«BT Zum Hkerfeste 1900. Von Alwin Römer. Nachdruck verboten. Das war gar harte, schlimme Zeit, Wie lange nicht auf deutscher Erden: So sturmdurchbraust und argverschneit, Als wollt' es nimmer Frühling werden! Verödet lagen Berg und Thal Im Banne böser Winterkünste, Und jeden holden Sonnenstrahl Erstickten graue Nebeldünste! . . . Nun endlich hat mit Siegfriedskraft Der junge Lenz das Feld erstritten, Und all die langentbehrte Pracht Erblüht jetzt unter seinen Schritten; Mit grünem Sammet überwellt Hat er die dunklen Ackerkrumen, Wohin sein Sonnenauge fällt, Erwachen gold'ne Schlüsselblumen. Die Anemonen schimmern weiß, Zum Thale duft'ge Veilchen locken; Und erst der Kirschbaum, Reis um Reis, Ist bald verschneit von Blütenflocken . . . Die Lerche aber, dankbereit, Schwingt sich hinauf und grüßt die Sonne Und ihn, der uns zur Osterzeit Beschert so reiche Lenzeswonne! . . . Du kannst dem Zauber nicht entfliehn . . Was willst Du noch in Zweifeln schwanken? Laß Deine Seele mit ihr ziehn Und mit ihr jauchzen, mit ihr danken! Zu all' den Wundern lenk' den Fuß, Vergiß des Werktags Last und Mühe, Und lausche auf den Heilandsgruß Im Sphärenklang der Osterfrühe! Er schreitet segnend durch die Flur, Der Retter, der den Tod bezwungen; Und fühlst Du rechte Sehnsucht nur, So ist sein Gruß Dir bald erklungen; Und was den Sinnen tief verborgen. Erspürt, in Andacht still geweiht, Dein selig Herz am Ostermorgen: Den Gotteshauch der Ewigkeit! . . . Osterbrauch und Osterglaube. Vpn Martin Beck. (Nachdruck verboten.) „Die Glocken läuten das Ostern ein In allen Enden und Landen, Und frohe Herzen jubeln darein: Der Lenz ist wiedererstanden". (Adolf Böttger.) Das ist die eigentliche und ursprüngliche Osterfreude:. die ausbrechende Wonne an der großen Auferstehungsfeier der Natur, die überall in Augen und Herzen selig widerstrahlt, wie die leuchtende Frühlingssonne an glänzenden Knospen und Zweigen. Was erstorben schien im langen, schweren Winterschlafe, erwacht leise zu neuem' Leben, und jeder, auch der schüchternste Lenzesbote wird froh begrüßt. Das Fest des einziehenden Frühlings ist das Osterfest seit grauer Vorzeit bei den naturfrohen germanischen' Völkern, und erst das vordringende Christentum gab dem alten Feste, weil die Zeit und Bedeutung der Feier die Hand dazu boten, die neue, kirchliche Bedeutung der Auferstehung des Heilandes aus dem Grabe. Und beide Bedeutungen durchdrangen einander, da beiden der eine, tiefe Sinn zu Grunde lag: der Tod vernichtet, um zu erneuen. „Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn". Goethe wird damit dem Doppelsinn des Osterfestes, dem germanischen und dem christlichen Ostern gerecht. Daß Ostern ein uraltes, deutsches Fest ist, sagt schon sein dem Althochdeutschen entstammender Name, der nur in Deutschland gebräuchlich ist. Für das Auferstehungsfest Christi haben sonst alle den Deutschen benachbarten Völker die Bezeichnung „Pascha", ein gräcisiertes hebräisches Wort. Einige slavische Stämme bildeten auch, im Hinblick auf die christliche Bedeutung des Festes, neue Namen für dasselbe. Ostern ist als christliches Fest das älteste. Es entstand aus dem jüdischen Passahfeft. Das hat seinen Namen Dion Pesach, chaldäisch Paschah, d. h. schonen, weil die Pest, Jehova's Würgengel, beim Auszuge der Israeliten an den Hütten derselben vorüberging, und wird bekannt lich zum Andenken an jenen Auszug aus Aegypten gefeiert. Die Apostel, wie in der Apostelgeschichte und. im ersten Korintherbrief erzählt wird, und die ersten Christen feierten das Auferstehungsfest Christi mit dem Passah der Juden zugleich i;n der Nacht vom 14. auf den 