eressante itb" Ge- praktische in allen ) ausge- :ge Blatl ein. ; Uinvcrsi- ibium der er rühren, Ausübung Frau bei st deshalb l auf die lnshundert annähernd intesten ist > in letzter rfolge bei s Frauenals einer, ing zollen, bringender toffen, die t, ihn und 'r. Fischer- em Wissen n Studium Abhandlung, i Schriften, ie moderne em Knnst- ift: „Das über, und rund einer Hut. Nach in Dresden Praxis er- i Metropole len Fernen n, die die schäft hier erschiedenen d: 1*) Die *) Die Be- Entstehung, .) und die gisch-soziale ic einzelnen darauf be- Mit einem ibrechen der :§ liebel in nderen Geber Aerztin rem tiefsten ichen Wohle ine Stimme n Menschen iradezu für namentlich auch vielen ird ihr der eu Reform- zes Dasein, klärung zu eines Teiles llbrecht. lin SW. 61, P. mmer. stießen. 1900 aSiifl H 11 UÜiÜiiÜjÜMul. f ines wisse, eines merk', Kraft wird dir's verleihen: Glauben mußt du an dein Werk, Wenn es soll gedeihen. Paoli. Nachdruck verboten. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. (Fortsetzung.) Nach und nach fand er seine stille Seelenstimmung wieder. „Ich bin nun 'mal nicht geschaffen um mir den Genuß zu suchen, mit dem sich die Menschen begnügen", dachte er vor sich hin! „Aber Mas wünsche ich mir denn eigentlich? Wird sich mir das jemals nähern, wonach ich mich sehne? Nein, sie wollen mich alle nicht! Nettchen ‘ stieß mich zurück, und Johanne selbst, dieses kleine, arme Mädchen, verschmäht mich." Als hätte er mit diesem Namen die ganze Vergangenheit wachgerufen, sah er jetzt so deutlich, daß er sie hätte malen können, die Erscheinung des jungen Mädchens vor sich, wie sie sich an jenem ersten und letzten Besuche in seinem Hause seinem Gedächtnis eingeprägt hatte. Er sah die Kinderfigur, so angstvoll hinter das schräg gestellte Plättbrett gedrückt, den spähend vorgebeugten Kopf mit den großen, flehenden Augen. Die Träume der ersten Wochen fielen ihm ein, der kurze, undeutliche Rausch einer seltsamen Beglücktheit, aus jenen Tagen, da er sich immer wieder das tiefe Erröten und die liebliche Befangenheit des armen Kirches vor Augen geführt hatte. Fast ohne es zu wissen, hatte er die belebten Straßen verlassen und schritt auf Johannes Wohnung zu. — Das Haus betrachten, das sie bewohnte, und das er damals voll unklarer Wünsche ausgesucht hatte, um von der Handarbeitslehrerin kurz vor die Thür gewiesen zu werden! Jetzt in der Dunkelheit, zur tiefen Abendstunde, würde ihn niemand erkennen, niemand ihn hindern, zu Johannens Fenstern aufzuschauen. Aber als er vor dem Hause stand, das niedrig verbaut, ein Rest aus Berlins vergangener Zeit, an dem Ufer des schmutzigen Flüßchens stand, mit dem verfallenen Seitenflügel bereits dem Abriß geweiht, fand er die Fenster der kleinen Vorderfront bereits dunkel. Die zehnte Stunde war hereingebrochn, schon hörte man, wie in einzelnen Häusern des Gegenüber die Thüren für die Nacht geschlossen wurden. Unschlüssig, wie um eine große Hoffnung gebracht, stand Paul vor den fremden Fenstern. Dann ging er langsam um das Haus herum. Er erblickte das Gärtchen an der Hinterfront, dieses Stück Wiesenland, das sich an öde Bauplätze hinlehnte; der Hof, der mit dem grünen Fleck durch eine ausgetretene Steintreppe zusammenhing, lag in nächtlichem Dunkel. Paul lehnte sich an den Stacketenzaun und betrachtete diese kleine Welt, die Johanne gehörte, und von der er doch kaum mehr unterscheiden konnte als dunkle Umrisse, welche die