!‘\ I W »W i ll'SSrir DUM REWUKW MWsWHWz < . TM^'KMWW DtzsWp ' ■ «MjMVuSx W.: KXMil I>^W^ » «-L-, jfjSsKS!!«'. Usü:-.:£:ggg HMMolle die Besten erreichen, ■iCssC* Den Besten gleichen, kW Und doch ganz und rein Du selber sein! Frida Schanz. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von R. P. Roe. (Fortsetzung.) Der Eindruck dieses Gespräches war ein bleibender, und Mildred sah aufs neue, wie tief sie dem Manne verpflichtet war, den sie so lange zurückgestoßen hatte. Der Geistliche hatte eine reiche Dame für Mildred interessiert, welche einen günstigen Eindruck auf sie gemacht hatte, und sie erhielt nun reichliche Arbeit. Howells Gegenwart und sein ruhiges, stolzes Wesen, sowie Roberts häufige Besuche hielten die mißgünstigen Nachbarn in einiger Entfernung, aber die häufigen Berührungen mit so viel Verworfenheit und Rohheit waren fast unerträglich. Mildred war beständig bemüht, Fred und Min'ni davor zu bewahren, auch ihre Mutter litt viel darunter, doch ohne zu klagen. Eines Abends war Howell nicht zu Hause, und Mildred war ausgegangen, um Arbeit abzuliefern. Die Kinder, welche die Mutter bei sich zu halten suchten, waren entflohen und hatten die Thüre offen gelassen. Noch ehe sie sie schließen konnte, drang ein betrunkenes Weib herein, setzte sich auf einen Stuhl und ließ ein Bündel aus ihren Händen fallen. Es fiel zu Boden, öffnete sich und ein totes Kind lag vor Frau Howells entsetzten Blicken. Auf ihren Hilferuf erschien ein kräftiges Weib mit einem roten Gesicht, welches sogleich zu verstehen schien, was für Frau Howell ein so entsetzliches Geheimnis war, denn sie faßte die Betrunkene an der Schulter und suchte sie hastig hinaus zu ziehen. Aber das Weib hatte weder Scham noch Furcht und zog aus der Tasche eine handvoll Banknoten. Hahaha! rief sie. Ich habe einen guten Tag gehabt! Drei feine Familien gaben mir das, um den Balg zu beerdigen! Den Teufel auch, das ist ja ein Vermögen. Wenn wir nur genug tote Kinder kriegen könnten, so wären wir alle reich, Bridget. Aber hier ist genug dazu, für eine Weile Suppe zu kochen und zu einem guten Schluck Branntwein obendrein. Da, nehmt einen Schluck! sagte sie und dabei zog sie eine Flasche hervor und hielt sie Frau Howell entgegen. Was gaffen Sie mich an?! Ach, kaß mich zufrieden, alte Hexe! rief sie ärgerliche dem Weib mit dem roten Gesicht zu, welches vergebens der Betrunkenen den Mund zu schließen suchte. Wer hat Angst? Wenn diese da ein Wort ausplaudert, so werde ich sie mit dem toten Balg totschlagen. Als die Frau mit dem roten Gesicht sah, daß ihre Worte wirkungslos waren, griff sie das Geld auf und lief aus dem Zimmer. Diese List hatte den gewünschten Erfolg, denn das Weib lief ihr hastig, aber mit unsicheren Schritten nach. Einen Augenblick darauf kam das Weib mit dem roten Gesicht wieder herein, nahm das tote Kind, wickelte es im das Tnch ein und erhob ihre mächtige Faust gegen Frau Howells Gesicht. Wenn Sie davon sprechen, was Sie gesehen haben, so wird es Ihr Tod sein, bei der heiligen Jungfrau! Also kein Wort, sonst wird's schlimm! Als Mildred zurückkehrte, fand sie ihre Mutter in einer Betäubung vor. Es war ein schreckliches Erlebnis! rief sie. Mama, rief Mildred trostlos, wir müssen fort von hier! Du kannst hier nicht bleiben! Ich gehe morgen mit Frau Willow aus, um eine andere Wohnung zu suchen. Jenes trunkene Weib war eines der Ungeheuer, welche das Mitleid zu erregen suchen, um Geld zum Begräbnis ihres angeblich verstorbenen Kindes zu erbetteln, und oft größere Summen bis zu fünfzig Dollar auf diese Weise zusammenbringen. Die Ereignisse des Abends bestätigten sie in ihrem Vorhaben, denn eine Rotte, welche sich alle Abend am Eingang des langen Durchgangs versammelte, hatte beschlossen, das hochmütige Wesen der Fremden nicht länger zu ertragen und sie zu lehren, daß sie nicht besser seien, als ihre Nachbarn. Als Bella bei der Rückkehr aus dem Laden wie gewöhnlich rasch an ihnen vorüberging, folgte ihr ein Bursche nach, und an der dunkelsten