K4 ZPIUN.W üuiiäJiUliHul wünsche dir entfloh'ne Stunden, Vergang'ne Freuden nicht zurück — Denn das Glück ist nie verschwunden; Was verschwindet, ist kein Glück. L. Schnabel. (Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) Das Zimmer, in welchem Titus Allram den jungen Arzt empfing, war so einfach möbliert, daß es einen nichts! weniger als gemütlichen Eindruck machte. Man merkte, daß der Inwohner wenig aus Häuslichkeit hielt, da er selten dazu kam, sie zu genießen, und daß er sich nicht durch eine Behaglichkeit verweichlichen wollte, die sich mit dem beständigen Qui-vive seines Gewerbes nicht vertrug. Statt des Sofas diente ein mit Leder überzogener Lehnstuhl von ziemlich ehrwürdigen! Alter. Auf diesem nahm Allram, wenn er jemand empfing, stets Platz, wobei sein Rücken den Fenstern zugekehrt war, sodaß sich sein Gesicht im Schatten befand, während das volle Licht auf seinen! Besucher fiel. Von dem letzteren trennte ihn ein riesiger runder Tisch, welcher mit Gegenständen bedeckt war, die mit der Schmucklosigkeit des Zimmers im seltsamsten, Widerspruch standen. Da bildeten Bücher, Albums, aufrecht! stehende Photographien in den verschiedensten Rahmen, Bronzefiguren und andere kleine Luxussachen ein buntes, verwirrendes Chaos; aber sie hatten keinen anderen Zweck, als die Aufmerksamkeit von einem sechsläufigen Revolver abzulenken, welcher unter den vielen hübschen Dingen wie aus Zufall so plaziert war, daß Allram ihn jeden Augenblick mit einer unmerklichen Bewegung seiner Hand ergreifen konnte. Der Detektiv kannte den Kriminalprozeß Georgi nur sehr oberflächlich aus den Zeitungen des Auslandes, wo er sich zu jener Zeit aufgehalten hatte. Sehr wahrscheinlich stand ihm in den nächsten Tagen wieder eine weite Reise von längerer Dauer bevor. Es war daher kaum Hoffnung vorhanden, daß er der Sache, die Doktor Gerth ihm vortrug, seine Dienste leihen konnte. Doch erklärte er wenigstens seine Bereitwilligkeit, sich mit dem Prozeß näher bekannt zu machen. „Ich habe den stenographischen Bericht über die Schwuvgerichtsverhandlungen bei mir, und will Ihnen denselben zurücklassen", sagte Gerth, die Broschüre aus der Tasche ziehend. „Wann darf ich mir erlauben, wiederzukommen?" Der Detektiv antwortete auf diese Frage nicht. Er nahm die Broschüre aus Gerths Hand, überschlug sie rasch von Anfang bis zu Ende, indem er die Blätter an seines Daumen abgleiten ließ, lehnte sich in seinen alten Sessel zurück und begann dann von der ersten Seite an zu lesen, —. als wäre sein Besucher gar nicht vorhanden. Seine wasserblauen Augen flogen sehr schnell, aber mit gespannter Aufmerksamkeit über die Zeilen. Zuweilen ließ er die Schrift sinken und schien ein paar Augenblicke nachj- zudenken. Aber ob er nun las oder nachdachte, — seine Miene blieb immer unbeweglich wie Stein, und vergebens! strengte sich der junge Arzt an, aus derselben irgend einen Eindruck herauszulesen. So verging eine geraume Zeit, denn die Broschüre war ziemlich Uimfangreich. Endlich legte sie der Detektiv vor sich aus den Tisch. Er war zu Ende damit. Gerths Augen hingen an dem Munde dieses Mannes. „Der Fall liegt verzweifelt", sagte der Detektiv. Dann trat ein längeres Schweigen ein. „Der .Verteidiger hat zwar einige Punkte aufgegriffen, aber damit sein Arsenal vollständig erschöpft", unterbrach Allram endlich die Pause, indem er wieder nach, der Broschüre griff und darin blätterte. „Punkt eins: Wie das Blut an die Hand der Angeklagten gekommen fei, das ließe sich einfach damit erklären, daß diese durch eine unwillkürliche Bewegung des Schreckens^ welcher sie sich selbst nicht bewußt gewesen, mit den! Wunden des Erschlagenen in Berührung gekommen sein könne. Viel unerklärlicher erscheine es dagegen — und das ist Punkt zwei — daß an dem Mordinstrumente selbst keine Blutspuren entdeckt werden konnten. Hätten diese sich von dem eisernen Hammerkopf auch leicht abwaschelst lassen, so sei doch anzunehmen, daß, als der ganz nench offenbar frisch aus dem Laden gekommene Hammer zu deM mörderischen Zwecke gebraucht wurde, der Stiel einige Blutspritzer davongetragen habe, die aus dem weißen Holze nicht spurlos entfernt werden konnten. Der Stiel sei aber glatt, rein und unversehrt gewesen. Man könne daher die Frage als eine offene betrachten, ob die That mit diesem oder mit einem anderem Hammer von gleicher Größe ausgeführt worden sei. Daß derartige Beweisstücke, wie hier der Hammer, schon vor Ausführung eines Verbrechens unter das Eigentum Unschuldiger praktiziert worden seien, um auf diese den Verdacht zu lenken, sei schon häufig dagewesen. — Das ist richtig!" Der Detektiv blätterte weiter und fuhr fort: „Punkt drei betrifft die Thür, welche aus dem Empfangssalon deH Professors auf den Korridor führt, stets sorgfältig von 342 innen verriegelt war und dennoch vom Kriminalkommissar unverschlossen gefunden wurde. Das Dienstmädchen Therese Zeidler giebt zu, daß sie die Thüre in der ersten Bestürzung selbst aufgeriegelt haben könne. Sie könne sich hierin aber auch geirrt und die Thüre bereits offen gefunden haben, meint der Verteidiger. Beruhte es auf einer Vergeßlichkeit, daß der Riegel nicht vorgeschoben war, so traf es sich doch seltsam, daß gerade mit dieser ganz ausnahmsweisen Vergeßlichkeit der Mord zusammenfiel. War der Thater eine andere Person als die Angeklagte, so mußte es für ihn von Wichtigkeit fein, die Thüre offen zu finden; denn sein Eindringen durch dieses, dem Entree zunächst gelegene Zimmer in das Schlafkabinett war viel weniger der Gefahr ausgesetzt, bemerkt zu werden, als! wenn er den Weg zu seinem Opfer durch den Sammlungssaal hätte nehmen müssen, dem gegenüber sich das Zimmer der Vorleserin befand. — Mit Recht hat der Verteidiger diese Punkte hervorgehobech aber sie erscheinen neben dem Belastungsmaterial unwesentlich." Doktor Gerth seufzte schwer auf. „Könnte man nicht auf den Gedanken kommen daß irgend eine Person ein Interesse daran gehabt habe, das Leben des Professors abzukürzen?" srug -er, sich seines ersten Gespräches mit Konstanze erinnernd. „Hm", machte Allram, „daß jemand seinen Tod herbej- gewünscht hätte? Meinen Sie das mit Ihrer Frage?" „Es kommt ganz auf dasselbe heraus", erwiderte der Irrenarzt. „Gewöhnlich pflegen es ungeduldige Erben zu sein, die so etwas herbeiwünschen", bemerkte Allram trocken. „Professor Georgi hatte keine Leibeserben", fuhr Gerth fort. Seine Sammlungen hat er der Universität vermacht. Alles übrige aber (der Sprechende dämpfte hier plötzlich die Stimme), sein bedeutendes Barvermögen und sein Haus ist testamentarische seiner Wirtschafterin Frau Bru- fcher zugefallen." „Ich versteht", nickte der Detektiv. „Aber hier ist beiläufig erwähnt", fügte er hinzu, auf die Broschüre deutend, „daß Georgi an einem unheilbaren Brustübel litt, welches ihm nur eine kurze Lebensdauer vergönnt hätte. Gin paar