Nachdruck verbalen. Heimatlos. Roman von R. P. Roe. (Fortsetzung.) XIII. Bella und Mildred. So begann ihr Leben in dem alten Hause. Bella und ich dürfen nicht länger müßig fein, sagte Mildred entschlossen am folgenden Tag. Ich werde einen Versuch machen, die Arbeiten zu verkaufen, die ich auf dem Lande angefertigt habe, und neue Bestellungen zu erlangen. Meine große Hoffnung ist, zu Hause arbeiten zu können, ich wünschte, ich könnte eine Lehrerin sein, aber wie alle anderen, weiß ich ein bißchen von allem und vo,r keinem viel. Tief verschleiert, um nicht erkannt zu werden, begab sie sich nach den großen Läden in dem reicheren Teil der Stadt, aber man bot ihr so wenig, daß sie ganz mutlos wurde und endlich ihre Arbeiten in einem Laden ließ, dessen Eigentümerin sie in Kommission znm Berkans nehmen wollte. „ r Aber Sie dürfen nicht auf raschelt Verkauf rechueu, sagte die Dame. Die Herrschaften sind jetzt meistens verreist, Ihre Arbeit ist hübsch und wird sich vielleicht später verkaufen, glaube ich. Bitte, thuu Sie Ihr Bestes zu meinen Gunsten bat Mildred, und sagen Sie mir, was Sie für verkäuflich halten, ich werde gern mehr solche Sachen anfertigen. Nachdem sie einige Andeutungen erhalten hatte, kaufte sie noch mehr Material ein und setzte sich dann zu Hause an die Arbeit, in der Hoffnung, nach der Reisezeit ihre Arbeiten reichlich bezahlt zu erhalten. Sie schreckte nicht vor der Arbeit zurück, aber aus falschem Stolz fürchtete Sie sich, mit Bekannten aus früherer Zeit zusammenzutreffen. Sie hoffte, daß das Schicksal sich wenden, daß ihr Vater bald eine gute Stellung erlangen werde. Diese Erwartung wäre nicht hoffnungslos gewesen, wenn Howell imstande gewesen wäre, einige Jahre lang zu arbeiten. Das Morphium aber hat die Eigenschaft, die Thatkraft zu lähmen unb alle Anstrengnngen nnsccher zu machen. Er hätte täglich Dutzende von Briefen schreiben und jeden Auftrag mit der größten Sorgfalt ausfnhren Donnerstag den 18 Zanuar w MU ! Ist! Ib-IM MW e//a o man viel schwatzt, da gikbt's viel Zank. Sprichwort. sollen, aber es gab Zeiten, wo es ihm eine Last war, einen einzigen Bries zu schreiben. Mildred hatte davon keine Ahnung, sie glaubte, daß der Wohlstand zurückkehren und daß sie in der Gesellschaft wieder anerkannt werden würde, zu der Arnold gehörte. Sie waren beide jung und konnten warten, und ihre Treue mußte ihnen die Zukunft sichern. Armes Mädchen! — Es war ein Glück, daß die Zukunft verschleiert war. Es war ein Rätsel, die geeignetste Thätigkeit für Bell« zu finden, das sie aber sehr bald praktisch löste. Ich kann nicht zu Hause sitzen und arbeiten, sagte sie. Schon die Schule war mir unerträglich, obgleich man dort iiiimer seinen Spaß hat mit allerlei Streichen. Unartiges Mädchen! rief die Mutter. Mama, ich muß hinaus in die Welt, wo es schön und alles in Bewegung ist, in einem Käsig würde ich sterben, selbst, wenn der Käfig die Heimat ist. Aber sei unbesorgt, ich komme jeden Abend zurückgeflogen. Du mußt mich in einem Laden unterbringen, Mama, wo die Menschen in Strömen gehen und kommen, das wird mir Vergnügen machen. Meine Hände und Augen haben Beschäftigung und ich werde nicht vor Gram sterben. Aber Bella, sagte die Mutter, welche sehr für Mildreds Idee eingenommen war, sich verborgen zu halten, bis das Schicksal sich gewendet habe, wie wird es Dir gefallen, wenn die Leute erfahren, daß Du ein Ladenmädchen gewesen bist? Ja, fügte Mildred hinzu, vielleicht bekommst Du Deine Gäste vom letzten Frühjahr zn bedienen! Besser, Du könntest häusliche Arbeit finden! Unsinn! rief Bella. Wir können uns nicht verbergen wie Bären, die in ihre Höhlen kriechen und ein halb Dutzend Jahre lang an ihren Pfoten saugen! Bellas zoologische Kenntnisse waren etwas nebelhaft. Warum sollen wir uns verbergen? Wir haben nichts gethan, dessen wir uns schämen müssen. Papa war unglücklich, wie hnndert und tausend andere in diesen harten Zeiten. Robert zeigte mir einen