(Nachdruck verboten.) Unter dem Schwerte der Themis. Roman von Reinhold O r t m a n n. (Fortsetzung.) Dieser aber zeigte sich durch die ungnädige Abfertigung keineswegs zerknirscht. Ohne einen Moment die Augen von der reizenden Gestalt zu verwenden, die da so anmutig vor ihm herschritt, folgte er ihr durch das spitzbogige Stadtthor und die engen Straßen mit dem Lächeln eines Menschen, der mit sich selber oder mit dem Geschick ganz ausnehmend zufrieden ist. Es war, als ob sie seinen beharrlichen Blick zu fühlen vermöchte und dadurch, allgemach um all' ihre Unbefangenheit gebracht würde. Mit glühenden Wangen und niedergeschlagenen Augen strebte sie immer hastiger vorwärts. Sie wagte es ersichtlich nicht einmal, den Kopf nur um ein geringes nach^ rechts oder links zu drehen, und fo geschah es, daß sie einigemal von Borübergehenden höflich. gegrüßt wurde, ohne es auch nur zu bemerken. Vor einem stattlichen alten Hause, das sich dereinst einer der angesehensten Waldenberger Patrizier erbaut haben mochte, blieb sie endlich stehen. Ihr Atem ging rasch, und etwas, kindlich Trotziges war in der schnellen Bewegung, mit der sie nach kurzem Kampfe den Kopf zurückwandte. „Wenn Sie in die nächste Seitenstraße zur Linken einbiegen, sehen Sie den Marktplatz vor sich", sagte sie sehr laut, als sie inne geworden war, daß der Fremde sich noch immer hinter ihr besaust „Sie können den Weg jetzt nicht mehr verfehlen." Dann flog sie die ausgetretenen Steinstufen empor und zog mit Ungestüm an dem blanken Messinggriff der Thürglocke. Der Schwarzbärtige grüßte höflich, alg! er unten vorüberging, aber wie flüchtig auch scheinbar seine verschleierten Augen dabei über sie hinwegglitten, sie hatten doch den abermaligen Wechsel der Farbe auf ihrem Gesicht ebenso deutlich gesehen, als . die Inschrift auf dem iveißen Porzellanschild neben dem Glockenzug, darauf in klaren Buchstaben zu lesen stand: „Dr. Hermann Ruthardt, praktischer Arzt". Ein paar Sekunden später hatte sich der altertümlich geschnitzte Thorflügel hinter seiner schönen jungen Führerin geschlossen. — M I £ F age nicht immer, was du sagst. Herr Schwanflügel dienerte wieder sehr unterwürfig, als sein eleganter Gast das Haus betrat. Der Fremde aber weißt; aber wisse immer, was du kam seiner unzweifelhaft beabsichtigten Anrede zuvor. Claudius. ._ „Ich möchte nicht, daß man mich noch einmal auf meinem Zimmer mit dem Fremdenbuche belästigt", sagte er. „Geben Sie das Ding her, damit ich mich auf der Stelle einschreiben kann." Während .der Oberkellner dienstbeflissen herzu eilte, streifte er lässig bett rechten Handschuh ab, und Herr Schwanflügel sah an dem kleinen Finger seiner aristokratisch geformten Hand einen haselnußgroßen Brillanten blitzen. Mit einer Verbeugung, die noch tiefer war, als alle früheren, nötigte er den so schnöde verkannten Gast an das Schreibpult des Pförtners. Ich bitte tausendmal um Verzeihung, wenn Sie vorhin gestört wurden, mein Herr — nur eine Ungeschicklichkeit des Oberkellners. Die Eintragung hat ja gar keine Eile, zumal ich hoffentlich das Vergnügen haben werde. Sie längere Zeit bei wir zu beherbergen." Dabei schielte er sehr angelegentlich über den Arm des Schreibenden hinweg in das Buch Die starken und energischen Schriftzüge des Fremden machten es ihm verhältnismäßig leicht, seine Wißbegierde zu befriedigen, und er las: „Rudolf Sandory aus Odessa." Die Rubrik, welche für die Angabe des Standes oder Berufes dienen sollte, war unausgefüllt geblieben, und für Herrn Schwanflügel ergab sich daraus die Gewißheit: ein reicher Privatier, der zu seinem Vergnügen reist. In gebeugter Haltung stand