1900. MW!» ijFgpHy m J n iM !M>! MM 1° lange fest zusammengepreßten Lippen und sagte — Swar mit etwas heiserer Stimme, doch in seinem alten, I^.lastrsch überlegenen Ton: „Es ist eine überflüssige Muhe^ dre Sie da dresen guten Leuten machen. Aber da ich trt ^hrer Gewalt bin, mögen Sie meinetweaen thun, was Sre verantworten können". $ Sandory leerte ein zweites Glas und begann dann rn der That rn etwas gelangweiltem und lässigem Ton von einer ^agdpartie zu erzählen, die allerdings nicht ganz so harmlos verlausen war, da das Wild, eine riesige Barrn,^ dre für sich und ihr Junges kämpfe, nicht nur mehrere Hunde, sondern auch einen der Treiber jämmerlich zerflerscht hatte. Eben war er in seiner spannenden Schilderung bis zu dem bedeutsamen Moment gelangt §o .dre Barm, nachdem er aus seinem Doppelläufer einen Sehlschuß gethan, hoch aufgerichtet und fürchterlich Wurmend auf ihn zugekommen war - £tulls Eschenbach schien vor angstvoller Erwartung der Atem enn dich die Lästerzunge sticht, So laß dir dies zum Tröste sagen: Die schlecht'sten Früchte sind es nicht, Daran die Wespen nagen. Bürger. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis Roman von Reinhold Ortmann. Schluß. I . ^cherllmch reichte ihm das zusammengerollte Papier, und wahrend Sandory es vor sich entfaltete, trat er an seine lmke Seite sich halb über die linke Schulter des Sitzenden neigend, tote wenn er ihm die nötigen Erläuterungen geben wollte. 9 | , "®e^.eP ^e. bas ist das Erdgeschoß! Darin be- fmden sich drei Zimmer und die Küche: Der kleine Raum hier zur Rechten", — er legte dabei seinen Arm u- Smiwmys Oberkörper, den Zeigefinger auf eine be- nur TA Zeichnung setzend - „es ist eigentlich nur em Mauseloch, em richtiges Mauseloch. — — Im 9mme« des Königs, Sie sind mein Gefangener!" Zugleich wurden die an den Körper gepreßten Arme Sandorys jestgehalten. Dieser hagere, scheinbar so ge- brechliche Mann verfügte plötzlich- über eine erstaunliche Kraft. Mit ernem heiseren Aufschrei der Wut furfitp fiA ber ^überlistete der lähmenden Umarmung zu entwinden aber noch m derselben Minute hatten vier andere Fäuste wm ,viULtCn t)ec )en'e Handgelenke gepackt — die Thür M -°-K tMtI/^hen, daß hier jeder Versuch eines Wider- hifirSp" vergeblich- fern und Ihre Lage nur verschlechtern — Herrn 'Franz I ‘Ä' ^te der angebliche Eschenbach in ganz ver- UUL uugjwuuec i-rrwartung der Atem £”bstrengem Ton. „Ich bin der Polizei- zu stocken — als irgendwo in- der Nähe ein klägliches, I Drlrn und verhafte Sie unter dem lang gezogenes Miau vernehmlich wurde. Sandory unter- Ä-/^2rbe§' begangen an dem feitler Erzählung, um laut aufzulachen, 'erfenn^0\rfnf ! §err Michailow, und auch der andere stimmte in seine Heiterkeit ein. F? ^lso rn diesem Menschen mit voller Be- „Sie sehen, meine Geschichte ist so grausig daß sie I L /r.1 rClt ben vorgeblichen Baron Hainau, den Sie selbst einer Katze zu Herzen geht. Machen wir sie also der Gesellschaft des Fürsten gesehen?" kurz. Meine zweite Kugel traf die Bestie glücklich in das den 111 französischer Sprache an linke Auge, und mit einem Gebrüll, das ich, wohl mein Lw Lrrrchtet, dessen Sandory Leben lang nicht vergessen werde, wälzte sie sich, in den P Augenblick ansichtig wurde. Und in verletzten Zuckungen auf dem Schnee." I I"b der Gefragte mit erhobener Stimme Er schien keine Lust zu weiteren Erzählungen zu haben, kann ich"bekräiUaeuSak ben Eiligsten Eiden und Herr Eschenbach, bemühte sich- daruch, die Unterhaltung at mrnB SÄ. . . °Uf em anderes Thema zu bringen. sl nnh/m SÄ«’ Ä ^gen von dem ernen „Ich glaube wohl, daß ich mich nun bald endgiltig leichenblaß geworden und §etfn .