8 MW JWiStoSoK® W ein herrliches Gelüst, lem das Leben zu verbittern, ißtet ihr, was eine Thräne ist, Ihr würdet zittern. K. Jmmermann. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ort mann. (Fortsetzung.) Mißtrauisch suchte Norrenberg in seinem Gesicht zu lesen. „Ich verstehe Sie nicht. Wenn Sie etwa die Ansicht haben, sich über mich lustig zu machen —" „Welche närrische Vermutung! Mir ist niemals ernsthafter zu Sinn gewesen, als in diesem Augenblick. Und Sie werden meinen Wunsch begreifen, wenn ich Ihnen sage, daß es meine Absicht ist, mich auf unbestimmte Zeit, vielleicht für immer, hier in Waldenberg niederzulassen". „Wie? Und ich soll auch, jetzt noch glauben, daß Sie ernsthaft reden? Sie sollten bedenken, Herr Lo—, Herr Sandory, daß meine Zeit während der Geschästsstuuden nicht ganz wertlos ist". „Ich hätte mir die Freiheit genommen. Sie in Ihrer reizenden Villa an der Esplanade aufzusuchen, wenn es mir nicht darum zu thun gewesen wäre, mit Ihnen ins reine zu kommen, bevor ich hier irgend welche neuen Bekanntschaften schließe. Also noch einmal: ich. habe mich entschlossen, in dieser allerliebsten Stadt meinen Wohnsitz aufzuschlagen". „Aber das ist.ja Heller Unsinn — nehmen Sie mir's nicht übel!" „Weshalb nennen Sie es Unsinn? "fragte Sandory ganz unbefangen. „Ich habe ein ziemlich bewegtes Leben geführt während dieser zwölf Jahre. Es ist wahrhaftig kein Wunder, wenn ich mich jetzt nach Ruhe sehne und nach einem stillen Glück. Als ich vor einigen Stunden hier ankam, war es freilich! noch nicht ganz ausgemacht, . ob meine Wahl gerade auf Waldenberg fallen würde; jetzt aber ist es entschieden. Die Stadt gefällt mir außerordentlich. Ein bischen eng, ein bischen schmutzig, die Bevölkerung wahrscheinlich etwas spießbürgerlich, beschränkt und klatschsüchtig — gerade so, wie ich mir's immer von meinem einstigen Ruhehafen erträumt hatte, wenn ich irgendwo in einem Mittelpunkte der Zivilisation an der Zerrüttung meines Nervensystems arbeitete. Hier muß es gut sein, hier will ich! Hütten bauen, faulenzen, genießen, mich über die Schwächen! meiner lieben Nebenmenschen amüsieren, vielleicht auch heiraten —" elch Zwischen Bestürzung und Zweifel hatte ihn der Bankier angeyört, nun fiel er ihm mit einer ärgerlichen Geste ins Wort. „Ob das nun Scherz oder Ernst ist, jedenfalls wrssen Sie so HuV wie ich), daß von. Ihrem Hierbleiben nicht bte Rede sein kann. Ganz abgesehen von der Tollheit eines solchen Gedankens, würde ich dazu selbstverständlich me- mals meine ^Einwilligung geben". „Wie beliebt? — Sprachen. Sie von Ihrer Einwilligung, Verehrtester? Das ist lustig. Und ich kann Sie versichern, daß. ich. für einen guten Spaß noch- immer nicht unempfänglich bin. Aber eigentlich wollten wir doch vernünftig miteinander reden, wenn ich. nicht irre". Norrenberg grub die Zähne in die Unterlippe; ein Blick voll tätlichen! Hasses traf das heitere Gesicht des anderen. „Sie wollen, mich! herausfordern — das sehe ich! deutlich: Aber ich begreife nicht, welche Absicht Sie damit verfolgen können. Vielleicht würde es uns beide schneller zum Ziele führen, wenn Sie ganz offen sein wollten". „Aber ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich. durchaus nichts vor Ihnen verberge, und daß es mir vollständig fern liegt, Sie in feindlicher Absicht herauszufordern. Nur von Ihrer Einwilligung müssen Sie nicht wieder sprechen, wenn es sich um meine Entschlüsse handelt. Ich- bin nicht gewöhnt, irgend eines Menschen Zustimmung einzuholen, wenn ich etwas thun oder lassen