Nachdruck verboten. Das Wegekind. Roman von ElsbetH Meyer-Förster. (Fortsetzung.) Johannes weicher, seidener Scheitel glänzte dicht vor seinem Blick. Er beugte sich ein wenig vor und drückte seine Lippen darauf. Aber mit diesem ersten Kuß durchströmte ihn eine Flut von Wärme. Jetzt fand er ihre Lippen. Und die Tante, die droben in ihrem verriegelten Jungfrauengemach an schweren Träumen litt, hatte nicht Unrecht, wenn sie zur selben Zeit mit dem Aufschrei: „Ein Dieb!" aus ihren Kissen flog. Aber nicht zu ihr war der Dieb gekoinmen. Unten im Keller hatte er diesen einzigen, diesen kostbarsten Schatz des alten Hauses geraubt. „Herr Neumann, der Vizewirt, kommt nach Haus!" flüsterte Johanne unter Pauls seligen Küssen hervor. Er gab sie sanft aus seinen Armen frei und schaute sie an. „Wie schön Du bist, Johanne!" sagte er. Ihre Wangen waren rot. In ihren Augen lag ein seliger, beglückter Glanz. „Und Du!" sagte sie bewundernd. Ja, es war nicht mehr derselbe, trübe Paul. Mit unendlicher Zärtlichkeit betrachtete sie sein Gesicht. Das Knarren eines Schlüssels am Hofthor unterbrach die Stille. „Ich wußte es", flüsterte Johanne. „Ich hörte ihn schon die Straße heraufkommen. schließt die Hausthür hinter sich ab. Sie müssen gehen, Herr Paul. „Wer?" fragte er, indem er sie noch einmal an sich zog. „Du!" entgegnete sie. Eine Welt von Glück lag in dem Wort. — Dann war Johanne allein. Sie setzte sich auf den Block, auf den Paul sich niedergelassen und ihr zugeschaut hatte. Ihr Sinn war wirr vor Glück. Und sie konnte noch nichts fassen. a 1900. - Nr. 38. t WM nei as, Hammer oder Ambos sein? Mein guter Ambos stemm dich ein: Stehst du nur sest beim Hammerschwingen, Wird früher er als du zerspringen. Ferd. Avenarius. Nur das eine wußte sie, daß sie das dem Geliebten gegebene Versprechen brechen und die angefangene Wäsche trotz allem zu Ende bringen würde. Sie hatte ihm schwören müssen, zu Bett zu gehen, und die Sorge um die Wäsche, sowie die Sorge um das ganze bevorstehende „Morgen" ihm zu überlassen, seinem Einschreiten. — Aber mit der Skrupellosigkeit und der Leichtigkeit eines Kindes, für das ein Schwur keine andere Bedeutung hat, als den bittenden Teil für den Augenblick zu beruhigen, eilte sie über dies von Paul so feierlich behandelte Versprechen hinweg. — Es war ja zum letzten Male, daß sie im Hause der Tante ihre Pflicht that! Morgen würden sie sie holen — als kleine Braut! Und bis zum Tage ihrer Hochzeit würde sie bereits bei ihnen leben — bei diesen guten Menschen, die ihr dankbares Herz jetzt mit anbetender Liebe umschloß. Und dann würde Paul sie küssen wie heute abend, auf den Mund, auf die Stirn, auf die rotgewaschenen Hände! — 1 Zum letzten Male würde sie heute waschen! Und glänzend, schneeweiß sollte es werden. — Als der Morgen kam, war es Johanne, als zwitscherten draußen im Hof die Vögel. Sie öffnete das kleine Fenster und horchte entzückt hinaus! — "--v*"'' Wie schön die Spatzen sangen! Wie laut und hell und melodisch schrie in der Ferne ihr Freund, der Hahn. Alles war schön und melodisch an diesem Morgen, der stille, kleine, graue Hof, in dem Herrn Neumanns Hosen zum Ausklopfen auf der Leine hingen, war voll phantastischen Lebens, überall sah Johanne etwas blühen, etwas glänzen und schimmern.