15. des Monates Nisan oder April, des ersten Monats im jüdischen Kirchenjahre. Diese Nacht, in der das Passahlamm gegessen wurde, galt bei den Christen der Erinnerung an das letzte Mahl Jesu. Den folgenden Tag weihten sie dem Andenken deü 210 — Leiden Christi und den dritten dem Gedächtnis seiner Auferstehung. Sie behielten auch den jüdischen Namen Passah für das Fest bei, der sich als „Pascha" bei außerdeutschen Völkern -erhalten hat, und anfänglich auch die gewohnten jüdischen Gebräuche, wie das Essen des Osterlamms. Erst später führten sie dem christlichen Glauben entsprechende Ostergebräuche ein und verlegten auch die Feier des Festes nach langem .Hin- und Herstreiten, dem sogenannten Oster- streite, der 325 auf der Kirchenversammlung zu Nicäa beendet wurde, auf eine andere Zeit, nämlich auf den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Im alten Germanien fanden die Sendboten der sich auch im Abendlande ausbreitenden christlichen Kirche ein Volksfest vor, das Osterfest, das aus dem tief religiösen^ Naturgefühle des deutschen Volksgeistes hervorgegangen war, und das sie unter Beibehaltung des Namens Ostern zum Auferstehungsfest des gekreuzigten Gottessohnes umwandelten. Denn die Missionare des Christentums gingen, wie es ihnen auch vom Papste geboten worden war, mit thunlichster Schonung des Bestehenden oder gar. mit Anlehnung an dasselbe vor. Durch die Hülle des christlichen Osterfestes schimmert daher noch heute, trotzdem ein volles Jahrtausend darauf ruht, das alte „heidnische" Germanentum mit seinem frommen Naturkultus treu hindurch. Mancher Osterbrauch, der einst mit in das christliche Auferstehungsfest hinüber- genpmmen worden war, mag im Laufe der vielen Jahrhunderte wieder ausgeschieden oder verschollen sein. Mancher aber, wenn auch nur als Bruchstück oder in merklicher Wandlung, die sein reines Gepräge verwischte, hat sich noch als festlicher oder abergläubischer Brauch und Glaube zu halten vermocht. ' Das Volksgemüt will auch dichten und träumen und sich einen stillen Goldschatz von Poesie in der Väter Sitten und Bräuchen bewahren. Nur schade, daß man oft nur noch auf eine Form ohne Inhalt stößt, daß die schöne ursprüngliche Bedeutung manches alten Volksbrauches nicht mehr verstanden wird, und der frühere, sinnige Glaube sich zu sinnlosem Aberglauben verdreht hat. Aber alter Brauch und alte Sitte lassen uns einen tiefen Blick in das Herz unserer Ahnen werfen und mahnen uns, dem, was ihnen in erloschenen, von Waldesherrlichkeit durch- ranschten Tagen heilig war, nicht mit verächtlichem Lächeln, sondern mit freundlicher Ehrfurcht gegenüberzustehen. So wollen wir es auch mit dem mehr und mehr aussterbenden Osterbrauch und Osterglauben halten, durch den noch aus ferner, längst ins Grab gesunkener Urzeit verlorene, fremde und doch wohlvertraut klingende Töne zu uns herüberzittern. Im Namen Ostern, der unangetastet geblieben ist und bleiben wird, so lange Deutsche leben, treffen wir zuvörderst auf die sicherste Erinnerung an das alte, deutsche Osterfest. Ostara war bei den Germanen die Göttin des erwachenden Lichtes und Lebens. Sie ist der griechischen Göttin der Morgenröte ähnlich, der Aurora, und eigentlich nur eine Personifikation des aufgehenden Lichtes. In Ostern und Ost hat sich das alte Wort noch behauptet. Bei den Engländern heißt Ostern noch heute nur Easter. Der Ostara, also dem wieder zur Herrschaft gelangten Sonnenlichte jzu Ehren, feierten unsere 'Vorfahren das große Freudenfest Ostern zur Zeit der Frühlingstag- und Nachtgleiche, am 21. März. Karl der Große, der, wie sein Biograph Einhart berichtet, den Monaten deutsche