agpssäa »MM >WM !UMM TQiW ZMLM'.- igS sTHMN Sfflö P)Z/,I t & 311: «M . rtfl -sMLMM^ÜMdÄ IssnMWßMZ W MSWW^yA .Jgaf a8 Leben, Freund, mißt nicht nach Tag und Nacht, Mißt, wie ein Buch, nach dem, was drin zu lesen: Ix mehr du hast erlebt, gefühlt, gedacht, Je länger ist dein Erdenpfad gewesen. Viktor Blüthgen. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) Das alte Paar kehrte nach Forestville zurück von diesem Besuch, der alle ihre Erwartungen übertroffen hatte. Robert war hocherfreut und beeilte sich, Mildred Mitteilung zu machen, welche die letzten Wochen ihres Landaufenthaltes 'bei ihrer Freundin, Frau Wilson, zubrachte. Mildred, rief er. Sie sollen niemals wieder Mangel kennen lernen! Mein Glück wäre nichts für mich, wenn ich es nicht mit Ihnen teilte! Aber sie enttäuschte ihn durch ihre Antwort. Nein, Robert, Sie dürfen mich in meinem unabhängigen Leben nicht stören, meine Natur verlangt es! Er konnte kaum das Versprechen erlangen, daß sie sich im Falle der Not an ihn wenden werde. Bor Mrer Rückkehr nach der Stadt erhielt sie noch in Forestville einen Brief von Arnold Vinton, und es mutz eingestanden werden, daß sie einen Schauer von Glück dabei empfand. Als sie Robert davon sagte, sah er anfangs sehr grimmig aus, nach sichtlicher Anstrengung aber erhellte sich sein Gesicht. Es ist gut, Mildred, sagte er, aber Sie müssen mir eine Bitte gewähren, Sie dürfen nie mit Arnold Vinton von mir sprechen. Dann kann ich auch von mir selbst nicht sprechen, erwiderte sie. Er soll wissen, was ich Ihnen schulde und ich hoffe, Sie werden eines Tages die innigsten Freunde sein, i Nun, das hat noch Zeit! Erst mutz ich ihn sehen und mehr von ihm wissen, und — Freunde in solcher Stellung, wie wir, sind selten, dazu habe ich viel zu viel ungezähmte Natur in mir. Ich will alles in der Welt für Sie thun, aber Sie müssen so etwas nicht erwarten, bevor ich graue Haare habe. Wenn ich ihn gesehen und inich mehr daran gewöhnt habe, werde ich vielleicht anders Ganz gewiß, Robert! Traurig ging er davon. Sie meint es ehrlich, der Himmel weiß es, aber es wird doch anders kommen. Am andern Tage nahm Robert Abschied und kehrte zur Stadt zurück, nach dem er eine Stunde an Bellas Grab zugebracht hatte. Zwei oder drei Tage später kam! auch Mildred zur Stadt, begleitet von Frau Wilson, und wurde von Frau Willow herzlich begrüßt. Als Robert am Abend erschien mit einem schönen Bild für ihr Zimmer, lächelte sie, wie sie nie wieder zu lächeln geglaubt hatte. Auch der Geistliche kam, und das junge Mädchen fühlte sich nicht verlassen. , Nun, Mildred, sagte er, wenden Sie Ihre Gedanken! der Zukunft zu. Robert wird Sie glücklich machen! Glauben Sie mir, er ist von lauterem Gold! Das sagte auch Bella, dachte sie seufzend, nachdem er gegangen war, ich muß alle enttäuschen; aber Robert wird mir helfen. Er verdient eine viel bessere Frau und wird sie auch bekommen, denn er ist zu jung und zu stark, um nicht in kurzer Zeit dies alles zu verwinden. Bald nahm das Leben seinen gewöhnlichen, friedlichen Verlauf. Jeden Abend brachte er bei Mildred zu, und sprach mit ihr über seine Studien, während die alte Frau Willow halb verschlafen strickend in einer Ecke sah. Zweimal während des Winters war sie auch in Forestville, um ihren kleinen Bruder und ihre Schwester zu sehen. Mit Arnold Vinton, der sich mit seiner Mutter noch im Auslande befand, stand sie in regelmäßigem Briefwechsel, und dies verursachte dem jungen Manne mehr als eine stürmische Szene. Seine Mutter sah Mildreds Briefe, noch ehe sie in seine Hand kamen, und die Wirkung derselben auf