L WWW s llzeit fröhlich ist gefährlich; Allzeit traurig ist beschwerlich; Allzeit glücklich ist betrüglich; Eins um's and're ist vergnüglich. Nicht zu wenig, nicht zu viel, Die Mitte ist das beste Ziel. Altdeutsch. Sprichwort. (Nachdruck verboten.) Geächtet. , Roman von Lothar Bren kendors. (Fortsetzung.) Fünfzehntes Kapitel. So schnell, als es die erschöpften Kräfte des treuen Tieres nur immer zuließen, war Elisabeth in der ersten fahlen Morgendämmerung durch das Totendorf gejagt. Sie durfte nicht mehr hoffen, daß ihre Abwesenheit daheim unbemerkt bleiben würde; denn ihre Leute, die nach ländlichem Brauch mit dem ersten Hahnenschrei auf- stauden, waren sicherlich schon auf den Beinen, bevor sie Lasdehnen erreicht hatte. Aber es geschah keineswegs zum ersten Male, daß sie früher als die Tagelöhner draußen auf dem Felde war, und niemand würde in ihrem Morgenritt etwas Auffälliges finden, wenn sie es nur vermeiden konnte, den Soldaten gerade auf diesem Wege za begegnen. Darum mutzte der arme Braune den ganzen Rest seiner Leistungsfähigkeit daransetzen, noch vor Sonnenaufgang den Waldrand zu getoinnen, und wie in instinktivem Verständnis der Lage "gehorchte er willig dem Verlangen der Herrin, obwohl seine Flanken keuchend flogen,, und seine Haut trotz der empfindlichen Morgenkühle mit Schweiß bedeckt war. ..Nichts hatte sich zwischen den grausigen Trümmern der zerstörten menschlichen Wohnstätte geregt, als Elisabeth im schärfsten Galopp das Totenfeld passierte. Wenige Minuten später aber, als die rückschauende Reiterin auf dem schwarzen Schpttfelde keine Einzelheiten mehr hätte erkennen können, lösten sich aus einem stehen gebliebenen Mauerwinkel die Umrisse einer menschlichen Gestalt. Mit haßverzerrtem Antlitz blickte Hans von der Röck- nitz der gegen den Wald hin verschwindenden Reiterin nach und mit zischenden Lauten klang es zwischen seinen fest zusammen gepreßten Zähnen hervor: „Ich hab's also richtig erraten — sie hat ihn gewarnt! Nun halte ich Dich, Du Hochmütige, nun ist es endlich an der Zeit, daß wir unsere Rollen tauschen". Er reckte die halb erstarrten Glieder, denn er hatte schon geraume Zeit in der scharfen Morgenluft hinter seinem schützenden Versteck gelauert, ehe seine Ausdauer belohnt worden war, und immer unmutiger hatte er gefürchtet, sich diesmal auf einer falschen Fährte zu befinden; waren doch die Dinge weit anders verlaufen, als. er. es gewünscht und voraus berechnet hatte. Seitdem sich Elisabeth am Nachmittag den Schlüssel zu. der Mauerpforte hatte geben lassen, war er nicht mehr im Zweifel gewesen, daß sie das Schloß noch vor den Kürassieren zu verlassen beabsichtige, um den Major zu warnen. Aber er hatte es nicht für möglich gehalten, daß sie die Kühnheit haben könnte, sich bis in den weit entfernten Schlupfwinkel der geächteten Schar zu begebem Irgendwo in der Nähe des Herrenhauses, so meinte er, werde sie auf vorherige Abrede mit Sixtus zusammentreffen; denn es galt ihm nach seinen Beobachtungen für ausgemacht, daß sie einen ständigen, geheimen Verkehr mit dem ehemaligen Offizier unterhalte. Und auf diese Vermutung hatte er seinen Plan gebaut. Er wollte sich in der Nähe jener Mauerpforte auf die Lauer legen, wollte der Ahnungslosen nachschleichen und ihr Thun belauschen, um sie durch die Mitwissenschaft ihres gefährlichen, hochverräterischen Treibens endlich unter seine. Gewalt zu zwingen. Wahrscheinlich hätte er sich's nicht verdrießen lassen, die ganze Nacht