»Bi Znm Erntedankfeste 1900. Nachdruck verboten. Nun ist der Rose Dust verflogen. . . Bunt prangt des Waldes Blätterkleid. . . Die Schwalben sind gen Süd gezogen . . . Die Falter taumeln schlasbereit! Und Astern sind und Georginen Als letzter Blumengruß erschienen: Sei denn willkommen, Herbsteszeit! Es hat in sauren Frühjahrstagen Der Landmann voller Fleiß geschasst: Nun fuhr er heim im Erntewagen, Was ihm beschert der Sonne Kraft. . . Voll von Getreide sind die Scheunen, Und hinter allen Gartzäunen Lockt reifer Aepfel süßer Saft! . . . Wohl ist in dürren Juliwochen Manch 'zager Blick emporgeschwebt — Und wenn im Donner Gott gesprochen, Hat manches Herz in Angst gebebt! Doch, hat er gnädig nicht behütet Die Aecker all, drauf Ihr Euch müh'tet Und reich erfüllt, was Ihr erstrebt? . . . Drum haltet Rast nach froher Mühe, Horcht auf der Glocken hellen Klang, Und rüstet Euch, in stiller Frühe Zu andachtsvollem Sonntagsgang! Und denkt Ihr dort der fernen Fluren Mit and'rer Ernte blut'gen Spuren, Dann sagt dem Herrgott doppelt Dank! Und fleht zn ihm, er wolle schirmen Die deutschen Auen fort und fort Wie vor des Wetters jähen Stürmen, So vor des Krieges Brand und Mord! . . • Getrost dann greift zu Pflug und Spaten Am Werkeltag! . . . Auf künft'gen Saaten Ruht schon ein göttlich Segenswort! . . . A l w i n R ö m e r. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold O r t m a n n. (Fortsetzung.) Es waren zitternde, eiskalte Finger, die sich zögernd und mit unverkennbarem Widerstreben in die freundlich ausgestreckte weiße Hand Sandorys legten. „Lorinser — Sie sind es also wirklich!" kam es in heiseren Flüsterlauten aus der mühsam atmenden Brust des Bankiers. „Sie haben es gewagt, nach Deutschland zurückzukehren!" „Weshalb sollte ich nicht? — Wegen der kleinen Geschichte von damals? Das ist vergessen und verjährt! Und überdies haben Sie selber soeben einen drastischen Beweis dafür geliefert, wie gering das Wagnis ist. Wenn mich nicht einmal ein so guter alter Freund trotz aufmerk- sarnster Betrachtung erkannte —" Norrenberg winkte ihm zu schweigen. Von einer qualvollen Unruhe erfaßt, erhob er sich aus seinem Stuhl und ging zu der Thür, die in das Hauptköntor führte. Behutsam, daß man draußen das knirschende Geräusch nicht vernehme, drehte er den Schlüssel. Dann erst wandte er sich wieder gegen den Besucher. Sein Gesicht war jetzt ganz fahl und hatte ein erschreckend krankhaftes Aussehen gewonnen. „Es ist eine Tollkühnheit, sage ich Ihnen", stieß er in großer Erregung, aber immer mit vorsichtig gedämpfter Stimme heraus, „ein unverantwortlicher Leichtsinn, dessen ich Sie niemals für fähig gehalten hätte." „Ein wenig Leichtfertigkeit ist nun einmal das schöne Vorrecht der Jugend, zu der ich mich noch immer rechne. Aber da Sie bisher nicht Miene gemacht haben, mir zum Willkomm eine Zigarette anzubieten, so erlauben Sie vielleicht, daß ich mir eine von meinen eigenen anzünde. Bitte, bemühen Sie sich durchaus nicht! Da ist ja ein Feuerzeug — ich- bediene mich schon selbst." Er blies ein paar dichte blaue Rauchwolken von sich und lehnte sich bequem in seinen Sessel zurück, während der andere gleich einem engen -eingesperrten