gigantischen Formen der Nacht angenommen hatten. Plötzlich gewahrte er einen hellen Lichtschein, der von einem der Kellerfenster auf den Hof hinausfiel. Zugleich, erschien Johannes Silhouette an dem kleinen, soeben erhellten Fenster. Wie der Blitz war Paul an der Hofthür. Es' wunderte ihn nicht, dieselbe offen zu finden. In dem Moment, als er Johanne ersehnt hatte, war sie erschienen; in dem Moment,, als er die Hand auf die Hofthürklinke legte, öffnete sich dieselbe! Das waren Dinge, die ihm später als übersinnliche Vorgänge ins Gedächtnis zurückkamen, im Moment aber kaum ein Gefühl des Staunens verursachten« So vorsichtig, als sei er ein nachtschleichender Dieb, tastete er sich vor das Kellerfenster. Den Kopf seitlich dem Hofe zugewandt, stand Johanne in dem tiefen Kellerraum und wusch. Die Aermel ihrer weißen Nachtjacke waren heraufgestreift; das rote, kurze Flanellröckchen ließ ihre schlanken Beine sehen, die in den riesigen Filzpantoffeln der Tante nach unten hin versanken. Auf den Löckchen an ihrer Stirn lagen zarte Flocken Seifenschaum. So stand sie da, unausgewächsen und dürftig wie ein Backfisch, den man zu einer Maskerade herausgeputzt hat. Aber über ihrem Gesicht lag ein so tiefer Ernst der Arbeit, daß er um ihre Mundwinkel förmlich Furchen grub. Paul rührte sich nicht. Wie gebannt blickte er auf diese kleine Waschfrau, die ihre mageren Arme mit einer so fanatischen Geschwindigkeit rührte. Dann flogen seine Blicke zu den Fenstern der Rückfront hin. Alles dunkel! Heute würde Fräulein Windelbach nicht kommen und ihn von dannen weisen. Und wenn auch! Er hob die Arme auf, als wolle er es mit einer ganzen Welt aufnehmen. Heute würde er sich nicht abweisen lassen! Und niemals mehr. — Er regte sich, scharrte mit den Füßen leicht über die Steine hin. Johanne sollte, ohne zu erschrecken, zuvörderst auf die Anwesenheit eines Menschen aufmerksam gemacht werden. Wirklich hörte sie bei Vernehmen des Geräusches in ihrer Arbeit auf und .blickte nach dem Fenster hin. — 146 — Keinerlei Furcht malte sich in ihrem Ange. Wer sollte ihr wohl etwas zu Leide thun. Da erblickte sie Paul. Er hatte sich vor das Keller- senster mit den Knieen auf die Pflastersteine des Hofes niedergelassen und klopfte nun sacht gegen die Scheiben. Johanne starrte ihn an wie ein Gespenst. Sie wollte etwas sagen. Aber ihr Kindermund blieb weit offen stehen. Paul hatte rasch das kleine Fenster zurückgestoßen. „Fräulein Johanne", sagte er, indem er sich vor Verlegenheit mit dem Kopfe so weit vorbeugte, daß es aussah, als wolle er denselben in die Waschwanne tauchen. Johanne hielt den Mund nur weit offen. „Guten Abend", fügte Paul mit einem Anlauf zu einem erleichternden Lächeln hinzu. „Gu—ten — Abend", flüsterte Johann» Noch immer stand sie vor ihm, wie zu Stein erstarrt. An. ihren Armen hing noch der Seifenschaum. Und kleine Tropfen Wasser liefen an ihren Fingerspitzen entlang, auf die bunte Küchenschürze hinab, die sie über ihren roten Unterrock gebunden hatte. „Ich wollte einmal sehen, wie es ihnen geht", sagte Paul, dem es war, als müsse er au dieser schwierigen Konversation ersticken. „Es ist wohl schon ein bischen spät, allein ich habe mich unterwegs versäumt. Ich glaubte auch gar nicht, daß Ihr Haus noch offen wäre. Da ging ich so langsam rings herum — und da fand ich denn die Hosthür noch unverschlossen." „O Gott", hauchte Johanne, die jetzt endlich die Sprache wieder fand, aber