seinem wichtigen Vorhaben zu opfern, wenn nicht der Ausbruch des furchtbaren Unwetters ihn unter das schützende Dach zurückgescheucht hätte. Daß sie sich bei Donner und Blitz, bei Sturm und Regen mutterseelenallein in die Nacht hinaus wagen könnte, dünkte ihm trotz aller bisherigen Beweise ihres geradezu männlichen Mutes denn doch ganz undenkbar, und er war auf das äußerste betroffen gewesen, als er nach dem Aufhören des Gewitters die Pforte unverschlossen und bei weiterem Nächforschen den Stand von Elisabeths Leibpferd leer gefunden hatte. War auch der Verdacht, auf den er alle seine Hoffnungen gesetzt hatte, durch diese Entdeckung zur zweifellosen Gewißheit geworden, so sah er sich doch nun der Möglichkeit beraubt, Elisabeths Zusammenkunft mit dem Major zu belauschen. Und gerade davon hatte er sich einen Triumph versprochen, der die stolze Herrin von Lasdehnen noch heute für immer in seine Hände geben sollte. Aber die Erkenntnis dieses verlorenen Vorteils hielt ihn nicht ab, ihre Verfolgung wenigstens zu versuchen. Ein Pferd durfte er uicht satteln; denn es war ja vielleicht notwendig, sich bei einer Begegnung ihrer Aufmerksamkeit zu entziehen. Er verließ also, in seinen Mantel gehüllt, den Hof zu Fuß auf demselben Wege, den Elisabeth eingeschlagen hatte, nnd wanderte, vom Mondschein begünstigt, mit langen Schritten in der 510 — Richtung vorwärts, wo er sie vermuten mußte. Er war ein rüstiger Läufer und kannte jeden Baum in der Umgebung von Lasdehnen. So vermochte er trotz der beträchtlichen Entfernung das Totendorf zu erreichen, lange bevor Elisabeth es aus ihrem Heimwege berührte. Darüber hinaus aber wagte er sich nicht; denn jenseits der weiten Lichtung hörten alle gebahnten Pfade aus, und wenn sich seine tollkühne Base wirklich dort drüben befand, so hätte ihm doch nur der Wahnwitz den Gedanken eingeben können, in der weglosen Wildnis ihre Spuren zu suchen. Und er bedurfte dessen auch nicht; denn sie konnte bei ihrer Rückkehr nach Lasdehnen kaum eine andere Richtung nehmen als die über das Totendorf. Kam sie nicht innerhalb der nächsten Stunde hier vorüber, so hatte er sich eben in seiner Vermutung über den Ort des Stelldicheins betrogen, und mußte sich zu der Erkenntnis bequemen, durch eigenes Ungeschick um einen seiner besten Triumphe gebracht worden zu sein. Nun aber, da sie erhitzt und erschöpft auf schweiß- bedecktem Pferde so nahe an seinem Versteck vorüber gesprengt war, daß er deutlich jeden Zug in ihrem schönen Gesichte hatte erkennen können, nun sühlte er sich überreich belohnt für alle Mühsal, mit der er die unschätzbare Gewißheit hatte erkaufen müssen. Die Zuversicht des nahe bevorstehenden Sieges ließ ihn selbst die eifersüchtige Pein, die er im ersten Moment bei Elisabeths Anblick empfunden hatte, bald wieder vergessen. Gemächlich, ohne jede Ueberstürzung, schlug auch er nun den Heimweg ein, und als er aus dem Walde heraustrat, blinkten ihm chon ferne in den Strahlen der eben aufgegangenen Sonne die Helme der Möllen- dorf'schen Kürassiere entgegen. „Ihr hättet früher aufstehen müssen, wenn Ihr den Listen eines verliebten Weibes zuvorkommen wolltet", dachte er geringschätzig. „Aber reitet nur zu, dem aufgeblasenen, jungen Burschen, der die ganze Sache tote eine lustige Jagdpartie ansieht, kann die Lektion wahrhaftig nichts schaden". Er haßte den Leutnant von Kapnist, seitdem er gesehen, wie geflissentlich der junge Offizier seiner Base gestern den Hof gemacht hatte, und