^sicht war für «ne der Villen entscheiden werde, die mir hier zum es ein wkni? Sonst aber Stet K?us angeboten worden sind", meinte er. „Aber ich werde ungewöhnlick?er Erreauna tw seioem 0011 letber zu ement kleinen Umbau genötigt sein, da ich vor sich auf einen Wink TeÄoIiJeii nfT ullem ernen geeigneten Raum für meine Sammlungen I schellen' anzuleqen öffnete er mm erftÄS« brauche. Ich habe den Grundriß hier in der Tasche. । L' MUlegen, osfnete er zum erstenmale wteder die Sehen Sie — aber ich langweile Sie damit doch nicht etwa, Herr Sandory?" r . "Keineswegs! Geben Sie das Ding nur her! Vielleicht kann ich, Ihnen raten. Um was handelt sich's denn also, Sie unbeholfenstes aller Menschenkinder?" 722 Der Regulator. Skizze von IoachimVoß, B-umren. 33 Nachdruck verboten. Norderney weilte, allerlei praktische Winke und Ratschläge Ich für meine Person träumte mit offenen Augen und erfreute mich des erfrischenden weichen Wmdes, der von der See her mir ins Gesicht blies. Plötzlich! mußte ich aufschauen. Em alter. ^welß- haariger Herr im tadellosen schwarzen Gehrock schritt drcht vor unserem Platze über den Strand dahm. Gang und Haltung des stattlichen alten Herrn kamen mir bekannt vor, und ich! rief unwillkürlich halblaut. r>nM Gottfried!" — Der Herr wandte sich. um. — Richtig, er war es, unser lieber guter Onkel, Herr Rentier Gottfried Sasse aus L., den wir seit Jahr und Tag nicht mehr ge- Sie werden den Gefangenen zur Vermeidung unnötigen Aussehens nicht durch das Gastzimmer und über die Straße, sondern hier über den Hof nach dem Polizeigesängnis führen", befahl der Po^Mrat /,Es grebt da eine kleine Verbindungsthur m der Mauer . Rudolf Sandory lächelte spöttisch - .. . Darum also wählten Sie für unsere heutige Abendunterhaltung diese überaus gemütliche Wemstube, die so hübsch nahe beim Polizeiamt gelegen ist! Es wird Ihnen am Ende nicht mehr viel an meiner Anerkennung gelegen sein, aber wenn einer von uns berechtigten An- sL-irrh mit den Titel eines Halunken erheben darf, so ^ind Sie es, mein hochverehrter Herr Polizeirat Tauscher Dann ließ er sWuhig abführen ausrech und elastisch dahinschreitend wie an dem Tage da rn >mnem firmmen Wettermantel vor Herrn <^akob Schwansiugei^ • S »»« eSiro" aus dem H-t-I-mmbus g-p-g«» Auch »"wollt- sich erfrischen und lrastigeu in diesem vormalichen Seebade. Nachdem der Freude des Wieder- Mus aufs lebhafteste Ausdruck gegeben worden war, wurde beschlossen, die Stunden am Strande fortan gemeinschaftlich zu verbringen und thunlichstauch rm^ Kur^ garten zu dey Nachmittagskonzerten der 40 Mann starten A zu Effea- Au, di° sch-u°» S-uhwnz°rw im Vorgarten des Konversationshauses, die als Wandet konzertesich großer Beliebtheit erfreuen, verzichtete der Onkel, da er des Morgens gern etwas lange zu schlafen pflegt, was bei seinem Alter, — er rst schon <6 ^ahre alt, — wohl erklärlich und verzeihliche ist. Schon am folgenden Tage wurde auch für Onkel Gott- friebetn Strandkorb beschafft. Ich schob denselben. r«l)t° winklicb. an unfern Korb heran, und wir hielten hier m der Folge die gemütlichsten Plauderstündchen, zu denen das abwechselnd laute oder sanfte Rau chen der Wellen s.4p Mniik lieferte, und 6et denen oft neu erworvene Freunde und Bekannte uns Gesellschaft leisteten. Eines Tags kam die Rede auf das neue bürgerliche Gesetzbuch. —' Wir freuten uns dieses wichtigen Fort- I schrittes in 'der Rechtspflege, und Onkel Gottfried, er aern in Juqenderinnerungen sich erging, erzählte von der wunderlichen Handhabung des Rechts. wie ft-- vor fünfzig Jahren in seinem heimatlichen Fürstentum üblich war, und wie ihm dieselbe einmal einen recht ärgerlichen aVS't.ieOttteine Geschichte mit seinen eigenen -V8VZL- °°n -cht Jahren war. wohnte» meine Eltern in dem Ostseebade Travemünde. 