Bericht aus einer Zeitung, wie viele während der letzten zwei oder drei Jahre falliert haben, — es war eine Armee! Wir sind nicht die Einzigen! Und Robert sagte, diejenigen, welche alte Bekannte im Unglück nicht mehr kennen wollen, seien verächtliches Volk, und je eher man diese Sorte erkenne, desto besser sei es. Und ich will auch ein Dntzend oder zwei von den teuren Freundinnen ausfindig machen, welche Eiscreme bei uns gegessen haben. Ich hoffe, ich werde sie einmal zu bedienen haben, und dann werde ich es mit der Miene einer Prinzessin thuu! schloß sie mit übernatürlicher Würde. Und wenn sie hochmütig sind, so werde ich den Preis verdoppeln und ihnen sagen, da sie so hoch über anderen Leuten stehen, so müßten sie den doppelten Preis für alles bezahlen. Ich glaube aber nicht, 30 daß sie alle die Nase so hoch tragen werden, fügte sie hinzu, in Erinnerung an einige Freundinnen, deren Gelübde ewiger Freundschaft noch zu neu war, um bedeutungslos zu erscheinen. Das arme Kind sollte bald lernen, daß wenn auch .Schulmädchen selten falsch sind, doch ihre Gelübde vergänglich sind. Sie war jetzt in eine andere Welt geraten, und die frühere verschwand wie ein erbleichender Stern. Sie sollte bald finden, daß ihr nichts übrig blieb, als neue Bekanntschaften und Freundschaften zu schließen und ihre guecksilberartige, furchtlose Natur war sehr geneigt, dies rasch zu thun. Mit Mildred war es anders. Das alte Leben war ihr teuer, ihr Mut war anderer Art, als Bellas natürliche Unerschrockenheit. Doch war es augenscheinlich, daß Bella recht hatte, und endlich gab auch der Vater mit großem Widerstreben seine Einwilligung. XIV. Bella tritt in das Leben. Nur die geringste Schwierigkeit war überwunden, als sie die Einwilligung erhielt, hinter einem Ladentisch zu stehen. Mit ihrer Mutter machte sie nun manche ermüdende Spedition durch die heißen Straßen. Zuweilen lachte man ihr ins Gesicht darüber, daß sie daran denken konnte, in der stillsten Reisezeit eine Stelle zu finden, meist aber erhielten sie nur eine kurze, schroffe Abweisung. Frau Howell war bald entmutigt, aber Bellas schwärze Augen funkelten nur ärgerlich. Aufgeben? rief sie. Nein, und wenn ich umsonst arbeiten sollte, um den Zweck zu erreichen! Aufgeben ist nicht meine Art, ehe ich alles versucht habe, und es ist ein Luxus, den sich arme Leute, nicht erlauben können. Frau^Howell hatte nichts zu erwidern und dachte mit bitterem Schmerz daran, daß sie in früheren guten Zeiten nicht jeden Dollar gespart hatte. Wenn sie die armen jungen Mädchen müde und müßig während der langen .Sommertage in den Läden stehen sahen, und auf manchem Gesicht die Spuren von Schmerz und Entbehrung wahrnahmen, da erst errieten sie, daß wenige Arbeiterinnen der Stadt ihr Brot schwerer verdienten, als diese schmächtigen Mädchen, welche zum größten Teil niemals zu kräftiger Weiblichkeit erblühten. Bella hatte sich vorgenommen, einen der Läden in der sechsten Avenue aufzusuchen, in welchen, wie sie wußte, ein besonders lebhafter Geschäftsverkehr stattfand. Eines Morgens, als Frau Howell schon die Hoffnung aufgegeben hatte, ging Bella dicht verschleiert allein aus und begab sich nach jenem Laden. Ohne zu zögern, trat sie auf den Abteilungsvorstand zu. Ich wünsche Herrn Schriven zu sprechen, sagte sie ruhig. Er ist sehr beschäftigt, meine Dame, und will nicht gestört sein, aber ich werde alle Ihre Wünsche erfüllen. Danke sehr! Dann, bitte, zeigen Sie mir den Weg nach dem Kontor! Nach kurzen Zögern erfüllte der Herr ihren Wunsch; denn diese verschleierte Gestalt schien eine Dame zu sein. Eine Dame wünscht Sie zu sprechen, sagte er an der Thüre, welche er sogleich wieder schloß. Der Herr am Schreibpult schrieb eine Weile weiter, ehe er sich umwandte, um seinen Besuch zu begrüßen. Bella beobachtete inzwischen sein Gesicht, denn si'e wußte, daß das Schwierigste war, Gehör zu bekommen, und dann seinen Aerger über die Störung zu entwaffnen. Sie