will. Und, nichts für ungut, bester Freund, aus die Ihrige wird es mir ganz gewiß am allerwenigsten ankommen". „Ist das eine versteckte Drohung, Herr Lorinser?" „Sandory, wenn ich bitten darf! Sie werden sich an den Namen gewöhnen müssen, Verehrtester!" Unfähig sich länger zu beherrschen, schlug der Bankier auf den Tisch-. „Aber ich. will mich! nicht an ihn gewöhnen — hören Sie? Ich will nicht! Ich verlange, daß Sie Waldenberg noch heute verlassen, und daß Sie nie mehr hierher zurückkehren. Niemals kann irgend welche Art von persönlichem Verkehr zwischen uns stattfinden". „Und wenn ich es trotz dieses kategorischen „niemals" aus bestimmten Gründen mit aller Entschiedenheit verlange?" Sekundenlang verharrten sie schweigend Auge in Auge. Dann sagte Norrenberg langsam und in merklich verändertem Tone: „Sie täuschen sich über die Grenzen der Macht, welche Ihnen die Vergangenheit über mich gießt. Für mich ist diese Vergangenheit abgethan und tot. Ich habe keinen Grund, mich vor Ihrer Feindschaft zu fürchten. Sie besitzen keine Beweise für unser angebliches Einverständnis und könnten mir darum nicht mehr schaden, auch wenn Sie wahnwitzig genug wären, sich selber an das Messer zu liefern." 586 „Beweise? — Nun, wie man's nehmen will. Erinnern Sie sich nicht mehr der freundlichen Briefe, die Sie mir damals schrieben, der kleinen Zettelchen mit wohlgemeinten Instruktionen, die mir bis in die Einzelheiten mein Verhalten vorzeichneten, als unser persönlicher Verkehr aus Gründen der Vorsicht bis auf das Aeußerste eingeschränkt werden muhte? Ich will nicht sagen, daß es «unwiderleg- liche Beweise wären, einige Beachtung aber dürfte man ihnen an geeigneter Stelle immerhin auch jetzt noch zuwenden". „Und Sie haben diese Papiere nicht vernichtet, wie es zwischen uns verabredet und überdies in Ihrem eigenen Interesse geboten war? Sie sind leichtfertig genug gewesen, Sie während der ganzen Zeit in Ihrem Besitz zu behalten?" „Allerdings! Man trennt sich eben nicht gern von solchen Dokumenten der Freundschaft. Und diese Stunde beweist, daß es gar nicht so unklug gehandelt war, als ich sie vor dem Untergänge bewahrte". Norrenberg hatte sich! wieder in seinen Schreibstuhl fallen lassen. Die übergroße Aufregung begann die Widerstandsfähigkeit seines kränklichen Körpers zu erschöpfen. Eine geraume Zeit war vergangen, als er mit matter sagte: „Mit diesen Waffen in der Hand also wollen Sie mich nun zu Ihrem willenlosen Sklaven machen? — Ich könnte es' vielleicht auf den Kampf ankommen lassen; aber ich bin nicht mehr rüstig genug dazu. Sie sehen ja, ich bin ein halb gebrochener Mann. Darum lassen Sie uns Frieden schließen! Wenn Ihre Bedingungen menschliche sind, werde ich sie annehmen. Nur das eine dürfen Sie nicht verlangen — nur diese ungeheuerliche Zumutung, Sie dauernd in meiner Nähe zu dulden, dürfen Sie mir nicht machen". „Es wird sich leider nicht ändern lassen, lieber Freund! Und ich kann beim besten Willen nicht verstehen, weshalb Sie sich so heftig dagegen sträuben". Ein ergreifender Ausdruck hilfloser Verzweiflung lag jetzt auf dem Gesicht des Bankiers. „Mer versetzen Sie sich doch in meine Lage, Lorinser! Ja, es ist wahr, was Sie vorher in so spöttischem Tone sagten: ich gelte für einen ehrlichen, unbescholtenen Mann, und die Achtung meiner Mitbürger ist mir im reichsten Maße zu teil geworden. Zehn Jahre lang habe ich wie ein Tagelöhüer gearbeitet, um dies Ziel zu erreichen. Von der Stunde an, wo ich mich hier als Bankier niedergelassen habe, bis zum heutigen Tage ist nicht