Jahre früher oder später, — das hätte sich schwerlich verlohnt, sich einen Mord aufs Gewissen zu laden und das Risiko, dafür um einen Kopf kürzer gemacht zu werden, zu tragen." „Das ist freilich auch meine Meinung", gab Gerth zu. „Vergebens suche ich nach einem anderen Grunde, und doch muß es einen solchen geben." „O ja", versetzte Allram, „z. B. die Furcht vor einer- Abänderung des Testaments zu gunsten eines anderen." „Ja, ja", rief der Arzt lebhaft, „zu gunsten eines anderen! Das wäre ein Gedanke —" „Den wir noch weiter ausspinnen können, da wir nun einmal dabei sind, den Prozeß zu revidieren", sagte der Detektiv lächelnd. „Es ist ja keine Seltenheit, daß Junggesellen im Alter des Professors sich, plötzlich- heftig verlieben pmd die Welt durch eine Heirat in Erstaunen setzen. In den Zeitungen stand es, und in der Broschüre steht es Mch, und Sie, Herr Doktor, können es vielleicht aus eigener Anschauung bestätigen, daß diese Konstanz« Herbronn eine ungewöhnliche Schönheit ist. Zu diesen .äußeren Vorzügen kam noch eine geistige Bildung, die einen feinsinnigen Gelehrten wohl hätte anziehen können. Wer weiß, ob —" Er zuckte die Achseln. „Sie meinen —" Gerth wagte den Gedanken nicht auszusprechen. Sein Antlitz erglühte plötzlich in dunklem Rot. Dem Detektiv entging das nicht. Um zu prüfen, ob er die innere Bewegung, die dem jungen Arzte das Blut zu Kopfe trieb, rühtig beurteilte, fuhr er schonungslos fort: „Ich meine, daß zwischen de« gelehrten Herrn und feiner Vorleserin sich vielleicht ein zärtliches Verhältnis angesponnen hHtte. Eine tüchtige Wirtschafterin, welche einem ledigen älteren Herrn ihre liebevolle Pflege widmet, besitzt für so etwas ein scharfes Auge. Hatte dieses Auge eine derartige Entdeckung gemacht, dann war allerdings eine Abänderung des Testaments zu gunsten der schönen jungen Vorleserin zu fürchten, und es war dringend zu wünschen, daß der heiratslustige Junggeselle das Zeitliche segnete, ehe er eine solche Unbesonnenheit beging." Man hätte meinen sollen, daß diese Folgerungen Allrams dem jungen Arzte aus der Seele gesprochen waren, und dennoch berührten sie sein Inneres wie Reif die Frühlingsknospen. Er merkte, wie es um ihn stand, welche Gefühle für die schöne, unglückliche Zellenbewohnerin in ihm die Oberhand gewonnen hatten, und der Detektiv merkte es auch. Sich vorzustellen, daß Konstanze zu dem Professor in einem innigeren Verhältnisse als dem einer Vorleserin gestanden haben könnte, erschien Gerth unmöglich, aber vielleicht nur, weil ihm dieser Gedanke unerträglich war. Und doch hätte hiermit das Schweigen, welches sie sich selbst auferlegte, das Geheimnis, in welches fie sich einhüllte, seine einfachste Erklärung gefunden! Erschien es denn aber denkbar, daß der Zartsinn eines Mädchens, die Furcht, vor einer öffentlichen Versammlung ein Herzensverhältnis einzugestehen, so weit ging, daß fie lieber den Verdacht eines furchtbaren Verbrechens auf sich nahm/ als die Beweggründe bloszulegen, welche einer anderen Person den gewaltsamen Tod des Gelehrten hätten wünschenswert machen können? Allram ließ ihm Zeit zu dieser Gedankenreihe. Dann sagte er, als wolle er das Gespräch von der bisherigen' Richtung ablenken: „Das tragische Ende Professor Georgis hat mich mit lebhafter Teilnahme erfüllt. Ich hatte Gelegenheit, seine persönliche Bekanntschaft zu machen, zwar nur vorübergehend, aber in dieser flüchtigen Berührung wurde er