(Nachdruck verboten.) „Es sah eine Linde ins tiefe Thal." Novelle von R. Litten. (Fortsetzung.) Ächt Tage waren vergangen. Blitze zuckten, Donner krachten, die Windsbraut fuhr heulend durch den Wald, aber mitten in dem Aufruhr der Natur, nur geschützt durch eine elende Bretterhütte, löte die Waldwärter sie auszuschlagen pflegen, stand ein seliger Mann, ein glücklich lächelndes Mädchen im Arm. Er sah ihr tief in die Augen, dann stieß er einen leisen Jubelrnf aus. „Jetzt lächeln auch Deine Augen, Herzlieb! Wie schön Du bist, wie wunderschön! — Und Du liebst mich wirklich, Du holdselig Feenkind, mein Waldmärchen, und willst mein sein, immer mein?" Sie sah ihn ernsthaft an. „Wäre ich denn jetzt hier, in Deinen Armen?" fragte sie leise. „Ich weiß ja selbst nicht", sagte sie träumerisch- weiter, „wie das so plötzlich über mich gekommen. Aber ich mochte mich wehren, so viel ich wollte, immer hörte ich Deine Stimme, immer sah ich Dein Antlitz vor mir. Und als Du vorhin, als der Blitz so zuckte und ich geblendet die Augen schloß, meinen Namen riefst und mir die Arme entgegenbreitetest, da konnnte ich nicht anders, ich mußte Dir folgen, meinen Kopf an Deinem Herzen betten. Ich weiß, Herbert, es ist nicht recht. Ein Mädchen soll fein Herz sorglich hüten, es fragen und prüfen, ehe es dasselbe fortgiebt für immer, aber ich denke, in meinem Falle ist das anders. Denn siehst Du, Herbert, andere Herzen haben so vieles, was sie lieben dürfen: Da ist die zärtliche Mutter, der Vater, wohl noch gar Geschwister und Gespielen, aber meins hatte niemand, keinen, der zu ihm gehörte. Immer mußte es schweigen, immer entbehren. Da lag es denn ganz still, wie schlafend, in der Brust, erst jetzt unter Deinem Blick ist es aufgewacht und will nun nicht länger schweigen. Gleich, als ich Dich zuerst erblickte, 8 Bgr Hf 1900. - Nr. 69. Lonnerstag den 17. Mni./f WeßEMmllimbl 1 Anlechallimzsblall M MießmerZnMer (Ämmi-AllM« tüchtiger als Wind und Welle Ist die Zeit; — was hält sie auf? Sie genießen auf der Stelle, Sie ergreifen schnell iin Lauf, Dies nur hält ihr rasches Schweben Und die Flucht der Tage ein. Schneller Gang ist unser Leben; Laßt uns Rosen auf ihn streu'». Herder. hier fm Walde, pochte es so laut, so seltsam, aber ich verstand es noch nicht, erst jetzt kenne ich seine Sprache." Sie legte die zarte Hand auf ihr Herz. „Herbert! pocht es da drinuen immer, Herbert!" In den Augen des jungen Mannes schimmerten glön-, zende Tropfen, sie fielen auf das duftende braune Haar, welches seine Lippen berührten. „Gott helfe mir, daß ich Deiner wert bin, Engel!" murmelte er. Aber dann richtete sich der junge Mann auf, Glück und stolze Freude im Antlitz. „Und nun wollen wir uns kennen lernen, mein Lieb, wir wissen wenig von einander. Oder ich eigentlich nichts von Dir ! Von meinem Leben, meinem alten Mütterchen daheim in der Mark, meinen Aussichten, Hoffnungen und Wünschen habe ich meinem Waldmärchen in den letzten acht Tagen, wo es mir so geduldig saß, genüg geplaudert." Er lachte fröhlich auf. „Weißt Du, Dina, daß ich eigentlich von Dir nichts weiter als den Namen kenne? Nicht einmal gewiß weiß, ob Du auch die Oberförstersnichte bist, für welche ich Dich halte." Sie sah ihn verwundert an. „Oberförstersnichte? Wie kommst Tn darauf?" Das fröhliche Lachen schwand nicht aus des jungen Mannes Äugen. „Sollte dazu so viel Scharfblick gehören, Waldfee? In Deinem duftigen Reiche erblickte ich Dich, Du schienst heimisch darin; mein alter Engelhardt, dessen Einwohner ich für diese gesegnete Sommerwoche bin, sprach mir von seinem Freunde, dem Oberförster, von dessen Nichte. Aber Du lächelst, Dina, habe ich mich