MM Rückert. icht, wie deine Mitgesellen Bauen, sorge du! Dasür laß den Meister sorgen; Deine Stelle baue recht. (Fortsetzung.) Sandory hatte den Hamburger Privatgelehrten endlich abgeschüttelt und sich in unausfälliger Weise wieder den Plätzen der Ruthardtschen Damen genähert. Dicht hinter denl Stuhl der rundlichen Frau Doktor stehend, hörte er, wie sie nach, einem recht mittelmäßigen Klaviervortrage zu ihrem schweigsamen Töchterchen sagte: „Das hättest Du viel besser gemacht, Grete! Am Ende solltest Du auch eine von Deinen Sonaten spielen." „Um keinen Preis, Mutter! Jch^bin doch keine Künstlerin, die sich vermessen dürfte, öffentlich aufzutreten." „Aber ich sah, daß Du ein Notenheft mitgenommen hast. Geschah das denn nicht in bestimmter Absicht?" „Es war die „Winterreise". Ich hoffte, daß Sigismund etwas daraus singen würde, und ich! hätte ihn dann natürliche begleitet. Aber er ist ja, wie es scheint, schon längst ohne Abschied fortgegangen." „Wenn Sie Ihrem Bruder eine solche Gunst erweisen wollten, mein Fräulein, würden Sie dann nicht vielleicht damit einverstanden sein, daß meine unwürdige Person an die Stelle des Flüchtlings tritt? Ich habe diese Lieder zufällig öfters gesungen, und ich hoffe, Sie durch meinen Vortrag wenigstens nicht geradezu bloß zu stellen." Mit dieser überraschenden Frage hatte sich Sandory plötzliche in das Gespräch gemischt. Margarete versuchte wohl, sich gegen die Erfüllung seines Verlangens zu sträuben; aber sie fand darin bei der Mutter, die nicht wenig eitel aus die Talente der Tochter war, nicht die genügende Unterstützung. Und als nun gar noch einige andere Damen, die Sandorhs Worte gehört hatten, ebenfalls zu bitten anfingen, gab, das junge Mädchen in dem Gefühl, daß ein längeres Weigern jetzt wie Ziererei ausgesehen hätte, mit schwerem Herzen Eine lebhafte Bewegung ging durch die Gesellschaft, als ein Komiteemitglied verkündete, daß, Herr Rudolf Sandory die Anwesenden durch einige Lieder erfreuen werde, und daß Fräulein Ruthardt die Liebenswürdigkeit haben wolle, ihn auf dem Flügel zu begleiten. Dieser interessante Fremde war also aucf;, ein Künstler! „Und immer diese kleine Ruthardt!" hieß es flüsternd in vielen Variationen überall, wo die Mütter heiratsfähiger Töchter Gelegenheit hatten, die Köpfe zusammenzustecken. „Man sollte es kaum für möglich! halten, daß dies unschuldig aussehende Ding sich so gut darauf versteht, einen Mann an sich zu fesseln." Die Empfindungen der vielbeneideten Margarete aber» waren sehr weit von freudiger Genugthuung entfernt, als sie am Arme Sandorys das kleine Seitenpförtchen durchschritt, welches in den engen, nur von einer Notlampe beleuchteten Bühnengang führte. So deutlich fühlte er das Erbeben ihrer feinen Gestalt, daß er es für geboten hielt, ihr zuzuflüstern: Fürchten Sie nichts, mein liebes Fräulein! Ich bin zwar kein großer Sänger, aber musikalisch! ziemlich, sicher und nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Wir werden bei diesen Liedern ebenso gut harmonieren, wie in allem anderen. Dessen bin ich ganz gewiß." Man begrüßte sie mit Beifall,, als sie auf der offenen Szene erschienen. Margarete wagte keinen Blick in den Saal hinunterzuwerfen. Sandory aber verbeugte sich mit edlem Anstand und trat, nachdem er dem jungen Mädchen die Noten auf dem Flügel zurechtgelegt hatte, mit seinem gewohnten siegesgewissen, fast etwas ironischen Lächeln bis dicht an die Rampe vor. Seine weiche, biegsame und doch markige Baritonstimme durchtönte kraftvoll den weiten Raum, und schon bei den ersten Versen: „Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh' ich wieder aus —" waren die erwartungvoll lauschenden Zuhörer ganz und gar gewonnen. Die Begleitung zwar klang erst etwas zaghaft und schüchtern, aber auch sie wurde allgemach, ausdrucksvoller und beredter. Das schwermütig süße Lied von dem Lindenbaum, „Am Brunnen vor dem Thore", gelang ihnen tadellos, daß stürmischer Beifall dem weich-- klingenden Nachspiel Margaretens folgte, und noch in keinem Konzertsaal hatte man ein innigeres Zusammenfließen von Gesang und Begleitung wahrgenommen, als bei dem bald himmelhoch jubelnden, bald todestraurigen „Frühlingstraum": „Ich träumte von bunten Blumen, so wie sie blühen im Mai, Ich träumte von grünen Wiesen, von lustigem Vogelgeschrei. Doch als die Hähne krähten, da ward mein Auge wach, Da war es kalt rind finster — es krächzten die Raben vom Dach" (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis Roman von Reinhold Ortmann. — 654 — Man verlangte von allen Seiten nach einer weiteren Zugabe, doch als Sandory neben den Stuhl Margaretens trat, flüsterte sie ihm bittend zu: „Lassen Sie es genug sein!! Mir klopft das Herz vor Angst, und ich! habe die anderen Lieder wohl auch nicht genügend geübt." Er schlug das Notenheft ohne weiteres zu und reichte ihr den Arm. Da fiel sein Blick auf eine lange schwarze Gestalt, die zwischen den Coulissen stand und ihm allerlei Zeichen machte. „Was in aller Welt treiben Sie denn hier, Herr Eschenbach?" rief er lachend. „Möchten Sie uns etwa auch durch einen kleinen Vortrag erheitern?" „Beileibe nicht, mein verehrter Herr Sandory! Aber da Sie doch ein so bewundernswürdiger Sänger sind, möchte ich Ihnen eine große Bitte aussprechen. Sie haben lange in Rußland gelebt, und für meinen Geschmack giebt es gar nichts Schöneres, als diese einfachen russischen Volkslieder. Da war neulich! jemand in Hamburg, der uns einige davon vorsang. Namentliche eins war darunter — ich glaube, er nannte es bas „Lied der Wolgaschiffer" — wenn Ihnen das vielleicht zufällig bekannt sein sollte und ivenn Sie die Freundlichkeit haben wollten, es zu singen — Sie würden mir wirklich eine große Freude machen." Er sah sehr drollig aus in dem Eifer, mit dem er sein Anliegen vorbrachte, und Sandory schien eben in großmütiger Geberlaune. „Das Liedchen, das Ihnen so sehr gefallen hat, kenne ich allerdings, und wenn Fräulein Ruthardt so liebens- würdig sein will, hier ein paar Minuten zu verziehen, will ich es Ihnen zum besten geben." Er kehrte, von rauschendem Beifall empfangen, au den Flügel zurück imb sang, indem er sich« selbst begleitete, eine einfache Weise von jenem etwas getragenen, schwermütigen Charakter, der den meisten russischen Volksliedern eigen ist. Aber während des Vortrages umdüsterte sich in augenfälliger Weise sein eben noch so heiteres Gesicht. Seine Brauen zogen sich! zusammen; alle Züge seines Antlitzes schienen härter und schärfer zu werden. Auch seine Stimme verlor seltsamerweise plötzlich! den Wohl- laut, der die Zuhörer bisher entzückt hattet Mit einem rauhen Beiklange, fast heiser, kamen die letzten Töne über seine Lippen, und er brach rasch ab, obwohl das Lied sicherlich mehr als die eine Strophe hatte. In dem Moment, wo er sich unter etwas verlegenem Beifall der Festgesellschaft erhob, verschwand Eschenbach lautlos von seinem Platze hinter den Coulissen. Vielleicht wollte er sichj der peinlichen Notwendigkeit entziehen, Sandory