1 schloß Freundschaft mit einem würdigen graubartigen Uhrmacher Namens Wahnschaff, der in unserer Straße, der I Norderreihe", neben uns wohnte. Er war tn seiner I '^uaend genötigt worden, dies Handwerk zu ergreifen, I nachdem er schon zwei Semester studiert hatte, da er plötzliche Tod seines Vaters ihm die Fortsetzung semes Studiums unmöglich gemacht hatte. . hinf.r I Er hatte nicht geheiratet und erfreute sich als jovialer I Herr eines großen Freundeskreises, in welchem er nur I mit dem Namen Brüderchen angeredet wurde. I -ich, war viel bei ihm in seinem Laden, der auch seme I Werkstube bildete und erfreute mich an seinen heiteren I Reden und ebensosehr an den vielen verschiedenen Uhren, die an den Wänden aufgehängt waren. . I Die größte Bewunderung erregte Bet mir em ziemlich , großer ReSator, über dessen Zifferblatt das Konterfu ; | einer schönen Dame in rotem Reifrock, angebracht war, | w» teöen Stundenschlag mit em em Knrx begleitete. I Die Zeit verging. — Mein Vater wurde ms Bmnen- I sand versetzt, und ich vergaß über den vielen neuen Em- I drücken und den strengeren Anforderungen der Schule bald meinen alten Freund Wahnschaff samt semem ab- lang^um^n nSe«“^ StodS -Ä.Ä9eiÄ: n l,pwundert hatte, war bei den außergewöhnlichen Nebenumständen des F-ll-s pa nicht von vornherein m ihrer Absicht gelegen y , I würde Dora Norrenberg sich jetzt genotig gefehen haben einen Ort zu verlassen, an dem sie durch ihre vnen- fimbiaen Beziehungen zu dem Verbrecher em Gegenstand I -llg°L°e Wtf« und »«««XEÄS mnrhen war Niemand außer dem alten Proluriilen iyrev verstorbenen Vaters wußte, wohin sie sich begeben Halle und allgemach, wurde dann auch ihr Name tote ihre «eftr Ruthardt aber blieb die Schmach, seinen Sohn vor der Oeffentlichkeit blosgestellt zu sehen, I bet Dir. Zwinge mich., Dich Zu achten^ und ich; das Geschehene gern vergessen". — . . I Nureinmal noch sprach bS SSZWKt hatte Gelegenheit gefunden,. wahEdM 6 h Waaentbür zu offnen und hmauszufprmgen. 7- Ä Z Vergeltung blieb dennoch, nicht aus. -vib batte letzten Sommer das herrliche Jnselbad N°-L»"Ä» sMß'MW-ßW llnw hatte in lebhafte Unterhaltung vertieft und erhielt von dieser liebenswürdigen Dame, die schon langer f so" d GrstnachchchtzehüJ ahr en führte mich der Znfallwieder nach^ravemunda bem ■ßefantlten Uhrmacherladen vorüberkaim bemerkte ich vor demselben ein^großes Ge- dränge und sth erfuhr auf meine Nachfrage, daß mein atterVeunb Wahnschaff kürzlich gestorben sei und heut sein Nachlaß verauktioniert werde. Ich ging in den Laden hinem, und das erste, wa^ mir lort9 in die Augen fiel, war der Regulator nut der knixenden Dame im roten Reifrock. 723 Es hatte sich also in; all den Jahren kein Käufer für diese Seltenheit gefunden, und ich erstand dieselbe aus der Versteigerung sür 7,50 Mark lübeckisch Courant, also drei preußische Thaler. Ich war froh, mein altes Lieblingsstück so billig er- tvorßen zu haben und damit ein schönes Andenken an den freundlichen' alten Herrn zu besitzen, und es erhielt nach meiner Heimreise den schönsten Platz in meiner Wohnung. Als ich nach Verlauf von mehreren Wochen eines Wends in der Dämmerung heim komme, begegne ich auf der Treppe einem Manne, der einen Regulator unterm Arm trägt. Erst als der Mann längst an mir vorüber ist, dämmert es bei mir, daß ich über dem Zifferblatt einen roten Schein bemerkt habe, und daß es wohl gar mein eigener schöner Regulator sein dürfte, der an mir vorüber getragen wurde. Ich renne sofort die