-- Die Wäsche blähte sich auf zu einem seifenschaumbedeckten Berge, und Johanne versenkte wieder und wieder ihre Arme hinein. Jetzt hörte sie es fünf schlagen von der alten Schiffsuhr, die droben im Handarbeitszimmer hing. Wie müde sie war, wie matt im Kreuz, und wie ihr Herz vor Seligkeit bis in alle Himmel schlug. An den Kuppen ihrer Finger hatten sich rote Striemen gebildet, und sie hob die Hände gegen das helle Tageslicht und beobachtete den matten, rosigen Schimmer, der durch die feucht aufgeriebene Haut leuchtete, die runzlig geworden war vom Waschen, wie ein welkes Rosenblatt. In den Hof war der Müllkutscher eingetreten, stieß mit der eisernen Stake an die gefüllte Abfallkiste und wünschte der einsamen Wäscherin „Guten Morgen". Johanne sah ihm nach, wie er davonging, Sonnenstäubchen tanzten vor ihren Augen, sie sah nicht den Müllkutscher, sie hörte nur tausend, tausend fröhliche „Guten Morgen!" Und noch immer sangen die Spatzen. 150 Nettchen war in ein Leben nntergetaucht, das so bunt i ihr aufgestiegen und sie wunderte sich jetzt, daß sie dieselb und verzerrt war, daß es ihr manchmal schien, das stille, I int wachen Zustande noch Niemals erwogen hatte, bürgerliche Dasein, welches sie ehedem bei den Brinkmanns I Sie würde sich einige Tiere Abrichten und mtt ihnen geführt hatte, sei nur ein Traum gewesen. — Von Ort zu I die Orte durchziehen, um Vorstellungen zn geben, tote Ort, von Flecken zu Flecken zog sie mit einer Wander- es eine Spezialität der Neuzeit geworden war. truvve Sie konnte kaum bte Zett erwarten, wo es lebhaft Nach ihrer Flucht aus dem Brinkmann'schen Hause in der Wohnung wurde, der braune Topf wie aus einer batte sie das erste beste Unterkommen bei gewöhnlichen Versenkung heraus erschien, und endlich das Rollen des Leuten gesucht, um von da aus die Schritte zu einer Artisten- Wagens vor der Hansthur erkennen Keß, daß die Hand- frntfTirrfnt einruleiteu I lerin zu Markte fuhr. Wer sie mußte einsehen, daß ohne ein festes System I Blitzschnell war sie in ihren Kleidern, lockte das in amb nnf diesem Weae nichts zu erreichen war. Mit der I der Küche um den Ofen versammelte Federvieh zu sich üÄen Miantake war's uicht aethau herein und hielt prüfend Umschau unter der Gesellschaft. ^Ueberall hieß es: „Was können Sie?" Niemand wollte Dann langte sie sich die Prachtexemplare des Bestandes, sich an ihrem hübschen Gesicht, ihrem guten Willen und zwei Enten, deren Gefieder neben dem leuchtendsten stahk- ifirer Abenteuerlust genügen lassen. I blau ein paar Brustlätze vom zartesten Weiß zeigten; sie $ So glühend ihrw Wünsche, ein Metier zu erlernen, hüllte die Tiere in ein Tuch und legte sie in diesem au, auck waren alle Mittel und jede Gelegenheit, sich aus- ihr Bett. Darauf jagte sie ben übrigen Teil ber Versamm- ä.irturhptt feMfert ihr I luiig toieber in die Küche zurück. 8 Von äußerster Not bedrängt, schlüpfte sie endlich als Nun setzte sie sich auf den Bettrand, neben das ' ** - * W S.