Namen gab, nannte deswegen auch den April den ostarmanoth,- Ostermonat, den Monat des wiederkehrenden Lichtes. Und die häufig in Deutschland vorkommenden Flurbenennungen Osterberg und Osterwald, und die Ortsnamen Osterburg, Osterode, Osterwieck, Osterfeld, Osterhausen, Osterhofen, Ostevholz u. s. w. erinnern noch an das althochdeutscho ostar. Den Jubel unserer Altvorderen bei der Feier des Osterfestes können wir kaum recht fassen, die wir nicht mehr in so innigem Verkehre mit der freien Gottesnatur stehen und nicht mehr so abhängig von ihr sind, wie sie. Wir wohnen in riesigen, künstlich geordneten Steinhaufen, die wir Städte nennen, und merken nach langer Winter- qüal den Einzug des Frühlings höchstens daran, daß der letzte schmutzige Schnee hinaus auf die Felder gefahren wird, daß die Luft wärmer weht, der Himmel wieder blau, die Tage länger werden, und die wvhlbeschnittenen Bäume und Sträucher auf den Promenaden allmählich wieder ausschlagen. Wir empfinden die Segnungen der Natur erst aus dritter Hand und ihre Poesie nur in seltenen Tagen, an denen wir einmal „aus dumpfer Häuser quetschender Enge" in die Ferne flüchten und Leib und Seele in Wäldern und auf Bergen wieder gesunden lassen können. Und sonst machen wir es uns in unseren Steinhaufen das Jahr über so gemütlich, wie es unser Beutel und der Komfort unseres Jahrhunderts nur irgend zulassen, und werden wenig vom Wechsel der Jahreszeiten angefochten. Anders unsere Ahnen. Ihnen war es wirklich ein harter Bann, wenn die weißbärtigen Winterriesen die Herren int Lande waren, wenn der hohe Urwald schier im Schnee erstickte, wenn aus dem finster niederhängenden Himmel die wirbelnden Flocken Tag und Nacht in Wolken über die Heide trieben, wenn in "den unheimlich langen Nächten ferner Donner zu krachen schien, sobald der Frost in die Eisdecke des Stromes mächtige Risse brach, und wenn grauroter Nebel ewig die düsteren Blockhütten umhüllte, ,in denen die Menschen unthätig beim Herdfeuer auf der Bärenhaut liegen mußten. Dann war es in Wahrheit eine freudige Auferstehung, eine Erlösung aus dem Wintergrabe, wenn der Tauwind von Süden kam und die sonnigen Tage wieder zurückkehrten, die hinauslockten in das junge Grün zu freiem Leben und zu freier Bewegung. Und es ist nicht zu verwundern, daß sie den Tag, der die Rückkehr des Frühlings anzeigte, als hohen Fest- und Jubeltag feierten und jede Regung der erwachenden Natur mit heiliger Verehrung begrüßten. Wir können aus den Trümmerresten der alten, germanischen Osterseier, die sich hier und da im Kolke noch bis in unsere Tage gerettet haben, uns ein annähernd getreues Bild dieses Naturfestes wiederherstellen. Wie die alten Germanen nicht nach Tagen, sondern nach Nächten rechneten, so legten sie auch auf die Osternacht, mit der zugleich ein neues Jahr begann, hohen Wert. Mit Einbruch des Abends leuchteten die Osterfeuer auf allen Berghöhen und Hügeln, brennende Holzstöße und Reisighaufen, deren Flammenschein frohe Menschenhaufen herührte, die tanzend und singend sich um'das Feuer bewegten. Das war der Anfang der freudvollen, heiligen Osternacht. Niemand dachte in dieser Nacht an Schlaf. Man hielt bei dem lodernden Osterfeuer aus, bis es niedergebrannt war. Vor dem Erlöschen suchte aber jeder einen Feuerbrand zu erhaschen und daheim das zuvor ausgelöschte Herdfeuer damit frisch anzuzünden für das kommende Jahr. Wie die heiligen Feuer ringsum im ganzen Lande gleich tausenden niedergesunkener Sterne fernher durch die Nacht leuchteten, so glühte die Freude über die Einkehr der Licht und Leben bringenden Tage in aller Herzen. Die Sitte des Osterfeuers hat sich