ihn war so stark, daß sie bald die Quelle vermutete, aus der sie kamen. Die Thatsache, daß wenige Worte von Mildred mehr für den Kranken gethan hatten, als alle die teuren Heilmittel und ausländischen Heil-Anstalten, hätte manche Mutter zu dem Gedanken geführt, daß das Geheimnis der Gesundheit schon gefunden worden sei, Frau Vinton aber wurde im Gegenteil darüber nur noch zorniger und feindseliger gegen das Mädchen. Auf ihre Veranlassung ermittelte ihr Mann, daß die Familie ganz verarmt fei, und j,n einer geringen Mietwohnung hauste. Der Vater sei ganz unzurechnungsfähig geworden, und sogar das Mädchen selbst habe vor Gericht gestanden, sei aber frei gesprochen worden. Er schrieb deshulb seiner Frau, die Korrespondenz müsse fofort aufhören, da dies der Familie Schande machen könnte. Er schrieb auch seinem Sohn in gleichem Sinne unter heftigen Drohungen. Mit einem Ausdruck des Abscheus auf dem Gesicht zeigte Frau Vinton diesen Brief ihrem Sohn. Vergebens beteuerte er, daß gegen Mildred nichts Böses ausgesagt werden könne, daß sie die Unschuld und Reinheit selbst sei, und daß ihr Unglück kein Grund für ihn sei, sie zu verlassen. Was? kreischte die Mutter. Glaubst Du, wir werdey 94 diese abscheuliche Persou jemals unfern Namen tragen lassen? Ein Mädchen, das im Gefängnis gewesen ist! Ihr Sohn warf einen seltsamen zornigen Blick auf fie. Unnatürliche Mutter! murmelte er zwischen den Zähnen. So von dem Mädchen zu sprechen, dem die Liebe ihres Sohnes gehört, und welches derselben so würdig ist! Er wandte sich um und ging. Frau Binton bekam Krämpfe und schrieb nach Hause, sie glaube, Arnold habe den Verstand verloren, sie sei nicht mehr imstande, ihn zu leiten, und werde deshalb mit ihm nach Hause zurückkehren. Mit freudigen Erwartungen sah Arnold sich früher wieder in seiner Vaterstadt, als er gedacht hatte. Er hatte keine bestimmten Pläne für die Zukunft. Ueberzeugt von Mildreds Treue war er entschlossen, zu warten, und hoffte, sein Vater werde eher nachgeben, als seine Mutter. Für den Augenblick tvar jedoch die Aussicht darauf gering; denn der Vater wurde von seiner Frau aufgestachelt. Inzwischen war Mildreds Vater gestorben, und er erfuhr, daß Mildred nur eilt Nähmädchen sei, das mit einem unwissenden, englischen Weib in einem verfallenen, schlechten Miethause wohne. Sowohl er als seine Frau sahen alles vom Standpunkte des Geldstolzes aus an. Anfangs suchte er seinen Sohn zu überreden, aber dessen kaltes, regungsloses Gesicht brachte ihn bald so in Zorn, daß er fast heftig wurde. Nachdem er und die Mutter vergebens ihre Mühe verschwendet hatten, sagte Arnold ruhig: Nachdem Sie mir beide gepredigt und gedroht haben, als ob ich ein Schulknabe wäre, möche ich die Frage stellen: Habe ich jemals Ihnen Schande bereitet? Die Eltern sahen verdutzt einander an. Wollen Sie mich auf die Straße setzen, weil ich Miß Howell liebe, so mag es gleich geschehen; denn ich liebe sie und werde sie immer lieben! Keinen Pfennig von unserem Geld soll sie haben! rief die Mutter mit starrem Blick. Für mich, erwiderte Arnold mit demselben haßerfüllten Blick, handelt es sich nicht um Pfennige, sondern um Leben und Tod. Ich habe schon viel von der Welt gesehen, aber niemals ein Mädchen, das eine so vollkommene Dame wäre, wie Mildred. lieber ihre vortrefflichen Tugenden will ich nicht sprechen, aber ich bin alt genug und habe das Recht, sie zu lieben. O gewiß! ries die Mutter zornig. Dagegen giebt es kein Gesetz! O nein, so wenig, wie gegen unnatürliche Grausamkeit! Gute Nacht! Nun sieh doch, wie sonderbar er geworden ist! sagte sie zu ihrem Mann. Aber der alte Kaufmann schüttelte sorgenvoll den Kopf. Ich fürchte, wir sind zu hart gegen ihn gewesen, sagte er. Du magst schwach werden, ich aber nicht, erwiderte sie entschieden. Wenn er von dieser Thorheit nicht abläßt, so werde ich mich ganz von ihm lossagen! Gut, gut, erwiderte er ungeduldig, wenn das so sein muß, aber ich glaube doch, wir sind zu hart gegen ihn gewesen. XXXVII. Ein v er h ä n gn is v o l l e r Irr t u m. Am anderen Morgen machte sich Arnold auf den Weg, um Mildred zu besuchen. Es war ein heiterer Junitag, und sein Herz war von Hoffnung erfüllt, ungeachtet der entmutigenden Umstände. Die ganze Welt konnte ihn nicht hindern, Mildred zu lieben, oder ihr die Treue zu brechen, und endlich einmal mußte das Glück ihnen zufallen. Als er das alte Haus erblickte, beschlich ihn ein banges Gefühl. Kann sie wirklich an solchen Orten gewohnt haben? fragte er sich, und die unbestimmte Furcht erwachte, daß sie sich unter dem Druck der Umstände vielleicht verändert haben könnte, und nicht mehr jenes verfeinerte, schöne Mädchen wäre, als das er sie verlassen hatte. Als sie ihm die Thüre öffnete, befrachtete er sie forschend. O Milli! rief er. Du bist nur noch schöner, noch weiblicher geworden in diesen langen, schweren Jahren! Im Uebermaß der Freude sank er auf einen Stuhl zurück, legte die Hand auf das Herz und wurde sehr bleich. Angstvoll eilte sie auf ihn zu. Es ist nichts, Mildred, sagte er, Es geht vorüber! Ich habe diese Anfälle jetzt nicht mehr so ost, das Glück tötet nicht. Fran Willow und die Kinder waren zum Glück ausgegangen. Diese Szene hätte das Mißfallen der guten Frau erregt; denn sie stand ganz auf Roberts Seite, und wußte nichts von Arnolds Dasein. Wie mein Herz sich nach Dir gesehnt hat! sagte er. Ich wußte nichts von Deinen schweren Erfahrungen, und der Gedanke ist mir unerträglich, daß ich Dir keine Hilfe bieten konnte. O, wie anders wäre alles gewesen, wenn ich meinen freien Willen hätte! Arnold, sagte sie ernsthaft. Du mußt Dir alle Mühe geben, um stark zu sein. Als Mann hast Du das Recht, selbst zu wählen. Ich fürchte die Armut nicht, ich bin daran gewöhnt. Das nächste für Dich ist jetzt, einen Beruf zu finden, der Dich nicht zu sehr anstrengt. O Mildred, wie stark und wahr Du bist! Ich will Deinem Rat in allem folgen, aber wir werden lange warten müssen, fürchte ich; denn ich verstehe wenig von Geschäften, und mein Vater wird auf Antrieb meiner Mutter mir keine Hilfe bieten. O, ich kann warten, erwiderte sie lächelnd. Jeder meiner Gedanken, sagte er beim Abschied, gehört jetzt Dir. Denselben Abend sagte Mildred auf dem Spaziergang zu Robert mit einem leisen Zittern ihrer Stimme: Er ist gekommen! ®r warf einen raschen Blick auf sie und wandte sich ab. Robert! rief sie bittend. Das ist unerwartet! sagte er leise. Er fühlte, wie ihre Hand zittevth. Es ist gut, Mildred, sagte er herzlich, seien Sie so glücklich, wie Sie können. Wie kann ich glücklich sein, wenn Sie es nicht sind? seufzte sie. Gott segne Ihr gutes Herz! Glauben Sie, ich werde seufzend umhergehen, wie verloren und verlassen, und wie eine schwarze Wolke einen Schatten auf Ihr Glück werfen? Dessen bin ich nicht fähig. Da fällt mir ein, ich gehe morgen nach Hause für längere Zeit, mein Vater ist diesen Sommer nicht ganz wohl, und ich muß daher die Ernte überwachen. Ist das nicht ein unerwarteter Entschluß? fragte fie. ■ Kaum so unerwartet, als Ihre Mitteilung erwiderte er. Wollen Sie ihn jetzt nicht sehen? Nein, nach wenigen Wochen Landaufenthalt werde ich zurückkomiuen mit der stoischen Unempfindlichkeit eines wilden Indianers. Heute Abend werde ich Frau Willow über alles aufklären, dann wird fie nichts einzuwenden haben; und nun haben Sie nichts zu thun, als Ihr Glück entgegenzunehmen. Wer sprechen Sie mit ihm nicht über mich! Wenn wir uns später einmal begegnen, können Sie mich einfach als einen Freund vorstellen, und ich werde dann bald wissen, ob wir Freunde werden können. Sie müssen mir erlauben. Ihnen auf meine Weise zu dienen und ich glaube, mein Urteil wird in dieser Beziehung besser sein, als das Ihrige. Es gelang Robert nicht, Frau Willows Absichten so zu gestalten, wie er beabsichtigte, und Arnolds Benehmen brachte keinen günstigen Eindruck auf sie. Während er glaubte, sehr freundlich und höflich zu fein, war er, ohne es zu wissen, nur herablassend. Sie gehörte einer Menschenklasse an, mit der er nie Verkehr gehabt hatte, und oft mißfiel ihm ihr rauhes Wesen. Mildred wies jede Hilfe von ihm zurück. Zuweilen machte sie kleine Spaziergänge mit ihm, wollte aber keine öffentlichen Vergnügungsorte besuchen. Es war ihr drückend, daß Arnold sie in dieser Umgebung besuchen mußte. So sehr sie auch Frau Willow lieble, fühlte sie sich doch durch ihre Redeweise und ihr Wesen oft ebenso unangenehm berührt, wie Arnold, der ihre geheime Abneigung gegen ihn wohl bemerkte, aber sie nicht zu versöhnen verstand. Aber ungeachtet ihres sehnlichen Wunsches, den auch Arnold teilte, diese Umgebung verlassen zu können, fühlte sich Mildred doch hoch beglückt, und ihre Liebe schien ihr einen Teil ihrer früheren, mädchenhaften Fröhlichkeit wiederzugeben, und Arnold schien unter dem Einfluß seines Glückes beständig mt Kraft zu gewinnen. 95 Dennoch iah fie nicht ohne Beängstigung, wie schwäch- lrch, tote unerfahren und unpraktisch er war, und oft konnte sie ihre Zweifel nicht unterdrücken, daß er niemals im stände sein werde, in der praktischen, gleichgiltiqen Welt seinen Weg zu finden. Aber anstatt dadurch entmutigt zu sein, dachte sie nur: Niemand kann jetzt die Aufrichtigkeit meiner Liebe bezweifeln, Robert ist bereits reich, und wird einmal berühmt werden, aber dennoch ist meine Liebe zu Arnold mir das höchste in der Welt, und ich würde ihn sogleich heiraten und unterstützen, wenn seine schwache Gesundheit es erforderte. Die Welt gilt mir nichts, ich verlange nicht nach Glanz, sondern wünsche nur ganz unbeachtet bleiben zu können. Fortsetzung folgt. Die Kunst, eine Taste Kaffee zu kochen. Von Fred Hood. Nachdruck verboten. Gnädige Frau — lachen Sie nicht! Eine Tasse Kaffe zu kochen ist wirklich eine Kunst, und noch dazu eine Kunst, die sehr wenige verstehen. Einige Millionen Men- schen — das gebe ich gern zu — wissen allerdings ans Wasser uitd Kaffeebohnen eine mehr oder minder sonderbar braune Flüssigkeit zu erzeugen, welcher man den Namen „Kaffee" beigelegt hat. Aber einen Tüncher pflegt inan häufig als „Maler", und einen Barbier als „Doktor zu bezeichnen, ohne gerade hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Malerei oder Heilkunst von ihnen zu erwarten. Jawohl, meine Gnädige, auch Sie verstehen von der göttlichen Kunst des Kaffeekochens herzlich wenig. Erinnern Sie sich noch des heiteren Diners zum letzten Geburts^ tage Ihres Gatten? Sie waren beinahe so reizend wie Ihr Menü. Sie hatten eine raffinierte Geflügelsuppe, einen herrlichen, gefüllten Putenbraten, einen artigen Hecht, köstliches Kompott und Gemüse, endlich eine Creme-Speise, die sich sehen lassen konnte. Aber dann kam der Kaffee! — Schweigen wir lieber davon; er schmeckte nach der Maschine. Ob es ein Messing-, Kupfer- oder