Schluß. Er schlug sich mit der geballten Faust vor die Brust. „Blöder Thor, der ich, war, der die Unschuld von sich Hieß, und die Sünde an sein Herz nahm! Ich char ja stutzig geworden, ich wollte nicht an die Schuld des Kindes glauben, die Wahrheit dämmerte in mir auf, aber sie umschlang mich mit den weißen Armen und flüsterte mit den falschen roten Lippen und küßte mich, bis ich unterlag. Und -dann — sie war Wolf's Mutter! Wie konnte sie in seiner Nähe sündigen, unter seinen reinen, klaren, Augen? Und doch", er dämpfte seine Stimme, gleich, als scheue er das geschlossene Ohr des Toten, „that sie es! O, ich weiß alles, es hätte kaum noch des schriftlichen, Beweises bedurft. In ihrem Schreibtisch fand ich ihn, vor einigen Tagen erst: ein vergessenes Briesblatt von, dem Ehrlosen, welchem ich meine Tvchter opfern wollte. Ich hatte nach einem Schreiben von Dina gesucht —: der Kranke, der Sterbende hatte verlangt, daß ich ihr verzeihe, und was hätte ich ihm abschlagen können? Ich, wußte, man hatte die Briefe vor mir verborgen, ich solle mich nicht aufregen, und es sei ja auch hinreichend für die Frau des Malers gesorgt. Ich fand kein Wort von ihrer Hand, aber das Blatt mit den sündigen Liebesworten, die meinem Weibe galten, fiel mir in die Hände". Er stierte vor sich hin. „O, diese Stunde, diese Stunde! Wie der Wahnsinn da an mich heranschlich, wie er die dürre, zuckende Faust nach mir reckte! — Aber ich durfte nicht unterliegen, ich hatte keine Zeit dazu! Mein Sohn wollte von mir, und ich mußte mit den Minuten geizen, in denen er mir noch gehörte. Und daün ging er, und die Sonne meines Daseins erlosch ! Nacht, dunkle Nacht um mich, nur ein ferner dämmernder Schein: Dina Und nun, da ich sie rufe, da ich sehnsüchtig die Arme nach ihr ausstrecke, hört sie mich nicht, ist sie dahingegangen, wo keine Reue, keine Sühne sie mehr erreicht". Er hob die trüben Augen zur Decke. „Meine beiden Kinder!" murmelte er. „Du strafst hart, Vergelter dort oben!" Ich verstand wenig von alledem, Hans, aber der alte Nachdruck verboten. „Es sah eine Linde ins tiefe Thal." Novelle von R. Litten. 88® Malli] 'K! $1 SM i n n Aus Paradiesestagen. Julius Lohmeyer. urch jedes Erdcnleben zieht Ein leises Sehnsuchtsklagen Wie ein vergeff'nes Jugendlied Mann, der mein Großvater war, that mir unsäglich leid. Mein Kinderherz wallte über in heißem Mitgefühl. Ich schlich mich an ihn heran und drückte seine Hand an meine Wange. „Vergißt Du mich denn ganz, lieber Großpapa?" flüsterte rch, „soll ich denn nicht bei Dir bleiben. Dich trösten, wenn Du traurig bist?" Er starrte mich erst wie geistesabwesend an, dann preßte er mich an seine Brust und. verbarg sein Gesicht! in meinen Locken. Sie waren feucht, als er mich endlich zur Erde gleiten ließ. Seit dieser Stunde, Hans, ließ mich mein Großvater, kaum meyr von seiner Seite. Er adoptierte mich und verlieh mir alle Rechte des Hauses. Seine Frau betrat die Schwelle dieses Schlosses nicht mehr. Sie ließ es! zwar nicht an Versuchen dazu fehlen, doch sie scheiterten alle an dem eisigen Nein, welches auf jede ihrer flehent-, lichen Bitten und Anfragen erfolgte. Das Walten der Nemesis! Meiner Mutter hatte sie das Vaterhaus verschlossen, nun öffnete es sich ihr selbst nicht mehr. Ihr Gatte sprach ihren Namen nie mehr aus, selbst ihre Bilder verschwanden auf sein Geheiß aus den! Gemächern. Sie führte dann ein Nomadenleben, wie es, wohl ihren Neigungen entsprach, erst vor wenigen Jahres kam die Nachricht ihres Todes aus Paris". Hans hatte mit gespanntester Aufmerksamkeit der Er^ zählung Friedas zugehört. „Und Du, Else", fragte er nun, da sie schwieg, „Du hattest meiner in dem neuen glänzenden Leben vergessen?" Sie sah ihn an, ihre Augen füllten sich langsam mit Thronen. „O, Hans", flüsterte sie, „wie viele Wende habe ich mich in den"Schlaf geweint, wenn die Sehnsucht nach Dir gar zu übermächtig wurde. Brigitte hatte an Deinen Onkel geschrieben, ihm Aufklärung gegeben, ein Brief von meiner steifen Kinderhand an Dich war eingeschlossen, aber das Schreiben kam zurück mit dem Vermerk: Adressat verstorben. Was sollte ich thun, Hans? Ich war ein Kind und wußte mir keinen Rat. Bald daraus kam ich nach Brüssel in ein Pensionat, aber die heiße Sehnsucht nach Dir nahm ich auch dorthin mit. Ich schrieb auch einmal von dort aus an Dich, obgleich ich mir sagte, daß Du längst das Städtchen verlassen. Vielleicht, daß man dort Deinen Aufenthalt kannte, Dir den Brief zuschickte. Aber auch, diese Hoffnung war vergebens, er gelangte wieder in meine Hände. Dann, als ich erwachsen war, und mit dem Großvater auf Reisen ging, gehörte ihm meine ganze Sorge. Ich war ihm so notwendig, Hans, er konnte nicht ohne mich sein, nur mir gelang es, die finsteren Schatten, welche, ihn umablässig umdrängten, zu bannen. Das Leben, fremdes und eigenes Verschulden hatten sein Gemüt verdüstert. Er war zum Menschenfeind geworden, zum 322 i '^^esse bringenb um eine UntWbung. ®lfnebe bem Geliebten voran in ben roten Salon trat laß ber Gast mit umwölkter Stirn leise flüsternb neben grau von Suchen, sprang aber sofort auf, als er sie er” oncrte. ' linsteren Grübler., Zu Hause litt es ihn nicht, unb die j Aerzte, welche^ zeitweise für seinen Verstand fürchteten, i rieten Luftveränderung, Zerstreuung an. Aber auch in der Ferne, an den zauberischen Gestaden des Mittelmeeres, m ber herrlichen Schweiz, in Bayerns Bergen, in Tirol unb wir sonst unseren Wanderstab lenkten, saß ich manche bange Nacht an seinem Bette, plauderte mit ihm, las ihm vor und ließ mir von Wolf erzählen. Bon meiner Mutter ] sprach er selten, und wenn es geschah, mit ben I bittersten Selbstanklagen. Ihr trauriges Geschick war der 1 wundeste Fleck m seiner Seele. Darum, Hans, hab' ich I Seine alte Freundin wollte seinem Beispiel folgen, aber fte brachte es nur zu einem Händedruck und den gestammelten Worten: „Es ist wirklich wahr, Komtesse ürieda. Sie haben sich verlobt, unb nach so kurzer Be- «4? »s Ät SÄ m i ihre Hände mit Küssen. I ^el ihr das schone Mädchen Um den Hals unb „Meine süße Elfe! Mein einziges wiedergefundenes I !, F?' t11? .Augen auf den Geliebten gerichtet, lachend Glück!" flüsterte er ihr dabei zu. „Und Du willst wirklich I Unb to1^n ., ach Gott . . ., ach Gott, was soll blos aus den a . . . a . . . armen Kindern werden?" schluchzte Emilie. So um die zwölf Uhr-Zeit, um welche Stunde man' in dem Städtchen zu mittag aß, wußte man überall im Orte Bescheid. Lundbom hatte seit vier Jahren eine Liebschaft mit einer jungen, schönen Frau mit drei kleinen süßen Kindern draußen an der Eisenbahnstation Lindenburg. Dies Treiben sah Lundbom schrecklich ähnlich, der schon in seiner Studentenzeit ein großer Taugenichts gewesen war. Nun hatte seine Frau von der Sache Wind bekommen und war ganz verzweifelt. Ferner hätte Lundbom, dieser gemütliche Mann, der bei Gesellschaften niemals einen über den Durst trank, sich zu Hause zu einem Geheimsäufer erster Klasse entwickelt. Eine Frau, die auf dem Markt Obst verkaufte, wußte aber ganz genau, daß Frau Lundbom mit einem Zivil- Ingenieur, der die neue Sekundärbahn baute, zusammen gesessen hätte, als Lundbom eines Tages zehn Minuten zu früh zum Mittag kam. Das wurde am ersten Tage festgestellt. Dann wuchs es ins ungeheure. Aber es gab in dem Städtchen nicht nur böswillige und skandalsüchtige Leute, sondern, Gott sei Dank, auch liebe- und mitleidsvolle Menschen. Der Herr Pfarrer ging zu Frau Lundbom und sprach davon, wie schön und erhaben es sei, Nachsicht zu üben mit menschlicher! Schwäche — auch der empörendsten — und daß auch ein reines und holdes Glück auf dem Grund des Vergebens erblühen könne. Frau Lundbom setzte ihm Marmelade und Ananas- punsch vor und stimmte ihm bei. Wer was' sie selbst anbeträfe, so wäre sie leider immer die sündhafteste gewesen und hätte wenig zu verzeihen gehabt. Der Gottesmann versank in tiefe Gedanken. Am Ende hatte doch die Obstfrau recht Gleich darauf kam die Majorin Dümpel und sprach gezwungen und unzusammenhängend von allem möglichen. Als sie sich aber verabschiedete, brach sie in Thräneu aus, sank Frau Lundbom um den Hals und schluchzte: „Liebste Freundin, denke an Deine Kinder! Ich glaube wohl, daß es schwer für Dich ist — aber denke an diel Kinder!" „Was in aller Welt meinst Du damit, liebe Tante?" „Verzeihe mir! Ich will nicht noch Steine auf dep Berg tragen, aber denke an die Kinder und thue nichts, was Du später bereuen müßtest!" sagte Tante Dümpel. Ein älterer Kollege faßte Lundbom nach Kontorschluß unter den Arm und machte mit ihm einen Spaziergang von einer halben Meile rings um die Stadt mib sprach davon, wie genau der Chef der Fabrik in Bezug auf die „Führung" des Personals wäre. Auch der Tüchtigste würde schwerlich weiter kommen, wenn bei ihm etwas „Moralisches" nicht in Ordnung wäre. In solchen Fällen wäre der Chef „schrecklich intolerant". „Er ist ein Ehrenmann, und ich finde, er thut ganz recht daran", meinte Lundbom. Der Kollege schwieg darauf und ging fort, im stillen empört über so mel Starrsinn. Vierzehn Tage lang sprach man von nichts anderem, als von Lundboms traurigem Schicksal. Zweimal hatte er seine Frau geschlagen. Das Frauenzimmer vom Lande wäre sogar in seiner Wohnung gewesen, unter dem Vorwand, Wäsche zu holen, und schließlich wären die armen kleinen Kinder von ihren unglücklichen alten Großeltern hinausgeholt, denen dieses furchtbare Leid noch am Grabesrand beschert würde. Und bald gab es nicht einen unter den 9714 Einwohnern des Städtchens, der noch meinte, es lohne, Lundboms zu warnen oder ihnen Vernunft zu predigen. „Nun soll es geschehen!" verbreitete sich das Gerücht wie ein Lauffeuer an einem schönen Frühlingstage durch die Stadt. Kein Mensch fragte, was geschehen sollte. Hatte nicht die Frau Hauptmann Pripp selbst beide Lundboms unten beim Bahnhof gesehen. Bevor der Zug abging, war die halbe Stadt draußen auf dem Bahnsteig. Ein paar Freunde kamen zu Lundbom hin, drückten ihm die Hand und sagten sehr ernst: „Ein . . . solcher. . . Augenblick. . . lieber Freund!" „Ja, nicht wahr, es ist ein herrlicher Wend", erwiderte Lundbom. Das erschien ihnen zu frech, und sie wandten ihm den Rücken. Dann kamen ein paar der treuesten Freundinnen und küßten Hedda Lundbom recht herzlich, schielten nach ihrer kleinen Handtasche hin und flüsterten: „Hast Du all' das Uebrige aufgegeben?" Hedda Lundbom lachte. „Nein, Liebste, ich habe nichts weiter. Es sind nur ein paar Nachtsachen für Karl und mich. Wir kommen schon morgen Mittag wieder zurück!" „S . . . s . . . soll ... er. . . soll Dein Mann Dich denn begleiten" „Wer natürlich ! Wir wollen nach Quastenbrück hinaus und uns eine kleine Sommerwohnung ansehen, meinen aber,, es lohnt nicht hinauszuziehen, bevor die Kinder von den Großeltern in der nächsten Woche nach Hause kommen!" „Ah . . . Ach ... So . . . auf die Art ... hm ., . ja, na. . . adieu denn. . . glückliche Reise!" hörte man aus dem Kreise in allen Tonarten der enttäuschten Erwartung. Die Koupeethür schloß sich hinter dem jungen Ehepaar, als gerade ein neuer Trupp angesehener Personen der Stadt keuchend aus den Bahnsteig gestürmt kam. „Ist der Zug schon fort? Ach, das ist doch schade! Wir waren vor wenig Minuten noch oben aus dem Markt, wo wir es erfuhren!" Sie sahen nur noch die letzte Ecke des hintersten Waggons. Dann raffte die Majorin Dümpel ihre Röcke zusammen und auch ihre Gedanken und sagte, so daß man es über den ganzen Bahnsteig hörte: „Meine Freunde, es ist nichts! Lundboms, die lieben glücklichen Leute sind nur aufs Land hinausgefahren, sich eine Sommerwohnung anzusehen!" Aber Frau Petterlund, die wußte, was sie wußte, begann ihren armen Kopf zu zergrübeln. Und der Pfarrer und die Majorin Dümpel und Lundboms älterer Kollege und alle andern, die Mittel und Wege gesucht und Friedensworte gesprochen hatten, fühlten sich stolz und dankten Gott, daß ihnen die Versöhnung geglückt war. Am folgenden Wend kehrte das Lundbomsche Ehepaar froh und zufrieden mit sich selbst, mit ihrem Ausflug, ihrer Sommerwohnung, Gott und den Menschen und der ganzen Welt zurück. Karl war müde und legte sich etwas eilig zu Bett, aber Hedda ging umher und wühlte in den Wäsche- und Kleiderschränken herum. „Männchen!" sagte sie schließlich zärtlich, aber gedämpft Durch einen ganzen Haufen Kleider, den sie aus dem Arme trug. „Ja, was giebt's denn, mein Goldchen?" fragte Karl. „Ja, Du, ich habe hier nur die alte perlgraue Bluse, von der ich neulich sagte, ich müßte mich von ihr trennen, als ich die beiden fürchterlichen Flecke darin gewahrte. Du weißt ja. Wer weißt Du, sie hat sich „ausgehängt", wenn ich 'was Helles um den Hals und auf der Brust anbringe, wo die schrecklichen Flecken hinkamen, kann sie noch gut draußen auf dem Lande getragen werden. 324 Vom Monat Juni. Juni 1900. Nachdruck verboten. Die milden Lüste der letzten Maitage haben, endlich allen Hauch von Winterleid hinweg geschmeichelt und die zurückgebliebenen Frühlingsblüten und -Triebe zur vollen Entfaltung gebracht. Was der Wonnemonat begonnen, das vollendet der den Sommer bringende Juni. Mit Jubel begrüßen die Kräutergläubigen die wertvolle Heilpflanze, die echte Arnika, die ihren alten Namen „Wohlverleih" mit Recht verdient. Ebenso gern gesehen sind die große Bibernelle, die heilkräftigen Sprossens der Kiefer und die Blüten der Kastanien. Der Wald sendet uns die vornehmste Frucht, die Walderdbeere, in Menge und die ersten Blau- oder Heidelbeern. Der Markt bietet Frühsorten von Knorpel- und Herz- kirschen, die Delikateßläden heimische Weintrauben, italienische Aprikosen, Reineclauden, Bozen sendet reife Mag- dalenen-Birnen und Neapel die ersten grünen Sommerbirnen, denen sich schon die ebenfalls ersten reifen Aepfel anreihen, sodaß alle Fruchtsorten im Handel vertreten sind. Der Rhabarber ist durch die grünen Stachelbeeren als Kompot verdrängt, seine Zeit ist um. Man sieht ferner prachtvolle Tomaten und die bei uns wenig bekannten violetten Eierfrüchte Aubergin. In Italien, Serbien, Rumänien liefert Aubergin mit Essig und Oel einen pikanten Salat und mit Hammel- oder Rindfleisch gekocht, mit Paprika gewürzt, ein vortreffliches Gemüse. Die Auswahl an jungen Gemüsen ist reiche, unsere Freilandgemüses befinden sich in flottem Wachstum und prächtigem Gedeihen. Der Spargel, der den warmen Sonnenschein zuvieb entbehren mußte, bleibt weit hinter dem Bedarf zurück, und da er mit dem Johannistage zur Neige geht, so ist die Aussicht, noch billigen Spargel auf dem Markte zu sehen, wohl sehr gering. Junge Mohrrüben und kräftige Karotten, so ziemlich die letzten aus den Frühbeeten, liegen in hohen Haufen auf dem Platz und auchj Ähoten in saftiger süßer Ware sind reichlich vorhanden. Die grüne Erbse wird in jeder Zubereitung geschätzt; sie verträgt sich! mit allen gleichzeitigen Gemüsen des Küchengartens, in Verbindung mit jungen Mohrrüben und Spargel giebt sie ein leckeres Gemüse. Dazu koche man zuerst den Spargel in Salzwasser iveich, nehme ihn aus dem Wasser und thue die sauber geputzten, in Würfel geschnittenen Mohrrüben in das Spargelwasser, gebe ein wenig Zucker und Butter hinzu und lasse sie ebenfalls gar kochen. Dann lasse man junge Schoten in einem Kasserol unter Hinzuthun von einem Stück frischer Butter nebst etwas Zucker zugedeckt ohne Wasser dünsten. Sind sie weich, so vereinst man sie mit den Mohrrüben und dem Spargel, macht das Gericht mit einer Mehlschwitze seimig, fügt 10 Gramm Liebigs Fleisch- Extrakt .hinzu, schmeckt es ab und würzt es mit sein gehackter Petersilie. — Junge Kohlrabi nehmen tm/ Preise ab, aber an Größe zu. Kopfsalat, der lange hohen Preis hielt, sinkt rasch herab, ebenso bringt der Markt nach und nach erhebliche Mengen von Gurken. Als besondere Gemüsedelikatesse sehen wir grüne Bohnen und vereinzelt kommen auch schon Wachsbohnen auf den Markt. Eine angenehme Abwechselung bietet der Wirsing oder Welschkohl, der freilich noch lose in den Köpfen ist. Treib-Blumenkohl aus heimischen Frühbeeten ist schon reichlich vorhanden. Blumenkohl und Welschkohl zusammen, giebt eist sehr schmackhaftes Gemüse und ist besonders zu, empfehlen, so lange die Köpfe des Wirsing noch lose sind. Nieren- und rote Frühkartoffeln zeigen sich, doch hat sich die Malte- Kartoffel durchs ihre Billigkeit den Markt erobert. Hervorragend für den Frühstückstisch sind Radieschen und Mairettiche, letztere machen bei uns im Norden ihrem Monatsnamen nie Ehre, werden jetzt aber in guten Exemplaren angeboten. Unter Würzkräutern bemerken wir Esdragon, der im Juni am duftigsten ist, grüne Petersilie, Sellerie, das erste Bohnenkraut und Dill, jenes feine Würzkraut mit den zart gefiederten Blättern und großen Doldenblüten. Die Römer schmückten sich bisweilen bei ihren Festmahlen mit Dillkränzen, sie hielten Dill für einen ausgezeichneten Schutz gegen Narrheit. Die frischen zarten Dillblätter verwendet man als Fleisch- und Suppenwürze, wie zur Bereitung von Mayonnaise und einer vorzüglichen Dillsauce, die besonders zu Hecht, Aal und anderen Saucenfischen obenan steht. In 60 Gramm Butter werden zwei Eßlöffel voll Mehl hellgelb geschwitzt, mit zwei Eßlöffel voll Rahm und ebensoviel Weinessig verrührt, worauf man ein knappes halbes Liter Fleischbrühe aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt damit zu einer dicklichen Sauce verkocht, zu der man schließlich! zwei Eßlöffel voll feingehacktem Dill hinzusügt, worauf die Sauce nicht wieder zum Kochen kommen darf. Morcheln sind von der Marktliste zu streichen, dafür kommen große Champignons zum Angebot, auch Maipilze, Semmelpilze, Pfefferlinge, Rotkappen und die ersten hoch im Preise stehenden Steinpilze. \ Mit kleinen Hechten ist der offene Markt reichlich versorgt, dagegen sind große Tafelhechte fast nur in den Großhandlungen zu haben. Fexner sind Barben, Bleien, Welse, Forellen, starke Aale u. a. mehr vorhanden. Hummern und Krebse sind in diesem Monat und bis September sehr gesucht, berühmt ist der Oderkrebs. Junges Geflügel bringt der Markt von Tag zu Tag besser und ist große Auswahl an jungen Enten, Gänsen, Hühnern und Tauben, sowie an importiertem Mastgeflügel. Von Wildbret ist der Rehbock vom Beginn des Maies wieder tafelfähig. Kenner ziehen die braunen Rehe den roten vor und die Bergrehe sind besser als die in der Ebene. Die besten Stücke sind die Keulen und der Rücken,der sür die vornehme Tafel die delikaten Rehkotelettes liefert. Für eine ganz besondere Delikatesse gelten die Zunge, vor allem aber die Leber, die meist nur dem Waidmann blüht, da sie Durchaus ganz frisch sein muß, wenn sie dem Kenner genügen soll. Der treffliche Diätetiker Wiel empfiehlt die Rehleber sehr für den Krankentisch, auf dem das Rehwildbret überhaupt am Platze ist. Aber auch! die Schulterblätter oder Rehläuschen geben für den einfachen Tisch ein leckeres Mal, besonders auf bayrische Art zubereitet. Man wasche, häute, salze und spicke die Rehläuschen, belege den Boden einer Kasserole mit Speckschnitzeln, Zwiebelscheiben, Zitronenschale und Nelken, lege die Rehläuschen darauf und lasse sie solange dünsten, bis der Speck braun ist, giebt dann drei Löffel geriebenes Schwarzbrot dazu, läßt dieses auch im Speck andünsten und gießt zuletzt Brühe aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt und Essig daran, salzt und würzt die Sauce und läßt sie einkochen. Beim Anrichten streut 'man Zitronenschnitzek auf die Rehläuschen und giebt die Sauce durch ein Sieb darüber. Homonym. Nachdruck verboten. Ich bin ein bekannter Künstlername, Zugleich eine Spende für deine Dame. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamanträtsels in voriger K mir Pirna Kirsche Lachs Ohr e Auflösung des Preisrätsels in Nr. Harfe Amur Rum Es gingen insgesamt 99 richtige Lösungen ein, Nr. 87. Einsender: Elisabeth Mclior, Gießen. Der Preis — 3 Bände „Eine vornehme Ehe" von Rens de Pont-VeÜ — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle der „Familienblättcr" in Empfang zu nehmen. P. Nummer: 75: das Los fiel auf Redaktion: