Ffi Eää®® ra iiijw^^Äj M sMg^katwsamajj M « 'iiy.Mj '■^^WtthMisiv/'W^^n ^. ..r.-r.T'ar wrc^niW'WJn **?> s8# ulbe, gedulde dich fein! lieber ein Stündlein M Ist deine Kammer voll Sonne. Heber den First, wo die Glocken hangen, Ist schon lange der Schein gegangen, Ging in Türmers Fenster ein. Wer am nächsten dem Sturm der Glocken, Einsam wohnt er, oft erschrocken, Doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein. Wer in tiefen Gassen gebaut, Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut, Glocken haben ihn nie erschüttert, Wetterstrahl ihn nie umzittert; Aber spät sein Morgen graut. Höh' und Tiefe hat Lust und Leid, Sag' ihm ab, dem thörichten Neid: And'rer Gram birgt and're Wonne. Dulde, gedulde dich fein! Heber ein Stündlein Ist deine Kammer voll Sonne! Paul Heyse. (Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) In seinem mit ländlicher Einfachheit ausgestatteten Wohnzimmer saß am Spätnachmittage der Sägemuller einsam beim Vespermahle, wobei das Rauschen des Wasserrades und das Kreischen der Säge die Tafelmusik bildeten. Je weniger Bequemlichkeit die gelb getünchhe Stube mit ihren wenigen rohen Möbeln darbot, desto mehr schien ihr Bewohner für kulinarische Genüsse eingenommen zu fern. Obwohl das Vespern nur ein bescheidenes Mittelglied zwischen Mittag- und Abendessen bildet, so wies der mit einem nicht sehr sauberen Tuche bedeckte Tisch doch außer Brot, Butter und Speck auch! noch Eier, Schinken und kalten Braten auf, und neben den beiden Flaschen Bier, von denen die eine bereits geleert war, prangte eine etwas kleinere, aber desto vornehmere Mitschwester, deren bunte Etikette den Namen eines seinen Likörs verriet. Das behäbige Embonpvint, das fleischige Doppelkinn und das schwammige Gesicht, wodurch! sich das Wohlleben Mße^ lich am Menschen zu kennzeichnen pflegt, suchte man zedoch bei dem Mühlenbesitzer vergebliche dazu war er noch, zu jung und vielleicht auch! erst zu kurze Zeit im Genuß des behaglichen Wohlstandes, der eine so üppige Halbabendmahlzeit gestattet. Seine mittelgroße Figur zeigte ein Ebenmaß, welches angenehm ins Auge fiel; sein etwas bleiches, bartloses Gesicht konnte hübsche genannt werden und hätte für ihn eingenommen, wäre nicht ein gewisser Zug um den Mund gewesen, der guf Heimtücke oder Verbissenheit oder auf sonst eine gefährliche Charaktereigenschaft schließen lieh, welche unter diesem glatten Gesicht lauerte. Während er sich's eben noch, schmecken ließ, knarrten Schritte auf der aus dem Hofe heraufführenden morschen Holztreppe. Ein kurzes Pochen an der Thür ertönte, und fast zugleich! öffnete sich diese. Auf der Schwelle erschien die Baronin. Es lag etwas geheimnisvolles in der Art ihres Eintretens. Sie zog sorgfältig die Thür hinter sich wieder zu und sagte mit leiser Stimme: „Heute endlich habe ich ihn wieder zu Hau,e angetroffen. Hätte ich den Gang nur um einen Tag verschoben, so wäre es zu spät gewesen." Der Müller legte Messer und Gabel Beifette, eher mit einer Miene, als wäre ihm der Appetit vergangen, als aus Respekt vor seinem vornehmen Besuche; denn er blieb ruhig sitzen und überließ es auch der Dame, sich! selbst nach einer Sitzangelegenheir umzusehen. „Du hast ihn also getroffen", erwiderte er ebenso leise und (blickte sie gespannt an. „Dabei habe ich! mich! von neuem überzeugt", flüsterte sie, ,,daß man ihm in seiner Wohnung nicht beikommen kann. Wie ich Dir schon mitteilte, herrscht etn zu lebhafter Verkehr in dem verwünschten Hause; der Revolver, der auch! heute an seinemj alten Flecke lag, beweist, daß er stets auf seiner Hut ist. Mein Pülverchen, das Cyankali, bin ich! auch diesmal nicht los geworden, — nicht ent armseliges Glas Wasser stand da, in das id), es hatte fchutten können.