noch lange nicht das Fassungsvermögen. „Wollen Sie nicht näher treten, Herr Paul?! Wenn die Tante Sie da draußen sieht!" „Wie komme ich dennn herein?" fragte Paul, indem er hoffnungsfroh die Blicke durch die Waschküche schweifen ließ. „Ja wie?" sagte Johanne ratlos, „der Eingang ist nur vom Hause aus." „Wenn ich durchs Fenster stiege?" fragte Paul. Ihm war, als spräche er einen nie mehr gut zu machenden Frevel aus. „Ich bitte", entgegnete Johanne mit demütiger Höflichkeit. Sie hatte schon einen Schemel herbeigeholt und vors Fenster gestellt. „Wenn Sie da hinauftreten wollen, Herr Paul?" Paul war mit einem etwas holprigen Sprunge in der Küche. Die beiden standen sich nun gegenüber. „Nun also guten Abend, Fräulein Johanne!" sagte Paul ein zweites Mal. Er reichte ihr beide Hände hin. Die Befangenheit war von ihm gewichen. Da stand sie ja, hocherglühend, mit tief zu Boden geschlagenem Blick, wie damals. — „Fräulein Johanne", sagte er, indem er die beiden feuchten Händchen ergriff und in die seinen drückte. „Ich freue mich ja so unendlich, daß ich Sie Wiedersehen darf; — Sie glauben garnicht, wie ich mich darüber freue, — — ich habe so oft an Sie gedacht — und bin dann noch einmal bei Ihnen gewesen, — da hat ihre Tante mich weggeschickt — — und da dachte ich schließlich — wenn Fräulein Johanne uns auch nur ein bischen gern hat, dachte ich, da würde sie doch in einer Stunde, wo die Tante nicht in ihrer Nähe ist, einmal zu uns herangekommen sein." — Er hatte schnell, in fliegender Erregung gesprochen, Johanne hatte längst ihre großen Augen erhoben, und die hingen an seinem Gesicht. „Ich habe keine Stunde, wo die Tante nicht in meiner Nähe ist", entgegnete sie endlich. „Immer, immer ist sie um mich. Und dies ist die einzige Zeit, Herr Paul, wo wir uns einmal sprechen dürfen." So viel Ergebung lag in ihren Worten. Paul beugte sich zu ihr hinab. Seine Zunge war nicht mehr gefesselt. Ein Strom von Worten drängte sich auf seine Lippen. Aber nur ein Stammeln davon fand einen Ausweg, in zärtlichen, zitternden Lauten: „Kommen Sie mit mir, Johanne!" Sie stand in atemloser Verwirrung; ein Leben ging über ihre Gestalt. „Mit — Ihnen?" flüsterte sie fassungslos. „Ja", sagte er. „Mit mir nach Haus, Johanne, wo die Mutter Sie mit offenen Armen aufnehmen wird. Es ist so still bei uns, seit Nettchen fort, und wir sind alle — so einsam." Johanne hatte sich von seinen Händen losgemacht. Als suche sie nach einem Halt, trat sie ans Waschfaß und stützte sich mit beiden Händen auf den Rand. „Wollen Sie mir nicht antworten, Johanne?" fragte Paul. — Da begann sie zu waschen. — Mit all ihrer Hilflosigkeit flüchtete sie sich in dieses große, breite Wasserfaß, das schon so viele von ihren Sorgen und Kümmernissen mit seinen kleinen Wellen hinfortgespült hatte. Paul staud regungslos. Seine Augen folgten ihren Bewegungen, und als habe er die Prozedur des Waschens noch nie in seinem Leben beobachtet, so hing gespannt sein Blick an dem Bottich und seinem Inhalt. Er grübelte nach einem Wort, das reicher, besser als die vorherigen, und ohne Johanne im gleichen Maße zu erschrecken, hätte aussprechen können, was er empfand. „Wollen Sie sich nicht setzen, Herr Paul", flüsterte Johanne zwischen dem Waschen fort. Er nahm auf einem Holzblock Platz. „Ich werde wohl gleich gehen müssen", sagte er endlich. „Es ist ein Viertel über zehn. Man wird das Hof- thor schließen." Johanne protestierte nicht; aber