1 ,^-wwz.w-' viri ?=iti • "I MMMÄ ichts wird langsamer vergessen als eine Beleidigung, und nichts eher als eine Wohlthat. Luther. (Nachdruck verboten.) „Es sah eine Linde ins tiefe Thal." Novelle von R. Litten. (Fortsetzung.) Und wie gut es sich hier dein Hans, dem steten, Begleiter der beiden, zuhört! Ja, das muß man dem Jungen lassen, er redet wie ein Buch. Aber immer handelt eS sich um die alten Heidengötter, an die kein vernünftiger Mensch mehr glaubt. Vielleicht nur der Doktor Hanne- mann, der Onkel des Hans. Sie nennen ihn den Griechen, und Brigitte hat ihn mit eigenen leibhaftigen Augen gesehen, wie er vor einem der weißen Marmorbilder, welche auf hohen Postamenten zu Dutzenden in einem seiner Zimmer — sein Allerheiligstes nennt er es — umherstehen, verweilt und schier andächtig aufgeblickt hatte. Von ihm hat sicher auch der Neffe diese Liebe zu den toten Göttern geerbt. Ob aber ohne Schaden für seine Seele? Die alte Frau schüttelt jedesmal leise den Kopf, wenn sie in ihrem Gedankengang wieder bei dieser Klippe angelangt ist. Sie ist eine gute, gläubige Christin, die an jedem Sonntag in dem alten schmucklosen Kirchlein den grauen Kops tief über das Gesangbuch beugt; sie findet es auch nicht recht, wenn map den lieben Gott nie in seinem Hause, wo er doch am sichersten zu finden fein muß, aufsucht, aber auf den Doktor oder den Hans etwas kommen lassen — nimmermehr. Die beiden sind ja ihrer armen Frau — in Gedanken nennt sie ihre Herrin nie anders — und des Kindes beste Freunde; wie können sie da anders als gut und brav sein? Frau Brigitte nickt ein paarmal energisch mit dem grauen Kopfe, dann läßt fie die klappernden Nadeln ihres Strumpfes ruhen ünd schaut sich um. Wo nur die Kinder sind? Wenn Elfe sich nur nicht zu arg erhitzt! Da kommt sie eben einen der schmalen Gänge hinunter, der Hans hinterher. Das kurze weiße Nöckchen bauscht sich um ihre leichte Gestalt, die goldig schimmernden, kurzen Locken flattern um das glühende Gesicht, die kleinen schmalen Füßchen berühren kaum den Erdboden. Mit einem jubelnden Aufschrei wirft sich das zierliche, graziöse Geschöpf vor der alten Frau ins duftende Kraut. „Wieder die erste am Ziel, Gitta! Ich hab's dem Hans gleich gesagt, daß er mich nicht haschen kann! Aber jetzt bin ich müde, ganz schrecklich müde! Weißt Du wohl, was ich möchte, Hans?" Sie sieht den Knaben, welcher sich neben sie ins Gras gleiten läßt, eindringlich an. Er tvirft das blonde wellige Haar aus der breiten Stirn und schüttelt lächelnd den Kopf. Zirm Sprechen ist er noch zu atemlos. Elfriede sieht ihn schmollend von der Seite an. «Ach geh, Hans Volkmann, Du bist häßlich! Du weißt schon, was ich möchte. Ein schönes Märchen erzählen sollst Du!" Sie nickt der Frau zu, dann kauert sie sich dem Knaben gegenüber und sieht ihn mit vor Erwartung glänzenden Augen an. Er legt die geschmeidige Gestalt bequemer auf dem grünen Lager zurecht, schiebt den Arm unter den blonden Kopf und erzählt das Poetische Märchen vom Phaeton. Als er geendet, wendet er lächelnd den Kopf: „Nun, hat es Dir nicht gefallen, Elfe?" Die Kleine hebt die Augen, in denen große Thränen stehen. „Wunderschön war es", sagt sie tiefaufatmend, „aber guch sehr traurig! Der arme Phaeton, die Strafe war sehr hart für ihn! Meinst Tu nicht auch, Gitta?" Die alte Frau, deren klappernde Nadeln längst ruhen, nickt ernsthaft. «Aber doch gerecht. Was Deines Amtes nicht ist, da laß Deinen Vorwitz, und Hochmut kommt vor dem Fall. Aber nun", sie macht Miene sich zu erheben, „kommt, Kinder. Die Sonne wird bald untergehen!" Sie rollt ihr Strickzeug zusammen, aber Elfe hält ihre Hand fest und drückt sie auf ihr Bänkchen zurück. «Du scherzest gewiß, Gitta! Sieh doch, wie die Sonne strahlt, sie denkt noch gar nicht ans llntergehen. Ich muß doch auch erst meinen Kranz vollenden, Du weißt, ich habe ihn Mama versprochen." Dabei kauert sie schon wieder im Grase und nestelt mit den kleinen Fingern an einem Gewinde von zweifelhafter Schönheit, welches bis jetzt neben ihr auf einem! Taxusgebüsch gehangen. Hans reicht ihr die Blumen zu, unscheinbare sch wach duftende Dinger, wie sie auf jeder Wiese wachsen, und plaudert dabei mit ihr. Endlich ist das Werk vollendet. Elfe drückt sich ihren Kranz uuf das dichte Lockengewirr, springt auf untt plaudert dabei mit ihr. Endlich ist das Werk vollendet. Elfe drückt sich ihren Kranz auf das dichte Lockengewirr, springt auf und stellt sich vor Frau Brigitte. „Und nun noch ein Lied, Gitta, eines von Deinen wunderschönen alten Liedern, sonst bekommst Du mich nicht fort. Ich laufe Dir davon und verkrieche mich, hinter den ersten besten Grabstein." 262 untergehl. - wir folgten ihr hinauf Ob sein Töchterchen, das einzige ihm verbliebene Kind, das fühlte, ob es darunter litt? In der ersten Zeit war die kleine mutterlose (Eber« hardine dem Vater nachgeschlichen, wenn sie ihm in den langen dämmrigen Korridoren, welche ihr Licht durch hohe bunte Glasfenster erhielten, begegnet war, aber nachdem! er sie ein paarmal mit zusammengezogenen Augenbrauen angeblickt und heftige, unverständliche Worte botet gentur« und fanden alles bestätigt." ■ , .. Gut, ich werde sofort kommen", lautete der Beschetd des Inspektors. „Schließen Sie das betreffende Zimmer ab, lassen Sie niemand hinein. — Schluß." Etwa eine Viertelstunde später erfchien der Polizei- inspektor im Hause des Verbrechens. Ohne Säumen betrat er mit dem ihn begleitenden Arzte und einem Poltzet- diener das Schlafgemach, während mehrere andere Beamte das vor dem Hause versammelte Publikum vom Eindringen abhielten. Inspektor Osborne sand alles so, nne der Buchhalter es beschrieben. v t Mr. Smith, ein alter Junggeselle von bemahe -• Jahren, der aber noch sehr rüstig und arbeitskräftig ge- wesen, war durch mehrere Messerstiche in die Brust getötet worden Der Tote schien im Schlafe überrascht worden zu sein; denn er hatte sich nicht zur Wehr gesetzt. Erst als er die tötlichen Wunden erhalten hatte, schien er aus dem Bett gesprungen zu sein, wahrscheinlich war er daneben zusammengebrochen. Hilferufe hatte die Haushälterin nicht gehört; außer ihr befand sich niemand im Hause Zimmer fanden sich mehrere nttf Blut besudelte stellen, Blutstropfen waren umtzergefpritzt. Da« Leben war schon Das Gastmahl des Mörders. Bon George Fulton. Nachdruck verboten. Ein Klingelzeichen — „Nr. 105 — Polizeiamt —" „Hier Inspektor Osborne — wer dort?" . „Buchhalter Miller vom Hause .Henry 6. Dnnth, 5. Avenue 19." „Was giebt es?" „Eine schreckliche That ist soeben entdeckt worden. Mr. Smith liegt tot in seinem Bett!" „Also ein Selbstmord?" „Nein — ein Mord! Der Unglückliche ist erstochen worden." „Weih man etwas über den Thater?" „Nein, gar nichts." „Wer hat die Leiche gefunden?" - „Die Haushälterin Miß Mertens —" III. Die arme Frau. „Die meisten Erinnerungen sind Wasserpflanzen, die nur von Thränen leben." Anaeredete will verdrießlich aussehen, es gelingt 1 melt hatte, war sie ihm gegenüber ängstlich und verschüch« -ZHWZMM WWZMZW .....jKSgÄsas WZZMMsS ÄS^rau ffÄSiflSeW in ihrem Bänkchen, dem Mündchen gefragt ,Ist es sehr unrecht von mt^ einer: Abglanz längst verschwundener Jugend auf dem Brigitte, daß ich lebe und nicht auch m die finstere Erde bereUs"das^^ied^gesungen ^vielle?cht^at te?©Siebte ihr"er BrüderchenUnd^dann hatte^w die Arme um den Hals teuftet — stenS bat die schlanke Gestalt der Erschreckten gewor en und laut aufgeschluchzt: sehnt, und das kleine Mädchen steht neben ihm, den Kranz I den Himmel. furchte mich vor Tapa. im schimmernden Haar, die großen dunklen Träumeraugen (Fortsetzung folgt.) ... in die Ferne gerichtet, wo eben der Sonnenball blutrot 1 — -------- Dieselberi Strahlen der scheidenden Sonne, welche die kleine Gruppe auf dem alten Friedhof beleuchteten, streiften auch das Antlitz einer zarten, bleichen Frau, welche unten im Städtchen am geöffneten Fenster ihres Zimmers stand, und zauberten trügerisches Rot auf ihre schmalen Wangen. Aus dem Gärtchen vor dem Hause drang süßer Lindenduft ins Gemach, abgebrochene Vogellaute erklangen, letzt übertönt durch den tiefen Ton der Abendglocke. Die Frau mit den durchsichtig weihen, müde herabhängenden Händen atmete tief auf, lehnte sich in den hohen Sessel, der am Fenster stand und schloß die Augen. Ihre letzte Muftk- schülerin, die zehnte von den täglich erscheinenden, hatte sie soeben verlassen, und die Stille, welche sie jetzt umfing, , ^ann^" that ihren gequälten Nerven wohl. Einen Augenblick hatte I "Soeben. Es fiel ihr auf, daß Herr Smith, ein großer sie daran gedacht, Brigitte und den Kandern entgeaenzu-- I »rn^'au?rfef)er heute morgen gar nicht zum Vorschein kam. gehen, aber sie war so müde, fühlte heute auch wieder so ZsdwUhrendlich die ächte Stunde zeigte, ward es ihr lebhaft den zuckenden Schmerz m der Brust, ba war es I Eie horchte wiederholt an der Thür — alles toten- wohl besser, wenn sie ganz sttll tn ihrem Sessel hegen 0 pachte — keine Antwort. Im Begriff, hinunter- “» ***** dort brm*n »Alten He Sonne »erglomm, tangfam »erbliche» bie Jenngen Sinton am f«Ä“|m(t'flcts eingetolbffe,. Firmament, die Dämmerung warf Ihren Schleier über das Neugierig wirft sie einen Blick in das Gemach — Land, aber die blasse Frau sah nicht auf. Mit gesenkten I b ■ erblickt sie? Herr Smith liegt tot neben Lidern träumte he vor sich Han! "nmer ^ster umftns fte der 3 V mit $Iut ■ßehetft, das ganze Bett ist mit Blut Zauber des Frühlingsabeiids. Was er ihr vorfuhrte. Was I i Schreiend lief sie hinweg, um im Kontor die er sie mit den Augen ihres Geistes schauen ließ zu dieser Il^^^otschaft zu verkünden — wir folgten ihr hinauf Ein altes Schloß mit Türmen und Zmnen hoch oben auf grüner Anhöhe, und ihm -gegenüber, nur durch die Fahrstraße getrennt, ein niedriges, von wildem Wem eng umsponnenes Häuschen. Dort wohnt Herr Engelhardt, der Lehrer des Dorfes, welches zum Schlosse gehört, und im| Schlosse selbst der Herr desselben, der Gras von und zu Mellinghausen. „ „ Er ist ein stolzer, stattlicher Herr, groß und kraftvoll wie die Eichen in seinen Wäldern, aber seine Augen blicken streng, fast finster, und seinen Lippen ist das Lächeln fremd. Sie haben es verlernt in einer einzigen Stunde, in derselben, als man f ein junges Weib mit dem eben geborenen heißerwünschten Söhnlein zusammen ins Grab gesenkt 263 — Miß Mertens?" .Fünfzehn Jahre/ liche Räume im oberen ---------- %-.r , . - . . alle Kästen öffnen und unterzog den Inhalt emer auf- merlsamen Prüfung. „Bei mir werden Sie nichts finden , rief das Frauleru entlüftet. „Vielleicht doch", bemerkte Osborne finster, indem er aus der Tiefe eines der Kommodenkästen ein „Sie." „Wie hoch ist sie bedacht?' „Mit 5000 Pfund." Jedenfalls doch, weil fie eine treue und aufmerkfame Dienerin war? Wie lange ist sie hier im Hause?" Blut bedeckt war. „Miß Mertens, ich erkläre Sie für der- B ciftc t */z Noch am selben Tage traf der Neffe des Ermordeten, Joe Silvan, aus Philadelphia ein. Der junge Mann zeigte sich untröstlich über den Tod seines geliebten Verwandten, er äußerte in flammenden Worten seine Entrüstung über die schreckliche That und den schwarzen Undank der Thaterrn. Wohl habe ihm Miß Mertens immer Sorgfalt und Freundschaft bewiesen, aber dieses Ereignis lösche alle Empfindungen, die er für sie gehegt, in seinem Herzen aus. Mit Thränen in den blauen Augen folgte er dem Sarge des Mannes, den er seinen zweiten Vater nannte. Die Haushälterin leugnete trotz aller Bemühungen des Inspektors, ihr ein Geständnis zu entlocken, beharrlich das Verbrechen. Daß sie sich habe verheiraten wollen, entspreche der Wahrheit, aber unendlich fern habe ihr trotzdem auch nur der Gedanke gelegen, ihrem hochverehrten Herrn um des ihr zugedachten Erbteils willen den Tod zu wünschen — wie viel weniger würde sie im stände gewesen fein, sich thätlich an ihm zu vergreifen! ! Inspektor Osborne empfand Mitleid mit ihr^ nach Lage der Sache konnte er aber kaum an ihrer Schuld zweifeln Das offene Fenster hielt er für eine geschickte Spwgelfechterei, um den Verdacht abzulenken Das Messer hatte sie in der Eile nicht beseitigen können, ^hr Emwand, daß sie, eine Frau, die Physische Kraft zur Ausführung eines solchen Verbrechens nicht besitze, sei nicht stichhaltig. I Miß Mertens fei eine kräftige Person, und nicht zum I ersten Mal hätten Frauen auf ähnliche Weise gemordet. | Die Untersuchung war bald geschlossen, und die Unglückliche I erwartete ihr Urteil von den in kurzem zusammentretenden „Nun also —" „Aber sie will heiraten —" _ Der Inspektor warf einen prüfenden Blick auf die Frau, die still weinend am Fenster stand. Sie mochte etwa 36 Jahre alt sein und konnte als eine r-t ^^^,Jch^kann so etwas nicht denken", murmelte Mr. Osborne. „Sie hat einen guten Blick. Führen Sie mich, wandte er sich plötzlich laut und befehlend an die Haushälterin, „in Ihr Zimmer." m M ~ Erstaunt vernahm Miß Mertens den Befehl des Beseit mehreren Stunden aus dem Körper entflohen. Das i offene Fenster deutete den Weg an, dessen sich der Mörder I bedient, die von innen erschlossene Thür zeigte, daß er I zwar durch das Fenster eingestiegen sei, zum Verlassen I des Hauses aber den natürlichen Weg gewählt habe. I Mr. Osborne sah zu dem noch offen stehenden Fenster 1 hinaus — es führte in einen engen Hof hinab. Eine Dach- | rinne zog sich direkt neben dem Fenster hin, an welcher I ein gewandter Turner mit Leichtigkeit emporzuklimmen vermochte. Das Zimmer des Toten lag im ersten Stockwerk. Der Hof stand mit ein paar anderen Höfen in Verbindung, I sodaß man sehr wohl von der Straße aus dorthin gelangen I fOtW,ganten Sie die Hausthür heute früh offen?" fragte I der Inspektor die Haushälterin. I Miß Mertens verneinte. „Verschlossen, wie immer/ I „Wenn der Mörder aber durch dieselbe, wie die offene | Achlafstubenthür zu beweisen scheint, das Haus wieder ver- I lassen hat, so wußte er einen Nachschlüssel besessen haben?" i Miß Mertens, mit noch vom Weinen geröteten Augen, zuckte die Achseln. j „Besaß er diesen aber, wozu die mühevolle Kletterei?" Inspektor Osborne sah sich int Zimmer um. „Nichts in Unordnung, nichts entwendet — ein Raubmord liegt nicht vor. Vielleicht ein Racheakt? Kennen Sie eine Person, welche dem Toten feindlich gesinnt war?" Die Haushälterin schüttelte den Kopf. ! „Wer hätte ihn hassen sollen, der so gut und nnld- thätig war?" , . , „ , Oder hatte sonst jemand an fernem Tode Interesse? Weder Miß Mertens noch der Buchhalter gaben eine Antwort. „Wer ist der Erbe des Ermordeten?" „Sein Neffe, Mr. Joe Silvan." „Wo ist er?" 7,In Philadelphia in einem Bankgeschäft." „Wie stand er sich mit seinem Onkel?" , Beide liebten einander sehr", erwiderte Miß Mertens schluchzend. „Joe ist ein braver junger Mann, der semen alten Onkel über alles achtete und verehrte." „Hat man ihn benachrichtigt?" Ter ^Buchhalter näherte sich jetzt dem Inspektor und flüsterte in vertraulichem Tone: „Der Tote hat noch einen Erben, Herr Inspektor — oder richtiger eine Erbin." Wen?" Buchhalter Miller deutete auf die Haushälterin. sie eifrig. * , Eiuiae Anwesende widersprachen. Auch die bereits im Gebrauch befindlichen Apparate '^"Weshalb?" fragte fie erbleichend. „Hegen Sie etwa I leisteten bezügliches. Verdacht gegen mich?" „ I £ J J bestätigen", schloß sich der Gastgeber dem „Nein, aber ich muß meme Pflicht thun Urieif ber Okani ber Dame an. „Mein unglücklicher Onkel Die Haushälterin gehorchte. Sie bewohnte zwei freun^- I Urteil b g raphen, der erstaunlich gute und licke Räume int oberen Stockwerk. Der Inspektor ließ sich | Reproduktionen lieferte. Wenn Sie erlauben, hole ich ihn her, um Sie zu überzeugen." „ Jawohl, lassen Sie uns ihn sehen. . Der Phonograph, ein großer und eleganter Apparab mein er 1 von vorzüglicher Konstruktion, ward herbeigebracht und scharfes auf den? Tische aufgestellt, wobei der Neffe mit bewegter, aus oer Luete eines uee *vuuuvun»«i>v.. — I —.! _ „-«Vxvt». j Messer zum Vorschein brachte, dessen Klinge mit geronnenem 1 Stimme erklärte. I Inzwischen hatte Joe Silvan die Erbschaft seines reichen Onkels angetreten. Der junge Mann übernahm das I Geschäft, dessen Betrieb er hauptsächlich dem Buchhalter überließ. Er selbst führte das Leben emes Verschwende^ I gab Feste über Feste, machte Reifen, schwelgte tu den Ge- I war am Abend^vor der Gerichtsverhandlung,wehche über das Schicksal der Mörderin entscheiden sollte. Völlig 1 gebrochen harrte die so schwer Beschuldigte m ihrem Ge- I fänqnis. Das Haus ihres unglücklichen Herrn aber strahlte I in festlicher Beleuchtung. Joe Silvan hatte em glanzendes I Gastmahl veranstaltet; Damen und Herren semer Bekanntschaft waren zahlreich! um ihn versammelt I Man sprach von allem möglichen, auch von oer I morgigen Verhandlung. Das Publikum sei entrüstet über I den Starrsinn der Verbrecherin. Man wurde sie steinigen, I wenn fie nicht geschützt würde. So einen edlen, guten I Mann auf so schändliche Weise um den Rest fernes Leben, I zu betrügen, es sei himmelschreiend! 1 6 Joe Silvan hörte erschüttert zu — er sprach nicht, hprttt sHü.fitunQ unb Sdyntei^ tncicfyten if)tt ftuntni. Mr. Osborne war ebenfalls geladen, er beantwortete alle Fragen nach dem Verhalten der Angeklagten kurz und ausweichend, denn sein Amt legte ihm Zuruckhaltung auf.. Aus Rücksicht auf den Gastgeber gab man bald dem Sie mochte etwa öd i Gespräch eine andere Wendung. Eine ber Damen hatte ’S I »ÄÄÄ über die Demonstration Ausdruck. Nun erst vermag der Apparat die Erwartungen, die man'aus ihn setzen durfte, voll zu rechtfertigen", resümierte — 264 „Dieser Apparat ist ein teures Andenken, meine Damen und Herren, Nicht nur hielt ihn mein Onkel wert, sondern der Phonograph befand sich auch in seinem Schlafzimmer, als die ruchlose That erfolgte. „Versteht einer der Herren mit dem Apparat umzugehen?" fügte er nach einer Weile hinzu. Zwei oder drei der Anwesenden meldeten sich, einer von ihnen, Mr. Enders, trat vor den Phonographen hin und begann an der Kurbel zu drehen. „Es befindet sich noch eine Platte darin", sagte er, „passen Sie auf, meine Herrschaften." In der That — während er drehte, ertönte eine den meisten Gästen bekannte Stimme, diejenige des Ermordeten. Erschreckt fuhren alle zurück — das klang wie direkt aus dem Grabe kommend, so heiser und unnatürlich drangen die Laute hervor. Man lauschte mit atemlosem Schweigen. „Noch einige Augenblicke", erscholl es aus der un* heimlichen Maschine, „so habe ick) aufgehört zu atmen. Ich bin int Schlaf überfallen worden —" Joe Silvan ergriff totenblaß den die Kurbel handhabenden Freund heftig am Arm. „Halten Sie ein — ich ertrage nicht, das zu hören — fort mit dem schrecklichen Jnstrnment — ich" Er versuchte sich des Apparats zu bemächtigen, aber Inspektor Osborne ergriff denselben mit beiden Händen. „Halt — ich lege Beschlag darauf im Namen des Gesetzes! Wir wollen alles hören, was der Tote zu sagen hat." Und rasch entschlossen packte er den Knopf der Kurbel, diese langsam in Bewegung setzend. Während der Neffe zitternd in s einem Stuhl zurückgelehnt saß und die Versammlung wortlos lauschte, sprach der Phonograph in der früheren Weise die Worte: man hat mich wundenbedeckt und blutend für tot liegen lassen. Noch einmal erhebe ich mich, unsäglich leidend . . . ich habe nicht mehr die Kraft, zu rufen und zu gehen ... so. vertraue ich dieser Maschine den Namen des Mörders an ... es ist .. . mein . . . Neffe Joe Silvan —" Hier endete die Mitteilung, welche von allen Anwesenden mit Entsetzen in den Mienen vernommen wurde. Plötzlich sprang ein Mann wie rasend auf und wollte aus dem Zimmer stürzen — es war Joe Silvan. Zu spät! Vom Schrecken gefesselt, hatte er zu lange gezögert. Schon stand Mr. Osborne an der Thür mit auf ihn gerichtetem Revolver: „Halt — Sie sind verhaftet!" Wie ein Wahnsinniger wehrte sich der Unselige, doch mit Hilfe einiger der Herren sah er sich bald überwunden und gefesselt. Noch am selben Abend legte er ein Geständnis ab. In leichtsinnige Gesellschaft geraten, hatte er sich in Schulden gestürzt. Um sich Geld zu verschaffen, fälschte er Wechsel. Der Termin der Einlösung nahte, seinem streng rechtschaffenen Onkel durfte er sich nicht an- vertrauen; so reifte in ihm der Plan der entsetzlichen That. Nachdem er sorgfältig für ein Alibi gesorgt, reifte er heimlich nach New-Port. In der Nacht drang er, mit der Oertlich keit genau vertrant, auf die bezeichnete Weise in das Hans und Zimmer des Onkels ein, dessen langjährige Gewohnheit, bei offenem Fenster zu schlafen, er kannte. Im Schlafe überfiel und erstach er den alten Mann, dann floh er eilig die Stätte des Verbrechens. Diesmal verschmähte er den gefährlichen Weg durch das Fenster, er stieg eine Treppe höher nach dem Zimmer, das er während feiner Besuche bewohnte und wozu er den Schlüssel bei sich führte. Darin hing der Hausschlüssel, den er gewöhnlich benutzte. Nachdem er diesen an sich- genommen, wollte er eben leise wieder hinabschleichen, als ihn beim Anblick der zu den Wohnräumen der Haushälterin führenden Thür der teuflische Gedanke durchzuckte, den Verdacht von vornherein auf eine falsche Spur zu lenken. Er wußte, daß sie mit einem reichen Legate bedacht war. Vorsichtig probierte er an der Thür, sie war nur eingeklinkt, da die Dame im hinteren Zimmer schlief und nur dieses von innen zu verriegeln pflegte. Noch einmal wagte er sich auf den Schauplatz seiner That, holte das bei der Leiche, die er zu seinem Entsetzen jetzt neben dem Bett liegen sand, zurückgelassene Messer und verbarg es auf dem Grunde eines Kommodenkastens der Haushälterin. Sodann verließ er leise das Haus. Er spielte ein gewagtes Spiel, aber er gewann es für den Augenblick. Niemand erkannte ihn, noch mit dem Nachtschnellzuge kehrte er nach Philadelphia zurück. Seine Wirtin konnte ihn nicht verraten, da sie auf mehrere Tage verreist war, und int Geschäft vermißte ihn niemand, da er die Nacht vom Samstag zum Sonntag gewählt hatte. Es versteht sich, daß die unschuldige Haushälterin sofort in Freiheit gesetzt wurde. Eine glückliche Ehe ließ die Arme bald die Leiden und die Schmach ihrer Haft vergessen. Joe Silvan entzog sich durch Selbstmord der gerechten Strafe. GeineinirÄtziges. Schabe st eak für Kranke. 150 Gramm mürbes Filet schabt man fein, vermischt es mit 1 Eigelb und etwas Salz und formt 2 runde Steaks davon, die man in 25 Gr. Butter rasch bräunlich und saftig brät. In dieser Zeit quirlt man 5 Gramm Fleisch-Pepton der Kompagnie Liebig, 1 Löffel Sahne, 10 Tropfen Citronensaft und 1 Eigelb sowie 1 Löffel Wasser im Wasserbade zu dicker Sauce, mit der man die aus der Bratbutter genommenen, auf heißer Schüssel angerichteten Schabesteaks übergießt. Vermischtes. Daß der jungen Neuvermählten das Kochbuch oft genug als wertvoller Helfer bei den nunmehr an sie herantretenden Obliegenheiten dienen muß, gießt bekanntlich den Witzblättern ständig Stoff zu Scherzen. Keine Dame sollte sich dadurch irre machen lassen in der Erfüllung der schönen Aufgabe, dem Gatten eine mit Lust und Liebe selbstbereitete Kost vorzusetzen. Theorie und Praxis vereint, zeitigen rasch gute Erfolge; und im übrigen leistet ja auch wie in allen modernen Kochbüchern mit Recht betont wird, Liebigs Fleisch-Extrakt seinen schätzbaren Beistand, das etwa zu flau geratene Suppen, Saucen u. s. w. rasch verbessert und überhaupt unzähligen Fleischspeisen, sowie namentlich Gemüsen, Hülsenfrüchten u. s. w. zu Kraft und Wohlgeschmack verhilft. Es bewährt sich wirklich als freundlicher Genius der jungen Ehe. Die soeben erschienene Nr. 2 des „Gartenfreund" bietet wieder soviel des Interessanten und Wissenswerten für den Garten- und Blumenliebhaber, daß wir diese so außerordentlich billige Zeitschrift nur bestens empfehlen können. Arrattramm. Nachdruck verboten. Ein Spiel bin ich aus alter Zeit, Jetzt nirgends mehr modern. Verwandelt man mein Herz zum Fuß, Dien' ich als Futter gern. m. Auflösung in nächster Nummer. ----- 4- Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a = Eichel, Treff; b = Grün, Pique; c — Rot, Coeur; d ----- Schellen, Carreau; A = 916; U = Unter, Wenzel, Bube; D ----- Dame, Ober.) Vorhand erhielt o II, dH, c A, cZ, cK, cD, cd, c8, dK, d8, im Skat lagen: aZ und c7; Rest für Hinterhand. Verlauf des Spieles: 1. S. oA M. bv H. a7 ----- 13. 2. M. all H. a8 V. dH — 4. Da Vorhand jetzt jede der beiden Farben des Spielers stechen und alsdann seine lange v-Farbe nachziehen kann, so erhält der Spieler keinen Stich mehr, ist also im Schneider geblieben. Würde Mittelhand das c A nicht gestochen haben, so hätte ihm dies bei der gegenwärtigen Kartenverteilung nichts genützt; daß er hingegen sein Grand mit Schwarz gewonnen hätte, sobald Vorhand statt des zweiten Wenzels eine beliebige andere Karte von Hinterhand erhielt, zeigt jeder Versuch. Redaktion: 6. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerßtäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.