gegen seine Ueberzeugung etwas Angenehmes zu sagen, vielleicht auch fürchtete er, daß jener ihn das offenbare Mißlingen des Vortrages durch irgend eine boshafte Bemerkung entgelten lassen würde. Seine magere Gestalt verlor sich! eben in dem kleinen, Halbdunkeln Gange, als Sandory Margarete den Arm bot, um sie in den Saal zurückzuführen. „Sie haben sich zu viel zugemutet", sagte sie schüchtern, durch sein verdüstertes Gesicht zum Mitleid bewegt, „man kann zu so vorgerückter Stunde und in dieser Hitze unmöglich lange hintereinander singen." „Ich hätte den alten Narren mit seinen Wolgaschiffern zum Teufel schicken sollen", knirschte er, und dabei war etwas in seiner Stimme wie in seinen Augen, das Margarete bisher noch! nicht an ihm wahrgenommeu, und das sie geradezu mit Angst vor ihm erfüllte. Sandory aber sah die Bestürzung auf ihrem Gesicht, und er mochte finden, daß sie mit diesem scheuen Ausdruck noch kindlich liebreizender aussah, denn zuvor. Ehe Margarete ahnen konnte, was er beabsichtigte, ehe sie auch! nur eine Hand zu erheben vermochte, um ihn von sich! abzuwehren, hatte er sie in dem engen Gange leidenschaftlich an sich gerissen. Sie sah mit Entsetzen sein Gesicht, das ihr in diesem Augenblicke schrecklich verzerrt erschien, dicht über dem ihrigen und fühlte seine Lippen in brennendem Kuß auf ihrem Muude. Der Aufschrei des Schreckens, der sich aus ihrer Kehle drängen wollte, wurde erstickt von diesem Kusse, und als er sie dann freigab, taumelte sie totenbleich! gegen die Wand zurück, mit wankenden Knien und einer Ohnmacht nahe. Sie gewahrte wohl, daß seine Lippen sich! bewegten; wie aus weiter Ferne hörte sie durch ein seltsames Rauschen und Brausen hindurch den Klang stürmischer, zärtlicher Worte, aber sie verstand den Sinn dieser Worte nicht, und dann, während mit einem Mal eine purpurne Glut vom Kinn bis zu den blonden Stirnlöckchen hinauf über ihr weißes Gesicht flammte, streckte sie gebieterisch den Arm gegen ihn aus. „Gehen Sie! — Verlassen Sie mich auf der Stelle! — Oder ich rufe um Hilfe, so laut ich kann." Nur einen Moment zauderte Sandory. Er hatte angesichts ihrer bisherigen Widerstandslosigkeit eine so schroffe Zurückweisung wohl nicht erwartet. Aber es mochte etwas in ihren Zügen sein, das ihn doch an den Ernst der Drohung glauben ließ; denn er änderte plötzlich sein Benehmen. „Verzeihen Sie mir!" sagte er weich!. „Ich weiß nicht, wie es über mich! gekommen ist, ich schwöre Ihnen, daß es nicht meine Absicht war, Sie zu beleidigen. Wenn ich die harte Strafe wirklich verdient habe, so verbannen Sie mich aus Ihrer Nähe, bis es mir gelungen ist, Ihre Vergebung zu erringen. Aber nehmen Sie mir nicht jede Hoffnung, Sie zu versöhnen! Lassen Sie es nicht vor alp diesen Leuten offenbar werden, daß Sie mir zürnen!" Ob nun seine Bitte wirklich einen gewissen Eindruck auf sie gemacht hatte, oder ob sie nur den Wunsch hatte, ein peinliches Aufsehen zu vermeiden — jedenfalls bestand Margarete nicht mehr darauf, daß er allein in den Saal zurückkehrte. Den Arm, den er ihr darreichte, nahm sie zwar nicht an, aber sie trat doch mit Sandory zugleich wieder unter die Gesellschaft, von der sie mit Lybsprüchen förmlich überschüttet wurde. Sicherlich hörte sie kaum den zehnten Teil von all' den schönen Dingen, die ihr da über ihr Spiel gesagt wurden. Sie vermochte sich nicht einmal zu einem freundlichen Lächeln zu zwingen, und als sie an der anderen Seite des Saales die hohe Gestalt ihres Vaters gewahrte, flog