geirrt?" „O, Herbert, Fräulein Reuter hat graue fnaare und ist kugelrund. Ich bin ja Tina Mellinghausen!" „Wellinghausen?" Er war von dem' Bänkchen, auf welchem sie nebeneinanber gesessen, aufgesprungen. — „Heißt denn das Schloß, dessen Türme dort über die Banmwipfel ragen, nicht so?" „Gewiß, Herbert! ' Mein Vater ist der Graf von Wellinghausen!" Er starrte ihr fassungslos ins Gesicht, stürzte zur offenstehenden Bretterthür, als wolle er in den strömenden Regen hinaus, dann kam er langsam zurück und wendete ihr sein tätlich erblaßtes Antlitz zu. „Verzeihen Sie mir, Gräfin", murmelte er tonlos. „Ich ahnte nicht—" Auch die Angeredete hatte sich erhoben, aber nicht das träumerische Kind, ein schmerzdurchbebtes Weib stand vor ihm. „Und so willst Tn von mir gehen", sprach sie, „und mich für etwas büßen lassen, was ich nicht verschuldet? — Glaubst Du denn, ich gehöre gern dorthin auf das stolze Schloß, wo niemand nach mir fragt, wo nur das treue Herz einer Dienerin, das unbewußte eines Kindes für mich schlägt? Ich tauschte nicht gern mit dem schlichten Bürgerskind, das, den Geliebten au der Hand, stolz zum Vater tritt, seines Segens gewiß?! — Aber, wenn es nun einmal anders ist) wenn wir kämpfen müssen um unser Glück, ioillst Du da die Waffen strecken, ehe Du Deine Kraft erprobt?" Dunkles Rot überflutete seine Stirn; er sank ihr zu Füßen, hie Augen in flammender Begeisterung erhoben. „Nein, das will ich nicht! Du hattest recht, mich zu mahnen! Ja, ich will streben und schaffen, nicht ruhen und nicht rasten, bis mir meine Kunst den Adelsbrief verleiht, und dann trete ich, ein Ebenbürtiger, vor Deinen Vater, mein Gliick zu fordern. — O, und dann, mein Lieb, mein Alles!" Er sprang auf und schloß das bebendeMäd- chen m seine Arme, „dann will ich Dir diese Stunde und diese Mahnung lohnen! Mit meinem Leben will ich es!" Eine halbe Stunde später schritt die junge Gräfin durch den Wald dem Schlosse zu. Die Sonne strahlte bereits wieder vom tiefblauen Himmel herab, einzelne Bogelstimmen zwitscherten, und die Blumen hoben die gesenkten Köpfchen. „ Dina ließ die Blicke entzückt umherschweifen. Wie ichön, wie wunderschön war die Welt, wie herrlich in ihr zu leben. Im Parke, der unmittelbar an den Wald stieß, schlug sie einen anderen als den sonst benützten Weg ein, ste wollte zur Begräbnisstätte, den Segen der verklärten ^"^r für ihr junges Glück erflehen. Sie mußte an der Tuffsteingrotte, der niedlichen Spielerei, mit welcher Graf Wellinghausen seiner Gemahlin einen ihrer vielen Wunsche erfüllt hatte, vorüber, blieb aber unweit derselben wie festgebannt stehen. War das nicht ihr Vater, der dort den breiten Hauptweg stürmend hinunterkam, die Augen mit so furchtbarem Ausdruck in die Ferne gerichtet? ' Er konnte die im Gebüsch tief versteckte Grotte noch nicht erblicken, aber Dina wußte doch — warum hat sie sich nie zu erklären vermocht — daß er derselben zustrebe. Unwillkürlich, ohne sich Rechenschaft von ihrem Thun ab- Nlegen, eilte sie zuriick und rüttelte an der verschlossenen I Thur. Ein leises Rascheln drinnen, dann alles still. Sie I legte ihre Lippen an das Schlüsselloch. „Um Gotteswillen, öffnen! Der Vater." — Ein lauter Aufschrei, der Riegel flog zurück und sie taumelte, von zwei Armen ergriffen, über die Schwelle. 