^ ^fzte schwer auf und blickte finster zu „Aber er geht in die Schlinge, Heinrich", fuhr die Baronin flüsternd fort, „heute Nacht noch! Er ift uns ftCf)e Jäo, so!" sagte Heinrich erleichtert und hob den Kopf, wobei der Blick seines dunklen Auges sich erwartungsvoll ich dem rief die Dame mit gedämpfter stimme. „Bei meinem ersten Besuche erfand ich das Märchen von dem mit einem Rubinschmuck durchgegangenen Ehegemahl, nur um einen Vorwand zu haben, mich in der Höhle des Fuchses umzusehen Als ich dann zu Dir eilte, um Dich vor der Gefahr, die uns von ihm droht, zu unterrichten, und wahrend der 390 — IZMWMWW MMSMZZWDSM ifÄÄ’gÄW® “r- «*- 3ää»äStÄSu sELMHW-H MKWMM: -BWW--NSLM ggesa»»»® Konstanze Herbronn brauchte nur ein einziges Wort aus- fern zu bringen. ntfhrprfiptt — und ick war verloren." I Der Sagmuller hatte fernen etuql zur ©etre geruar, 3 p Was für ein Wort, Tante? Was für ein Wort?" I den Ellbogen auf den Tisch gestemmt, den Hmterkopf m "«ecie Dick nicht auf, Heinrich: sei zufrieden, daß sie I die Hand gestützt, die andere Hand tn biß Hosentasche ver- das Wort nicht aussprach und nie aussprechen wird, und I senkt und die Beine lang bor sich^LUsgeftreckt. So saß er daü ick Dick nickt mit einem Geheimnis belastete, welches I da, während er mit frechem Gleichmut zuhorte. Dir scklaf ?se Nä2 bereits haben würde." . „Konnte tcf). es etwa riechen, daß Wippach von Amerika >Kck will es aber wissen!" sagte der Müller finster I zurückkehren würde?" ergriff er letzt bas Wort, ohne ferne und berrifch I Stellung zu verändern. „Und übrigens hat er von unferm ^Wenn Du darauf bestehst", erwiderte die Tante etwas | Verwandtschaftsverhältnis, trotz unserer gleichen Namen, einaeschüchtert, „so sollst Du es erfahren, aber erst, wenn I gar keine Ahnung. Mit keinem St^benswortchen habe alles alücklich abgelaufen ist. Jetzt höre weiter. Daß ich I ich ihm jemals verraten, daß die^Wirtschafterin sirnes in ber9 Motogratzhie, die mir Allram Zeigte, meinen vor- | Onkels meine Tante ist. Meme hochachtbare Frau Ete geblichen Ehegemahl erkannte, scheint ihn hauptsächlich he- | wollte mit ihrem Neffen keme Gemeinschaft haben, weil er mir feine Zu age zu geben. Vielleicht wegen Diebstahls schon ein paarmal im Loch gesessen Hatte, habe ich dem Geheimnisvollen im Lindenhofe da etwas I er durfte daher auch niemals wagen, das Georgische Haus einaebrockt aber wer er auch sein mag, — von Allram wird durch seine Gegenwart zu entweihen. ibm nickts aesckehen " Sie begleitete die letzten Worte Er spracht dies im Tone bitterer Ironie Es hatte ihm £ eSm bZsWeu Lachen Vergnügen gemacht, die Frau, die ganz m ferne Hand ge- Der Detektiv kommt also?" frug der Müller. I geben war, aufs höchste zu reizen. "^eute nackt wird er im Fährhaufe sein und uns dort I „Einmal habe ich, noch ehe ich Merkurbrieftragev erwarten Und merke Dir's; wenn Du mich in seiner I wurde, das Haus dennoch; betreten", fuhr er sortz^ ,Wvar Gegenwart anreden solltest, so nennst Du mich Frau Ba- nicht durch die Thure, sondern durch das Fenster haha. I-NNIN denn diesen Titel mußte ich mir tn der weiteren I — durch das Korridorfenster. . , r ~ , Ausschmückung meines Märchens beilegen, wie ich Dir | „Durch das Korridorfenster?' wiederholte die ^.ante 9Mfeftkrmbtefer Standeserhöhung feiner Tante im ^Jawoh?