon Friederici. Nachdruck verboten. Es war im Jahre 1402. Im heiligen römischen Reiche deutscher Nation herrschte Wohlstand und Friede, soweit man von einem solchen bei der Rauflust der Ritter und kleinen Fürsten sprechen konnte. Während im Süden und Westen des Reiches die Dynastien ihre Territorien in immer kleinere Staatengebilde zersplitterten,als ob es eine Hufe Acker zu verteilen gälte, und auf diese Weise Deutschlands schmählichen Sturz vorbereiteten, stand im Norden die Hansa, die stolze politische Schöpfung des deutschen Kausmannsstandes, auf dem Gipfel ihrer Macht. In großer Zahl, wie heute, kamen die Kauffahrteischiffe durch die Nordsee an die Elbmündung, den Weg nach dem altehrwürdigen Hamburg zu suchen; aber oft genug erreichten sie nicht ihr Ziel: denn auf dem Felsenneste Helgoland, welches in den frühesten Zeiten des Mittelalters durch friesische Flüchtlinge bevölkert worden war, hauste eine wilde Rotte von Seeräubern, die Vitalianer, deren berüchtigte Hauptleute Stürzebecher und Goedekr Michels gar manches wackere Schiff kaperten, um sich der Ladung zu bemächtigen, nachdem die Bemannung erbarmungslos hingeschlachtet worden war, bis es endlich im oben genannten Jahre Simon von Utrecht gelang, sich der Person jener beiden Anführer zu bemächtigen und durch ein hartes, aber wohlverdientes Blutgericht die Nordsee von der Räuberplage zu befreien. Fünfhundert Jahre sind seitdem in den Strom der Vergangenheit hinabgerauscht, und wenn „Chidder, der ewig junge", abermals desselben Weges gefahren käme, könnte er in des Reiches größter Hafenstadt Zeuge derselben Empörung sein wie damals, als freche Seeräuber den hanseatischen Handel aufs schwerste schädigten. Nur der Schauplatz hat sich verändert; denn heute ist es der Ausgang des Roten Meeres in den Indischen Ozean und die Küstengewässer des südöstlichen Afrikas, wo ein neuer Stürzebecher, nämlich unser Vetter jenseits des Aermelkanals, mit der gehässigen Brutalität, welche der angelsächsischen Rasse nun einmal eigen ist, deutsche Reichspostdampfer abfängt und dem Völkerrecht ins Gesicht schlägt. Mit dem Völkerrecht ist es eine gar schlimme Sache. DK Kanonen sind die ultima ratio nicht nur der Könige, sondern auch der republikanisch eingerichteten Staaten, und wenn man es vergeblich mit allen homöopathischen Mittelchen probiert hat, wie sie die Aerzte der internationalen politischen Krankheiten, nämlich Diplomaten und Bölkerrechtslehrer, vorgeschlagen haben, greift man zur Gewalt, die für denjenigen, welcher der stärkste ist, der bequemste Ausweg aus allerhand Fatalitäten ist. Im Anschluß an die aufregenden Ereignisse der letzten Zei! ist das Prisenrecht, wie es sich nach der Pariser Seerecht^ deklaration von 1856 darstellt, vielfach erörtert worden. Merk würdigerweise wird dabei säst durchweg übersehen, daß fidi England schon deswegen prinzipiell im Unrecht befindet, weil die mit ihm im Kriege begriffenen südafrikanischen Republiken überhaupt keine Küstenstrecken besitzen, und das von den britische,! Schisfskapitänen ausgcübtc Durchsuchungs- und Prisenrecht betreffend die nach der Delagoabai segelnden Schisse sich nicht allein gegen die mit England im Krieg befindlichen Staaten, sondern ebenso sehr, ja noch mehr gegen das gute, nicht zu bezweifelnde Recht der neutralen Staaten, vor allem gegen das in der Delagoabai hoheitsberechtigte Portugal richtet.' Mit dem selben Rechte könnte England, wenn es sich etwa mit der Schweiz in Kriegszustand befände, seine Kriegsschiffe