der kleinste Makel auf meiner Geschäftsführung wie auf meinem Privatleben. Fast Ueber- menschliches habe ich geleistet, um den einzigen Schandfleck aus meinem Dasein zu tilgen. Mehv als das Doppelte jener Summe, deren Verlust damals von den Bestohlenen kaum im Ernste empfunden wurde, habe ich bereits hingegeben, um die Not unglücklicher Nebenmenschen zu lindern. Ich habe mir für meine eigene Person jede Freude und Annehmlichkeit des Lebens versagt, weil ich nicht einen Augenblick vergast, eine wie schwere Schüld idcy zu sühnen hatte. Und nun, da ich! sie endlich für gesühnt hielt — nun, da ich hoffen durfte, meinen Lebensabend in Frieden hinzubringen, nun wollen Sie in frevelhaftem Uebermut zerstören, was ich' so mühsam aufgebaut, und alles soll umsonst gewesen sein — alles!" (Fortsetzung folgt.) Zur Diätetik oes Herbstes. Von Dr. Kurt Rudolf Kreusner. Nachdruck verboten. Jähe Wetterumschläge haben uns auch dieses Jahr, ehe wir uns dessen versahen aus der Backofenhitze der Hundstage in die herbstliche Kühle geführt. Der glühenden Temperatur des Augusts, während dessen die Stadtwohnungen sogar in der Nacht kaum eine nennenswerte Mkühlung erfuhren, und selbst die leichtgebauten Häuser und Baracken der Sommerfrischen, ähnliche Unannehmlichkeiten boten wie ein Aufenthalt in den Gefängnissen unter den berüchtigten Bleidächern von Venedig, sind, nachdem die Nachwehen heftiger Gewitter ausgetobt haben, zwar noch schöne Tage gefolgt. Gern möchten wir uns vortäuschen, daß wir uns noch auf dem Höhepunkte des Jahres befinden; denn prächtig leuchtet noch die Sonne, und unp die Mittagsstunden herrscht eine Temperatur, welche zum mindesten annähernd tropisch genannt werden kann. Für Ausflüge und Partien ist jetzt die rechte Zeit, und selbst Touren im Gebirge lohnen sich jetzt noch, besonders wegen der in den Herbsttagen voraussichtlich! beständigen Witterung, und wer sich seine Zeit gut einzuteilen weiß und am frühen Morgen ausbricht, kann als leidenschaftlicher Bergsteiger seinen Körper noch ebenso über Stock und Stein hetzen und, wenn es ihm Vergnügen macht, bei einem Aufsehen erregenden Absturz Hals und Beine brechen, wie im Hochsommer, der bevorrechteten Jahreszeit der Bergkraxeleien. Trotz alledem dürfen wir uns aber doch nicht darin irre machen lassen, daß es mit der Herrschaft des Sommers vorbei ist. Das Laub hat längst seine Frische verloren, und lange bevor des 'Winters rauher Hauch der Vegetation ein unüberschreitbares Hindernis gebietet, rieselt es von Bäumen und Büschen. Auf den Märkten und im Haushalt bietet sich uns zwar der Anblick köstlicher, den Gaumen lockender Früchte, aber auf die Zeit des Reifens folgt die Zeit der Ruhe in der Natur, und in der Menschenbrust, durch welche die Vorahnung des finsteren, kalten Winters zieht, erwacht die Erkenntnis, das die Ergebung der Weisheit bester Teil ist. Gedrängter quellet, Zwillingsbeeren, und reifet Schneller — und glänzet voller! Euch brütet der Mutter Sonne Scheideblick, Euch umsäuselt Des herbstlichen Himmels Fruchtende Fülle; Euch kühlet des Mondes Freundlicher Zauberhauch Und Euch betauen, ach! Aus diesen Augen Der ewig belebenden Liebe Vollschwellende Thränen. So malt sich mit elegischer Schwermut des schönen Herbstes Bild in der Seele. Wem es aber verstattet war, von der anstrengenden Berufsarbeit im Sommer einige Wochen auszuruhen und Leib und Seele im Gebirgswalde oder am Meeresstrande zu neuen Krastleistungen zu stärken, der empfindet jetzt, wo er sich mit neuen Kräften an die Arbeit macht, erst so