1900. Dienstag den 11. September« MH jfe'! W II sWl W/Tri M »I--I|»W ■■i ii nhoa ■ÄMs "vT’lÄ u,'-.. OMMW nrnnen die Menschen am liebsten dumm? Das Gescheite, das ste nicht verstehen, M. v. Ebner-Eschenbach. (Nachdruck verboten.) Geächtet. Roman von Lothar Brenkendorf. (Fortsetzung.) Die Dunkelheit war bereits hereingebrochen. Charlotte, die wohl schon hundertmal auf jedes verheißungsvolle Geräusch hin ans Fenster gelaufen war, hatte endlich auch für diesen Abend die Hoffnung aufgegeben, Herrn von Kapnist au der Spitze seiner sieggekrönten Schar in den Gutshos einreiten zu sehen, als Elisabeth aus ihrem Schlafzimmer trat, um in Gesellschaft der beiden anderen Damen ihren Thee zu trinken. Ihr bleiches, erschöpftes Aussehen bewies zur Genüge, daß sie von dem Fieberanfall noch keineswegs wieder hergestellt war, aber eine Unruhe, die sie nicht länger zu bemeistern vermochte, etwas wie die dunkle Vorahnung von Ereignissen, die eine Anspannung ihrer ganzen geistigen und körperlichen Kräfte erheischen würden, hatte sie trotz ihrer Schwäche vom Lager emporgetrieben. Und sie nahm es für eine Verwirklichung jener Ahnungen, als mitten in ihr Gespräch. mit Frau von Menzelius hinein plötzlich der Hufschlag zahlreicher galoppierender Pferde tönte. „Das sind sie — das sind sie!" rief die bisher sehr schweigsame Charlotte mit plötzlich erwachter Lebhaftigkeit. „Mein Gott, und es ist nicht einmal ein ordentliches Wendessen sür Herrn von Kapnist vorhanden". Sie eilte hinaus, um selbst in der Küche für die schleunige Nachholung des Versäümten zu sorgen; aber sie war doch nicht flink genug, als daß, sie dem Zusammentreffen mit dem rasch vom Pferde gesprungenen Leutnant noch hätte ausweichen können. Ein Blick in sein ernstes, niedergeschlagenes Gesicht, das sich kaum flüchtig aufhellte, während er sie begrüßte, machte eigent- lich.jede Frage nach dem Erfolg seines Streifzuges überflüssig. Und Charlotte- fühltß sich heute auch gar nicht aufgelegt, ihn zu verspotten. Es klang vielmehr sehr aufrichtig und herzlich, da sie sagte: „Wie froh bin ich, Sie lebendig und unversehrt wiederzusehen, Herr von Kapnist! Ich habe in der letzten Nacht nicht eine Stunde ruhig geschlafen, weil es mir immer war, als ob ich, in der Ferne schießen hörte. Und gegen Morgen hatte ich einen so entsetzlichen Traum". Ter Leutnant seufzte tief auf. „Was das Schießen betrifft, so wollte ich, bei Gott, daß Sie recht gehört hätten, mein gnädiges Fräulein! Viel lieber möchte ich jetzt mit einem tüchtigen Loch in der Haut vor Ihnen stehen, als mit dem beschämenden Geständnis, daß wir uns von den Banditen gehörig haben am Narrenseil herumführen lassen. Statt ihnen den Garaus zu machen, habe ich sie durch mein unzeitiges Vorgehen gewarnt und chre geplante Einschließung verhindert. Eine riesige Nase von meinem Oberstwachtmeister wird vermutlich alles jein, was ich an Erfolgen aus dieser Friedenskampaqne davontrage. Wenn Sie sich jetzt nach Belieben über mich lustig machen wollen, so habe ich nichts mehr dagegen einzuwenden, Fräulein Charlotte". . r Aber sie schüttelte mitleidig den Kopf. „Dazu sehe ich ganz und gar keinen Grund, Herr von Kapnist! Auch die größten Feldherren sind zuweilen vom Mißgeschick verfolgt worden, und König Friedrich hat mehr als eine Schlacht verloren. Sie aber wurden nicht einmal geschlagen, sondern Ihr Unglück bestand nur darin, daß Sw den Feind nicht gefunden haben. Das kann am Ende Ihrem Oberstwachtmeister auch passieren". „Wie gut Sie heute zu mir sind!" sagte er, von ihrem Verteidigungseifer ebenso überrascht als gerührt. „Soll ichj Ihnen gestehen, daß ich mich vor Ihrem Spott eigentlich mehr gefürchtet habe, als vor dem Rüffel meines gestrengen