'Sie stand zum ersten Male in dem kleinen phantasti- sthen Raume, der sein Licht durch ein einziges rundes I Fenster aus rotem Glase empfing, und geblendet und ver- I wirrt schaute sie umher. Dicht vor ihr stand ihre Stiefmutter, atemlos, wilde I Angst in den weitgeöfsneten Augen, im Hintergrund, die I Hand um die Lehne eines Binsenstuhles krampfend, Baron I von Ramberg. „Wir hatten — wir wollten — ein zufälliges Zu- | sammentreffen —-" kam es stammelnd von den Lippen | der Gräfin. „Aber Dein Vater — er tötet uns — wenn —" I Rasche Schritte wurden von draußen hörbar. „Kein Verrat, tvenn Dir Dein —" Sie schwieg, die Thür wurde heftig aufgerissen, der I Genf stand in derselben. Grelles Sonnenlicht flutete mit | ihm herein und ließ die hohe Gestalt int Jagdanzug mit I der Flinte über die Schulter und den wildblickenden Augen | nn verzerrten Antlitz wahrhaft furchtbar erscheinen. Seine Blicke flogen umher, sie hafteten auf seiner Frau, dem I Buron; es sah aus, als wolle er sich auf sie stürzen. Doch, bevor es dazu kam, trat erstere auf ihn zu. „Achim, Du? Schon zurück von Deinem Jagd- I ausflug?" a I Er that einen Schritt und richtete seine blutunter- I lausenen Augen auf sie. „Ja, ich hatte heute kein Glück!" murmelte er heiser I "Ter Eber ließ sich nicht finden, versuchen wir es einmal mit dem Wolf, dem Räuber, der —" Seine Stimme wurde unverständlich. Er riß das Ge- I wehr von der Schulter. Da fuhr er plötzlich, wie vom Blitz I getroffen, zusammen. Eine leichte, weiße Gestalt stand I rhni, zitternde, eiskalte Finger berührten die seinen. | „Guten Tag, lieber Papa! Mich bemerktest Du wohl I gar nicht?" Die Worte klangen leise und bebend, und I doch dröhnten sie wie Posaunenschall in seinen Ohren. I Das Kind war anwesend, Dina! Barmherziger Gott, was I hatte er thun wollen? Aber der Zettel, der Zettel! Er I hatte ihn doch soeben gefunden — im Grase hatte er ge- I legen wie die Schlange, auf die der Fuß des harmlosen I Wanderers tritt — und er hatte ihn mechanisch aufgehoben. I Er zog das zerknitterte Papier aus der Brusttafche und I reichte es der Frau. Sie warf einen Blick darauf, dann I lachte sie laut auf, schrill klang es von der gewölbten I Steinwand wieder. I „Ihr Billet, Baron, in dem Sie um diese Zufammen- I kunft baten! Warum nun aber so stumm und — pfui, das I Armensündergesicht. O, über diese Männer, diese Helden! » Da liebt man, schwärmt, langweilt seine Mitmenschen — ja, I ja, lieber Netter, jetzt will ich's nur gestehen, oft unter- I drückte ich ein heimliches Gähnen bei den Bekenntnissen I Ihrer schönen Seele — aber wenn es gilt, das Glück an I der Stirnlocke fassen, den Vater um die Hand der Heiß- I geliebten bitten, da fehlen die Worte!" Sie trat näher und legte die Hand auf den Arm des I regungslosen Mannes. „Er liebt die Kleine, Joachim, und I fürchtet, Du wirst sie ihm verweigern, ©ie sei zu jung, I er Nicht reich genug, was weiß ich!" Der Graf sah auf, mit dem Blicke eines Manschen I geschah es, der im Schlafe bis an einen Abgrund gewandelt I und plötzlich beim Anrufen seines Namens erwacht. „Darum", murmelte er, „darum?" Tann nahm er Dinas Hand. „Und Du hast mir nichts zu sagen, mein Kind?" Tie Angeredete sah ihn verwirrt an. Ihre Lippen bewegten sich, doch kein Laut kam über dieselben. Sie durften sich ja nicht öffnen, mußten schweigen, sollte nicht fchreckliches geschehen. Ihr Vater merkte ihr Verstummen nicht; er hatte sich wie itt tätlicher Ermattung auf einen der Sitze niedergelassen und starrte vor sich hin. Nun stand er auf, lang- fcmt, schwankend wie ein Kranker. „Ich denke, wir gehen. Es ist eine schwüle Luft hier, die den Atem benimmt." Er schritt schwerfällig hinaus, die Gräfin hängte sich in feilten Arm, die anderen beiden folgten in einiger Entfernung. Ramberg wollte der Komtesse Hand ergreifen, zu ihr sprechen, aber sie zog mit einer so verächtlichen Gebärde ihr Kleid, welches seinen Arm gestreift, an sich, daß er stumm, die Zähne in die Unterlippe grabend, neben ihr herschritt. In der Dämmerstunde desselben