mir sehr sympathisch. Es mag fünf Jahre her sein, als er in einer Diebstahlsfache — aus einer Antiquitätensammlung war ihm ein kostbarer Gegenstand entwendet worden — meine Dienste in Anspruch nahm. Ich ermittelte den Dieb und entlastete dadurch eine brave Person, auf welcher fälschlicherweise der Verdacht ruhte." „Sv kennen Sie wohl auch Frau Bruscher?" frug Gerth aufmerksam. „Sie scheint Ihnen nicht aus dem Kopf zu wollen", lächelte der Detektiv. „Wie ich mich zu erinnern glaube, lag sie damals krank in der Klinik. Ich habe sie nie gesehen. Im übrigen werden Sie Mit mir übereinstimmend daß sie die Blutthat an ihrem Herrn nicht vvllführt hat, denn ihre Abwesenheit zu jenem Zeitpunkte, wo dies geschah, ist durch einwandsfreie Zeugen nachgewiesen." „Daran läßt sich nicht rütteln", stimmte der Irrenarzt bei. „Aber ein Mörder ist vorhanden, und an die Schuld Konstanze Herbronns glaube ich- nun und nimmermehr. Im Vertrauen zu Ihnen gesagt: ich glaube auch nicht, daß sie an Epilepsie leidet, und was sie in unzurechnungsfähigem Zustande nicht beging, dazu war sie bei gesundem Sinne nur um so weniger fähig. Für die Erforschung des wirklichen Mörders wird mir kein Preis zu hoch sein, und ich bin in der Lage, ihn zu erlegen. Nennen Sie mir eine Summe, die ich deponieren soll." „Wie ich Ihnen mitteilte, bin ich halb und halb schon versagt", entgegnete der Detektiv. „Doch will ich Sie mit keinem unbedingten Nein fortgehen lassen. Sie werden Von mir hören; ich gebe Ihnen mein Wort darauf." Doktor Gerth schüttelte die ihm treuherzig dargebotene Hand und verabschiedete sich. . . . (Fortsetzung folgt.) Die Poesie der Sommersproffen. Aesthetische SkiM von Paul Pasig. Nachdruck verboten. „Pfui!" höre ich- im Geiste meine liebenswürdigen Leserinnen ausruftn. Sommersprossen und poetisch? So wenig wie Tag und Nacht, sauer und süß, zusammen gehören, so wenig sich schön und häßlich zu einander gesellen, so wenig können jene widerlichen braunen Flecke, die auch! das einnehmendste Antlitz zu entstellen vermögen, etwas mit der Poesie gemeinsam haben! Und doch, halt ein! Zunächst behaupten wir ja nicht, daß jene bekanntlich unter dem Einflüsse der Sonnenstrahlen in der Schleim- schicht der Oberhaut sich, bildenden „Märzen"- oder „Laubflecken" als ein Attribut der Schönheit von der Poesie verherrlicht werden. Diese hat vielmehr einzig die Aufgabe, freudverklärend und leidversöhnend auf des Erden- 343 — Algers Leben einzuwirken, und wenn sie dies vermag, fürwahr, dann hat sie als guter Genius der Menschheit Ares heiligen Amtes vortrefflich gewaltet! Wie, wenn sie nun in letzterem Sinne auch- hier ihre Ausgabe erfüllte? Wenn sie den „dupfeten", „gemerlten" oder „gerieselten" Menschenkindern, wie man sie in Tirol nennt, fctoi armen „Getätzelten", wie sie in Franken und im Elsaß heißen, ein Wort des Trostes spendete über die verpönten Flecken, die als eine immerhin unangenehme Beigabe unserer schönen Jahreszeit empfunden zu werden pflegen? Hauptsache im ganzen Menschenleben bleibt ja doch immer, auch dessen weniger erfreulichen Zugaben eine lichte Seite abzugewinnen und den schlimmen Tag auch für gut zu nehmen. Diese einzig praktische Lebensweisheit lehrt uns auch, in Bezug auf die Sommersprossen die Poesie! Kein Geringerer als der Dichter des „Liebesfrühlings", unser Friedrich Rückert, ist es gewesen, der einer mit Sommersprossen bedachten Schönen folgenden köstlichen Trost