im Norden Deutschlands bis auf den heutigen Tag erhalten, namentlich in Niederhessen, Westfalen, Friesland, Jütland und Seeland. Anderwärts lodert es nur noch sehr vereinzeilt aus. War das Osterfeuer erloschen, so zog alles, was gehen konnte, in langem, geschlossenem Zuge den übrigen Teil der Nacht in der heimatlichen Gegend umher über Berg und Thal und unter ununterbrochenem, feierlich aufsteiqen- dem Gesänge. In den Dörfern an der oberen Elbe, an der sächsischen und böhmischen Grenze, wo, als einem stets von Deutschen bewohnt gewesenen Waldgebirge, sich viele uralte germanische Gebräuche treu erhalten haben, vernimmt man noch alljährlich die ganze Osternacht hindurch das „Ostersingen", für das alte, choralmäßige Lieder, mit verändertem, alt- kirchlichen Text, der in der Tradition fortlebt, wochenlang vorher fleißig in den Häusern eingeübt werden. Man kann sich seltsamer Empfindungen nicht erwehren, wenn man den dumpfen, vielhundertstimmigen Gesang immerfort vom Abend bis zur Morgendämmerung vernimmt, bald langsam in dunkler Ferne ersterbend, wenn der Zug durch Schluchten und Gründe wandelt, bald wieder näher und stärker hervorbrechend, und an den Felsen ein tiefes Echo weckend, als antwortete von dort ein geisterhafter Sang aus alter, germanischer Heidenzeit. Im Dämmergrau des Ostermorgens begab man sich dann nach beendigtem Umzuge an irgend einen sprudelnden 211 Quell umd wusch sich unter andächtigem Schweigen Antlitz und Hände in dem vom Wintereis befreiten Wasser, der dessen belebender Frische Leib und Seele wie von der Schöpferkraft und Reinheit des jungen Lenzes durchdrungen wurden. Geläutert außen und innen, bestieg man nun die Berghöhen wieder, um der hohen Lichtspenderin entgegenzutreten, deren Aufgang die sanfte Glut des östlichen Himmels und das Purpurgewölk des Morgens weihevoll verkündete. Mit froher Andacht erwartete man das Emportauchen des goldenen Feuerballes und ließ sich von den ersten, blitzenden Strählen der Ostersonne berühren und sich allmählich ganz von der warmen segensvollen Lichtflut überströmen, daß ein heiliger, stiller Gottesfrieden das Herz erfüllte. Noch ist das Osterwasserholen und das Besuchen von Bergen am Ostermorgen heute an vielen Orten gebräuchlich als Anklang an jene alten Ostersitten, aber, den einfachen, sinnigen Naturkultus der Ahnen mißverstehend, hat man den Gebräuchen geheimnisvollen, abergläubischen Sinn untergeschoben. Man schreibt dem fließenden Wasser in der Osternacht Heilkraft zu und bewahrt es sorgfältig auf. Es solle unverweslich sein, die Augen stärken, jugendlich frisches Aussehen geben u. s. w., müsse aber heimlich und unter tiefstem Schweigen beim Schöpfen, beim Hin- und Herwege geholt werden, sonst verliere es die Kraft. Man begriff eben in der christlichen Zeit nicht mehr den Grund dieses nächtlichen Ganges nach dem Osterwasser, und übte nur den althergebrachten Brauch, von dem man Wunder hoffte. Ebenso versteht man das sinnige Erwarten des Sonnenaufganges am Ostermorgen nicht mehr. Man geht auf die Berge und meint, nach der Sonne blicken zu müssen, weil diese heute beim Aufgange drei Freudensprünge thue wegen der Auferstehung Christi, und läßt sich von den ersten Sonnenstrahlen berühren, weil man dann im ganzen Jahre nie Müdigkeit empfinden werde. Mit Sonnenaufgang brach der ostirtag an, der Oster- tag. Der wurde durch verschiedene Festlichkeiten gefeiert, die sich alle bis heute hier und da erhalten haben, wie das Osterreiten, das Todaustreiben, Ostertanz auf grünem Rasen und verschiedene Osterspiele. Das Osterreiten ist eine Wiederholung des nächtlichen Umzuges am Tage, wieder mit