- Das alte kostbare Bibelbuch des Herrn - Aerger über die Geringschätzung verbeißend, „^ch wa I Die Tante war sprachlos' denn von diesem Streiche SÄ 'nSSKJfefc fieute^unt butten Kale “bfergeW W beredten Spiele ihrer Mienen, in welchem sich Schreck mit BSfeirswÄ tBSESSEESS ‘"5-^s-ssr;.,» LL'WLL-SSS erzähltest, daß ihr in der Garnison gute Bekannte wnrdet I batte, und kämpfte den Aufruhr in ihrem Innern daß er sich Deiner bediente, wenn es eine Liebesbotschaft zu bestellen oder etwas ins Versatzamt zu tragen gab, und I ^un", sagte sie ruhig, „Du und Wippach habt euch Dich dafür sehr freigebig belohnte, und daß ihr beide den I -Ebenfalls nichts vorzuwerfen. Aber er hat einen Vorteil Militärdienst zu gleicher Zeit verlassen habt. Wie und I ^er Dich, und das ist Dein falscher Name. Damit kann er wann ihr später wieder zusammengetroffen seid, darüber I einmat gx^hrlich werden. Doch! das ist nicht hast Du Dich> nicht ausgesprochen. ^cherfuhrvvnDir nur, I 1 schlimmste. Wir brauchen ihn zu unserem heutigen daß Du Dich Jahre lang mit der Absicht getragen hast, „ ihm nach Amerika zu folgen und deshalb nut tfim m | Wir brauchen ihn? Kann ich das nicht allein —" Briefwechsel geblieben bist. Weil er Der rniedemBrif I ^ein, wir brauchen Deinen trunksüchtigen Fährmann, schrieb, ,toie glanzend es ihm dort gehe, kitzelte Dich der I Du'^ Ich betone das Wort trunksüchtrg — und wenn Ehrgeiz. Du wolltest ihmbmveisen,daß Du ^sauchvou g'.hn gebraucht haben, dann — dann muß ganze Arbeit wärts gebracht hättest, und schriebst ihm, daß Du Mühlen- I . Jnb _» besitzer geworden feiest. Das war nicht sehr klug von Dir, I 8 Der Neffe dem Onkel nachgeschickt werden", ergänzte mein lieber Nesse. Aber Du begingst auch noch die Untiorb I Müller ihre Gedanken aus ihrem Blicke erratend, sichtigkeit, ihm Deinen neuen Aufenthalt zu nenum und dNeinetwegen! Ich befördere die ganze Welt ins Jenseits, ihn anzuweisen, ferne Briefe an Groyan zu adressieren, 1 " r mu» das fei der Name des früheren Besitzers, und unter dieser I p unb gchg erregt im Zimmer auf und ab. Firma ginge der Betrieb der Mühle weiter. Das sollte cr lianv au' " » v sich rächen. Eines Tages kommt Wippach selbst, mittellos, I (Fortsetzung folgt.) 391 Schwimmende Sommerfrischen. Von: M. Kossak. Nachdruck verboten. Des Tages Hitze war nahezu vorüber, ein leichter erfrischender Wind strich: durch! die Luft, und die Sonne schickte sich- .eben an, einem feurigen Ball gleich- am Wüstensaum zu .versinken. Ihr volles, goldiges Licht aber lag noch auf den Dahabiehs, die langfam dahingleitend den Nil herauf- Aogen. Auf keiner fehlten die Blumen, sie standen in eigentümlich, geformten Thongefäßen unter den bunten, goldbefrarizteri Zelten, die den Insassen tagsüber zum Aufenthalt dienten, sie blühten an mächtigen, hier und dort zur Dekoration angebrachten Aesten und übersäten, von diesen abgestreift, den Fußboden des Fahrzeugs. Eines derselben, wohl das prächtigste von allen, umwanden sogar von außen volle Guirlanden. Vorn an seiner Spitze stand ein junges Paar in Hellen Sommergewändern, der Mann im weißen Piqueeanzug, die Frau in einem leichten Battist- kleid von modernstem Zuschnitt, blutrote Rosen im Gürtel und in den Händen. Die Beiden hielten sich umschlungen und verfolgten dabei mit den Augen die scharfkantigen Linien der Ufer, die hier, wo der Nil in die Wüste einschnitt, Ziemlich hoch und schroff aufragten. Zuweilen flüsterten sie sich etwas zu, und wenn dann für einen Moment ihre Augen sich trafen, lächelten sie sich. an. Vermutlich, war es ein neuvermähltes Paar, das sich- wie e§, in jenen Gegenden vielfach üblich