er ehrerbietig da, während der andere den Federhalter wieder auf das Schreibzeug warf und sich leicht über die Fingerspitzen blies. „Längere Zeit? — Wohl kaum! Die Aussicht auf Ihren Hof ist zwar ausnehmend hübsch, aber ich fürchte doch, daß es ihr auf die Dauer ein wenig an der wünschenswerten Abwechslung mangeln könnte." „Ich bitte tausendmal um Verzeihung — : es war eine llngeschicklichkeit des Oberkellners. Er hatte mir nicht gemeldet, daß gerade heute früh ein Salon mit Schlafkabinett im ersten Stockwerk freigeworden ist. Mit Ihrer gütigen Erlaubnis werde icfy sogleich Ihr Gepäck —" Sandory unterbrach ihn durch eine kürz abwehrende Handbewegung. „Später vielleicht! Jedenfalls wünsche ich, daß meine Effekten von niemand augerührt werden, es sei denn auf meinen ausdrücklichen Befehl. — Und eine Frage! Es giebt hier am Platze einen Bankier Franz Norrenberg?" „Zu dienen, Herr Sandory! Ein Bankhaus von ausgezeichnetem Rufe. Ich kann es Ihnen mit gutem Gewissen empfehlen." „Ich las die Firma im Vorübergehen an einem Hause der Hauptstraße, aber ich fand denselben Namen auch — 574 — Ein kleines Abenteuer. Von Fred Hood. Nachdruck »erboten. Als Zeitungs-Korrespondent in Paris beschäftigt, erhielt ich eines Tages den schnöden Mammon in Form eines Checks; ich machte mich sofort auf den Weg, um den Betrag in dem Bankhause zu erheben. Zufällig kam ich an einer Garderobenhandlung vorbei, und es fiel mir em, daß es ganz zweckmäßig sei, für die heißen Tage einen leichten Rock zu kaufen. Es war ein vornehmes Geschäft, aber die Preise, nach den Auszeichnungen zu schließen, nicht eben zu hoch, und so trat ich idenn in den Laden ein. Der Commis fand nicht sogleich, was ich! wünschte, und zwar, daß mir der Assessor Neumeister seine Kundschaft aufkündigt —" , Der Himmel bewahre mich davor, Sie einer solchen Gefahr auszusetzen. Lassen Sie den Assessor Neumeister ruhig an seinem beneidenswerten Platze. Ich komme ohnedies nicht an die Table d'hote, wenigstens heute noch nicht. Man mag mir um fünf Uhr ein gutes Diner aus meinem Zimmer servieren. — Adieu!" Er schlug den nämlichen Weg em, den er vorhin gegangen war. Herr Schwanflügel aber wandte sich mit strahlendem Gesicht an seinen Oberkellner: „Jean — em Diner a Part um fünf Uhr! War übrigens eine verwunscyt hübsche Idee von Ihnen, den Mann oben unterm L/ach einzuquartieren! Ich sage Ihnen, das ist wenigstens em verkappter Graf. Verlassen Sie sich darauf — ich habe für sowas den richtigen Blick." Drittes Kapitel. Das kleine einfenstrige Arbeitskabinett des Bankiers Franz Norrenberg verriet in seiner Ausstattung durchaus nichts von jenem Reichtum, dessen Herr Schwanslugel als einer unzweifelhaften Thatsache Erwähnung gethan. Es lag gleich den beiden größeren Kontorräumen im Erdgeschoß eines alten, ziemlich unansehnlichen Hauses und empfing von dem engen Hofe ein so dürftiges Licht, daß schon zu früher Nachmittagsstunde die Lampe auf dein Schreibtisch des Bankiers angezündet werden mußte. Zwar hatte es außer der Glasthür, durchs die es mit dem Hauptkontor verbunden wurde, noch einen besonderen Ausgang nach dem Treppenflur; eine Benutzung desselben aber fand beinahe niemals statt, und er wurde deshalb stets sorgfältig verschlossen gehalten. j Auch die junge Dame, welche sich eben fetzt int Arbeit»- ! zimmer des Bankiers besand, hatte das ganze Geschasts- I lokal passieren müssen, um dahin zu gelangen. Sie war von den Kassierern und Buchhaltern sehr unterwürfig I gegrüßt worden, und hatte nach- kurzem Anklopfen die Schwelle des Allerheiligsten überschritten, ohne daß eine Anmeldung oder Anfrage nötig gewesen wäre. Nun