Gesang, aber zu Roß. Bei dem Todaustreiben wird von den Kindern eine den Winter darstellende Strohpuppe unter eintönigem Gesang durch' den Ort getragen und ins Wasser geworfen: Treibt den, treibt den Tod 'naus. Treibt ihn über die Haue. Es kommt eine schöne Jungfraue, Sie hat den Tod in die Elbe gebaut, Sie ist eine schöne Jungfraue. Anderwärts ist der Vers in den Worten mehr oder weniger abweichend. Auf dem Rückwege wird die jüngste Braut im Orte jubelnd begrüßt als die Bringerin 'neuen Lebens. Die Osterspiele und Ostertänze, oft mit Waffen ausgeführt, symbolisieren gewöhnlich die Vertreibung des Winters, und aus ihnen gingen im Mittelalter die Mysterien oder Passionsspiele hervor. Die Ostereier, als Sinnbild des in der Verborgenheit aufkeimenden Lebens bei den meisten Völkern angewendet, spielten auch am Ostertage unserer Vorfahren in der Kinderwelt eine Rolle, und bildeten später einen Ofter- zehent der Mönche, die das bunte Färben derselben zuerst aufgebracht und diese Eier wieder an die. Kinder verschenkt haben sollen. Man ließ und läßt die bunten Eier, die der „Osterhase" in das Gras und unter die Sträucher gelegt hat, von den Kindern gern aufsuchen, wie man ja auch nach den ersten Spuren des neuen, sommerlichen Lebens int Freien suchen muß, z. B. nach dem ersten Veilchen, das man auf eine Stange steckte, um die groß und klein dann jauchzend tanzte. Ebenso spähte man nach den ersten, heimkehrenden Wandervögeln, besonders nach dem sersten Storch, der oft noch in der Neuzeit vom Stadttürmer mit fröhlichem Trompetenstoß begrüßt wurde und in allen Herzen Frohsinn entfesselte, wie es Hans Martin Ufteri in seinem Gedichte „Der Frühlingsbote" mit so behaglichem Humor ausmalt. Auch der Kuckuck ist ein altangesehener — vielmehr gehörter — Herold des Lenzes. Bei seinem ersten, hellfreudigem Ruse, der aus dem Walde dringt, schneidet die Hausfrau eine frische Speckseite oder Wurst an, und das Kind, das die Kunde vom Kuckuck zuerst bringt, erhält ein Ei zum Lohn. Das sind alles alte, liebenswerte Ostersitten, die einen wohlthttenden Hauch von Poesie in das nüchterne Alltagsleben bringen. Aber sie sind alle im Aussterben begriffen, und wie lange wird's dauern, kennt man sie nur noch vom Hörensagen oder aus Büchern. Das aber wird man wohl nicht vergessen, daß Ostern eigentlich ein altes, deutsches Fest und das Fest des einziehenden Frühlings ist und daß sein Name an den freundlichen Aufgang des Lichtes erinnert, dessen Wohlthaten unsere Ahnen so hoch zu schätzen wußten, und von dem es in dem Osterliede, dessen Strophe diese Skizze einleitet: heißt: „Und das schaffende Licht, es flammt und kreist, Und sprengt die fesselnde Hülle, Und über den Wassern schwebt der Geist Unendlicher Liebesfülle". Die Auferstandenen. Eine Ostergeschichte von Gerhard Walter. (Nachdruck verboten.) Es war tief im Oktober. Der Wald stand in stiller Herrlichkeit, der große Ernst des Scheidens vom Licht des Sommers lag über ihm. Wie in der Kirche war's. Kein Laut, kein Klang. Die goldenen und rotbunten Blätter des Ahorn und der Buchen hingen regungslos int klaren milden Sonnenglanz an den unbewegten Zweigen. Nur hin und wieder rieselte durch die windstille Luft ein Schwarm herabflatternder Blätter, um lautlos sich im 'Waldmoos zu betten. Ein seiner blauer Duft lag über den Bergen des Wald- thales, in dem es zur Sommerszeit laut genug hergehen mochte, wenn der Schwarm der Reisenden sich hindurchwälzte. Jetzt war keiner mehr da. Es war einsam, ganz einsam geworden. Und doch war noch ein Menschenleben bemerkbar dort oben, da, wo die Hexenkanzel übers Thal hinausgebaut war, auf der vorspringenden Felskante; gerade da, wo das Thal das Knie machte. Da stand einer auf seinen Stock gelehnt, und sah in all' den Frieden hinunter. Es war ein Mann in seiner vollen .Kraft, blond, reckenhaft, aufrecht, sonnverbrannt, die blauen Augen in tiefem Ernst, sinnend auf das stille Thal gerichtet in seinem bald vergehenden Schmuck. Den Hut trug er in der Hand. „Hier ist's gut sein!" sagte er leise vor sich hin; „auf den Bergen ist Freiheit!"