Eisengeschmack war, oder ob noch andere Nüancen dazu kamen, weiß ich nicht recht. Jedenfalls war er nicht zu genießen. Es haben ihn alle getrunken? Jawohl mit Todesverachtung. Wer wird denn einer liebenswürdigen Wirtin, die einen solchen Putenbraten zu bereiten weiß, den Kaffee unter die Nase reiben! Ich aber spreche als der wahre Freund Ihres Hauses und möchte Ihnen, da Sie uns nicht reinen Kaffee zu spenden wissen, einmal reinen Wein einschenken. Ich zweifle nicht daran, daß Sie Kaffeebohnen erster Qualität verwenden. Aber um so schlimmer ist das Vergehen, dessen Sie sich schuldig machen. Sehen Sie, aus minderwertigem Kaffee kann man bei rationeller Behand- lung desselben ein besseres Getränk bereiten als mit Ihrem Prima-Java-Kasfee. — Gewiß ist an Ihnen noch nicht Hopfen und Malz verloren. Aber wenn Sie lernen wollen, eine gute Tasse Kaffee zu bereiten, müssen Sic zunächst lernen, wie man es nicht machen muß. Die gebräuchlichste und zugleich schändlichste Methode ist das Beuteln. Wenn man wissen will, welch ein großer Windbeutel die Köchin ist, braucht man sich nur ihre Kaffeebeutel anzusehen. Man beginnt ja ganz vernünftig mit dem einfachen Aufbrühen des gemahlenen Kaffees, indem man diesen in einen Krug thut und das kochende Wasser daraus stürzt. Mer dann kommt die Beutelkrankheit mit ihrer Verheerenden, Wirkung^ Wenn nämlich die Beutel nicht absolut rein gehalten werden — und dieser Absolutismus ist im Reich der Kochtöpfe nicht zu finden — so nehmen sie sehr leicht einen dumpfen, stickigen Geruch an, welcher sich dem Kaffee mitteilt. Dieser ist ein sehr empfindsames Geschöpf; die in ihm enthaltenen feinen aromatischen Oele werden durch den Geruch und durch den Geschmack fast jeden Stoffes beeinflußt, mit welchem der Kaffee in Berührung kommt. Die leinenen und baumwollenen Beutel saugen stets etwas von dem Kaffeesatz auf, und dieser verleiht — vielleicht infolge eines Gährungsprozesses — dem nachfolgenden Aufguß einen säuerlichen Geschmack. „Aber dagegen giebt es doch ein Mittel", denkt die praktische Hausfrau. Das Mittel heißt: Soda. Soda ist vielen Hausfrauen überhaupt der Inbegriff aller Sauberkeit. Natürlich werden auch die Kaffeebeutel, in heißem Sodawasser gewaschen, und wenn das Glück gut ist, wird uns zu feierlicher Gelegenheit eine Soda-Kaffeelösung serviert. Mindestens ebenso untauglich ist das Filtrierpapier. Tas leuchtet völlig ein, wenn man sich vergegenwärtigt mit wie viel chemischen Stoffen die Papierfasern während der Fabrikation in Berührung kommen. Chemisch reines Filtrierpapier giebt es also nicht. Wir kommen nun zu den Kaffeemaschinen. Ich bin gewiß über den Verdacht erhaben, der Maschiuen-Judustriö etwas am Zeuge flicken zu wollen. Aber, wenn ich ehrlich sein soll, so muß ich sagen, daß hinsichtlich des Kaffekochens der Maschinenbetrieb geradezu verhängnisvoll gewirkt hat. Wie auf manchem anderen Gebiete, hat auch hier die Maschinenarbeit die Knustfertigkeitsvöllig verdrängt. Die Kunst des Kaffeekochens gehört zu jenen vergessenen Künsten, die erst wieder neu entdeckt werden müssen. Wir müssen ehrlich sein und eingestehen, daß die sogenannten Wiener Kaffeemaschinen hinsichtlich der rationellen Ausnutzung Vorzügliches leisten und alle vorzüglichen Eigenschaften des Kaffees zu Tage zu fördern bemüht sind; aber all die mehr oder minder zweckmäßigen Metallteile an den Maschinen verderben wieder das Produkt. Auch die kleinsten, dem Auge kaum wahrnehmbaren Roststellen verderben den Kaffee, machen ihn sauer; der Me- kallgeschmack teilt sich dem kochenden Wasser mit, und die ganze Weisheit