(Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. Aus einem kleinen Hause, neben dessen Thür sich ein Schild mit der Abbildung einer Mangel oder Drehrolle und. dem Zusatze: „10 Pfennig für die Stunde" befand, trat an einem Februarmorgen eine dralle Dienstmagd. Ihr ansehnlicher Leibesumfang hatte ihr in der Nachbarschaft den Namen „Professors dicke Resi" eingetragen; das rosige Roh, der Jugend prangte in frischen Farben auf den übervollen; Wangen; über ihr gutmütiges Gesicht, welches im Zustande der Ruhe glänzte, «>ls wäre es poliert, perlten jetzt, trotz der frostigen Temperatur, dicke Schweißtropfen; denn sie hatte an der Drehrolle bereits ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet, und der Tragkorb, der ihre runden Schultern drückte und bis an den Rand mit der blütenweißen Wäsche gefüllt war, stellte eine ansehnliche Bürde dar. Resi schritt dem nahen Hause ihres Gebieters zu, bewegte sich durch den kleinen Vorgarten und die breite, mit Blumen und Arabesken bemalte Hausflur und keuchte mit ihrer Last die mit einem Teppich belegte Treppe hinauf, langsam Stufe für Stufe nehmend und mit der rechten Hand an dem zierlichen Eisengeländer sich stützend. An der Glasthüre, welche in die Wohnung führte und matte, gemusterte Scheiben zeigte, holte sie einen Schlüssel, einen sogenannten Drücker, aus ihrer Schürzentasche; mit dem öffnete sie. Resi stand jetzt auf einem langen Korridor, welcher die Wohnung in zwei Hälften teilte und durch ein großes Fenster am anderen Ende sein Licht empfing. Gleich der erste Blick des Mädchens fiel auf einen dunklen Gegenstand in der Mitte des Korridors. Es war eine lang ausgestreckte menschliche Gestalt, darüber konnte kein Zweifel obwalten. Tief erschrocken, aber beherzt und! resolut wie sie war, ließ Resi ihren Tragkorb herabgleiten und eilte auf die Unglücksstelle zu. „Gott im Hinimel!" rief sie, „es ist Fräulein Kontanze!" Bewegungslos lag die schlanke Gestalt da. Das chöne Antlitz war totenbleich, kein Zucken der langens mnklen Wimpern, welche sich über die geschlossenen Augen- ider legten, verriet eine Spur von Leben; das raben- chwarze Haar, wohl durch die Wucht des; Falles gelöst, umflutete regellos Kopf und Schultern. UE ■ MWMVßW 7.ti wvTi- nd doch vermögen in der Welt, der tollen, Zwei Hebel viel auf's irdische Getriebe: Sehr viel die Pflicht, unendlich mehr die Liebe. Goethe, Das Tagebuch. Resi hoffte, daß es sich nur um eine Ohnmacht handle. Sie holte Essig aus der Küche, richtete den Oberkörper der Leblosen empor und rieb ihr Stirn und Schläfen mit der aromatischen Flüssigkeit. Während dieser unausgesetzten Bemühungen stellten sich allmählich leise Lebenszeichen ein, und endlich hoben sich die Lider und ein großes, tiesdunkles Augenpaar kam zum Vorschein. Aber nicht das milde Feuer lag darin, welches sonst aus diesen Augenj strahlte, sondern mit dem Blicke des Wahnsinns starrte Konstanze umher. Plötzlich stieß sie, als besinne sie sich auf etwas, einen durchdringenden Schrei aus, raffte sich, wie von seiner wilden Kraft beseelt, fast ohne Hilfe empor und stürzte beit Korridor entlang, Resi winkend, ihr zu folgen. Durch; ein großes Zimmer, welches eine Bibliothek und eine Anzahl von Glasschränken mit altertümlichen Sammlungen enthielt, traten beide Mädchen in das daranstoßende Schlafgemach des Hausherrn. Noch immer unfähig, zu sprechen, deutete Konstanze auf den Professor, der in seinem Bette lag, und sank dann vor demselben nieder, die Stirn an den Bettrand gedrückt, während ein furchtbares Schluchzen sich aus ihrer Brust rang. Resi kreischte laut auf. Ein einziger Blick hatte sie belehrt, daß hier etwas entsetzliches geschehen war. Der Kopf des Gelehrten zeigte blutige Wunden, welche das spärliche blonde Haar an verschiedenen Stellen rot gefärbt hatten. Selbst das Auge des Unkundigen konnte sofort erkennen, daß der Mann tot war. „Ermordet! Ermordet!" schrie Resi und rang dis Hände. Als müsse sie den Mörder noch in der Wohnung finden, stürzte die beherzte Magd aus einem Zimmer ins; andere, um zuletzt unverrichteter Sache zurückzukehren. Niemand befand sich in der Wohnung als die beiden Mädchen. Da alle Fragen an Konstanze, die. vor Schluchzer nicht sprechen konnte, vergebens waren, eilte Resi auf dis Straße hinab, um dem Schutzmann Anzeige zu machen, den sie üuf seinem gewöhnlichen Posten an der Straßenecke fand. Kaum eine Viertelstunde später war ein Kriminalkommissar zur Stelle und die telephonische Nachricht von der Mordthat befand sich bereits auf dem Wege zur Staats-, anwaltschaft. Wie der Kommissar schon nach oberflächlicher Untersuchung seststellen konnte, war der Tod des Gelehrten durch ein stumpfes Instrument, jedenfalls durch, Schläge mit einem eisernen Hammer, erfolgt; die Beschaffenheit der Wunden mit den hineingedrückten Kopfhaaren ließ das erkennen. Konstanze hatte sich soweit erholt, um die Fragen des Kommissars beantworten zu können. Sie bekleidete im Hause des Professors die Stelle einer Vorleserin. Frau, Bruscher, die Wirtschafterin des ledigen Herrn, hatte gestern - 326 — abend eine Reise angetreten. Jeden Morgen um 9 Uhr, brachte sie ihm den Kaffee ans Bett; an ihrer Stelle hatte dies heute Konstanze übernommen. Als sie ins Schlafzimmer trat, entdeckte sie den Mord. Um Hilfe herbeizurufen, stürzte sie sogleich wieder hinaus, kam aber nur, bis auf den Korridor, wo sie, erschiittert von dem grausigen Ereignis, die Besinnung verlor. Erst durch Rest, welche früh sieben Uhr zum Wäscherollen gegangen und gegen 10 Uhr zurückgekehrt war, wurde Konstanze wieder zum Bewußtsein gebracht. Daß der Mörder seine That unter dem Schutze der Nacht ausgeführt habe, war eine fehr nahe liegende Vermutung. Wie Rest zu berichten wußte, war vor einigen Jahren ein Dieb zum Korridorfenster eingestiegen und hatte aus dem Sammlungszimmer des Professors ein wertvolles Stiick entwendet. Im Parterre des nur einstöckigen Hauses befand sich das Bureau eines großen Baugeschäfts, und unten im Hofe, auf welchem das Korridorfenster hinabging, lagen außer anderen Baugeräten auch Leitern umher; einer solchen hatte sich damals der Dieb bedient. Der Kriminalbeanite untersuchte das Fenster, fand es aber ordnungsmäßig von innen verschlossen und ohne jede Spur irgend einer gewaltsam bewerkstelligten Oeffnung. Fräulein Konstanze hatte zu diesen Erörterungen schweigend den Kopf geschüttelt. „Es kann nicht während der Nacht geschehen sein", ergriff sie das Mort. „Als ich vor einigen Stunden, etwa gegen acht Uhr, über den Korridor ging, muß der Herr Professor noch gelebt haben, denn ich hörte sein Hüsteln." „War" es nicht etwa ein Röcheln, was Sie gehört haben?" meinte der Kommissar. „Nein, es war sein gewöhnliches Hüsteln", entgegnete das Fräulein, „genau so, wie er es an sich hat und wie es immer klingt." „Um neun Uhr entdeckten sie den Mord, also könnte dieser nur zwischen acht und neun geschehen sein", be- merkte der Kommissar. „Wo hielten Sie sich während dieser Zeit auf?" „In meinem Zimmer", gab Konstanze zur Antwort. Der Kommissar nahm eine genaue Besichtigung der Wohnung vor. Auf der rechten Seite des Korridors befanden sich Speisezimmer, Küche, Vorratskammer und die Wohnräume der zum Haushalt gehörigen drei Frauen. Die ganze Zimmerflucht auf der anderen Seite hatte der Gelehrte allein in Gebrauch. Die Thüre nahe dem Korridorfenster ging in den Bibliotheks- und Sammlungssaal; von hier aus trat man in das Schlafkabinett des Professors und aus diesem in dessen Arbeitszimmer, welche beide keine Thür nach dem Korridore hatten. „Um in das Schläfkabinett zu gelangen, muß man also den ganzen Korridor entlang gehen und den Weg durch den Sammlungssaal nehmen?" wandte sich der Kommissar an Konstanze. „Nun liegt aber Ihr Zimmer diesem Saale gerade gegenüber und dennoch haben Sie nichts gehört?" „Nicht das leiseste Geräusch!" versicherte Konstanze, Man stand im Arbeitszimmer des Gelehrten. „Was ist das für ein Gemach?" frug der Kommissar, auf die nächste Thür deutend, welche in gleicher Richtung mit den übrigen lag. „Das ist der Empfangssalon", sagte Resi, indem sie öffnete und den Kommissar in den hocheleganten, vielfach mit tropischen Blattpflanzen geschmückten Raum eintreten ließ. „Sie gaben vorhin zu", wandte sich der Beamte wieder an Konstanze, „daß die Wohnräume des Herrn Professors vom Korridor aus nur durch den Sammlungssaal zugänglich seien. Hier sehe ich aber doch eine Thür, welche ebenfalls auf den Korridor führen muß. Und da wir uns im letzten Zimmer befinden, so muß dieses, wenn mein Ortssinn mich nicht trügt, in unmittelbarer Nähe der Entree- thür liegen." „Das ist richtig", bestätigte Konstanze, „man gelangt von hier unmittelbar auf den Korridor, aber , von diesem nicht herein, denn die Thüre ist stets von innen verriegelt und wird nur geöffnet, wenn Besuch kommt, was ein sehr seltsamer Fall ist, da sich der Herr Professor vom gesellschaftlichen Leben ganz zurückgezogen hatte." Um sich zu überzeugen, schritt der Kommissar auf die Thüre zu und drückte auf die Klinke. „Sie ist ja offen!" rief er, indem er die Thüre weit zurückstieß. Beide Mädchen waren über diese Entdeckung nicht wenig erstaunt und blickten einander betroffen an- „Vielleicht hat der Herr Professor gestern oder an einem der vorhergehenden Tage einen Besuch empfangen", vermutete der Kommissar, „und man hat vergessen, die Thüre von innen wieder zu verriegeln." - Schon seit Wochen war niemand dagewesen. Darüber stimmte Resi mit dem Fräulein überein. Und daß die Thüre stets verschlossen war, darüber wachte Frau Bru- scher, die Wirtschafterin, mit peinlicher Sorgfalt. Plötzlich schlug sich Resi vor die Stirn. „Vielleicht habe ich den Riegel selbst zurückgeschoben", erklärte sie. „Im ersten Schrecken bin ich vorhin durch alle Zimmer gerannt. Ich dachte, der Mörder hielte sich vielleicht irgendwo noch verborgen oder er habe die Wohnung ausgeraubt. Da ist es wohl möglich, daß ich in der Eile und Verwirrung die Thüre selbst aufgeriegelt habe, ohne es zu wissen, um schneller auf den Korridor zu kommen. Wer soll bei einer so schrecklichen Mordgeschichte seine fünf Sinne behalten?" „Nun, gleichviel, — die Thüre war offen", sagte der ! Kommissar, „und somit ist die Möglichkeit gegeben, daß der Thäter, welcher jedenfalls Mittel gehabt hat, die äußere Entreethüre zu öffnen, durch diesen Salon in das Schlafzimmer seines Opfers gedrungen ist, und es läßt sich Begreifen, daß das Fräulein nichts gehört hat. — Doch was haben Sie da an den Fingern, Fräulein? Bitte, zeigen Sie mir Ihre Hand." . . . Vor dem Hause unten sammelte sich eine gaffende, erwartungsvolle Menge an. Die Provinzialhauptstadt gehörte zu den Großstädten, aber an Neugierigen fehlte es auch hier nicht, und in der stillen Vorstadtstraße kümmerte sich einer um den andern wie in dem kleinsten Krähwinkelneste. Professors dicke Resi in gestrecktem Laufe daher ! keuchen zu sehen, war schon an und für sich ein ungewöhnlicher Anblick gewesen; daß sie unter heftigen Gestikulationen mit dem Schutzmanne sprach, mußte eine ans Sen- ' sationelle grenzende Veranlassung haben, und so hatte sie nicht ins Haus zurückkehren können, ohne einigen zudring- i liehen Fragern aus der Nachbarschaft die kurze, aber wie betäubend wirkende Auskunft zu geben: „Professor Georgi ist ermordet in seinem Bett gefunden worden." Die Schreckenskunde verbreitete sich rasch von Mund zu Mund, drang in die Verkaufsläden und in die Wohnungen und brachte Männer und Weiber, Greise und Kinder auf die Beine. Schutzmänner erschienen rasch nach jein- 1 ander, man wußte nicht, wo sie so schnell herkamen. Als über der Menge die blitzenden Helmspitzen hervorragten, gewann die Szene erst die rechte Weihe des Schrecklichen und Unheimlichen. Dann brachte eine Droschke den Kriminalkommissar; bald darauf fuhr eine zweite vor, welcher der Staatsanwalt mit dem Protokollführer entstieg, was unter den durcheinander schwatzenden Gruppen ein augenblickliches feierliches Verstummen bewirkte, wie das Erscheinen des Pfarrers bei einem Begräbnisse. Die Menschenmasse schwoll derart an, daß sie zu beiden Straßen- i feiten weithin ein langes, tiefgliedriges, kopfnickendes, kopfschüttelndes, Hände bewegendes und dumpf murmelndes Spalier bildete. Tausende von Augen waren unter hoch emporgezogenen Brauen nach den oberen Fenstern des Professorhauses -gerichtet. Ein Zimmerlehrling aus dem Bauhofe, der mit ein paar leeren Schnapsflaschen in den Händen heraustrat, wurde als ein in der Sache tief Eingeweihter betrachtet und überall angehalten, um Auskunft zu geben. Trotzdem man aus seinen Bewegungen deutlich sah, daß er selbst nichts wisse, wollten dies doch auch die Fernerstehenden aus seinem eigenen Munde hören und bedrängten ihn mit Fragen. Stunden vergingen. Die angestaute Volksmasse harrte aus wie eine steinerne Mauer. Endlich ereignete sich etwas neues. Staatsanwalt und Protokollführer verließen das Haus- und kehrten, da die Droschken wieder abgefahren waren, zu Fuße nach der inneren Stadt zurück. Unmittelbar hinter ihnen folgte ein anderer Herr, der Gerichts- arzt, welcher bei seiner Ankunst wenig beachtet worden rf die weid nicht r an gen", !, die Dar- :ß die Bru- leicht e sie. nmer leicht aus- : und re eS Wer -inne e der daß rßere chlaf- h be- was eigen ende, t ge- te es nerte rtfel« >aher f öhn- | kula- $ Sen- • e sie ciing- i, wie wrgi iund ohn- nder fein- Als zten, ichen Kri- lcher was gen- Er- lien- ßen- des, ieln- hoch des dem den Sin- unft tlich die be- rrte was das wen itel- hts^ den 327 - war. Für eine Anzahl der Gaffer bedeutete das Fortgehen der Staatsanwaltschaft einen Abschluß, und sie entfernten sich, wie im Theater ein Teil des Publikums kurz vor dem letzten Fallen des Vorhanges seine Plätze verläßt. Bald zeigte sich jedoch, daß sie viel versäumt hatten; denn abermals ereignete sich etwas neues. Ein Schutzmann trat eiligen Schrittes aus dem Hause und holte von dem nächsten Halteplatze eine Droschke. Diese war halb offen; auf Geheiß des Polizisten mußte sie der Kutscher gänzlich schließen. Für wen war der Wagen bestimmt? Bei der allgemeinen hochgespannten Stimmung der Menge tauchten allerlei Vermutungen auf; ja, es gab Leute, welche kühn!u'nd gedankenlos genug waren, sich darauf gefaßt zu machen/daß in der Droschke der Leichnam des Ermordeten fortgeschafft werden solle, — in das Gerichtsgebäude oder m die. Anatomie. Alles erhob sich auf den Fußspitzen!, alle Hälse reckten sich empor, als durch die vordersten Zuschauerreihen, welche zu beiden Seiten des Hauseingangs standen, eine zurückdrängende Bewegung ging, als sollte der Weg freigemacht werden. Der Kriminalkommissar trat heraus. An seiner Seite ging wankenden Schrittes eine Dame, jung, schlank gewachsen, mit einem engelschönen, aber marmorbleichen Antlitz. Sprachloses Staunen malte sich auf allen Gesichtern. Nur dler Mann des Gesetzes zeigte die eiskalte, unbewegliche Miene des abgehärteten Beamten, der daran gewöhnt war, über nichts zu erstaunen, über nichts sich zu wundern. Er ließ die Dame zuerst einsteigen, wobei et der Schwankenden behilflich sein mußte; dann setzte er sich au ihre Seite in den Fond des Wagens und ein Schutzmann nahm auf dem Rücksitze Platz. Das war eine Verhaftung — darüber mußte sich jeder klar sein. „Das Fräulein! — Die Vorleserin des Professors!" rannten sich entsetzt diejenigen zu, welche der nächsten Nachbarschaft angehörten, wahrend der Wagen rasch davonfuhr. (Fortsetzung folgt.) Drei berühmte Käse. Von Fred H o o d. Nachdruck verboten. In der gemischten und anrüchigen Gesellschaft der Käse gießt es einige stolze Emporkömmlinge, welche sich ihrer Herkunft und ihres klangvollen Namens rühmen und mit einer gewissen Verachtung auf ihre bescheidenen Genossen herabblicken. Im Grunde haben sie sich! alle einander nichts vorzuwerfen; denn selbst die aristokratischen französischen Weichkäse verdanken auch nur Kühen, Schafen und Ziegen ihr rühmliches Dasein. Es ist auch- nicht wahr, daß diese „vornehmen" Produkte nur auf heimatlichem Boden gedeihen; denn vielfache Versuche haben erwiesen, daß man unter Anwendung der gleichen Sorgfalt, amty anderwärts gleich günstige Resultate zu erzielen vermag/ wenn auch! örtliche Verhältnisse den Geschmack des Fabrikats' etwas beeinflussen. Natürlich! ist gute Milch und Sahne stets die Hauptbedingung, sonst aber können die Käse überall, sowohl in der Stadt als auf dem Lande, bereitet werden. Allein, die Käsebereitung ist an und für sich eine Kunst, welche studiert sein will, und daß bie; guten Tafelkäse eine besonders achtsame Behandlung verlangen, versteht sich von selbst. Beginnen wir mit dem Roquefort, der sich ja einer ganz besonderen Beliebtheit und Verehrung erfreut. Er verdankt den Namen seiner Heimat, einem Dorf im Arrondissement St. Affrique des Departements Avehron.' Er wird aus Schafmilch bereitet, die bis zum Siedepunkt erhitzt und so sterilisiert wird; dann läßt man sie stehen, bis sich die Sahne abscheidet.' Ein Teil dieser Sahne wird abgeschöpft und verbuttert, während das übrige zur Käsebereitung verwendet wird. Jetzt wird die Milch wiederum erhitzt und auf 120 Pfund Milch ein Eßlöffel „Lab" zu- gesetzt. Lab ist ein Ferment, das sich! durch die Eigenschaft auszeichnet, Milch in süßem Zustande zum Gerinnen zu bringen. Es wird vorzüglich durch die Labdrüsen im Magen junger Säugetiere abgesondert, doch! wird auch durch verschiedene Bakterien und Pfanzenfäfte eine labähnliche Wirkung auf die Milch erzielt. In der Molkereipraxis wird das Lab nur aus den Kälbermagen gewonnen. Wenn bei der Roquefort-Bereitung ein Teil der Molken abgezogen ist, so 'wird der Käse mit den erforderlichen Keimen versehen.. Diese erlangt man, indem man einen Kuchen von Gerstenmehl an einen feuchten Ort bringt und dort aufbewahrt, bis er mit blauem Schimmel bedeckt ist. Ist dies erreicht, so wird er zerkrümelt und mit dem Käsequark gemischt, der nun in die Formen gebracht wird. Der Käse wird in diesen zweimal täglich umgedreht, sodaß etwas von den Molken zurückgehalten wird und nicht abtropfen kann^ Diese Molken werden nach und nach von dem Käse, absorbiert und zugleich auch etwas von dem Lab. Das Produkt wird so, vor Luft geschützt, drei Tage in der Form gelassen; man öffnet sie nur ab und zu, um den Käse zu wenden' und ihn mit warmem' Wasser zu besprengen. Dieses beschleunigt das Wachstum der Keime und macht das Fabrikat „reif". Nach Ablauf von drei Tagen wird der Roquefort kühler, trockener Luft ausgesetzt, wenn möglich, auf der Nordseite des Hauses. Die Luft hemmt bann das Wachstum der Herstenkucheukeime und trocknet die Feuchtigkeit aus. Um den Trockenprozeß zu beschleunigen, kann man die Masse in trockene Tücher wickeln. In diesem Stadium bringt man den Käse in die Kalkhöhlen unter der alten Stadt Roquefort, wo er reif-und fester wird; aber man vermag auch anderwärts in einem kühlen, trockenen Keller eine ähnliche Wirkung zu erzielen. Alles Licht muß ausgesperrt werden, und ein kühler Luftzug muß fortwährend über die Käse hinblasen. Die Temperatur ist möglichst gleichmäßig zu erhalten. Während der Käse reift, muß er oft mit Salz bestreut werden, und wenn sich! dann; eine gallertartige Substanz auf der Oberfläche bildet, muß dieselbe mit einem Messer abgekratzt werden. Zeitweise wird roter, gelber, und blauer Schimmel auf dem Käse erscheinen. Dieser muß abgekratzt werden; bann ist der Käse fertig. Der Stilton-Käse ist das berühmteste Käseprodukt Englands und wird auch bei uns hoch geschätzt. Er ähnelt etwas dem italienischen Gorgonzola, dem vornehmsten blau- schimmeligen Käses der Welt. Der englische Stilton wird, wie ich „Seientifie-american" entnehme, folgendermaßen hergestellt: Die Morgenmilchi wird auf eine Temperatur von 85 Grad (Fahrenheit) gebracht, und nach Ablauf einer Stunde der Quark in dünnen Schichten entfernt. Der Quark kommt auf Tropftücher, eine Schicht auf die andere; in dem Maße, wie er wärmer wird, scheidet er feine Molken aus. Die Ecken der Tropftücher werden zusammengenommen, und auf den Quark wird ein leichter Druck ausgeübt, damit die Molken besser abtropfen. Die Nacht über wird er in den Tüchern in einer Temperatur von etwa 30 Grad aufgehängt. Am folgenden Morgen schneidet man ihn in kleine Würfel und setzt diese auf Zinnblechen der Lust aus.. Durch Berührung des Quarks mit dein Sauerstoff der Luft wird er schärfer. Arn zweiten Tage ist der Quark reif genug — zum Schimmeln. Aus der am zweiten Tage frisch gewonnenen Milch und Sahne wird ein gleicher Quark hergestellt, und diese beiden werden in der „Form" gemischt. Es ist dies ein Gefäß mit ziemlich großen Löchern, durch welche die Molken abtropfeu können. Der erste Quark ist schärf, und wenn die beiden zerkleinert und miteinander vermischt werden, so bringen sie Keime zur Entfaltung, die dem Käse einen besonderen Geschmack verleihen. In diesem Stadium muß das Produkt nach Geschwäck gesalzen werden, und dann ist die Mischüng in die gewünschte Form zu bringen. In 3 bis 4 Tagen wird es fest genug fein, allein außerhalb der Form zu stehen, wenn die Temperatur auf etwa 60 Grad erhalten wird. Daun wickelt man ihn fest in Kattun oder Käsetuch ein und stellt ihn zum Trocknen oder Reifen fort. Der Prozeß des Reifens kann beschleunigt werden, wenn man die Temperatur des Trockenraumes auf 65 bis 67 Grad erhöht. Es dauert vielleicht mehrere Tage oder Wochen, bis der Käse fertig ist; je älter er wird, desto besser. Dies ist eine der Haupttugenden der meisten Luxuskäse. Der Gorgonzola-Käse Italiens ist sehr beliebt bei allen Einwohnern dieses sonnigen Landes und wird auch anderwärts sehr hoch! geschätzt. Dieser berühmte blauschimmelige Käse wird aus Kuhmilch! bereitet, und zwar aus zwei vex- 328 — schiedenen Quarksorten, ähnlich wie der englische Stilton. Bei der Mischung des Gorgonzola ist der eine Quark kalt und der andere warnt und frisch Die Milch eines Tages wird auf ea. 25 Grad C. gebracht und das Lab wird hinzu- gethan. Das, Lab wird in ein Stück Zeug gelegt, durch dasselbe tu die MiW gepreßt und tüchtig umgerührt. Ist der Quark zum Zerkleinern fertig, so wird er in sehr kleine Stücke zerschnitten; diese werden in ein Tuch gebracht und über Nacht ausgehängt, damit die Molken abtropfen können. Die Temperatur in dem Raume muß 13 bis 14 Grad betragen. AM folgenden Morgen wird die srischi von den Kühen kommende MiW ebenso behandelt. Der neue Quark ist warm, süß und feucht, während der Quark am vorigen Tage kalt, trocken und säuerlich, ist. Jede tiefe Holz- oder Metallform kann benutzt werden. Auf den Boden kommt zuerst eine Schicht des frischen, warmen Quarks; dann wird eine Schicht von dem Quark vom Tage vorher darauf gedrückt, und so weiter abwechselnd, bis die Form voll ist. Es, ist nur dabei zu beuchten, daß eine Schicht des frischen warmen Quarks die ganze Oberfläche des Käses bedeckt. Die beiden Sorten wirken wechselweise aufeinander ein. Nach 2 Tagen wird die Oberfläche des Käses sorgsam mit sehr feinem Salz gesalzen. Dieses Salzen geschieht täglich, 2 bis 4 Wochen lang, wobei das Salz sorgfältig in die Schichten eingerieben werden muß. Erscheint dann der blaue Schimmel noch nicht auf dem Käfe, so wird dieser mit einem Metallinstrument durchstochen, damit Luft zutritt. In Italien wird in diesem Zustand der Käse in ine Höhlen zum Reifen gebracht; doch können nahezu ebenso gute Erfolge in einem dunklen, kühlen Keller erzielt werden, der aus einer Temperatur von 12 Grad erhalten wird. In 4 bis 5 Monaten reift dieser Käse. Während dieser Zeit zeigt sich auf seiner Oberfläche nach und nach, ein dunkel- roter und blauer Schimmel. Man sieht also, daß auch die Käsebereitung eine Kunst ist, die studiert sein will; und diejenigen, weWe alle wertlosen Dinge des Kosmos «verächtlich Mit Quark zu bezeichnen pflegen, haben; jedenfalls den Wert dieses kostbaren Produktes noch; nicht erfaßt. Gemeinnütziges. Der Mensch ist das, was er als Kind war. Dies ist ein wahrer Satz, den die Eltern bei Erziehung ihrer Kinder stets beherzigen sollten. Der Mensch begnügt sich im späteren Alter mit wenigem, wenn er mit einfachem Geschmack erzogen wurde; er widersteht dem Unwetter leicht, wenn er Sei guter Zeit «den; kostbaren/ Widerstand gegen die Kälte erlernte, der ihn gegen manche Krankheiten schützt. Ein Kind soll nicht mit allen möglichen Annehmlichkeiten überschüttet werden; im Wohlbefinden ist alles relativ, und der Mensch verlangt mit um so größerem Genuß das, was er wünscht und erstrebt, wenn er längere Zeit desselben beraubt war. Derjenige dagegen, dem stets alle Wünsche in Erfüllung gingen, empfindet kein Vergnügen, keine Freude mehr, was so viele andere Menschen freuen und beglücken würde, siudet ihn gleichgiltig, und dann wer ist der, weWer in dieser Zeit der Umwälzungen und Verwandlungen noch des nächsten Tages sicher ist. Alle Glücksgüter sind äußerst vergänglich. In welcher Lage befindet sich aber derjenige im Elend und in der Armut, der an alle Annehmlichkeiten und Genüsse des Lebens gewöhnt ist. Gewinnt er alle so notwendige Krast, um gegen das Unglück anzukämpfen? Aufgabe der Erziehung ist es daher, den Kindern einen sittlichen und starken Charakter anzuerziehen, der im stände ist, gegen alle Widerwärtigkeiten anzukämpsen. Weiße Flecken auf Dielen entfernt man, indem man ein feuchtes Tuch dick mit Zigarrenasche bestreut und die betreffende Stelle so lange reibt, bis sie die Farbe der übrigen Dielen wiedererhalten hat. Dann muß mit Wasser nachgewischt werden. Zitronenschale aufzubewahren. Man reibe die frische Zitrone vollständig ab, vermenge die geriebene Schäle reichlich mit llarem Zucker, thue beides in eine Büchse und verschließe dieselbe gut. Weiße und graue Filzhüte zu reinigen. Man mische entweder Arrow-Root oder Magnesia, beides ist in jedem Drogengeschäft erhältlich, mit kaltem Wasser, daß es einen Brei giebt, und bestreiche mit demselben mittels einer kleinen Bürste den Hut, bis er ganz davon bedeckt ist, lasse ihn vollkommen int Schällen trocknen, klopfe das Gröbste vorsichtig ab und bürste ihn anfangs mit einer gröberen, später mit einer weicheren Bürste ab. Läßt man die Hüte nWt zu schmutzig werden, so werden sie durch dieses Verfahren wieder neu. Reinigen von Glasgesäßen. Um Gefäße von darin gehaltenen fettigen Flüssigkeiten zu reinigen, bedient man sich des Buchweizens resp. dessen Samenhülsen besonders bei Gläsern mit engen Mündungen; bieffcr Same bezw. dessen Schale entfernen alle Fettteile u. a. m. sehr schnell und so gut, daß Gesäße, worin Leberthrau usw. aufbewahrt war, in einigen Minuten völlig rein werden und ihren üblen Geruch verlieren. Bei Gesäßen, worin dicke Flüssigkeiten, aufgelöste Harze und Firnisse aufbewahrt waren, ist es gut, das an den Wänden Klebende zuerst durch heißes Wasser zu erweichen. Glänzend gewordene Kammgarnstoffe erhalten ihr früheres Aussehen wieder durch Bürsten mit einer Abkochung von Blauholz und Süßholz. Man weicht für §twa 10 Pfennig Blauholz und 5 Pfennig Süßholz 24 Stunden in 1 Liter Regenwasser ein, kocht es dann einige Stunden und setzt der Lösung, wenn sie erkaltet ist, für 10 Pfennig Terpentinöl zu. Mr die Küche. Aufbewahrung der Butter. In der Milch- versiWsstation Thun ist ein Versuch über die Frischerhaltung der Butter angestellt worden. Gleichgroße Mengen Butter wurden ranzig: Im Zimmer bei 12 Grad Reanmur in 1 Tag, in luftiger Milchkammer bei 8 Grad Reanmur in 4 Tagen, daselbst in kaltem Wasser in 13 Tagen, unter Wasser in 15 Tagen, in dem Gefäß mit Salz eingefttefei in 29 Tagen. Dieser Versuch« ist um so bezeichnender, als die zum Versuch! dienende Butter dadurch, daß sie bei 12 Grad Reanmur schon in 1 Tag ranzig wurde, als eine Butter von äußerst geringer Haltbarkeit charakterisiert wird. Erbsen mit Kartoffeln und Speck. Erbsen in weichem Wasser abends vorher weichen, abkochen, bis die Hülsen sich mit dem Schaumlöffel abnehmen lassen. Mit der Brühe, in welcher ein Stück Speck gar gekocht ist, und geschälten, rohen, in 4 Teilen geschnittenen, mit kochendem Wasser abgebrühten Kartoffeln fertig weich und gebunden kochen. Man kann den Speck auch, noch eine halbe Stunde mitkochen lassen. Anisbrot. 4 ganze Eier, 250 Gramm feiner Zucker eine halbe Stunde tüchtig gerührt. Einen Theelösfel gereinigten Anis, 250 Gramm gesiebtes trockenes Mehl dazu. In länglWen, mit Butter ausgestricheuen Formen gebacken. Kalt in zwei Messerrücken dicke Scheiben geschnitten, aus einem Backblech! hübsch gelblich geröstet. Hebt sich lange in verschlossener Glas- oder Blechbüchse auf. Silvent-ätskl. (Nachdruck verboten.) der, dt, et, et, ei, en, g, gol, i, in, je, ki, lip, lo, mu, ra, fe, sta, te, w, w. Ans vorstehenden Silben nnd Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort ergeben. Cs bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Nützlichen Bogel. 2. Insektenfressendes Tier 3. Nordische Gottheit. 4. Mathematische Figur. 5. Russischen Staatsmann. 6. Stadt in Baiern. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Homonym in voriger Nummer: Strauß. Reboftien: *. Burkhardt. — Vruck und Vertag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erden) in Gießen.