ist, die Dahabieh gemietet, um ihre Flitterwochen darauf zu verbringen. Wahrlich, ein ideales Nest, um sein junges Glück darin Zu bergen, und eine ideale Sommerfrische überhaupt! Schade nur, daß sie ausschließlich, nur den Begüterten zugänglich jst! Denn solch eine Dahabieh stellt einen ziemlich kostbaren Besitz dar, und auch der, welcher sie nicht sein @igen nennt und nur für ein paar Wochen mietet mit allem, was zu ihrer Ausstattung gehört, muß tief,in feinen Geldbeutel greifen. Schon die Beköstigung — die eigene, wie die der Bemannung — kostet eine hübsche Summe. Denn natürlich wird überall eigene Küche geführt, und die dienstbaren Geister, die aus den mitgenommenen und unterwegs erhandelten Lebensmitteln schmackhafte Speisen bereiten, erhalten hohen Lohn. Unter uns, die wir von unserem Kauffahrteischiff aus die reizenden Barken vorübergleiten sahen, gab es wohl keinen, der sich den Luxus leisten konnte. Dennoch, freuten wir uns neidlos ihres poetischen Anblicks und genossen, als uns bald darauf die Schisfsglocke zum gemeinsamen Abendessen in die Kajüte rief, unser einfaches Mahl mit nicht minderem Appetit, als die Insassen der Dahabiehs ihre Leckerbissen. Als wir dann eine Stunde später auf Deck zurückkehrten, war es inzwischen dunkel geworden, Schatten gleich huschten die Dahabiehs vorbei, alle matt erleuchtet durch Lampen und Lampions, die poch, von fern gleich farbigen Glühwürmchen durch! die Finsternis leuchteten. Aus ein= Zelnen der Barken klang Gesang und Saitenspiel, begleitet von dem Schall lachender und plaudernder Stimmen. Doch, plötzlich mischte sich, mit den heiter anmutigen Tönen das Geräusch von Ruderschlägen, welche sich anscheinend auf unser Schiff zu bewegten. Bald darauf konnten wir denn auch! wirklich feststellen, daß ein Boot auf uns zukam. „German physician vn board?" rief es zu uns herauf. „Yes — Here!" kam es aus unserer Mitte als Antwort. Dann trat ein großer, schlanker Herr, der uns als einer der beliebtesten Badeärzte aus Salzbrunn in Schlesien bekannt war, die übrige Zeit des Jahres jedoch in Aegypten zuzubringen pflegte, an die Schisfsbrüstung und unterhandelte mit den Leuten im Boot. Wir erfuhren nunmehr, daß der Gründer und Befitzer des weltberühmten Sahara- krankenhauses auf der Oase Heluan, Dr. Reil, schwer erkrankt sei und den Wunsch, hegte, einen deutschen Kollegen zu konsultieren. Schon während des ganzen Tages hatten seine Abgesandten aus die vorüberkommenden Schiffe vigi- liert, um einen etwa darauf anwesenden deutschen Arzt zu ihrem .kranken Gebieter mitzunehmen. Bald darauf war das Boot mit Dr. E. unseren Blicken entschwunden, Md unser Schiff fuhr noch, ein Stück werter, um an geeigneter Stelle für die Dauer der Nacht vor Anker Zu gehen. . . . Schon früh am anderen. Morgen waren totr wieder wach und- oben auf Deck, wo wir unter einem Planzelt den Kaffee einzunehmen pflegten. Unserem Schiffsbord gegenüber sprangen wieder,- von der Morgensonne grell beleuchtet, die Userwandungen schroff auf, dahinter ober sahen wir einige spitzzackige Türmchen, silhouettenartig von der bläulichen Luft sich abhebend, emporragen. „Das Saharasanatorium", sagte erklärend unser Kapitän und dann wies er schweigend auf den höchsten der Türme, von dem die deutsche Flagge auf Halbmast gehißt, wehte. Der deutsche Arzt, der mit unendlichen persönlichen Opfern funb beispielloser Energie hier in der Wüste ein Eldorado geschaffen, in dem ungezählte Menschenkinder sich neuen Lebensmut und Gesundheit geholt, war verschieden! Während wir noch, ernst gestimmt, zu