saß sie schon seit einer halben Stunde auf dem einfachen, mit grünem Wollstoff überzogenen Sofa und führte mit ihrer etwas dunkel gefärbten Stimme die I Unterhaltung fast ganz allein. Sie mochte wohl zwci- I undzwanzig oder dreiundzwanzig Jahre alt sem. ^hre hohe voll entwickelte Gestalt war von bewunderungswürdiger Schönheit der frauenhaft reifen Formen. . Die | schweren braunen Zöpfe, die am Hinterhaupt zu einem I einfachen Knoten aus gesteckt waren, hatten einen meri- I lichen Stich ins Rötliche, und ihr Teint war von jener I zarten, durchsichtigen Weiße, die sich! fast nur bei weiblichen Personen mit dieser Haarfarbe beobachten laßt. Um I so frappierender wirkten die etwas tiefliegenden, aber I auffallend großen mnd ausdrucksvollen dunklen Augen, I die selbst jetzt, in einem Moment scheinbar vollkommener Gemütsruhe, wie in heißem, unruhigem Feuer glühten. Das stark entwickelte Kinn, dessen beinahe männliche Bildung die sonstige Regelmäßigkeit des Antlitzes empfindlich beeinträchtigte, und die gewölbten Lippen gaben tm Verein mit diesen merkwürdigen Augen dem jungen Gesicht einen I Ausdruck von Leidenschaftlichkeit und Energie, der ev, wenn auch nicht zu einem anziehenden, so doch jedenfalls | zu einem sehr interessanten machte. (Fortsetzung folgt.) an einer Villa außerhalb der Stadtmauer. Ist das der I nämliche Norrenberg?" ,Aufzuwarten. Ein so reicher Mann kann sich schon I den Luxus eines Hauses an der Esplanade gestatten. Man 1 schätzt ja sein Privatvermögen aus mindestens eine Million." In diesem Augenblick wurde die nach der Straße führende Glasthür geöffnet, und zwei mit etwas auffälliger Eleganz gekleidete Damen rauschten herein. Man hätte sie aus den ersten Blick wohl sür Schwestern halten I können, aber eine aufmerksamere Betrachtung mußte doch I bald darüber belehren, daß die scheinbare Jugendlichkeit der kleineren und beleibteren von ihnen nur eine I durch allerlei künstliche Hilfsmittelchen erheuchelte war. Der weiße Puder lag dick auf den welkenden Wangen, und die schön geschwungenen schwarzen Augenbrauen I hätten sicherlich ebenso wenig wie die korallenroten Lippen I eine energische Prüfung auf ihre Echtheit vertragen. I Ueberdies waren das schwammige Doppelkinn und em I paar verräterische Runzeln an den Augenwinkeln lewer durch keinen schönheitlichen Kunstgriff zu verbergen sodaß weder die Wunder des Schminktöpfchens noch die Koketterie der an lebhaften Farben überreichen Kleidung der verblühten Schönheit ihren einstigen Zauber hatten zuruck- qeben können. Davon, daß diese Schönheit einst wirklich vorhanden gewesen war, zeugten indessen noch manche unverwischten Spuren im Antlitz der korpulenten Dame. | Und wenn das junge Mädchen an ihrer Seite — wie I gewisse charakteristische Aehnlichkeiten vermuten keßen - ihre Tochter war, so durfte man es der Mutter wohl glauben, daß auch sie vor Zeiten ein Gegenstand der I Bewunderung für das stärkere Geschlecht gewesen war. I Denn die großen dunklen Augen der höchstens Achtzehnjährigen, ihr feines Näschen und die schön gewölbten Lippen, die gewiß keiner nachhelfenden Färbung bedurft I hatten, gaben ihrem Gesicht einen bestrickenden Reiz. Herr Schwanflügel hatte beim Anblick der beiden I Damen sofort wieder jene herablassende Haltung ange- I nommen, in der ihn Sanbort) vor zwei Stunden kennen gelernt hatte. Als ihn die ältere beim Eintritt m das Speisezimmer mit holdem Lächeln grüßte, nicht ohne gleich- I zeitig einen scharf prüfenden Blick auf den eleganten Fremden zu werfen, neigte er nur kaum merklich sem Haupt. Der Schwarzbärtige aber lüftete sehr artig feinen $Ut’gn jener nachlässigen