spendete: „Du zürnst, in Deinem Spiegel zu entdecken, Daß auch auf Deiner Wange Frühlingsflur Der Sommer schon — wie durst' er sich's erkecken — In leichten Fleckchen zeichnet seine Spur. O, laß den Flor der Nacht den Spiegel decken Und sieh' hinauf zum leuchtenden Azur! Dort sind mehr Stern', als auf der Wange Flecken, Und jeder Stern ist eine Zierde nur!" Ist das nicht geradezu köstlich gesagt? Was die Sterne am nächtlichen Himmelsgewölbe, das sind jene gelbbraunen Flechchen auf einem dunkel leuchtenden Menschenantlitz! Freilich! ist's ja nur ein Dichter, der so etwas behauptet, und Dichtern ist nie recht zu trauen, denn man weiß nie, woran man mit ihnen ist. Das zeigt sich! wieder so recht deutlich ebenfalls bei Rückert. Schon stutzig muß uns folgendes Sonett aus dem „Liebesfrühling" machen: „Im Sommer draußen als durch Busch und Hecken Auf Deinen Fußtritt meiner sich erpichte, Beklagt' ich, Deine Schönheit, daß tzu Nichte Daran ein Teilchen wird durch Sommerflecken. Jetzt, wo Dich die Erinnerungen wecken, Vor meinem Geiste staun' ich, wie im Lichte, Du hastehst mit so reinem Angesichte, Daß ich- kein einz'ges Fleckchen kann entdecken. Was ist das? Ist es wohl der keusche Winter, Der init dem Schneeglanz Deine Flecken sauber Gemacht hat, daß Du strahlst als wie die Lilien?" Das klingt nun freilich schon etwas anders. Die „Sommerflecken" erscheinen hier schon als Zerstörer der Schönheit des Antlitzes — wie wär's, wenn wir demselben Dichter glaubten, der das Geheimnis der rätselhaften „Flecken" mit der Deutung löst: „An der Wange meiner Liebsten steht ein kleiner Fleck Amor hat ihn hingestellet, darum steht er da so keck. Art'gen Schreck um sich verbreitend, Hier im Garten steht der Mohr, Daß er vor Beraubung schirme, Mmvrs zarten Blumenflor - • „Ja", lachen meine schönen Leserinnen, „das läßt sich schon ertragen, ein einziges Fleckchen — das vielleicht nicht einmal zur Gattung der „echten" gehört!" Im Grunde aber verleugnet unser Dichter seine wahre Ansicht nicht: Sommersprossen entstellen ein Mädchenantlitz, wenigstens im Urteile der Betroffenen, und so verrnag er sich zu dem frevelhaften Wunsche zu versteigen: Sproßte doch für jeden Kuß, v Den Dir raubt ein Geckchen, Gleich, der Sünde auf dem Fuß Dir ein Sommerfleckchen! Weil die Mädchen eitel sind f Und die Flechchen hassen, Würdest Du, mein schönes Kind, Fein das Küssen lassen —" wobei wir übrigens dahingestellt sein lassen wollen, ob, wenn jene Strafe in der Thai eingetreten wäre, sich das Heer der sommersprossigen Schönen auch wesentlich ver- .mindert hätte. Selbst unser Altmeister erwähnt die verpönten Flecken, ein Beweis, wie sehr wir im Rechte waren, wenn wir eingangs für dieselben die Poesie in Anspruch nahmen. Und zwar ist es das unübertroffene Meisterwerk Goethes, fein „Faust", das auf die Sommersprossen Bezug nimmt. Im zweiten Teile desselben hören wir eine reizende Blondine sich! an Mephisto mit den Worten wenden: „Ein Wort, mein Herr! Ihr seht ein klar Gesicht, Jedoch so ist's im leid'gen Sommer nicht! Da sprossen hundert bräunlich-rote Flecken, Die zum Verdruß die weiße Haut bedecken." Unser Hexenmeister Mephisto ist natürlich sogleich mit einem jener gepriesenen „unfehlbaren" Hautmittelchen zur Hand: „Schade, so ein leuchtend Schätzchen! Im Mai getuscht, wie Eure Panterkätzchen! Nehtnt Froschlaich, Krötenzungen kohobiert, Im vollsten Mondlicht sorglich destilliert. Und wenn