1900. JLBÄ f oll dir das Leben stets anss ntit’ Bescheren etwas gutes, Sei mäßig und dir selbst getreu Und bleibe heit'rcn Mutes. Friedr. Kirchner. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von E. P. Roe. (Fortsetzung.) Bald nahm er Abschied. Fast eine Stunde lang saß sie unbeweglich, dann legte sie den Brief weg und ging an die Arbeit. Sie beschloß, den Ihrigen nichts von dem Brief zu sagen. Sie wußte wohl, wie bitterlich ihre Eltern und Bella sie verurteilen würden, wenn sie erfahren würden, daß ihre alte Liebe nicht tot sei und nicht sterben könne. Als Bella eingeschlafen war, las Mildred wieder und wieder Arnolds Brief. Es ist hart für Robert, dachte sie. Er hat Recht, ich bin nicht zu tadeln, ich lernte Arnold kennen und liebte ihn, bevor ich Robert gesehen hatte. Ich müßte ein Herz von Stein haben, wenn ich von diesen Worten nicht gerührt sein sollte. Hier sagte er: Sie haben mir im letzten Sommer nicht geantwortet, ich fürchte. Sie haben mich aufgegeben. Ich kann Sie nicht tadeln dafür. Nach den Beleidigungen von Seiten meiner Mutter und den Proben meiner Schwachheit sagt mir die Vernunft, daß Sie mich in Zorn und Abscheu aufgegeben haben müssen. Aber, Mildred, mein Herz will nicht auf die Vernunft hören und schreit nach Ihnen Tag und Nacht. Mein Leben ist eine unerträgliche Last geworden, die Tage sind wie Jahre und die Rächte noch schlimmer. Ich werde hierhin und dorthin geschickt zum Besten meiner Gesundheit. Was für eine elende Posse das ist! Für die Hälfte des Geldes, das ich hier ausgebe, könnte ich glücklich mit Ihnen leben und unterstützt von Ihrer Liebe und Sympathie könnte ich etwas Nützliches vollbringen. Als ich das eines Tages meiner Mutter sagte, wurde ihr Gesicht kalt und streng, und sie erwiderte, meine Ansichten seien absurd und kindisch. Wie oft wünsche ich tot zu sein, und ohne den Gedanken an Sie hätte ich vielleicht meinem elenden Dasein schon lange ein Ziel gesetzt. Wie ich hörte, ist Ihr Vater sehr arm und kränklich geworden. Das wenige Blut, das ich noch übrig habe, färbt mein Gesicht dunkelrot bei dem Gedanken, daß ich nicht an Ihrer Seite sein kann, um Ihnen belzu- stehen und Sie zu ermutigen. Aber ich fürchte, ich wäre eine Last für Sie, wie für alle anderen. Meine Ohnmachtsanfälle werden häufiger, ich habe keine Hoffnung, keinen Mut mehr, und doch glaube ich, daß ein freundliches Wort von Ihnen mir neues Leben einflößen würde. Meine Mutter ist blind für alles, außer ihren weltlichen Grundsätzen, sie glaubt ihre Pflicht gegen mich zu erfüllen, aber sie tötet mich durch langsame Qual. Wenn Sie mir etwas Hoffnung geben wollten, wenn Sie warten wollten! Ach, vergeben Sie die Selbstsucht meiner Bitte, die klägliche Schwachheit; aber wer kann in absolute Verzweiflung versinken, ohne einen schwachen Kampf zu versuchen? Wie soll ich ihm sagen, es sei keine Hoffnung, murmelte sie. Es wäre Mord! Und dann, ich liebe ihn ja, Gott weiß es, ich liebe ihn! Er hat mich nötiger, als Robert, der stark ist und eine gute Laufbahn vor sich hat. Seine Eltern behandeln Arnold wie ein Kind, aber er hat dasi Alter erreicht, wo er das Recht hat, für sich selbst zu wählen. Jetzt, nachdem mein Herz sich ausgesprochen hat, kann ich Robert nicht heiraten, es wäre ein Unrecht, ein Meineid! Er ist ein zu starker Mann, um die Thatsache nicht in ihrem wahren Licht zu sehen, und er wird mir doch immer der beste Freund bleiben. Mit hastigem Blick nach Bella, ob sie schlafe, schrieb sie: Teurer Arnold! Mein Herz müßte wirklich unweiblich und leer sein, wenn es nicht bei Ihrem Brief erwachew würde, über den ich viele Thränen vergossen habe. Ziehen Sie alle Hoffnung aus der Thatsache, daß ich Sie liebe, und niemals aufhören kann. Sie zu lieben. Sie thun sich selbst unrecht. Ihre Schwachheit und Kränklichkeit sind ein Unglück, für das Sie nicht verantwortlich sind, und Sie erwecken nur meine Sympathie. Sie kennen nicht das weibliche Herz, wenigstens nicht das meinige. In der Beständigkeit Ihrer Liebe, in der Verachtung für herzloses Weltlcben, in Ihrem Wunsch, etwas Gutes zu vollbringen, sind Sie männlich. Um meinetwegen und um Ihrer selbst willen versuchen Sie, sich zu sammeln und benutzen Sie Ihren Aufenthalt im Ausland, um Ihre Gesundheit zu stärken. Richten Sie all Ihr Streben auf einen Punkt und aus Studien, welche Ihnen in der Zukunft nützlich sein werden. Seien Sie ohne Furcht, ich werde ivarten, es liegt nicht in meiner Natur, zu vergessen oder mich zu verändern. Dann erwähnte sie kurz ihr Mißgeschick, wiederholte den Inhalt ihres Briefes, den Jotham verloren hatte und schloß den Brief mit tröstenden Worten. Ich habe Recht gethan, sagte sie, selbst Robert wird mir beistimmen. Ich konnte nicht anders handeln. Sie nahm eine Kopie von ihrem Brief, um sie Robert zu zeigen, und endlich schlief sic in später Nacht ein. So früh als; möglich am andern Morgen gab sie den Brief auf mit einem Gebet, daß er nicht zu spät kommen möge. Robert, teurer Robert, sagte sie zwei Tage später, ich muß Ihnen etwas anvertrauen, was ich selbst meiner — 86 — ' ^Kutter nicht anvertrane, es würde sie nur unglücklich, Gott will nicht, daß eines seiner Geringsten untergehe, Sn erwiderte der junge Mann mit gebrochener Stimme -- Der August brachte große Hiße, welche besonders rn I Äuf Wiedersehen. ~ .rY. ,. M bett vernachlässigten Straßen, wo ihre Wohnung lag, fühl- I Dann kam jene absolute Stille, die er wohl versttind. bar wurde Howell litt am meisten darunter und eines I Er senkte den Kopf aus die kalte Stirn des toten Mädchens Tage? wurL er so krank, 4 er seine geschäftlichen und toeinte Vsttibten nickt erfüllen konnte. | nen Schmerz ttt der Bemühung, chn fort zu juyrmt un» " Ich darf nicht krank werden, sagte er zu sich selbst, eine zu trösten, aber er klammerte ich an Bellas leblose Gestatt, ganzkleine Dosis Morphium wird mir durchhelfen. JA Plötzlich sprang er aufund ^ltesort. habe jetzt geistige Stärke genug, um es- oder zweimal als I Robert! Robert! Wohin. rief Mildred. Ä* -- doch An. 9?Ä®Ä !*hs“!lÄfc « » deruna der Schmerzen in dem gewohnten Gift und vergaß I sticke ich! — Sie ist ermordet worden . Er stürzte fort. die^Anast die es verursacht hatte. Er dachte nicht daran. Nach kurzer Zeit kehrte er zuruck. Nun, Mildred, die gefährliche Gewohnheit wieder anzunehmen, er wollte I ist mir besser, ich werde nicht wieder schwach werdem nur für den Augenblick Linderung haben. Er nahm das Dann nahm er sie in seine Arme und ließ sie de« Gift und zu seinem Entsetzen fand er, daß er einen neuen Schmerz ausweinen. Die Mutter lag auf dem Sofa, mar- Brand entzündet hatte. Seme alte Gier erwachte mit frühe- I morbleich, mit trockenen, weitgeoffneten Augen. Sie hatte rer Kraft, sein Wille war wie ein Strohhalm in der Faust I keine Thranen mehr. eines Riesen, er verfluchte sich selbst, aber bald lag er wieder I Fortsetzung folgt. in den Ketten. . „L . . I —----------- Einige Tage lang suchte Howell semen Zustand den Seinen zu verbergen, aber ihre Augen waren jetzt wachsam, I UttuttlW0llU)£ X-tlly vl«* und sie beobachteten ihn zuerst mit Angst und dann mit I Nachdruck verboten. Entsetzen. Sie baten, sein Weib fiel auf die Knie vor ihm | mQn Borhat in einer Stadt länger als gerade nur aber mit einem Fluch auf sich selbst eilte er fort und schrieb I $agc JU öeiroei[en, so beeilt man sich nicht, die Sehensseiner unglücklichen Frau, er werde nicht zuruckkehren, bis I Würdigkeiten hastig nach des guten Freundes Baedeker Kommand» er seine Menschenwürde wieder erlangt habe. Aber ach, I abzulausen. Es sind daher Wochen vergangen, bis ich im alten dieser Tag sollte niemals kommen! I Bremen von einer gruseligen Lokalität vernahm, deren spezisgcye I Eigenart freilich in einem Weitgereisten und zumal m Einem XXXIV. I Archaeologen allerlei Gedanken und Erinnerungen wachrufen Tiefes Leid kann. Mit Interesse las ich die Worte in BaedekersNordwest- . " vJ’ , „ , , I Deutschland: „Im südlichen Seitenschiff fuhren einige Stufen Frau Willow, der Geistliche und Robert thaten, was I {n toenig tiefen Bleikeller, welcher einige unverweste leberartig sie konnten, um die Familie zu trösten, und mehrere xingetrocknete Leichen birgt, die älteste 400, die jüngste 100 ^afae Nächte lang, suchte Robert nach dem Vermißten. Aber a[t Diese Eigenschaft des Gewölbes ist heute noch ungeschwacht, LL« ff.KfiSTwTÄ’X'ift Bit L die er Gegend oft schrecklich verdorben war aber das war gegossen wurde rst ^ wemg^r w^ nicht möglich, denn sie wollten auf die Rückkehr des Vaters der Archaeologe und Kulturwarten. Eines Abends wurde Bella von einem heftigen I Historiker Zunächst freilich ist die Unverweslichkeit, die diesem Frost ^überfallen, woraus Fieber und Delirium folgten, g ' ct, eine meI)t oder minder künstliche, und darum ebenso und der Arzt erklärte ihren Zustand für bedenklich. I me^r oder minder mangelhafte. Ich erinnere zuvörderst an die Vor allem müssen die Kinder aufs Land, gebracht wer- I Leichengruppe der Mumien. Welche Vollkommenheit die Kunst "ÄKÄS«»; sah mit jedem Tage ernster aus und erklärte endlich den | bfIt ^nsten, harten Zügen des Pharao Ramses spricht. Hoch- Zustand der Kranken für hoffnungslos. I interessante Beispiele sorgfältigster Mumifikation aus schon christ- Eines Wends sahen sie, daß die Krisis nahe war. I sichen Epochen Egyptens hat uns Dr. Forrer m Straßburg i E. Bella war fast leblos. Frau Howell, Mildred und Robert I vom Gräberfeld in Achmim-Panopolis gebracht. Die egyptische faken in dem großen Wohnzimmer, in welches das Bett I Mumifizierung hing eng mit dem unverwüstlichen Unsterblichkeits- MSLZK «M W4 *0. b" Augen auf, Ätta-ÄSSÄ ihre Mutter küßte sie. 1 Nachweis, daß z. B. auch Lazarus von Bethanien nach Mumienart Wo ist Papa? murmelte Bella. I gewickelt und gebunden im Grabe lag, ist sowohl aus dem Evan- Du bist noch nicht stark genug, ihn zu sehen, erwiderte I gej|unt, wie aus den monumentalen Darstellungen der römischen die Mutter. r m Katakomben leicht zu erbringen: ich möchte ihn auch für den Schlafe, Bella, mein Kind, flüsterte die Mutter. Bald I toten Christus in gewissem Maße nicht ablehnen: Wozu allerlei tnirb es besser mit Dir gehen. I Kräuter, Myrrhe und Balsam, die von den frommen Frauen zum Lwbe Mutter^fliistert^sie vergieb mir allen meinen I Häupten^des'Eri^ndenen?