Nachdruck verboten. Das Pflegekind. Roman von Elsbeth Meyer-Förster. (Fortsetzung.) Ein paar Jahre waren so hingegangen. Noch immer wohnten die Seitres in dem Chambre-garni von Montmartre. Nettchen war stiller geworden seit kurzem, sie wich den im Laufe der Zeit z'ur Alltäglichkeit gewordenen häuslichen Szenen mit Absicht aus. Eines Tages, als Jerome nach Saufe kam, fand er sie in einer aufgeregten, freudetrunkenen Stimmung vor. Jerome!" rief sie aus. „Nun trügt mich nichts mehr! Gott wird uns ein Kindchen schenken! Komm, laß uns gut sein, laß uns einander versöhnen. O mein Himmel, mein Hinlmel, wie freue ich mich!" Sie drehte sich jubelnd im Kreise, ihre Löckchen flatterten, und einen Augenblick war sie ganz das Nettchen von einst, voll trunkener Lustigkeit, sprühenden Ueber- Jerome blickte sie mit erstaunten Augen au. „Denkst Du auch an die Mühe?" sagte er, „die so etwas macht? Du kannst Dich dann nicht mehr produzieren. Die Halste unseres Erwerbes geht damit verloren." Sie hatte sich nach ihm umgewandt. Ihre Augen maßen ihn mit einem Ausdruck von Entsetzen. „Die Mühe, die so etwas macht?" klang es ihr wie gellender Hohn in den Ohren. Doch nur einen Moment blieb ste bet diesem Schrecken vor der Rohheit ihres Gatten stehen. Daun griff wieder klingender Jubel an ihr Herz, und nut einer Bewegung gegen Jerome, als scheuche sie em lästiges, ver- ächtliches Insekt von sich weg, murmelte sie vor sich hm: „Ein Kind!" Ueber ihre in der letzten Zeit verhärmt gewordenen Züge war ein Lächeln ausgebreitet, ein Glanz, der nicht „Ja, ich werde mich produzieren", sagte sie leicht und obenhin, als spräche sie zu einem Fremden. „Denn ich muß Geld verdienen, um mein Kleines würdig zu empfangen. Aber wenn es da ist, — wenn es erst da ift, sage ich Dir." —--- 1900. |IM M iÄ»i ur zu einem fest entschlossen, Sei es Dulden, Thal, Genuß; Aus dein Zweifel, trag verdrossen, Stets beglückend hebt dich der Entschluß. Gottfr. Kinkel. Sie brach ab, als verlohne es sich nicht, weiterzusprechen, diese Gedanken, die ihre Seele mit so vielem Licht erfüllten, näher auszudrücken. Eilig trat sie in die Kleiderkammer um ihren Buhnenputz hervorzusuchen. Zum erstenmale feit langer Zeit kam ein Lied von ihren Lippen, ein helles, jauchzendes Schmettern, während sie den Trikot über ihren Körper zog, und die kleine, goldene, ihr bei einer Preisverteilung zuerteilte' Medaille auf ihrer Brust befestigte. Jerome blieb im Wohnzimmer zuruck. Er sah auf die halb offene Thür, hinter der Nettchen soeben jubelnd verschwunden war, und ein bohrendes Gefühl des Neides, der Unfähigkeit, sich auch zu freuen, stieg in feinem Inneren auf. , „ _ Ja, das war es: Sich die Schlinge um den Hals werfen lassen, heiraten, Nahrungssorgen haben, Kinder kriegen. Keine (Karriere vor sich sehen, die Freiheit dran geben, draufgehen in dem häuslichen Philisterium, während die Freien, Klugen in der Welt ihr Glück versuchen. Und er sollte sich freuen? Er ballte die Hände. Warum hatte er sich so irre leiten lassen, er, der scharfblickende, vorwärtsdrängende Mensch, wie hatte er sich verleiten lassen können, in dieser kleinen Artistin eine Gefährtin fürs Leben zu setzen, wie er sie suchte, leichtlebig, kalt, berechnend und schlau, ein Welt- und Bühnenkind, ohne Skrupel und langweilige Anforderungen, — für Paris und die (Karriere geschaffen?! Seine Worte von einst fielen ihm ein, die er ihr zu jener Zeit, als noch völlige Fremdheit zwischen ihnen stand, gesagt hatte: „Daß Sie sind ein Mädchen mit kalten