recht die wohlthätigen Nachwirkungen der Sommerfrische — vorausgesetzt, daß er die Früchte, die ihm hier winken, auch zu pflücken weiß. Wer sich, nach einer Abwesenheit von wenigen Wochen zur Großstadt zurückkehrend, sofort wieder in den Strudel der gesellschaftlichen Vergnügen mit ihrem lästigen Zwange hineinstürzt, keine Theater-Erstaufführung ausläßt, um ja auch selber dabei von den Bekannten genügend gesehen und beachtet zu werden, und sich dabei den Schlaf der Nächte abknapst, wird voraussichtlich schnell wieder auf den unbefriedigenden Gesundheitszustand zurückkehren, der für ihn bei Beginn der schönen Jahreszeit eine Erholung so dringend notwendig machte. Den Unbilden des Winters wird er dann schlecht gerüstet gegenüber stehen — aber zumeist nur aus eigener Schuld, weil er es verabsäumt hat, den Herbst, die beste Zeit für alle Nachkuren, in der richtigen Weise auszunutzen. Zu diesem Zwecke ist aber gerade der Herbst wie geschaffen. Wenn es gilt, etwaige Schäden an der Gesundheit, die wir in der Sommerfrische auch davontragen können, auszubessern und die Errungenschaften des Landaufenthalts zu fichern, sind es naturgemäßer Weise die nur langsam kühler werdenden Tage des Septembers und Oktobers, in welchen wir den Körper im vernünftigen Sinne des Wortes abhärten können. Von größter Bedeutung ist hierbei die Fortsetzung der im Sommer genommenen Bäder. Das Gefühl, daß wir unserem Körper mit täglichem Baden, das weit über die Urbedürfnisse der Reinlichkeit geht, nur etwas Gutes erweisen, steckt tief im Volksbewußtsein, für welches Sommerkuren und Bädergebrauch fast gleichwertige Begriffe sind, und es ist wohl nur ein Ueberbleibsel des reinlichkeitsfeindlichen Mittelalters, wenn die äußerliche Anwendung des Wassers noch nicht überall die wünschenswerte Verallgemeinerung gefunden hat. Es drängt sich hier aber die Frage auf: Wie fetzen wir das sommerliche Baden im 587 naturkalten Wasser im Herbst und Winter in der geeigneten Form fort? Die Antwort hierauf lautet, daß jeder, dessen Natur, wie man sagt, einen Puff vertragen kann, das kalte Baden so lange wie möglich fortsetzen soll. In den Seebädern, besonders in Helgoland, findet sich auch Ende September und bis tief in den Oktober hinein eine nicht geringe Schur Auserwählter, welche im herbstlich kühlen Bade ihren Orqa- nrsmus stählt, und was dort möglich ist, kann sich auch der Bmnenländer in den meisten Füllen verschaffen. Hauptvoraussetzung der Bekömmlichkeit ist nur, daß der nasse Körper nicht dem kalten Luftzuge ausgesetzt, sondern möglichst schnell getrocknet und womöglich, bis Rötung der Haut eintritt, abgerieben wird, während ein Minus der Wassertemperatur um etliche Grade keineswegs schadet. Solche Herbstbäder, welchen zweckmäßigerweise ein flott ausgefuhrter kurzer Spaziergang folgen soll, sind meistens von größerem Nutzen als die bei großer Hitze genommenen, bei welchen entweder zu lange im Wasser geblieben, oder die abkühlende und abhärtende Wirkung durch die hohe Lufttemperatur zu schnell wieder aufgehoben wird. . Freilich vertragen keineswegs alle Naturen kalte Bäder zwischen 10 und 18 Grad Reaumur, und namentlich alle Nervösen, deren Grundleiden schlechte Blutbeschaffenheit oder zu geringe Blutmenge heißt, werden in ihrer Gesundheit nur geschädigt, wenn sie aus eigenem Unverstand oder unter äußerem Zwange kalt baden. Für sie sind gerade jetzt mäßig warme Wannen- oder Sitzbäder, denen ein mehrmaliges kaltes Sturzbad von wenigen Sekunden Dauer mit dazwischen erfolgendem Eintauchen ins warme Wasser folgt, von ausgezeichneter Wirkung. Hüten muß man sich dabei natürlich vor jeder Uebertreibung; denn das kalte Bad, Abreibung oder Sturzbad ist nicht an sich schon eine Kraft und Gesundheit spendende Ursache, sondern ein Reizmittel, mit welchem wir schlummernde, nur der Anregung harrende Kräfte des Körpers wecken. Aber auch' dem, welcher nur warme Bäder verträgt, kann die Fortsetzung derselben im Herbst nur dringend angeraten werden, weil er nur auf diese Weise dahin kommt, auch im Winter ohne Gefahr ein Bad zu nehmen. Wer, während draußen Frost und Eis herrscht, nur dann und wann nach Wochen oder Monaten seinen äußerlichen Menschen mit Wasser in Berührung bringt, wenn ihm der Zustand der Einfettung und Verschmutzung der Hautoberfläche unerträglich wird, büßt ein Bad dann meistens mit Husten, Schnupfen und Erkältung und schreckt natürlich vor der Wiederholung zurück. Hiermit sind wir bei dem im Herbst besonders wichtigen Kapitel der Erkältungen und Katarrhe angelangt, die im wesentlichen daher kommen, daß wir in unserer Kleidung der kühler werdenden Luft keine Rechnung tragen. Der Bruder Studio, der sich um Pfingsten herum auf Vaters Rechnung seine Sommerkluft bestellt, verträgt es mit seinem widerstandsfähigen jungen Körper, wenn er den neuen Winteranzug erst anlegt, wenn schon der Reif auf den Dächern liegt. Wir andern aber haben in der Regel schnell eine Erkältung weg, wenn wir verleitet durch den blendenden Sonnenschein und das Wärmegefühl, so lange wir ihren Strahlen ausgesetzt sind, das sommerlich .leichte Gewand anziehen, und etwa nach! einem Spazier- gang uns in den Schatten setzen, wo es empfindlich kalt ist. Wir müssen uns daher in der Kleidung der sinkenden Temperatur anpassen und namentlich darauf Obacht nehmen, daß wir uns am Morgen und Abend wärmer versorgen als gegen Mittag. Dies ist auch ohne reichlichen Kleidervorrat mit wenigen passend gewählten Anzügen möglich, besonders wenn wir dabei, den größeren Temperaturschwankungen folgend, bald leichtere, bald schwerere Unterkleider tragen. Natürlich muß dabei auch darauf Rücksicht genommen werden, daß die Kleidung nicht den Luftzutritt, zur Haut durchaus absperrt, was stets große Unbehaglichkeit zur Folge hat. Wer bei entsprechend warmer Kleidung dann noch friert, zieht einen Trugschluß, wenn er glaubt, sich noch wärmer anziehen zu müssen; denn sein Körper, der ja nichts als einen mit Nahrungsmitteln geheizten lebenden Ofen darstellt, ist es, der zu wenig Wärme erzeugt, und da giebt es nur zwei Mittel, nämlich ihn entweder besser zu heizen, d. h. reichlicher zu er- nähren, worin es in der That heute bei vielen Personen, weniger wegen der teueren Nahrungsmittelpreise, als aus schlechter Gewöhnung fehlt, oder mit etwaiger träger Lebensweise zu brechen und durch körperliche Uebungen und reichliche Bewegung mehr Wärme zu entwickeln. Eine nicht zu unterschätzende und, wenn man die Sterblichkeitsstatistik zu Rate zieht, geradezu erschreckende Gefahr der Herbstzeit liegt in unvorsichtigem Obstgenuß. Von August bis in den Oktober hinein ist in Berlin bei mehr als der Hälfte aller Sterbefälle der Brechdurchfall der Kinder die Todesursache, und wenn man die sonstigen Todesfälle aus Verdauungsstörungen hinzurechnet, hat in fast zwei Drittel aller tätlich endenden Erkrankungen der Tod durch den Magen seinen Einzug gehalten. In anderen Städten sieht es auch kaum besser damit aus, und so büßen alljährlich zehntausende von Kindern ihr zartes Leben aus Ursachen ein, die sich bei gutem Willen wohl fern halten