^Das MumMzieren"— Einbalsamie- mir zu vergeben, denn es geht schnell zu Ende mit Mir. I g^tkenden" oder „kauernden" Mumien altindianischer Stamme Frau Howell wäre aus ihr Kind herabgesunken, wenn I Afrikas — ich erinnere hauptsächlich an peruanische Hockergräber Robert sie nicht gehalten hätte. , I und bitte u. a. auch in unseren städtischen Museen sich einmal nach Lebe wohl, Mildred, Du beste der Schwestern! Du diesem Kapitel umzusehen — sind sprechende Beweise hierfür. Die wirst noch einst lange und glücklich leben — trotz allem! — I amerikanische Mumifizierung ist keineswegs ungeschickt, aber sie Mildred umklammerte sie leidenschaftlich, aber auf ist wesentlich verschieden von der egyptischen, und mit dieser an B-Il-s 8r«8« »ut, to»™« tniet«g an bcm S8«tt Äft aJ Ü meder und beobachtete leise weinend die Ännayerung oes unfere 2age geblieben. Weniger gut, ist es doch teuer Todes. I geblieben wie in alten Zeiten, wenn es gründlich geschehen soll. Robert, flüsterte Bella, heben Sw mich auf, ich will I ^an barf sich unter der Einbalsamierung sürstlicher Leichen nur an Ihrer Brust sterben! — Sie haben mich gerettet. —* I fetten ein Kunststück vorstellen. Der moderne Zweck ist meist nur Sorgen Sie für Mildred, — Mama und die Kleinen! die Parade vor der Bestattung, nicht die Erwartung der Auf- — Fekt sagen Sie mir — etwas — tröstliches aus der I erstehung, des Totengerichts oder der Wanderung. Biel Sorg- Bibel! B I falt wird oft auf die Einbalsamierung der päpstlichen Leiche ut 87 Rom verwendet. Die maronitischen Christen des Libanons Pflegen noch heute die Leiche ihres Patriarchen einbalsamiert, in bischöflichem Ornat und sitzend in einer Mauernische beizusetzen. Indessen — der geneigte Leser wird mir bekennen, daß. die künstliche „Unverweslichkeit" keine Kunst, kein Wunder sei, das der aparten Zauberkraft des Bremer Bleikellers entspräche. Was ich hier eigentlich in Frage stellen will, ist die natürliche oder Lesser „unmittelbare" Unverweslichkeit entseelter Leiber. Hier spricht man gern von wunderbaren Beobachtungen. Es hat eine Zeit gegeben, in der man die Unverweslichkeit fast ausschließlich als ein Zeichen göttlichen Wunders ansah. Wenn man aber hierauf das Wort der Schrift anwandte „Gott ist groß in seinen Heiligen", so verkannte man die konträre Erscheinung, daß es oft die sterbliche Hülle historischer Spitzbuben war, welche man aus dem Schoße der Erde befreite. Es steht heute fest, daß es Kirchhöfe giebt, deren Erdreich konservierende Stoffe enthält. In Oberegypten hat der Sand und das trockene Klima die Wirkung der Mumifikation sehr befördert. Man hat Friedhöfe gefunden, in denen zahlreiche Körper der Verwesung entgingen. Interessant mag an dieser Stelle sein, daß, als man Napoleon I. nach einer Grabesruhe von über 20 Jahren aus der Gruft unter den Cy- pressen St. Helenas erhob, seine Leiche mit Ausnahme der Nasenlöcher einen ergreifend frischen Anblick bot, trotzdem die Mittel zur Einbalsamierung lange nicht so gut waren, als etliche es behaupteten. Auch der Bremer Äleikeller hat eine natürliche Kraft, die erhaltend auf animalische Körper wirkt, indem sie auf natürliche Weise mumifiziert. Verblüffender freilich sind andere Fälle, die unleugbar nicht ohne Anstrengung wissenschaftlich zu erklären sind, wenn sie auch gewiß einen logischen Grund voraussetzen. Hier ist dem Wunderglauben ein weites Feld geöffnet. Der erste betrifft „La Santa", die heilige Catarina in Bologna, deren bekleidete Leiche seit ca. 500 Jahren unverwest, völlig frei, aus einer Estrade thront, und bei aller tiefen Dunkelheit des Teints durchaus nicht das eingefallene Gesicht einer Muniie zeigt, vielmehr durch die merkwürdige Ausdrucksfähigkeit überrascht. Es war mir 1893 vergönnt, mit Baron von Jfflinger-Granegg die Leiche lange in Unmittelbarer Nähe und ungestört zu besichtigen. Von einer künstlichen Erhaltung ist nicht die Rede; auch ist die Kapelle in keiner Weise zur Mumifikation geeignet. Läppische Bemerkungen über Mönchsbetrug schenke man