jetzt, da es der Vernichtung des Majors nicht mehr bedurfte, um ihn an das Ziel Leiner Wünsche zu bringen, empfand er eine wirkliche Schadenfreude bei der Vorstellung, daß bte Kürassiere das Nest leer finden würden. Wenn Kapmst, mit dem Fluch der Lächerlichkeit beladen, nach Lasdehnen zurückkehrte, würde diesem Leutnant schon bte Lust vergehen, sich bett Damen gegenüber als helben- haften Schwerenöter aufzuspieleri, unb er würbe in ber Beschämung über seine winbigen Prahlereien wahrscheinlich eiligst barauf bedacht sein, seine weiteren krteger- ischen Operationen von einem anberen Stanbquartier aus zu unternehmen. t Aber es war burchaus ntcht nottg, dass bte Solbaten ihn hier auf ihrem Wege fanben, unb sich müßige Ge- banken über bte weit ausgedehnten Morgenspaziergänge des Gutsverwalters boit Lasdehnen machten. Im Schutze des Waldes, der ihn ihren Blicken entzog, schlug Franz, statt die Richtung nach dem Herrenhause festzuhalten, den Weg nach dem Vorwerk ein, wo auf Elisabeths Befehl seit mehreren Tagen ein großer Holzbau in Angriff genommen worden war, von dem außer ihr niemand wußte, welcher Bestimmung er eigentlich dienen sollte. Auch Franz hatte sich bisher'vergebens darüber den Kopf zerbrochen, jetzt aber, während er hinüberging, um das Fortschireiten der Arbeiten zu beaufsichtigen, war er durchaus nicht mehr aufgelegt, unmutig über ihren verborgenen Zweck zu grübeln. Seiner unumstößlichen Neberzeugung nach war ja die Stunde nahe genug, da die junge Herrin von Lasdehnen nicht mehr wagen durfte, irgend welche Geheimnisse vor ihm zu haben. v Bis zum Abend des folgenden Tages jrelltch bot sich ihm noch keine Gelegenheit, die Auseinandersetzung herbeizuführen, die mit einem Schlage seine ganze Zu- llmft umgestalten und ihm die gebührende Stellung auf Lasdehnen verschaffen sollte. Er erfuhr von Frau von Menzelius, daß Elisabeth nach einem wohl allzu früh unternommenen Morgenritt von einem Anfall des in jener Gegend nicht eben seltenen Sumpffiebers heim gesucht worden sei, und daß sie auf ihre dringenden Vorstellungen Yin eingewilligt habe, das Bett vorläufig nicht zu verlasset!. Die Möllendorf'schen Kürassiere aber waren zur Nacht nicht nach Lasdehnen zurückgekehrt, was jedenfalls als ein sicherer Beweis dafür angesehen werden konnte, daß sie den erhofften glänzenden Sieg über die Marodeure noch nicht davongetragen hatten. Alles auf dem Gute ging seinen gewohnten, ruhigen Gang, und die Dienstleute fanden, daß ber verhaßte und gefürchtete Verwalter niemals wohlgelaunter unb gnäbiger gewesen sei, als in biesen zwei Tagen. (Fortsetzung folgt.) Em trostloses Schicksal. Novelette von Helene Lang-Anton. Nachdruck verboten. Assessor Mölldners waren auf ber Hochzeitsreise, sie hatten ein Seebab gewählt; stein Luxusbad, sonbern eine kleine Insel, die uugerechterweise bei vielen als langweilig verschrieen ist, deren Eigenart und Schönheit jedoch niemand vergißt, der sich ein empfängliches Herz für die Natur bewahrt hat. Gerade ersteres bestimmte das junge Paar zu threr Wahl; sie wollten keine Zerstreuung, keine Abwechselung, sie wollten sich nur allein genießen. „Heute wollen wir segeln, Maus." Ost schon hatte er diesen Wunsch ausgesprochen, war aber auf entschiedenen Widerstand bei ihr gestoßen; sie fürchtete sich, wollte ihre Furchtsamkeit aber nicht ein- gestehen, sondern behauptete, es mache ihr kein Vergnügen. Der junge Ehemann hatte sie durchschaut, und als sie eines Tages wieder verneinend auf die Frage geantwortet hatte, sagte er: . „Ja, mein Lieb, da bleibt mir nichts anderes nbrtg, als allein zu fahren, Du erwartest mich wohl hier." • Nach diesen Worten erhob er sich und ließ sie bei ihrer Schokolade sitzen. Sprachlos vor Erstaunen ließ ste den Löffel fallen. Er «ging, ging wirklich ohne sie. Wenn ihm nun etwas passierte? Wenn er ertrank? ohne sie! 9iein, das durfte nicht sein, da mußte sie mit, mit ihm zu sterben wäre nicht so schrecklich, als ohne ihn weiter zu leben. Heroisch ließ sie Schokolade und Kuchen im Stich und ging ihrem Manne nach. Er unterhandelte schon mit einem der bärtigen Gesellen, als sie leise seinen Arm berührte und ihm zuflüsterte: „Mit jenem Fischer, ber dort an dem Holzpfahl lehnt, will ich fahren." Er wandte sich lächelnd zu ihr -und spielte ben Ueberraschten: „Ah, ba bist Du ja!" unb setzte schnell, als er ihre Verlegenheit bemerkte, hinzu: „Warum gerabe mit biesem Mann, mein Liebling?" „Er hat so schöne Augen." „Sapperlot, guckst Du jetzt schon nach ben schönen Augen anderer Männer", neckte er und musterte den von ihr bezeichneten Fischer; schön fand er die Augen nun gerade nicht, aber es waren ein paar schwermütige Augen, an welchen man nicht gleichgiltig vorübergeht. Er trat an den Manu heran. „Wollt Ihr mit uns segeln?" „Tanke, Herr, ich habe kein Boot." „Ich miete eins." „Glaube nicht, daß es jemand hergiebt, es ist jetzt viel zu thun." Er sagte dies mit müder, schleppender Stimme, ohne seine Stellung zu verändern. Schon wollte ihn Mölldner stehen lassen, als die junge Frau abermals flüsterte: „Ich fahre nur mit diesem Fischer!" Was war da zu machen. , Bald war auch für Geld und gute Worte ein Boot gefunden, unb sie fuhren ans Meer hinaus. Sie versuchten ein Gespräch mit beut schweigsamen Mann anzuknüpfen, nur widerwillig staub er Rebe. Am liebsten staub er still unb starrte mit seinen traurigen Augen träumerisch in bte bewegte Flut. Der Wind war stark genug, das Segel zu treiben, er hatte nicht nötig zu rudern. Bald überließen ihn Mölldners seinem Brüten und beschäftigten sich miteinander, eine Beschäftigung, die - 511 Sic verging wie ein Schatten neben mir, fein Mensch würde in ihr die Lisa von früher wieder erkannt haben. Eines Morgens, als ich zum Fischen fahren wollte und schon die Kette losmachte jvom Boot, wer steht da vor mir"? Der Engländer. Ich erschrak, gls ich ihn sah: Er bemerkte es und lächelte seltsam. Dies Lächeln schien zu sagen: Er schüttelte den Kopf. „Wir waren Nachbarskinder, schon als Knabe trug ich bte Lisa viel auf den Armen, machte ihr Spielsachen - als sie herangewachfen, erwies ich ihr kleine Liebesdienste, da mochte sie mich gern, so wie man einen Bruder lieb hat. Aber diese Liebe hält nicht vor fürs ganze Leben. Doch daran dachte ich nicht, ich war närrisch vor Freude, als sie mich nahm; und bot,alles auf, um sie glücklich zu machen Aber sie war es nicht. Andere bemerkten es und flüsterten schon darüber, ich hörte nicht, wie ihr Lachen immer seltener erklang, und sah es nicht, wie ihre Wangen immer mehr erblaßten und hohl wurden. Ich. verliebter Thor fühlte mich an ihrer Seite so glücklich und zufrieden, daß ich den Blick für fremdes Leid verlor!" Er schwieg wieder und ließ den Kopf hängen. „Und der Grund? "fragte zögernd die junge Frau. „Ja, der Grund, das ist's ja eben, den wußte ich nicht und erriet ihn auch nicht; denn daß der Grund der junge, blonde Engländer, der bei uns wohnte, und mit dem ich täglich in die