dachte daran, -aß sie durch das Abenteuer nichts zu verlieren, und alles zu gewinnen hatte, und verließ sich auf ihre Sorglosigkeit und Zungenfertigkeit. Sie wußte, daß eine Bitte um Anstellung sofort abgewiesen werden würde, und deshalb hatte sie beschlossen, einen anderen Weg einzuschlagen. Endlich blickte der Herr auf, wandte sich um und fragte: Was wünschen Sie meine Dame? Ihr Laden gefällt mir sehr gut, bemerkte Bella ruhig. Nun sah Schriven sie erstaunt an. Und was folgt aus dieser höchst wichtigen Thatsache? fragte er mit fath- rischem Lächeln. Es folgt daraus, daß ich lieber hier eine Stelle haben möchte, als in anderen Läden, die mir nicht so gefallen. Ich habe die meisten mit meiner Mutter schon besucht, und der Ihrige gefällt mir am besten. Nun, das ist aber unverfroren! Man hat Sie also überall abgewiesen? Ja, mein Herr! Und auch mein Gehilfe, nicht wahr? Ja, mein Herr! Aber ich war überzeugt, daß ich meinen Zweck erreichen würde, wenn ich Sie sprechen könnte. W geht hier lebhaft und geschäftsmäßig zu, und ich schloß daraus, daß ein energischer Mann und keine Maschine das Ganze in Bewegung setzt. Außerordentlich schmeichelhaft! sagte der Herr. Aber glauben Sie nicht, daß Ihr Vorgehen ein wenig Dreistigkeit zeigt? Habe ich etwas gesagt oder gethan, was sich für eine Dame nicht schickt? fragte Bella entrüstet. Schriven lachte gutmütig, denn Bellas entschiedenes Auftreten begann ihn zu interessieren. O, ich vergaß, daß hier alles Dame ist! Es giebt nur noch Besendamen, Waschdamen und dergleichen. Sie können mich erst dann ein Ladenmädchen neunen, wenn ich in Ihren Diensten bin. Und warum jetzt noch nicht? Weil ich noch kein Ladenmädchen bin und noch nie war. Ich habe oft mit meiner Mutter in diesem Laden Einkäufe gemacht, und unsere soziale Stellung war vor wenigen Monaten so gut, wie die Ihrige. Aber jetzt, nachdem wir Unglück hatten, muß ich arbeiten und sehe nichts Unschickliches darin, wenn ich Sie offen um ehrliche Arbeit bitte. O, durchaus nicht, meine verehrte junge Dame, erwiderte Schriven immer in seiner ironischen Weise, aber ich muß Ihnen sagen, daß ich nicht imstande bin, Damen meiner Sphäre als Ladenmädchen anzustellen. Wenn ich bei Ihnen aus freiem Willen in den Dienst trete, erwiderte Bella rasch, so verspreche ich alle Vorschriften Ihres Geschäftes zu beobachten, und ich bin überzeugt, daß ich meinen Lohn reichlich wieder einbringen werde. Nun, Sie sind ein sonderbarer Hering! ries Schriven. Enschuldigen Sie, Sie sind ja noch nicht in meinen Diensten, ich wollte also nur sagen. Sie seien eine exzentrische, junge Dame. Und Sie würden wirklich, wenn ich Sie einstellen würde, alle geschäftlichen Erfordernisse erfüllen? Gewiß! Schriven verfiel in ein fuchsiges Nachdenken. Er dachte an das bleiche, müde Gesicht jenes jungen Mädchens, das in der Bänderabteilung am Ladentisch stand. Sie wird es nicht mehr aushalten, dachte er, wenn das Geschäft lebhafter wird. Es geht schon jetzt nicht mehr mit ihr. Sie hat sich gut geführt, aber ihre Zeit ist um, und diese da hat junges Fleisch und Blut genug, um ihre Stelle auszufüllen, sie ist noch sehr jung, aber gewandt und sieht frisch und gesund aus. Man darf keine bleichen Mädchen im Geschäft haben, denn es giebt Leute, die darüber schwatzen, daß die Mädchen den ganzen Tag stehen müssen. Diese da kann stehen, und kann es eine lange Zeit aushalten, sie scheint kräftig zu sein. Gut, sagte er laut, wenn ich nun von meinem Gebrauche abgehen und Ihnen eine Stelle einräumen wollte, welchen Lohn würden Sie dann verlangen? Was Sie bezahlen wollen. Oho, sagte er, es ist Methode in Ihrer Tollheit! Nehmen Sie einmal diese Feder und schreiben Sie, was ich diktiere. Bella schrieb einige Sätze in einer kräftigen, aber lesbaren Hand. Es fehlt Ihnen noch die Uebung, die Deutlichkeit und Klarheit. Ich will Ihnen einen Platz schaffen, wenn Sie für drei Dollars die Woche kommen und die geschäftlichen