sich ruhig; die Ursache für das „Wunder" muß eben noch entdeckt werden. Noch mehr überrascht hat mich in Rom der wohlerhaltene Leib eines Kapuziner-Seligen in der Kapuzinerkirche Della Consolatione, ich glaube des Cris- pinus: Das Antlitz friedlich, die Wangen bläßrot, das Barthaar frisch. Weniger wunderbar erschien mir die mumienhafte Einschrumpfung des Leibes Pius V. in St. Maria Maggiore zu Rom: vielleicht hat mich auch der Umstand ernüchtert, daß man mir bei der Besichtigung im Juni 1898 mein Portefeuille mit Paß und Banknoten aus der Rocktasche gestohlen hat. So 'was ist auch für einen gläubigen Christenmenschen sehr bitter. Das merkwürdigste Beispiel der Unverweslichkeit einer Leiche hat aber eine der berühmtesten Märtyrinnen des christlichen Altertums, die Patronin des Kirchengesanges, St. Cäcilia, geboten. Schüttelt man in religiöser Skepsis das Haupt, als Archaeologe kann ich Glauben fordern, und jeder Kenner der christlichen Altertumsforschung weiß, was ich sagen will. In Trastevere zu Rom steht, zur Kirche gewandelt, das Haus dieser edlen Römerin, die unter Diocletian erst im heißen. Bade erstickt und, als dies erfolglos war, vom Henker enthauptet werden sollte. Der ungeschickte Kerl entlief nach dem dritten Streich, der eine tiefe .Halswunde geschlagen. In anmutiger Lage hauchte die Jungfrau am zweiten Tage auf dem Boden des Gemachs ihre Seele aus; so ward sie, kostbar eingehüllt, in einem Sarkophage in der Katakombe von S. Callisto neben der sogenannten „Papstkrypta" be- graben. Nach etwa 500 Jahren ward — nach einem seltsamen Traum des Papstes — die Leiche wieder entdeckt, und noch frisch befunden. Und wie frisch! Nach weiteren 800 Jahren — vor nicht einmal 300 Jahren! — stieß man wieder aus ihren 818 nach Trastevere überführten Sarg. Es ließ nämlich Sfondrati, her den Kardinalstitel von St. Cäcilia führte, bedeutende Acnde- rungen in der Kirche vornehmen, und im Verlause der Aus- -grabungen im Sanktuarium stieß man auf ein geräumiges Gewölbe unter dem Altar. Zwei marmorne Sarkophage fesselten das Auge des Kardinals. Zuverlässige Zeugen hatte man bereits .herzugezogen, und in ihrer Gegenwart wurde einer der Sarkophage geöffnet. Es fand sich, daß er einen Sarg von Cypressenholz enthielt. Der Kardinal selbst entfernte den Deckel desselben. Zuerst kam das kostbare Futter und die seidene Gaze zum Vorschein, mit der Paschalis beinahe acht Jahrhunderte früher den Leichnam hatte bedecken lassen. Die Farbe war verblichen, aber der Stoff noch ganz, und durch die durchsichtigen Falten konnte man das schimmernde Gold der Gewänder erblicken, mit welchen die Märtyrin selbst bekleidet war. Nach einer Pause von einigen Minuten entfernte der Kardinal vorsichtig die seidene Umhüllung, und die jungfräuliche Gestalt der hl. Cäcilia kam nun zum Vorschein, noch ganz in derselben Stellung, in welcher sie auf dem Fußboden Ihres Hauses den letzten Atemzug ausgehaucht hatte; weder Urban noch Paschalis hatten es gewagt, dieselbe zu ändern. Sie lag da, gehüllt in ihre Gewänder von goldenem Gewebe, an denen die glorreichen Spuren ihres Blutes noch sichtbar waren, und zu ihren Füßen befanden sich noch die vom Papst Paschalis und seinem Biographen erwähnten linnenen Tücher. Auf der rechten Seite liegend, die Arme vor dem Körper hingesunken, sah sie einer in tiefen Schlaf Versunkenen gleich. Das Antlitz war nach dem Boden dxs Sarges zu gewendet; die Kniee waren leicht gekrümmt und zusammengezogen. Der Körper hatte sich vollkommen unverletzt erhalten, und wunderbarerweise durch mehr als dreizehn Jahrhunderte