oder doch auf ein bescheidenes Maß beschränken ließen. Das ist eine ungeheure Verschwendung an Volkskraft, ganz abgesehen von den zahllosen Thränen, die aus Mutteraugen um die jäh dahingerafften Lieblinge fließen. Zum Teil liegt nun diese große Sterblichkeit in der in der heißen Jahreszeit rasch vorwärts schreitenden Zersetzung der Milch; diese wirkt aber erst dann wahrhaft verderblich auf die zarten Verdauungsorgane der Kinder, wenn dazu der Obstgenuß tritt. Erst vom August ange- faugen wimmelt es in der Natur an allen Ecken und Enden von unzähligen Lebewesen, welche auf faulenden Materien allenthalben gedeihen und durch Vögel und Insekten überallhin, namentlich aber auf das von ihnen heißbegehrte Obst verschleppt werden, wo sie neuen Nährboden finden. Und nun beobachte man einmal, wie die Mehrzahl das Obst genießt. Bestenfalls oberflächlich abgewischt, damit Spinnweben und andere grobe Unreinigkeiten entfernt werden, wird es verspeist, und mit ihm oft genug der Keim zu tötlicher Krankheit in den Organismus eingeführt. An und für sich ist nun schon das zuckerhaltige Obstfleisch ein rasch in Gärung geratender Körper, der sich in ungekochtem Zustande ganz und gar nicht für Kinder in den ersten Lebensjahren eignet und auch abgekocht nicht ganz unbedenklich ist. Die Verabreichung ungereinigten Obstes aber, ist eine Gedankenlosigkeit, die an fahrlässige Tötung streift und welcher nicht oft und nachdrücklich genug entgegengetreten werden kann. Auch der Erwachsene thut gut daran, nur sorgfältig gewaschenes Obst zu genießen. Denn, wenn er sich vielleicht auch andernfalls keine Cholera nostras zuzieht, so wird er sich doch! häufig eine ihm unerklärliche Diarrhoe oder tagelang anhaltende fieberhafte Zustände ersparen, wenn er diesem Ratschlag folgt. Neben der Frucht im Garten Eden lauert die Schlange, und wenn die Natur im Herbste aus dem Füllhorn ihrer Gaben die Früchte über die Erde schüttet, so werden sie nur daun dem Menschen ein Nutzen und Segen, wenn er sie mit Maß und Vorsicht genießt. Gemeinnütziges. Lauch-Gemüse. Zubereitungszeit 1 Stunde. Schöner dicker Lauch wird von den oberen Blättern befreit, dann in fingerlange, dünne Streifen geschnitten, gewaschen und mit kochendem Wasser überbrüht. .Im einem Topf zerläßt man Butter oder Hammelfett, läM darin einen Löffel Mehl gelb werden, löscht mit Fleischbrühe ab, giebt den abgetropften Lauch hinzu und läßt weich dämpfen. Eine Viertelstunde vor dem Anrichten röstet man in Würfeln geschnittene Brödchen in Butter schön braun und' giebt dieselben dem Gemüse bei. Vor dem Anrichten wird das Gemüse mit 1 Theelöffel Maggi- Würze im Geschmack gekräftigt. A. R. Sch. Rätsel. Nachdruck verboten. In — int Buch. An — am Harz. Vor — vor Gericht. Hinter — hintcr'm Busch. Auflösung in nächster Nummer. Anstiftung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Bunte Reihe. 588 Figur No. 3. Figur No. 1. Ul stattet. können Kleidart über und Figur No. 2. Neben diesen nicht sind Poli Frei doch ich c sind gan; eint) ertoi alS Ehrt gleit mich und nur ein »rwk hielt Ran zu t blick ein! ihm mit M» bsbt Auf nur StiHMMK«. Sutti»«z»t. - »r»ck un» ««leg der BiiMW itawwjMt*-««** »»» «tnnhrudrtct ld'^sch ««*»«> m ®lcSe®" zwar mit tiefen Längsfalten in gleichmäßiger Anordnung oder m verschiedenen größeren oder kleineren Abständen. : Sehr originell und elegant mögen diese Paletots nun zwar fein, besonders wenn sie in feinen Tuchen hergestellt werden, aber auffällig und maßlos werden sie dabei immer bleiben, weshalb sie weniger allgemein