$*ät%tbi= W noch vöwg ernt,»,. grammverkauserin im Z - MpspoeWeit kleiner gereckt hatten, gab Nettchen ihnen mit dem Zeigefinger Sie fand nun Mittel und Wege, bei^ekgenhei^lle n °{nen leichten Schlag auf den Schnabel, daß sie erschrocken Bestellungen und Auftrage die sie auszufuhren je tn zurückfuhren unter die Hülle des Tuches. die Manege zu gelangen, unddorteiueu M au g Dieses Experiment wiederholte sie wohl fünfzig Mal. l^istenzen zu werfen, ine ihr noch immer die beneidens I $enn §u i)en ersten Stadien des Unterricht "TÄ di- Seite «k* verlor ste ihren i* f«™« » Tiere ihre Herrin und Meisterin erkennen Posten, und nun folgte eine Pause bitterer Not ertoie§ s^h, daß Nettchen nicht Übel kalkuliert hatte,; glücklichen Naturell pellten a[g f{e je^t endlich das Tuch völlig öffnete, wagten die die Schicksalsstreiche ab, die andere so tief entmutig I ^ögel nicht, davonzuhuschen. Dicht aneinandergedrängt, mit W ™it b« «atoität 6unae,t= * * im Me^™ «uge„ Wen ste 9e- ‘e *” wtSxm W B°den°und" rie??s d"nrch "eichte «hrj?gen°mit"eimm Federviehhanblerin, die ^ren Aftermieter verloren^hatte üor fM) rund im Zimmer herum. und nun die Wohnung von drei Kammern für sich und I Dock) bei jedem zweiten Schritte klopfte sie mit dem ihre beiden Sohne zu groß befand. , . , Stocke auf den harten, von Federn überpolsterten Kopf Nettchens Kammer ging auf den Hof hinaus, in wel I ^te, sodaß dieselbe in übertriebener Angst den- chem die Pfleglinge der Händlerin, die. Puten, Ganse, duckte, was sich jedesmal wie ein Kompliment Hühner und Kropftauben ihr Wesen trieben. ausnahm. In aller Morgenfrühe schon fuhr die Händlerin mit I Nettchen diese Hebung eine Stunde lang fortgesetzt ihrem vollgepackten Handwagen nach der Markthalle, und I ßatte unb ba§ Stöckchen einen Moment lang aussetzte, dann war es ihre Gewohnheit, daß sie Nettchen emen I gxMah das Ersehnte: unergründlichen Topf Kaffee zur Thur hmeiuschob und I Ohne allen Antrieb duckte die vor ihrer Meisterin her- in der fliegenden Eile den Spalt halb offen keß. laufende Ente ganz von selbst bei jedem zweiten Schritte Da geschah es mitunter, daß aus der Küche, wo das ben* Souf zarteste Geflügel für den Winter eine Art südliche Luftkur I Nettchen nahm sie vom Boden auf unb drückte das genoß, einige Enten unb Gänse, ober Tauben, ober im I wehrende Geschöpf enthusiastisch in den Arm. Gefolge seiner Damen der Hahn in Nettchens Kammer I Dann teilte sie mit ihm ihr Weißbrot und den Kaffee, stolziert kamen, um döst an der Erde stehenden Kaffee- 1 ber inzwischen eiskalt geworden und von der die Momente topf einer Besichtigung zu unterziehen. I der Freiheit benützenden zweiten Ente zur Hälfte um« Nettchen beobachtete, mit halb blinzelnden Lidern, wie I ^stoßen worden war. sich ganze Konferenzen und Unterhandlungen unter dieser I Als Nettchen mit ihrem anscheinend so eifrigen Zög- gemischten Gesellschaft entspannen. ling den Unterricht wieder aufzunehmen begann, zeigte Der Tonangeber war natürlich fast immer der Huhu. I sich, daß er alles vergessen hatte. Er pickte ein paarmal wie besessen g egen ben §entel I Anstatt sich zu verbeugen, flatterte er wie besessen des Topfes, worauf er ein vor Erregung fast schluchzendes I ü6er bett Fußboden, in den Spucknapf hinein, wo er sich Glucksen von sich gab, das sofort alle ferne Frauen an I frischen Sande mit lautem Protest-Geschnatter seine Seite rief. . I niederließ. Ganz wie in einer Volksversammlung erschienen bann Allein Nettchen erntübete nicht. Wieber unb toieber eilig unb wißbegierig noch einige andere weibliche Kon- I ergriff sie den Vogel. Wieder und wieder lockte, gluckste, ferenzteilnehmer, die Gänse mit hochmütig in die Luft I schubste sie, ließ sie das Stöckchen tanzen, oder quittierte gestrecktem