Vorschriften beobachten wollen. Sie müssen die Anweisungen des Vorstehers Ihrer Abteilung befolgen, und nicht wieder zu mir kommen, bis ich nach Ihnen sende, schloß er, und das wird schwerlich geschehen, denn solche Unterredungen sind bei mir etwas sehr Seltenes. Also kommen Sie nächsten Montag um sieben Uhr, wenn Sie mit diesen Bedingungen einverstanden sind. Ich bin einverstanden und danke Ihnen, erwiderte sie rasch. Ihre dunklen Augen glänzten int Vorgefühl des Triumphes, wenn Sie Mama und Mildred ihren Erfolg erzählen würde. Die Gedanken des Geschäftsmannes aber 31 waren ganz anderer Art. Er blickte sie mit dreister Bewunderung an und sagte vertraulich: Beim Zeus! Sie sind ein niedliches Blümchen! Bellas Wesen veränderte sich sofort, und ein Blick der Entrüstung traf ihn. Ich werde mich bemühen, meine Schuldigkeit zu thuu, sagte sie. Guten Morgen, mein Herr! Warten Sie noch einen Augenblick, sagte Schriveu und berührte eine Glocke. Sogleich erschien der Geschäftsführer. Geben Sie diesem Mädchen nächsten Montag eine Stelle im Bänderverkauf, sagte er, und nach zwei Stunden möchte ich Sie dann sprechen. Der Geschäftsführer verbeugte sich, und sie gingen. Fortsetzung folgt. Eislauf, Schlittenfahrt und Ski. Plauderei von FredHood. Nachdruck verboten. „Begraben ist in ewige Nacht Der Erfinder großer Name zu oft! Was ihr Geist grübelnd entdeckt, nützen wir; Aber belohnt Ehre sie auch? Wer nannte dir den kühnen Mann, Der zuerst am Maste Segel erhob? Ach, verging selber der Ruhm dessen nicht. Welcher dem Fuß Flügel erfand!" Diese merkwürdigen Verse aus Klopstock's berühmter Ode „Der Eislauf" haben vielleicht schon in naiven Gemütern den Glauben erweckt, der Erfinder des Schlittschuhs müsse ein besonders intelligenter Kopf gewesen sein. Weit gefehlt! Der große Unbekannte, „der dem Fuß Flügel erfand", hat nie existiert, wenn nicht m der Phantasie des Dichters. Jedenfalls steht fest, daß der Schlittschuh nicht das Erzeugnis einer besonders vorgeschrittenen Kultur bildet. Ich setze allerdings voraus, daß niemand annehmen wird, die unkultivierten Völker hätten sich schon des Schlittschuhs in einer heute gebräuchlichen Form, oder auch nur einer ähnlichen Konstruktion bedient. Jeder Verständige wird vielmehr leicht emsehen, daß ich ebensogut von der Erfindung des Schneeschuhs «der Schlittens sprechen könnte, während ich denselben Gegenstand rm Sinne habe. Ich denke mir, jeder Wilde muß ohne besondere Anstrengung seines Geistes dazu gelangt fein, ein erlegtes Tier, das er nicht anders zu transportieren vermochte, auf dem Erdboden hinter sich herzuschleifen. In derselben Weise mag er anfangs die Baum- stamme befördert haben, deren er zum Bau von Zelten bedurfte; langfaserige Pflanzen, Aeste oder gedörrte Tierdärme dürften die Zugleme vertreten haben. Mehrere miteinander verbundene Baumstamme bildeten dann eine Art „Schleife" zur Beförderung größerer Lasten, und als Menschenkraft diese nicht mehr fort zu bewegen, vermochte, spannte man die Tiere ins Joch und ließ »ich schließlich selbst von diesen lustig davontragen. Bei den Polarbewohnern, deren Land den größten Teil des Wahres eine ununterbrochene Schneedecke überzieht, wurde die schleife zum Schlitten. Die Fuhrleute erkannten, daß das Fahr- zeug um so schneller über die Schneefläche dahinflog, je mehr die zu Schlittenkufen verwendeten Baumstämme durch Abnutzung geglättet wurden. So begannen sie dann das Holz sorgfältig zu bearbeiten oder glatte Knochenstücke als Gleitschienen zu'verwenden. In vielen Fällen bedurfte man noch gar nicht einmal der Zugtiere; sobald es bergab ging, kamen diese sogar in Gefahr, von dem Schlitten überrannt zu werden. Man ließ das Fahr- WS iN diesen Fällen frei bergab gleiten und konnte so mit Windeseile große Strecken zurücklegen. Hatte man keine Last zu befördern, so wurde unter Umständen der Schlitten selbst zur Last, und es lag daher wohl nahe, die Schlittenkufen direkt an die