wie verzweifelt wusch sie weiter. — Nun hörte man eine ganze Weile nichts als das Plätschern des Wassers, in das die kleine Wäscherin ihre große Wäsche drückte und tauchte. Auf dem Hose war es still. Von der Straße her tönte ab und zu das gedämpfte Rasseln eines Wagens oder der wuchtige Schritt des patrouillierenden Nachtwächters. „Um elf Uhr kommt Herr Neumann zu Haus, unser Vizewirt, der beim Telegraphendienste ist", sagte Johanne abermals aus der Wäsche heraus. „Dann schließt er das Hausthor." „Also werde ich gehen", entgegnete Paul. Langsam erhob er sich. Ihm war, als hielten ihn tausend und abermals tausend feine, eiserne Klammern an diesem rohen Stück Holz, auf dem er gesessen und Johanne zugeschaut hatte, fest. Er würde gehen, und damit war alles zwischen ihm und ihr für ewige Zeit vorüber. Sie hatte ihn nicht anhören wollen. Nicht mit einer Silbe kam sie ihm entgegen. Ein Groll, so verzehrend wie er ihn noch nie gekannt hatte, stieg in ihm auf. Mit einem kurzen Abschiedswort wollte er an ihr vorbei. Da fiel ihm ein, daß er ohne ihre Hilfe ja nicht aus dem Hause könne. Wie ein Don Juan, der ein Stelldichein sucht, hatte er sich auf versteckten Wegen zu ihr geschlichen. Er wandte sich nach ihr um. Aber vor dem rührenden Bilde, das er erblickte, wurde sein grollender Ausdruck weich und mitleidig. Da stand sie auf den Zehen, die Brust fest an den Rand des Bottichs gedrückt. In ihren Kinderarmen hielt sie ein Wäschestück, ein Laken, das sie auszuwringen suchte, und das wie eine aufgequollene Riesenschlange" über den Rand der Wanne hinunterhing, wo es Ströme von Flüssigkeit^ vergoß. Im Augenblick war Paul an der Wanne. „Lassen Sie mich helfen, das können Sie nicht allein!" rief er aus. Und indem er mit festen Händen die aufgequollene Rolle zusammendrehte, fügte er mitleidig hinzu: „Mit diesen Kinderfingerchen!" > Johanne hatte im ersten Staunen das Wäschestück losgelassen. Jetzt griff sie mit angstvoller Hast darnach. „Nein, nein!" stieß sie hervor. „Sie dürfen nicht, Herr Paul. Geben Sie her, was thun Sie denn?" Ganz verzweifelt riß sie an dem schweren Stück, das Paul mit so raschen Bewegungen auszuwringen begann. Plötzlich — wie war es gekommen? Hatte sie ihr Händchen nach ihm ausgestreckt, — hatte er sich's genommen? Hefter der feuchten, dicken, weißen Schlange fanden sich ihre Finger. „Johanne!" flüsterte Paul. - 147 - Er hielt die schmale Arbeitshand fest in der seinen. „Liebe — kleine Johanne!" sagte er. Noch nie hatte jemand ihren Namen in diesem Tone ausgesprochen. Sie- hob langsam die Lider und blickte ihn mit thränen- schweren Augen an. „Herr Paul", murmelte sie wie im Traum. Er war schon an ihrer Seite. „Ich habe Sie ja lieb, Johanne", sagte er. „Darum kam ich her." Es wurde ganz still in dem trüb erhellten Kellerraum. Die beiden sehnsüchtigen Herzen lehnten eng aneinander. — Schauer einer nie gekannten Seligkeit wogten in Pauls Seele. ‘ Zum ersten Male in seinem Dasein fühlte er ein Leben an das seine geschmiegt, — ein so hilfesuchendes Leben! (Fortsetzung folgt.) Ein Liebling unserer Lesewelt. Ein Festblatt zum 70. Geburtstage Paul Heyse's, 15. März 1900. Von Dr. Er n st Wilm s. Nachdruck verböten. Kein Dichter und Schriftsteller, der in den Tiefen der Leidenschaft wühlt, und mit forschender Hand auf den Grund der Lebensflut dringt, um ihr neben Schlamm und Kieseln einen Teil ihrer Geheimnisse zu entreißen, sondern ein Vertreter