Sinnen, mit blondem Haar, aus guter, bürgerlicher Familie, und daß Sie nicht passen zu Mademoiselle vom Trapez" — Damals, damals war er klug gewesen, um sich schließlich doch ins Garn locken zu lassen, wie andere. — Nettchen trat ein. Ihre Wangen brannten, m ihren Augen glühte Feuer, aber nicht die ruhelose Flamme von einst. Der in sich gekehrte, leuchtende Blick, mit dem sie über ihren Mann hinwegsah, verriet Träume an eine neue Welt, die fernab lag, weltenweit von dem unsauberen Fremdenquartier in Montmartre. -„Hättest Du immer so ausgeschaut!" rief Jerome unwillkürlich aus, „bann hätten Dir andere Erfolge geblüht. O, Du bist schön, Du wirft die Menschen hinreißen, komm, küsse mich, sei mir gut." ' , Sie schob ihn von sich weg. „Fort!" sagte ste, — nur das eine Wort. „Ich kaufe Dir einen Schmuck", flüsterte Jerome,- „komm, sag mir was Du Dir wünschest, Du sollst alles von mir haben." . Sie schritt an ihm vorbei, durch den Flur, die Treppen hinab. Unten vor der Hausthür stand fte auf- - 2Ö2 atmend stille. Der Himmel mit Milliarden Sternen lag wie ein unendlicher Kirchenbogen über der Welt. Eine kalte, frische Vorfrüh'lingsluft stand fast wie in greifbarer Wesenheit in den Straßen. Nettchen hüllte sich tiefer in den weiten Mantel, der ihren Theaterputz verbarg. Sie hob die Augen zum Himmel empor, und zum ersten Male in ihrem Leben stammelten ihre Lippen etwas wie Gebet. — Wie an der Blume sich unter der sengenden Glut die Blütenblätter trocknend aufrollen, so zog ein leises, feines Welken über Nettchen hin. Unter ihren Augen entstanden große, blaue Ringe, die wie dämmrige Inseln den leuchtenden Blick umrahmten. Ihr Gesicht wurde hagerer, das Rot aus ihren Wangen verwischte sich, ihre Gestalt wurde breit und schwer, und langsam näherte sie sich dem Bilde der gesegneten Frau, die ihre äußere Schönheit hingiebt für die Fülle inneren, hoffnungjauchzenden Reichtuws. Ende April weigerte sie sich standhaft, die Bühne noch weiter zu betretn und sich vor dem Publikum zu produzieren. Ein düsterer Blick aus Jeromes Augen traf sie, er prallte jedoch an ihrem in die Ferne gerichteten, träumenden Lächeln ab. — Die ersten Veilchen blühten, und sie wanderte hinaus ins Bois de Boulogne, unter die Scharen festlich und leuchtend gekleideter Menschen, die wie vom Frühling beflügelt dahinschritten, laut sprechend, laut lachend, als flösse Wein durch ihre Adern. Auch über Nettchen kam singende Frühlingsstimmung, eine unendliche, friedliche Heiterkeit, voll Träumen, Hoffnungen und Erinnerungen. Und als sie die vielen aneinandergeschmiegten Paare betrachtete, diese glücklichen, jungen Eltern, die ihre Kinder .auf dem Arme trugen, oder im Wägelchen mit sich führten, da schwoll auch ihre Seele, nach solch einem gemeinsamen Glück, und! der Wunsch, ihrem Kindlein zugleich mit dem Leben den Vater zu schenken, das Glück der beiderseitigen Elternliebe, ergriff sie mit stürmischer Gewalt. Der Gedanke brachte ihr Herz zu raschem, fast wildem Klopfen, und während sie der ihr begegnenden Menschen nicht achtete, lief sie unaufhaltsam weiter. Jetzt, wo ihr Leben auf der schwanken Wage schwebte, erwachte in ihr doppelt die hilfsbedürftige Sehnsucht des Weibes, sich an- zulehnen an den stärkeren Mann, ihre Seele mit der seinen zu verbinden, um gegen die Dunkelheit, das nahe Geheimnisvolle, im Schutze seiner Arme anzukämpfen. Die Liebe zu Jerome, die mißhandelte, zertretene und einst dvch so heiße Liebe stieg wieder auf aus den Tiefen ihres Herzens, und erfüllte sie