des Maschinenbauers wird au diesen allerliebsten kleinen Rostflecken zu schänden. Aber das ist noch nicht einmal das Schlimmste. Bei diesen Wiener Kaffeemaschinen ist das zur Aufnahme des Wassers dienende Bassin überhaupt nicht zugänglich, vielmehr derart abgeschlossen, daß es nicht gereinigt werden kann. Da hilft denn alles Putzen und Blankpolieren nicht. Beim Kochen scheiden sich aus dem Wasser Kalk, Eisenoxyd und andere Beimischungen aus und bilden einen Satz, der dann das eingeschüttete Wasser beeinflußt. Daun kommen die Konstruktionen lmit Heu verschiedenen Siebvorrichtungen, durch welche das kochende Wasser mit dem gemahlenen Kaffee in Berührung tritt. Glauben Sie mir, gnädige Frau, das ist alles fauler Zauber! Ein Sieb kann stiemals sorgfältig gereinigt werden; irgendwo bleiben so ein paar alte Kaffeekörnchen, Putzpulver, Staubteilchen, Gewebefasern des Putztuches immer sitzen, und der Kaffee erhält dann unfehlbar einen unangenehmen Beigeschmack. Kein Mensch weiß bann, woran es liegt, lind da man keinen anderen Sündenbock kennt, so trägt sicher eine „ölige Bohne" die Schuld. Ich weiß mich kaum eines Families- Kaffees zu erinnern, an dem nicht jemand eine „ölige Bohne" entdeckt hätte — gleichsam um die Ehre der Hausfrau zu retten. Ich habe gar keine Lust, Sie, meine Gnädige, mit der Beschreibung aller möglichen und unmöglichen Kaffeemaschinen zu quälen. Denn glauben Sie mir: sie taugen alle nichts. Ich meine mit Jean Jaques Rousseau, daß wir zur Natur, zur Einfalt zurückkehren müssen. Zum Kaffeekochen gehören nur drei Dinge, nämlich Kaffee, Wafser und ein Porzellankrug. Der gemahlene Kaffee kommt auf den Boden des Kruges, bann bas heiße Wasfer barauf, unb zwar gerabe nur fo viel, baß die Wasserfläche zwei bis drei Zentimeter über dem Kaffeemehl steht. Dieser Aufguß muß etwa zwei Minuten auf der Herdplatte ziehen. Dann gießt mau langsam das übrige kochenbe Wafser, so viel als man eben, zur Bereitung bes Kaffees braucht, dazu und läßt den Aufguß abermals einige Minuten zum Ziehen und zur Klärung des Getränkes refp. zum Niederschlagen des Satzes auf der Herdplatte stehen. Damit ist der Kaffee fertig. Man hat ihn nur noch in eine zweite zum Servieren dienende saubere Kanne zu gießen. Zm Konservierungsfrage. Nachdruck verboten. Es ist bekanntlich der Zusatz von Konservierungsmitteln zu Nahrungsmitteln, wenn sie nicht vollkommen, ober wenigstens nahezu vollkommen wirkungslos gegen öen menschlichen Körper sind, verboten. Es ist also verboten, zum Zwecke der Konservierung von Nahrungsmitteln Salicylsäure, Benzoesäure, Borax und Borsäure, schwefligsaure Salze u. a. in Anwendung zu bringen, von erheblich giftigen Stoffen, wie Sublimat oder Karbol ganz zu schweigen. A. Kayser macht nun in der „Zeitschr. s. öffentl. Chemie" und im „Chem. Zentralbl." darauf aufmerksam, daß in dem absoluten Verbot dieser Mittel eine Härte und eine Unzweckmäßigkeit liege. Unsere Nahrungsmittel haben nun einmal mehr oder weniger Neigung, zu verderben und dadurch für den Genuß untauglich zu werden. Das Streben, den Eintritt des Verderbens zu verhindern, oder möglichst hinauszuschieben, führte auf empirischem Wege zur" Konservierung, deren älteste Verfahren Trocknen, Räuchern und Pökeln gewesen sind. Alt sind auch einige Sonderverfahren wie das Schwefeln des Weines, das Hopfen des Bieres. Früchte wissenschaftlicher Forschungen sind schon das Gefrierverfahren, die Sterilisation, namentlich aber der Zusatz von Chemikalien. Durch die Art der Konservierung solltensGeschmack, Geruch, äußere Beschaffenheit des Nahrungsmittels