Art, die seiner Unterhaltung mit dem Hotelwirt von vornherein eigentümlich gewesen war, toarf Scmdory hin: „In dieser ausgezeichneten Stadt giebt es also auch ein Theater?" Herr Schwanflügel lächelte und erlaubte sich, vertraulich mit den Augen zu zwinkerm Sie sind, wie es scheint, em Menschenkenner, mein | Herr' Uebrigeus hat unsere Bühne einen bedeutenden künstlerischen Ruf- Sie sollten nicht versäumen, die Vorstellungen zu besuchen. Wenn Sie gestatten, lasse ich ^hnen gleich sür heute abend einen der besten Platze —" „Es waren Mutter und Tochter — nicht wahr? Vermutlich die Anstandsdame und die sentimentale Liebhaberin des erlesenen Künstlerpersonals." . „Vollständig getroffen. Man steht, daß Sie sich auf diese Dinge verstehen, Herr Sandory! — Frau Bertha Pollnitz und ihre Tochter Elli - unser Stern Ah Sie müßten sie spielen sehen — die Kleine, meine ich. Selbst meine Frau, die sonst nicht für folche Geschichten ist, hat dicke Thräuen geweint, als sie neulich die Waise von Lowood —" „ , .... , . „„ „Und die Damen speisen regelmäßig bei Ihnen? Allerdings! Aber wenn man es nicht aus Interesse für die Kunst thäte - Sie verstehen mich wohl, Herr Sandory! Man muß öfter ein Auge zudrucken, was das Bezahlen anbetrisfi. Mein Gott, bei der knappen Gage und den großen Bedürfnissen für die Toilette Der Fremde hatte gemächlich feinen Handschuh wieder angezogen und wandte sich zum Gehen, ohne das Ende der vertraulichen Mitteilung abzuwarten. Herr Schwanflügel trippelte unterwürfig hinter ihm her. „Uebrigens — wenn Sie gestatten, lasse ich ^hnen Ihr Gedeck neben Fräulein Elli auflegen. Ich riskiere begab sich schließlich nach einem Hinteren Raum, Mo ich! ein zweites Lager ober das Kontor vermutete. Vielleicht wollte er auch seinen Chef herbeirufen, um ihn zu veranlassen, mich zu bedienen. In demselben Moment fuhr eine elegante Equipage vor, in welcher ein vornehmer Herr von etwa 40 Jahren, eine mit Pariser Chic gekleidete Dame, anscheinend seine Frau, und ein allerliebstes kleines Mädchen saßen. Da es sehr heiß war, hatte ich meinen Hut abgelegt und auf einem Stuhl Platz genommen, nm mich ein wenig auszuruhen. „Kommen Sie sofort her und öffnen Sie mir den Wagen!" rief der Herr. Ich war ganz starr; einer solchen Grobheit war ich bei einem Franzosen noch nicht begegnet. Sein Knebelbart gab ihm ein militärisches Aussehen, aber deshalb hatte er noch keine Veranlassung, mich als seinen Rekruten zu betrachten. Ich nahm gar keine Notiz von ihm und rauchte ruhig meine Cigarette. Ich! glaubte, er würde nun erkennen, daß ich nicht der Eigentümer des Ladens sei. Aber im nächsten Moment sprang er 'aus dem Wagen und fragte im schroffsten Tone: „Weshalb kommen Sie nicht? Haben Sie es nicht mehr nötig, Ihre Kunden zu bedienen?" „Nein, ich habe es nicht nötig. Sie zu bedienen", entgegnete ich ihm, indem ich mir Mühe gab, ebenso grob und aufgeregt zu erscheinen, wie er es war. „Na, das ist ja eine nette Art, Geschäfte zu machen!" schrie er, indem er ganz dicht, an den Ladentisch! herantrat. Erst jetzt bemerkte ich daß er auf einem Fuß ein wenig lahmte. „Weshalb haben Sie mir nicht heute den schwarzen Rock geliefert, den ich bestellt hatte?" „Gar nichts haben Sie mir bestellt. Ich erinnere mich! überhaupt nicht. Sie jemals gesehen zu haben." „Ha, Sie sind mir ein reizender Geschäftsmann! Ick habe den Rock bei Ihrem Commis bestellt, und das ist wohl dasselbe. Uebrigens steht es doch wohl im Bestellbuch!" „Beruhigen Sie sich, mein Herr! Ich habe weder einen Commis, noch ein Bestellbuch. Und id} schere mich den Teufel was um ihre Aufträge." Auch jetzt sah er nicht, in