hindurch seine ganze Anmut und Züchtigkeit bewahrt, er zeigte ein äußerst treues Bild der Heiligen, wie sie aus dem Fußboden ihres Badezimmers ihre Seele aushauchte. Papst Clemens VII., damals krank zu Frascati liegend, beauftragte den Kardinal Baronius, eine sorgfältige Untersuchung der kostbaren Ueberreste vorzunehmen, und dieser sowohl wie Bosio haben über das, was sie sahen, Berichte hinterlassen. Ganz Rom eilte während der vier oder fünf Wochen in welchen die Jungfrau der Verehrung ausgesetzt war, herbei, umfeiner Neugierde Genüge zu leisten. Der Kardinal Sfondrati errichtete den schönen Hochaltar, welcher jetzt über dem Grabe der Heiligen steht, und unter- demselben brachte er eine Statue von Stefano Maderna an, der, wie die Inschrift besagt, die Leiche oft gesehn hatte. De Rissi war Zeuge einer Translation, als er mit Pater Marchi im Jahre 1853 der Uebertragung einer Leiche aus einem Grabe an der Via Appia nach der zwei Miglien entfernten Basilika des hl. Sebastian beiwohnte. Die Leiche blieb auf der Marmorplatte liegen, auf der sie gefunden worden, und man sah an keinem Gliede auch nur die leiseste Spur einer Veränderung oder Verschiebung der Gebein. Das Erzählte ist wahr, wie immer man es sich erklären mag. Dr. M. GeineinnützigeA. Ein schlechtgewähltes und unpassendes Spielzeug für Kinder ist die Peitsche. Nicht einmal für Fuhrleute und Kutscher ist sie so notwendig als man glaubt; denn sie wird meist nur mißbraucht. Was soll aber ein Kind mit der Peitsche? Ein solches Spielzeug bringt nur Schaden mit sich für das Kind, es ist ein sehr übel gewähltes Spielzeug. Giebt es doch so viele andere, weit bessere und nützlichere Spielsachen! Durch das Spielen mit der Peitsche gewöhnt sich das! Kind an Särm,. jaft Herumschlagen und Geschrei, ja an Mißhandlung anderer. Zuerst schlägt der Knabe sein Steckenpferd, dann den Stuhl, den Thürstock, den Tisch, den Ofen, bald aber alles, was ihm unterkommt und begegnet: unschuldige Tiere, seine Kameraden, Geschwister. Wie oft aber ist ein Peitschenhieb einem Auge gefährlich geworden. Statt gutherzig und. sanft zu werden, wird das Kind ausgelassen, ja roh. Wozu kann die Peitsche sonst verwendet werden, als zum Herumhauen und Schlagen? Darum fort mit diesem „Spielzeug" aus der Kinderstube! Jeder Teil der Maispflanze ist thajsächlich nutzbar. Sogar das Mark der Stengel, das eine höchst merkwürdige Eigenschaft besitzt. Es bleibt nämlich elastisch auch bei der stärksten Zusammenpressung, und wird deshalb bei der Herstellung oder Ausbesserung von Panzerschiffen verwendet zur Vernichtung von Fugen und zur Verstopfung von Löchern, die durch Schüsse in die Schisfswand geschlagen werden. Auch die Farmer verwenden es zu ähnlichen Zwecken im Haushalt. (Prakt. Wegw.) Jür die Küche. Polnischer Braten. Eine Kalbsschale wird geklopft und mit Sardellen- und Speckstreifchen reihenweise dicht gespickt, mit Salz und weißem Pfeffer bestreut und in ein frisches Schweinsnetz gehüllt. Darauf giebt man sie mit einigen Stückchen Butter, Zwiebel-, Gelbrüben- und Zitronenmarkscheiben in ein passendes Geschirr, gießt ein paar Eßlöffel Wasser darunter und läßt das Fleisch in seinem Safte weich dämpfen. Schließlich entfernt man das Netz, läßt die Oberseite schön goldgelbe Farbe annehmen und hebt die kleine Sauce mit einigen Tropfen Maggi. __________ Humoristisches. Humor in der Schule. Lehrer (zur Mutter, die ihren Sohn zum ersten Mal zur Schule bringt): „Ist denn der Kleine aufgeweckt?" — Mutter: „Nee, der is von allene uffjewachtl" Aus der Schule. Lehrer: „Warum steigt das Quecksilber in die Höhe, wenn man das Thermoter in heißes Waffer steckt?"