Kopf, während die Enten, wie Frauen aus dem sie einen Wutschrei des Tieres mit aufgeregten, erklären- Volke, bescheiden und mit leisem Zischeln hereinschritten. I den Worten. Nettchen schaute von ihrem Bette neugierig zu diesem I In der Gefräßigkeit der Ente fand sie ein Hilfsmittel Kranz heftig konversierenber Geschöpfe herab. I zur Vervollkommnung des Unterrichtes. Immer wenn ber Die Eigenschaften unb Angewohnheiten ber verschie- I Vogel in Gedankenstumpfsinn das ersehnte Kompliment denen Tierchen prägten sich ihr fest ins Gedächtnis. gemacht, fühlte er sich emporgehoben unb ein Stuck Brot Sie rief und lockte, indem sie ihre Stimme zu einem in feinen Schnabel gestoßen, das er nnt fleberhafter Rasch- (tifitrffpn nprffpfffe Nud sie hatte bei einigen der Tiere I heil her unter würgte, bis ihm endlich ein Licht darüber auf- ken Llg daß sie, an den Kt ihrer Stimme gewöhnt, zugehen schien, daß um viel unendlich viel solcher Brocken auf ihre/Ruf herbeikamen und die Köpfe zu ihr empor- zu schlucken, er viel, unendlich viel Mal sich zu verbeug streckten. I habe. —. Eines Morgens erwachte Nettchen noch früher als (Fortsetzung folgt.) sonst. Eine lebhafte Idee war während eines Traumes in • —-------- 151 ' Ein Phänomen. Nachdruck verboten. Bei all unserer unruhevollen Geschäftigkeit, unseren Leidenschaften, unserem Hassen und Lieben, stoßen wir immer wieder auf das Problem dessen, was jenseits dieses Lebens liegt, und wenn es geschieht, daß ein Gelehrter, wie William Crookes, ein Physiker wie Röntgen, oder ein Arzt wie der Professor Ch. Richet uns einen Einblick in die Ergebnisse ihres Denkens gestatten, und einen Winket des uns umgebenden Dunkels ins Licht zu setzen versuchen, so suchen wir alle, ob alte, ob junge Denker oder Handwerker begierig diesen heißersehnten Strahl des Lichts. In der letzten Zeit ist die Welt der Psychologen in die höchste Aufregung versetzt durch die Erscheinung eines Buches des Herrn Flournoy, Professor an der Universität Genf, betitelt „Von Indien bis zum Planet Mars". Es ist die Darstellung eines in der Wissenschaft geradezu einzigen Falles, der bei einer jungen Frau von dreißig Jahren, einer einfachen Handlungsgehilfin, von unbescholtenem Charakter beobachtet wurde. Diese Frau hat Zustände des Somnambulismus, in denen sie eine Reihe von Erlebnissen erzählt, die sie in der Zeit eines früheren Daseins gehabt hat. Diese Existenzweise stellte sich nach drei Richtungen hin dar: die eine auf dem Planet Mars, die andere in Indien, und die dritte in Frankreichs zur Zeit der Marie Antoinette. In wachem Zustande, d. h. nachdem der Zustand des Somnambulismus vorüber ist, weiß Frau X. nicht das Geringste davon, und erledigt ihre Arbeiten mit der größten Genauigkeit und bei vollständig gesunden Sinnen; sobald sie in Schlaf versetzt ist, kann man sie über die Begebnisse, welche sich in den nach ihren Angaben durchlaufenen Zeitabschnitten, vielmehr während ihrer verschiedenen Menschwerdungen zugetragen haben, mit Muße befragen. Herr Flournoy hat anfangs einen Betrug gemutmaßt, wie er bei einer großen Anzahl von Fällen des Somnambulismus aus eigenem oder fremdem Antriebe vorkommt, und hat sich die Frage vorgelegt, ob es dieser jungen Frau von Personen aus ihrer Umgebung nicht etwa suggeriert sei, in der Absicht, sie in nervösem Zustande eine Rolle spielen zu lassen. Nichtsdestoweniger ist er von dieser Annahme zurückgekommen, und zwar aus folgenden Gründen: Zunächst behauptet Frau X.: in den Augenblicken, in welchen sie von einem Aufenthalt auf dem Mars spricht, daß sie sich in der Sprache auszudrücken versteht, welche man aus bem Mars spricht. In der That bedient sie sich, sobald man sie dazu .auffordert, einer Sprache, die sich aus deutlich artikulierten Lauten zusammensetzt, die wiederum so zusammengestellt sind, daß sie Worte bilden. Diese Worte selbst entsprechen bestimmten Gedanken; kurz, der Zusammenhang zwischen Wort und Gedanke ist vorhanden, und die Kranke bringt sie in besonderen graphischen Zeichen zu Papier. Sodann: der Nachweis dafür, daß die Behauptungen der Frau X., es bestehe für sie ein geistiger Zusammenhang mit einem Leben, das sie aus dem Mars geführt hat, begründet sind, ist offenbar ein Ding der Unmöglichkeit; dagegen ist dies keineswegs der Fall bezüglich der Begebnisse, deren Zeuge dieselbe Person in Indien gewesen ist, zu der Zeit, als sie dort lebte. Nach langem und unverdrossenem Suchen hat Herr Flournoy eine alte Handschrift aufgefunden, in welcher er die hauptsächlichsten Erlebnisse entdeckt hat, auf welche Frau X., wenn sie von ihrem Aufenthalt im Lande der Hindu spricht, anspielt. Ja,, noch mehr: Frau X. spricht in solchen Momenten im Sanskrit und in der arabischen Sprache, und zwar in einer Art, um auch den größten Skeptiker davon zu überzeugen, daß sie eine genaue Kenntnis dieser beiden Sprachen besitzt. Hierzu kommt, daß, solange man diese junge Frau in Gens kennt, sie niemals in die Lage hat kommen können, Gelegenheit zur Erlernung des Arabischen oder des Sanskrit zu finden. Wir übergehen die Betrachtungen, welche sich auf die neue Wiedermenschwerdung, nämlich zur Zeit der Marie Antoinette, beziehen. Man könnte in diesem besonderen Falle glauben, daß dabei Suggestion und Betrug irgendwie eine Rolle hätten spielen können; aber es ist außer allent Zweifel, daß keine wissenschaftliche Erklärung unversucht gelassen ist, um ein solches Phänomen zu deuten, wie es sich in Frau X. darbietet, wenn sie in der Sprache der Bewohner des Mars, im Sanskrit oder arabisch spricht. Der Professor Flournoy zieht als ein echter Gelehrter weiter keine Schlüsse. Er beschränkt sich darauf, uns in einem gewissenhaft abgefaßten Buche des Ergebnis seiner Beobachtung auseinander zu setzen, die drei volle Jahre in Anspruch genommen hat. Ueberall läßt er uns seine innere Bewegung erkennen gegenüber diesen außerordentlichen Erscheinungen: Wir stehen hier zweifelsohne vor Erscheinungen, wel chediekühn st enHypothesen zulass en, und ebenso, wir müssen dies behaupten, für die Gewißheit der Hoffnung auf die Unsterblichkeit unserer Seele beweisend sind. -ns. Em Fortschritt der Kakao-Industrie. Während die Chokolade-Fabrikation sich in den letzten Jahrzehnten dem Geschmacke des Publikums mehr und mehr anzupassen wußte, ist die Kakao-Fabrikation in Deutschland, wie auch im Auslande bis in die neueste Zeit auf derselben Stufe stehen geblieben, auf der sie schon vor Jahrzehnten angelangt war. Endlich fand sich eine deutsche Firma, die erkannte, daß die früher erzielbare Entölung des Kakaopulvers nicht genügte, um dem Kakaopulver den größtmöglichen Grad von Nährkraft (Eiweiß-Reichtum), Bekömmlichkeit und Ergiebigkeit zu verleihen; daß viele Menschen mit schwachem Magen sich des für sie so wohlthätigen Kakao-Genusses enthalten mußten, weil sie den Kakao nicht vertragen konnten; und daß also neben einer Reform des Vertrieb- Systems (abzielend auf Verbilligung des Kakao-Pulvers und Verdrängung der teuren ausländischen Kakaos) eine stärkere Entölung des Kakaos Platz greifen mußte. Die betr. Firma erkannte ferner, daß es ein Irrtum war, wenn die Holländer und Schweizer das Hauptgewicht auf die Bindungsfähigkeit, auf die sogenannte Löslichkeit „in der Tasse" legten und in ihren Reklamen auf die bequeme Zubereitungsweise hinwiesen. Die Löslichkeit „im Magen", d. h. die Bekömmlichkeit, und die Fähigkeit, von den Ver- dauüngswerkzeugen voll ausgenutzt zu werden, mußten als Ideal für das Kakao-Pulver erkannt und angestrebt werden. Dies geschah durch die betr. Firma, der es durch ein eigenartiges mittels D. R. P. Nr. 89 251 geschütztes Verfahren gelungen ist, ein Kakaopulver herzustellen, welches von größter Milde und Feinheit des Kornes ist, und trotz Nichtanwendung starker Alkalien-Zusätze die denkbar größte Bindungsfähigkeit besitzt. Zugleich ist die Ergiebigkeit derartig gesteigert, daß man aus einem Pfund ca. 150 Tassen erhält, gegen ca. 100 Tassen aus einem ölreichen Kakao- Pulver alter Fabrikationsweise. Es wird also bei Verwendung des Kakaopulvers der Firma Reichardt und Cie. in Wandsbeck, um die es sich hier handelt, allein durch die große Ergiebigkeit eine Ersparnis von 33 ein Drittel Prozent gegenüber den ausländischen und nach ausländischer Fabrikationsweise hergestellten deutschen Kakao-Pulvern erzielt. Rechnet man dazu seine billigen Fabrikpreise, so wird sich auch der größte Skeptiker nicht der Erkenntnis verschließen können, daß die deutsche Kakaopulver-Jndustrie jetzt der ausländischen weit überlegen ist, und daß jede Familie die größten Vorteile in hygienischer und pekuniärer Hinsicht erzielt, wenn sie Reichardts veredelte Kakaos in ausgiebigstem Maße zur Verwendung bringt. — Die That- sache, daß das große Publikum nicht weiß, wie naturreiner Kakao riechen und schmecken soll, indem es den Geschmack der verschiedenen Gewürze, mit denen die weitaus überwiegende Mehrzahl aller in Deutschland käuflichen Kakaos versetzt werden, mit dem reinen Kakaogeschmack identifiziert, kann nicht scharf genug hervorgehoben werden. Die Reichardt'schen Kakaos haben aber den großen Vorzug, daß sie nicht nach Gewürzen schmecken, sondern den Konsumenten den reinen, aromatischen Geschmack der Kakao-Bohne bieten. 152 — Humoristisches. Mißverständnis. Maler: „So, nun tragen Sic Las Bild fort, aber nehmen Sie sich in acht, es ist noch nicht ganz trocken!" — Dienstmann: „I, bet macht nischt, ick habe 'n alten Rock an!" Der Materialist. Köchin: „Gestern konnte ich nicht kommen, weil ich Wurst stopfen mußte." — Soldat (zärtlich): „Ach, Rieke, wie gerne möchte ich eine von Ihren schönen Händen gestopfte Wurst —" — Köchin: „Sein?" — Soldat: „Nee, essen!" Moderne Frühjahrsüberkleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-bl. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zum Preise von Mk. 0,50 daselbst erhältlich. Modell Nr. 768. und Wider, welches schon an sich interessant ist. Betrachtet man die letzten Modelle maßgebender Kreise, so kommt einem der Gedanke von einem „vollständigen Umschwung" gar nicht so unwahrscheinlich vor, denn man höre und staune, die neuesten Modelle, im besonderen die Pariser Modelle haben keine Taille mehr! — Zumindest vorn ist die größte Anzahl der neuen Ball- und Straßenkleider lose fallend, während der Hintere lose Fall nur vereinzelt und dann in Form einer, von der Mitte des Rückens ausfallenden Watteaufalte austritt, was aber eben nnr für tiesausgeschnittene Gesellschaftstoiletten im Stile Madame Sans Gone möglich ist. Bei den übrigen Toiletten wird der Hintere Anschluß größtenteils durch ein kurzes Figarojäckchen erreicht. Ob dies alles nun nur eine vorübergehende Modelaune ist, welche nur an einigen wenigen kapriziösen Toiletten zum Ausdruck kommt, oder ob es in der That einen vollständigen Umschwung der Damenmode bedeutet, entzieht sich vorläufig unserer Beurteilung; Thatsache ist jedoch, daß schon jetzt die äußere Gestalt der deutschen eleganten Frauenwelt auf der Promenade die Annahme des „Für" mehr berechtigt er- Nicht zum ersten Male hört man von einem allgemeinen Umschwung im Reiche der Mode reden, und geheimnisvoll deutet man auf die Eröffnung der Pariser Welt-Ausstellung hin, welche uns große Ueberraschungen bringen soll. Skeptische Naturen wollen nicht so recht entsteht in Erörterung des Gegenstandes ein Für daran glauben, und so scheinen läßt, als die des „Wider". Ich denke dabei an den modernen Sackpaletot. Schon den ganzen Winter über hat man ihn in den verschiedensten Variationen sehen können. Lang, kurz, hell, dunkel, einfach im Tailor-made-Genre, oder im französischen Geschmack mit Volants und Applikationen und last not least gutsitzend, sehr chic und schneidig oder auch ganz verunglückt, ein Ausbund von Häßlichkeit und das Gegenteil von Modell Nr. 772. Grazie. Ja, man sollte es eigentlich kaum glauben daß ein Kleidungsstück von so einfachem Schnitt, wie der Sackpaletot, so viel Verschiedenheit aufweisen kann. Dies kommt vielleicht eben gerade von der Einfachheit des Schnittes her; denn sobald derselbe von Anfang an nicht ganz korrekt ansfällt, läßt sich eben wenig mehr damit anfangen. Der Aplomb, der gute Fall ist dabei die Hauptsache, und daß der Mantel nicht zu viel Weite in der Taille aufweist und nicht zu wenig am unteren Rand, ist das andere wichtige Erfordernis. Die anderen Dinge, wie Farbe und Ausstattung, Länge und Verschiedenheit des Schnittes in Bezug auf Kragen, unteren Rand und dergleichen ist lediglich Geschmacksache. Für jugendliche Damen am beliebtesten sind ohne Zweifel die einfach glatten Paletots in dreiviertel Länge und Tailor-made-Genre, wie ihn unser Modell Nr. 768 darstellt. Derselbe ist nur mit mehreren Steppreihen verziert nnd im übrigen ganz im Genre der Herrenmäntel gehalten. Diese Art der Paletots gehört auch immer noch zu den solideren Formen, denen die Bizarrerie wenig anhaben kann. Diese macht sich desto mehr an den reichgarnierten Mänteln geltend, denen sie durch Applikationen und Spitzenauflagen, phantastische Stickereien, Volants, Kapuschons und Revers in phantastischen Formen, ja selbst durch gesteppte nach unten ausspringende Falten ein auffälliges, hypermodernes Gepräge verleiht. Madell Nr. 169. Modell Nr. 172. vom umgiebt. geringen Kleidsamkeit halber (er läßt den Hals dick und ungraziös erscheinen) kaum ernst