Treppe wieder hinunter und hinter dem verdächtigen Menschen her, den ich an der nächsten Querstraße einhole. — Als ich ihn anrufe, läßt er vor Schreck den Regulator fallen und will das Weite suchen. Ich erwische ihn jedoch noch eben beim Rockzipfel. Nun bittet er flehentliche ihn nicht unglückliche zu machen, redet von kranker Frau re., und ich bin schon im Begriff, ihn kaufen zu lassen, da nähert sich ein Schutzmann, der durch- die Menschenansammlung aufmerksam geworden ist. — Dieser will von Mitleid nichts wissen, sobald er den Sachverhalt erfahren hat. — Nachdem er meinen Namen und meine Wohnung notiert, nimmt er den Spitzbuben mit zur Polizeiwache. Ich hebe nunmehr meinen Regulator vom Boden auf, der durch den Fall natürlich argen Schaden erlitten. — Ich bin genötigt, ihn gleich einem Uhrmacher zur Reparatur zu überliefern, der mir für diese Arbeit sechs Thaler berechnete. Etwa nach drei Wochen erhielt ich vom Gericht die schriftliche Mitteilung, daß der Verhaftete den Diebstahl eingestanden, und daß nunmehr zur Feststellung des 'Strafmaßes der Wert des gestohlenen Objektes festzustellen sei, und ich. den Regulator zwecks Taxation dem Gerichte einzuliefern hätte. — Ich that, was von mir verlangt wurde, wenn auch ungern. Wieder erhielt ich vom Gericht vierzehn Tage später eine Zuschrift des Inhalts, der Dieb sei nunmehr zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, und ich möge den Regulator gegen Erlegung der Gebühren und entstandenen Kosten im Gesamtbeträge von dreizehn Thalern beim Gerichte abholen lassen. Das ging mir denn doch gegen die Haare! — Ich schrieb sofort zurück, daß ich die Zahlung der Kosten und Gebühren verweigere, weil ich die Bestrafung des Diebes weder gewünscht noch beantragt habe, und daß ich überhaupt in einem solchen Falle, wo es sich um einen im Interesse des Staates ausgeführten Gerichtsakt in der Rechtspflege handle, eine Zahlungsverpflichtung für mich überhaupt nicht anerkennen könne. Jedoch schon nach zwei Tagen erhielt ich! den Bescheid, es müsse bei der ersten Verfügung sein Bewenden haben. Gründe waren nicht angegeben, nur war noch bemerkt, wenn innerhalb drei Wochen der Kostenbetrag von dreizehn Thalern nicht erlegt sei, werde der Regulator gerichtsseitig verkauft werden, und falls der Erlös zur Kostendeckung nicht ausreiche, werde der Rest auf dem Zwangswege von mir eingezogen. Ich wurde fuchswild bei der Lektüre dieses Schriftstückes, —■ aber was war zu machen? — Meinen schönen Regulator wollte ich doch! nicht im Stichle lassen! — So mußte ich denn das Geld einsenden, konnte aber in meinem Aerger in dem Begleitschreiben mir die spitze Bemerkung nicht versagen: es thue mir leib, daß ich dem ersten Spitzbuben nicht den Regulator überlassen hätte! „Bist Du des Teufels?" rief mein Freund, der Advokat D., als ich ihm des Wends diese Vorgänge berichtete. „Wie konntest Du Dich zu solcher ungehörigen Aeußerung versteigen?! — Da hast Du Dir eine nette Suppe eingebrockt:, die auszuessen Dir noch schönen Aerger bereiten wird!" Er sollte Recht behalten: Es wurde mir wegen Beleidigung der Herren.Richter der Prozeß gemacht, ich wurde gar zu Gefängnisstrafe verurteilt, die aber später im Gnadenwege in eine Geldstrafe von fünfzig Thalern umgewandelt wurde. Die Gerichtskosten betrugen diesmal 22 Thaler, die ich natürlich auch zu bezahlen hatte. Meinen Regulator mit der roten Dame erhielt ich! nun wieder, aber er war nachgerade, — nicht zum wenigsten durch das famose Gerichtsverfahren, ein recht teures Andenken geworden; denn die Kosten, die er mir nun schon verursacht hatte, beliefen sich auf 3 und 6 und 13 und 50 