Füße zu bmden. So entstanden die Schneeschuhe. Einige Volksstämme besaßen allerdings schon ein derartiges Werkzeug, bevor sie den Schlitten kennen lernten. Es bestand "us großen Holz- oder Ledersohlen, mit denen die Wilden ihre Fuße bekleideten, um im lockeren Schnee besser Halt zu gewinnen. Sie sahen, daß sie bei genügend großen Schuhen (infolge der £ Ä ßaftöerteihmg) nicht in den Schnee versanken und so das Wild schneller verfolgen konnten. Auf diese Weise entstanden m $cn Alpenländern in Norwegen und Schweden gebräuch- Uchen, ein bis zwei Meter langen und etiva einen halben Meter breiten, plattenförmigen Schneeschuhe, die im allgemeinen aus einem mrt Rohr oder Schnüren bespannten, kreisrunden oder ovaken Holzreifen bestehen, und oben mit einer Ledersohlc für den Fuß, sowie mit Besestigungsricmen verfehen sind. ^„„ Eartige primitive Schneeschuhe sind aber nur zum Laufen, zum Gleiten auf der Schneebahn ledoch nicht geeignet. ker nodi^e Schneeschuh oder Ski, der noch heute den Schlittenleisten recht ähnlich sieht. Er ist seiner ganzen Natur nach dazu geschaffen, über die weiche Schneefläche Hinwegzufliegen. Seine Länge wird natürlich durch das Körpergewicht des Menschen bedingt; als Durchschnittsmaß gilt eine Länge von 2,15 bis 2,30 Metern. Man unterscheidet verschiedene Typen des Ski, so den Lappen-, Finnen- und Telemarkschuh. Der letztere, für deutsche Verhältnisse am zweckmäßigsten, ist ganz schmal und etwas gewölbt. Er muß sich beim Gebrauch infolge der Belastung soweit durchbiegen, daß er auf der Schneedecke flach aufliegt. Infolge der leichten Wölbung wird die Reibung vermindert und das Hin- wegglciten über die Ebene erleichtert. Die Fortbewegung erfolgt durch, paralleles Vorschieben der Schneeschuhe, also nicht wie beim Eislauf durch weites Ausk- schreiten der Füße. Man bedient sich beim Lauf noch eines Stabes, der jedoch lediglich das Bremsen und Lenken erleichtern soll. — Obwohl bei uns nur während einer verhältnismäßig kurzen Zeit der weiße Teppich die Erde bedeckt, ist auch in Deutschland der Schneeschnhlauf seit einiger Zeit mit einer gewissen Begeisterung ausgenommen worden. Seine praktische Bedeutung beim Militär, sowie im Post- und Forstwesen wird in maß^ gebenden Kreisen anerkannt, und auch im Volke beginnt man sich für diesen gesunden Sport mehr und mehr zu interessieren. Es liegt nahe, anzunehmen, der Schlittschuh habe sich aus dem Schneeschuh entwickelt; vermutlich diente aber ursprünglich dasselbe Instrument beiden Zwecken. Beim Verfolgen des Wildes vermochte man nicht die bequemsten Pfade zu wählen, und so ging es denn wohl nicht selten mit beflügeltem Fuß über Eis und Schnee dahin, wie es die Jagd verlangte. Obwohl schon in den altisländischen Heldenliedern der „Edda" vom Eislauf die Rede ist, kann doch mit Sicherheit angenommen werden, daß die ersten aus Rind- und Pferdeknochen gefertigten Schlittschuhe den Schneeschuhen ähnlich sahen, und etwa die Ausdehnnng Heiner Kähne hatten. Erst später, als man erkannte, daß auf dem sehr tragfähigen Eise eine Verteilung der Last wie auf dem lockeren Schnee nicht erforderlich sei, ging man zu Heineren, aber auch solideren Konstruktionen über. Im Laufe der Jahrhunderte hat der Schlittschuh daun die verschiedensten Metamorphosen durchgemacht. Wir selbst haben ein Stück dieser Entwicklungsgeschichte mit erlebt, doch handelte es sich in unserer Zeit hauptsächlich um die Vervollkommnung des Befestigungsmechaniswus. Wir erinnern uns noch jener Marterhölzer, die mit einem roh geschmiedeten, unten meist gekehlten Eisen versehen waren, und im Stiefelabsatz durch einen Dorn, im übrigen aber mit einigen Metern Riemen am Fuß befestigt wurden. Es war ein heidenmäßig Stück Arbeit, solch einen Schuh kunstgerecht anzuschnallen. Zog man die Riemen zu fest an, so drückten sie über dem Spann, andernfalls mußte man jeden Augenblick das Werk von neuem^begimien. Vorn hatten die Stege einen langen, geschweiften