Raubtier in dem engen Raume auf und nieder zu gehen begann. „Eigentlich! sollte ichs Ihnen übel nehmen, daß Sie so wenig Freude über das Wiedersehen an den Tag legen, Verehrtester! Aber ich setze Ihre Kälte auf Rechnung der Ueberrumpelung, die mir ja über alles Erwarten gut gelungen ist. Später wird die alte Freundschaft schon zum Durchbruch kommen, daran hege ich keinen Zweifel. Und Ihr Benehmen soll mich nicht ab- halten, meiner Genugthuung über die günstigen Verhältnisse Ausdruck zu geben, in denen ich Sie hier finde. Man erzählte mir zu meinem innigen Vergnügen, Sie fei^KrfSÄ öeiter Plaudernden Besucher mit e^in-ß^[et^^u einent bescheidenen Wohlstände ge- brachch^d?s ist wahr ! Wer es hat mich, bei Gott, Arbeit $eTUl%lan sieht's Ihnen an, armer Frenud! Es ist hier zu Lande also noch immer so schwierig, ein Kapital von hunderttausend Mark in zwöls Jahren zu verzehnfachen? Schade! Anderswo versteht man ftch besser auf derartige Kunststückchen. Aber freilich, ein ehrlich erworbener Reich tUUl Der Bankw?s?hnitt ihm die Weiterrede ab, indem er dicht vor ihm stehen blieb uni) ihn hastig unterbrach . „Sie werben sicherlich nicht hierher gekommen em damtt wir die Zeit mit allerlei unnutzem Geschwätz totschlagen. nfniibe Ihre Anspielungen auf metrten vermeintlichen über die Größe desselben tn ernem starken ^rrtum zu befinden scheinen, so werde ich mich doch unter gewissen Voraussetzungen bereit finden lassen, Ihren Wünschen en - ^^Sand^yMiPste die Asche von seiner Zigarette und ' blickte lächelnd in das verstörte, farblose Gesicht. Wie gut Sie doch noch immer sind, Norrenberg. Sie erklären sich Bereit, meine Wünsche zu erfüllen, noch äe ich sie auch nur angedeutet habe. Ganz so großmütig waren Sie auch damals, als Sie nur durch 3u- 7eden und durch Ihre freundschaftliche Fürsorge zu emem Glück verhalsen, nach welchem ich sonst wahrscheinlich Nie die band ausgestreckt hätte." Dem Bankier schien die lächelnde M^ne des anderen HTtovtrnnfirfi: in werden: denn er wandte den Kops unv hantierte nervös mit einigen auf der Schreibtischplatte I liegenden . me|nte e$ in der Thai gut mit Ihnen. Aber" ich weiß nicht, welches Vergnügen es *n be» retten kann von diesen vergangenen Dingen zu sprechen. * „Dem Rechtschaffenen stehl es wohl an, sich ewpsanbener Gutthalen zu erinnern. Und Sie waren damals in s anfovfernder Weise um mein Fortkommen bemüht, tm eiaenttichsten Sinne des Wortes. Ich erkenne es mit ge- Srenber Dankbarkeit an, daß ich in der täppischen Unerfahrenheit meiner dreiundzwanzig Jahre gewiß sehr bald eine Beute meiner Verfolger geworden Ware, wenn nirf’t Ihre bewundernswürdige Umsicht mtr die Wege zm. I Flucht geebnet hätte. Bis auf den heutigen Tag wurdeich Sie als meinen großherzigen Wohlthater verehrt haben, I wenn nicht die indiskreten beutschen Zeitungen zufällig selbst bis in meinen, fernen Schlupfwinkel geflattert tunten/' Norrenbergs bebende Finger wühlten noch immer m den knisternden Papieren. „Ich verstehe Sie nicht. Aber am Ende iP.es wohl heute ganz gleichgilllg, was vor zwols 3af>r5eirf,e mi/Jhrer Erlaubnis, mein Bester - mir weniastens ist es so ganz gleichgiltig noch immer nicht, muft Jhneti sogar gestehen, daß ich damals em klem wenig böse auf Sie war, weil es mir scheinen wallte, als seien Sie ein bischen unehrlich gegen mich gewesen. Das Pakech welches Sie mir eingehändlgt hatten, enthielt etwas mehr als vierzigtausend Mark - eine nette Summe, nac^meiner iuaendlich naiven Auffassung beinahe em Vermögen! ^n den Zeitungen, die monatelang nicht müde wurden, sich mit meiner Person zu beschäftigen, mußte ich mit Erstaunen lesen daß die Geldvorräte unserer Bank durch mich um nahezu zweimalhunderttausend Mark verringert worden feien. Und ich war trotz meiner Jugend nicht mehr unerfahren genug, um daran zu glauben, daß vierzig die Hälfte von zweihundert sei. " Wohl eine Minute lang, nachdem Sandory geendet, stand Norrenberg wie in innerem Kampfe schweigend da. Dann kebrte er sich mit einer brüsken Bewegung gegen den SÄ sÄ« und werte, WW Mg sehend: „Ich könnte es ja kurzer Hand ablehnen, mich über diese Dinge mit Ihnen zu unterhalten ',de"n man würde SW einfach als einen Verrückten behandeln, wenn Sie sich's etwa einsallen ließen, mich anderen segenuver eines Eiuverständnisses mit Ihrer damaligen Handlungsweise zu beschuldigen. Aber ich will ausrichtig gegen Sie mein Interesse noch! immer das ihrige ist. — ^a, iw habe den größeren Anteil für mich behalten, aber ich war bam nicht nur berechtigt, sondern geradezu gezwungen Als ich Sie zu unserem gemeinsamen Sllerch aeaen die Bank beredete, saß imr das Messer vereus an de? Kehle. Um aus meinem Vuchhalterelenb heranszu- kommen, hatte ich aus eigene Faust an der Börse Peru liert und da ich völlig mittellos war, natürlich nicht mit fsÄÄWg Mften Sickerheitsvorrichtungen von vornherein aupet Gel war Ich wußte, daß es für einen Menschen, der ÄbwÄflett. i*«n Ä 5'S*’ Ä z/licklafsen'müssen, und ich liebte sie zu sehr um HMMW HMSM Sch-d°u, Ich habe mich darüber bereits geäußert. Es war sehr "gütig daß Sie gerade mir Ihr Vertrauen schenkten nütooM icB der jüngste Commis des Bankinstituts war. Aber ich vermisse noch immer bie verheißene Erklärung für bie etwas willkürliche Tellnng. _ I Sie hörten, daß ich allein sünszigtausenb Mark 1 ßrnu'rf1+e um bas schon vorhanbene Defizit zu decken. Unb dbaü ich das Wagnis nicht unternahm, um nachher derselbe arme Teufel zu sein wie zuvor, ist boch seldst- verstänblich Ich wollte enblich aus biesem Elenb heraus- kon men wollte eine Möglichkeit gewinnen, mich ans die eigenen Füße zu stellen. Ich wollte nicht langer arbeiten, uw die strotzenden Geldfäcke anderer noch mehr zu sullen, sondern meinem Kinbe eine glückliche Zukunft eme beneidete Stellung in der Gesellschaft erringen. Und dann Batte ich nicht auch den weitaus schwierigsten und ge- : Ä?S ber Aufgabe übernommen? Ich führte , V ntschwidende Thal ganz allein aus, und während Sw sick aemächlich in Sicherheit bringen konnten , blieb ich lurütf allen Gefahren einer Entdeckung unb Bestrafung vreisgegeben. War bie monatelange Tobesangst, ru ber ich mich befand, nicht an und für sich, schon eine besondere Entschädigung wert?" Ihr Wort in Ehren, lieber Norrenberg, aber das mit "der Todesangst ist doch wohl nicht ganz buchstäblich, m W.» Sie dem, SU slirchle», u°chd-m alles so geschickt arrangiert