Vorgesetzten?" „Sie thaten sehr unrecht daran", erwiderte sie mit sanftem Vorwurf. „Und es ist für Sie doch jetzt überhaupt sehr gleichgiltig, wie ich von Ihnen denke. Ja, wenn es Elisabeth wäre, die —" „Verzeihen Sie, Fräulein Charlotte", fiel er ihr da mit merkwürdig entschlossenem Ton in die Rede. „Aber ich kann nicht zugeben, daß Sie länger in einem Irrtum bleiben, den ich allerdings leichtfertigerweise selbst erregt habe. Das Versprechen, das ich Ihnen vor zwei Tagen in Bezug auf das Fräulein von Marschall geleistet habe — ich bitte Sie um des Himmels willen, geben Sie es mir zurück!" „Wie? Es ist Ihnen wieder leid geworden? Und gerade während dieser achtundvierzig Stunden, wo Sie doch Elisabeth gar nicht gesehen?" „Zürnen Sie mir nicht!" flehte er sehr herzlich. „Es kann nicht sein. Ich habe mich ernstlich auf die Probe gestellt, und ich bin zu dem Schluß gekommen, daß es nicht geht — daß es durchaus nicht geht. In der langen, schlaflosen Nacht am Biwakfeuer habe ich meine ganze Einbildungskraft aufgeboten, um mir das Glück auszumalen, das mich an der Seite des Fräuleins von Marschall erwarten würde. Aber wenn es mir dann wirklich gelungen war —" „Nun, es ist Ihnen also doch gelungen —" 514 „Ja — dann machte ich auch regelmäßig die Entdeckung, daß das Fräulein von Marschall ganz unmerklich die Züge des Fräuleins von Menzelius angenommen hatte, und daß ich in meinen Gedanken gar nicht mit ihr, sondern mit Ihnen glücklich war". Charlotte glühte bis über die Stirn hinauf wie ein dnnkleß Röslein. „O, das — das ist nicht großmütig, Herr von Kapnist!" brachte sie mit gepreßter Stimme hervor, und helle Thränen funkelten in ihren Augen. „Eine solche Grausamkeit hätten Sie mir nicht anthun dürfen >— jetzt nicht mehr, da Sie doch alles wissen". Der arme Leutnant war aufs äußerste bestürzt; denn nichts hatte ihm so fern gelegen, als die Absicht, grausam gegen sie zu sein. Mer sie ließ ihm keine Möglichkeit, sich gegen den unverdienten Vorwurf zu rechtfertigen; denn mit dem letzten Wort schon hatte sie sich von ihm abgewendet und war in den Wirtschaftsräumen verschwunden. Betrübt stieg Herr von Kapnist vollends die Treppe hinauf, um jid) bei der Dame des Hauses zu melden. Trotz ihres Unwohlseins und der begreiflichen Aufregung, mit der sie seinem Bericht entgeaensah, zwang sich Elisabeth, ihn mit unbefangenem Lächeln willkommen zu heißen. „Nun, mein Herr Leutnant, darf man Sie als Sieger beglückwünschen?" „Nichts weniger als das! Der Führer, den Ihr Verwalter uns mitgegeben, hat uns zwar dazu verhalfen, das Lager der vermaledeiten Räuber zu entdecken; aber es war leer. Und zwei Tage lang sind wir umsonst in diesen schrecklichen Wäldern umhergestreift, um die verlorene Spur der Banditen wiederzufinden". „Das ist bedauerlich. Doch Sie werden gewiß an einem der nächsten Tage glücklicher sein. Vorerst bitte ich Sie, sich unter meinem bescheidenen Dache von Ihren Strapazen zu erholen. Für Ihre Leute ist hoffentlich gebührend gesorgt". „Die kennen ja die Gelegenheit bereits zur Genüge, um sich's bequem zu machen. Aber ich habe noch ein Bekenntnis auf dem Herzen, für das mir gnädiges Fräulein schwerlich Dank wissen werden. Die Räuber haben wir leider nichjt zu Gesicht bekommen, dafür sind wir im tiefsten Walde auf einen Kerl gestoßen, den wir bei seinem jämmerlichen Zustande unmöglich liegen lassen konnten. Es ist ein alter, halbverhungerter Mann, der Ihnen schwerlich lange zur Last fallen wird; denn sein rechter Arm ist ganz zerschossen und in einer geradezu fürchterlichen Verfassung. Auch sein Verstand hat offenbar schon gelitten. Er führte lauter wirre, zusammenhanglose Reden und widersetzte sich! heftig, als ich den Befehl gab, ihn