- Und in Gedanken setzte er hinzu: „Die Welt ist vollkommen überall, Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual!" Da fuhr er herum. Von der Felswand neben ihm war ein Stein herabgerollt, ihm vor die Füße. Und der Fuß, der ihn gelöst hatte, gehörte einer Frau an, die auf der Höhe über der Kapelle stand, eine lichte Erscheinung unter den dunklen ernsthaften Tannen. Neben ihr stand, dumpf knurrettd, eine graue Dogge, die sie mit der freien Hand zurückhielt. Einen Arm hatte sie um einen der Stämme geschlungen und schaute hinab, weit vorgebeugt. Ihr weißes Gesicht schimmerte hervor aus dem Schatten des dunklen Gezweigs. So standen sie da und sahen einander in die Augen; er hinaus, sie hinab; beide wie erstaunt darüber, daß es außer ihnen selbst noch einen Menschen in dieser verlassenen Welt gäbe. Auf dem Gesicht der jungen Frau lag es wie ein ängstlicher Schatten. „Ich habe mich verlaufen und verstiegen; wie komme ich da hinunter zur Kanzel?", klang eine wohllautende Stimme von oben. „Ich werde Ihnen den Weg zeigen!" rief er hinauf. Sie stand noch so da, als er nach einer kleinen Weile durch das Tannendickicht brach. Er grüßte. Sie war eine schlanke, vornehme Gestalt mit einem wundervollen Kopf unb einem feinen liebreizenden Gesicht, das jetzt von der Arbeit des Wanderns und Steigens leicht gerötet war. Sie dankte anmutig auf seinen Gruß. Jetzt gerade brach die Sonne hinter den Tannen hervor und überflutete beide mit Licht. „Darf ich Sie führen? Reichen Sie mir Ihre Hand ! 212 — sie, sind die Buchstaben a a a, e e e e, 7. Einen Buchstaben. Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe haben die gleiche Be- und kam auf dies Recht Seeen in Afrika 3. Ein Metall 4. Beliebtes Musikinstrument. 5. Früheres Maß. 6. Männlichen Vornamen. h, i i, k k, l l l l l, m, o, p, r r, f, t, v, derart einzutragen, daß die einzelnen Reihen, von oben angefangen, folgendes ergeben: 1. Einen Buchstaben. 2. Figur aus der Volkssage. Geschichte. „Es Geschichten er- „die beide noch Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur Verzichtet hatten." Er war manches Jahr unten an den gewesen, mehr im Kampf mit der Waffe im Men Dienst des Gelehrten; und in Sturm und Frieden hatte er an ein liebes deutsches Mädel gedacht, die ihm Treu i Die wagerechte und senkrechte wittteireige yaoen oie gieiaje versprochen, als er hinausging, um draußen Gut und Ehre deutung. . für beide zu gewinnen; „und deshalb" hatte er gesagt Auflösung des Tauschrätsels ttt voriger Nummer, und dabei in die prasselnde Flamme gestarrt, „deshalb I A^ge - Eichel - Onkel - Reiter - Gaul - Eber - Baum kann ich das Lied vom Baum im Odenwalde nicht mehr I Esche — Rost — Segel; hören, ohne daß es mir wie ein blutiger Schein vor die I Georg Ebers. .4 ft w ffpif i 044p spate die ihre hinein, eine I Augen tritt: als ich wiederum kam zu ihr — verdorret »V-sstasss.essffls --&- Thorwald!" antwortete sre leichthm, „ich danke ^hnen. I ^uannt;^ein^e kurze Geschichte voll Jammer; aber sie hatte Sie war eine sehr schone Frau. , I lanasam erzählt- Wort um Wort, Satz um Satz; Sw meinewe^en nur^hier" sagte sie mit I und draußen war der Regen niedergegangen. „Und nun =£h: SS '«SSSSSSiäS a™ ;:?sH?ss'Ä'=. v.