Stelle des Ganges legte er seinen Arm um sie und drückte einen lauten Kuß auf ihre Wangen. Ein brüllendes Gelächter brach aus, aber der junge Mensch fand sogleich, daß er eine Tigerin geweckt hatte. Wütend über die Beleidigung, erhob Bella die Hand und traf das Gesicht des Burschen! mit solcher Kraft, daß das Blut hervorströmte. Dann eilte sie weinend wie ein Kind zu Mildred und erklärte, sie wolle keinen Tag länger in dieser Höhle bleiben. Als die Mädchen sich beruhigt hatten, beschlossen sie, weder ihrem Vater, noch Robert etwas davon zu sagen, um einen gefährlichen Zusammenstoß zu vermeiden. Später kam Robert in glücklicher Stimmung und brachte neues Leben und neue Hoffnung. Kommen Sie, sagte er endlich. Sie brauchen beide frische Luft! Der Abend ist prachtvoll. Wir können nicht weit gehen, erwiderte Mildred, denn Mama schläft, und ich kann sie nicht länger allein lassen. Gut, wir gehen nur durch zwei oder drei Straßen, damit Sie Kräfte sammeln für morgen. Denn Mildred. 82 hatte ihm ihr Vorhaben mitgeteilt. Als sie das Ende des Durchgangs erreichten, erwachte die Angst der Mädchen;, dem: viele rohe Gesichter starrten sie an. Ohne auf sie zu achten, machten sie einen kurzen Spaziergang und kehrten zurück. Eine noch größere Anzahl von gefährlich aussehenden Gestalten versperrte den Eingang. Gebt den Weg frei! rief Robert kurz. Als Antwort darauf schlug ihm ein großer Mensch den Hut vom Kopf, erhielt aber sogleich einen Schlag auf das Auge, der ihn zu Boden geworfen hätte, wenn er nicht durch die Menge gehalten worden wäre, die sich jetzt auf den jungen Mann stürzte. Hinaus auf die Straße! rief er den Mädchen zu, aber sie wurden zurückgedrängt und von einigen der Bande festgehalten, welche ihnen den Mund zuhielten, doch nicht ohne, daß sie zwei durchdringende Hilferufe ausstoßen konnten. Robert befand sich nach einem kurzen, verzweifelten Kampfe mit dem Rücken an der Wand und teilte Schläge aus wie mit einem Schmiedehammer. Aber unter seinen Gegnern waren einige Faustkämpfer, und er kam in schwere Bedrängnis, als ein Schutzmann herbeistürzte und links und rechts mit seiner Waffe um sich schlug. Die Bande zerstreute sich sogleich, doch zwei wurden gefangen. Halb tot vor Schrecken wurden die Mädchen von Robert in ihre Wohnung geführt, und dann suchten sie die Wunde ihres Verteidigers zu. verbinden. Das Haus wurde von der Polizei bewacht. Am folgenden Tag wurde eine andere Wohnung gefunden, und Robert erschien als Zeuge gegen die Strolche, welche verhaftet worden waren. XXXII. Sonnenstrahlen. Die neue Wohnung machte anfangs einen sehr guten Eindruck, und die Nachbarn schienen ruhige, gutmütige Leute zu sein. Selten verging ein Abend, wo Robert nicht einige Stunden bei seinen Freunden zubrachte oder die Mädchen ins Freie führte. Einen Teil des Sonntagnachmittags brachten sie gewöhnlich im Zentralpark zu. Einer der sehnlichsten Wünsche Mildreds ging jetzt in Erfüllung, denn ihr Vater hatte nuch langem Widerstand endlich eingewilligt, in eine Anstalt zu gehen, um Heilung zu suchen. Frau Howell erlangte neuen Mut, und ihre Gesundheit besserte sich. Auch Bella blühte wieder auf. Jenes Gespräch mit Robert hatte dauernden Einfluß, und ihre bittere, hoffnungslose Stimmung war verschwunden. Unter seinen Arbeitsgenossen hatte Robert zwei oder drei ehrenwerte, junge Leute gefunden, welche er einführte, und selten verging eine Woche im Mai oder Juni, ohne eine Partie auf einem Dampfer auf die Bai hinaus, was auch Mildred Vergnügen gewährte. O, Robert, Sie lassen mich weit hinter sich, sagte Mildred plötzlich mit einem träumerischen Blick auf das glänzende Meer. Was meinen Sie damit, Mildred? Nun, Sie erklimmen die Spitzen der Wissenschaft und können keine Freundin brauchen, welche nichts weiß und nichts versteht, was Sie thun. Ich werde auf Sie warten, Mildred, Sie sollen nicht allein zurückbleiben. O nein, rief sie im Ernst, Ihre Verwandten glauben, daß wir Sie zurückhalten, und das darf nicht sein! Sie wissen, ich habe meinen Willen. Einen Monat, nachdem Howell in einer Heilanstalt ausgenommen war, kehrte er zu seiner Familie zurück. Er war sehr verändert. Sein Wesen gegen seine Familie war voll Zärtlichkeit, und er war eifrig bemüht, seine Umstände zu verbessern. Bei der Erinnerung an die schweren Leiden während des Anfanges seiner Kur in der Anstalt schrak er mit Entsetzen zurück vor dem bloßen Gedanken an seine frühere Sklaverei. Seine krankhafte Gier nach dem Gift war oft so schrecklich stark, aber er bekämpfte sie mit grimmigem Haß, und seine Familie gewann die Sicherheit, daß ihr der Vater wiedergegeben sei. Er konnte Robert nicht genug danken, und die Sprache seiner Augen war beredt, wenn der Name des jungen Mannes genannt wurde. Dem Geistlichen gelang es, einen Geschäftsmann für Howell zu interessieren, eine Stelle wurde für ihn geschaffen, und wenn auch anfangs der Gehalt klein war, so bot sie doch bessere Aussichten bei fernerer Enthaltsamkeit. Im Juli erhielt Robert einen Urlaub und ging nach Hause, um seine Eltern zu besuchen. Er war so freundlich und rücksichtsvoll, daß selbst der alte, brummige Atword genötigt war, zu gestehen, daß sein Sohn ein guter Mann geworden sei. Die Mutter war entzückt über ihn und schrieb auf seinen Antrieb einen freundlichen Brief an Mildred, der das junge Mädchen sehr glücklich machte. Roberts Schwester, Susanna, stand ganz auf seiner Seite. Klara Bute war die glückliche Frau eines wohlhabenden Farmers geworden und sandte Bella und Mildred eine dringende Einladung zu sich aufs Land. Mildred wollte ihre Eltern nicht verlassen, aber Bella folgte freudig dem Ruf, und das fröhliche Mädchen verursachte manchem Unter den ländlichen Stutzern ein mehr als mildes Herzweh. XXXIII. Trügerische Hoffnungen. Der Himmel schien hell und heiter geworden zu sein, aber bald sammelten sich neue Wolken am Horizont und ganz unerwartet traf der erste Schlag Robert. Zwei Tage vor seiner Rückkehr zur Stadt fand er auf dem Postamt einen Brief mit einer ausländischen Briefmarke, der an ihn adressiert war zur Uebergabe an Fräulein Mildred Howell. Er erkannte sofort die Handschrift und sah den Brief an wie sein Todesurteil. Er war von Arnold Vinton. Mit Mühe überstand Robert auf der Rückreise der Versuchung, den Brief zu zerstören. Er hatte gehofft, daß Mildred lernen werde, ihn zu lieben, und er war sicher, wenn Arnold nicht erscheine, werde seine Sehnsucht einst Befriedigung finden. Der Brief, den er berührte, als ob er Dynamit enthielte, mußte aber alle seine Hoffnungen vernichten; denn er kannte Mildred besser als sich selbst. Sie glaubte, Arnold habe sie aufgegeben, ihr Herz war betäubt von langem Schmerz. Dieser Brief aber mußte die alte Liebe mit neuer Kraft entzünden. Lange Stunden bekämpfte er die Versur> verlassen hatte. Nach kurzem Zögern erwiderte er: Hier, nehmen Sie das! Das war die schwerste Last, die ich jemals in meinem Leben getragen habe. Er reichte ihr den Brief. Als sie die Handschrift erkannte, zitterte sie, heftig erbleichend, und verbarg das Gesicht in den Händen. Ich wußte, daß es so kommen werde, sagte er. Sie sprang auf, ließ den Brief zur Erde fallen und klammerte sich an ihn. Robert, rief sie, ich will den Brief nicht lesen! Ich will ihn nicht anrühren, niemand soll zwischen uns kommen! Mildred, sagte er fast streng, der Schreiber des Briefes hat ein Recht, zwischen uns zu kommen, er ist schon zwischen uns! Es hilft nichts, die Wahrheit zu verheimlichen. Lesen Sie Ihren Brief! Ich kann es nicht, sagte sie wieder. Natürlich nicht, so lange ich hier bin, und doch möchte ich mein Schicksal gern wissen; denn die Spannung ist zu schwer zu ertragen. Ich hoffe, er wird Ihnen schreiben, daß er die Tochter des Großmoguls geheiratet oder sonst eine reiche Partie gemacht hat! Aber es ist thöricht, zu hoffen! Leben Sie wohl, lesen Sie Ihren Brief in Frieden! Ich hätte Ihnen den Brief bringen und sogleich Weggehen sollen, ein Ertrinkender aber greift nach allem. Robert, rief sie entschlossen, indem sie sein bleiches Gesicht anschaute, ich werde diesen Brief verbrennen, ohne ihn zu öffnen, wenn Sie wollen! Ich werde alles thun, was Sie sagen. 83 Eine zeitlang ging er im Zimmer auf und ab, danft wandte er sich zu ihr und sagte ruhig: Wollen Sie thun, was sch verlange? Ja, gewiß. Dann lesen Sie den Brief! Sie blickte ihn unentschlossen an und öffnete den Brief. Nachdem sie wenige Zeilen gelesen hatte, rief sie im Tone des Bedauerns: Ach, er hat im vorigen Sommer meinem Brief nicht erhalten! Natürlich nicht, murrte Robert, das haben Sie auch verdient, weil Sie den Brief diesem Schlummerkopf Jotham gaben, anstatt mir. Ach, Robert, ich kann nicht fortfahren. Lesen Sie weiter, erwiderte er ungeduldig, oder ich gehe sogleich davon! Sie las und nahm sich vor, eine unbewegliche Miene beizubehalten, aber er sah, daß jedes Wort wie ein elektrischer Schlag auf ihr Herz fiel. Als sie geendigt hatt, entfiel ihr der Brief und sie begann so bitterlich zu weinen, daß er seinen eigenen Kummer vergaß. Weinen Sie nicht, Mildred, bat er, ich kann es nicht ertragen! Robert, lesen Sie den Brief! Nein, erwiderte er heftig, ich hasse ihn, ich könnte ihn vernichten, aber er soll kein Recht haben, mich anzuklagen; Dieser Brief war nur für Ihre Augen bestimmt. Da es sein muß, so gebe Gott, daß er sich würdig erweist, aber seine Worte wären mir Natterngift. Fortsetzung folgt. Die jüngste Palastrevolution in China. Von Heribert von Hiller-Sternberg. Nachdruck verboten. Wer in langer Reihe die Equipagen mit ihren geschmückten Insassen zum Feste in der prächtig erleuchteten .Kaiserburg heranrollen sieht, oder Monarchen nur beobachtet hat, wenn sie von einer fröhlich gestimmten Volksmenge bejnbelt werden, kurzum, wer von dem Leben der Fürsten nur die äußere glänzende Schale kennt, ist leicht geneigt, sie ob ihrer Machtfülle und des höfischen, sie umgebenden Glanzes zu beneiden. In einem wohlgeordneten Staate, wo wenigstens das Leben des Fürsten, abgesehen von den Mordversuchen halb verrückter Attentäter, gesichert ist, mag solcher Neid für dasjenige Temperament immerhin einige Berechtigung haben, welches zur Befriedigung der süßen Begierde zu herrschen, geneigt ist, die Unbequemlichkeiten der fürstlichen Repräsentationspflichten mit in den Kauf zu nehmen. Wo aber innerhalb der Patastmauern tagtäglich der Mord den Träger der Krone umlauert, wie es in der Geschichte Rußlands lange Zeit der Fall war, und in jener der Türkei, Persiens und anderer orientalischer Staaten noch heute üblich ist, da wird das Diadem zur Dornenkrone, und das Leben des der Politik fernstehenden Privatmannes ist dem des Fürsten unbedingt vorzuziehen. Von der Richtigkeit derartiger Lebensweisheit wird man recht gründlich überzeugt, wenn mau das Schicksal des Mannes würdigt, der int Alter von 29 Jahren vor kurzem der Herrschaft über 400 Millionen Menschen entsagt und, wie der Telegraph meldete, bald darauf durch Selbstmord geendet haben soll, oder, was /ebenso gut möglich ist, vielleicht umgebracht worden ist. Statt seiner, der int zarten Alter von 4 Jahren aus den Thron kam, der für ihn wohl stets eine Bürde war, hat man wiederum einen neunjährigen, unmündigen Knaben, den Prinzen Tu-Tsing, ans den Thron gesetzt, unb die intrigante, herrschsüchtige Frau, die Kaiserin-Witwe Tsze-Hsi, welche thatsächlich seit fast 40 Jahren die Lenkerin der Geschicke Chinas ist, hat mit diesem Staatsstreich ihre Herrschaft wiederum auf lange gesichert. Als Kaiser Hien-fong, der int Jahre 1851 auf den Thron gekommen war, am 12. August 1861 auf der Flucht vor den Franzosen in Jehol starb, hinterließ er feine rechtmäßige Gemahlin, die sogenannte östliche Kaiserin, die kinderlos war, und eine Kaiserin des Westens, welche ursprünglich eine kaiserliche Konkubine fünften Ranges, ihren hohen Rang dem Umstande verdankte, daß sie dem Kaiser einen Sohn geschenkt hatte, den int Jahre 1855 geborenen Ki-tsieng, welcher seinem Vater auf dem Throne folgte. Neben und mit den beiden Kaiserinnen führte' der vielgenannte Prinz Kung, unterstützt von einem acht- köpfigen Regentschaftsrat die Regierung. Diese Kaiserin des Westens ist dieselbe Tsze-Hsi, die jetzt wiederum die Zügel der Gewalt ergriffen hat. Dank ihrer geradezu hervorragenden Geistesgaben genügte die kurze Zeit von August bis November 1861, um sie vollkommen zur Herrin der Situation zu machen. Sie schaffte sich den ihr lästigen Regentschaftsrat dadurch vom Halse, daß sie dessen drei bedeutendste Mitglieder, die Prinzen I und Ching, und den Sii-Shuen des Hochverrats anklagen ließ. Die beiden ersteren wurden zur Selbstentleibung verurteilt, während Sii-Shuen, öffentlich enthauptet wurde; die übrigen fünf wurden einfach ihrer Aemter enthoben. Nun hatte die ehrgeizige Frau freie Bahn; denn obwohl den Verfügungen der Name der östlichen Kaiserin zuerst genannt wurde, war Tsze-Hsi doch die Seele des Ganzen. Wenn man gerecht sein will, muß man zugeben, daß ihre Regierungsthätig- feit, welche sie nun 12 Jahre hindurch für ihren unmündigen Sohn ausübte, dem Lande zum Segen gereichte. Die Rebellionen der Taipings und Nieusei wurden unterdrückt, ebenso die Aufstände der Muhamedaner in Mrnan und Turkestan gedämpft, und es begann für China eine Periode des gemäßigten Fortschrittes. Unterstützt von einer Reihe thatkräftiger Minister, widmete sich Tsze-Hsi mit unermüdlichem Fleiße der Erledigung der Regierungsgeschäfte, und niemand, der die Verhältnisse kennt, kann leugnen, daß ihren eminenten Fähigkeiten auch die Erfolge entsprachen. Diese Thätigkeit sand zunächst ihren natürlichen Abschluß, als der großjährig gewordene Kaiser Tung-chi im Februar 1873 selbst die Regierung übernahm, nachdem er sich wenige Monate vorher eine Frau ausgesucht hatte. Indes Tung-chi starb schon im Januar 1875, wie der offizielle Hofbericht besagte, an den schwarzen Blattern, wahrscheinlich aber infolge der grenzenlosen Ausschweifungen, deren Stätte übrigens keineswegs der 1200 Frauen enthaltende kaiserliche Harem war, sondern zu denen er außerhalb der Kaiserburg an den bedenklichsten Orten Pekings Gelegenheit fand. Ein leiblicher oder Adoptiverbe war nicht vorhanden, und der nächste in Frage kommende Thronerbe, ein Sohn des Prinzen Kung, ein Wüstling schlimmster Sorte. Unter diesen Umständen setzte sich Tsze-Hsi über alle Bedenken fort, und eilte persönlich bei Nacht in den Palast ihres Schwagers, des Prinzen Chun, der ihre Schwester zur Gemahlin hatte, und setzte deren Sohn, also ihren Neffen, den vierjährigen Kwang-sü, den jetzt eben abgedankten Kaiser, auf den Thron. Noch in der Nacht fand die Huldigung der höchsten Hofchargen statt, und da an der Ergebenheit der den kaiserlichen Palast schützenden Truppen nicht zu zweifeln war, vollzog sich der Thronwechsel ohne Schwierigkeit. Von Rechtswegen hätten nun die beiden alten Kaiserinnen zu Gunsten der jungen Witwe Tuug-Chi's, Namens Mute, zurücktreten müssen. Das geschah aber nicht; denn Alnte starb kurz darauf eines plötzlichen Todes. Mit Sicherheit sind die ihr Ableben begleitenden Umstände nie in die Öffentlichkeit gedrungen. Im Volke raunte man sich zu, daß sie von den beiden alten Kaiserinnen durch Gift aus dem Wege geräumt worden sei; nach einer anderen Version wäre sie trotz ihres hochschwangeren Zustandes gezwungen worden, auf den holprigen Wegen Chinas der Leiche ihres Mannes in einem Wagen zu folgen, und sei an den Folgen einer dadurch herbeigeführten, vorzeitigen Entbindung samt ihrem Kinde gestorben. Dem gegenüber hebt ein so ausgezeichneter Kenner Chinas wie M. von Brandt, der gerade damals das Deutsche Reich in Peking vertrat, hervor, daß der Hofbericht, die Kaiserin habe durch freiwilligen Hungertod geendet, allen Glauben verdiene, da sie schon kurz zuvor den vergeblichen Versuch gemacht hatte, sich durch Erhängen zu entleiben. Mag dem nun sein, wie ihm wolle, thatsächlich waren nun die beiden alten Kaiserinnen wieder am Ruder, und bis zur Großjährigkeit Kwang-süs mußte ein Zeitraum von 14 Jahren verstreichen. Beide Damen übten nun wieder anscheinend gemeinsam ihr Herrscheramt, während in Wirklichkeit die energische Tsze-Hsi that, was sie wollte. Auch diese zweite Periode ihrer Regierung strebte denselben Zielen zu wie die erste. Der grenzenlose Hochmut des Chinesen gegenüber den roten Teufeln, den Europäern, erlitt eine Abschwächung, insofern als man regie- rungsseits ständige Gesandtschaften in Berlin, London, Paris, Petersburg und Washington einrichtete und lebhafte Beziehungen mit den europäischen Staaten unterhielt; die von letzteren aus Anlaß von Ermordungen europäischer Staatsangehöriger durch den von den Reaktionären aufgehetzten chinesischen Pöbel geforderten Entschädigungen wurden willig gezahlt, das chinesische Meer von der Seerstuberplage gesäubert, und der beste Beweis, daß man auch im Volke nun vom Ausland Notiz nahm, ist die chinesische Auswanderung, welche sich nun über die Küstenländer des Stillen Ozeans ergoß, von den dortigen Bevölkerungen aber begreiflicherweise mit scheelen Augen angesehen wurde. Was das Wichtigste gewesen wäre, eine gründliche Reform der Verwaltung und vor allem des Heeres, konnte freilich selbst Tsze-Hsi nicht durchsetzen, welche nach dem im Jahre 1881 erfolgten Ableben der östlichen Kaiserin allein die Regentschaft weiterführte. Anfang März 1889 legte sie die Macht in die Hände ihres inzwischen großjährig gewordenen Neffen, der seitdem durch els Jahre auf dem chinesischen Thron gesessen hat. Es ist vielleicht nicht uninteressant, daß Tsze-Hsi ihm schon im Jahre 1887 die llebernaljme der Regierung angeboten und dieselbe nur auf seinen ausdrücklichen Wunsch noch zwei Jahre weitergeführt hat. In der nächsten Zeit enthielt sie sich gänzlich der Staatsgeschäfte und befaßte sich ausschließlich mit der Melioration ihrer großen Liegenschaften. In der chinesischen Staatsmaschine jedoch 84 machte sich die Ausschaltung ihrer starken Persönlichkeit sehr unliebsam bemerkbar. Der junge Kaiser, den Brandt als einen kränklichen, melancholischen Jüngling schildert, dessen Temperament'zwischen langandauernder Indolenz'und unmotivierten Wnt- ausbrüchen hin- und herpendelte, war der geborene Neurastheniker und obendrein in den Staatsgeschüften gänzlich unerfahren. Immerhin mengte sich Tsze-Hsi nicht in Regiernngs-Angelegen- heiten; aber wo man sie persönlich angriff, wehrte sie sich nut großer Energie, nnd derartige Angrisfe gab es in großer Menge, die übrigens stets von der reaktionären Partei ausgingen, als deren Vertreterin man die Kaiserin ganz zu Unrecht ausgiebt. Daß sie mit diesen gelegentlich des chinesisch-japanischen Krieges gründlich aufräumte, war ein Gebot der Selbsterhaltung, und kann ihr nicht verübelt werden. . . Inzwischen hatte der unglückliche Ausgang dieses Krieges für China die Entstehnng einer Reformpartei begünstigt, welche das in jahrtausendelanger Abgeschlossenheit erstarrte Land und Volk am liebsten gleichsam über Nacht modernisiert hätte. Ungeschickte Ratgeber veranlaßten den jungen Kaiser, die Reformierung in völlig übereiltem Tempo anzngreifen, und die Gefahr, daß das Werk ihrer 35 jährigen Arbeit durch die Hände von Unberufenen vernichtet werde, trieb die alternde Fran ans ihrer Abgeschiedenheit von der Welt wieder in den Kampf. Obwohl sie immer in dem Sinne einer langsamen Annäherung an europäische Ideen gewirkt hat, wurde sie nun als Erzreaktionärin verschrieen, und die Reformpartei machte sich an den Versuch, sie gewaltsam aus dem Wege zu räumen. Die Nachricht des auf sie geplanten Attentates lieh ihr die alte Kraft, unb. ehe ihre Gegner noch znr Ausführung schreiten konnten, hatte sie ähnlich wie Katharina nach der Ermordung Peters III. die Zügel der Gewalt an sich gerissen, während der schwache Kaiser erschreckt zurückwich, und am 26. September 1898 sämtliche Resormedikte widerrief, denen sich, wenn nicht eben die Palastrevolution dazwischen gekommen wäre, in wenigen Tagen die Europäisierung in Haartracht und Kleidung angeschlossen hätte. Schon damals munkelte man von der Ermordung des Kaisers, was sich jedoch nicht bestätigte. Daß Tsze-Hsi nun aber mit ihren Feinden blutige Abrechnung halten würde, war vorauszusehen, und in wenigen Tagen waren acht der bedeutendsten Mitglieder der Reformpartei hingerichtet, die übrigen aber ans der Flucht ins Ausland. Was jetzt zur völligen Abdankung des Kaisers geführt hat, den Tsze-Hsi seit September 1898 gewissermaßen nur wegen Krankheit vertreten hat, wird erst in Monaten bekannt werden. Jedenfalls ist es übereilt, die alte, mutige Frau, welche bereits im 65. Lebensjahr steht, zur blutgierigen Bestie zu stempeln, wie es namentlich in allen englischen Berichten geschieht, welchen eine Volksrevolution, die das chinesische Reich einer schnellen Zertrümmerung entgegenführen würde, höchst erwünscht wäre. Bleiben die Verhältnisse in diesem Riesenreiche dank der Energie der Kaiserin-Witwe, welche nun wieder auf neun Jahre freie Bahn hat, annähernd wie bisher, so wird sich Rußland in der Mongolei und Mandschurei ein gehöriges Beutestück sichern, und auch Deutschland und Frankreich werden nicht leer ausgehen. Das paßt natürlich den Briten nicht, die auch hier wieder allein die Schüssel ausessen wollen, und diesmal wirkliche Tataren- nachrichten verbreiten.. Immerhin kann es richtig sein, daß das Drama im Kaiserpalast zu Peking einen blutigen Ausgang genommen hat, falls der Kaiser seiner enbgiltigen Entthronung ernsthaften Widerstand entgegengesetzt hat. Bis aber beglaubigte Nachrichten darüber einlaufen, wird man mit dem Urteil zurückhalten müssen. Gewalt- thaten, wie die jetzt vermutete, sind natürlich nicht nach unserem europäischen Geschmack. Man wird aber immer bedenken müssen, daß es in manchem europäischen Lande vor 100, ja 50 Jahren nicht anders zuging, und daß das chinesische Volk, welches mit Liebe an seiner uralten Kultur hängt, samt seiner Dynastie noch manche gewaltsame Umwälzung durchzumachen hat, ehe es sich entscheidet, in welchen Bahnen im nächsten Jahrtausend sich die Entwickelung der 500 Millionen Menschen der gelben Rasse bewegen wird. vermischtes. Zucker ein VolksnahrungsmittM Daß der Zucker kein bloßes Genußmittel, sondern ein wichtiger natürlicher Nährstoff ist, war zwar der Wissenschaft seit Menschenaltern geläufig, aber erst in den letzten Jahren hat diese Erkenntnis infolge neuerer Forschungen und anderer Umstände begonnen, allgemeineres Gut zu werden, so daß sich gegenwärtig selbst die Heeresverwaltungen, die Sportkreise, die Landwirtschaft usw. mit ausgedehnten Versuchen zu seiner planmäßigeren Nutzbarmachung beschäftigen. Gerade zu rechter Zeit erscheint daher auf dem Büchermärkte soeben ein kleines Werk, dessen Verfasser, ein bekannter naturwissenschaftlicher Schriftsteller, es unternimmt, die ganze „Zucker- Frage" ihrem augenblicklichen Stande gemäß gemeinverständlich und doch erschöpfend darzustellen. Es ist dies die Schrift: „Der Zucker in seiner Bedeutung für die Volks-Ernährung. Von Br. Theodor Jaens'ch. Preis 1. Mk. (Berlin, Verlagsbuchhandlung PaulParey) — Nach einigen einleitenden Abschnitten, di- gewissermaßen eine kurz- gefaßte, von Grund aus aufgebaute kleine Ernährungslehre darstellen, geht den Versasser zu seinem Haupt-Gegenstande über, der tros der streng wissenschaftlichen Grundlage des Ganzen nunmehr auch dem Laren völlig verständlich wird. Besonders anschaulich und den neuesten Forschungs-Ergebnissen entsprechend ist hier u. a. die wichtige Rolle geschildert, die die tierische Stärke (Leberstärke, Glykogen) und der Traubenzucker im Stoffwechsel und Krastwandel des lebenden Körpers spielen; im Zusammenhangs damit finden sich die Versuche des französischen Gelehrten Chauveau mit ihren so auffallend zu Gunsten des Zuckers sprechenden Ergebnissen erläutert Weitere Abschnitte behandeln die Wirkungen des Zuckers auf die Muskel-Leistungen und die sich daraus für seine Anwendung im Heere, in der Arbeiter-Ernährung, im Sportwesen, auf Reisen usw. ergebenden Folgerungen; der Verfasser giebt auch eine interessante Anregung zu planmäßigen Versuchen, bezw zur Selbstbeobachtung hinsichtlich seines etwaigen Emflusses auf die geistige Arbeitsfähigkeit. Aus dem eingehenden Kapitel über Nährwert und Nährpreis (Nähr-Geldwert) wird man unter anderem mit Ueberrafchung entnehmen, daß sich der Zucker heulzutage — wenn man von einem gewiffen Mindestbedarf des Körpers an den sogenannten Eiweißstoffen absieht — in Beziehung auf seine Wirkungen im Durchschnitt als etwa 43 mal so billig wie Rindfleisch, also als ein wahres Volks- Nahrungsmittel darstellt, das in dieser Beziehung sogar dem Pferdefleisch und der Milch überlegen ist. Der Zucker erweist sich nämlich in seinen physiologischen Nährwirkungen als ein Sparmittel ersten Ranges; er ist ein Feit- und Eiweiß-Sparer und ein Kräfte-Schoner des Körpers in einer Person. Die angebliche Schädlichkeit des Zuckers für die Zähne in der landläufigen Volksmeinung, deren Grundlosigkeit schon so oft von den hervorragendsten Physiologen nachgewiesen worden ist, findet eine neue und nun wohl endgültige Widerlegung durch die vom Verfasser zum erstenmale mitgeteilten Versuchs des Chemikers Dantine. Auch die von Professor Jaeger aufgeworsene „Bläuungs-Frago", die nährwertlosen und von dem Zucker chemisch gänzlich verschiedenen künstlichen Süßstoffe (Teer- und Harnzucker), insofern sie zu Verfälschungen und dergleichen — z. B. in der Bierbrauerei — dienen, finden in dem Buche ihre sachliche und gründliche Erörterung. Ein kleiner, aber sehr bemerkenswerter Anhang behandelt schließlich die inneren und äußeren Heilwirkungen des Zuckers, die neuerdings großenteils in unverdiente Vergessenheit geraten zu sein scheinen, obwohl ihn noch der berühmte Hufeland in seiner „Makrobiotik" als „eines der ersten Stücke in unserer Haus-Apotheke" bezeichnete. Der Wert des Büchleins dessen Preis nur eine Mark beträgt, wird noch durch eine ganze Anzahl lehrreicher und brauchbarer Tabellen über Nährwert, Preise und dergleichen erhöht. Lttterarisches. Wie die Wochenstube nach Modernen hygieinischen Grundsätzen einzurichten ist, diele sür das Familienglück so ungemein wichtige Frage hat kein geringerer als Prof. Dr. Dührssen (Berlin) in Nr. 1 des neuen Jahrgangs der Zeitschrift „Baby" (Verlag Karl Messer & Ko., Berlin W. 35) mit der ihm eigenen Sachkenntnis und klaren Darstellungsgabe geschildert. In den letzten Jahrzehnten hat sich in dieser Beziehung durch die Kenntnis der Krankheitserreger sowie durch die Vervollkommnung der Antiseptik und Aseptik eine gegen früher völlig geänderte Hygieine der Wöchnerin herausgebitdet. Der Schutz derselben vor übertragbaren Krankheiten ist gegenwärtig ein viel größerer, als früher. Di-s in kurzen Zügen zu skizzieren, war die Aufgabe, die sich der geschätzte Frauenarzt gestellt hatte. Auch im übrig n enthält diese Nummer viel Anregendes und Belehrendes. Dr. Liebmann schreibt über „Geistig zurückgebliebene Kinder", und die preisgekrönte Arbeit über „Die erste psychische Erziehung" von Frau R.ferendar Wolff in Halle a. S. wird gewiß viele Damen interessieren. Mannigfache Er- ziehungsihemata und belletristische Beiträge zeichnen das reichhaltige Heft aus, dem auch zum erstenmale eine sehr zeitgemäße Beilage: „Die Gesundheitspflege der Frau" beigegeben ist. Mehr und mehr bildet sich die Halbmonatschrift „Baby" zu einem der beliebtesten Familienblätter aus. _____________ Citatenrätsel. Nachdruck verboten. Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Citat ergießt. 1. Anfangs wollt' ich fast verzagen. 2. Die Botschaft meldet, man habe dem neuen König von allen Seiten zngejnbelt. 3. Logik giebt's für keine Frau. 4. Des Menschen Engel ist die Zeit. 5. Ich bin es müde, über Sklaven zu herschen. 6. Fürchterlich ist einer, der nichts zu verlieren hat. 7. Wenn alle Tage im Jahr gefeiert würden, so würde Spiel so lästig sein wie Arbeit. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Charade in voriger Nummer. Holzschuh. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.