mitzunehmen. In der Nähe Ihres Schlosses wurde er geradezu tobsüchtig, so daß trotz seines schwer verletzten Armes zwei Mann Mühe hatten, ihn zu bändigen/ und daß ich fast bereute, mich mit dem unheimlichen Gesellen überhaupt eingelassen zu haben. Bald darauf aber verfiel er glücklicherweise in Bewußtlosigkeit, und ich habe angeordnet, ihm in irgend einer Stallecke oder einem Scheunenwinkel sein Sterbelager zu bereiten". Schon bei den ersten Worten hatte Elisabeth an den entflohenen Jakubeit gedacht, und die Auskünfte, die sie auf ihre weiteren Fragen erhielt, mußten ihr jeden Zweifel nehmen, daß es sich wirklich um den längst Totgeglaubten handle. Als der Leutnant erfuhr, unter welchen Umständen der Unglückselige den Hof verlassen, und aus welchen Ursachen er sich so heftig dagegen gesträubt hatte, gerade nach Lasdehnen zurückgebracht zu werden, schien er sehr geneigt, seine Menschenfreundlichkeit zu bereuen; denn ein solcher Hallunke veroiente seiner Ansicht nach nichts Besseres, als gleich einem ange- schossenen Wolf elend im Dickicht zu verkommen. Elisabeth aber mußte über die Pflichten der Nächstenliebe doch wohl etwas anderer Meinung sein; denn sie bat Frau von Menzelius, nach dem Kranken zu sehen und alles zu thun, was ihm seine Lage erträglicher machen konnte. Für eine gute Weile blieb sie infolge dessen, da auch Charlotte nicht wieder sichtbar wurde, mit Herrn von Kapnist allein, und der junge Offizier ahnte nicht, welche Genugthuung er ihr bereitete, indem er sehr ausführlich von seinen fruchtlosen Streifereien nach der „Räuberbande" erzählte. „Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich dieser Sixtus mit seiner Horde über die russische Grenze geflüchtet hat", sagte er, „und dahin können wir ihm leider nicht folgen. Natürlich wird man jetzt mir allein die Verantwortung dafür aufbürden, daß er entwischt ist: denn morgen schon wäre seine Umzingelung vollendet gewesen. Hätte ich mich während dieser zwei Tage damit begnügt, die Grenze zu bewachen, statt ihn in seinem Schlupfwinkel aufzusuchen, so hätte er die nächsten vierundzwanzig Stunden sicherlich nicht überlebt. Wie aber konnte ich ahnen, daß er trotz aller aufgewandten Vorsicht von unserer Annäherung noch rechtzeitig Wind bekommen würde!" „Er wäre Ihnen nimmermehr entkommen, Herr Leutnant, wenn nicht ein Verräter seine Hand im Spiele gehabt hätte", mischte sich in diesem Augenblick die Stimme des Verwalters, der, von Elisabeth unbemerkt, auf die Schwelle getreten war, in ihr Gespräch. „Es ist sicher, daß Sixtus von hier aus über die von Ihnen beabsichtigte Bewegung unterrichtet und dadurch rechtzeitig gewarnt wurde". (Fortsetzung folgt.) Vom Monat September. September 1900. Nachdruck verboten. In jeder Hinsicht bietet jetzt der Markt eine reiche Fülle von notwendigen und luxuriösen Gaben für das tägliche Leben. Alle Gemüse sind gut vertreten, die den Tisch mit wechselreicher vegetabilischer Kost versorgen, desgleichen Obst in allen Sorten. Die Auswahl der Fische kündet ihre gute Saison an, und das Wildpret läßt an Sortenzahl wenig zu wünschen übrig. Neben Reh und Hirsch wird, je mehr Hev Herbst fortschreitet, bei eintretender kühler Witterung auch der Abschuß des Schwarzwildes beginnen, und Mitte September wird die Hasenjagd eröffnet. Auch an Wildgeflügel ist kein Mangel. Gleichzeitig mit Rebhühnern und Fasanenhennen sind Wachteln und die ersten Schnepfen in den Delikateßläden zu haben. Der eigentliche Schnepfenstrich soll noch beginnen, was bisher dem geübten Auge des Jägers zum Opfer fiel, waren nur Vorflugschnepfen. Birkhühner sind gleichfalls zunächst noch seltene Gäste, dagegen treffen als sichere Boten des Herbstes allerhand Großvögel