— Schüler: „Weil cs ihm unten zu heiß wird!" 88 Fig- 3- Fig- 1. Fig. 2. <7 Q Q <2> Q Q Men, so ist anzuraten, lieber eine andere Form, als gerade den Sezessionsstil zu wählen, und zeigt Figur 2, wie man in einem solchen Falle vorzugehen hat. Anstatt der ersehnten Wenzel findet der Spieler zu seinem Schrecken zuerst Grün (Pique). Neun und außerdem Rot (Coeur) Acht. Mittelhand hat 31, Hinterhand 26 Augen in ihren Karten. Ist eS möglich, das Spiel zu gewinnen? — Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer. Ich habe keine Zeit, müde zu sein. Lttterarisches. Ammer Weitere Verbreitung in allen Nranentretsen finden die für jede Art Schneiderin so praktischen Papiermodelle der Jnternationalen-Schnittmanusaktur, Dresden. Jede nach diesen ganz vorzüglichen Schnitten gefertigte Toilette zeichnet sich durch einen eigenen Chick aus, sodaß auch Damen der ersten Gesellschaftskreise sich ihrer mit besonderer Vorliebe bedienen. Natürlich sind auch Schnitte für alle einfachen Kleiderarten erhältlich, die sich wegen ihre- leichten Gebrauchs für alle sparsamen Hausfrauen als ein sehr wertvolles Hilfsmittel zur bequemen Selbstverftrtignng von BekleidungSgegenständen bewahren. Sicher ist es für jedermann von Wert, diese praktische Neuheit kennen ru lernen, und empfiehlt eS sich deshalb, sich ein reichhaltiges Modealbum und Echnittmusterbuch für nur 50 Pfg. von der Internationalen Schnitmanufaktur, Dresden zu bestellen, welches eine ausführliche Uebersicht über die neue Mode und über namentlich erhältliche Schnitte gewährt. ______________ Skataitfgave. Nachdruck verboten. (Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.) Da alles paßt, hofft Vorhand auf einen guten Skat und tourniert mit folgenden Karten: Maskenkostüm. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-!^. Ausdruck kommen, außerdem aber der Aufwand für ein derartiges zumeist nur zu einmaligem Gebrauch bestimmtes Kleidungsstück auch nicht zu groß sein. Da ist denn oft guter Rat teuer, und manche unserer freundlichen Leserinnen, die mitten in diesen Faschingssorgen steckt, wird eS uns Dank wissen, wenn wir ihr mit einigen Vorschlägen an die Hand gehen. An aktuellen Ideen ist in diesem Jahre eigentlich kein Mangel. Vor allen Dingen legt eS uns die Jahrhundertwende nahe auf die Kleiderformen dieser vergangenen Zeitepoche znrüüzugreifen. Die Wahl eines derartigen Kostümcs ermöglicht es hier und da vielleicht, alle Herlichkeiten von Großmutlcrzeiten zu verwenden, waS man ja thun soll, denn je »rginalgetreuer ein Kostüm ist, um so wertvoller erscheint es. Auf diese möglichst naturgetreue Kopie ehemaliger Kleiderformcn, die uns dank der bereits seit 100 Jahren bestehenden Modezeitungen genau bekannt find, ist überhaupt Wert zu legen. So darf man, falls man wie anno 1800 geht, nicht etwa ein modernes Korsett tragen, sondern lediglich ein kurzes Miederchen. Wählt man die Mode von 1830, so dürfen die vielen faltenreichen Unterröckenicht weggelaffen werden, und bei der 1850 oder 1860 Mode ist eine regelrechte Krinoline Hauptbedingung. Näher auf die Moden deS vergangenen Jahrhunderts einzugehen, halten wir heute für unnötig, da schon unser letzter Bericht dieses Thema aussührlich behandelte und illustrierte. Außerdem bringen wir mit unserer Figur 1 ein Kostüm von vor hundert Jahren, welches wohl dazu angethan sein dürfte, jugendlichen Reiz mit Eleganz zur Geltung zu bringen, denn das weiße Atlaskleid von verhältnismäßig einfachem Schnitt ist wie ersichtlich mit bunten Blumcngu.rlanden geschmückt, welche entweder aufgestickt, aufgemalt oder aufgedruckt sind. Der Schnitt dieses Kostüms ist auch vorzüglich zur Verkörperung des sogenannten Sezessionsstils, der einfache Linienführung mtt der etgen- a tümlichen, immer wrederkchrenden Wellenlinie der modernen Kunstrichtung dar- stellt. Man wählt dazu am besten eine geeignete Blume, welche man stilisiert und dem glatten Grunde des Kleides auf setzt. Besonders die Lilie, die Wasier- rose, die Schwertlilie vielleicht auch Mohn, Sonnenrosen, Stiefmütterchen, Narzissen, Alpenveilchen werden zur Darstellung des Sezessionsstils benutzt, indem man Stengel, Blätter und Blüten stilisiert und dem Kleide so auffügt, daß eine einzige Pflanze vom Saum deS Kleides bis zum Halsausschnitt reicht. Doch auch Tiere, wie Schmetterlinge, Flamingos, Eulen -c. können zur Verkörperung deS Sezessionsstils benutzt werden, ob mit Glück, ist Sache des dabei entwickelten Geschmackes. Jedenfalls werden sie dann ihre Wirkung nicht verfehlen, wenn eS sich mehr um Ori- ginalität, als um reizvolle Schönheit des KostürneS handelt. Will man direkt eine Blume bar« diese einfache, wenig kostspielige Art der Verkleidung jetzt sehr beliebt, waS deutlich den praktischen Zug unserer Zeit charakterisiert. Trotzdem werden die lustigen Maskenbälle mit ihren originellen MaSkenscherzen wohl nie von der Bildfläche verschwinden, sondern noch immer frohen, heiteren Menschen willkommene Gelegenheit zu harmloser AuS- gelaffenheit bieten. Di,k-z Kostüm stellt eine Riesenmohnblume dar. Der Rock besteht aus j ®ä£ rosaem, plissierten Tüll oder Chiffon über welchen vom Gurte rrasiig roiarm, p II , Blätter aus grünem Sammet fallen; I .1'2 .l d TM- n rünen Blättern bedeckt, zwischen welchen vlissierwr * TMzum Vorschein kommt. Den Kopf bedeckt eine einzige große Mohnblume, und der Pompadour aus Sammet zeige die I dl- । das Chrysanthemum, ja sogar einen Salatkopf darstellen können, und besonders das letztere Kostüm aus lauter übereinanderfallenden grüne» Blättern bestehend, dürfte sich recht drollig auSnehmen, wenn eS von einem kleinen zierlichen Persönchen getragen wird. Für solche ist eS überhaupt immer leichter, etwas geigneteS zu finden, und auch das der Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch I Märchenwelt entnommene 3 Kostüm „Aschen- .um P,u„ ... M. 0.50 -q-Wch. ”5" L-'L.MA'FL Die Oual der Wahi tritt wohl bei keiner Kostümgattung so I Wollstoff mit einem schwarzen Sammetstreifen in Erscheinung, wie bei der Maskengarderobe, soll in derselben doch I geiiert- Die Schürze ist weiß, und als »icht nur guter Geschmack, sondern auch Originalität und Witz zum I Anputz dient ein weißes Häubchen. oi..i I Den Hauptreiz würde dabei eine I schöne blondlockige Perücke bilden und recht I niedliche, schwarze Lackschuhe zu grauseidenen I Strümpfen. Wenn noch dazu die Trägerin I ein recht nettes Persönchen ist, dann wird I sicher, trotz der Einfachheit des Kostümes, der I Königsprinz nicht ausbleiben. Schließlich möchten wir noch bemerken, I daß es neuerdings sehr in Ausnahme kommt, I statt des ganzen Kostümes nur einen Kopf- I putz zu wählen, wozu man ein gewöhnliches I Ballkleid trägt wie z. B. zu einem rosaen I Ballkleid eine große rosae Mohnblüte, wie I Fig. 2 oder eine andere große Blume. Auch ■I bizarre Hüte: wie Dreimaster, Pompadour- I hüte, große Hauben dienen den gleichen I Zwecken. Oft sogar genügt eine originelle I Frisur wie anno 1830 oder aus der Zeit | der Rokoko. Besonders bei DinerS ist ^rion- E. «nrkUTI Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in «testen.