mit einer zitternden Hoffnung. .j (Fortsetzung folgt.) Tapeten im neuen Stil. Von C. Ehsell-Kilburger. (Nachdruck verboten.) Schon im frühen Altertum machte sich das Bestreben geltend, die Wände der Jnnenräume unserer Wohnungen mit Fellen und Teppichen zu bekleiden, damit den Rohbau unsichtbar zu machen und ein Gefühl der Wärme, Abgeschlossenheit und Wohnlichkeit hervorzurufen. Zu diesem Zweck wurde im Laufe der Jahrhunderte das verschiedenste Material herangezogen, vom Gobelin, der Wandbekleidung und Wandschmuck, das „Bild", in sich vereinigt, und deshalb die idealste Tapete ergiebt, bis herunter zum einfachen Anstriche Heute, in unserem „papiernen Zeitalter" besteht die Wandbekleidung der Wohnräume fast ausschließlich aus Papiertapeten, wobei nur der Name — lateinisch tapetum — Teppich —noch an ihre edlen Vorgänger erinnert. Die Tapeten werden meist in Rollen von ca. zehn Metern Länge zu einem halben Meter Breite hergestellt, zuweilen auch in abgepaßten Größen als Plafond- oder Füllungstapeten; ihre Billigkeit und verhältnismäßige Dauerhaftigkeit ist so groß, daß sie selbst in der Wohnung des kleinen Mannes den Anstrich fast verdrängt haben. Natürlich hat auch aus diesem Gebiete die Mode htufig gewechselt, z. A. hat die Vorliebe für dunkle „altdeutsche" Zimmereinrichtungen, die vor 15 und 20 Jahren herrschte, gedämpfte dunkle Tapeten hervorgebracht, aus denen sich das Müster nur sehr wenig vom Grunde hob — in Rücksicht auf den Gesamteindruck der Wände entschieden ein Fortschritt gegen die vorangegangenen hellen, groß und lebhaft gemusterten Tapeten, auf denen überhaupt kein Wandschmuck, wie Bilder, Zierteller, Konsolen mit Werken der Plastik u. s. w. zur Geltung kommen konnte. Derselbe große Irrtum über das Wesen einer Wandbekleidung, der damals sich breit machte, der übersah, daß eine Tapete nicht dazu da ist, um durch sich selbst zu wirken, sondern um einen ruhigen Hintergrund für die Möbel und den Wandschmuck zu geben, ist auch jetzt wieder eingerissen: unsere allermodernsten Tapeten sind, so hochinteressant sie sich auch in Farben und Musterung darstellen, dennoch viel zu unruhig und aufdringlich, um an der Wand einen wirklich wohl- thuenden Eindruck zu machen. An sich betrachtet, auf den breiten Ständern im Magazin des Händlers ausgebreitet, sind sie wundervoll, gut weilen in der Erfindung geradezu genial. Der Grund ist meist hell, ziemlich energisch gefärbt, grün überwiegt darin, doch finden sich auch überaus seine, geradezu nervöse Mischungen, ein stumpfes Grünblau, das mit Violet gebrochen ist, ein gleichfalls durch Violet äbgedämpftes mattes Terrakotta. Die Zeichnungen sind groß und energisch, die extrem-modernsten Motive sind dafür herangezogen worden, Tiergestalten, die bis zur Unkenntlichkeit ihrer Form ins Ornament aufgelöst sind, Pflanzen, wiederum in so phantastischer Stilisierung, daß sie fast wie etwas Lebendiges, zum mindesten wie Polypen mit ausgestreckten Fangarmen wirken. Dazwischen als Vermittlung alle jene sonderbaren Wellenlinien und ovalen Flecke, die wohl als stilisierte Andeutung der Wellenbewegung und Spiegelung des Wassers gelten sollen. Zuweilen treten auch naturalistisch gehaltene Blumen auf, z. B. Chrysanthemum, Magnolien, Iris, Tulpen, aber auch sie erscheinen in der ganzen Art, wie sie behandelt sind, wild und aufdringlich. Daß fast alles, was Pflanze heißt, steil aufwachsend gezeichnet wird, braucht wohl kaum betont zu werden. Selbstverständlich verlangen die beschriebenen großen Muster auch, daß zwischen sie und den Plafond ein vermittelndes Element eingeschoben wird. Mit der einfachen schmalen Bordüre, oder dem glatten, nur in reinem Tone gehaltenen Streifen ist es hier nicht mehr gethan, und so hat man denn Bordüren von Halbmeterbreite, ja einen ganzen Meter breit, komponiert, in welchem sich das Ornament der Tapete, je nachdem auch die Blume oder die stilisierte Tiergestalt gewissermaßen ornamentiert wiederholt. Das ist jedenfalls geistreich gedacht, und wiederum, nur an sich betrachtet, wunderschön, aber das Zimmer wird durch solche Querteilung in seiner ganzen Höhe beschränkt, die ganze Tapete büßt ihren Zweck, einen ruhigen Hintergrund zu geben, ein, sie wird Selbstzweck; eine interessante Farben- und Formenkompositivn, die man gern einmal betrachtet, die aber wenig von der für den Hausgebrauch notwendigen Wohnlichkeit an sich hat. Man denke sich z. B. eine Tapete, auf deren grün-blaugrauem, von weißlichen Wellenlinien durchzogenen Grunde steife grüne Schilfstengel aufwachsen, zwischen denen Schwäne, in einer helleren Nuance des Grundes ausgeführt, dahingleiten, alles natürlich, wie die moderne Richtung es verlangt, von starken, dunklen Konturen umzogen. Bis zur Bordüre setzt sich das Muster in ewiger Wiederholung fort, die Bordüre selbst ist meterbreit, zeigt denselben Grund wie die Tapete, durch dieselben, in gemessenen Abständen aufwachsenden Schilfstengel geteilt, und die Schwäne in langer Reihe, einer dicht hinter dem anderen schwimmend. Es läßt sich nicht leugnen, daß dem Ganzen ein bestechender Reiz des Phantastischen und Besonderen innewohnt — aber fragt man sich dennoch: wie kann man in einem derartig ausgestatteten Raume wohnen? Wie sollen die Möbel beschaffen sein, die zu diesem Hintergründe hurmonisch stimmen? Wie vor allen Dingen die Menschen, die in solchen Wohnräumen atmen? Solange wir noch all-, tägliche Menschen sind in modernen Kleidern, solange wir' uns nicht zu prärafaelitischer Schlankheit durchgehunyert hwben und nicht in weißen, faltigen Gewändern, mit Lilienstengeln in den Händen, einhergehen — solange werden zum mindesten wir selbst einen schreienden Mißton in die Harmonie dieser ultramodernen Wände bringen. — 203 — Än der Anwendung des sezessionistischen Stiles auf dem Gebiete der Tapeten sind vor allem die Bestrebungen der Gebrüder Josef und Otto Eckmann maßgebend gewesen. Das Wort „Eckmann'sche Tapeten" weckt eine ganz bestimmte Vorstellung; Prof. Otto Eckmann gebührt das Verdienst, die große Wandlung des Geschmacks in sezessio- nistischem Sinne angeregt zu haben, ohne sich, in Extremen zu gefallen. Die Pflanzen werden hier in einer Art stilisiert, daß nur die große Form gewahrt bleibt, alle kleinen Nebenformen ausgeschieden werden; die Stiele spielen eine große Rolle, sie ziehen sich in bewegten Linien über den Grund und erscheinen zu sonderbaren Bündeln zusammengerafft. Sehr häufig merkt man einen gewissen Einfluß japanischer Vorbilder, wie z. B. an einer Tapete, von deren graugrünem Grunde sich Knollengewächse mit rundlichen, auf hohen gebogenen Stengeln stehenden Blättern und mattgelbrote Blüten abheben. Die Blätter waren in einer etwas helleren Nuance der Grundfarbe nur als Flecke hingesetzt, die Blüten auch nur in einem Ton, oder in bestimmterer Zeichnung gehalten. Oder es wird eine riesengroße Doldenblüte zu Palmettenform stilisiert und versetzt nebeneinander angebracht. Auch hierbei erscheinen die Stiele, die den Grund überspinnen, fast wichtiger als die Blüten, die sehr einfach gezeichnet in einem Tone gehalten sind. Jedes Tapetenmuster ist in den verschiedensten Farbenstellungeü zu haben, die Doldenblüte z. B. auf stumpfrotem Grunde mit graublauen Blüten und hellgrünen Stielen; in bläulich und rosa auf mattblauem Grunde, in violett und rotbraun auf grünem Grunde, oder in blauer und grüner Bronze einem weißlich schillernden Moireegrunde aufgedruckt. Moirierter Grund und zwei Farben Bronze für das Muster findet sich überhaupt häufig unter den Eckmannschen Tapeten, und es sind damit prächtige Effekte erzielt worden, u. a. an einem, die ganze Breite der Rolle füllenden Muster, einer großen, weit offenen lilienartigen Blüte, die von bandartigen Stielen und Blättern eingerahmt wird, und in einfacherer Weise durch winzige, zu gewellten Stufen zusammengestellten Streublümchen in Bronze. Auch in Handbreite gestreifte Tapeten sind mit Glück durch ein Muster belebt, z. B. durch ein Motiv von je zwei regelmäßig aneinandergesetzten Erbsenschoten, von denen die eine auf dem hellen Streifen sich stumpf und dunkel, die andere auf dem dunklen Streifen hell und leuchtend abhebt — eine vorzügliche Licht- und Schattenwirkung mit den einfachsten Mitteln. Zu vielen der Tapeten, besonders den gestreiften, sind einfache Friese vorhanden, in welchen sich das Muster der Fläche wiederholt. Leider wirken die meisten dieser Tapeten in der Rolle besser als an der Wand, wo sie trotz ihrer Einfachheit meist etwas Ruheloses, Nervöses an sich haben, das aus der allzu bewegten Linienführung entspringt. So war z. B. das an sich wunderschöne Muster einer riesengroßen stilisierten Distel auf violettem Grunde in einem durch Violet gebrochenem Grün ausgeführt, und von starkem terrakott- farbenen Kontur umgeben, an der Wand außerordentlich unruhig; man hätte es sich viel besser, in einer Leiste gefaßt, als Panneau denken können. Fast alle Eckmanm^- schen Tapeten sind in drei Farben in Handdruck hergestellt, was ihren Preis sehr verteuert.*) Neben den wunderlich-genialen Mustern im Genre dieser Tapeten kommen auch noch andere auf den Markt, die den stärksten Gegensatz zu den oben beschriebenen bieten: die nur im Ton bedruckten Papiere, meist mit handbreiten, nur ganz wenig dunkleren Längsstreifen gemustert. Dem Ton selbst wird natürlich die größte Sorgfalt zugewendet, es finden sich allerlei fein abgewogene Farben und Nuancen vor, — natürlich immer nur solche, die innerhalb der jetzt modernen Skala liegen. Ein Kompromiß mit der sezessionistischen Richtung schließen diese im Ton gehaltenen Tapeten durch breite Friese, die zur Decke überleiten: Ornamente oder Blumen, im letzteren Falle meist kompakte, vollerschlossene Blüten *) Wir müssen letztere Bemerkung unseres Mitarbeiters dahin berichtigen, daß es neuerdings auch maschinell hergestelltc Eckmann'sche Tapeten gibt, welche die normale Preisgrenze von anderen besseren Tapeten nicht überschreiten. Aus pekuniären Rücksichten braucht man also vor der Erwerbung dieser zum Teil prachtvollen und zweckentsprechenden Muster nicht zurückzuschrecken. .. D. R. wie Päonien und Tulpen, zur Bordüre aneinandergefügt, und immer in den Farben der Tapete. Zuweilen werden auch landschaftliche Motive zu Hilfe genommen, so daß diese den Hintergrund bilden, während vorn große Blumen aufwachsen. Während, wie schon im Eingänge erwähnt, bei in sich lebhaft gemusterten Tapeten der Fries vom Hebet ist, weil er die Höhe verkürzt und die Wandfläche unruhig erscheinen läßt, ist er bei nur im Ton gehaltenen oder matt- gestreiften Wänden fast eine Notwendigkeit. Besonders gestreifte Tapeten mit ihrer Wirkung, ein Zimmer höher erscheinen zu lassen, als es ist, vertragen einen solchen Fries vorzüglich. Wer sich im eigenen Hause sein Zünmer tapezieren lassen will und dabei auf die vorhandenen Möbel, Portieren, Bilder Rücksicht nehmen kann, ist ja gut daran, er kann, wenn die Einrichtung damit einigermaßen im Einklang steht und geuügend Räume zur Verfügung stehen, sich wohl einmal den Spaß machen, ein Zimmer „sezessio- nistisch" zu tapezieren. Schlimm ist es aber für diejenigen, die, besonders in der Großstadt, in einen von einem fortschrittlichen Hauswirt eingerichteten Mietspalast ziehen, in welchen alles auf den „neuen Stil" zugeschnitten ist, und die nicht willens sind, ihre ganze Einrichtung einzig den Tapeten zuliebe umzugestalten! Eine alte Einrichtung mit Plüschmöbeln und Vertikow und dahinter eine se- zessionistische Schwanentapete — den Menschen müßte man suchen, der sich innerhalb einer solchen Einrichtung behaglich fühlte! ___________ Vermischtes. Treffer. Hausierer: „Ausgezeichnete Dosen, meine Herren! Wollen Se nix kaufen?" — Gast (anulkend): „Solches dumines Zeug machen wir selber." — Hausierer: „Thut mir leid, meine Herren, das ist Zuchthausarbeit!" Schwierig. Erster Stotterer (wütend): „S—s—sie sind ein ins—famer Verleumder."—Zweiter Stotterer: „Wollen S—s—sie das g—gleich zurücknehmen!" Erster Stotterer: „N—n—nein, i—i—ich bin froh, daß i—ich's h—heraus habe." Deshalb. Molly (während der Tanzpause): „Er sagte mir, die Welt sei ihm wie eine Wüste gewesen, ehe meine Bekanntschafst machte." — Polly: „Jetzt verstehe ich, weshalb er wie ein Kamee! tanzt." Rösselsprung. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nümmer. Handelsschule. teil füh wie ren er nun ben ben dur das wol die das das gut che rol ne dir salS im bei de sal che ne weich' roll' Nachdruck verboten. Auflösung des Preisrätsels in Nr. 43. Maas — An am — Selma — Kamm — Elsa — Nelke — Besen — Amsel — Laban — Kamm: Maskenball Es gingen insgesamt 13S richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 79. Einsender: Th. Ranft, Gießen, Sonnenstraße 5. Der Preis — „Krieg, Stenographie" — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen. — 204 — Modenbericht über Frühjahrsmoden. Bearbeitet unb mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresdens. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zum Preise von Mk. 0,50 daselbst erhältlich. Nr. 154. meinerung der Modeformen im großen und ganzen ist das Bestreben anzusehen, in Einzelheiten apart und exclusiv zu sein. Die Mode läßt sich nicht mehr damit genügen in Formen und Farben Neues zu bringen, sondern sie sucht das spezielle Eachet, den besonderen Chik durch sorgfältig ausgeführte Kleinigkeiten zu erreichen. Schon, einmal konnte man eine ähnliche Strömung konstatieren, nämlich als die, nur von Männerhand wirklich tadellos ausführbaren Schneiderkleider auskamen. Der Schnitt und Stoff, obgleich vom denkbar besten iiittb vollständig tadellos, bot jedoch nichts außergewöhnliches; nur die peinlich akkurate Arbeit, vor allem daS Bügeln bildeten die ganze Eleganz. Dies, von keiner Maffenproduktion je nachgeahmte Geheimnis der Schneiderkleider, hat ihnen ihre lange, auch heute noch andauernde Beliebtheit gesichert und auch in diesem Frühjahr gehören Schneiderkleider, besonders solche von schwarzem Tuch, zur höchsten Eleganz. Die Mode ist Allgemeingut geworden! Die Belten, wo nur die oberen Zehntausend Anspruch auf die letzten Modeneuheiten machen konnten, find längst vorüber. Dies hat nicht allein seinen Grund darin, daß die immer fortschreitende Industrie durch Schnell- und Massenproduktionen alle Neuheiten auch den minder gefüllten Geldbeuteln zugänglich macht, sondern auch darin, daß das Zeitungs- und Bericht- erstattungSwesen bis zu einer Vollkommenheit gediehen ist, welche kaum noch Überboten werden kann. Als Folge der Verallge- Jm großen und ganzen ist die momentane Moderichtung den Schneiderkleidern wenig günstig; denn sie bevorzugt das Weiche, An- schmiegende, natürlich fallende. Ihr Bestreben nach Exklusivität hat sich daher auf ein anderes Gebiet begeben, auf das der Garnituren und Ausstattungen; denn die Grundformen find, bis auf Kleinigkeiten auch für das Frühjahr fast die gleichen, wie wir sie schön von der letzten Hälfte des Winter her kennen. Die Taillen zerfallen in zwei Formen- Blousen- und Jäckchenformen und für die Röcke ist die, schon den ganzen Winter über viel besprochene Faltenform ausschlag gebend. Das Gepräge der Neuheit erhalten die Kleider also hauptsächlich durch ihre sorgfältige Ausstattung. Da sind an erster Stelle die Falten zu nennen, welche sich mit einer wirklich erstaunlichen Regelmäßigkeit und Konsequenz an fast allen Kleidungsstücken wiederfinden. Nicht allein die Röcke sind in der verschiedensten Art und Weise in Falten geordnet, sondern die Taillen, die Blousen, ja sogar die Jäckchen setzen sich aus Falten zusammen. CapeS und SackpaletotS, ja selbst Hüte find mit Falten und Faltengarnituren sehr ausgiebig ausgestattet. Daß diese Falten und Fältchen nicht in jedem Falle von der Maffenproduktion nachgeahmt werden können ist ja leicht erklärlich; denn z. B. die Faltenröcke müssen, wenn sie elegant und gut sitzend erscheinen sollen, speziell für jede Person angefertigt werden. Bei den ganz aus in Fältchen gesteppter Seide bestehenden Blousen ist die Sache schon einfacher, denn hierbei wird der Stoff vor dem Zuschneiden gleichmäßig in Fältchen gesteppt. Ebenso beiden und Garniturteilen. Und in der That, die Industrie hat sich diese Mode bereits zu nutze gemacht; denn in der verschiedensten Art in Fältchen gesteppte Seide bildet einen der neuesten Handelsartikel. Bald find die Fältchen gruppenweise quer, dann gruppenweise schräg im Karo, dann wieder gleichmäßig schräg im Karo oder wieder in einem andern Falle mit andersfarbiger Seide gesteppt; kurz man hat bereits eine große Auswahl in diesen fertig zu kaufenden Fältchengarniturstoffcn. Nr. 170. Seideneinsätzen Die Mode bringt außerdem als Garnitur immer wieder die direkt in den Stoff einzuarbeitenden Verzierungen, von denen Stepplinien, Applikationen, unterlegte Durchbrucharbeit und Stickereien an sich ja nichts durchaus Neues sind, die Art jedoch, wie man sie in diesem Jahre wieder anwendet, ist neu. Die Stepplinien z. B., welche übrigens, stets abstechend vom Stoff zu halten sind, treten nicht mehr lediglich als Streifen und in Begleitung von aufgesteppteu Stoffstreifen auf, sondern man verwendet sie, wie jede Art von Stickerei zu ornamentalen Mustern. Applikationen und unterlegte Durchbrucharbeit kommen besonders an den hochmodernenkurzen Jäckchen vorteilhast zur Geltung, woselbst sie entweder das ganze Jäckchen ober nur die Vorderteile nach hinten verlaufend, bedecken. Stickereien dagegen bringt man gorn an einzelnen Kleiderteilen, rote Steh- und Schulterkragen, Kollerteilen, Einsätze usro. an. Alle diese Garnituren sind besonders für die Tuchkleider und schwerere Stoffe, rote man sie zur Uebergangszeit trägt, geeignet. Für die leichteren Sommerkleider dürften sie weniger passend erscheinen. Hier sind wieder die Spitzen und Spitzenauflagen in jeder Ausführung, sowie alle duftigen und durchbrochenen Garnituren am Platze. Besonders die creme oder ecrüfarbigen mehr oder minder reichen und kostbaren Spitzeneinsätze dürften diesen Sommer eine große Rolle spielen. Man setzt sie dem Rock oder der Taille glatt auf, indem man sie an den Rändern sorgfältig festnäht und schneidet den Stoff darunter fort, sodaß das ab- stechende Futter hindurch schimmert. Noch eine reizende Kleinigkeit sei hier Schärpen. Sie dürfen fast an keiner eleganten, duftigen Toilette fehlen, hier eine Gruppe Falten, dort eine Draperie da einen Gürtel zusammenhaltend. Die Enden der Schärpen, welche beliebig kurz ober lang zu halten find, schließen fast immer mit einer Franze ab. Aus allen sieht man, daß es trotz der Allgemeinheit der Mode an Mitteln und Gelegenheiten nicht fehlt, durch aparte Ausstattung hervorzutreten. Wer allerdings genötigt ist, bei einer kleinen Schneiderin arbeiten zu lassen, wird von ihr unmöglich all die mühsamen Garnituren und zahlreichen Fältchen verlangen können, besonders wenn verhältuißmäßig nur niedrige Preise gezahlt werden. Anders ist es schott, wenn man selbst mit Hand anlegt und über einiges Geschick verfügt. Da läßt sich manches hübsche- Stück schaffen, zumal man infolge der neuzeitlichen Einrichtung gut passende Schnitte fertig zu erhalten, die Schwierigkeiten des korrekten Zuschnitts, spielend überwindet. Unsere nebenstehenden vier Abbildungen geben int Zusammenhang mit unserem vorausgehen- den Bericht einige sehr gefällige Modelle wieder. Nr. 171. erwähnt. Es sind die Mouffeltnchtffon-Rosetten und Nr. 173. Literarisches. Fleißige« Nrauenhänden ist eine neue Gelegenheit zu häus- licher Betriebsamkeit geboten, seitdem fertige Schnitte für alle Arten Bekleidnngsgegenstände, so wie sie die Internationalen Schnittmanufaktur in Dresden N. liefert, erhältlich sind. Aus eigner Erfahrung weiß jede praktische Frau, wie alle die mit großen Fleiß erworbenen Fertigkeiten int Schneidern, Maschinenähen ec. oft gar nicht recht zur Verwertung kommen konnten, weil man zur Ausführung keine guten Vorlagen und Schnitte zur Verfügung hatte. Das ist jetzt anders. Wer für sich irgend ein Bekleidungsstück selbst fertigen will, fei es einfach, sei es apart, sei es für groß ober klein, sei es fürs Haus, für bie Gesellschaft, für Sport rc. rc., für alles erhält man int billigen Preis einen aus- probierten, Passenden, neuen Schnitt, der leicht zu verwenden ist. Ueber- all, wo diese im Jahre 1900 bereits prämiierten Schnitte angewendet werden, finden sie den größten Beifall, Es ist daher jedermann zu empfehlen, sich das Reichhaltige Moden-Album und Schnittmusterbuch, Preis 50 Pfg. von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden N. kommen zu lassen, um ebenfalls von der neuzeitlichen, praktischen Einrichtung Nutzen ziehen zu können. Redaktion; E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl-scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. •MW* OM MM in Bezie March und des L spielt beka zaubert in es eben di< aber Sagt sondern ei tote für V bete Nativ Daß sich d manches f Heimnisse poetisch zt unerHärlii sattsam n nicht tonn Märchen \ gewisse Vi zu beleuch kern versa Ein z auch die g den götttii stillen Ka tasie will! Germaner der Hebet) leicht erkl