möglichst wenig verändert, und der Nährwert nicht vermindert werden, wobei das Konservierungsmittel selbst keine gesundheitsschädlichen Eigenschaften haben darf. Statt daß aber die Konservierung durch chemische Mittel, welche als die geeignetste erscheint, als technische, wirtschaftliche und sanitäre Errungenschaft ersten Grades beurteilt würde, macht sich zurzeit eher das Gegenteil bemerkbar. Man verlangt scheinbar, daß ein Konservierungsmittel nicht nur als solches wirksam, sondern in beliebigen Mengen, d. h. in weit größeren als sie jemals zweckmäßig zur Anwendung gelangen können, und kommen, dem menschlichen Organismus einverleibt, sich als indifferente Substanz erweisen soll. Ebensowenig, wie eine absolute Unschädlichkeit bei den altbewährten, und durch Gewohnheitsrecht geheiligten Konservierungsmitteln, wie Kochsalz, Salpeter, Kreosot, vorhanden ist, ebensowenig sollte man solche übertriebenen Anforderungen an die modernen chemischen Konservierungsmittel stellen, so an Borsäure, Borax, Salicylsäure, Benzoesäure. Es ist bisher noch niemals 'ein Fall bekannt geworden, daß Gesundheitsschädigungen eingetreten sind durch Genuß von Nahrungsmitteln, die mit diesen Chemikalien konserviert waren, wohl aber sind Massenerkrankungen durch nicht konservierte, äußerlich als verdorben nicht erkennbare Nahrungsmittel häufig. Bei einer sachgemäßen Förderung der Konservierung würde diese ständige Rubrik der Zeitschriften sicher kleiner werden. Eine Würdigung dieses Wertes der Konservierungsmittel ist, ohne Zweifel zum Schaden des allgemeinen Wohles nicht allgemein vorhanden. Mittel, welche schon verdorbenen Nahrungsmitteln den Anschein guter geben sollen, scheiden bei dieser Betrachtung selbstverständlich aus. Gemeinnütziges. Isür die Küche. Gemüse- (Julienne) Suppe. 6 Personen, Zubereitungszeit eine halbe Stunde. Man nimmt von Maggi's Gemüse- (Julienne) Suppe 3 Würfel a 10 Pfg., zerbröckelt dieselben, gießt eineinhalb Liter kochendes Wasser darüber, läßt alles bei kleinem Feuer 25 Minuten kochen, und reicht die sehr kräftige, wohlschmeckende Suppe zu Tisch, ^nmovistisches. Aimmer im Dienst. Frau eines Polizeileutnants: »So schlafe doch Mann. Was machst Du denn im Bette immer für turnerische Hebungen?" — Polizeileutnant: „Habe soeben eine Wanze und zwei Flühe wegen nächtlicher Ruhestörung verhaftet!" Ungenügsam. Doem: „Das ist immer die alte Geschichte: Je mehr einer hat, desto mehr verlangt er sich!" — Dünn: „Hm! — Habt Ihr schon einmal Zwillinge gehabt?" Der moderne Cäsar. Der Sohn Herrmann ist faul gewesen. Er bekommt von seinem Klassenlehrer einen Strafzettel mit nach Haus, den der Vater bescheinigen soll. Der gute Vater wichst Hermännchen durch und bescheinigt: Veni, vidi, vixi. Bedenklich. Arzt: „Hatten Sie starken Schüttelfrost?" — Patientin: „Ja!" — Arzt: „Haben Ihnen die Zähne geklappert?" — Patientin: „Nein; sie lagen ja im Nachttisch." KeranKgeholfen. Junge Hausfrau: „Ist der Fisch auch frisch, Minna?" — Die alte Köchin (höhnisch): „Na, er lebt doch!" — Junge Hausfrau: „Das heißt nichts . . . Sie leben auch und sind doch nicht frisch!" Erklärung. Karlchen: „Papa, da lese ich eben in einem Gedicht von schweigenden Helden. Was sind denn schweigende Helden?" — Vater: „Verheiratete Männer, mein Kind." Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien. Gesamtdarstellung aller Gebiete der gewerblichen und industriellen Arbeit, sowie von Weltverkehr und Weltwirtschaft. Neunte, durchaus neugestaltete Auflage. Bearbeitet von Fachmännern ersten Ranges. Vollständig in 10 Bänden, geheftet je 8 Mk., in Halbfranz gebunden je 10 Mk. Leipzig, Otto Spamer. Den bereits erschienenen sieben Bänden ist jetzt ein neuer, der sechste Band gefolgt. Er umfaßt die Verarbeitung der Metalle. Das Gebiet der Metallindustrie ist wohl das umfangreichste von allen, und seine Schilderung bietet so viel des Interessanten wie wenig andere. Von der Erzeugung der gewaltigen Panzerplatten, der Schienen und Träger bis zur Herstellung der Nähnadel umfaßt es alle Formen, in denen das Metall den Zwecken des Menschen dient. Das Schmieden und das Walzen, die Eisengießerei und der Maschinenbau, ihre alten Formen und ihre großartige Entwickelung in der neuesten Zeit finden anschauliche Behandlung in Wort und Bild. Das Gebiet der sog. Stahlwaren- und Kleinindustrie, die Herstellung von Messer und Gabel, von Blech- und Drahterzeugnifsen, von Ketten und Kugeln usw. hat seitens des Bearbeiters Herrn Hae dick e des Direktors der berühmten Fachschule in Remscheid, eine besonders liebevolle Behandlung erfahren. Des weiteren sind alle Zweige der Waffenindustrie, Schlosserei und Geldschrankfabrikation ebenso anschaulich dargestellt, wie die Verarbeitung von Gold und Silber oder die Uhrmacherei. Hervorragendes Interesse bietet auch der Abschnitt über die Herstellung des Fahrrades, welche kaum vorher so erschöpfend dargestellt sein dürfte. Wie sehr Verfasser und Verleger bemüht waren, etwas Vollkommenes zu schaffen, geht schon daraus hervor, daß die Illustrierung nicht weniger als 1600 Nummern umfaßt. Es liegen nunmehr acht Bände von dem bedeutenden Werke vor. Die beiden noch fehlenden werden in kurzer Frist erscheinen. Kollektion Hartleven. Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. 75 Pfg. Jährlich 26 Bände; bisher-Band 1 bis 12 vom VIII. Jahrgang ausgegeben (A. Hartleben's Verlag in Wien). Von der Romanbibliothek „Kollektion Hartleben", diesem handlichen und hübschen Unternehmen, welches die größte Verbreitung verdient, liegen uns bereits Band 1 bis 12 des VIII. Jahrganges vor. Das Publikum ersieht aus dem abwechslungsreichen Programm, in welchem jede Nation zu Worte kommt, wie sehr Verleger und Redaktion bemüht sind, ihr Bestes zu leisten in Wahl der Stoffe und Ausstattung des Ganzen. Der neue Jahrgang wurde mit dem dreibändigen Roman von Rens de Pont-Pest „Eine vornehme Ehe" eröffnet. Diesem folgte die polnische Arbeit von Elise Orzeszko, „Der Australier". Band V—VI brachte „Die gefangene Prinzessin" des Engländers Savage. Band VII Novellen der in der Wiener Gesellschaft bekannten und beliebten Schriftstellerin Baronin Paula Bülow; Band VIII—XI umfaßt Girolamo Rovetta's „Das Idol"; Band X die ungarische Arbeit „Anna Huszar" von Elek Benedek; Band XI—XU den Roman „Vom Sturm getragen" von M. A. Fleming; Band XIII—XIV „Die Studentin" von Jeanne Mairet; Band XV—XVII „Eine schöne Frau" von Louis Lstaug; Band XVIII —XIX „Ein neues Geschlecht" B. von der Lancken; Band XX „Mario" von Memini; Band XXI—XXII „Onesimus" von Lehet; Band XXIII—XXIV „Irmengarde" von A. v. d. Paura; Band XXV —XXVI „Beaulieu" von Pierre Sales. Das internationale Unternehmen wird sicher auch weiterhin bestrebt fein, nur Bestes zu bieten. TauschrLtsel. Nachdruck verboten. Die Ansangsbuchstaben nebenstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebenso viele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines Komponisten ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Bund Ober Elias Kelle Neid Born Feder Alster Ader Wiese Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: Kohl Oboe Horn Lenz Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Stehen.