1900. W iwW äi [ten Freund für neuen wandeln Heißt für Früchte Blumen handeln. Fr. v. Logan. (Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold Ort mann. (Fortsetzung.) Der Kellner brachte ihnen eine Flasche Wein und schloß die Thür. Aber sie hatten noch nicht einmal ihre Gläser gefüllt, als sich diese Thür schon wieder öffnete, um die hagere Gestalt des Herrn Franz Eschenbach, aus der Schwelle erscheinen zu lassen. Es war höchst sonderbar, Ivie vollständig mit einemmale alle Schüchternheit und Unsicherheit aus der Haltung und dem Benehmen des angeblichen Privatgelehrten verschwunden war. Mit weltmännischer Höflichkeit begrüßte er zunächst den Dunkel- bärtigen, der sich bei seinem Eintritt artig erhoben hatte, mit einem Händedruck, und erwiderte dann die Verbeugung des anderen aus die gleiche Weise. „Nun?" wandte er sich mit einem Ausdruck gespannter Erwartung in französischer Sprache an diesen letzteren. „Sie haben ihn also jetzt gesehen?" „Ja! Ich konnte ihn gut beobachten; denn er war nur um ein Geringes van mir entfernt und kehrte mir sein Gesicht zu, während er einen Brief las. Aber — ich bitte um Verzeihung, mein Herr, wenn es Sie kränken sollte! — ich fürchte, wir haben unsere Reise umsonst gemacht." . „Sie können also den angeblichen Baron Hainau in diesem Sandory nicht wieder erkennen?" „Ich möchte noch nicht mit Bestimmtheit sagen, daß er es nicht ist, gewiß aber noch viel weniger, daß er es ist. Es ist wohl ungefähr seine Gestalt, wenn ich auch meine, daß der Baron etwas weniger stark und breitschulterig gewesen sei. Auch in dem Gesicht wollte mich manches an den Mörder des Fürsten erinnern. _ Aber dann schien mir dieser Mann doch wieder völlig fremd. Der Baron hatte sicherlich eine niedrigere Stirn; er trug einen ganz anderen Bart, und sein Haar war bloiw. Alles in allem bin ich geneigt zu glauben, daß es nichr derjenige ist, den wir suchen." Der angebliche Eschenbach trank langsam, in kleinen Zügen, ein halbes Glas Wein. Er sah wohl nachdenklich, aber keineswegs gekränkt aus, wie jener andere es gefürchtet zu haben schien. „Da Sie selbst zugeben, Ihrer Sache noch nicht ganz sicher zu sein, müssen wir Ihnen also zunächst Gelegenheit verschaffen, Ihre Beobachtung eine längere Zeit hindurch fortzusetzen, ohne daß dieser Sandory oder Hainau etwas davon ahnt. — Haben Sie übrigens vorhin auch seine Stimme gehört?" „Nein! Die Thür der Pförtnerloge mußte ja geschlossen bleiben, damit er meiner nicht ansichtig würde." „Aber Sie würden doch wohl ein sicheres Urteil über seine Identität gewinnen müssen, wenn Sie die Möglichkeit hätten, ihn sprechen zu hören. Sie waren doch als der Hofmeister des Fürsten vermutlich zuweilen bei den Unterhaltungen der beiden zugegen?" „Gewiß, mein Herr, ich hörte sie, so lange der Baron Hainau auf dem Schlosse war, beinahe täglich miteinander plaudern." „Dann müßte es sonderbar zugehen, wenn Ihr Gedächtnis Sie a^d): dann noch im Stich ließe, nachdem Sie Zeuge eines von diesem Sandory geführten längeren Gespräches geworden sind. Wenn meine Erwartungen sich erfüllen, soll das noch an dem heutigen Abend geschehen, und ich hoffe zuversichtlich, der nächste Morgen findet den sauberen Vogel endlich im sicheren Käfig." Nun mischte sich auch der Schwarzbärtige, der sehr- aufmerksam zugehört hatte, in die Unterhaltung. „Sie halten also noch immer an der Annahme fest, daß er der Mörder des Fürsten Suworin ist?" „Ich würde ihn schon vor einer Reihe von Tagen auf meine eigene Verantwortung hin unter diesem Verdacht verhaftet haben, wenn ich nicht durch bestimmte Weisungen meines Ehefs, der unter allen Umständen einen etwaigen Mißgriff vermieden sehen möchte, daran verhindert worden wäre. Kaum jemals in meiner langjährigen Thätigkeit als Polizeibeamter bin ich meiner Sache so gewiß gewesen, wie in diesem Fall, und Sie werden begreifen, wie lebhaft es mich unter solchen Umständen verdroß, daß der Verbrecher so lange ganz ungehindert große Summen von dem gestohlenen Gelde gewissermaßen zum Fenster hinauswerfen konnte." „Ich würde die deutsche Polizei für die beste des Kontinents erklären, wenn Ihre Vermutung sich als zutreffend erwiese. Wie in aller Welt ist man denn eigentlich bei Ihnen auf eine Spur gekommen, die wir längst für gänzlich verloren hielten?" „Das Verdienst daran gebührt nicht mir, sondern einzig einem ziemlich untergeordneten Polizeibeamten in einer rheinischen Stadt. Als wir von Sankt Petersburg aus über das an dem Fürsten Suworin begangene Verbrechen nnd über die Person des mutmaßlichen Thäters unterrichtet wurden, gelangte eine entsprechende Mitteilung selbstverständlich an alle deutschen Behörden, und es 706 -- tourbe ihnen bei der Wichtigkeit des Falles zur Pflicht gemacht, mit 'größtem Eifer auf jeden Verdächtigen zu fahnden, der etwa mit dem angeblichen Baron Hainau identisch sein könnte. Wie immer bei solchen Anlässen, wurden daraufhin ziemlich viele Irrtümer begangen. Es kam zu Verhaftungen von Personen, die sich bei ihren ersten Vernehmungen nicht genügend hatten ausweisen können, und die dann nach kurzer Zeit als gauz unverdächtig wieder in Freiheit gesetzt werden mußten. Außerdem liefen an der Zentralstelle zahlreiche Berichte und Meldungen ein, die teilweise von vornherein als ganz haltlose Vermutungen erkannt, teilweise aber auch zum Gegenstand fruchtloser Nachforschungen geinacht wurden. Verhältnismäßig spät erst wurde mir die Bearbeitung des Falles übertragen. Ich unterzog das angesammelte Material einer nochmaligen Durchsicht und stieß da auf einen Bericht, den mein Chef als wertlos beiseite gelegt hatte, während er mir aus bestimmten Gründen der Beachtung in hohem Grade würdig schien. Der vorhin erwähnte Polizeibeamte einer rheinischen Stadt meldete darin, daß sich vor einigen Tagen in einem dortigen Hotel ein gewisser Rudolf Saudory aus Odessa einlogiert habe, der nach der Personalbeschreibung recht wohl der flüchtige Mörder des Fürsten Suworin sein könne. Die Legitimationspapiere des Verdächtigen seien zlvar anscheinend in bester Ordnung; aber gewisse Eigentümlichkeiten seines Auftretens hätten den Berichterstatter mehr und mehr in seinem gleich anfänglich gehegten Argwohn bestärkt, um so mehr, als der angebliche Sandory, der in der Stadt keinerlei persönliche Beziehungen habe nnb in einem Gasthofe zweiten Ranges abgestiegen sei, unzweifelhaft über sehr beträchtliche Gelbmittel verfüge. Es würbe zum Schluß um bie ausdrückliche Ermächtigung zu seiner vorläufigen Festnahme gebeten. Diese Ermächtigung aber war von meinem Chef nicht erteilt worden, und als mir der Bericht in die Hände fiel, waren bereits mehr als vierzehn Tage seit seiner Abfassung vergangen. Auf eine telegraphische Anfrage kam die Antwort zurück, der angebliche Sandory habe die Stadt längst unbehelligt verlassen, nnd sein gegenwärtiger Aufenthalt sei dort nicht bekannt. Nun traf es sich, daß ich eben im Begriff ivar, einen mir bewilligten Erholungs- urlanb anzutreten, und daß meine Reisepläne