worden war, daß ich für den allein Schuldigen gelten mußte? Ich denke noch nut lebhaftem Vergnügen an die beiden letzten Wochen zurück, die dem entscheidenden Tage voraiifgingen und an bte köstliche Komödie, die wir während dieser Zeit nutetw ander aufführten. Alle Welt mußte uns für erbitterte Feinde halten. Einmal wäre es ja sogar bernahe zu Thal lichkeiten gekommen. Und das noch dazu in Gegenwa der beiden Direktoren, von denen ich wegen meines ungebührlichen Benehmens gegen Sie sofort meine Kündigung ?um Quartalsersten erhielt. Ich wette, daß unsere Kol legen eher an einen Zusammenbruch des Hrmmels, als ai? ein geheimes Einverständnis zwischen uns beiden geglaubt hätten. Nur Ihre eigene Unvorsichtigkeit hatte einen Verdacht gegen Sie heraufbeschworen können. Und der Erfolg beweist ja deutlich genug, daß Sie sich ben bet Weitem besseren Teil ber Aufgabe erwählt hatten. «ie sind heute ein ehrlicher, unbescholtener Mann, von ^hren Mitbürgern geachtet, unb vielleicht auf dem besten Wg, mit Titeln irnb Orden ausgezeichnet zu werden. Wurden Sie es nicht für natürlich halten müssen, wenn ich I klein wenig Neid und Groll gegen Sie empfände? - S8Z — ■®er Bankier zuckte ungeduldig mit den Schultern. „Lassen Sie uns endlich aushören, die Vergangenheit zu erörtern. Dies alles hat doch ohne Zweifel einen ganz bestimmten Zweck. Sie sind gekommen, um eine Forderung an mich? zu erheben, nicht wahr?" „Ich erwarte Pons Ihrer alten Freundschaft einige kleine Gefälligkeiten, das kann ich nicht in Abrede stellen". „So nennen Sie mir ohne Umschweife den Betrag, auf den Sie sich Rechnung gemacht haben". „Aber wer sagt Ihnen denn, Verehrtester, daß es mir um Ihr Geld zu thun ist? Sehe ich aus wie einer, der auf 'Erpressungen ausgeht? Sollte ich jemals in eine finanzielle Bedrängnis geraten, so würde ich ja sicherlich Ihnen zuerst mein Vertrauen schenken, vorläufig aber begehre ich; wirklich nur Ihre Freundschaft — und nichts als diese". (Fortsetzung folgt.) Bei der Pflaumendarre. Ein Gefchichtchen von LuiseGlaß. Nachdruck verboten. Wohlrechts Male gehörte nicht mehr zu den Jungen. Sie war „ne Schwere". Allemal zum Erntefest kauften sie ein neues Seidnes, uud allemal tanzte sie in der Schenke vom ersten bis zum letzten, aber: es machte sich nicht. Entweder war „Er" schwerer wie sie und sprang wieder ab, oder Er war nicht schwer genug, und die Eltern meinten, man dürfe sich nicht wegwerfen, oder „es paßte zwar alles", aber der Mann paßte der Male nicht. So kam sie in die Jahre. „Nu, stattlich is sie schon noch, aber sie könnte itzt dazu thun; wenn sie aus'm Hause is; dann hol ich mir 'ne Frau", sagte der Bruder, der eine Leichte gern hatte und es durchsetzen wollte, wenn nur erst Raum für sie war. Das hatte bei den Wahlrechts überhaupt 'ne komische Art: die Leute im Dorf tuschelten noch heute von damals, wo Male auch einem Leichten gut gewesen war. Schmuck war ja der Christoph, stramm und kräftig; die Frauen wußten noch alle, wie hübsch er ausgesehen hatte, und die Männer, wie stark er gewesen war, aber gehabt hatte er nur einen „Pappenstiel", damit freit man keine Wohlrechts Male. Weil er sich die dazumal in den Kopf gesetzt hatte, und abfiel mit seiner Freite, verlauste er „sein bißchen Armut" und ging außer Lauds: nach Ungarn sagten die einen, nach Livland die andern. Seit zehn Jahren war er fort, und die Male hatte nie wieder von ihm geredet, ob sie noch an ihn dachte, wußte nicht mal die Mütter; nur wenn Male „Nein" sagte auf eine vollwichtige Werbung, kam der Alten ein leid'ger Verdacht, aber sie sagte nichts davon: Nur nichj reden! Reden macht allemal alles schlimmer. Na und Heuer würd' es ja nu wohl ins gleiche kommen. Da hatte der Besenpeter, was'der Gelegenheitsmacher über den Wald war, ja wieder was ausgekundschaftet. Hinterm Berg saß der Waldhans — ein Großer und Schwerer, dem war die Frau an Zwillingen gestorben, der wollte eine Gesetzte; und der würde morgen zum Entefest kommen. Die Mutter sah der Male nach, wie sie stattlich mit hochgehobenem Kopf über den Hof schritt: fest und drall, groß uud freundlich, den dicksten Zopf im Dorf uud bte flinksten Füße, den hellsten Kopf und die geschicktesten Hände, — eigentlich war sie noch viel zu schade für 'nen - Witwer, aber wenn nur bloß endlich mal in Gottes Namen was draus würde. Diesmal gab's eine Hoffnung: die Waisen hatten dem Mädchen so blutleid gethan. Male schob den Eimer unterm Brunnen und bewegte den Schwengel. Wie das Wasser eiuströmte, fiel ihr die Quelle ein, die oben auf der Bergwiese aus dem Stein stürzte. Da oben hatte sie einmal nach dem Mähen mit dem Christoph ausgeruht. Er ist doch ein Lump, dachte sie, wer werß, wo er nch rumtreibt. r Sie trug den Eimer in den Kuhstall zum Tranken, v war der letzte. Dann trat sie in die Stube und sagte: „Ich will noch mal in die Darre gehn." , Die Mutter nickte dazu — soweit war alles fertig: die Kuchen füllten die Speisekammer, die Erntekränze dufteten im Keller, das neue Grünseidene hing im Schrank, alles war gescheuert, geharkt, geputzt, dazu geschlachtet; morgen konnte man die Hände in den Schoß legen und feiern. „Nu, so geh' in die Darre, un schaff' Dir dort verliebte Gedanken an; der Bergsche Freier kommt, ich dächst, es wär an der Zeit. „Ich denk die Mutter sagt alleweile, 's wär schön ohne Großmagd wirtschaften", siel die Male ein und henkelte einen Korb an; denn bei der Darre stand ein Apfelbaum. „Dein Bruder hat nu's Alter, der kann mir 'ne Schwieger einheiraten." Male antwortete nicht weiter; sie drückte die Thür auf und ging hinaus. Also jetzt war sie im Weg, der Bruder wollte heiraten, und die Mutter hatte die Nachbarstochter irrt Auge; aber wenn sie nur erst weg war und der Magdärger 'losging, dann ließen die Alten schon die Leichte herein, als besser, denn keine; überhaupt würde der Bruder seinen Willen durchsetzen: „Mannsleute kriegen allemal recht — unser eine muß ducken." Sie warf den Korb ins Gras, riß die Darrenthür auf und fing's Pflaumenwenden an. Alles ungestüm mit vei> haltener Kraft und verhaltenem Zorn. „Das heißt, wenn's rechte Mannsleute sein", setzte sie plötzlich hinzu und hielt mit dem Wenden inne. Dabei's ah sie unverwandt in die eine Ecke des luftigen Bretterhäuschens hinein — in der Ecke standen zwei und umhalsten sich, das Mädchen weinte, der Bursch hatte sich ihren dicken Zopf um die HÄnde gewickelt und sagte immer wieder: halt Nur aus, halt aus! ich hol Dich und wenn dem Teufel seine Großmutter unfern Ehering am Finger trüg, ich zieh ihr ihn ab und steck ihn Dir an." Und da hatte die Male denn gewartet; auch noch. als sie schon nicht mehr daran glaubte, daß der Christoph mit dem Teufel seiner Großmutter fertig werden würde; eben weil ihr kein anderer gefiel, nach dem einen. Aber nun mußte sie vernünftig sein, nun mußte fie dem Bruder Platz machen, und dazu war der Waldhans ebenso gut wie ein anderer. Sie wendete die Pflaumen weiter, jetzt stet und gelassen, und dann trat sie hinaus unter den Apfelbaum, um das Körbchen für die Städter zu füllen, die morgen etwa ihrem Butter- und Milchgut die Ehre gäben. ~ Der Apfelbaum machte seine ganz besondereMusik. So flüsterte kein anderer in der Welt. Male, sagten die Blätter, Mädel, rauschten die Zweige, Schatz, sang die Goldammer, die dort drinnen ihr Nest hatte. Heute grad wie vor elf Jahren: aber vor zehn Jahren hatte ein lustiger Bursch aus dem Aste gehockt und ihr den schönsten Apfel auf die Schulter geworfen. Male wandte sich jäh um: hatte sie nicht eben ganz deutlich sein Lachen gehört? Natürlich nicht- Ganz verdreht war sie heute. Sie schloß die Darre, füllte den Korb und ging gelassen nach Hause. Ein paar Mädchen, die sie tras, riefen ihr kichernd zu: „der Bergsche Freier ist da!" der Bruder zog sie den Abend lang auf mit derben Neckereiu, der Vater redete schmunzelnd von Hochzeit, sie sagte nicht ja und nicht nein dazu. Am andern Tag in der Schenke ging's hoch her; der Bergsche ließ was drauf gehen, verlangte und bezahlte die neuesten Tänze, hielt die Burschen frei und schwenkte da» Grünseidne, so oft sich's schwenken ließ. „Der will den Witwer vergessen machen", sagten die jungen Mädchen, „na, diesmal wird's was." Auf eintnal ging ein Tuscheln durch deu Saal; aus der Ecke, wo der verstaubte Fremde saß, fing's an, und von dort aus verbreitete sich's durch das Gasthaus bis in den Garten hinaus: „Seht mal zu, dort sitzt einer — braun und haarbuschig und mitgenommen wie von weitem Wege — aber dem Christoph gleicht er doch wie per Aeltere deut Jüngeren gleicht. Seht ihn Euch blos mal an!" Endlich kam das Tuscheln bis zur Male, sie wandte den Kopf nach der Ecke und erschrak. Kein Zweifel, er war's! er trank ein Glas Bier und schaute sie an, wie ihr Blick ihn traf, stand er auf und ging auf sie zu. „Grüß Gott", sagte er, „nun wollen wir eins tanzen." Sie wollte nicht, das Grünseidene mit den: wegestaubigen Mann? Es beleidigte sie geradezu, daß er am Erntefest fo vor ihr stand, aber das Nein ging nicht über. 584 M N H L G M » R B 1 I 8 E A B L P E E A A E I Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Füllrätsels in vor. Nr.: Litterarisches. Das Daheim beginnt nunmehr seinen 37. Jahrgang. Das letzte Jahr hat dem gediegenen Familienblatte eine umfassende Bereicherung seines Inhaltes gebracht, die allseitige anerkennende Zustimmung des Leserkreises gefunden hat. Ohne den Abonnementspreis zu erhöhen, hat der Verlag, dem unleugbaren Bedürfnis der Zeit Rechnung tragend, allein den Umfang der Beilage, „Ms der Zeit für die gelt" nahezu verdreifacht, um den