und 22 gleich 94 Thaler! Und ich hatte ihn doch so wohlfeil erstanden! Verstauchungen. Von Otto Friling. Nachdruck verboten. Mit dem Namen „Verstauchung", einem häufig auftretenden Uebel, bezeichnet man eine eigene Art der Verletzung eines Gelenkes^ Dieselbe wird hervorgerufen durch gewaltsame äußere Einwirkung, wie Stoß, Fall, Umknicken des Fußes usw., und beruht auf einer Zerrung — W starker Dehnung — des Gelenkes mit teilweiser Zerreißung der Gelenkbänder und dadurch erfolgendem Blutaustritt in das Gelenk und die anliegenden Gewebe. Die Verletzung kann für den Augenblick sehr schmerzhaft sein; diese Empfindung wird noch erhöht bei dem Versuchs, das verletzte Glied irgendwie zu bewegen. Von einer Verrenkung ist die Verstauchung dadurch unterschieden, daß bei der ersteren die Knochen völlig aus ihrer normalen Lage kommen, während die Gelenke bei der letztern durch die natürliche Zusammenziehung der Gelenkbänder und Muskeln von selbst wieder in die richtige Lage gebracht werden. Das verstauchte Gelenk weist demnach keine wesentliche Formveränderung auf, wie dies bei einer Verrenkung der Fall ist, schwillt aber infolge der Blutanfüllung der anliegenden Gewebe sehr bald an und zeigt in schwereren Fällen eine tiefblaue Färbung der umgebenden Stellen. Die Berstauchnng kommt besonders häufig am Fuße vor — man bezeichnet dies auch als Uebertreten oder Umknicken des Fußes, — und zwar trägt daran in den meisten Fällen fehlerhaftes Schuhwerk, besonders zu hohe Absätze, die Schuld. Der Nachteil der letztern besteht darin, daß die zarten Gelenke des Fußes durch die einseitige Belastung des Fußballens vor der Zeit abgenützt werden, so daß sie ihre Aufgabe, die Last des menschlichen Körpers zu tragen, nicht mehr erfüllen können. Verstauchungen sollten niemals als unbedenklich angesehen und deshalb vernachlässigt werden, da ihre gänzliche Ausheilung im Falle der Nichtbeachtung fast stets sehr langwierig, obwohl nicht lebensgefährlich ist. Das erste bei Behandlung einer Verstauchung ist: völlige Schonung des erkrankten Gelenkes. Bei Verstauchung des Fußgelenkes müßte der Kranke demnach sich sofort niederlegen, wenn ihm an schneller Beseitigung seines Leidens gelegen ist. Dem Uebel selbst begegnet man am besten durch Ueberschläge von Wasser und Essig. Der Essig hat ja bekanntlich vorzüglich zusammenziehende Wirkung. Somit werden Einwicklungen dieser Art die Blutstauung am ehesten auflösen und ausleiten. Wasser und Essig müssen aber, wie sich dies von selbst versteht, kalt sein, da sie sonst die Hitze nur noch vermehren und die Entzündung befördern würden. — Auch. Lehm erweist sich hier! als vorzügliches Mittel. Mein da der Lehm nur anzieht, nicht aber zugleich von auflösender Wirkung ist, müßte man weiter noch zu einem Mittel greifen, das nicht blos die Hitze nimmt und aufsaugt, sondern auch, auflöst. Außer den Lehmauflagen sind deshalb auch Heublumenüberschläge (jedoch nur in der Dauer von einer halben bis höchstens einer Stunde) angezeigt, oder Lehmauflagen im Wechsel mit Wasser- und Essigüberschlägen. Am meisten ist hier, wie überhaupt bei Quetschungen, Fall und Stoß und bei Verrenkungen Sorge zu tragen, daß der Wickel nicht zu heiß ist Die 724 Wirkung der Heublumen- und Essigwasser-Umschläge ist in diesem Falle die gleiche. — Heublumen selbst dürfen bei einer Entzündung niemals aufgelegt werden. Man gebrauche also etwa den einen Tag Heublumen- wickel, den andern Tag Lehmwickel; dazwischen hier und da eine Einreibung von Kampheröl oder Kampherspiritus. — So wird fortgemacht, bis die Gelenke wieder ihre volle Biegsamkeit erlangt haben. Ist das Glied jedoch schon