seiner Schöpfung herübersahen, kamen plötzlich aus einem tiefen Ufereinschnitt, Sturmvögeln gleich, eine Anzahl zierlicher Barken, Dahabiehs im kleinen, hervorgeschossen, die pfeilschnell über den Nil flogen. Es waren die fchwimmenden Wohnungen einiger Patienten Dr. Reils, denen er bei gewissen Witterungsverhältnissen den Aufenthalt auf dem Wasser verordnet. , _ Im Laufe des Vormittags kehrte auch Dr. E. vom Totenbett seines Kollegen zurück, worauf unser Schiff dre Fahrt fortsetzte. Seit den geschilderten Ereignissen sind nahezu zwanzig Jahre verflossen. Die Zahl der schwimmenden Sommerwohnungen hat sich inzwischen rapid vermehrt, und was ehedem ein für die meisten Menschen Unerschwinglicher Luxus war, das kann sich heute äuch der weniger Bemittelte erlauben. Zumal in England gehört es zu den alltäglichen Dingen, daß ganze Familien ihre Villegiatura auf dem Wasser verleben. Auf der Themse sieht man in der heißen Jahreszeit die festgeankerten Schiffe zu Hunderten sich schaukeln. Wie sich bei uns die Leute eine Sommerwohnung in einem Vororte ihrer jeweiligen Residenzstadt mieten, so bezieht mancher Londoner Familienvater mit Kind und Kegel eines der besprochenen Themseschiffe. Möbel braucht er nicht — oder doch nur in sehr geringer Menge — mitzunehmen, da nach englischem Brauch dre notwendigen Stücke fest an die Wand oder den Fußboden angefügt sind. Dagegen ist er genötigt, einen Wagen voll Wirtschaftsgeräte — Service, Kochgeschirr usw., ferner Bett und Tischzeug, Kleider und allerhand Gegenstände zur Dekoration des interimistischen Heims nach diesem schaffen zu lassen. Die Themseschiffe sehen denn auch! in der That ganz reizend aus. Mit Hilfe von bunten Decken und Teppichen wird der an sich ja recht einfachen Ausstattung ein außerordentlich, malerischer Anstrich, verliehen, den ungeheure Mengen von Blumen, welche hier ebensowenig wie auf den Dahabiehs fehlen dürfen, noch erhöhen. Auf ern- zelnen Schiffen laufen ringsum Gesimse, die mit blühenden Töpfen und Blattpflanzen bestellt sind. Von wertem gewährt solch eine Schiffskolonie förmlich, den Anblick ernes Blumenmarktes. Für die Hausfrau mag ja die fchwim- mende Sommerfrische manche Unbequemlichkeit haben, in dem Beschauer aber wird sie säst stets die Sehnsucht wecken, einmal seine Erholungszeit auf einer solchen zu verleben. Wenn ich von diesen Wohnungsschifsen spreche, so dürfen die oft prachtvoll aus gestatteten Missisippi- und Wolgadampfer nicht unerwähnt bleiben. Auf den ersteren braucht man keine eigene Wirtschaft zu führen, sondern kann sich, wie in jedem beliebigen Logierhaus, in Pension geben. Die Passagiere entbehren keines Komforts, den sie nur irgend begehren können; denn auf den Schiffen giebt es außer den Konversations- und Schlafräumen Palmengärten, Lese- und Musikzimmer, ja zuweilen sogar Betsale, in denen täglich Andachten abgehalten werden. Morgens, nachmittags und abends konzertieren Musikkapellen oder Sänger oder Virtuosen auf diesem oder jenem Instrument. Dazu finden Bälle, Theateraufführungen und sonstige Vergnügungen statt. Ein Vorzug, den diese Dampfer vor den Themfeschiffen voraus haben, besteht darin, daß sie nicht festgeankert liegen, sondern beständig hin- und herfahren. An schönen Punkten legen sie indessen auch an, um den Passagieren Gelegenheit zu Ausflügen zu geben Was die Wolgadampfer anbetrifft, so pflegt keine Gastwirtschaft auf ihnen betrieben zu werden, vielmehr mietet sich, eine Privatperson einen und führt ebenso, wie 392 es lauf den Dahabiehs Brauch ist, eigene Küche. Meist labet der zeitweilige Inhaber sich noch eine Schar von Gästen zu seiner Unterhaltung ein. Das gleiche fängt auch allgemach an, sich auf den masurischen Seen einzubürgern. Die Besitzer in der dortigen Gegend lassen sich oftmals kleine Dampfer zur Fortschaffung ihrer Bodenerzeugnisse bauen, die sie, wenn möglich, zeitweise vermieten, um wenigstens einen Teil des Anschaffungspreises herauszuziehen. In Anbetracht der außerordentlich gesundheitsfördern- "den Wirkungen, die der Aufenthalt auf dem Wasser in vielen Krankheitsfällen hat, läßt sich den schwimmenden Sommerfrischen eine große Zukunft prophezeien. Die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, da auf allen schiffbaren Gewässern Logierschiffe kreuzen, sowohl mit ganz hohen, wie andere mit denkbarst niedrigen Pensionspreisen. Wer viel auf Kauffahrteischiffen reist, der wird häufig Personen begegnen, die auf Wochen oder Monate auf diesen Quartier genommen,unb die gleiche Tour wohl ein Dutzend Mal hin und zurück machen. Passagierdampfer werden zu diesem Zweck niemals benutzt, da sie wegen ihrer Ueberfüllung den leidenden Passagieren weder genügende Stille noch die erforderliche Bewegungsfreiheit gewähren. Das abwechslungsreichere Essen und Trinken und die reicher ausgestatteten Räume entschädigen dafür absolut nicht. Selbst das primitivste Kauffahrteischiff bietet für längere Zeit mehr Komfort, als der luxuriöseste Postdampfer, denn man hat es von leirtem Ende bis! zum anbern zu seiner Verfügung uub kann bort leben, als ob man daheim wäre. Der Yachten, welche einzelne reiche Leute besitzen, um einen Teil des Jahres darauf zuzubringen, habe i&y absichtlich nicht Erwähnung gethan, da sie streng genommen, in ein anderes Gebiet fallen und niemals. Gemeingut der leidenden und erholungsbedürftigen Menschheit werden können. Gemeinnütziges. Wie viele Menschen wünschen sich ein eigenes Haus, das sie allein bewohnen möchten! Und je mehr Anforderungen an den einzelnen Menschen gestellt werden, desto bringender wird aus dem Wunsche nach dem Frieden eines eigenen Hauses eine soziale Forderung! Einen sehr praktischen Weg für viele zur Erlangung dieses Zieles hat der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau ein- geschlagen: er hat einen Preis ausgesetzt von 400 Mark für Ansicht und Plan eines bürgerlicht-einfachen und doch geschmackvollen Hauses, das einer Familie mit 3 Kindern zum Wohnen bestimmt ist und nicht mehr als 15 000 Mark kosten darf. Die Redaktion hatte sich Vorbehalten, außer den prämiierten auch! noch? wettere Entwürfe anzukaufen und zu veröffentlichen. Die Aufgabe ist in Archttekten- kreisen reger Teilnahme begegnet und sind nicht weniger als 108 Arbeiten eingegangen. Das Preisgericht, dem außer den Herren der Redaktion als Sachverständige die Herren Regierungs- und Baurat Hesse, Regierungs- und Baurat a. D. Oehmke und Land-Bauinspektor von Saltzwedel angehörten, hat die Entwürfe in sorgfältigster Weise geprüft und den Preis dem Architekten Reinhold Nitzsche, Berlin, Göbenstraße 21, zugesprochen. Außerdem hat das Preisgericht weitere 11 Arbeiten zum Ankauf und zur Veröffentlichung im praktischen Ratgeber vorgeschlagen, sodaß auch! den verschiedensten Geschmacksrichtungen Rechnung getragen wird. In der soeben ausgegebenen Nummer des praktischen Ratgebers ist die Arbeit des Architekten Nitzsche veröffentlicht: ein harmonisches, reizendes Haus, das sowohl durch sein gemütvolles Aeußere, wie praktisches Innere gefallen muß. Der praktische Ratgeber kostet vierteljährlich! 