ein, vorzüglich sind die Wachholderdrosseln. Ueber den kulinarischen Wert der Familie Turdus waren schon die Römer im klaren. Martial singt: Unter den Vögeln gebührt der schmackhaften Drossel wie unter den Vierfüßlern dem Hasen die Palme des Ruhmes. Bei den Römern war der Krammetsvogel ein beliebter Leckerbissen, so daß man sie zu Tausenden in Vogelhäusern mästete. Martial und Horaz rühmen den Wohlgeschmack der Krammetsvögel mit der Begeisterung wahrer Gourmands. Auch für Kranke und Genesende sind Krammets- oder Großvögel ein stärkendes, leicht verdauliches Gericht, und besonders Krammetsvögelsuppe wird zur Stärkung für Rekonvaleszenten sehr empfohlen. Einige Krammetsvögel, 3—4 Stück genügen schon, werden in Butter weich gedünstet, demnach löst man das Brustfleisch davon ab, stößt alles übrige, außer dem Magen, in einem Mörser und läßt es mit etwas klein geschnittener Petersilienwurzel, Sellerie und Möhren! in der Butter, worin die Vögel geschmort wurden, weiter dünsten, rührt etwas Weizenmehl daran und verkocht es mit zugegossenem heißem Wasser. Die durchgeseihte Suppe wird über Nockerl oder gerösteten Semmelscheiben und dem klein geschnittenen Brustfleisch angerichtet. Noch kräftiger wird die Suppe, wenn man ihr kurz vor dem Anrichten 5 Gramm in heißem Wasser gelöstes Liebigs Fleisch-Extrakt, als das trefflichste aller Kräftigungsmittel beifügt. In der guten Küche ist das Liebigs Fleisch-Extrakt als Geschmacksverbesserer durchaus unentbehrlich, und mit Recht bemerkt der Diätetiker Dr. Wiel: „Ich möchte nicht Koch: sein, toenn es nicht Fleisch-Extrakt gäbe". Von unschätzbarem Vorteil ist, daß man bei großer Haltbarkeit und angemessener Verpackung dasselbe überall und zu jeder Zeit zur Hand haben kann. Hausgeflügel ist in ausreichender Auswahl vorhanden, nur Tauben werden knapper. Reichlich zu haben sind junge OMMHBBHnMMM 515 struktwn oder aber defekt sind, ab und dafür aber ra- I twnellere Vorrichtungen, Feuerherde usw. an. Bei schlecht eingerichteten oder verwahrlosten Oefen und Kochapparaten I verbraucht man den Winter über leicht um so viel Geld | Abhr an Brennmaterial, als zweckmäßig eingerichtete Oeftn und Kochmaschinen bei Neuanschaffung kosten. — »aW6' die ber starker Heizung leicht in Oefen Und I Kochherden entstehen, dauernd zu verschmieren, reicht ae- wohnlicher LeHm nicht hin, da derselbe bald berstet oder I absprrngt. Man hat also einen haltbaren Ofenkitt zu verwenden. Einen solchen erhält man durch Mischung ver- schredener Bestandteile, z. B. man siebe reine Holzasche durch ern fernes Sieb, thue eine gleiche Menge gestoßenen | und gefrebten Lehm hinzu und vermische beides mit etwas I Salz Hierauf feuchte man diese Mischung mit soviel Wasser I m1,, ^/i tun Teig daraus entsteht und streiche damit die Risse fest zu. Dieser Kitt wird steinhart und berstet nie- I mals. Derselbe ist deswegen auch bei dem Setzen neuer Oefen zu empfehlen. — Man untersuche sein Haus in allen fernen Teilen genau, damit man etwa nötige Reparaturen besorgen kann, bevor das Winterwetter eintritt. Man bedenke wohl, daß eine Reparatur zur rechten Zeit ausgeführt, im Verhältnis zu den Kosten, welche sie ! .^^rsachen kann, wenn sie versäumt wird, nur geringe Muhe und geringe Auslagen verursacht. Wer sein Haus lange und ohne bedeutende Kosten in gutem Stande er- halten will, versäume es darum nicht, auch die geringsten Mangel an demselben baldmöglichst auszubessern. •— Der Keller muß, bevor man Wintervorräte hineinträgt, gründlich gereinigt werden. Nur in einem sorgsam gereinigten und rein gehaltenen Keller kann diejenige reine, frische ^uft herrschen, welche für dauernde Erhaltung der fruchte und eingemachten Sachen, wie auch- des Weines unentbehrlich ist. Womöglich halte man die aufzubewahrenden Gemüse in einem besonderen, abgeschlossenen Keller- raume; denn die Ausdünstung derselben wirkt sehr nachteilig auf die Milch, Butter, Getränke, eingemachten Sachen usw. ein. — Obstweinbereitung und Trocknen von Obstarten usw. ' ™ Eiumachegläser luftdicht zu verschließen. Man bestreicht den Rand von heißgemachten Einmachglasern mit aufgelöstem Gummiarabikum und verbindet sie sofort mit in Wasser erweichtem, gut abgetrocknetem Perqa- mentpapier Sobald die Flasche erkaltet und das Papier trocken ist, bestreicht man letzteres wiederholt mit Gummi- ??^ockum, bis sich ein vollständiger Gummiüberzug gebildet hat. a a Musiklitteratur. I in Ku?? '^tUK Musik-Leitung" (Verlag von Carl Grüninger I ?" Stuttgart) verdankt ihre außerordentliche Beliebtheit nnd Verbreitung tn der ganzen musikalischen Welt dem Umstand, daß sie als illustrier- I t°s Familienblatt die weitesten Kreise des kunstsinnigen Publikums ebenso anzuziehcn vermag, wie sie ihren Charakter als Fachzeitschrift zu wahren weiß. Auch in ihrem letzten Quartale (zweites des XXL br'!’9t (,c nieder eine Fülle belehrenden und unterhaltenden L>toffes aus allen einschlägigen Gebieten, u. a. Abhandlungen über die Klavierkompositionen von Johannes Brahms, Franz Liszt und seine Schule, über neue Kammermusiklitteratur, gcsangtechnische Fragen, Essays über das Auswcndigspiclcn, amerikanische Musikverhältniffe. Theater und Volksschule, Schubart als Komponist, neue Lyrik, ferner | Mitteilungen aus neuen musikgeschichtlichen Werken, spannende Er. zahlungen von Peter Rosegger, G. Fohrbach, M. Janitschek, L. Habicht und anderen beliebten Schriftstellern, kritische Besprechungen von Konzert- und Opernnovitäten, sowie von neuen Erscheinungen auf dem Bucher- und Musikalienmarkte, Biographien von Komponisten und Virtuosen mit deren Porträt-, künstlerisch ausgeführte Illustrationen, injeder Nummer auserlesene Texte für Liederkomponisten eine Menge Notizen aus der Musik- und Theaterwelt nebst zahlreichen Anekdoten, zudem 24 Seiten Musikbeilagen mit stimmungsvollen Liedern, gewählten Klavierstücken, Duos und Trios für Violine Cello und Klavier von namhaften Komponisten. Letztere repräsentieren allein den mehrfachen Betrag des Abonnementspreises von nur Mk 1 — per Vierteljahr (6 Nummern). Endlich sei auch auf die sehr geschähe Einrichtung des Briefkastens hingewiesen, der, einzig in seiner Art, den Abonnenten im weitesten Umfange Rat und Auskunft erteilt und in Bezug auf die zur Beurteilung eingesandten kompositorischen und litte raturischen Versuche auch kritische Winke giebt. — Probenummern ver- ftndet an Interessenten jede Buch- oder Musikalienhandlung, sowie den Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart auf Verlangen kosten- Hühner, fette Enten und Gänse, und die Delikateßläden ^bten aus emhermrschen und ausländischen Mästereien junge Puten, Poulees nnd Poularden in bewundernswerter Ware, September sind die meisten Fische wohl- fchmeckend, und die kühlere Witterung bringt neuen Auf- schlvung^ in den Handel, so daß darin jeder Wunsch erfüllt werden kann. Die ersten Teich- oder Edelkarpfen ^rTt gekommen, ferner sind da: Lachs ^achsforelle, Hechte, Schleien, alle Sorten Weißfische, Aale' Brassen und muntere Welse in allen Größen, Stettiner Zander, obenan Bratzander. Die Stettiner Zander haben viel zarteres Flepsch als die etwas billigeren Weichselzander. der Küche wird der Zander im wesentlichen ?? der Hecht behandelt, für den bescheidenen Tisch ist er besonders rn einer Petersiliensauee zu empfehlen. Auch dre Vorräte an Seefischen sind in allen Sorten reichlich vor allem Schellfisch und Dorsch. Krebse sind noch immer gut, Hummern tn norwegischer und englischer Ware vor- zugncy. Gute Gemüse sind in bester Auswahl vorhanden und 8^M°ss^b Eohlsorten sichtlichen Vorsprung. Weiß-, ober Wirsing und Blumenkohl sind vor- x6en^° Jui’9.e Kohlrabi neuester Ernte. Guten Absatz ftnden noch grüne Bohnen und Wachsbohnen. Bei Auswahl guter und frischer Gemüse ist nach- ?bzept für die einfache Küche vielleicht beachtenswert. Man mmmt dazu etwas Rindermark thut tn ctnen gut schließenden Topf, darauf legt man abwechselnd nnt dem unten angegebenen Fleisch ein bis -geschälte, in Scheiben geschnittene Kar- LYln, acht Mohren einige kleine Kohlrabi und Sellerie- V- E Vwrtel Kilo junge Bohnen, zwei Zwiebeln und zwei Eßlöffel feingewiegte Petersilie. Die Gemüse müssen durchweg fern geschnitten sein und vor dem Gebrauch einige Stunden eingesalzen stehen. Für die Fleischzwischenlagen Nimmt man em halbes Kilo Rindfleisch und ein Viertel mageres Schweinefleisch, schneidet es in Würfel, salzt und Pfeffert es, und wendet es in Mehl um. Nun füllt Jleckcki^i^Äp ^^?bchfelnder Reihe mit Gemüse und Fleisch, als letzte Schicht nehme man Kartoffeln, gebe etwas Salz und Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt vermischt darüber. Das Gericht muß zwei Stunden kochen, am besten stellt man dasselbe auf eine Asbestplatte, um das Anbrennen zu verhüten. Bleibt von dem Gericht etwas "übrig ^6lebt dieser Rest mit leichter Bouillon aus Fleisch- i Extrakt für den folgenden Tag eine kräftige Suppe . Gurken gehen zu Ende, dieselben sind trotz der reichlichen Ernte nicht billig geworden, namentlich die Salatgurken, die über der zum Einsauern bestimmten Feldgurke steht. Für Salat ifh Endivien in bester Bleich- ware und Kopfsalat noch vorhanden. In den Delikateß- mden sehen wir Artischocken, Teltower Rüben, und als Beilage oder Nachtisch Maronen oder Edelkastanien. Große Oporto-Zwiebeln, die für die Küchenverwendung weit I angenehmer sind als unsere Marktzwiebeln, schöne Perl- I zwiebeln, Schalotten rc. sind ebenfalls da. Sehr gut qe- I drehen sind sämtliche Wurzelarten. 7 , ö I Der Wald liefert bis Ende September gute Pilze: als Ereignis für die feine Küche ist die hannoversche Trüffel zu melden. " | • J?011 Beeren fruchten kommt nur noch die Preißelbeere m Betracht, die erheblich teurer ist als in den Vorjahren. | 3n reicher Zufuhr kommen Weintrauben, Pflaumen, Aepfel, I aus Spanien die ersten Traubenrosinen, und von | der Sudspitze Italiens frische Pistazien. .. Die Stände der Thee- und Kräuterfrauen verdienen I ?re Beachtung, teils der Gewürzkräuter wegen, teils der I als heilsam geschätzten Wachholderbeeren, Schlehen und I Wegen ^Gtsächlich aber der bitteren Theekräuter I Arbeiten im September. Im September melden sich die Vorboten des Winters I on, und es sind deswegen in Haus und Hof alle Vor- I Bereitungen zum Schutze gegen alle Unbilden der Witterung I £ treffen. Man setze namentlich alle Heizvorrichtungen I .leistungsfähigen Zustand, und schaffe alle I •Jefen, Maschinen usw., welche von zu unpraktischer Kon- • > 516 Modenbericht. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden. Reichhaltiges Moden album und Schnittmusterbuch LbOPfg. daselbst erhältlich. Man hat der Mode immer vorgeworfen, sie sei launisch, herrisch, unlogisch, grausam, kurz, sie habe alle möglichen Untugenden. Betrachtet man sie indes näher, so wird man schwerlich vollgültige Beweise für alle diese Behauptungen aufbringen können, wenigstens die derzeitige Mode besitzt meiner Ansicht nach eher gegenteilige Eigenschaften als die vorgenannten. Sie ist so mannigfaltig in ihren Formen und Ausführungen, daß jeder etwas Passendes finden muß, so bald er nur den notwendigen sicheren Geschmack besitzt — sie ist also nichts weniger als launisch und herrisch. Ferner sind ihre neuen Formen so wohl durchdacht und harmonisch, daß schon ein gut Teil Geschmacklosigkeit dazu gehört, um geschmacklos gekleidet zu sein. Was nun die oft genannte Grausamkeit betrifft, so sind es wohl am meisten die eitlen Frauen selbst, welche grausam gegen sich sind; denn die jetzige Mode mit ihren schlichten, sich den Körperformen genau anpassenden Formen hat lediglich den allgemeinen Begriff von weiblicher Schönheit, den man wohl am bezeichnendsten mit mit „schlanker Fülle" umschreibt, wieder in den Vordergrund gestellt, dem allerdings nur ein Teil weiblicher Wesen entspricht Für die anderen hat die Mode jedoch eine Menge Mittel und Mittelchen in Bereitschaft, welche es gestatten, etwaige Mängel abzuschwächen, wenn nicht ganz zu verbergen, ohne durch beengende Kleidung und Korsetts grausam gegen sich selbst zu sein. Fassen wir zunächst den 1. Punkt unserer Besprechung „die Mannigfaltigkeit der Mode" näher ins Äuge. Für die Taillen sind sämtliche seit Jahren bekannten Grundformen gleich modern, die Blusen, die Jäckchen, die glatten Taillen, sodaß jeder nach Geschmack wählen kann. Und wie groß sind die Variationen! Glatte Blusen, solche mit Einsätzen, mit Koller, mit breiten Kragen, mit Fältchen verziert, mit breiten oder schmalen Gürteln, kurz alle erdenklichen Formen sind modern. Aehnlich die Jäckchen. Auch hier sind kurze, längere, offene geschlossene, mit Herrenfaqon, mit Schulterkragen, kurz alle Variationen gestattet. Die glatten Taillen, welche nun zwar weniger zu den ausgesprochenen Modeneuheiten gehören, sind trotzdem in verschiedenen Ausführungen beliebt, unter denen die Schneidertaille in der Art unseres Modells No. 180 den ersten Rang einnimmt. An dieser glatten Taille läßt sich die neue Manier, alle Sorten Kleider im Herrengeschmack mit aufgesteppten Streifen und Steppereien zu verzieren, besonders gut anwenden, wie es ja auch an unserer kleinen Skizze, einer glatten Taille mit Herrensalon und einem Ausnäher, ersichtlich ist. Betrachten wir weiter die Modeformen in Röcken, so finden wir gegenwärtig ebenfalls eine ungemein große Auswahl; denn die Mode gestattet auch hier eigentlich alle in den letzten Jahren neu aufgetauchten Formen, wie: glatte Röcke, hinten mit Quetsch- oder Fächerfalten, Tunikaröcke, solche mit Volantansätzen verschiedener Art, eingereihte Röcke, hauptsächlich aber Faltenröcke. Diese letzteren verkörpern am besten den Grundgedanken der jetzigen Mode, nämlich anschließende Enge des Rockes bis zum Knie und von da an gefällige Weite. Dabei möchten wir jedoch bemerken, daß diese Faltenröcke immer am besten in leichten Stoffen ausgeführt werden, während schwere Stoffe sich besser in glatten Rockformen auö- nehmen, es sei denn, daß man nur e§ z. B. unser Modell No. 185 darstellt. Für leichte, zarte Stoffs jedoch kann es fast nichts hübscheres geben, als diese Fältchen, gleichgültig ob in Gruppen oder gleichmäßig angeordnet, ob tief oder flach, ob schon oben ausspringend oder ziemlich lang heruntergenäht. So gut wie unerläßlich für diese Faltenröcke ist es jedoch, daß sie ringsum den Boden berühren, weshalb sie weniger für die Straße geeignet sind; denn keiner vernünftigen Dame wird es einfallen, auf der Straße einen schleppenden Rock zu tragen. Für solche Zwecke gestattet uns die Mode vielmehr den 3—5 Gentimeter vom Boden abstehenden Rock, welcher am besten von dem Kostümjacket ergänzt wird. i Modell No. 184. wie Um nun auch zu beweisen, wie logisch die derzeitige Mode ist (natürlich nur, wenn man sie nicht verstümmelt), möchte ich beispielsweise nur auf die modernen Schoppenärmel aufmerksam machen. Dieselben erschienen zuerst in Begleitung der modernen Bolerojäckchen. Diese kurzen glatten Jäckchen mit ihren vor» offenen, nur lose aufliegenden Vorderteilen bedingten eigentlich stets eine lose Bluse von abstechendem Stoff; was ist nun da folgerichtiger, als daß diese Bluse auch vor der Hand, unter dem Aermel sichtbar wurde? Diese Idee findet man besonders deutlich und geschmackvoll an,dem vorgenannten Modell No. 185 ' zum Ausdruck gebracht und werden unsere Leserinnen sicher die modernen Schoppenärmel mit ganz anderen Augen ansehen, wenn sie wissen, welche Idee ihnen zu Grunde liegt. Daß natürlich gerade durch derartige Modeformen unendlich viel Geschmacklosigkeiten veranlaßt werden, ist ja nicht zu verwundern, darf aber doch nicht der Mode selbst zur Last gelegt werden. Schließlich wollen wir nicht verfehlen auf die kleinen Hilfsmittel und Behelfe ausmerksam zu machen, welche die Mode zum Korrigieren weniger schön gewachsener Gestalten bietet. Da ist zunächst die immer und immer wieder beliebte Blusenform, welche ffchlauke Figuren voller, und starke schlanker erscheinen läßt. Für Letztere muß dieselbe natürlich stets auf anliegendes, mit Fischbeinstäbchen gesteiftes Futter gearbeitet werden, und vor allem darf sie nicht zu eng sein. Durch einen Breiten, die Schultern etma§ überragenden Kragen und einen der Taille aufgesetzten Faltengürtel, ergänzt, läßt sie die Figur oben voller und unten schlanker erscheinen. Wählt man dann noch eine Form wie Modell 184 mit den über den Gürtel fallenden 'vorderen Sarnrnet- ftreifen, so kann man sicher fein, daß auch die ungünstigste Figur vorteilhaft umgemodelt wird, und zwar nicht etwa auf Kosten der Bequemlichkeit. Um in all diesen Dingen sicher zu gehen, ist es unumgänglich notwendig, daß man Über die aktuelle Mode genau orientiert ist. Die vielen Modenzeitungen bringen nun zwar eine große Menge von Kleiderformen, welche indes auf Laien eher verwirrend wirken, so daß man dann erst recht nicht weiß, was man wählen soll. Klarer sieht man gewissermaßen, wenn man einen Extrakt sämtlicher Modeformen erhält, wie es das halbjährlich erscheinenende Modealbum der Internationalen Schnittmanufaktur bietet. Dasselbe enthält alle Modeformen, und sind für jede Abbildung die fertig ausgeschnittenen, neuen, sorgfältig ausprobierten Schnitte in verschiedenen Größen erhältlich. Da dieses Schnittmusterbuch jetzt eben neu für die Herbst- und Wintersaison erschienen ist, versäume niemand dasselbe zu bestellen, zumal der billige Preis von 50 Pfennigen bei ^ftellung von Schnitten im Betrag von 2 Mark rückvergütet wird. Sich elgearrt Neiden mit wenig Mitteln — wer das will, beziehe das reichhaltige Moden-Album und Schnittmusterbuch der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden; Preis 50 Pfennig Es enthält wirklich reizende und für jeden Geldbeutel erreichbare Neuheiten. Die Schnitte aller darin enthaltenen Kostüme zum Bequemen Selbschneiderw sind eBendort um Billigen Preis erhältlich. Arithmogriph. Nachdruck verboten. 1 6 5 7 3 ein Nahrungsmittel. 2 4 5 2 Baum. 3 2 5 1 Kleidungsstück. 4 2 3 flinkes Tier. 5 6 8 2 4 ein Maß. 6 5 5 2 4 Nebenfluß der Donau. 7 2 5 5 2 Stadt in Hannover. 3 2 4 4 ein Titel. 8 2 5 5 2 4 Gebrauchsgegenstand. 123456738 geflügeltes Wort. Auflösung in nächster Nummer. Modell No. 185 Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz. 1- 8 b 3 — c 5 K e 5 n. d 4. 2. D h 6 — f 4 f K d 4 — c 3. 3. S o 5 — a 4 matt. A. 1 K e 5 — d 6. 2. D h 6 n. f 6 t K d 6 — c 7. 3. 8 c 5 — a 6 matt. B. 1. Beliebig anders. 2. D h 6 — f 4 | K e 5 n. f 4. 3. 8 c 5 — d 3 matt. Redaktor»: $. Burkhardt. — SrnU und B erlag der Brützl'schen rrMdersttsr-»-«uch- und Sieinbnidmt (Pietsch Srtzeni in Meße».