«r ünn" Lr Bit gP-rn Ä Lrbpsch zugEcht. und g-w-chs-lt, di- Il-rnb-r «-gange» waren nnd BHitews ging, that ihnen beiden wohl. „ - I den braunen Buchen und nach dem Ostervollmond im Und doch, einmal trafen sie zusammen, wo he auf I und am Osterheiligabend stand er auf einem Wege zuruck mußten. Tief drinnen im Walde I ^^renkanzel und sah in das stille, braune Waldthal lag ein einsames Haus, das Haus der „Fürstin gennant. I 6inunter Schau, da drüben blühte ja der Schlehdorn wie Ganz drinnen im Waldesdickicht, schwer zu finden. Eine I y toet6er Schleier, der am Felsen aufgehängt war, und Fürstin sollte, in Minne entbrannt, dort einst einem ihrer I ... stand mit gelbem Licht der Ostervollmond. — Kavaliere heimlich ihre Hand geschenkt haben und an der auf seinem Stab und schaute hinab. Quelle erstochen sein, die hinter dem Hause hervorbrach, I I)ört'e er ü{,er sich ein dumpfes Knurren das nur einen einzigen Raum in sich barg mit einem Herde. I n unb daneben eine klare Frauenstimme, die Sie hatte vor zwei Abenden davon gesprochen, unten I ngger and sang vor sich hin: in der Gaststube, überm Schachbrett. „Laß doch die Leute sich I stehl ein Baum im Odenwald —" über mich wundern!" hatte sie mit ihrem lafsigeu Ton zu | sandte sich auf schaute aufwärts: da stand . dem Professor gesagt, „ich wundere mich über nichts und I unfa e'inen Arm um die Tanne geschlungen und über niemand." I schaute hinab aus großen Augen wie in süßem Schreck. Da Und so saß sie, ein süßes, stilles Rätsel, ihm gegen- I ästete er stumm die Arme aus gegen sie. So sahen sie über und sagte ihm Schach an. Er war am folgenden Tage I Ruander an. Er fand das erste Wo^t: „Darf ich kommen?' nicht zu dem Waldschloß gegangen, weil er meinte, sie I <§ie nickte still und neigte sich tiefer zu Thal; - würde hingehen; und auch sie war eines anderen Weges I Dich sichren? Dich tragen? Dich lieben, Du süßes Weib? gezogen, weil sie ihn dort vermutete. Aber am dritten I S(e nickte wieder ernsthaft. — Und es rauschte im Gezweig Tage trafen sie da doch zusammen. Er hatte kaum sem 1 unb er h^ach ungestüm durch die Tannen: „Hertha! Ge- Frühstück ausgepackt, da kam die junge Frau durchs Grün I Iiebte Frau!" — „ daher auf einem anderen Wege. Die Dogge knurrte jetzt I Sie legte ihr Haupt an sein Herz und sah zu ihm auf: nicht mehr. „Leben wir nun wieder?" fragte sie leise. Sie grüßten einander als gute Bekannte. Es faß sich I @r „eigte sich über sie und hob ihr Gesicht empor: so gut da im linden Sonnenschein, im kräftigen Waldduft. I „Ja, Hertha! Wir feiern die Auferstehung des Herrn; Und sie blieben viel länger beisammen, als sie gedacht I selber auferstanden!" hatten Sie hatten nicht bemerkt, daß der Himmel sich I Ueber ben Wald her vom Kirchlein klang volles, klares bezog, und hörten plötzlich mit Erstaunen den Regen aus I Ostergeläut. Und der Ostermond spiegelte sich in ihren das Vordach von Rinde niederprasseln. Da gingen sie I leuchtenden Augen und warf helles, goldenes Licht ms hinein in das Haus und zündeten das rotlodernde Feuer I Me Thal, Über die stille Welt der Auferstandenen. auf dem Herde an und saßen in seinem flackernden Schein I und wärmten sich. Und auch ihre Herzen wurden warm I Diamantratsek. in den stillen Stunden, während draußen die Wolken durch den Wald zogen und unendlicher Regen herniederrieselte und rauschte. Als sie heimwärts gingen an dem früh dämmernden Abend auf nassem Psade, da kannten fle einander; sie kannte seine, und er ihre war, als wenn zwei Tote einander ihre zählten", schrieb sie ihm um Weihnachten, das Recht gehabt hätten, zu leben, aber