er abnimmt, reinlich aufgestrichen Der Frühling kommt, die Tupfen sind entwichen!" Wie wär's, wenn die verehrte Leserin das Mittel ein- wal probieren möchte? Nützt's nichts, so schadet es auch nichts! würde es ja auch hier heißen. Immerhin versucht man ja gern alles, um eine Unzierde, eine Entstellung des Körpers, zu beseitigen. Und eine solche bilden die Sommersprossen schließlich doch. Wer entsinnt sich nicht jenes Mannes, mit dem uns Fritz Reuter in seiner „Festungstid" bekannt macht? „Ein oller, langer, dröger Mann, sin Gesicht mit Summersprutten berNalt: er sah schön gel un brun ut" — nicht wahr, Verehrteste, der reinste Adonis? Und Abraham a Santa Clara, eigentlich Ulrich Megerle geheißen, Hofprediger in Wien, gestorben 1709, dem man gewiß nicht nachsagen kann, er habe diese Welt der Unvollkommenheit mit Glaceehandschuhen angegriffen, erzählte einst auf der Kanzel von einer Frau, sie habe ein übel gestaltetes und gar ungeschaffenes Gesicht bekommen, ein Fell, ganz braunauerisch, über und über getüpfelt in dem Angesicht — eine gar possierliche Miniaturarbeit, wobei er leider verschweigt, wodurch das beklagenswerte Weib dies Mißgeschick verschuldet habe. Und doch ist dies das erste: man muß die Ursache des Uebels kennen, wenn man an die Heilung desselben denken will. Was meint nun die Dichtung hierüber? Daß es nicht mit rechten Dingen dabei zuging, darüber war man sich ja im allgemeinen klar, und zwar stempelte rstan gern den scheckigen Kuckuck zum Sündenbock. So glaubt man in Niederösterreich heute noch, daß derjenige, der dem rufenden Kuckuck nachspottet, unwiderruflich mit Sommersprossen behaftet wird; daher der Name „Guckitzer", „Guggaschegg'n. In Steiermark wieder herrscht der Glaube, daß jene Kinder „Kuckucksflecke" bekämen, die in den Monaten, in denen der Kuckuck schreit — Mai, Juni, Juli — entwöhnt werden. Der Vogel hat eben im Volksglauben die Macht, seine scheckige Farbe unter gewissen Voraussetzungen aus die Menschen zu übertragen. Erst verhältnismäßig spät dämmerte die Ahnung, daß doch! wohl die Sonne nicht ganz unschuldig an den Sommersprossen sei. Daher die Mahnung, einjährige Kinder, wenn man sie vor „Laubflecken" bewahren wlll, nicht in die Sonne zu tragen, am allerwenigsten zur Zeit der Sonnenwende. Denn nun steht die Sonne im Zenith und entfaltet ihre stärkste Kraft. Erwachsene dagegen sollen sich vor der Märzen- soNne hüten — daher die Bezeichnung „Märzenflecke-". Eigenartig und gewiß nicht ohne Humor wird die Entstehungsursache unserer vielgeschmähten Fleckchen von der Dichterin Therese v. Ardter angegeben; nach ihr verschuldet sie einfach der Neid: „Er schöpfet aus dem Quell Zwei Tropfen, wandelt fie mit Gifte Zu einer gelben Aetzung schnell Und spritzt sie freudig in die Stifte. Er hat sich nicht zu viel vertraut: Wohin ein Tropfen sich! ergossen, Da haftet auf der Schwanenhaut Untilgbar nun ein Sommersprossen!" Untilgbar? höre ich meine Leserinnen ängstlich fragen. Nun, da wir keine medizinische Abhandlung schreiben, bleibt uns nichts weiter übrig, als wiederum den Volksglauben, 344 — bie Dichtung, um Rat zu fragen. Und, Gott fei Dank, diese «ist um „ganz unfehlbar" wirkende Heilmittel nicht verlegen. Freilich sind diese in ihrer Mehrzahl nicht gerade sehr appetitlich; aber was thut's? Hauptsache ist doch, daß sie sicher wirken! So bedienen sich die Schlesier wie die Steier und Oberpfälzer des Froschlaiches; auch