recht steif geworden, so greife man zu dem alten Hausmittel des Einreibens mit Schweinefett. Zuweilen kann die Entzündung so stark auftreten, daß dadurch der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen wird. In diesem Falle sind Ganzwaschungen angezeigt. Zur Dämpfung der Hitze und der Entzündung würde auch das Topfenkäsepflaster wegen seiner kühlenden Wirkung gute Dienste leisten. Dagegen ist die Anwendung von Eis, wie sie bei derartigen Verletzungen noch oftmals in der Uebung, durchaus zu verwerfen, da das Eis auf unsere Natur viel zu schroff einwirkt. Das Eis zieht gar nicht aus, sondern bewirkt nur eine große Kälte, deshalb bleibt der ungesunde Stofs stets drinnen; höchstens wird er nach einer andern Stelle getrieben. Bei ununterbrochenem Gebrauch der oben erwähnten Wicklungen werden auch schwere Fälle von Verstauchungen (in leichteren Fällen können selbst einfache Gießungen des betreffenden Gliedes ausreichend sein) zur sicheren Heilung gelangen, und sei noch bemerkt, daß selbst gebrochene Füße — wenn auch langsam — bei dieser Behandlung durchaus gut verheilt sind. Bei Verrenkungen sind durchwegs die gleichen Anwendungen, wie oben angezeigt; doch hat zuvor durch eine sachverständige Hand die Einrichtung' des betreffenden Gelenks stattzufinden. (Kn. Bl.) Aus der Pflanzenwelt. Neber die Verbreitung der Aepfel- und Birnen-Arten auf der Erde hat Folgner eine interessante Untersuchung angestellt. In ihrer Mehrzahl sind diese Obstbäume in wildem Zustande Bewohner von Gebirgshängen oder von hügeligem Gelände, viele ihrer Gattungen sind ganz auf die Gebirge beschränkt, und es gießt keine einzige unter ihnen, die wildwachsend nur in der Ebene vorkäme. Mit wenigen Ausnahmen sind die Aepfel und Birnbäume Einwohner der nördlichen Halbkugel, nur zwei Arten greifen auf die südliche Halbkugel hinüber, und eine einzige Gattung (Hesperomeles) fontmt nur auf der südlichen Halbkugel vor, und zwar gerade die gewöhnlichsten und artenreichsten, wie unser gemeiner Apfelbaum (Malus), sind auf beiden Seiten-Halbkugeln, der östlichen wie der westlichen, heimisch, über die Hälfte der Gattungen sind auf die alte Welt beschränkt, nur drei von ihnen sind ausschließlich, Kinder der Neuen Welt. Das Festland von Australien und Afrika hat keinen einzigen einheimischen Apfelbaum, Afrika besitzt nur an der Mittelmeerküste einige Arten, von denen eine diesem Platz allein eigentümliche ist. Auch die Insel Madeira hat übrigens einen Apfelbaum, der nur auf ihr vorkommt. Auf der australischen Inselwelt ist ein Apfelbaum vorhanden, der bis nach Japan verbreitet ist. Europa hat keine einzige Gattung dieser Obstbäume, die ausschließlich in seinem Gebiete vorkäme, unser Erdteil teilt vielmehr den Besitz aller seiner Aepfel- und Birngeschlechter mit Asien und dem mittelländischen Afrika. Asien dagegen besitzt fünf Gattungen des Apfelbaums, die in Europa nicht Vorkommen. GeIMeZMNNtzigOS» Extrakt zu Zitronenpunsch, Einhalb Kilogramm Zucker wird geläutert und etwas abgekühlt; noch warm kommt der Saft von 4 Zitronen unh 1 Flasche Arrak hinzu. Diesen Extrakt füllt man in Flaschen. Beim Gebrauchs gießt man das Punschglas ein Viertel bis ein Drittel voll Extrakt und dann das kochende Wasser hinzu. Hübsch verzierte Flaschen mit Extrakt eignen sich zu allzeit willkommenen Geschenken. VermMehteS. Die Puppe spielt zur Weihnachtszeit für die gesamte Kinderwelt weiblichen Geschlechts eine große Rolle. Dem trägt die Liebig's Fleisch-Extrakt-Kompagnie Rechnung, indem sie die zum diesjährigen Weihnachtsfeste erscheinende Serie ihrer sogenannten Liebig-Bilder dem Thema der Entstehung der