1 Mark bei wöchentlichem Erscheinen, und dürste die obige Preisaufgabe vielen Veranlassung werden, gerade jetzt sich! dem großen Abonnentenkreise anzuschließen. Ield und Karten. Obsternteaussichten für 19 00. Der „Erfurter Führer im Gartenbau" hat eine Enquete durch! Hunderte seiner Vertrauensleute über die diesjährigen Obsternte- • aussichten veranstaltet. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Ernte wesentlich! günstiger ausfällt, als dies nach den herben Maifrösten, welche die Obstblüte trafen, erwartet werden konnte. Aepsel sind zumeist befriedigend, auch Birnen. In Kirschen ist teilweise eine sehr gute Ernte zu verzeichnen, Pflaumen wird es weniger geben. Das Beerenobst ist nicht so gut wie in anderen Jahren, es hat aber seinen alten Ruf, stets Ernten zu liefern, und deshalb für den Hausgarten besonders wichtig zu fein, auch diesmal bewährt. Nur in Ost- und Westpreußen und Schlesien fällt die Ernte in Beerenobst genug aus. Hier haben die Fröste zn arg gewütet, und oft hat auch noch Hagel das Gebliebene zerstört. Die Süßkirschen sind im allgemeinen in Norddeutschland besser als in Süddeutschland, hier werden über wieder die Sauerkirschen mehr gelobt. Eine Eigentümlichkeit bei der diesjährigen Ernte ist ferner das strichweise Auftreten von Mißernte und reichlichem Obst- segen. Oft trennen sich! die Gegenden schroff. Es ist dies durch! das strichweise Auftreten der kalten Winde zu erklären. Wer sich« für die genaueren Angaben der diesjährigen Obsternte interessiert, kann Heft 15 des „Erfurter Führer im Gartenbau" kostenfrei von dem Geschäftsamt desselben in Erfurt erhalten. Für Bäder und Kurorte. Alle fashionablen Bade- und Kurorte sind jetzt, da die haute saison bereits angebrochen ist, am stärksten besucht und von der eleganten Welt als Rendezvousorte ausersehen. Selbstverständlich giebt auch die Mode ihr Bestes zu diesen internationalen Zusammenkünften. Einfach- oder anspruchsvoll, aber stets elegant gekleidet zu sein, gilt im' Kurort als Bedingung. Dazu ist aber guter Rat nicht teuer, sondern billig, wenn mau in dias letzte Heft der „Wiener Mode" (Nr. 20) Einsicht nimmt, das die Mode in den Kurorten ausführlichbehandelt. Preis des Heftes 45 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und vom Verlage der „Wiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19. Der größte Schatz jeder Hausfrau ist ihr Wäschevorrat. Die Wäsche hat in der Hauswirtschaft ihren eigenen Ressort, sie ist die stete Sorge, aber auch der Stolz jeder tüchtigen Familienmutter. Es ist daher ein Verdienst des rührigen Verlags John Henry Schwerin, Berlin, daß er die „Illustrierte Wäschezeitung" ins Leben gerufen hat, die in dem einschlägigen Fach eine treue Beraterin ist. Wer auch in dieser Beziehung mit der Zeit fortschreiten, dabei aber doch! sparen will, dem sei dieses Blatt empfohlen, das alle Neuheiten enthält und in seinem jeder Nummer beiliegenden Zuschneidebogen die beste Anleitung zur leichten Selbstherstellung der Wäsche jeder Art für Damen, Herren und Kinder bietet. Für nur 60 Pfg. vierteljährlich ist das Blatt von allen Buchhandlungen und Postanstalten zu beziehen. Gratis-Probenummern durch erstere uhb den Verlag John Henry Schwerin, Berlin, W. 35. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung in nächster Nummer. K j' 0' Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer: Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern. ÄeMtien: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Univerfitiitl-Buch» und Tteiudruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.