bestreicht man sich wohl in Steiermark mit Waldsch-necken. Wer nicht nur Heilmittel aus der Tierwelt kennt der Volksglaube, sondern auch pflanzliche Medikamente. In Südtirol thut's der Saft der „weinenden" Rebe, in Oberbayern wirkt der bräunliche Saft der Welschnuß und ent Aufguß von Blättern des Nachtschattens Wunder, in Norddeutschland muß der ätzende Saft der Wolfsmilch (Euphor- bia) die lästigen „Sunnenplacken" beseitigen. Allen Heilmitteln aber an Wirkung voran steht der Tau und, tote simpel, das frische Wasser! Kinder sollen vor allem mit Morgentau gewaschen werden, und in der Oberpfalz geht der Geplagte noch vor Sonnenaufgang auf die Wiese und wäscht sein Antlitz mit Thau. Matthau, besonders solcher vom 1. des Monats, gilt als hervorragend heilkräftig, und der an den Mehren hängende wirkt unfehlbar; dabei bevorzugen die Schwaben den vom Roggen, die Ober-, Pfälzer den vom Weizen. Aber auch! Wasser im allgemeinen „thut's", namentlich! Märzenschneewasser, mit dem be- feuchtete Läppchen aufgelegt sehr wirksam sind, und Oster- wasser, vor Sonnenaufgang schweigend geschöpft und nach Hause getragen. Oft kommt es darauf an, wie das Wasser geschöpft wird: gegen den Strom oder, wie in Süddeutschland, nimgekehrt! Hier muß man auch darauf achten, daß während des Frühläutens geschöpft wird, während der Norddeutsche den Wind dabei nicht missen mag. In Tirol hält man viel darauf, daß das Waschen, int Mondschein geschieht, und im bayerischen Walde schleichen die braunfleckigen Dirnen beim ersten Glockentone des Karsamstags zum Bache und waschen ihr Antlitz, das nun ganz sicher seine ursprüngliche Schönheit und noch etwas mehr erhalt. Besser freilich ist's, wenn man für Vorbeugungsmittel sorgt. So legt man z. B. in Norwegen das Kind am Tauf- taqe in die Sonne; dann bekommt es niemals Sommersprossen, und auch das Osterwasser besitzt, wie ehedem bjefc Quell Arethusa, eine vorbeugende Kraft ... Was nun, Verehrteste Leserin? An Mitteln, jene „Farbstoffablagerungen" im sog. „Malpighischen Schleimnetz", wie der gelehrte Mediziner die Sommersprossen nennt, zu beseitigen, scheint kein Mangel zu sein. Das Beste an diesen Mitteln ist freilich, daß sie der — Dichtung angehören. Daher möchten wir allen Geplagten raten, auch in der Dichtung den besten Trost zu suchen, die uns lehrt, daß „Gar bald der keusche Winter Mit dem Schneeglanz unsere Flecken sauber Macht, aus daß wir strahlen wie die Lilien!" Ziergarten und Mirrnenpflege. In st andhaltungd es Blumengartens. Man darf die Blumen nicht wachsen lassen wie sie wollen, man mutz vielmehr für eine gute Formgebung sorgen. Hierzu gehört vor allem das Auf- und Anbinden hoher, stengel- refthier Gewächse, sowie das Niederhaken stark verästelter niedriger Pflanzen. Vom Wind beschädigte, ab geknickte Pflanzenstengel sind zu entfernen, ebenso gelbe Blätter. Etwa entstandene Lücken sind zu ergänzen. Der Boden ist aufzulockern, von Unkraut rein zu halten und bei großer Hitze mit verrottetem Dunge zu belegen. Sollten bei Sträuch!ern in der Belaubung Lücken entstehen, so fülle man sie mit herbeigezogenen Zweigen aus. Auf entern1 Reservebeet ziehe man Reservepflanzen heran, um solche an Stelle von ausgegangenen zu pflanzen, Staudenpflanzen, überhaupt alle mit Wurzelstöcken versehenen Pflanzen, sind alle 3 bis 4 Jahre in frisches, kräftiges Erdreich an andere Stellen zu versetzen. Zwiebelgewächse sind nach dem Abwelken des Krautes