welchem Irrtum!er befangen war; er wurde feuerrot und hätte mich am liebsten in Stücke zerrissen. Schon war er im Begriffe, den Laden zu verlassen, da plötzlich bemerke ich,, daß sich draußen der Wagen in Bewegung setzte; das Pferd war unruhig geworden und begann mit der Equipage davonzulaufen. Ehe sich der zornige Herr vor Schreck noch fassen konnte, jagte ich hinaus, faßte das Pferd mit schnellem Griff beim Zügel und riß es zurück. Ich hatte das Glück, Frau und Tochter des liebenswürdigen Herrn aus einer großen Gefahr zu erretten. Sie waren ganz bleich, erschöpft und einer Ohnmacht nahe. Ich brachte sie nach dem Laden, welchen inzwischen der Kaufmann wieder betreten hatte. Herr Grobian wußte nicht wie ihm geschah. Als man ihn umständlich über seinen Irrtum aufgeklärt hatte, bat er imich jedoch hundertfach! um Verzeihung und versicherte mir seine ewige Freundschaft für den großen Dienst, den ich! ihm geleistet. Ich mußte in seinem Wagen Platz nehmen und fuhr nun in der angenehmsten Gesellschaft nach dem Boulevard des Italiens, um den fälligen Betrag von der Bank zu erheben. Man begleitete mich ohne weitere Umstände. Dann gingen wir hinüber nach dem Cafee Riche, wo wir unter heiterem Plaudern den Hellen Nachmittag verbrachten. Erst hier erfolgte die Vorstellung. Herr von Lalle- ment war pensionierter Offizier, der bei einem Manöver einen Unfall erlitten hatte, und nun mit seiner kleinen Familie von einer sehr auskömmlichen Rente lebte. Er verbrachte mit dieser die heiteren Monate des Jahres auf Reisen und hatte, wie ich, Köln und den Rhein besucht; das gab einen unerschöpflichen Gesprächsstoff. Ich konnte mir das Vergnügen nicht versagen, das köstliche Lied „Sie sollen ihn nicht haben" mit trotziger Stimme dem Herrn Offizier vorzudeklamieren. Er lächelte verbinblich reichte mir die Hand über den Tisch hinweg und erklärte: „Ich! habe es nicht anders verdient — für meine Grobheit. Dem Feinde gegenüber soll man besonders artig sein. Aber lassen Sie uns das jetzt vergessen, wo die Nationen -auf dem Marsfeld ihr großes Völkerfest feiern." Gegen Abend fuhren wir zusammen nach der Ausstellung, um im Pavillon Bleu unser Diner einzunehmen. Ein Glas Wein hatte auch bie Damen zu fröhlichem Plau- bern angeregt, unb als wir uns schließlich gegen 10 Uhr trennten, ba „Baby" — so nannten sie scherzweise die Tochter — zu Bett gebracht werben mußte, ba hatte ich bas angenehme Bewußtsein, nie zuvor in ber Gesellschaft eines Grobians so schöne Stunben verlebt zu. haben. Gefärbte Konserven. Nachdruck verboten. Das Publikum will betrogen sein und betrügt sich selbst. Diesen Satz könnte man eigentlich an den Kopf jedes Artikels setzen, der von den Nahrungsmitteln handelt. Die Polizei warnt so häufig vor gefälschten Nahrungsmitteln, und das ist sehr anerkennenswert; aber im Grunde könnte die Polizei etwas Besseres thun und zur Aufklärung des Publikums beitragen, das gerade an die Fabrikanten die unglaublichsten Forderungen stellt. Ein wichtiges Kapitel spielen die Färbungen der Nahrungsmittel. Das Publikum will, daß Fleisch und Wurst in jedem Falle prächtig rot fei, Bisquits sollen schön gelb erscheinen, als wenn sie aus lauter Eidotter beständen, und die konservierten Schoten, Bohnen und Gurken sollen ein so srisches Grün zeigen, als wären sie soeben frisch gepflückt worden. In vielen Fällen kann man den thörichteu Wünschen des Publikums, das alles nach der Farbe beurteilen möchte, Rechnung tragen, indem man ganz unschädliche Färbemittel verwendet. Ist es aber wirklich unbillig, Konserven von Früchten und Gemüsen mit natürlichen Farben zu verlangen, da diese doch Naturgemäß