vor die Rhein- mündungen und die Häfen von Genua und Marseille legen unter dem Vorwande, daß auf diesem Strome und den von den genannten Hafenortcn landeinwärts führenden Bahnen Waren zur Befrachtung kämen, die dem Feinde die Fortsetzung des Krieges ermöglichten und deshalb als Kriegs-Kontrebande zu betrachten seien. Die Durchsuchung eines deutschen Schiffes in dem 608 deutsche Meilen vom Kriegsschauplatz entfernten Aden und die Verhinderung des Transportes von Sanitätskolonnen, welche unter dem Zeichen des Roten Kreuzes der Genfer Konvention reisen, beweisen, daß man in England willens ist, das Unrecht auf die Spitze zu treiben: diese Handlungen sind aber nur die würdige Fortsetzung dessen, was das meerbeherschende Albion - 36 — er- sich schon vor 100 Jahren gegen das festländische Europa tauben zu dürfen glaubte. p m.. mit *3,el1rt, Januar dieses Jahres in Kraft getretene bürgerliche Gesetzbuch ruft allenthalben eine große Umwälzung rn unseren bisherigen Rechtsanschauungen hervor. So macht Illustrierte Konversations-Lexikon ber p r a u (Verlag von Martrn Oldenbourg in Berlin) in den uns weben zugehenden Lieferungen 24 und 25 darauf aufmerksam, datz der Rechtsbegriff der M i t g i f t in dem Verhältnis der Ehe- Mlten zueinander dem Bürgerlichen Gesetzbuch vollständig fremd klarer, jedem verständlicher Sprache, die glücklich zu dem vcr- wickelten Satzbau des Bürgerlichen Gesetzbuches kontrastiert, setzt das „^llusrrierte Konversations-Lexikon der Frau" auseinander, wie das Vermögen der Frau nur dem Verwaltungs- und Nutz- nießungsrecht des Mannes unterliegt, und erst durch besonderen Vertrag Gütergemeinschaft re. eingeführt wird. Neben der Rechts- stellung der Frau sind auch die Gebiete der Hauswirtschaft, Loilette, Frauencrwerb, Ge,undheitspflege rc. nicht vernachlässigt wir erwähnen hier besonders die ausführlichen Artikel: Mode Massage, Mädchen-Erziehung, Mädchen-Schulwesen, Malereien, k"> cm iuiuic uie wrgmilige Ausstattung des ganzen Werkes verdienen die vollste Anerkennung unb Die Unterstützung seitens der gesamten Frauenwelt. Das „Jllu- ^LSbrsatwns-Lexikon der Frau^ ist komplett in zwei geschmackvollen Leinenbanden zu Mk. 12.50 oder in zwei vor- nehmen Halbfranzbänden zu Mk. 14.00, cv. auch gegen monatliche Teilzahlungen, durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes zu beziehen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Linde, Linie. I ffi'* durchsuchen lassen wollten, kurzerhand weg und I schleppten ne in englische Hafen. Dieses brutale Verfahren gegen | neutrale Staaten war die Veranlassung, daß Kaiser Paul den I $?tan seiner Mutter, die Herstellung der im Jahre 1780 schon I tn I^rlff genommenen bewaffneten Neutralität wieder I Dezember ward zwischen Dänemark, Schweden I ?"d 'Rußland der Bund geschlossen, dem auch Preußen unmittelbar I darauf beitrat. Das war für England Grund genug, alle erreich baren Handelsschiffe dieser Staaten, mit denen es sich keineswK im Krieg befand,, wegzunehmen. Am 30. März 1801 erschienen oflar .zwei englische Flotten vor Kopenhagen und begannen - rm Frieden — den Angriff auf die dänischen Schiffe uitb Batterieen, bei welchem auf dänischer Seite mehr als tausend J-Kann fielen Weitere englische Gewaltthätigkeiten unterblieben Damals nur deswegen, weil sich wenige Wochen darauf durch ^e am 23. Marz 1801 erfolgte Ermordung Pauls I. der Neu ! tralitatsbund auflöste. io die weitere Geschichte der englischen Seemacht im 19 Jahrhundert ist eine Kette von