aus der Erde zu nehmen, den Sommer über trocken aufzubewahren und im Herbste wieder, wenigstens die gegen den Frost unempfindlicheren, die anderen erst int Frühjahre in leichte, lockere Erde, je nach! Größe und Stärke 5—10 Zentimeter tief zu pflanzen. Der Sommerschnitt der Rosen. Bald nach dem Austreiben im Frühjahr sind die einzelnen Stöcke einer Revision zu unterwerfen. Alle schwächlichen Zweige, von denen keine Blumen zu erwarten sind, werden ausgebrochen, ebenso zu dicht gestellte und der größte Teil der nach! innen wachsenden Triebe. Das Ausbrechen der Triebe ist jedoch nur so lange anwendbar, als diese Triebe noch ganz weich! und erst im Austreiben begriffen sind, andern- salls muß man zu ihrer Entfernung das Messer anwenden. Verblühte Blumen schneidet man ab, indem mvn dabei auf das oberste gut entwickelte Auge unterhalb des Blütenstengels zurückgeht; aus den oberen Augen werden sich dann bald neue Blütentriebe entwickeln. Nach Anfang August schneidet man nichts mehr an den Rosen, da von diesem Zeitpunkte an alles zu vermeiden ist, was den Trieb anreizen und die Holzreife,.behindern könnte. Vorher muß man allerdings noch einmal, und zwar zum letztenmal Umschau halten, ob nicht noch irgendwo entbehrliche Triebe sitzen, welche zu entfernen sind. Große rote, weiße oder gelbe Blumen leuchten jetzt durch die Fenster: Die farbenprächtigen Phyllokaktem (Blattkaktus) vergelten wiederum alle Pflege und Aufmerksamkeit, die (ihnen zuteil wurden, mit einer Fülle herrlichster Blüten. Daß die Kultur dieser dankbaren Zimmex- pflanze keine großen Schwierigkeiten bereitet, ist den meisten Blumenfreunden ja bekannt, sie wissen, daß die Pflanze viel Licht verlangt, daß sie vor und während der Blütezeit ruhig an einem Platze stehen bleiben muß und daß das Gießen mit einiger Ueberlegung zu geschehen hat. Den jungen KakteensreNnden aber, die vielleicht jetzt enttäuscht vor ihrem vorher viel versprechenden Phyllokaktus stehen, weil die anfänglichen Blütejnknospen sich! zu Blättern umgebildet haben oder ganz abgefallen sind, allen Anfängern in der Pflege dieser interessanten, borstigen Gewächse ruft der „Praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau" in seiner neuesten Nummer zu: „Erst wenn die Knospen so groß geworden sind, daß sich an ihnen Kopf und Hals unterscheiden läßt, darfst Du an dem Tage gießen, an welchem die Pflanze trocken zu fern scheint. Und auch dann sei mit der Menge des gespendeten Wassers noch recht sparsam!" Wer an seinen Blattkakteen Knospen bemerkt und in der Pflege und Behandlung seiner Lieblinge nicht ganz sicher ist, bestelle sich! beim Geschaftsamte in Frankfurt a. O. 'Me betreffende interessante Nummer des Ratgebers, sie wird umsonst und portofrei zugestellt. Skatavfgabe. Nachdruck verboten. (Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.) Vorhand tourniert im Besitz folgender Karten und findet zuerst Rot-Ober (Coeur-Dame), sodann die Rot(Coeurl-Zehn, worauf sie Eichel-Ober (Treff-Dame) und Schellen-Ober (Carreau-Dame) in den Skat legt. Mittelhand hat in ihren Karten 2 Augen weniger als Hinterhand. Das Spiel geht verloren. Wie war die Kartm- verteilung und der Gang des Spieles? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer. Wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen. Rebafties: ®. Burkhardt. — Druck und Strlag btt Brühl'scheu Universitätt-Buch- mb Steindrucke! ei (Pietsch Erb tu) in «itßtu.