durch die angewandten Konservierungsmittel verwandelt werden! Ist es da nicht ganz richtig, zu sagen, daß nur das Publikum sich selbst betrügt? Am schlimmsten steht es mit dem Grünfärben der Früchte-und Gemüsekonserven. Diese Grünfärbung ist nur durch künstliche Färbung zu erlangen, und am günstigsten durch giftige Kupfersalze. Es ist allerdings richtig, daß die Kupferverbmdungen lange nicht so gefährlich- sinb, wie diejenigen des Bleies, aber sie können doch auch sehr schwere Gesundheitsstörungen Hervorrufen, die schließlich auch noch den ganzen Organismus zu gefährden vermögen. In Deutschland ist die Verwendung dieser Kupfer salze glücklicherweise durch Gesetz untersagt, aber aus dem Auslande kommen in großer Menge gefärbte Konserven, bie zum Teil recht schübliche Bestanbteile enthalten. Man kann nicht jebe Flasche unb jebe Büchse polizeilich überwachen, vielmehr muß bas Publikum selbst so vernünftig sein, und ben ungefärbten Konserven den Vorzug geben. Kleinere Mengen von Kupfer kann allerdings nur der Chemiker nachweisen: int allgemeinen ist es aber auch dem Laien nicht schwer, zu ermitteln, ob Kupfer in ben Speisen enthalten sei. Ein blank geputztes Messer, bas von allen fettigen Stossen sorgfältig befreit sein muß, wird in bie Speisen hineingesteckt, und wenn diese Kupfer enthalten, so wird sich die eiserne oder stählerne Klinge sehr bald mit einer dünnen roten Kupfer schicht überziehen. Es giebt dann noch ein anderes untrügliches Mittel, das 'von erfahrenen Fachleuten empfohlen wird. Durch das Oehr einer sorgfältig gereinigten Nabel führt man einen feinen Platindraht, toinbet denselben einige Male um den Kopf ber Nadel unb biegt ben übrigen Draht so, daß er zur Nabel parallel liegt. Man erhält so ein kleines galvanisches Element, bas man in bie Speise steckt. Enthält biese Kupfer, so lagert sich basselbe auf ber Nabel ab, und zwar in einer stärkeren Schicht, als auf der breiten Messerklinge. Dieses Erkennungsmittel dient auch zur Ermittelung kleinerer Kupfermengen. " Vielleicht wird mancher, der ein solches Experiment versucht, von feiner Begeisterung für die grünen Konserven des Auslandes etwas zurückkommen und den heimischen Obst- und Fruchtkonserven ben Vorzug geben. Hb. Der Garten im Oktober. Nachdruck verboten. Der Winter kommt. Gruselnd denken wir an die 1 langen Abende, an die kalten unb rauhen Tage, und mit- 576 1 2 3 4 5 4 3 6 3 9 4 6 3 2 3 4 5 6 7 Nachdruck verboten. 6 7 8 9 10 Universitätsstadt. Märchengestalt. Vorname. 13 9 bekanntes kleines Tier. 8 9 9 3 Fangvorrichtung. 3 4 10 3 Gewebe. 8 10 8 4 afrikanisches Negerreich. leidig betrachten wir die Pflanzen unseres Gartens, welche . die kommenden Stürme im Freien aushalten müssen. Doch wir brauchen uns nicht zu sehr zu.ängstigen, Mutter Natur hat vorgesorgt, daß die Pflanzen dem Winter gewachsen sind. Sie lektet die Pslanzen jetzt allmählich jn den Ruhestand über, sie reift ihr Holz, und wo Baum und Strauch mit reifem Holze in den Winter gehen, da ist die Winter- rälte nicht gefährlich. Wehe aber den Pflanzen, die bis in den Spätherbst hinein nicht zur Ruhe kommen. Sie sind nicht zähe genug, um den Unbilden zu trotzen. Es geht darum an alle die Mahnung, das Ausreisen des Holzes im Herbste nach Möglichkeit zu sördern. — Wir sind im Obstgarten außerdem beschäftigt, den letzten piest der Ernte einzuheimsen, die Bäume abzukratzen, zu kalken, Raupenleimringe zu legen, die zu dichten Kronen auszulichten, den Boden zu düngen. Es iverden Pflanzlöcher gemacht, es wird auch der Boden zu dteuanpflanzungen rigolt, es wird Pflanzerde herbeigeschafst, und wo sie noch fehlt, Pflanzerde präpariert. Wir bestellen unsere Bäume, da für die ersten Bestellungen immer die beste Ware vor- | Händen ist. Am Ende des Monats wird schon gepflanzt; j es wird dann auch der Weinstock geschnitten und niedergelegt. Der Verkauf des überflüssigen Obstes geschieht pm ! besten bald. Im Winter wird es leichter durch die Lagerung, wir verlieren durch Fäulnis und sonstigen Abgang. Minderwertiges Obst gehört in die Küche oder dient zur Bereitung gesunden Aepselweines. Auf dem Gemüselande werden alle abgeernteten Beete gegraben und gedüngt. Das Einwintern der Gemüse .beginnt in Kellern und Mieten und in besonderen Einwinterungsräumen. Lauch, Meerrettich, Schwarzwurzeln, Rosenkohl bleiben im Freien, weil sie winterfest genug sind, und werden allmählich abgeerntet. Feldsalat, Spinat, Kerbelrübchen sät man noch aus. Vorteilhast ist es auch-, Spargelsamen im Herbst zu säen. Die alten Spargelbeete sind vom Laube zu befreien; das Laub ist zu verbrennen; die Beete sind zu graben und zu düngen. Artischocken sollen eingewintert werden, oder wo sre im Freien verbleiben, Schutz erhalten. Kardy kann man im Keller noch bleichen, klein gebliebener Blumenkohl bildet sich im Keller und in Kästen noch aus, .unreife Tomaten reisen in warmen Räumen nach; so läßt sich noch manches, was scheinbar verloren ist, retten. Im Ziergarten herrscht ein wahres Durcheinander. Die zarten Gewächse, welche in Töpfen braunen standen, werden in die Winterräume gebracht, diejenigen, die noch nicht eingepflanzt sind, schnell in Töpfe gesetzt. Begonren- knollen, Canna-Rhizome, Dahlienknollen, Gladiolen, Cala- dien und wie sie alle heißen, die empfindlichen Kinder fremder Zonen, sie werden aus kräftiger Entwickelung jäh herausgerissen und in trockenen Räumen gezwungen, die Ruhe anzutreten. Dagegen werden wieder Hyacinthen, Tulpen, Scilla, Schneeglöckchen, Lilien, Ranunkeln ausgepflanzt, Marienblümchen und Stiefmütterchen gesetzt, Stauden zerteilt re., und wird so für die Blüte des Frühjahrs gesorgt. Wir denken an den Wahrspruch, der da lautet: „Willst du Blumen im Frühling, pflanze im Herbst." reizenden Anblick, und die dunkelrote Färbung der Blätter verleiht dem Grün der übrigen Baumkronen eine angenehme Abwechslung. Ausführliches iiber dieses zeitgemäße Thema — jetzt ist gerade die beste Pflanzzeit — können Interessenten aus einer beim Geschäftsamte des „Praktischen Ratgebers" in Frankfurt (Oder) bestellten Probenummer ersehen. Sie wird umsonst und postsrei abgegeben. Wildpret, das starken Hautgout hat, muß längere Zeit in mit übermangansaurem Kali versetztes rosafarbenes Wasser gelegt werden. Obwohl dem Fleisch dadurch wichtige Nährsalze entzogen werden, so können ihm dieselben doch wiedergegeben werden, wenn beim Braten oder Schmoren eine Dosis von Liebigs Fleisch-Extrakt hinzugefügt wird. Hoteliers und Hausfrauen, bie, dies Verfahren zur Anwendung bringen, werden sich von ) einer Zweckmäßigkeit überzeugen. 8 2 4 3 Musikstück. 9 3 4 3 2 Musikinstrument. 10 2 3 4 Zahlwort. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in vor. Nr.: Der Buchstabe A, a. RkdaM--,: T. »nrk»«rdt. — Mr«« und Serk«« der «rShl'sch«, ttateetfltfitt-»«** mrd »retndruckcrci (Pietsch «r'-eM >» «i-Se». Litterarrsches. Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Prof. vr. Fr. Umlauft. XXIII. Jahrgang 1901. (A. Hartlebens Verlag in Wien. Jährlich 12 Hefte zu 1 Mk. 15 Pfg. Vorauszahlung einschl. Franko-Zusendung 13 Mk. 50 Pfg.) Unter den verschiedenen geographischen Zeitschriften nimmt die „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik" sowohl durch Reichhaltigkeit als auch durch Gediegenheit ihrer Aufsätze eine hervorragende Stelle ein. Was immer auf dem Gebiete der Erdkunde Neues und Wissenswertes auftaucht, findet in derselben entsprechende Beachtung und Würdigung, sodaß sie für jedermann, der an geographischen Dingen Interesse nimmt, eine erwünschte Lektüre bildet. Auch das soeben erschienene erste Heft des XXIII. Jahrgangs enthält wieder eine Reihe wertvoller Beiträge: Das wiederentdeckte Goldland „Ophir". Von Schiller-Tietz in Klcin-Flottbeck bei Hamburg. — Wie man in Persien reist. Von vr. Walter Schulz-Baumgärtner in Leipzig. (Mit 4 Abb.) — Nord- Togo oder der deutsche Sudan. Nach den natürlichen Verhältnissen geschildert von H. Seidel in Berlin. — Der Madeirafirom. Bon Moritz Lamberg in Manaos. (Mit 2 Abb.) — Die transsibirische Eisenbahn. Von vr. Joses Grunzcl in Wien. (Mit 2 Abb. und einer Karte.) — Astronomische und physikalische Geographie. Die Atmosphäre der Planeten und die kinetische Gastheorie. Marsbeobachtungen von Schiaparelli. — Politische Geographie und Statistik. Die Eisenbahnen der Erde. — Berühmte Geographen, Naturforscher und Reisende. Oberleutnant Hans Dominik. (Mit Porträt.) — Geographische Nekrologie. Todesfälle. Prof. W. P. Wassiljeff. (Mit Porträt.) — Kleine Mitteilungen aus allen Erdteilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Büchertisch. — Kartenbeilage: Die transsibirische Eisenbahn. Maßstab: 1 : 20,000.000. Das große Buch der Patiencen. Von Willy Hermann. Mit vielen Illustrationen. Hugo Steinitz Verlag. Berlin SW. 12. Das kleine Werk wird allen Liebhabern und Freunden des Patiencelegens und solchen, die die Kunst erlernen möchten, eine willkommene Gabe sein. Das Buch liegt bereits in zweiter Auflage vor, da die ersten Tausende nach kürzester Zeit rasch vergriffen waren, ein Beweis, daß es sich schnell Freunde erworben. Durch die Reichhaltigkeit seines Inhaltes und die vorzüglichen Illustrationen unterscheidet es fick vorteilhaft von Sammlungen ähnlicher Art, während es vor größeren Werken, die kaum mehr bieten, den Vorzug der Billigkeit hat. Die Anleitungen zu den einzelnen Spielen sind klar und deutlich gegeben und durch die Illustrationen erläutert, so daß jeder, auch der Unerfahrene, sich sehr wohl danach zu richten vermag. Die zweite Auflage ist um eine ! bedeutende Anzahl von Patiencen vermehrt worden, zu anderen sind, wo es nötig erschien, die Erklärungen erweitert worden. Durch den billigen Preis von 1,50 Mk. (gebunden 2,25 Mk.) ist die Anschaffung jedermann ermöglicht. Arithmogriph. In kleinen Haus-und Vorgärten sieht man sehr häufig unter den angepflanzten Baume c ». stark wachsende Arten, b'te, wenn sie nicht alles brcht beschatten unb bas Gärtchen verwilbern sollen, regelmäßig in jedem Fahre stark zurückgeschnitten werben müssen. Schon sehen solche Bäume nicht aus, unb auch bte Arbeit ist nicht jebem Gartenfreund angenehm. Es giebt nun aber eine Reche Bäume, die auch ohne Rückschnitt eine nur Heine Krone bilden. So nennt der „Pra-ktische Ratgeber tnt Obst- und Gartenbau" in seiner neuesten Nummer außer der Kugelulme und dem Kugelrotborn noch den schönen Kugelahorn, mit seinem vollen, großen, hübsch gepackten Laub, der schönsten aller Zierbäume mit Kugelkronen. Sehr hübsch sieht auch die Zierpflaume (Prunus Pissardi) aus, die allerdings etwas Rückschnitt verlangt. Die kleinen Kronen gewähren in ihrem Blütenschmuck einen Unte Unter sehr gerade Selbst. I Du ih Friede: Ve auf. , Damit, wäre erkauft ist best daß ei als et betraci F kam, unb Chef i „Scl daß ich lobt Hal Kleinigb stellen, kleidsam weshalb bestimm hatte d welchen Wort ü sei. Es Stimme entschlo Dei intettigi dem Ar in leise