sie, unbekümmert um die Zurückbleibenben, auf ihn zu. „Ich bin so müde und abgespannt", flüsterte sie. „Wenn es Dir nicht ein zu großes Opfer ist, lieber Vater, möchte ich Dich bitten, daß wir jetzt nach Hause gehen." „Ein Opfer?" lachte er. „Aber Kind, glaubst Du etwa, daß ich mich zu meinem Vergnügen so lange in diesem Narrengewimmel aufgehalten hätte? Sieh nur zu, daß Du Deine unersättliche Mutter fortbringen kannst. Ich werde Euch unterdessen die Garderobe besorgen." Wenige Minuten später waren sie auf dem Heimwege. Die Mutter, die sich angeblich himmlisch amüsiert hatte, plauderte unausgesetzt. Margarete aber sagte kein Wort. Sie wünscMe ihren Eltern, sobald sie daheim an- gekommen waren, gute Nacht und hatte es dann so eilig, sich in ihr Stübchen zurückzuziehen, daß Frau Ruthardt ihr mit einem leisen Kopfschütteln nachsah und sich in der Stille ihres Herzens die Frage vorlegte, ob es nicht doch vielleicht besser gewesen wäre, Herrn Rudolf Sandory auf seine Bitte eine abschlägige Antwort zu geben. (Fortsetzung folgt.) Luxus-Briefpapier. Von M. K o j s a k. Nachdruck verboten. Jedermann kennt das sogenannte, recht kostspielige Büttenpapier. Bis vor drei bis vier Jahrzehnten wurde bekanntlich alles Papier aus Lumpen fabriziert, die eine Vorrichtung, „Wolf" geheißen, in winzige Fetzen zerriß. Man verarbeitete sie zu einem Brei, that diesen in eine Bütte, aus den man ihn auf dazu bestimmte Unterlagen schöpfte; die Blätter, welche nach Verdunstung der Flüssigkeit hieraus entstanden, waren eben das Papier, das nach der vorerwähnten Bütte „Büttenpapier" getauft wurde. Als man dann amfing, das Papier auf maschinellem Wege unter Zuhilfenahme von allerhand Chemikalien im wesentlichen ans Holz herzustellen, da erschien den Leuten das ehemalige Verfahren unglaublich roh und unbeholfen. Sie sanden ihr neues, mit Schwerspat — einem mineralischen Produkt — geglättetes Papier trotz seiner Billigkeit viel, viel schöner und feiner als das frühere. Da sich jedoch im Lause der Zeit allerhand Uebelstände bei demselben herausstellten — einer der größten ist seine Vergänglichkeit — so griff man für einzelne vornehmere Zwecke wieder zu dem nahezu unverwüstlichen Büttenpapier. Unsere heutigen teuersten Luxuspapiere gehören denn auch thatsächlich mehr oder weniger dazu. Allerdings ist das ursprüngliche Verfahren technisch vervollkommnet und in mannigfachster Weise geändert worden. Jede Luxuspapierfabrik hat aber noch ihre eigenen Rezepte, nach denen sie ihre Ware herstellt. So gleichen Mch die Papiersorten einer Firma nie denen einer anderen, und das um so weniger, je teurer sie sind. Oft wird durch die Gewandtheit eines Arbeiters m der Anwendung dieses oder jenes Mittels eine ganz neue Papiersorte geschaffen. Die Handfertigkeit und der Tüftelsiun eines Einzelnen erzielt eben auf diesem Gebiet rm großen und ganzen bessere Resultate, als selbst die vollkommensten maschinellen Einrichtungen. In dieser Hinsicht ist die Luxuspapierfabrikation eine Liebhaberkunst in der vollsten Bedeutung des Wortes. Es wird neuerdings vielfach behauptet, daß die deutschen Luxuspapiere die des Auslandes übertreffen. Trotz der denkbar höchsten Schätzung unserer Errungenschaften auch in industrieller Beziehung kann ich dies doch nur bedingt zugeben. Für die Ausstattungspapiere trifft es wohl zu, aber nicht für die einfarbigen. Namentlich zeichnet sich das französische Briefpapier durch feinen Ton und originelle Bearbeitung aus. Als modernste Farben in der Branche gelten zurzeit: juchtenbraun, veilchenviolett, scharlachrot, maigrün, moosgrün und schwarz. Für die letztere hat man eine weiße Tinte. Diese dunklen Nuancen sind zweifellos sehr unpraktisch, da die Schpift recht schlecht darauf zu lesen ist, das hindert jedoch nicht, daß sie sich äußerst vornehm ausnehmeu. Im allgemeinen ist das Format ganz hoch' und schmal oder sehr breit — bis dreißig Zentimeter und niedrig. Die letzte Form kommt ziemlich ausschließlich für ungebrochene Blätter in Anwendung, die der Breite nach beschrieben und zweimal nach einander in der Mitte zusammengefaltet werden. Die hohen und schmalen Formen benutzt man dagegen für Bogenpapier, das nach Art von Gesangbüchern und Albums mit erhaben aufliegenden, durchbrochenen Goldklammern geziert ist. Die dazu gehörigen Umschläge haben die halbe Höhe der Bogen, die für die einfachen Blätter bestimmten indessen sind nur den vierten Teil so groß, wie jene. Dies Papier hat glatte, geschnittene Ränder und eine mäßig rauhe Oberfläche. Es stellt sich allerdings ziemlich hoch im Preis; ein Karton mit fünfundzwanzig Blatt und Umschlägen kostet durchschnittlich zehn Mark. Etwas billiger, aber ebenfalls noch sehr vornehm, ist eine hellere löschpapierartige, sehr wenig geleimte Ware in safrangelb, polarblau, blaurosa, einem schmutzigen Erdbeerrot und verschiedenen graugelbcn Abstufungen. Tie erwähnten Papiersorten werden freilich auch in Deutschland fabriziert, aber sie unterscheiden sich doch wesentlich von den französischen. Hauptsächlich sind, wie ich schon s agte, die Farben weniger fein, sie durchdringen das Papier nicht völlig, sondern liegen mehr auf der Oberfläche, man wird daher bei ihrem Anblick, an Stoffe erinnert, die im Dtück gefärbt sind. Nun erzählt man allerdings, daß vielfach deutsche Ware nach Frankreich aus- gesührt und von dort als echt französische in den Handel gebracht wird. Etwas wahres ist ja an dieser Behauptung, nur liegt die Sache vornehmlich so, daß man das deutsche Fabrikat in Frankreich noch überarbeitet. Dies geschieht unter anderem mit einem weichen, losen, ungemusterten Büttenpapier. Man streut z., B. Metallstaub oder Krystall- plättchen, sogenanntes Marienglas, darauf und überzieht das Ganze mit einer Art Glaspr. Zuweilen werden auch Handmalereien und Zeichnungen ddrüber" ausgeführt. Wundervoll -machen sich besonders große Vögel in Kreidemanier mit Prägestempel aufgetragen. Einzelne Stellen bestreut man dann noch mit Metallpuder. Ein eigentümliches, ganz außerordentlich kostbares Papier wird in Rollen verschickt; man weicht es, an seinem Bestimmungsort angelangt, noch einmal auf, legt es in einzelne Bogen zerschnitten, in passende, durchweg mit relief-artigen Blumen und Arabesken versehene Formen und zieht es, wenn die Feuchtigkeit verdunstet ist, durch eine dünnbreiige, zartgefärbte Papiermasse. -Nach dem Trockenwerden glättet man die Bogen, und alsdann tritt das Muster blank und leicht abstechend aus einem rauhen Grunde hervor. Ich habe einen Karton mit derartigem Papier in hell- und dunkelgrau, das unbeschreiblich effektvoll war, in München bewundern dürfen. Eine vornehme alte Dame hatte es sich extra so bestellt. Unter den französischen Briefkarten herrscht ebenfalls die schmale längliche Form vor. Meist haben sie nur einen ganz schwachen Farbenschimmer in blaßblau, gelb, lila und grün. Sie werden an einer Seite, aber da auch nur stellenweise mit Goldschnitt verziert. Reizend sind ähnliche handlange, aber höchstens