Tages lag Dina von Wellinghaufen, ein verzweifeltes Menschenkind, in der Stille ihres Schlafzimmers auf den Knieen, den braunen Kopf tief in die Kissen ihres Lagers wühlend. Morgen wollte man sie dem Baron Ramberg verloben, in einigen Wochen sollte sie sein Weib sein. Sie sprang auf, sie wollte zum Vater, ihm alles sagen, aber nein — sie blieb mitten im Zimmer stehen, Entsetzen und Angst im jungen Antlitz. Sie sah ihn, die blutunterlaufenen Augen auf bett Baron gerichtet, die Flinte in der Hand. „ tötet ihn, und ich - ich; hätte den Mord auf dem Gewysen!" .. Ein paar Minuten stand sie regungslos, dann ergriff )te ein fchwarzes Spitzentuch, warf es über Kopf und Schultern und flog wie gejagt durch den Korridor, über den Schloßhof, dem Lehrerhaufe zu. Herr Engelhardt machte große Augen, als das Koni- teßchen, welches sich in den vergangenen Tagen gar nicht blicken ließ, plötzlich vor ihm stand und mit so fremder rauher Stimme bat, ihr Herrn Kraneck, den Maler, hinunterzuschicken in die Jasminlaube. Sie war es doch auch, wirklich, die jetzt, ohne ein weiteres Wort, die Glas- thüre, welche vom Zimmer direkt in den Garten führte, öffnete und in den dämmernden Abend hinausschritt? Herr Engelhardt schüttelte den Kopf, ging aber doch gehorsam in das Giebelstübchen, den Auftrag auszuführen. (Fortsetzung folgt.) - 275 - Nationalparks. Bon Ernst Bogel. Nachdruck verboten. Bor zwei Jahren, am 30. März 1898, wurden im preußischen Abgeordnetenhause Worte gesprochen, welche, ohne im geringsten politisch zu sein, von großer Tragweite und Bedeutung waren. Der Abgeordnete Oberlehrer Wete- kamp war es, der einer Idee Ausdruck verlieh, deren Ausführung als ein kulturhistorisches Werk ersten Ranges anzusehen sein würde. Es handelt sich um den Vorschlag zur Schaffung deutscher „Nationalparks" im Sinne der „Nationalparks" in Nordamerika. Wir geben, führte Herr Wete- kamp treffend aus, jährlich erhebliche Summen aus für die Erhaltung botanischer Gärten, die uns die Flora des Auslandes vorführen, für Museen, welche die Naturprodukte aller Länder dem Studium zugänglich machen sollen, wir wenden ferner erhebliche Mittel auf, um die Denkmäler der Kunst- und Entwickelungsgeschichte der Menschheit uns zu erhalten. Aber eins fehlt uns noch: es fehlen uns Einrichtungen und Mittel, um die Denkmäler der Entwickelungsgeschichte der Natur uns zu erhalten; unsere eigene Fauna und Flora, die im Schwinden begriffen ist, vor allem die Tierwelt. Redner erinnerte nur an die bereits verschwundenen Auerochsen, an das Wisent, das nur noch an einigen Stellen gehütet wird, an den Biber, der nur noch: an einem einzigen Orte zu, finden ist. Es sei daher erforderlich, einen Teil unseres Vaterlandes in der ursprünglichen naturwüchsigen Form zu erhalten, und da handelt^es sich nicht allein um die Erhaltung der Pflanzen- und Tierwelt, sondern auch im geographischen und geologischen Interesse um die Erhaltung gewisser Teile der Erdoberfläche im natürlichen Zustande. Mit anderen Worten, gewisse geeignete Gebiete unseres Vaterlandes müßten „reserviert", in „Staatsparks" umgewandelt werden, aber nicht in Parks in dem jetzt gebräuchlichen Sinne des Wortes, sondern in Gebiete, in denen der Naturzustand nicht blos erhalten, sondern eventuell auch wieder hergestellt wird. Dabei verwies der Redner auf das großartige Beispiel der nordamerikcmischen Union, welche fünf derartige „Nationalparks" geschaffen hat, von denen die drei größten zusammen so groß wie das Königreich Sachsen sind. Die berühmtesten dieser Parks sind der Yellowstonepark, der ungefähr so groß wie Westfalen ist, der Uofemitepark, der etwa dem Herzogtum Braunschweig an Größe gleichkommt, und der Sequoiapark, der ungefähr die Größe des Hamburger Staatsgebietes besitzt.' Die Anregung Wetekamps wurde von der deutschen Regierung als beachtenswert anerkannt und die eingehende Erwägung derselben zugesagt — seitdem ist das Thema aber wieder von der Tagesordnung verschwunden und scheint in unabsehbarer Zeit noch Aussicht auf Verwirklichung zu haben. Es erscheint daher gerechtfertigt, wenn das angeregte interessante Projekt wieder einmal der Oesfentlichkeit ftn Erinnerung gebracht wird, dasselbe verdient eine allgemeine Erörterung und Würdigung, wenn natürlich auch die Fachmänner es sein müssen, die in der Angelegenheit das letzte Wort sprechen. Im „Jahrbuch der Naturwissenschaften" wird darauf aufmerksam gemacht, daß England schon seit 700 Jahren ein etwa 40 Hektar umfassendes Gebiet besitzt, das man als einen, wenn auch! sehr kleinen, Park im Sinne des obigen Vorschlags bezeichnen könnte. Dasselbe liegt in der Grafschaft Staffordshire, und befindet sich darin eine iherde wilden weißen Rindviehs. Der Aufenthalt der Tiere ist ein etwa 100 Meter hohes Plateau, welches bereits um 1200 angelegt wurde und jetzt einen Teil des Chartley- Parkes bildet, der irt der Nähe der Stadt Uttoxeter liegt. Das etwa 100 Acker umfassende wilde Tafelland ich mit grobem Gras, Binsen, verkümmerten Heidelbeeren, Heidekraut, Flächen üppigen Farnkrautes und alten verwitterten schottischen Kiefern und Birken bedeckt. Auch Rot- und Damhirsche, unzählige wilde Kaninchen, und deren zahlreiche Feinde beleben dies wilde ursprüngliche Gebiet. Mit den ungeheuren amerikanischen Nationalparks kann sich dieser Park natürlich nicht entfernt messen, nicht allein soweit die Größe in Frage kommt, sondern auch in Bezug auf die Art der Naturprodukte, um deren Erhaltung! es sich handelt. Tie amerikanischsn MM chsneu Mn Mi der „Aufbewahrung" grandioser NatnrsKüiihejl fowoU wie seltener Naturphänomene. Der Bosemitepark umfaßt das berühmte Vosemitethal, den Glanzpunkt der Sierra Newada in Kalifornien, das 1851 entdeckt und bereits 1864 vom Kongreß dem Staate Kalifornien als unantastbarer Park überwiesen wurde. Seine Größe wird auf 24 Kilometer Länge bei anderthalb Kilometer Breite angegeben. Zu beiden ©eiten des vom Merced-River durchströmten Thals erheben sich 1000 Meter hohe und höhere granitene Felstürme; gewaltige Wasserfälle schießen 200 Meter hoch herab. Die Farbenpracht der Gesteine wird als außerordentlich Prachtvoll geschildert. Als Sehenswürdigkeiten ersten Ranges gelten vor allem auch die tausende von Jahren alten Mammuthbäume, die über 100 Meter hoch und so stark sind, daß man in ihrem Innern Herumreiten kann. Der Sequoiapark hat den ausgesprochenen Zweck der Erhaltung dieser ehrwürdigen Waldriesen, bei denen die berühmtesten — der Vater des Waldes, .144 Meter hoch, bei 35 Meter Umfang am Grunde des öfteren beschrieben worden sind. Der größte und herrlichste der amerikanischen Nationalparks und zugleich der größte Park der Erde, ist der Dellowstonepark, der eine Fülle erhabener Wunder in sich schließt, wie sie in solcher Menge und Mannigfaltigkeit sonst nirgends wieder vereinigt angetroffen werden. Der am 1. März 1872 vom Kongreß der Vereinigten Staaten gefaßte Beschluß, das gesamte Quellgebiet des Yellowstone mit feinen Naturwundern zum Nationaleigentum zu erklären und es „als öffentlichen Park zum Vergnügen und zur Wohlthat des Volkes für alle Zeiten zu widmen", muß daher als ein kulturhistorisch in hohem Grade dankenswerter Akt bezeichnet werden, welcher die Naturfreunde aller Länder mit Genugthuung erfüllen muß. Die Größe dieses ungeheuren Parks wird verschieden angegeben, der eine mißt ihm die Ausdehnung Westfalens bei, während nach einem anderen Werke der Park mit den in der Folge stattgehabten Erweiterungen das Königreich Belgien an Größe übertreffen soll. Wie eine Knude aus der Märchenwelt vernahm man Ende der 50 er Jahre die Nachricht von der Entdeckung des Wunderlandes im fernen Felsengebirge. Jrn Jahre 1870 drang die erste Expedition unter General Wasburne dahin vor, ein Jahr später eine zweite unter der Führung von Professor Hayden, der auch nach der Rückkehr dein nord- amerikanischen Kongreß über die geologische Bedeutung des. Platzes Bericht erstattete. Die Expedition hatte unsägliche Strapazen zu überwinden, sah sich aber auch königlich belohnt, als sie endlich das wild-romäntische, unvergleichlich schöne Hochplateau erreicht hatte. Denn die Wunder des Nellowstoneparkes befinden sich etwa 2400 Meter über dem Meeresspiegel und werden noch um 600 Meter von einem kuppelartigen Berge überragt, wie sich überhaupt das Ganze als eine von Thälern und Schluchten durchfurchte .Hochebene darstellt, die im Norden, Süden und Osten von Bergketten eingeschlossen ist. Schon die Gegend an sich gewährt einen zauberhaften Anblick durch den bunten Wechsel von majestätischen Wald- und pittoresken Felspartien, durch die geradezu märchenhaften Farbenkontraste, durch die zahlreichen Wasserfälle, Quellen, Schluchten und Pfade. Neben Bildern erhabener Schönheit und finnberückender Anmut solche von gigantischer Majestät und melancholischer Düsterkeit. Auf der höchsten Spitze erglänzt, 2270 Meter über dem Meere, der wunderbare Yellowstonesee, ein krystall- klares, 400 Quadratkilometer umfassendes, nach anderen Berichten noch weit ausgedehnteres Wasserbecken, in dem östliche Forellen sich tummeln. Reizende Inseln heben ich über den unbewegten, blitzenden Wasserspiegel empor, auf dem Wasser erblickt man ganze Scharen von Pelikanen, weißen Schwänen und anderem Geflügel. Dieser See, nächst dem Titikakasee in Südamerika, der höchstgelegene große See Amerikas, ist einer der höchsten Seen der Erde, ungeheure Fichtenwälder umgeben seine Ufer, hinter ihm ragen die schneebedeckten Gipfel der Berge empor. Aus dem See heraus tritt der Yellowstone, der sich, nachdem er eine Region von Schwefelquellen passiert, einen Weg durch die vulkanischen Ryolithmassen geÜBochril und - 276 - »uf triebe Seife einen Lmum gebildet hat, zwar nicht so nchchtig wie jener des Colorado aber von wahrhaft schauerlicher Großartigkeit. Rechts und links erheben sich bis zur Höhe von co. 600 Meter die in allen Farben des Regenbogens leuchtenden Felsen, an ihren Kämmen mit dunklen Fichten geschmückt, tief unten im Grunde schlängelt sich der Strom als weißes Band von Schaum dahin, und über ihm kreist der Adler, der in den Felsspalten seinen Horst errichtet hat. Als die von uns erwähnte Expedition; am Rande des schauerlichen Abgrundes stand, erschien ihr, wie Friedrich v. Hellwald in seinem Werke „Die Erde und ihre Völker" erzählt, alles in der Tiefe von zauberhaftem, phantastischem Aussehen. Als man in die Schlucht eindrang, stieß man an ihrem Eingänge auf zahllose Schwefelund Alaunquellen, die zuweilen die merkwürdigsten Gebilde zeigten; 5 Kilometer weit im Canon befanden sich die Erforschjep400 Meter tief unter dem Rande per Schlucht; nach: weiteren 4 Stunden mühsamer Arbeit erreichten sie das Ufer des Stroms, dessen Wasser warm und nach Alaun und Schwefel schmeckte. Die innere Hitze machte die Atmosphäre drückend, obgleich ein ziemlich starker Seewind durch den Canon strich, dessen entsetzliche Felswand beim Emporblicken den Himmel zu erreichen schien. Es mochte 3 Uhr nachmittags sein, und gleichwohl sah man die Sterne ganz deutlich am Firmament. Der Canon des Yellowstone ist nicht weniger als 40 Kilometer lang und besitzt oben eine Breite von 300 bis 1000 und über 1000 Meter. Bon großartiger Wirkung sind auch die Wasserfälle des Uellowstone, darunter die 130 Meter hohen Tower- Fälle, und ein weiterer gewaltiger Wasserfall, bei dem sich der Wasserstrahl in einem einzigen Bogen über eine Felswand von 120 Meter Höhe herabstürzt. Am berühmtesten ist aber der Fellowstonepark wegen seiner heißen Quellen, Geiser und Schlammvulkane. Selbst Neuseeland und Island stellt er weit in den Schatten. An 1500 Geiser befinden sich in der in der Nähe des Stromes gelegenen Geiserregion, an 5000 Stellen etwa soll es nach Bölsche überhaupt aus der Erde dampfen. Unter den Schlammvulkanen nimmt am meisten der sogenannte Schlammgeiser unsere Aufmerksamkeit in Anspruch, der „aus 10 Meter breitem und 6 Meter tiefem Trichter blau- graue, kochende Schlammmassen unter grausigem Gewinsel emporwallen läßt". Heiße Qellen stehen in jeder Temperatur zur Verfügung, von soviel Grad an, als nötig sind, um das Wasser angenehm trinkbar zu machen, bis zum heißen Bad und der Gelegenheit, ohne Kohlen zu kochen. Biele der Quellen haben durch ihre Kalk- und Kieselniederschläge imposante Bassins und ungeheure Terrassen gebildet, darunter die 60 Meter hohe, etwa ein Dutzend Stufen aufweisende Terrasse, der Mammoth Hot Springs, jener 70 besonders berühmten Quellen, deren bläuliches Wasser im Sonnenglanz in den zauberischsten Farben leuchtet. Andere Quellen, ebenfalls von prachtvollen Krystallformationen eingefaßt, die sich- oft bis zur Höhe vieler Meter erheben, sprudeln Alaun und Schwefel aus. Bon den Geisern sind die berühmtesten der Great-Fountain- Geiser, der seinen Strahl 45 Meter hoch, und der Excelsior- Geiser, der ihr, gar bis 90 Meter hoch schleudert, und zwar aus 70 Meter breitem Kessel herauss, den der etwa fünf Meter hohe selbstgebildete Wall einsäumt. Zwanzig Minuten lang währt jedesmal das Ausspritzen der Wassergarben des Fountain-Geisers, während der Old-Faithful alle 68 Minuten einen Strahl 40 Meter hoch sendet. Man unterscheidet zwei Geisergebiete, ein unteres und ein oberes, natürliche sind nicht immer alle in Thätigkeit. Um dem Nellowstonepark noch höhere Bedeutung zu verleihen, dient er aber auch noch als Erhaltungsort der charakteristischsten Tiere Nordamerikas. Die letzten Büffel und die Biber haben darin eine Zufluchtsstätte gefunden, Hirsche, Elentiere, Antilopen, und andere besondere Tiere leisten ihnen Gesellschaft. Der Park steht unter der Aufsicht von besonderen Verwaltungsbeamten, man kann ihn bequem mittels der Eisenbahn erreichen und findet inmitten der Wälder, Quellen und Wasserfälle in luxuriös eingerichteten Hotels die vorzüglichste Verpflegung. Wenn wir nun auch in Deutschland keinen Nationalpark von auch nur annähernder Großartigkeit zu schaffen vermögen, so würden doch auch unsere Parks zweifellos zu Bewahruugsstätten interessanter Formationen und Produkte werden und sich zu natur- und kulturgeschichtlichen hochwichtigen Erinnerungsstätten gestalten. Man mache nur mutig den Anfang, ehe wir in der: That bei jenem Zustande angelangt sind, den Wetekamp in seiner beachtenswerten Anregung mit den Worten eines bekannten Naturforschers wie folgt charakterisierte: „Der zivilisierte Teil der Menschheit wird alsbald mit Schrecken die Monotonie gewahr werdest, welche sie nicht nur bedroht, sondern bei welcher sie teilweise jetzt schon angelangt ist. Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, der Abwechselung zu lieb auch umgekehrt, Gerste, Hafer, Weizen, Roggen — sehen sie, das wäre die Flora der Zukunft. Und das Tierreich — Haushühner, Truthühner, Tauben, Gänse, Enten, dann Rind, Pferd, Esel — die übrigen als Reliquien in Museen aus- gestopft !" _____________ Vermischtes. Geirr eestee Gedanke. Alter Schauspieler (der zum ersten Male auf der Elektrischen fährt): „Mir ist, als hätte man mir endlich einmal die Pferde ausgespannt:" Unverfroren. Herr (zum Barbier, der ihn wiederholt ge. schnitten): „Ihr Messer scheint nicht zu schneiden!" — Barbier: „Und ob's schneidet! . . . Seh'n Sie nur in den Spiegel!" Litterarischer. Berkehrsentwickluttg in Deutsch»»«». 1800-1900. Sechs volkstümliche Vorträge über Deutschlands Eisenbahnen und Binnen- wafferstraßen, ihre Entwicklung und Verwaltung, sowie ihre Bedeutung für die heutige Bolswirtschaft von Prof. Dr. W. Lotz. „(AuS Natur und Geisteswelt. Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 12 monatliche Bändchen zu je 90 Pf., geschmackv. geb. zu je Mk. 1.15.) Verlag von B. 0. Teubner. In unserer Zeit, die nach dem Ausspruch von höchster Sick „unter dem Zeichen des Verkehrs" steht, wird es mit lebhafter Freude begrüßt werden, wenn es sich ein so berufener Universitätslehrer wie Prof. Lotz angelegen sein läßt, in gemeinverständlicher Zusammenfassung einen Ueberblick über die große und für jedermann bedeutungsvolle Entwicklung des Verkehrswesens in Deutschland in diesem Jahrhundert zu geben und weitere Kreise mit den feststehenden Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiete bekannt zu machen. In dem Professor Brentano, dem wohlbekannten Nationalökonom, gewidmetem Bändchen giebt uns der Verfasser nach einer kurzen lieber« sicht über die Hauptfortschritte in den Verkehrsmitteln zwischen 1500 und 1800 und deren wirtschaftliche Wirkungen eine Geschichte des Eisenbahnwesens, deren erste Anfänge, daS Schwanken zwischen Staats- und Privatbahnsystem, die Durchführung der Eisenbahnverstaatlichung und den heutigen Stand der Eisenbahnverfassung. Besondere Kapitel widmet er dem Güter- und Personentarifwesen und berücksichtigt neben der geschichtlichen Entwicklung in Deutschland vor allem auch die Reformversuche im Ausland und den gegenwärtigen Stand der Reformsragc in Deutschland. Im 5. Bortrage geht es dann auf die Bedeutung der Binnenwafferstraßen in der Gegenwart ein und orientiert über ihr Wesen, über ihr Verhältnis zu den Eisenbahnen und ihre Stellung im modernen Verkehrswesen. Zum Schluß werden die Wirkungen der modernen Verkehrsmittel zu Wasser und zu Lande und die gewaltigen Umwälzungen geschildert, welche sich durch die Fortschritt« der Verkehrstechnik in unserem Jahrhundert in den wirtschaftlichen Beziehungen der Völker zu einander, in den gegenseitigen Beziehungen der einzelnen Zweige des Erwerbslebens sowie in unserm wirtschaftlichen Handeln und Denken vollzogen haben. Bei der großen Bedeutung unserer Verkehrsmittel für den Einzelnen, wie für die Gesamtheit, und dem in weiten Kreisen unseres Volkes bestehenden dringenden Wunsche nach einer Verbilligung des Personenverkehrs und einer allgemeinen Reform deS Tarifwesens wird die Schrift viel zur Aufklärung beitragen und kann einem jedem als interessante und lehrreiche Lektüre nur warm empfohlen werden. Charade. Nachdruck verboten. Du findest das Erste zumeist in dem Wald; Das Zweite wird, paßt es schlecht, unbequem bald. Nähm' einer das Ganze zum Rennen und Springen, Er würde wohl wenig Lorbeer'n erringen. m. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Ernst ist das Leben. Mdaktion: <6. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'scheu UntverfiMs-Bnch. und Steindruckerei (Pietsch «rdenl in «Sieger.