zu nehmen, und der Stuartkragen ist so gut wie ganz aus der Mode, wenigstens an den vorn offenen Jäckels. Doch auch an den vorn geschlossenen Jäckels zieht man den Umlegekragen mit kleinen Revers allen anderen Arrangements vor. Wie nett und gefällig diese Form sein kann, lehrt unsere Abbildung Modell Nr. 169, welche ein reizendes, dabei einfaches Jackenkostüm darstellt. Dasselbe ist so einfach nnd repräsentiert dabei so vollkommen die vorerwähnten Grund- züge der jetzigen Mode, daß sich eigentlich nichts weiter darüber sagen läßt. Zugleich beweist cs der geehrten Leserin, daß die praktiscke Einrichtung der allbeliebten Jackenkostüme noch immer an der Tagesordnung ist. Daß sich die Mode sogar immer noch eingehend mit den Jackenkostümen beschäftigt, geht aus der letzten Abbildung Modell Nr. 172 Frauenwelt Wirklichkeit bedeuten, t es doch nur genug realere Formen, w < der Berichterstattung wert sind, denn u achtet der Beliebtheit der Sackpaletots b' ■•■•v. sie doch nur einen Bruchteil der Frühja mode in Ueberkleidern, welche merkwürd weise das gerade Gegenteil der 6 Paletots sind. Wenn jene lang und weit sind, so diese, die modernen Jäckels, kurz und kna;, Ja, man kann sagen bis an die Grenze des Möglichen, denn die modernen Schöße sind so kurz, daß ein Mehr aus dem Jäckel nur noch ein Bolerojäckchen werden ließe. Dabei kann man eigentlich nicht sagen, daß diese Jäckels nicht hübsch wären; denn gerade der knappe Anschluß im Rücken und das kurze geschweifte Schößchen sehen ungemein fesch aus. Erhöht wird dieser Eindruck dadurch, daß die Schößchen immer irgend eine hübsche Schweisung oder dergl. aufweisen, welche, wenn auch in sich variiert, doch stets dieselbe Grundform aufweisen, nämlich vorn und hinten lang und an der hervor; denn diese stellt ein ganz ersten abweichendes, jedoch nicht minder reizvolles Kostüm dar, dessen Jacke offen und durch eine Weste ergänzt ist. Ausgestallet wurde dieses Kostüm durch Applikation von abstechendem Tuch, welches zugleich Revers und Umlegekragen bildet und auch den unteren Rand des Rockes Seite kurz. Die Vorderteile der modernen Jackets sind entweder ein- oder zweireihig geschlossen, oder sie sind ganz offen mit rollenden Nevers, wie es unser Bild Modell Nr. 772 darstellt. Die Verschiedenheit der Reversformen ist natürlich die denkbar größte, während der dazu gehörende Umlegekragen sich fast immer gleich bleibt, kenn der vorn auseinanderstehende Stehumfallkragen ist seiner Doch wozu sich mit derartigen Phantasiegebilden beschäftigen, w ' > doch nur für einen winzigen Teil er Kapselrätsel. Nachdruck verboten. Aus dem ersten und dem letzten der folgenden Wörter sind je drei, aus jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, sodaß sich daraus ein Sprichwort ergießt. Rindsleder — Getreidezoll — Birnbaum — Meister — Teller — Linde — Waschfrau — Filzsohle — Schlafdecke — Hosennaht — Euter — Gras — Thaler — Regen — Silber. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer. Willst das Große du erreichen, Fange mit dem Kleinen an; Deine Tadler werden schweigen, Ist das Kleine groß gethan. Fr. Hornfeck. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. daß wie Schl Wen in di tätte Und trau Wie neue äufii sich und geka veid sie 1 glüd Gest paar teste der fchjw halt ihre liche sum woh Abv sie, gekr en Vers Sei