der ewigen Grundsätze des Klassisch-Schönen, ein fein empfindender Aesthetiker ist es, dem heute das deutsche Volk aus Anlaß des 70. Geburtstages dankbar den unver- welklichen Lorbeerkranz darbringt. Kein Originalgenie, das neue Bahnen wandelt und der Welt neue Gesetze verkündigt, aber ein geistvoller Darsteller, ein fesselnder Schil- derer, ein meisterhafter Zeichner der Weiblichkeit, hat sich Paul Heyse von Anfang an einen Platz im Herzen des deutschen Publikums erobert, und denselben trotz seiner erstaunlichen Fruchtbarkeit und der wahrlich nicht geringen Konkurrenz zu behaupten verstanden. Der Lebensweg des Dichters war ein Spaziergang über eine schattige, heitere Promenade — wenigstens soweit die Oeffentlichkeit von demselben Kenntnis zu nehmen Gelegenheit erhalten hat; denn das Innere eines Dichterherzens in seinen steten Kämpfen, in seinem Ringen nach Vollkommenheit, in seiner Berührung mit Enttäuschungen und Widerwärtigkeiten, bleibt ja der Menge fremd und verschließt sich Meist wie ein heiliges Geheimnis in der Brust des Trägers. Jedenfalls aber ist Paul Heyse infolge glücklicher Umstände bewahrt geblieben von jenem qualvollen Existenzkämpfe, welcher das schöpferische Genie so vieler Denker und Poeten im Keime zu ersticken droht und sie zwingt, den großen Gedanken ihres Wollens in sich zurückzudrängen, um unter blutigen Thränen die Freiligrathsche poetische Biographie dessen. Der mit Schädel und Gehirn Hungernd pflügt —", immer von neuem in traurige Wirklichkeit umzusetzen. Paul Heyse ist ein Berliner Kind; er erblickte am 15. März 1830 als Sohn des Sprachforschers Karl Wilhelm Ludwig Heyse das Licht der Welt. Seine Vorbildung empfing der talentvolle Knabe auf dem Friedrich^-Wilhelms- Gymnasium; 17 Jahr alt, widmete er sich, unter Böckh und Lachmann dem Studium der klassischen Philologie und genoß schon in jener Zeit den bildenden Umgang bedeutender Künstler, die sein feines ästhetisches Empfinden in die rechte Bahn zu lenke,, wußten. Im Jahre 1849 begann er das Studium der romanischen Sprachen und Litteraturen, und schon im jugendlichen Alter war es ihm vergönnt, die heiße Sehnsucht eines künstlerisch veranlagten Herzens nach dem alten Zauberlande Italien zu befriedigen. Durch die Schweiz ging die Reise, die Gigantenwelt der Alpen wirkte auf seine lebendige Phantasie, dann offenbarten sich ihm die Wunder der antiken Welt, und derhesier- blaue Himmel des Sonnenlandes Italien spannte sich über ihn aus. Der junge Poet schlürfte die neue Kunstatmosphäre förmlich in sich hinein, die Richtung seines Eimern ward für immer bestimmt: die schöne Seele in der schönen Form war das Ideal seines Schaffens. Und er erreichte wahrlich sein Ziel, er vermochte es, den schönen Gedanken in edle Formen zu gießen, mit Tönen Ivie aus herrlich gestimmten Glocken sprach er zu der erstaunten, bewundernden Lesewelt; seiner fein empfindenden Natur war alles absolut Häßliche und Unschöne zuwider. Er ist ein Aristokrat im edelsten Sinne des Wortes, ein geistiger, ein ästhetischer Aristokrat, und diese Thatsache gerade ist es, welche so oft zu irrigen Anschauungen über ihn und sein Wirken geführt hat. Man hielt ihn für einseitig, schrieb ihm einen engen Gesichtskreis zu, nannte seine Gestalten blutarm, seine Sprache süßlich einschmeichelnd, seine Weltanschauung bequem und weltmännisch, seine Poesie eine Damensalonpoesie, tadelte den Mangel echter Leidenschaft und schrieb