mich in die Nähe jenes Ortes führten. Ich beschloß also, auf eigene Faust einen kleinen Abstecher zu machen, um, wenn möglich, die verloren gegangene Spur des verdächtigen Fremden wieder zu finden. Meine Nachforschungen waren anfangs ziemlich oberflächlich, sie fingen erst an, mich wirklich zu interessieren, als sich ihnen ganz ungeahnte Schwierigkeiten entgegenstellten. Sehr bald nämlich wurde ich, inne, daß der von mir Gesuchte mit voller Absichtlichkeit und mit großem Geschick darauf bedacht sein müsse, seine Fährte hinter sich zu verwischen. Nur ein Mensch, dem es darum zu thun war, etwaige Verfolger irre zu führen, konnte ein Interesse daran haben, so zu verfahren, und ein solcher Mensch durfte der polizeilichen Beobachtung nicht ganz entschlüpfen, gleichviel ob er an der Ermordung des Suworin beteiligt war oder nicht. So opferte ich denn von meinem Erholungsurlaub eine Woche nach der anderen, um das schlaue Wild endlich zu stellen. Seine anscheinend zwecklosen Kreuz- und Querfahrten, auf denen ich ihm nur mit großer Mühe zu folgen vermochte, bestärkten mich dabei immer mehr in meiner ersten Vermutung. Oft genug ivar ich nahe daran, die Jagd aufzugeben, weil scheinbar untrügliche Anzeichen dafür sprachen, daß Sandory irgendwo die deutsche Grenze überschritten und sich wieder ins Ausland begeben hatte. Seine Spur war dann ausgelöscht, als ob die Erde ihn verschlungen hätte, und nur das wunderliche Jagdfieber, das nach und nach über mich gekommen war, gab mir Zähigkeit und Ausdauer genug, meine Nachforschungen fortzusetzen." „Und wie fanden Sie endlich die Spur wieder?" fragte der Schwarzbärtige. „Der Zufall, der immer unser mächtigster Bundesgenosse bleibt, kam mir zuguterletzt zu Hilfe. Mein Sandory, den ich nach, gewissen Anzeichen mitten auf dem Weltmeer glauben mußte, schien endgiltig meinen Nach- fvrschungen entrückt. Mein Urlaub war abgelaufen. Ich, kehrte nach Berlin zurück. Mein Chef schüttelte verwundert den Kopf, als ich ihm von meinen Irrfahrten erzählte. Nur mit Kroßer Mühe erlangte ich seine Einwilligung zur Entsendung eines Geheimpolizisten, der meine abgebrochenen Nachforschungen wieder aufnehmen sollte. Ich hatte den tüchtigsten der mir unterstellten Beamten für diese Aufgabe ausersehen, aber seine Berichte lauteten fortdauernd so wenig hoffnungsvoll, daß seine Znrück- berufung schon fest beschlossene Sache war, als eines Tages die Meldung von ihm eintraf, Rudolf Sandory befinde sich seit Wochen in Waldenberg, verkehre hier in der besten Gesellschaft und sei nicht im mindesten darauf bedacht, seine Person der allgemeinen Aufmerksamkeit zu entziehen. Er sei von seinem Hotelwirt ordnungsmäßig gemeldet; die Polizeibehörde habe seine Ausweispapiere der sorgfältigsten Prüfung unterzogen, und ein Verdacht gegen ihn erscheine um so weniger berechtigt, als einer der geachtetsten Bürger, der Bankier Franz Norrenberg, ihn als seinen alten Freund in die guten Familien der Stadt eingeführt habe. Mit einem ironischen Lächeln zeigte mir mein Chef diesen Bericht. „Nun werden Sie dem armen Teufel doch wohl endlich Ruhe gönnen", meinte er. „Es ist jammerschade um die Erholungsreise, die Sie seinetwegen geopfert haben." Er war nicht wenig erstaunt, als ich, statt meinen Mißgriff einzugestehen, um die Erlaubnis bat, mich selbst nach Waldenberg begeben, und unter der Maske eines Privatmannes meine Nachforschungen fortsetzen zu dürfen. Mit sichtlichem Widerstreben nur gab er seine Einwilligung, und ich müßte mjch