Puppe gewidmet hat. In bunter Darstellung wird vorgeführt, wie die Puppe nach und nach Form und Wesen erhält, wie die Herstellung der Kugelgelenke, das Stopfen, das Frisieren, das Bemalen, das Ankleiden vor sich geht, mit welcher strahlenden Freude die kleinen Mädchen unter dem Weihnachtsbaum das neue Spielzeug empfangen und wie es dann bald nachher vom „Puppendoktor" wieder zusammengeflickt werden muß. Manche Mama wird auch der Rückseite der Bildchen Beachtung schenken, namentlich den zuverlässigen Kochrezepten, die für die Vielseitigkeit der Anwendung von Liebig's Fleisch-Extrakt wiederum praktische Belege erbringen. ____________ Literarisches. Seidel, Heinrich, Leberecht Hühnchen. Eleg. geb. Mk. 5.—. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachf. G. m. b. H., Stuttgart. Dieses Kleinod unter Heinrich Seidels erzählenden Schriften ist in gediegener Fassung gerade noch rechtzeitig vor dem Feste erschienen, um überall da als hochwillkommene Weihnachtsgabe begrüßt zu werden, wo bei natürlichem Frohsinn Genügsamkeit und stille Beschaulichkeit ihre Heimstätte aufgeschlagen haben. Wenn die Weihnachtszeit heranrückt, denkt jeder darüber nach, wie er den ihm Nahestehenden eine Freude bereiten könne. So hat es, sich auch die ,,Weite SBelt'' angelegen sein lassen, ihre Leser durch einen möglichst glänzenden, litterarisch und künstlerich hochstehenden Inhalt ihrer Weihnachtsnummer in rechte Festtagsstimmung zu versetzen. Von den schönen Gaben der Nummer erwähnen wir vor allem die stimmungsvolle, tief empfundene Dichtung „Arme Seele" von Ernst von Wildenbruch, sowie den Beitrag der gefeierten Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach: „Das Blockhaus", zwei längere dichterische Arbeiten von größtem Reiz. Ihnen schließen fich an Dichtungen von Anna Ritter, Lou Andreas Salome, Otto Julius Bierbaum, Ludwig Fulda und Johannes Trojan, ferner eine hübsche, lebendige Novelle des Freiherrn von Ompteda, eine lustige Humoreske des Wieners Ed. Pötzl und die feinsinnige Kompsiotion eines Weihnachtsliedes von Arnold Mendelssohn. Der sorgfältigen Textauswahl stehen die Illustrationen, farbige Wiedergaben von Bildern einiger unserer hervorragendsten Meister, ebenbürtig zur Seite; von Böcklin find die Gemälde „Herbstgcdanken" und der „Einsiedler" — ersteres farbig — wiedergegebcn, Hans Thoma ist mit einigen Originallithographien, der jüngst verstorbene Leibl mit seinem Gemälde „Birkhahnjäger im Herbst" vertreten, Menzel und Paul Meyerheim haben farbenprächtige Aquarelle beigesteuert. Das in einem hübschen Weihnachtsumschag zur Ausgabe gelangte Heft ist zu dem ungemein billigen Preise von 25 Pfg. (Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin) durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Scherzrätsel. Nachdruck verboten. In feine Zirkel bring' ich Glanz Durch Witz, Tournüre, Eleganz. Nimmt man mir Kopf und Fuß auch, doch Hab Kops und Fuß ich immer noch; Ich bin bekannt der ganzen Welt, Dem Büblein wird von mir erzählt. Was ich zum Anschau'n auch erkor, Nie sah's ein Menschenaug' zuvor. Man macht zum Vorwurf mir nur dies, Daß ich mich leicht bethörcn ließ. Nimm wieder Kopf und Fuß, fürwahr! Da bin und bleib ich immerdar. Mit mir würd' — bin ich auch nur klein — Ein Marschall ein Prophete sein. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenversteckrätsels in voriger Nummer: Hunger ist der beste Koch. Briefkasten. Y 100. Eine „Erbtante" haben die Familienblätter im laufenden Jahrgange nicht zu verzeichnen. D. R. Redaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Umverfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.