ihm kein echtes schöpferisches Talent, sondern nur ein formales zu. Allerdings kam der Dichter während feiner ersten Schaffensperiode über eine ästhetische Unterhaltungslitte- ratur nicht hinaus, und daran trugen gerade die allzu günstigen Lebensverhältnisse die Schuld, in denen er sich bewegte. Im Alter von erst 24 Jahren sah er bereits alle Sorgen um die irdische Existenz von seiner Schulter genommen, indem König Max von Baiern ihn unter Aussetzung eines Jahresgehalts von 1000 Thalern in seinen Dichterkreis nach München berief (1854). In dieser Tichter- tafelrunde wurde zwar viel in schöngeistiger Litteratur gemacht, aber 'den Fragen der Zeit hielt man sich natürlicherweise fern; denn König Max, so künstlerisch gebildet er immer sein mochte, blieb immer ein Fürst, und man wird nicht fehlgehen, anzunehmen, daß das Heysesche Schaffen von der Hosluft, die er atmete, nicht ganz unbeeinträchtigt blieb. Daher kann inan es als ein Glück betrachten, daß der Dichter, als 1868 seinem Freunde Geibel das Jahresgehalt wegen seines in Süddeutschland sehr mißfällig aufgenommenen poetischen Grußes an den König von Preußen entzogen wurde, auch auf das seiuige verzichtete, — denn nun erst zeigte er sich als ganzer und voller Dichter, und griff in seinen großen Romanen: „Kinder der Welt" und „Im Paradiese" mit Meisterhand in das volle Menschenleben hinein. Im ersteren Werke nahm er energisch Partei für die Lehren von Schopenhauer und Strauß, int zweiten bekämpfte er die traditionellen Ansichten über Sitte und Ehe. Es ist hier nicht der Ort, näher auf die Werke Heyses einzugehen, ja von feinen zahlreichen Novellen können wir auch nicht einmal die Titel anführen; denn der Dichter hat eine erstaunliche Fruchtbarkeit bewiesen, doch sind es, wie betont werden muß, vor allem seine .Novellen, die ihn zu einem Liebling des deutschen Lesepublikums gemacht haben. Nicht ganz mit Unrecht hat man ihn den geistreichsten aller Novellisten genannt, wenn auch — was schon die große Zahl seiner Schöpfungen erklärt — diese sich in ihrem poetischen und ästhetischen Werte nicht sämtlich gleich sind, tzellmut Mielke nennt ihn in seinem 1890 in Braunschweig erschienenen Werke: „Der deutsche Roman des 19. Jahrhunderts" im Gegensatz zu Heine, der bekanntlich der „ungezogene Liebling der Grazien" genannt ivird, treffend „den gezogenen Liebling der Grazien" für welchen die Schönheitslinie das oberste Gesetz ist. „Er hat", betont derselbe Verfasser, „die Form der deutschen Novelle zu einer künstlerischen Ausbildung gebracht, die den feinsinnigen Geschmack geradezu entzücken kann, wenn der Dichter dafür auch die originelle Kraft des Naturells dämpfen mußte: Stoff und Charaktere sind immer von fesselndem Interesse, nur der künstlerische Hauch legt sich bisweilen doch erkältend auf sie. Heyse hat stets nur liebenswürdige und vornehme Gestalten für seine Novellen gewählt. Seine Eigenart liegt bereits in seinem Stil, in diesem glatten, anmutigen Linienzuge, der alle Kanten und Härten meidet, und die lebendigste Leidenschaft in dem Ausdruck einer reifen, geklarten Gesinnung bringt". Heyse besitzt dabei eine außerordentliche Erfindungsgabe und Produktionskraft, er ist der Prediger eines heiteren Lebensgenusses, er vertritt die Rechte der Individualität gegen die Gesamtheit. Besonders seine Frauengestalten sind mit unübertroffener Meisterschaft gezeichnet. Weniger Geltung als auf epischem Gebiete hat unser Siebzigjähriger als Dramatiker erlangt; obwohl e$ - 148 - gerade die dramatische Form lieb gewonnen, und eine lange Reihe von Stücken jeden Genres geschaffen hat. Mit seinen „Sabinerinnen" gewann er zwar den im Jahre 1857 vom König von Baiern ausgesetzten dramatischen Preis, vermochte sich aber damit die Bühne nicht zu erobern. Am meisten Beifall fanden die volkstümlichen Dramen „Hans Lange" und „Colberg", die sich bisher mit Erfolg auf dem Repertoir zu behaupten wußten. Von seinen übrigen Stücken, die sich fast alle durch geistreichen Dialog, poetische Schönheit und mancherlei fesselnde Szenen auszeichnen, seien u. a. genannt: Die Tragödie „Franziska von Rimini", das Drama „Meleager", die Trauerspiele „Hadrian", ^Maria Moroni", „Die Göttin der Vernunft", „Graf Königsmark, „Don Juans Ende", „Alkibiades", die Schauspiele „Ludwig der Baier", „Die Weiber von Schorndorf", „Das Recht der Stärkeren", „Weltuntergang", „Ein überflüssiger Mensch", „Wahrheit", das Lustspiel „Prinzessin Sascha" und die schöne Dichtung „Die Weisheit Salomos". In neuerer Zeit sind noch erschienen das Märchenspiel „Rolands Schildknappen oder die Komödie vonl Glück", das Festspiel „Wolfram von Eschenbach" und die Trauerspiele „Banina Vanini und „Die Fornarina". Auch als Ueber- setzer italienischer und spanischer Dichter hat sich Heyse mancherlei Verdienste erworben, so gab er mit seinem Freunde Geibel 1852 das „Spanische Liederbuch" heraus, und veröffentlichte eine Anthologie moderner italienischer Gedichte, sowie Uebersetzungen der Gedichte Giuseppe Giustis und Giacomo Leopardi's. An seinem Ehrentage — des dürfen wir gewiß sein — wird das deutsche Volk seinem Lieblingsnovellisten vielfache Ehrungen bereiten, in Erinnerung mancher schöner Stunden, die es ihm verdankt. Auch wir verfehlen nicht, dem Dichter unsere Glückwünsche darzubringen, und hoffen von seiner vollen Schaffenskraft, daß er uns noch manche schöne Gabe bescheren wird. Möge dem verehrten Meister ein noch riecht langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein!— _____ Gsin-innützige». Ield und Karten. Zu den regelmäßigen Arbeiten des einsichtsvollen Obst- züchters gehören auch alle diejenigen Maßnahmen, die eine Vernichtung oder wenigstens eine möglichst weitgehende Einschränkung des in den letzten Jahren so erschreckend sich verbreitenden Ungeziefers bezwecken. Das Anlegen von Leimringen und Madenfallen, das Abkratzen und Kalken der Stämme und ähnliche Maßregeln sollten in den Arbeitsplan eines jeden Obstbautreibenden ausgenommen werden, besonders sollte man aber die uns im Kampfe gegen die Schädlinge so wertvollen Bundesgenosssen, die Singvögel, nach Möglichkeit unterstützen. Einem großen Teile unserer gefiederten Sänger: den so nützlichen Höhlenbrütern, wird der Aufenthalt in der Nähe von Obstanlagen fast unmöglich gemacht, weil keine passenden Nistgelegen- tzeiten vorhanden sind; durch die Forstkultur werden die natürlichen Brutplätze in Astlöchern und verlassenen Spechthöhlen immer mehr beschränkt. Da ist es nun ein Gebot der Klugheit, für richtige Nistkästen zu sorgen. Wie der „Praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau" in seiner neuesten Nummer berichtet, sind namentlich die v. Berlep'schen Nistkästen zu empfehlen, da sie in geschickter Weise den natürlichen Bedürfnissen und Gewöhnheitein der Höhlenbrüter angepaßt sind. In welch hervorragender Weise die Singvögel an der