fingerbreite Karten, durch deren mattgetönten Grund sich der Länge nach eine verschwommene vorraphaelitische Lilie in natürlichen Farben zieht. Wie ich schpn erwähnte, zeichnen sich unter beit deutschen Briefpapieren die reich ausgestatteten durch ihre Schönheit aus. Mit zu den elegantesten gehört das Rococo- papier, das an den Rändern in Form von vergoldeten gepreßten Rococoschnörkeln — und Schleifen ausgeschnitten ist. Nach der Mitte zu schließen sich- farbige Blütenranken daran. Es giebt auch Karten dieser Art in Gestalt von Fächern mit passenden Hüllen. Ein anderes, ganz neues Papier ist durchweg tapetenartig von Blumen durchzogen. Auch- hier wieder herrscht die Lilie vor. Als sehr schick gilt weiterhin echt japanisches Papier in langen schmalen Briefblättchen, d ie ungefaltet in Umschläge von gleicher Größe gesteckt werden. Die letzteren sind auf der für die Adresse bestimmten Seite mit grellbunten, aus Arabesken, Blumen und Figuren bestehenden Einfassungen umrahmt, die Blättchen dagegen bleiben unverziert. PapiSrsorten wie das vor Jahresfrist sehr verbreitete, aber bereits völlig veraltete Wedgwood-Papier mit weißen statuettenartigen Figürchen auf blauem Grunde, kann ich kaum unter die Luxuspapiere zählen, da sie erstens zu den denkbar billigsten Preisen zu haben sind und zweitens von den oberen Zehntausend überhaupt nicht benutzt werden. Eher ist noch das Delfterpapier mit blauen Umrahmungen, deren Motive dem Zwiebelmuster entnommen werden, als geschmackvoll, wenn auch nicht gerade vornehm, zu erwächnen. Im allgemeinen läßt sich freilich sagen, daß verziertes Papier eigentlich nur für junge Damen paßt. Aeltere wählen die kostbarste Ware in den seltsamsten Formen, aber auf die Ausschmückungen verzichten sie. Eine- Ausnahme hiervon macht jedoch das Wahlspruchpapicr. Die Liebhaberinnen desselben haben ihre eigenen Wahlsprüche, die sie sich in Mönchsschrift auf sehr kleine viereckige, täuschend wie vergilbtes Pergament aussehende Bogen und Blättchen drucken lassen. Der Stilechtheit wegen sind die Anfangsbuchstaben buntfarbig und mit Sinnbildern geziert. Daneben giebt es freilich auch Büttenpapier mit'Wahlsprüchen in schwarzen fetten Druckbuchstaben oder in der Handschrift der betreffenden Persönlichkeiten. Darüber schwebt eine Krone" und ein Wappen in. Farben mit schwarzer Umränderung. Herren, selbst solche im jugendlichen Alter, benutzen niemals verziertes Papier, außer mit Monogramm, Krone und Wappen geschmücktes.' Wer viel Wert auf Aeußerlichs- keiten legt, der nimmt ganz gewiß starkes englisches Dersty- papier in rein weißer Farbe. Es hat Quartformat, wird im Kreuz zusammen gefaltet und oben derart aufgeschnitten, daß die Blätter doch noch etwas zusammenhängen. Auf so entstandenen kleinen Büchelchen schreibt man dann alle acht Seiten nach- einander voll. Da die Herren, welche dies Papier lieben, merkwürdigerweise meist eine ungewöhnlich große Schrift hasten, braucht ein solcher Brief deswegen noch keineswegs laug zu sein. Er kostet jedoch immer doppeltes Porto. Auf die Bogen, wie auf die Hüllen, welche der Größe des Büchelchens entsprechen, pressen die Briefschreiber selbst ihren Namenszug mit einem Stempel auf. Noch moderner als das Derbypapier ist hellbraunes Holzfaserpapier, das seinen Namen insofern mit Unrecht trägt, als es keineswegs aus Holz, sondern aus Gelatine und Lumpen hergestellt wird. Die letzteren sind nach Art einer . Maserung in die Gelatinemasse eingefügt. Mau könnte dies Papier allerdings für Fournier haltest, auch 65d bricht eS wie solches. Vor einer Reihe von Jahren war es bereits bei Len drlettierenden jungen Mädchen, die Glückwunsch-- und Tischkarten daraus machten und bemalten, sehr beliebt, als Schreibpapier aber ist es neu. Neuerdings wird es übrigens auch von Liebhaberphotographen zu Versuchen benutzt. Sie fertigen sich die Tafeln dann aber selbst mit Hilfe von Chromgelatine. Tiefe besitzt nämlich die Eigenschaft, daß sie nach längerer Belichtungsdauer ihre Auf- quellfähigkeft in kaltem und ihre Lösbarkeit in warmem Wasser verliert. Bedeckt man nun solch ein Gelatinepapier mit einem photographischen Negativ, kopiert dann recht lange im Licht und wässert das Papier ein, so quellen nur diejenigen Partien auf, auf die das Licht nicht gewirkt hat. Es entsteht demnach ein Flachrelief. Man muß sich nun freilich nicht vorstellen, daß solche Bildchen annähernd vollkommen sind, Lite Werfertiger sehen daher' ch-lch von Porträts und Landschaften ab und begnügen finf), mit ornamentalen Verzierungen, die auch ganz unterbrochen erscheinen. Wenn sie nachher aber mit Farbe ausgemalt sind, wobei man die fehlenden Linien ergänzen muß, so nimmt sich das Ganze doch recht niedlich aus. Eine andere von Liebhaberphotographen viel geübte Spielerei zum Zweck der Papierverzierung besteht darin, daß man das Papier mit Eisensalzen lichtempfindlich macht und dann landschaftliche Negative darauf kopiert. Sie sind dann ganz blau. Das gleiche Verfahren wird auch von Architekten zum Vervielfältigen von. Zeichnungen angewandt. Mir wurde freilich von einem der Herren gesagt, daß die Uebergänge dabei fehlten, über ich habe in einem Dresdener Geschäft doch sehr schöne Briefbogen und Karten gesehen, die in dieser Weise gemacht waren und in Mengen zum Verkauf ans- lagen. GeMeiNnNtziges» M-eldertrag und der Schnitt des Weinstock es. Der Weinstock ist eine ertragreichere Pflanze als Apfel- und Birnbaum, wenn man die richtigen Sorten wählt, und wenn man den Weinstpck zu schneiden versteht. Einige Beispiele mögen dies zeigen. In Pieschen (Posen) bringt ein zehnjähriger Stock der Königlichen Magdalenen- traube jährlich etwa 18 Mark Ertrag, ein zwanzigjähriger sogar 30 Mark. Aehnlich viel bringt der Frühe Malin ger, die St. Laurenttraube und andere Sorten. Bedenkt man dabei, daß diese Erträge nur an Wänden gewonnen werden, die man sonst weniger ausnutzt, so sieht man, wie viel Kapital Hausbesitzer alljährlich! unbehoben lassen. Der Schnitt des Weinstockes ist gar nicht schwer; er ist durch technische Ausdrücke allerdings unklar gemacht. Man kann jedoch den Schnitt nach- guten Abbildungen unschwer gründlich! lernen, wenn diese gehörig erläutert sind. Wir finden beides in Nr. 34 des Erfurter Führers, und machen um so lieber auf diese Nummer aufmerksam, als sie unseren Abonnenten kostenfrei zur Verfügung steht, wenn sie sich mittelst Postkarte an das „Geschäftsamt des Erfurter Führers" in Erfurt wenden. Kür die Küche. Sardellenbutter. Sardellen werden in kaltem Wasser abgewaschen, das Rückgrat herausgenommen. 375 Gramm Butter, 125 Gramm Sardellen vermischt und mit einem Messer zerquetschst, dann durch ein Haarsieb gestrichen. Man röste Semmelscheibrs, bestreiche sie mit Butter, garniere sie mit Eigelb, Sardellen und Kapern. Aale zu räuchern. Um Aale zu räuchern, müssen dieselben sehr gut gereinigt und ausgenommen werden. Dann reibt man dieselben mit Salz und Salpeter innen und außen gut ein und legt sie in eine Porzellanschüssel, welche gut bedeckt sein muß. Die Aale müssen 5 bis 6 Tage in der Schüssel bleiben, täglich einmal gewendet und zwei- bis dreimal mit der angesammelten Lake begossen werden. Vor dem Räuchern wickelt man die Aale in Papier und hängt sie 6 bis 8 Tage in den Rauch. Dtk falsche Reger. Ein spanisches Buch enthält unter anderem olgende ergötzliche Geschichte vom treuen Zusammenhalten zweier Brüder, die auch Leser dieser Blätter letzen dürfte: Zwei Brüder in jugendlichem Alter, Jünger des Schlosscrhandwerks, chifften sich vor etwa 50 Jahren von Europa nach Jamaica ein. Sobald sie dort angekommen waren, sahen sie sich nach passender Beschäftigung um. Aber sie fanden keine in ihrem Handwerk. Sich einzurichten und ein eigenes Geschäft anzufangen, brauchten sie indes einiges Geld. Da sie dazu aber keinerlei Hilfsmittel auftreiben konnten, Der« jelen sie auf folgenden, in der That höchst seltsamen Ausweg. Der eine von ihnen, der sehr krause Haare hatte, färbte sich das Haar und den ganzen Körper schwarz, zog Negerkleider an und wurde von seinem Bruder in das Haus eines Bankiers mitgenommen, den jener um Vor« chuß von 50 Dublonen (etwa 1050 Mk.) bat, wofür er dem Bankier >en vermeintlichen Neger als Eigentum überließ. Da der letztere sehr kark und kräftig war, erlangte der Bruder unschwer das gewünschte Darlehen. Nicht gar lange nach Auszahlung der Summe entfloh indes der falsche Neger aus dem Hause des Darleihers in die Wohnung seines Bruders, wo er sich von Kopf bis zu Fuß gründlich wusch und so seine weiße Hautfarbe wieder erlangte. Vergeblich boten nun die Tagesblätter eine hohe Belohnung dem, der den entlaufenen Negersklaven dem Bankier wieder zuführen würde. Der war jedoch nirgends zu finden, und daß der durch Waschen wieder zum Europäer umgewandelte Bruder der Geflohene sein könne, kam niemand bei. Die beiden Brüder gründeten nun mit den 50 Dublonen ein Schlossergeschäft, gewannen im Laufe der Jahre viel Geld und beschlossen darauf als reiche Leute, in ihr Vaterland zurückzukehren. Ehe sie jedoch von Jamaica abreisten, zahlten sie als ehrliche Menschen dem Bankier das geliehene Geld samt den aufgelaufenen Zinsen zurück und berichteten ihm, indem sie ihm zugleich ihren Dank dafür abstatteten, den Hergang mit dem „Bruder Neger", die hilfreiche Anschwärzung und erlösende Mohrenwäsche. ld. Lttterarifches. Wetse Vorsicht. Von diesem Grundsatz ausgehend, zeigt das soeben erschienene Heft der „Wiener Mode" (Nr. 4 des 14. Jahrganges), dessen reizend ausgestatteten Umschlag ganz neue, gewählte Toiletten zieren, eine große Auswahl entzückender Eis- und Winterkostüme, die ebenso zweckentsprechend als elegant sind, und deren vornehme Einfachheit besonders bemerkt werden wird, eigenartig ist auch die im selben Hefte gezeigte Bettwäsche, wie es auch die nach modernen Motiven zusammengestellten Weihnachtsarbeiten sind. — Preis vierteljährlich 2 Mk. 50 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstaltcn ober direkt vom Verlage der „Wiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19. Probebezug der drei Hefte vom 15. November bis 15. Dezember direkt durch den Verlag zum Preise von Mk. 1.25 portofrei. Schachaufgabe. Bon L. Fothergill in Twickenham. (Nachdruck verboten.) a b c d e f g h 8 7 6 5 4 3 2 1 abedef gh__ Weiß. (64-6) Weiß zieht an und setzt mit dem zweiten Zuge matt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenversteckrätsels in vor. Nr.: Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«. 8 5 3