Lesern in Wort und Bild über aktuelle Vorgänge berichten zu können. Aber das Daheim will nicht mit der Ausschließlichkeit anderer Unternehmungen nur dem Tage dienen. hin 9ihhpn ittth eh sie noch recht rund Besinnen tollt, drehten I Getreu seinen alten, in 36 Jahren bewährten Ueberlieferungen er- k rÄ™ witPinrtX? ” 3 ' ' ’ blickt es nach wie vor seine vornehmste Aufgabe in der sorgsamen Pflege ste sich schon Miteinander. I höherer Interessen. Es bleibt ein Blatt für die deutsche Familie, Einmal rum, zweimal rum, bte andern bneoen flehen I es immer aufs neue edle Unterhaltungslektüre und vielseitige Benn d gafften. Ta hielt auch er inne. „So", sagte er, „und I Ie^rung ,n §otm gelegener anregender Aufsätze zugänglich machen will, ich dank Dir auch schön, und jetzt geh ich nach Eurer Darre; I Das Daheim soll nicht nur zu den Augen sprechen, sondern — und das komm nach ich hab Dir was zu erzählen." I vor allem - zu Herz und Gemüt. . .L m , c. f sic- jnrnin ii>n> nrrrhzufnufen I Auch der Kunst bleibt IM Daheim daher em breiter Raum gewahrt. Das frei nur em! dachte sre zornrg, rhm nachzuiausen I ^deiner in dem Hauptblatt jeder Nummer Werke erster Meister Dem! und sie schaute nach dem Waldhans aus, der eben nut I auAejeic()netem künstlerischem Holzschnitt und häufig Kunstbeilagen einer frischen Auflage m den Saal tam. Aber da gefiel I {n Tondruck veröffentlicht, während er in „Aus der Zeit—für die ihr der so spottschlecht, daß sre hrnausschlupste zum tzaus I äeit" moderne Momentphotographien zur Wiederspiegelung aktueller und zum Garten hinaus, auf das Krautfeld, worüber bte I Vorgänge benutzt, sichert der Verlag dem Daheim einen entschiedenen Wanderspinne ihre seidenen Fäden gezogen hatte. I Vorzug vor anderen Blättern, die entweder nur die eine oder dre »T4 sä SB“ w Stiege bog, saß der Christoph unterm Apfelbaum. I 9 @ine fernere Eigenart des Daheim sind seine besonderen Ab- „Juchheh!" rief er, sprang aus und hob ste hoch rn I teilungen für die Frauenwelt, die Hausmusik, Garten- und die Luft, als sollte er erst morgen unter die Soldaten gehn. I Blummenpflege im Zimmer,den Sammlersport; auch für unsere Und dann zog er einen dicken, goldeneir Ring aus der I Kleinen ist im Kinder-Daheim eine eigene Stätte sWen Alle Tnieße Da' dem Teufel seiner Großmutter hab ich ihn I diese Abteilungen stehen unter sorgfältiger fachmännischer Redaktion und ^.aicye. ,,-ra. oem -rrusvi |cui h> , ,' M ' 7 I Dcreaen einen eingehenden Meinungsaustausch mitLesern und Leserinnen, nrcht gerade abztehen mussen, aber Schwech hats schon ge I JU gußerdem^der Rechtsrat und Gesundheitsrat, sowie der tostet, eh ich so wett kam. ^etzt stimmt s ! Mem Land M I yj^aige Briefkasten für Auskünfte unentgeltlich zur Verfügung Ungarn tonnt ich gut verkaufen und uberm Berg das I ™ » Lindengut, das auf Versteigern stand, ist seit gestern ment I Das Daheim bringt im nächsten Jahrgang folgende große Romane: Eigentum. Zog sich arg in die Länge; heute hatte ich ’ne I „Prinzessin Ilse." Von Friedrich Jacobsen. „Die Grenzwarte." halbe Gelegenheit hierher, aber zuletzt mußt ich laufen, I Von Marianne Mewis. „Quellensucher." Von Ludwig Bnnshagen. ums Erntefest noch zu erreichen. — Ich! bin doch noch Dein I „Weiße Seele." Von P. Oscar Höcker. „ . S«!? Jchh-b- W wi- tw W» *•«**» MLL ÄS»'* °°'°"LAw°tz.---Es*«ichhm,«°bchc°°ch «*-* zwischendurch einen Kutz um den andern, und da sie sich I Mewis, „Die Sympathie"; Ant. Andrea, „Marthas Jugend"; die gefallen ließ und den Ring am Finger behielt, brauchte I Herder, „Wie er sie fand" usw. er eigentlich nicht erst zu fragen. I Der Beginn des neuen Jahrganges ist der günstigste Sie kannte das Lindengut, das war größer als dem I Termin zum Eintritt in das Abonnement; alle Buchhand- Berghans seins. Ganz schwindelig setzte sie sich neben I Handlungen und Postämter nehmen Bestellungen entgegen ihren Christoph unter den Apfelbaum, sah scheu nach der 1 ---------- Darre hinüber, sah verschämt in die Zweige hinauf und I $et Münsterbaumeister von Straßburg. Kulturgeschichtliche saate plötzlich: „Trum war der Apfelbaum gestern gar I Erzählung von K. Th. Zingeler. Köln a. Rh. Verlag und so verhext" I Druck von I. P. Bachem. — Preis geh. Mk. 2,50, geb. Mk. 4. ' --------------- I Verfasser schildert in edler Sprache die Zeit der Fehde zwischen I den Straßburger Geschlechtern und dem Bischof Walter von Geroldseck I in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, und entwirft dabei ein für und Birnen. ergreifendes Bild der Treue und des Schicksals des Straßburger Münster- D bst -E rn t e l t sten für 21 ep I , .,± I baumeisters Erwin von Steinbach und seiner Lieben. Jeder, der Jntereffe Der vielbeschäftigte Obstzuchter und Obstfreund har Mchl I ba'g 2eBcngroer£ des begnadeten Künstlers hat und bte erhabene immer die Zeit, seine Obstsorten tagtäglich tm Auge zu i beg Straßburger Münsters, rote seine herrlichen Bildwerke zu haben und zu prüfen, ob für sie die rtchttge pfluckezetr I ^ä^cn ^iß, wird der trefflichen Schilderung mit Spannung folgen aekommen ist Es ist deshalb ein stets wiederkehrender I unb jie hochbefriedigt aus der Hand legen, um wieder und roteber Wunsch aller Obstbaumbesitzer, Listen zu erhalten, aus banach zu greifen und sich des Meisters Bild immer nachhaltiger emzu- denen sich wie aus einem Kalender die Tage herauslesen I prägen. Bdt- lassen, an welchen die einzelnen Obstsorten gepflückt wer- I den müssen. Solche Obsterntelisten sind berufen, jedem viel Arbeit zu ersparen und viel Unsicherheit int Obstbau aufzuheben. Die Zusammenstellung derselben ist natürlich schwierig. Es gehört dazu eine langjährige Erfahrung und eine sorgfältig durchgefuhrte Beobachtung der einzelnen Sorten. In Nr. 28 des „Erfurter Führer ün Gartenbau" finden wir eine Ernteliste veröffentlicht, welche allen Ansprüchen vollauf genügt, da sie die Pfluckezeit am Rhein! und an der Oder für die einzelnen Sorten nach dem Datum feststellt. Wir können diese Erntelisten nur empfehlen, auch dem, der sein Obst schon gepflückt hat. Er sieht daraus, ob seine Pflückezeit die richtige gewesen ist. Unseren Abonnenten steht Nr. 28 kostenfrei zur Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschafts- amt des „Erfurter Führer im Gartenbau" wenden. Sefrstttes: ». Bvrttzardt. — 9tM trat «erlag tz« Brühl'scher, tüüverMtS-Buch. sittb Gktnbn-ckeret (Pietsch trb ee) is Stetzel».