Vernichtung der Schädlinge beteiligt sind, wenn sie in der angegebenen Weise Unterstützt werden, beweist u. et. die Thatsache, daß der Star in Ostthüringen, wo man ihm Nistkästen bot, nach den Mitteilungen' des verdienten Ornithologen Hofrat Dr. Liebe in Gera der dort herrschenden Baumweißlingsplage ein Ende gemacht hat. Die reichillustrierte Nummer, die auch einen mit zahlreichen deutlichen Abbildungen versehenen Bericht über die Berliner Wintepblumen-Ausstellung bringt, ist vom Geschäftsamt des praktischn Ratgebers in Frankfurt a. O. kostenfrei zu beziehen. Kefundyettspffege. Flimmern der Augen ist eine häufige Klage nervöser Personen und beruht meist auf Ueberanstrengung der Augen, z. B. durch Lesen im Halbdunkeln oder »im Eisenbahnwagen; zuweilen ist es eine Folge geistiger Ueberanstrengung. Aber auch der wiederholte reichliche Alkoholgenuß verursacht das Leiden, ebenso wie es auch mit Recht als eine Folge geschlechtlicher Ueberreizung angesehen werden kann. Schonung der Augen, Ruhe und Kräftigung des ganzen Körpers sind die besten Gegenmittel. Indessen giebt es zur Beseitigung des lästigen Zustandes neben Vermeidung der Ursachen noch ein Mittel, welches zugleich für die Erhaltung der Sehkraft von großer Bedeutung ist. Man gewöhne sich sowohl die Augenlider als auch die Augenbrauen- und Schläfengegend täglich, am besten unmittelbar vor dem Schlafengehen, mit kaltem Wasser zu befeuchten. Auch am Tage kann man dieses einfache und doch so wirksame Mittel mehrmals zur Anwendung bringen. Gegen Lockerheit der Zähne. Man koche eine Hand voll grüner oder einen Löffel voll getrockneter Brombeerblätter mit ein Viertel Liter Wasser und füge, nachdem man das Ganze durchgeseiht hat, ein erbsengroßes Stück Alaun hinzu. Mit diesem abgekühlten Absud spüle man täglich den Mund dreimal aus. Auch das öftere Ausspülen mit nicht zu kaltein Wasser, dem man etwas Weinessig zugefügt hat, oder mit Kamillenthee ist in leichten Fällen ein recht gutes Heilmittel. Beruht das Leiden auf einem inneren Siechtum und einer fehlerhaften Blut- und Säftemischung, nicht aber auf Erkältung, so führe man vor allen Dingen eine naturgemäße Lebensweise und meide alle reizenden Speisen und Getränke. Kneipp über die Bedeutung des Zuckers. In der Sprechstunde des verstorbenen Prälaten Kneipp konnte man gelegentlich ein eigentümlich lautendes Rezept aus seinem Munde vernehmen, ohne im ersten Augenblicke seine Bedeutung zu verstehen. „Trinken Sie vormittags und nachmittags ein Glas Zuckerwasser und essen Sie ein Stück Kraftbrot dazu!" Dies war, wie es im „Kneipp-Kalender" für das Jahr 1900 heißt, das Rezept, welches so manchen an Blutarmut, Bleichsucht oder an körperlicher Schwäche leidenden Patienten empfohlen wurde. Anfangs mag es allerdings verblüffend wirken oder gar als Ironie ausgelegt werden, wer aber die Bedeutung des Zuckers im wirtschaftlichen Leben und dessen Vorzüge kennt, nimmt das Rezept als ernst, weil er weiß, welche Vorteile die zweckmäßige Verwendung des Zuckers für die Ernährung des einzelnen wie der Gesamtheit bietet. Königspromenade. (Nachdruck verboten.) er ge mit ei kl wei ße rei fan dem nen gen gro chen kl an ist den ll ge ei das bei dl than wi groß ne ta ne Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Charade in voriger Nummer. Barbier. Redaktion.: «. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» »nd Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen