(Nachdruck verboten.) Die Irre von Sankt Rochus. Kriminalroman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) Fast fühlte sich der junge Arzt von einem Grauen erfaßt vor den mitleidslosen Schickfalsrnächten, indem er sich in die Seelenleiden dissses Mädchens versetzte, die ihm jetzt erst in ihrer ganzen Furchtbarkeit aufgingen. „Hatte Frau Bruscher eine Ahnung von Ihrer nahen Verwandtschaft mit Georgi?" frug Gerth. „Oh, mehr als nur eine Ahnung!" erwiderte Konstanze. „Als er, von der Todesnachricht überwältigt, mich in seine Arme schloß mit dem Geständnis, daß ich« seine Tochter sei, erblickte ich im Spiegel ihr Gesicht, wie sie sich! zu der halboffenen Thür hereinbeugte. Hinter mir die Thür, vor mir der Spiegel, konnte ich über meinen Vater hinweg, der kleiner war als ich, sie deutlich sehen, während sie ihm selbst, obwohl er der Thür zugekehrt stand, durch meine Gestalt verdeckt war." , „Kann Frau Bruscher es bemerkt haben, daß sie rm Spiegel von Ihnen gesehen wurde?" „Ich glaube kaum, daß sie es bemerkt hat. Daß ste aber vorher wußte, es werde zwischen mir und dem Professor zu einer Aussprache kommen, bei welcher die Gefühle das Wort führten, ist sicher; denn als id), den Trauerbrief empfing und ihn hastig erbrach, war sie zugegen Ich sagte ihr, meine Mutter sei gestorben, und dann sah ste mich in meinem Schmerze mit dem Briefe nach dem Zimmer des Professors gehen". „Sagten Sie es Ihrem Vater, daß Frau Bruscher an, der Thür gelauscht hatte?" Ja ich sagte es ihm. „Nun", meinte er, „wenn sie es also doch weiß, so ist sie wenigstens darauf vorbereitet, was geschehen muß." Hierauf teilte er mir mit, daß er sie in einer Zwangslage, wo ste ihn vor die Wahl stellte, ihr in seinem Hause entweder den Platz als seme Gattin oder ihre Entlassung zu geben, zu seiner Haupterbin eingesetzt habe. Als einsamer, alternder Junggeselle sei er der Sklave seiner Gewohnheiten gewesen, und bei j^inem leidenden Zustande habe er einer Pflege und oft auch der Nachsicht und Geduld bedurft. In der wohl begründeten üWW W !SM ■iji w den Weg durch's wilde Meer gefunden, Der nie mit Todesstürmen stritt? — xjw Es ist ein Herz mit seinen Wunden Mehr wert als eins, das niemals litt. Tiedge. Befürchtung, eine Fremde würde sich in seine Eigenheiten nicht mehr so einleben können, wie Frau Bruscher dies im Laufe von zehn Jahren gethan, habe er jenes Opfer gebracht. Mit Ausnahme eines unwürdigen, zur Verschwendung angelegten Neffen, den er verstoßen mußte, sei dadurch! niemand benachteiligt worden. Nun ihm aber sein guter Stern spät noch eine Tochter zugeführt habe, sei die Sachlage verändert, und nichts werde ihn an der Erfüllung der heiligen Vaterpflicht hindern, die er seinem Kinde und dessen Zukunft schulde. Er wollte seiner Wirtschafterin diese Verhältnisse auseinandersetzen, wollte sie, glaube ich, mit einer Rente abfinden. Ob er mit ihr gesprochen hat, oder ob sie bereits die Gefährdung ihrer Erbschaft voraussah, als sie an der Thüre lauschte, weiß ich nicht. Nur wenige Tage genoß id) das Glück, in dem edlen Manne mit dem kindlich guten Herzen meinen Vater lieben und verehren zu dürfen, — da traf die erbarmungslose Hand des Mörders das teure Haupt. An Frau Bruscher dachte ich dabei nicht gleich. Als man den Hammer bei mir fand, stieg der erste leise Verdacht in mir auf; als sie mich« aber mit einem unerhörten, teuflisch! ausgedachten Lügengewebe umspann, wurde es mir zur Gewißheit, daß sie den Tod meines Vaters herbeigeführt hatte, ehe er noch Zeit fand, sein Testament zu meinen Gunsten abzuändern. Um eine so grauenhafte Mordthat bei einem Mädchen von meiner Jugend und meiner Unbescholtenheit glaubhafter erscheinen zu lassen, dichtete sie mir ein epileptisches Leiden an, mit dem ichi nie behaftet war und das uty nicht von einem Manne ererbt haben konnte, welcher gar nicht mein Vater war. — Wenn der Professor mich gesetzlich als seine Tochter anerkannt hätte, wie es seine Absicht war, so hätte sich die Welt wenig darum gekümmert; aber jetzt, wo es sich um die Aufklärung eines Mordes handelte, der das ganze öffentliche Interesse beherrschte, jetzt, wo Richter und Geschworene die Sache in der Hand hatten, wäre der jugend- lick)!e Fehltritt meiner Mutter zum Gegenstände der weitgehendsten Nachforschungen, der peinlichsten Erörterungen geworden; das Familiengeheimnis, das durch eine Zwangsheirat vor einer langen Reihe von Jahren verdeckt worden war, wäre wieder ausgegraben, schonungslos der großen Oefsentlichkeit preisgegeben und durch die Zeitungen von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt getragen worden. Aus manchem Gespräche mit mir wußte Fran Bruscher, wie sehr ich meine Mutter liebte; sie rechnete darauf, daß ich die Vergangenheit der Verstorbenen wie ein unantastbares Heiligtum schützen und sogar mit meinem Leben decken würde; sie spielte va banque, sie konnte, wenn ich. dennoch wankend geworden wäre und das einzige Mittel zu meiner Rettung ergriffen hätte, von der Zeugenbank in die Unter» snchungshaft geführt werden, — aber sie hat ihr Spiel gewonnen." — 378 — Boll scheuer Bewunderung blickte Gerth auf Konstanze. Welch' heroisches Herz wohnte in diesem Mädchen! Eine Märtyrerin kindlicher Aufopferung sah er vor sich die lieber den Schein eines schrecklichen Verbrechens auf sich nahm, als einen Makel auf eine Tote fallen ließ. Welche unvergleichliche Seelenstärke, welch' hoheitsvoller Charakter war hier dem Jrrenhause überantwortet und mit den elendesten Geschöpfen zusammengethan worden! Er wußte aber auch nun, was er diesem edlen Mädchen galt. Nicht der Tod, nicht lebenslängliche Gefangenschaft in diesem Kerker geistiger Umnachtung vermochte ihr das Wort zu erpressen, welches ihr Erlösung bringen konnte; vor der ganzen Welt trug sie das Brandmal der Mörderin, — nur von ihm allein wollte sie nicht verkannt sein! „Fräulein Konstanze", sagte er in feierlich! ernstem Tone, „das unbegrenzte Vertrauen, welches Sie mir entgegengebracht haben, schützt Ihr Geheimnis bei mir sicherer als tausend Eide, die Sie mir abfordern könnten; aber kann nichts Sie bewegen, auch vor der Welt Ihr Schweigen zu brechen, um Ihre Freiheit wieder zu erlangen? Niemanden ßiebt es, dem diese Freiheit so kostbar wäre wie mir. Vielleicht wissen Sie das längst!" Ein feines flüchtiges Rot, welches über ihr Antlitz huschte, verriet ihm, daß sie es wußte. „Daß Sie die Tochter des Hingemordeten sind, daß für jene, von maßloser Habsucht beherrschte Frau, der dies bekannt war, ein großes Erbe auf dem Spiele stand, — das ist das wichtigste Glied in der Kette von Entlastungsmomenten, die ich bereits in der Hand halte. Der Mörder selbst, dessen Frau Bruscher sich als Werkzeug bedient hat, ist so gut wie entdeckt. Hören Sie mich an, welche überraschenden Erfolge der Thätigkeit des Detektivs bereits zu verdanken sind". „Oh! sagen Sie mir nichts davon!" bat Konstanze inständig, „geben Sie Ihre edelmütigen Bemühungen auf; die letzte Krönung derselben würde doch das Grab meiner Mutter schänden. Das Blut meines Vaters schreit um Rache, und nichts wünschte ich mehr als die Sühne dieses Verbrechens; aber auch die Ehre meiner Mutter ist mir heilig, und für sie würde ich ruhigen Herzens mein Haupt auf den Block gelegt haben. Nimmer, nimmer werde ich um solchen Preis meine Freiheit erkaufen „Konstanze!" rief der junge Arzt, indem er sich ihr zu Füßen warf und bebend ihre Hände ergriff, „haben Sie keinen Lohn für den Mann, der, wie kein anderer, an Ihre Unschuld glaubte?" Sie lächelte verklärt; denn sie wußte,! wW er mit diesen scheinbar selbstsüchtigen Worten sagen wollte. „Meine Liebe bis in den Tod", antwortete sie, „meine Liebe, bis mein armes Leben in diesen Mauern erlischt!" Sie beugte sich auf ihn herab und bot ihm den Mund zum Kusse dar. (Fortsetzung folgt.) Die Haus- und Reiseapotheke. Gin medizinischer Ratgeber für Familien in der Sommerfrische. ! Bon Dr. med. Kurt Rudolf Kreusner. Nachdruck verboten. Es ist ein Zeichen der modernen Zeit, daß sie nicht nur für ibjen Krieg, sondern auch für alle erdenklichen Unfälle im Frieden und im täglichen Leben die Mittel zur Abwehr und Hilfe bereit hält, um sie im Augenblick der Not sofort mobil zu machen. Besonders gilt dies von Unglücksfällen und plötzlichen .Erkrankungen. In den ©täbten sorgen Sanitätswachen unb Rettungsstationen für bie erste Hilfe; in Theatern unb sonstigen großen Vergnügungslokalen pflegt ober hätte wenigstens ein Medikamenten- und Verbanbskasten stets für ben Bedarfsfall zur Hand zu sein; ebenso existiert auf der Eisenbahn int Wagen des Zugführers unb auf ben Unterkunftshütten im Gebirge fast immer so eine fliegende Apotheke. Wie aber steht es in den Familien, in ben Kreisen der Bergwanderer und Sommerfrischler mit dem tragbaren Mebikamentenschatze? Gewöhnliche ist ein Stückchen Englisches Pflaster, welches bann im Gebrauchsfalle nicht kleben unb haften bleiben will, der einzige Arzneivorrät- gesellt sich bazu noch! ein Fläschchen Arnikatinktur unb ein Stüchchen lieblich buftenber, ranziger Hirschtalg, unb sind gar noch Magentropfen ober Schweizerpillen vorhanben so ist bas schon etwas außergewöhnliches. Und doch! in welch arge Verlegenheit kann sowohl ber einzelne Tourist wie bie. Familie in der ländlichen Sommerfrische, fern von Arzt unb Apotheke durch kleine Blessuren und Unfälle geraten, bie in der Stadt nichts weiter auf sich! haben. Da hat die Hausfrau sich bei Zubereitung eines Gerichtes an dem ihr ungewohnten Herd des Bauernhauses eine ziemlich heftige Verbrennung zugezogen und weiß nicht, womit sie die Schmerzen lindern soll. Vater hat in der Abendkühle etwas zu lange mit dem neuen Bekannten in Hemdsärmeln gekegelt unb hat einen argen Rheumatismus in ber rechten Schulter oder gar einen regelrechten Hexenschuß. Der kleine Karl hat trotz des strengen Ver- botes in einem unbewachten Augenblick irgendwo am Raine verdächtige Beeren gegessen unb klagt über Leibschmerzen; Lieschen kommt heulend aus dem Garten ins Zimmer ge^ stürzt; denn ein Insekt hat sie, als sie im Sande spielte, in die nackte Wade gestpchen und die Umgebung der winzig kleinen Stichwunde schwillt mehr unb mehr an unb entzündet sich sichtlich, und der Herr Gymnasiast ans Quinta schleppt sich mühsam nach Hause von einer tollen Jagd über Stock und Stein, bei ber er sich! ben Fuß übersprungen hat, ber am Knöchel bicf angeschwollen ist. Da ist es von hohem Werte, bas Notwenbigste für ben Augenblick bei ber Hand zu haben. Vor mir liegt eines jener Täschchen in Zigarrentaschenformat, wie sie jetzt für 1 bis 2 Mark in allen Apotheken zu haben sind, und das sich stolz „Retter in ber Not" nennt. Für eine Tagespartie, für die man sich nicht mehr belasten kann, oder wenn gar nichts besseres zur Hand ist, wird man ja auch für das in ihr gebotene dankbar sein müssen. Für einen wochen- langen Familienaufenthalt auf bem Lande aber ist damit fein Auskommen zu finden und wird auch der Medizin- kasten, ohne daß er zu einem voluminösen Stück anwächst, etwas größere Dimensionen haben können. Was man nun als das notwendigste mitnehmen soll und wie man es zu verwenden hat, dazu sollen bie nachfolgenden Zeilen eine Anleitung geben. Das wichtigste ist bas nötige Material zur Behandlung äußerer Verletzungen. Ein gut verschließbares Fläschchen fülle man mit 30 Gramm Krystallen von essigsaurer Thonerbe. Ein Drittel bavon, in einem Drittel Liter Wasser aufgelöst, giebt ein höchst wirksames Wasser zu Umschlägen auf entzünbliche Körperstellen, Insektenstichwunden, Beulen, Anschwellungen und dergleichen. Das ausgezeichnetste Wasser für Verletzungen aller Art ist freilich! das Sublimat, welches in Form von Pastillen zu je 1 Gramm auf 1 bis 2 Liter Wasser für alle Verletzungen anwendbar ist. Leider ist es in konzentrierter Form, wie alle antiseptischen Substanzen, ein gefährliches Gift unb die Pastillenform desselben ist ben bekannten Fruchtbonbons nicht ganz unähnlich; wer daher nicht soviel Ordnungssinn besitzt, den Stoff stets unter sicherem Verschluß zu halten, verzichte lieber darauf, und begnüge sich mit einem anderen Desinfektionsmittel, als welches schließlich auch, das zum Mundspülen vorzüglich geeignete übermangansaure Kali verwendbar ist, von bem wir ein Schächtelchen mit 5 Gramm Inhalt mitnehmen und soviel Kryställchen in Wasser auflösen, daß dieses stark rosarot gefärbt ist. In dieser Form ist es gleichzeitig für entzündete Augen zu Waschungen und Aufschlägen geeignet Für Verbrennungen nehmen wir ein Hundertgramm- släschchen halb Leinöl halb Kalkwasser, wie es in jeder Apotheke erhältlich ist, mit, um damit auf ben Brandblasen Umschläge zu machen. Hat eine intensivere Verbrennung stattgefunden, bei welcher sich! die Oberhaut loslöst, so ist so vorzugehen wie bei jeder Quetsch--, Riß- oder ©chnitt- wunde, nämlich! zuerst mit einem der oben angegebenen antiseptischen Wässer zu desinfizieren; dann aber brauchen wir ein Wundstreupulver zum Einstäuben der Wunde. Das bekannte Jodoform, so wirksam es sonst ist, erfreut sich! feines durchdringenden Geruches — ober sagen wir lieber - 379 —. ehrlich seines Gestankes wegen — keiner Beliebtheit. Wir haben dafür ein mindestens ebenso gutes, wenn wir ein Schächtelchen mit Xeroformpulver, welches jede Apotheke verabfolgt, mitnehmen. Es ersetzt uns durchs seine Vielseitigkeit eine Menge anderer Präparate, indem es nicht nur zum Einstäuben der Wunde, welches reichlich, aber nicht übermäßig zu erfolgen hat, dient; denn ein paar Stäubchen durch! eine Pinselschnellung auf die Hornhaut des Auges gebracht, sind bei Entzündungen und Geschwürbildungen auf derselben von guter Wirkung. Ebenso wirksam ist es mit dem dreißigfachen Quantum Vaselin, Vasogen oder, wenn gar nichts anderes vorhanden ist, auch reinem Rindstalg oder Schweinefett verrieben, als Salbe. Haben wir uns auf weitem Marsche am Fuße oder anderswo wund gerieben, so leistet es uns als Streupulver wiederum die besten Dienste, und das Nesthäkchen, das, wie das häufig vorkommt, an den jeder Mutter bekannten Stellen wund ist, wird, wenn man es damit einstäubt, schneller seine heile Haut wieder haben, als wenn Bärlapp oder Kiuder- stupp usw. zur Verwendung kommt. Natürliche brauchen wir zum Verschluß der wunden Stellen auch etwas Verbandmaterial; da heißt es also Gaze zum Bedecken der Wunden, dann ein Stückchen entfettete Verbandwatte und verschiedene Organsinebinden, vielleicht 6, 8 und 12 Zentimeter breit, mitnehmen. Wer besonders vorsichtig ist, möge auch noch eine Flanell- und eine Gummibinde mitnehmen. Leicht kann es vorkommen, daß wir uns durch ungeschicktes Auftreten den Fuß verstauchen, oder durchs Festhalten beim Ausgleiten oder Stürzen das Handgelenk verletzen. Der Zerrung der Gelenkbänder folgt in der Regel bald eine starke Schwellung und, nachdem man die heftigsten Entzündungserscheinungen durch Umschläge mit der oben genannten essigsauren Thonerde bekämpft hat, führt nichts' schneller zur Heiluug, als wenn wir das gezerrte Gelenk von der Finger- oder Zehenseite gegen den Körper zu in eine in festanliegenden Touren anzulegende Flanell- oder Gummibinde einwickeln .Zum Verschluß geringfügiger Wunden nehmen wir nach! erfolgter Desinfizierung statt des schlecht klebenden englische Pflasters lieber Heftpflaster; das sogenannte amerikanische ist wegen seiner großen Klebkraft besonders zu empfehlen. Ein Gummifinger über den mit Heftpflaster armierten Finger gezogen, kann uns gute Dienste leisten, und ein Gummibeutel zum Anfüllen mit kleinen Eisstücken und Auflegen auf entzündete Stellen oder auf den Kopf bei Fieber vervollständigt die chirurgische Ausstattung, der wir passenderweise noch ein Touristenpflaster zur Aufweichung von harter Haut und einige Hühneraugenringe beifügen. Was brauchen wir nun für Medikamente zum innerlich Einnehmen? Die häufigsten Gesundheitsstörungen auf der Reise oder in der Sommerfrische, wo wir ungewohnt zubereitete und vielleicht auch! manchmal verdächtige Nahrungsmittel genießen, zeigen sich in beschleunigter oder verlangsamter Verdauung. Es heißt also da, sich! für den ersteren Fall mit Choleratropfen zu versehen oder viel besser noch mit Opiumtinktur, die der Hausarzt gern verschreiben wird, und von welcher im Bedarfsfälle 20 bis 30 Tropfen auf Zucker oder in Thee, Kaffee oder in Wein zu nehmen sind. Im entgegengesetzten Falle brauchen wir eine Portion Bittersalz oder, wer pflanzliche Reinigungsmittel vorzieht, Schweizerpillen, Sageada- oder Tamarindentabletten, alles Dinge, die in der Apotheke ohne Rezept zu haben sind, und deren Gebrauch aus der gedruckten Anweisung ersichtlich! ist. Für Magenschmerzen und Hustenanfälle besorgt uns der Arzt ein Dutzend Codeinpulver zu je 2 Zentigramm, mit Zucker verrieben, die angenehmer wirken als Morphin. Um den Zahnschmerzen, wenn sie von hohlen Zähnen herrühren, beizukommen, legen wir ein Fläschchen fünfprozentiger Cocainlösung bei. Ein der Höhlung des Zahnes entsprechendes Stückchen Watte, damit getränkt und in den hohlen Zahn gebracht, beruhigt fast augenblickliche den Schmerz des blosliegenden Nervs. Damit die Wirkung länger anhält, bedecken wir das Wattekügelchen mit ein wenig in flüssiges Zahnharz getauchter Watte, die toir mit einem geeigneten Gegenstand, dem stumpfen Ende einer Häkelnadel oder dem blosen Finger hineindrücken. Uebrigens können wir das Cocain auch; vortrefflich! bei schmerzhafter Augenentzündung brauchen, indem wir einen Tropfen davon in das mit dem Finger vom Augapfel abgezogene Lid bringen. Die ab und zu von Kopfschmerzen geplagte Hausfrau wird einen kleinen Vorrat von Antipyrin oder von dem energischen und prompter wirkenden Migränin zu je einem oder einem halben Gramm gut verwenden können, und auch! wenn ein Familienmitglied von Fieber befallen wird, angemessen Gebrauch davon zu machen wissen. Nun bleibt noch das Thema Erkältung und Rheumatismus zu beachten. Für letzteren ebenso wie für Nervenschmerzen ist ein Fläschchen Pain-Expeller, welcher bis zur Rötung der Haut eingerieben werden muß, von nicht zu unterschätzendem Nutzen. Gegen Erkältung aber heißt das einfachste Hausmittel „Schwitzen", so unangenehm es auch im Bette sich gestaltet. Eine heiße Limonade mit 1 bis 3 eingrammigen Pulvern von Salicylnatron, das in jeder Apotheke abgegeben wird, verhilft am leichtesten dazu. Handelt es sich! aber darum, dem drohenden Bronchialkatarrh und Schnupfen vorzubeugen, so giebt es nichts besseres als mehrmals täglich 10 bis 15 Tropfen Creosot- karbonat, auch- Creosotal genannt, in etwas heißem Getränk einzunehmen. Ein Bronchialkatarrh, den wir wegen der Häufigkeit seines Auftretens meistens geringschätzen, ist ein liebel, dem man mehr Beachtung schenken sollte, als gewöhnlich geschieht; je häufiger er wiederkommt, desto leichter wird er chronisch, und dann ist es schwer, ihn zu beseitigen. Außerdem erhöht er bei schwächlichen Personen die Disposition zur Tubekulose. Stellt sich'! daher bei solchen der bekannte Erkältungshusten ein, so sollte sofort mit dreimal täglich! 10 bis 15 Tropfen Creosotal begonnen und dies eventuell längere Zeit fortgesetzt werden. Ein einfacher Erkältungskatarrh und Husten läuft übrigens beim Gebrauch! dieses Mittels für den Patienten viel angenehmer und schneller ab als sonst. Alle vorstehend genannten Mittel, mit welchjen man gegen die gewöhnlichen Unfälle ziemlich gewappnet ist, nehmen bei ökonomischer Verpackung nicht viel mehr Raum ein, als in einer gewöhnlichen Zigarrenkiste enthalten ist. Daß man eine solche zur Aufbewahrung der Medikamente benutzen soll, wollen wir damit keineswegs gesagt haben; denn auch für die einfachste Hausapotheke gehört ein wohl verschließbares Kästchen, damit weder Kinder noch Dienstboten oder Unberusene über den Inhalt geraten können. Außerdem hat jedes Medikament, sei es Flüssigkeit oder Pulver oder sonst etwas, seine genaue Aufschrift zu tragen; denn nur zu schnell ist ein Unglück durch ein falsches Medikament geschehen, und es haben Verwechselungen darin schon oft zu den betrübendsten Unfällen Veranlassungen gegeben. Richtig gebraucht, wird aber die Haus- und Reiseapotheke viel Nutzen stiften und oft über eine schwere Und ängstliche Stunde forthelfen. Lauschrätsel. Nachdruck verboten. Adler Bier Die Anfangsbuchstaben nebenstehender Haus Elias Habe Land Wörter sind mit anderen Buchstaben der- Feder Zobel art zu vertauschen, daß man ebenso viele Kind Muster neue Wörter erhält, deren Anfangsbuch- Aller Ohr staben den Namen eines deutschen Lyriker« Keller Sonne Kessel ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: A u b e t Uran Bad E n R 380 Fig. 3. Fig- 1. Fig- 2. Seboltm: E. Burkhardt. - »ruck und Bnlag der »rsihl'fq«, Uut.nMtz.Bnch. und Steindmckerei (Pietsch «rd«M in *«%«- Etwas über die Kleidung für die Reise und die Sommerfrische. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden. Reichhaltiges Modcnalbum und Schnittmusterbuch LSVPfg. daselbst erhältlich. „Willst Du immer weiter schweifen? steh' das Gute liegt so »ah", an dieses Sprichwort möchten wir alle diejenigen ermnern, welche für ihr Leben gern nach Paris zur Weltausstellung wollten und es aus diesem oder jenem Grund zu ihrem größten Leidwesen. nicht können Gewiß ist die Ausstellung schön, und sicher werd man nicht gleich wieder etwas Aehnliches sehen können, aber eine Erholung für Körper und G«st ist ihr Besuch nicht. Wie ungleich angenehmer und erfrischender ist im Vergleich damit ein Aufenthalt selbst nur in einfacher Sommer- frische! Welche Fülle von Wundern und Herrlichkeiten findet fich in Wald und Flur, wenn man nur Augen hat, zu sehen, und Gefühle, zu empfinden. Schöner als alle Bauwerke sind die Berge in ihren natürlichen Formen, schöner als alle elektrischen Licht- und Wasserkünste ist eine von der untergehenden Abendsonne beleuchtete Landschaft, und kein Leben und Treiben, keine alte Stadt, kein noch so schönes Kunstwerk kann die harmonische wohlthuende Stimmung in uns erzeugen, welche ein idyllisches Plätzchen im Walde, ein sonniger Morgen ober ein friedlicher Sommerabend uns empfinden läßt. Darum, wer wirklich der Erholung bedarf, der gehe lieber nicht nach Paris. , . , . Freilich der Vorbereitung bedarf em Gommeranfenthalt gleichfalls; denn wenn wir wirklich genießen wollen, sollen uns keinerlei kleinliche Sorgen daran hindern, und besonders die leidigen Toilettensorgen sollen ganz verbannt und deshalb vorher abgethan sein. Wie equipiert man sich aber nun am vorteilhaftesten, um für alle Fälle Litterarr-ches. Emitter weitere Verbreitung in allen Frauenkttis« finden die für jede Art Schneiderei praktischen Schmitmodelle « Fnternaiionalen Schnittmanufaktur, Dresden. Jede nach diesen g° vorzüglichen Schnitten gefertigte Toilette Mchnet sich durch emen elgw» Chik aus sodaß auch Damen der ersten Gesellschaftskreise sich ihm m besonderer Vorliebe bedienen. Natürlich sind auch Schnitte für alle fachen Kleiderarten erhältlich, die sich wegen ihres leichten GebrM- für alle sparsamen Hausfrauen als ein sehr wertvolles HufsM'M bequemen Selbstverfertigmig Don Sicher ist es für jedermann von Wert, diese praktische Neuheit zu lernen, und empfiehlt es sich deshalb, sich ein reichhaltige- » * und Schnittmusterbuch für nur 50 Pfennig von der Jnternaiwn- Schnittmannfaktur, Dresden zu bestellen, welches eine ausfuhw, Uebersicht über die neue Mode und über alle erhältlichen Sch gewährt. ______________ diesen Dingen bietet die Mode reizende Neuheiten, von denen wir jedoch nur Einzelheiten herausgreifen können. So ist j, B. besonders modern, ine leichten Foulard-Seiden mit Creme Spitzen zu inkrustieren, und hat man dazu wundervolle Spitzen. arrangementS, welche jedoch nicht nur in fortlaufenden Spitzen ober Einsätzen bestehen, sondern einzelne Figuren oder Bordüren, Blumen- ranken wohl auch ganze Garnitnrtcile darstellen. Dieselben werden dem Stoff erst flach aufgesetzt und dann wird derselbe darunter fortgeschnitten, sodaß das Seideusutter darunter hervorschimmert. Dazu nimmt man meist lose bauschige Blusenformen und anschmiegende, lang hernieder, fallende Rockformen mit hinten kleiner Schleppe oder auch einen in kleine oder gruppenweise Fältchen geordneten Schnitt. J vv Aehnliche Arrangements verwendet man zu dunklen Wollstoffen wie Voile ober Grenadine, welche dann auf ein halbdmch- schimmerndes Futter (meist ©loriafutter) geordnet werden. Die Besätze bestehen bann vorzugsweise aus Seidenmouffelin mit Seidenschnur- und Paillettenstickerei. Junge Damen ziehen aber wohl ein hübsches Wasch, kleid in Heller Farbe diesem vor, wozu Battist, Organdy und andere leichte Stoffe das geeignetste Material liefern. Auch hm sind die durchbrochenen Garnituren in Valencienne und anderen seinen Spitze«, abwechselnd mit kleinen Fältchen btt modernsten und elegantesten Ausstattungen, Auch schwarze Sammetbandbesätze utrt Rosetten sind wegen ihres reizvollen Sten- trastes zu den Hellen Stoffen sehr beliebt, Dies die elegante Toilette für die auch in der Sommerfrische sich bietenden befonberen Gelegenheiten. Es fehlt hierzu noch ein einfacheres Woll- ober Waschkleid, um in die tägliche Toilette etwas Abwechselung zu bringen und ein langes wärmendes Cqi für kühle Abende. Dann aber ist man, bank bcr verschiedenen Blusen zum Jack», kleid, auf einige Wochen vollkommen ai& gerüstet; eS sei denn, man gehe in ein Modo bad zur Toilettenschau. In diesem Falle freilich würde dies aller nicht ausreichen. Doch dazu unsere speziellen Ratschläge zu erteilen etichm nickt nötig' denn die Mode der Bäder ist die gleiche tote die SRobe bet eleganten Welt überhaupt. Wir beschränken unS deshalb daraus, nur tun noch die Beschreibung einiger Modelle zis bringen, welche für d« Wester vorn beschriebenen Kleider als Vorlage dienen können und btnn Schnitte bei der Internationalen Schnittmanufaktur in Dresden tu allen Größen zu haben sind. ~ Abbildung 1 ist ein modernes Jackenkleid aus - braunmelmt« Covercoat mit weißen Steppstichreihen verziert. Die vorn offene Ick hat einen breiten Kragen, welcher in 6ogige Revers übergeht. gleichen ist der untere Jackenrand in Bogen geformt ® Abbildung 2 stellt ein einfaches Woll- ober Waschkletb dar, btfitit runder Koller und Stehbündchen mit Borden oder Schrägstreifen NÄ besetzt ist. Der Schluß geschieht seitlich mittels Zierknöpfen. Fm m Waschkleid ist eine derartige Bluse ohne Futter zu arbeiten. Um * Halt zu geben, würde sie am Taillenschluß abzuschneiden und an bin SR°db SlbbUbuttg™ giebt eine hübsche Vorlage für ein besseres W Kleid Der Spitzenkoller sowohl als auch die Zwischenräume zmM den Öuetschenfalten von Bluse und Rock sind, wie ersichtlich, nut schw-NP Sammetbändchen in reizvoller Weise besetzt. Humoristisches. Eigenartiger Erfolg. „Also Sie haben g-M-n °ls K» Lear?" — „Riesig, namentlich in der Wahnsinnsscene. 3™ gab's nur eine Stimme: So was Verrücktes hätten sie noch gesehen!" __ wohl gerüstet zu fein? Da ist zunächst immer wieder das Jackenkleid zu nennen. Fast möchte es lächerlich . erscheinen, daß man in einem neuesten Modenbericht in erster Suite etwas so Altbekanntes erwähnt. Und doch, will man gewissenhaft fern, so muß man als praktischsten Anzug das Jackenkleid empfehlen Immer ist es am Platze — im Koupee und bei den Spaziergängen, bei Regen und Sonnenschein. Durch die ergänzenden Blusen läßt es sich für lebe Gelegenheit paffend gestalten. Die Blusenrnode floriert denn auch mehr denn je, und die Auswahl in dafür bestimmten Stoffen, Arrangement, Schlipsen und ergänzendem Beiwerk ist eine ungemein große Battist in weiß und geblümt, Ptqu« in weiß und rat, Seinen in Naturfarben, rot und dunkelblau und all das Heer der übrigen bekannten Waschstvffe lösen sich ab mit Foulard, Waschseide, englischem Flanell und eleganteren Seidenstoffen. Alle Blusen aber, wenigstens sobald sie zum Genre der Hemdblusen gehören, werden durch weiße Leiuenkragen und je nachdem mehr oder minder elegante Schlipse ergänzt. Besonders in letztem Artikel wird jetzt mitunter großer Luxus getrieben; denn man begnügt sich nicht mehr mit den einfachen Schlipsen nach Herrenart, sondern trägt große und kleine Schleifen von breiten und schmalen Chine- bändern, gebundene oder gesteckte Schleifen von farbigem Chiffon ober duftige Spitzen- kravattcn. Die breiten Bänder werden häufig doppelt um den Hals geschlungen und durch zierliche Nadeln, oft auch richtige breite Schlösser gehalten. Das Jackenkleid selbst hat jetzt auch nicht mehr die puritanische Einfachheit von früher, sondern die offene Jacke mit allerhand Der. senden Bogen an Revers und flottem Schößchen zeigt allerhand schmückendes Beiwerk tote Applikationen, Stepplinien, helle Revers rc. und das früher ausnahmslos aus Loden oder ähnlichen nüchternen Stoffen bestehende Herstellungsmaterial hat sich in zum Teil recht elegante Tuche, feine, sogar weiße Flanelle, wohl auch in Seinen ober Pign« tierroonbett, welche es gestatten, den Rock auch zu eleganteren Blusen zu tragen und somit schon ein Kostüm er- fehen Als Ergänzung des JackenkostümS wird ein besseres Kleid kaum entbehrlich sein, und je nach Alter und Persönlichkeit ist hierfür em Foulard — seines Woll- oder Waschstoffkleid zu empfehlen; in allen i In reinen § Mädchen Dan heftigen „Koi sagte er bleibend, freiung deren K' Nacht di Freie fü nur den wissen, i schädiget werde iä abhängi, niemand Er zu flüster ihrem A düng zä thun w- auch ein „Un sie, ihm unvorhe fälliges alle rto machen, Wächter sicherer! Verantv würde, i versuche Ihrer H