Schnabel, der nur dazu geschaffen schien, Freund und Feind zu Falle zu bringen. Wenigstens erinnere ich mich, daß wir als Quartaner einen derartigen amüsanten Sport ins Leben riefen. — ■ Dieser Schlittschuh hatte aber auch seine guten Seiten. Es war ein eigenartiges Vergnügen, zehn Minuten lang auf dem zu knieen, und an einem reizenden Damenstiefelchen herumzuschnüren, selbst wenn die Finger vor Frost erstarrten. Das ist heute vorbei. Den Holländern, die bekanntlich große Meister im Eislauf sind, werden einige unwesentliche Verbesserungen der Schlittschuhe zugeschrieben, Neucrnngen von weittragender Bedeutung blieben ledoch den erfinderischen Amerikanern Vorbehalten. Sie beseitigten den vorderen Schnabel, verlängerten die Stahlschiene über den Absatz hinaus und ordneten hier eine Schraube an, die die Befestigung des Hackens in einer zangenförmigen Vorrichtung be- wirkte; am vorderen Ende diente ein Riemen zur Befestigung. Allerdings brach die Schraube nicht selten bei ungenügender Oelung oder lockerte sich nach längerer Benutzung. Es folgten einige mehr oder minder gute Variationen dieses Systems, bis schließlich der „Halifax" seinen Siegeslauf begann. Dieser Schlittschuh besitzt einen Vorzug, den jeder Eisläufer bei einigen Graden unter Null schätzen lernt. Ein einziger Fingerdruck aus eine über die Stahlschiene angeordnete Hebelvorrichtung setzt zwei Zangen mit Hauenförmigen Ansätzen in Bewegung, welche Sohle und Absatz des Stiefels fest einklammern. Diese Klauen sind nach jeder Richtung hin durch Mutterschrauben verstellbar, sodaß man zu Haus den Mechanismus für jedes Schuhwerk passend einstellen kan. Da sich aber auch die Schrauben der Stellvorrichtung mit der Zeit lockerten, so vervollkommnete ein Oesterreicher die Halifax - Schlittschuhe durch einen Mechanismus, der zwar auch durch eine schraubvor- richtung eingestellt, aber während des Laufens durch den auf dem Mechanismus ruhenden Fuß unverrückbar festgehalten wird. Derartig konstruierte Eisschuhe sind unter dem Namen „Austria- Schlittschuhe" bekannt. In der Kunst des Eislaufs muß man zwei Richtungen unterscheiden, das Rennen und das Knnstfahren. In Norddeutschland, Nordamerika und Skandinavien legt man viel Wert darauf, in 32 » m. Logogriph. Nachdruck verboten. Aus einem Baum, den an Alleen, Im Park und Garten gern wir sehen Schnitt ich ein „6" und zum Ersatz Fügt' ich ein „i" an dessen Platz. Kaum wollt' ich meinen Augen trauen: Vom ganzen Baum war nichts zu schauen, Was übrig blieb, unmeßbar fein, Wie Spinnweb schien's im Sonnenschein Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer: ' WOLF OPER L E D A FRAU KÄattion: E. BurkhaH Druck und VerlagsSrühl'sch.n UniverfitätS-Buch- und Sterndruckerei (Pietsch Erbens in Gi-tzen. I jung Mer verseh! keinen fich r empfii tungs! Kamp würde wie er die Fc komm» sorgen timenl schon ( habe. A, vorstai sie vor ihr km Preise andere teilten achtete Nötige fertig Als "si hielten fähiger nicht l Mit Bc ten Er zuruhe Tag ü wie in länder denken möge, so steht doch eines fest: in der Erziehung der Kinder sind sie Meister und haben Grundsätze, deren Annahme auch bei uns aufs dringendste zu wünschen wäre. Die vortrefflich redigierte „Wiener Mode" hat vor einiger Zeit Aussehen erregende Aufsätze über die Erziehung des Baby gebracht; rn dem neusten Hefte beginnt eine ebenso interessante Arbeit über die Erziehung des Heranwachsenden Kindes nach englifchen Grundsätzen. Die „Wiener Mode" beweist dadurch, daß ein Modeblatt neben der rasch vergänglichen Mode auch den wichtigsten Interessen der Familie dienen kann, was den ohnehin schon so grossen Kreis ihrer Anhängerinnen gewiß erheblich vergrößern wird. Das Heft, womit das Winterquartal beginnt, ist in jeber Buchhandlung und in der Administration der „Wiener Mode ,- Wien, Wienstraße, zum Preise von 4o Pfg. zu haben. Preis pro Quartal Mk. 2.50. o ... „D ieRomanwel t" hat für ihr neues Quartal ein reiches