wohl auf meine baldige Pensionierung gefaßt machen, wenn sich nun zuguterletzt Herausstellen sollte, daß ich mich» in der That auf dem Holzwege befunden habe." Das kleine überlegene Lächeln, mit dem der angebliche Eschenbach diese letzte Bemerkung begleitet hatte, bewies am besten, wie wenig er im Ernst an eine so fatale Möglichkeit dachte. (Fortsetzung folgt.) Weihnachtspakete. Plauderei von Sophie Anders. Nachdruck verboten. Hoch beladen schwankt der Postpaketwagen durch die Straßen. Gepäckstücke von jeglicher Form und Größe, mächtige Kisten und kleine Spanschachteln, in Segeltuch eingenähte Schaukelpferde und Kindermöbel, Pappkartons und geflochtene Körbe, vor allem aber Fünfkilopakete in unzählbarer Menge, türmen sich auf seinem Verdeck auf. Sie sehen, recht betrachtet, gauz nüchtern und alltäglich aus, und doch scheint ein Glanz von ihnen auszugehens der . den Menschen, deren Blick darauf fällt, das Herz warm macht. Heller Kerzenschimmer erstrahlt vor ihren Augen, in den Ohren klingen ihnen leise Glockenstimmen und fast meinen sie, daß ein feiner harziger Duft die Luft erfüllt. Kommt er von den immergrünen Zweiglein, die dort unter Papier- und Leinwandhüllen über allerhand schönen und nützlichen Dingen, Pfefferkuchen, Marzipan, Knackmandeln und Traubenrosinen liegen? Denn das Zweiglein darf in keinem Paket fehlen, dafür ist es eben kein gewöhnliches, sondern ein Weihnachtspaket. Mancher umwickelt es noch mit Lametta ober er legt künstlichen Schnee barauf und bestreut alles mit Glimmer. Vielleicht findet auch ein Engel oder ein Knecht Ruprecht mit einem Tannenbäumchen im Arm zwischen den Nadeln seinen Platz. Wenn bann der Empfänger die Sendung aufmacht und Weihnachtsduft ihm entgegenweht, so fühlt er sich wieder zum Kinde werden, dem die Mutter i)en Gabentisch geschmückt. ,/Es hat mir die ganze Feststimmung verdorben, als ich zum ersten Mal von daheim eine Weihnachtskiste erhielt, die von einem Geschäft aus abgeschickt worden war" — klagte ein junger Manu, der sonst wahrlich nicht au einem llebevschwang von Gefühl litt. „Ich hatte vor langen Jahren schon mein elterliches Haus verlassen und im Auslande gelebt; aber verlor ich zeitweise auch das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der Heimat, so kehrte 707 mir lmmer wieder zurück, wenn ich am Christabend Paket öffnete und die Geschenke fand, die meiner Jjcutier .oaitoe )o zierlich geordnet und mit bunten Bändern umwunden hatten. Was sie mir diesmal schickte war unendlich viel kostbarer als sonst, viel zu kostbar für 1 ty1'6 sparlrcheu Verhältnisse, aber ich konnte mich doch urcht darüber freuen, — mir war, als wäre meine Mutter gestorben. ..,^^arum die gute Frau es gerade dies eine Mal Fremden überlassen hatte, dem fernen Sohn ihre Gaben zu schicken, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht mangelte es ihr au Zeit, nm es selbst zu thun, vielleicht glaubte sie auch, dast erbeuten Wert auf solche kleinen Zeichen der Liebe lÄ dielen Fällen trifft das letztere ja auch zu, aber oft tauscht man sich doch in dieser Annahme. Die Menschen fühlen eben am Weihnachtsabend nicht so, wie zu anderen rQ v LL V- J l • . gteüt viele Leute, die im Packen nicht sonderlich geschickt sind und deren Sendungen daher meist in einer traurigen Verfassung ankommen, für sie empfiehlt es sich allerdings nicht, diese persönlich einzuhüllen und zu ver- ichuureu, doch sollteu sie immerhin Steige tragen, ihnen etwas von der Poesie mitzuteilen, die das schönste aller Feste atmet. Die kleinste Gabe macht einen anderen Eindruck, wenii sie in anmutiger Form geboten wird. Geld braucht man dafür so gut wie keins aufzuiveudeu, nur klein wenig Zeit. Wie viele alte Fruchtversaudt- korbe stehen nicht z. B. in den meisten Hausern unbenutzt in der Rumpelka,nmer, die sich nut leichter Mühe in reizende Behälter für allerhand Eßbares umwandeln lassen' Pest eh en sie aus Spangeflecht, so brennt man mit dem Gluhstift eut einfaches Streublumen- oder Bortemuster darauf, das man hinterher mit Oelsarben leicht ausmalt. Korbe aus Weidenruten werden dagegen mit Gold- oder Silberbronze oder mit grüner Beize angestrichen, die Bügel umwindet mau außerdem mit rotem, beiderseitig in eine flotte Schleife geknüpftem Wollbaud. Sind die Körbe noch wohlerhalteu, so ist es am ratsainsten, sie mit einem hübschen Stoffrest zu füttern, da ihre Empfänger sie dann für irgend welche Zwecke, z. B. als Papier- oder Flickkorbe, benutzen können. Andernfalls genügt es, sie mit einem fransenartig ausgeschnittenen Seiden- oder Krepppapier auszulegen. Zum Füllen der Zwischenräume zwischen den einzelnen Gegenständen nimmt man frischgrünes Moos oder Seidenpapierschnitzel in einer zu der übrigen Ausstattung stimmenden Farbe. Ein vergoldeter Weidenkorb mit rotbäckigen Aepfeln in olivgrüne Papierschnitzel gebettet, sieht entzückend aus. Auch! Tvrteu- schachteln eignen sich vorzüglich zur Verzierung mit farbig ausgepinselter Brandmalerei. Junen klebt man sie mit zartgetöntem Moireepapier ans, in der Mitte des Deckels kommt noch ein Raphael'scher Engel auf einem aus Goldpapier ausgeschnittenen Stern. Natürlich müssen die Körbe wie Schachteln zum Versenden mit Packpapier umhüllt werden. Kartons und gewöhnliche hölzerne Kisten sind schwer zu verzieren; doch kann mau sie wenigstens mit farbigem Seidenpapier auslegen und ihren Inhalt dicht mit Tannenzweigeu bedecken. Ebenso sollte man die einzelnen Gegenstände, die nicht lose in das Moos oder die Papierschnitzel gelegt werden können, in irgend einer Weise nett verkleiden. Für manche Dinge erweisen sich hübsche Pappschächtelchjen mit rosa oder blauer Watte gefüllt und mit entsprechenden Bändern umschlungen, am besten, andere kann man in einen Beutel aus bunt bedrucktem Krepp- oder Japanpapier stecken, Man schneidet ein genügend großes viereckiges Stück davon, franst es ringsum aus und legt das betreffende Geschenk hinein, dann faßt man die Ränder zusammen und umschnürt das Papier unterhalb der Fransen mit Goldschnur recht fest. Diese stellt man her, indem man dünnen Bind faden bronziert und an den beiden Enden derart aus- drieselt, daß eine Troddel entsteht. In ähnlicher Weise lassen sich auch Apfelsinen und besonders kostbare Aepfel einhüllen. Sehr niedlich machen sich! Töpfchen mit Liebigs Fleisch-Extrakt, der zweifellos ein überall willkommenes Weihnachtsgeschenk bilden wird, mit Emaillefarben bemalt. Sehr wirkungsvoll ist hierfür das Zwiebelmuster in blau, wie in bunt. Die Töpfchen geben später allerliebste Blumenvasen ab. Als Beweis dafür, daß auch der prosaischste Gegenstand sich so effektvoll ausstatten läßt, daß er überall, wo er aulaugt, durch sein bloßes Aussehen Freude zu bereiten vermag, möge eine als Baby maskierte Gans genannt werden. Man fertigt ein Steckkissen aus weißem Seiden- papier, das man mit Watte füllt und mit Volants und rosa oder himmelblauen Papierschleifen flott garniert. Darin wird die Gans gebettet. Ihren Kopf muß ein Rüschenhäubchen aus Seidenpapier schmücken, in den Schnabel aber steckt man ihr einen Saugpfropfen aus Marzipan, der über eine mit Likör gefüllte Milchflasche gestreift ist. In ähnlicher Weise kann man auch einen Hasen ankleiden. Zuguterletzt möge noch der Rat folgen, die Weihnachtspakete lieber ein paar Tage zu früh, als zu spät abzu- schicken. Die Post hat selbstverständlich vor dem Fest gar- viel zu thun, als daß nicht zuweilen Unregelmäßigkeiten Vorkommen sollten. Welch unangenehmen Eindruck aber macht es, wenn dem Empfänger der Sendung bei deren Eröffnung ein Zettel mit den Worten „Frohe Feiertage" in die Augen fällt und dieser Wunsch zu spät kommt! Weihnachtsarbeiten. Römischer Shawl. Ein passendes Geschenk für- ältere Damen ist ein gestrickter römischer Shawl aus Straußen wolle. Man legt mit starken Holznadeln 80 Maschen oder auch mehr auf, je nachdem man den Shawl breit wünscht, und strickt dann einfach rechts hin und her. Sehr schön wirkt folgende Farbenzusammenstellung. 15 Reihen dunkelrot, 8 Reihen oliv, 4 Reihen schwarz, 8 Reihen etwas Heller oliv, 10 Reihen rot, 20 Reihen dunkelbraun, 6 Reihen Modefarben, 4 Reihen oliv, 6 Reihen Modefarben und 20 Reihen blau. Nun fängt man wieder mit dunkelrot au und wiederholt das Muster so lange, bis der Shawl die gewünschte Länge erreicht hat. Alsdann werden rings um den Shawl Franzen von dunkelblauer Wolle eingeknüpft. Konfekt-Beutel für den Christbaum. Aus grobem Papierkanevas schneide rechteckige oder länglich viereckige Stückchen von beliebiger Größe, sowie etwa daumenbreite Streifen. Diese biege zusammen und übernähe den Schluß mit Kreuzstichen. Mit Gobelinwolle sticke ein kleines Muster darauf und nähe den so vorbereiteten Streifen an die Stramiubörtchen fest. Aus gleichfarbiger Seide oder Stickbaumwolle häkle Beutelchen. Steche dazu Bogen von 5—6 Luftmaschen in jede zweite Lücke. Diese Bogen wiederhole in versetzter Reihenfolge, bis der Beutel die gewünschte Größe hat. Am oberen Rande bringe einen Gegenzug an und fülle die Beutel mit Mandeln, Zuckerwerk und dergleichen. Man nehme bei der Wahl der Farben Rücksicht auf die Kerzenbeleuchtung. Gold, Silber und Rot sehen gut aus und machen den Kindern viel Freude. ___________ Weihnachtsbäckerei. Eitronenküchel. Wohlschmeckende Citronenküchel bereitet mau folgendermaßen: zu 150 Gramm frischer schaumig geriebener Butter rührt man allmählich 500 Gramm feines Mehl, 325 Gramm' gestoßenen Zucker, die feingehackteu Schalen von 2 Citronen, 3 schaumig geschlagene Eier und den Saft der Citronen, rührt alles gut durcheinander und setzt kleine Häufchen von dem Teig in ziemlicher Entfernung voneinander auf ein gebuttertes Blech und bäckt die Küchel 15 bis 20 Minuten in einem mäßig heißen Ofen. __________ Litterarisches. Der sogenannte „Liebig Kalender", der zur Freude so vieler Damen gegen Ende eines jedes Jahres von der Liebig's Flcisch- Extraktkompagnie kostenlos an ihre Kundschaft verteilt wird, ist auch diesmal glänzend ausgcstatNt. Die Außenseite läßt an vorteilhafter Erscheinung nichts zu wünschen übrig. Der bunten Schale entspricht aber auch die Güte des Kerns. Ein Aufsatz von Clara Braune: „Koche schnell!" bietet wertvolle Winke selbst für erfahrene Kochverständige. Ebenso werden die wohlerprobten Kochrezepte stets gern durchstndiert und gelegentlich angewandt. Das Koch-Kalendarium gewährt Rat bezüglich dessen, was in den einzelnen Monaten zu haben ist. Neben dem allerliebsten Bilderschmuck, der das eigentliche Kalendarium ziert, ist ein größeres Bildnis Liebig's vorhanden; Notizblätter re. vervollständigen den Inhalt. So wird auch Anno 1901 der Haushaltungs-Kalender der Kompagnie-Liebig ein willkommenes Angebinde sein. 708 Figur 3. Figur 2. allgemein beliebten Volants übev Redaktion: S, Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«. Telegraphenrätsel. Nachdruck verboten. Modekleidern, in der Hauptsache darin, um die Hüften recht eng anliegend und am unteren Rande möglichst breit ausladend zu sein. Dies giebt Gelegenheit zu den reizvollsten und verschiedenartigsten Arrangements. Am Verbreitesten dürfte wohl der allgemein bekannte Fältchenrock sein, da die leichten Stoffe sich auf diese Weise der Figur in der Hüftengegend vorzüglich ausschmiegen. Damit sie unten möglichst schön ausfallen, werden ihnen bauschende Falbeln an- oder untergcsetzt. Bei einfachen Rockformen mit Seidenstoffen erreicht man dasselbe Ziel durch ausgesetzte, größtenteils plissierte Volants von Chiffon oder dergleichen, wie bei Figur 3, wenn man es nicht vorzieht dem Rock durch eingesetzte Plisstzekeile oder geschweifte Nähte die erforderliche Weite zu geben. die jetzige Zeit zeigt eine fast sportmäßige Neigung dafür, die gewähltesten und kostbaren Gewänder mit ausgesuchter Einfachheit auszustatten. Die beste Gelegenheit dieser modernen Liebhaberei nachzuhängen, bieten die modernen Stoffe, d. h. nicht alle unter ihnen, denn das würde gegen den Grundsatz der Mode, jedem etwas zu bringen, sein, aber doch die tonangebenden Qualitäten, welche dann wiederum durch billigere Fabrikate ersetzt werden. Was kann es z. B. in seiner Wirkung Schlichteres und dabei geschmackvolleres geben, als ein Ballkleid aus weißem Chiffon mit Besatz von schwarzem Chantilly auf weißen Taffet gearbeitet. Bedenkt man dann aber den Preis und zugleich die Vergänglichkeit eines derartigen Gewandes, so kann man wohl von übertriebenem Aufwand reden, zumal eine Fülle nicht nur von Stoff, sondern vor allem auch von Arbeit dazu gehört, um ein allen Anforderungen der Vornehmheit genügendes Ballkleid herzustellen. Doch davon später! Betrachten wir reien eine große Rolle spielen. Für alle diese Modeformen ist die Schnittform ziemlich gleichgültig und tritt hier mehr die Kunst der Anordnung in ihre Rechte; ausgenommen davon ist die glatt anliegende Taille aus schwerem Stoff, bei welcher die Nähte immer sichtbar sind. Für die anderen Taillen hingegen ist die regelrechte Form des Taillenfutters von größerem Wert. Man hält sich hierbei am besten an die sogenannte englische Schnittform, mit durchtciltem Vorteil, welche einen vorzüglichen Anschluß des Halsausschnittes und Armloches erzielt, und man thut deshalb immer gut daran, sich dafür eines guten Schnittes zu bedienen. Die Form des Rockes hatten wir schon Anfangs angedcutet: sie besteht immer noch, wie an allen Modenbericht über Ball- und Gesellschaftskleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden. RcichhaltigesModenalbumundSchnittmusterbuchübOPfg.daselbsterhältlich. als von he ie aus duftigem Stofs hergestellre Fichuform, wie sie Figur 2 zeigt, ist für junge Mädchen das beste, da sie die jetzt modernen ärmelosen Taillen über der Achsel Vorteilhast ergänzt, so wie es früher die Falbeln thaten. Wer sich freilich nicht zu scheuen braucht, seine vollen Schultern zu zeigen, der kann sich mit einer schmucken Schleife, wie an Figur 3, oder mit einer Spange aus Blumen oder Sammet genügen lassen. Die übrige Form der Taille richtet sich ganz nach dem hierfür verwendeten Stoff. So wird man z. B. eine schön gemusterte Seide als glatte Taille zur Geltung bringen, wie bei Figur 3, während sich die Schönheit eines leichten, dusligen Stoffes in Form einer eingereihten Bluse am besten zeigt. Auch die allerwärts beliebten Boleros haben im Ballsaal Eingang gefunden, wo sie in Form von Spitzejäckchcu aus irländischer Spitze, Besatz von Chantilly mit Sammtband-Durchzug, kostbaren Applikationen und Sticke- Als paffende Festgeschenke sür fleißige Hände sind die verschiedenen Lehr- und Hilfsbüchcr der Intern. Schnittmanufaktur, Dresden, zu empfehlen. Dieselben sind sür Erlernung und Ausübung der Hausschneiderei vorzüglich, und wohl geeignet, allenthalben einen wirklichen und dauernden Nutzen zu stiften. Mit diesen. Hilfsmittel wird jede Frau, jedes junge Mädchen durchaus befähigt, bei der Selbstverfertigung von Garderobestücken, Wäsche etc. gute Erfolge zu erzielen, die das Schneidern erst zur Freude machen. Aus der reichen Bücherauswahl der genannten Firma verzeichnen wir nachstehend einige: 1. Die perfekte Schneiderin. In 15 Lieferungen, vollständig. Mk. 7.50. 2. Lchrsystem Facil. Mk. 3.—. 3. Die Knabcnbcklcidung. Mk. 1.25. 4. Moderner Leitfaden für Dammenschneiderei. 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Crepe de chine usw. auch Wollcrepes, vor allein aber feines Tuch in zarten Farben die dafür geeignetsten Stoffe sind. Die Form der Ballkleider beginnt eigentlich, so merkwürdig es auch klingen mag, am Halsausschnitt. Denn wie beim Straßenkleid die Form des Stehkragens am ausschlaggebendsten sür das zu Gesicht-Stehen ist, so am Ballkleid die Form des Ausschnittes. Man kann deshalb nicht so eigentlich von einer herrschenden Modevorschrift in dieser Beziehung sprechen; denn jeder muß selbst am besten wissen, was ihm steht. Dafür aber wird jetzt die Umrandung des Ausschnittes wieder mehr beachtet; denn man ist derzbisher „Glanz und Prunk," wohl nirgends ist ihnen die Stätte besser bereitet, als im diesjährigen Ballsaal. Daneben ist Einfachheit und Geschmack wohl noch selten mehr zur Geltung gelangt, als an gleicher Stelle. Was in dieser Gegenüberstellung als Widerspruch erscheint, ist kein solcher; denn einfach-vornehmer Geschmack bedingt Glanz, und umgekehrt ist Einfachheit nicht immer das Gegenteil von Prunk, denn zunächst die modernen Ballstoffe etwas näher. Ihre erste Bedingung ist hauch- ige, duftige Zartheit; gewiß eine schöne Eigenschaft an Ballstoffen, aber nicht so wie wir sie von früher her kennen, in Form einer bauschigen, die Trägerin umgebenden Wolke, sondern die Stoffe müssen „Fall" haben und die Trägerin in klassischmodernem Faltenwurf umgeben und sich erst am unteren Rande bauschend ausbreiten. Die geeignetsten Stoffe hierfür sind natürlich die echten Seidenmousseline, Crßpes und Chiffons. Da jedoch diese Stoffe allzu vergänglich sind, ist es für vernünftig denkende Menschen zwecklos, den hier- Figur 1. tzriissig geworden und ersetzt dieselben in reizvoller Weise durch Fichus ä la Marie Antoinette, Querfalten von duftigen Material und sür reifere Figuren durch breite Kragen von kostbarer irländischer Spitze. Diese schwere Spitze mit ausdrucksvollem Muster wird aber nicht etwa in Falten, sondern fast glatt dem Taillenrande angesetzt, wie unsere Figur Ro. 1 zeigt. Diese Art der Ausstattung wirkt immer sehr reich und ist daher mehr für verheiratete Frauen geeignet, zumal sie sich von dunklen Stoffen, die von jenen bevorzugt werden, wirkungsvoller abhebt