Gewaltthätigkeiten. Im ^ahre 1807 stellte England demselben kleinen Dänemark die Wahl, entweder mit ihm ein enges Bündnis zu schließen, oder ihm seme ganze Flotte als Unterpfand dafür zu überlassen, daß Dänemark an keinem Bündnis gegen England teilnehme. Die Weigerung, hierauf emzugehen, trug den Dänen das ruchlose Bombardement von Kopenhagen vom 1. bis 5. September 1807 ein, bet welchem über 2000 Menschen in den Straßen der Haupt- getötet wurden. Dem unmenschlichen Sieger aber fiel als Beute die ganze dänische Flotte: 18 Linienschiffe, 15 Frc- satten, 6 Briggs und 25 Kanonenboote in die Hände .Die Schlacht von Navarin, welche am 20. Oktober 1827 mitten int Frieden die Vernichtung der türkischen Flotte herbei- em Kriegslieferungen an Frankreich im Jahre E-e diesem die ,Fortsetzung des Krieges ermöglichten, d?s Bombardement von Alexandria int Jahre 1882 sind Beweise für die Richtigkeit des Wortes, welches vor 25 Jahren Heinrich ^M^tschke schrieb: „England ist heute der Hort der Barbarei im Völkerrecht; , England allem verschuldet, daß der Seekrieg au« heute nur ein organisierter Seeraub ifc und eher nicht kann - v lt zu einem menschlichen Seerecht kommen, als wenn auch ?u' ee?el!',toxe langst auf dem Festlande, ein Gleichgewicht ber Mächte besteht, unb kem Staat mehr wagen darf, sich alles zu erlauben". Bersteckrätsel. Nachdruck verboten. y„ Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt tote die Silbe „an" in „Wanderer." Der Freiheitskämpf der iiordamerikanischen Kolonien gegen auf deren Ausbeutung bedachte Mutterland hatte um das Jahr 1780 auch Frankreich unb Spanien zum Seekriege 8egen England veranlaßt. An Haß gegen letzteres fehlte es auch damals nicht. Schon während des siebenjährigen Krieges nntfLs-M, englische Regierung jedes Jahr eine große Anzahl ^Iandischer Schiffe tn der ungerechtesten Weise sür gute Prise ca Dasselbe gewaltthütige Vorgehen erneute sich nun, als np tenglanb mit den obengenannten Seemächten in Krieg befand, aas Uebergeimcbt der britischen Kriegsflotte war damals durchaus nicht so sonnenklar rote heute, und um die ärgsten Repressalien Gegner zu vermeiden, hielt sich die englische Kaperei diesen gegenüber m mäßigen Grenzen. Um so ärger verfuhr man mit Holland, welches 3toar eine starke Handelsflotte besaß, die der Gegenstand der englischen^ Eifersucht war, seine Kriegsmarine aber m unentschuldbarer Weise vernachlässigt hatte. Auf Anregung Katharinas II., ber nordischen Semiramis, wie sie ein galanter Franzose genannt hat, schlossen die neutralen Seestaaten den sogenannten „Bund der bewaffneten Neutralität", welcher °em Grundsätze „Frei schiff, frei Gut" allgemeine Anerkennung verschaffen lollte. England erkannte dieses Recht der Neutralen zum Scheme an, um sich nicht noch die Feindschaft Rußlands zuzuzlehen sorgte aber insgeheim dafür, daß das durch eifer- fuchtelnde Parteien zerrissene Holland, der einzige Staat, der i dank seiner großen Handelsflotte und seiner Reichtümer imstande j geweftn Ware, von dem Rechte der Neutralen ausgiebigen Gebrauch zu machen, diesem Bunde beiträte, bis England einen «pfunhpnUL^Le0^nsdrunS aeg.en diesen verhaßten Konkurrenten Mauden haben wurde, inzwischen belästigte man den nieder- ianbischen Handel, wo man nur konnte, und hob sogar im Früh- L^«0 den im Jahre 1674 zwischen England und Holland I geschlossenen Schiffahrtsvertrag, welcher den Holländern im Kriege Staaten gewisse Vorzugsrechte sicherte, emseittg aus Der Grund zum Kriege gegen die Generalstaaten I ?nb ^ch bald: aus den Papieren eines im Sommer 1780 ge- I laberten norbamerikaniscyeii Schisses erhielt man Kenntnis von s'uem geheimen Handelsverträge, welchen die Stadt Amsterdam I im iahre 1788 mit den aufständischen Kolonieen geschlossen hatte I WntpUn($Anic6rete mtm Seemacht ber Niederlanbe mit kaltem n-irfip ber Kriegserklärung hatte man zahl- tetaje holländische Schisse weggenommen; nach der Kriegs- I »papniuhnpn ^rfu^r man englischerseits gleich Seeräubern gegen den ahrhundertelangen treuen Bundesgenossen, dem man I die wertvollsten ostindlschen Besitzungen, das Fundament der I englischen Kolonieen, daselbst fortnahm; im Februar I Kritischen Admirale Rodney und Vaughan die ^estttwische "önsel St. Eustachius, den Zentralpunkt des hollän- di^en Handels in Amerika, eroberten hierbei 300 feindliche I obwohl die Insel förmlich kapituliert hatte I dw willkürsichsten Erpressungen. Die holländische Seemacht lag völlig am Boden, nicht ohne Schuld der Holländer selbst, welche I in thonchter Verblendung ihrem Generalstatthalter Wilhelm V von Oranten die stets aufs neue geforderten Mittel zum Ausbau I der lange vernachlässigten holländischen Kriegsflotte verweigert I b5"ru uud nun ohnmächtig zusehen mußten, daß ihnen England eine Kolonie nach der anderen sortnahm. Der Friede von Ver- /nachte der gänzlichen Besitznahme des holländischen ^^o,umfreiches durch England ein Ende. Immerhin aber hielt I Mvnbkp^f^?'ui genannten Frieden an den Besitzungen der /ur dasienrge, was es in Nordamerika verlor, mnStpn Leibe die Erfahrung machen I ^Uvll-e,e-v-.i.sicuuiig, vacaowen-scyutwefen, Malereien eiaenpn' r a ?er Uicht den Rückhalt einer starken Mehlspeisen rc. Diese Vielseitigkeit, sowie die sorgfältige Aus- r futter flch fyat, toebcr als Freunb QCQCötct nncß I -------<-• als Femd gefürchtet ist. I öefährlichster Nebenbuhler war überwunden; nun I fr;^p Kfl tsC “I1 £nbei~ Festlandstaaten. Im zweiten Koalitions- I frteKeLberc-: ,ben Frieden von Lnneville einen für Deutsch- I jgud tote für Italien gleich schmachvollen Abschluß fand, hatten Schweden und Dänemark wiederholt von dem jetzt vielfach ge- I nannten drott de convoi Gebrauch gemacht. Es ist ein int See- £lVÄein anerkanntes Recht neutraler Staaten, die eigenen Handelsschiffe, deren Durchsuchung seitens einer der kriegführenden Parteien sie verhindern wollen, durch eines ihrer eigenen Kriegsschiffe eskortieren zu lassen. Dieses Geleit ailt I auf Jreu nnb ®lau6en als die Gewähr des neutralen Staates I JlS- KUf bEm Handelsschiffe keine Kriegskontrebande ^Nndesi und wird tnt internationalen Höflichkeitskodex respektiert. Daß dies heute kaum noch geschieht, kommt daher, daß bei dem kolossalen Anwachsen der Handelsflotten kein Staat der Erde S’S** genug besitzt, um seine Handelsschiffe in dieser Weife sicher über den Ozean zu geleiten. Schweden und Däne- I mart machten redoch vor 100 Jahren von diesem Rechte hänsig I Gebrauch. Auch hier kehrte sich England nicht im mindesten an I Recht; seine Kriegsschiffe nahmen dänische und I schwedische Fregatten, welche die von ihnen geleiteten Kaufsahr- Tamienbaum - Gottfried - Testament — Reseda — Motorwagen — Piston t Fallschirm — Herkules — Wiegemesser — Roffelenker — Sorgenstuhl. > Redaktion. E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Alt kehrte, itzrem 1 Bellas sicht rou bcud ai Ver sie mich keine ge Ras führer auf das achten, Her scharf. ' Platz? Ich Wege, ic Es : Es i näherte Gebieter Störung O, § dvch gesc herkomm Ich O w Das erwidertl