utkd gediegenes Programm zusammengestellt. Aus der Fülle interessanter Beiträge erwähnen wir eine größere Novelle von Alfred Meebold „Doktor Erna Redens Thorheit und Erkenntnis", ein Werk, das ein Problem unserer Tage mit sicherer Hand aufgreift. In scharfem Umriß zeigt es das zwiespältige Empfinden der modernen Frau, die durch Intelligenz und Können sich die Wissenschaft erobert, und die doch immer wieder durch ihr zweites Ich, durch das Weib voll weicher, schmerzensreicher Sehnsucht, verwirrt und irre gemacht wird. Dies Motiv bekommt aber eine ganz neue Nuance durch ein anderes Frauenschicksal, in dessen dunklem Spiegel Erna Redens Leiden klein und überwindbar werden. Nur andeutend wird hier an etwas gerührt, „das von Menschen nicht gewußt oder nicht gedacht; durch das Labyrinth der Brust wandelt in der Nacht . An drei es Werk schließt sich ein größerer Roman an von Vi ct o r v. K o h l en- egg „Bille Brandt". Das Thema Nietzsches: „Nicht ich brach die Ehe, aber die Ehe brach mich", wird hier durch die Darstellung eines Mädchenschicksals in ganz origineller Weise variier. Die leise gedämpfte Seelengeschichte ist m den Rahmen bunt beweg en äußeren Lebens glücklich eingefugt. — Kürzere deutsche Novellen begleiten diese größeren Arbeiten. Die bekanntesten Namen sind vertreten: Paul Oskar Höcker „Die Ehre des Kaufes Dorri" Leo H i l d e ck „Erinnerungen find Kohlen , Bckig't-Diederichs „Engelmakersch Kostkind" n. st w. Eine Reihe wertvoller Arbeiten bringt auch das Ausland, Neben Erzählungen Rudyard Kiplings von dem die Romanwelt häufig Beiträge bringt, wird eine überaus flott und frisch erzählte musikalische Geschichte von M E, Francis ''Valeries Duenna", ein Roman auf der G-Seite, die cnglifche Erzahler- kunst vertreten. Frankreich wird durch Bo ur g et Henry ! b’ e Regnier und Jules L e r m i n a Italien durch den phantasievollen Bo it o , Skandinavien durch Aa ur u d , P er i Hallström, Aloilde Prydz und,andere, Ungarn durchs I den immer gut gelaunten Pekar repräsentiert. A-tcie kurze Inhaltsangabe zeigt, daß es der „Romanwelt" wiederum gelungen ist, ein ebenso litterarifch wertvolles wie unterhaltendes Programm zusammenzustellen. Humoristisches. <*tn Restaurant. Wirt: „Schmeckt Ihnen das Rebhuhn nicht, Herr Müller? — „Gast: „O ja, ich finde es nur sür em wenig klein für sein Aller." .. Rechenrätsel. Herr: „Wie, dreizehn Kinder haben fic schon, wie ist das möglich?" — Schuster: „Ja, sehen sie, die ersten drei das I waren gleich sechs." , „ .. Wie «r's versteht. Richter: „Hatten Sie einen Genossen, als I Sie den Diebstahl begingen?" — Angeklagter: „Ne, Gerichtshofs, I ick hatte noch keenen jenossen, ick war noch total nüchtern." Nur nicht zu früh gejubelt. „Siehst Du, Karl, so gefällst Du mir, bist hübsch aufmerksam, drehst uicht immer den Kopf nach rechts und links —" — „Ja, ich hab' ein stcises Genick." kurzer Beit auf dem Eise große Strecken zu durchmessen, während I das Kunstfahren, das zuerst bei den Holländern und priesen eifrig gepflegt wurde, heute hauptsächlich in England, Amerika I und Frankreich geübt wird. Auf dem Festlande widmet man sich ferner in Wien mit besonderem Eifer dieser Richtung des LufporL.g .m Kunstfahren zu einer großen Fertigkeit zu bringen, ist eine stetige, unermüdliche Uebung, ia sogar ein eifriges I Studium erforderlich. In der That sind zahlreiche Lehrbücher | über die auf dem Eise auszuübenden Künste erschienen, und wer es zur Meisterschaft auf diesem Gebiete bringen will, wird zunächst sich bemühen müssen, gewisse allgemein bekannte Fluren oder I „Spuren", die er in solchen Lehrbüchern dargestellt findet, auf dem Eise mit den Stahlschienen nachzuzeichnen. Wer allerdings nur wenige Erholungsstunden dem Eislauf widmen kann, wird auf diese Künste weniger Wert legen. Aber icder, der sich nur I bestrebt, den Körper in ruhiger anmutiger Bewegung dem tart« mäßigen Ausschreiten der Füße folgen zu lassen, sodaß, er sich gleichsam wiegend über die spiegelglatte Bahn bewegt, wird eine I aewisse Fertigkeit erringen und am Eislauf besonderes Vergnügen finden. Denn als Künstler auf dem Eise gilt berjemge, der gleichsam in natürlicher Bewegung, und scheinbar ohne An- I strengung über die Bahn dahingleitet, und tn dem Zuschauer die I Vorstellung erweckt, als wäre es ein leichtes, es dem gewandten Läufer nachzuthun. Im allgemeinen kommen Aanten schneller I als bas stärkere Geschlecht zu diesem Ziel, da sie von vornherein I mehr Wert darauf legen, auch aus dem Eise anmutig und graziös t|t CnClUCTt Länger als Schlittschuh und Ski hat der Schlitten seine Bedeutung als Verkehrsmittel bewahrt. Er ist unentbehrlich, wo Eis und Schnee fast das ganze Jahr hindurch die Erde bedecken. So macht in Nordasien und Grönland der nut Hunden oder Renntieren bespannte Schlitten den Wagen vollkommen entbehrlich. Merkwürdig ist es, daß die sportmäßige Ausbildung des Schlittenfahrens bis vor kurzem auf Skandinavien und Nordamerika beschränkt war. Erst neuerdings ist sie nach Deutschland verpflanzt worben. Zu besonderer Entwickelung gelangte hier die „Hörnerschlittenfahrt", welche nach der hörnerartigen Auf- biegung der Schlittenkufen so bezeichnet wird, und vorzüglich rm Riesengebirge und int Harz, aber auch tn anderen deutschen Ge- I birgsgegenden sehr beliebt ist. I In Norwegen ist der Rutschschlittensport heimisch, der ftch unter Verwendung kleiner Schlitten, der sogenannten, Kralle, zu außerordentlich kühnen Leistungen erhebt. Solche Heute Rutschschlitten sind auch unter dem Namen „Rodel tn Tirol und als „Schlittel" in St. Moritz und Davos tn Gebrauch. Der in vielen Gegenden bekannte, für zwei Personen eingerichtete Sattelschlitten ist mit einer besonderen Steuer-Vorrichtung versehen, während für gewöhnlichdas Steuern auf neuen, eisbedeckten und gewundenen Bahnen durch ine nut starkem Scyuy- werk bekleideten Füße der Fahrenden oder mit den Händen unter Verwendung kurzer Pflöcke bewirkt wird. Gleichsam die Mitte zwischen Schlitten und Schneeschuh halt der Rennwolf, eine Art Tretschlitten, der, von schwedischen Touristen zum Sportgerät erhoben, vor kurzem nach Deutschland verpflanzt tvurde, wo das Rennwolffahren jetzt neben dem ©dytiee» schuhlaufen mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Der Renn- | wolf besteht aus zwei bis zweieinhalb Meter langen, vorn verbundenen Schlittenkufen mit einem Gerustaufbau, an dem sich der Läufer, auf einem Fuße stehend, hält, während er sich nut dem anderen beständig vom Eise abstößt. Bei guter Bahn soll man mit dem Rennwolf an zwanzig Kilometer m der Stunde zuruck- ^^Endl?ch" verdient noch der Segelschlitten, der auf dem Eise durch die Kraft des Windes getrieben wird, Erwähnung Dieses Gefährt wird wie ein Segelboot ausgetakelt und übertrifft bei starkem Winde und schönem Eise selbst Schnelldampfer und Blitzzüge an Geschwindigkeit. Der Segelschlittensport wird besonders auf den großen Seeen Rußlands und Amerikas geübt Der Wintersport bietet, wie man sieht, recht mannigfache Vergnügungen, und wer nicht gerade gewöhnt ist, hinter dem Wen zu hocken und Grillen zu fangen, wird häufig genug Gelegenheit finden in der freien und frischen Natur seine Kräfte zu erproben, seine Geschicklichkeit zu üben, und bte Gesundheit zu stah en. An dergleichen denkt freilich der leidenschaftliche Eislaufer selten, das Vergnügen auf dem Eise beschäftigt zu sehr sem Gemüt, als daß er nüchterne Betrachtungen über Zweck und Nutzen des Sports anzustellen vermöchte. Aber wenn der Frost die ersten Blumen ans Fenster malt, und die Schneeflocken vor seinen Augen tanzen, dann geht es ihm wie den inngen Mädchen beim Walzertakt, es jiebt ihn mit unwiderstehlicher Gewalt zum Tanz auf dem Eise. Literarisches. Der Krieg in Transvaal. Die Ereignisse m Südafrika haben viele von ihrer blinden Vorliebe für alles engusche geheilt. Aber wie immer man auch über England und die Citg=