See hinausfuhr, war, konnte ich doch nicht wissen. Erst, als es zum -Abschied kam und sie sich gegenüber standen, die beiden großen, schlanken Gestalten, beide wachsbleich, und ihre Augen sich unbewußt liebkosten, schoß mir zum ersten Male der Gedanke durch den Kopf, „er stiehlt Dir Deines Weibes Herz, nnd mir war es, als müßte ich mit einem Schlage die kng verschlungenen Hände trennen. Er wandte sich §tint. Gehen und sagte, fast schon an der Thür: „Das Boot, Tönweest, in welchem wir immer fuhren, ist, jetzt ganz Euer 'Eigentum, ich habe die Hälfte dem Krischan abgekauft und schenke es Euch." Und fort war er, lehe ich noch danken konnte. Es war mir lieb, vielleicht hätte ich kein Wort des Dankes gefunden, die Kehle war mir zugeschnürt, und das Herz schlug wie ein Hämmer in der Brust, Mit Lisa sprach ich kein Wort darüber. Sie ging ihren häuslichen Geschäften ruhig nach, wie sonst, sorgte für -mich in ihrer stillen Weise, wurde aber immer elender. Er stürzte ins Wasser. Ich stand erschreckt einen Augenblick still, dann warf ich das Ruder hin und rief ihm zu, sich daran festzuhalten, ich wollte ihn so ins Boot zurückziehen. Er griff nicht danach. Schon sank er unter, nur eine Hand war noch zu sehen, da erfaßte mich Todesangst, ich vergaß, daß ich nicht schwimmen konnte und stürzte ihm nach. Ich erfaßte ihn, ein sekundenlanger, fürchterlicher Kampf entspann sich. Ich klammerte mich krampfhaft an ihn und schrie: „Ich kann nicht schwimmen." Da faßte er mich mit starker Hand ins Genick. „Haltet mich! nicht", rief er mir zu und schwamm nun mit seiner schweren Last feem Boote nach, das vor uns hertrieb. Wie schwer es ihm wurde, mich zu halten, bewiesen seine keuchenden Atemzüge, er konnte mich dem Tode überliefern, ohne daß ihm jemand einen Vorwurf hätte machen können. Er brauchte nur die Hand zu öffnen und mich fallen zu lassen. Er that es nicht. Mit größter Anstrengung erreichte er das Boot, er rief mir zu, mich daran zu klammern und zu versuchen, hineinzuklettern, ich konnte es nicht mehr thun. Da hob er mich! mit letzter Kraft und warf mich in das Book. , Er selbst sank unter. ihnen nie zu viel wurde, die nie ihren Reiz verlor. Wie Ichon war es doch, so allein, von aller Welt geschieden n"r threr Liebe und ihrem jungen Glück erfüllt, auf offenem Meere zu treiben. 1 Der stille Geselle ihnen gegenüber störte sie nicht. So suhren sie täglich hinaus, und noch immer wußten sie nicht weshalb des Fischers Wesen diese Schwermut atmete. eS ‘bie Lebhaftigkeit der jungen grau I ' „Weißt"Du es schon?" Sarum Sb £“uf seinen Arm. I Aber nichts von Triumph lag darin, eher eine tiefe ., fett) ^hr immer fo traurig, Tönweest, es I Trauer. .Aerz, Euch -immer so zu sehen, nicht I „Tönweest", begann er, „ich fahre mit Euch, ich habe aBir? ^gefühl ! Wer selbst I Euch etwas zu sagen." Ich brummte etwas in den Bart, KtPih auc^ 'Ee Menschen glücklich sehen. I was er wohl für feie Einwilligung nahm; denn er stieg iKBS rung- was quält Euch so?" I in das Boot, während es vom Lande abstieß. Wir , r an' ""hi erstaunt; ähnliche Fragen mußten I schwiegen beide, bis wir weit im Meer trieben. , Tn 0Ve,ri-hu gerichtet worden sein. Er zwang I Da legte er mir feie Hand auf den Arm und sagte: Lächeln, das in diesem Gesicht trostlos wirkte. I „Tönweest, ich liebe Euer Weib." "an/ J^te. er' "chir ist nicht zu helfen." I Ich fuhr in die Höhe und hob das Ruder wie zum ~ tue junge H-rau ließ sich nicht so leicht abschrecken. I Schlage. , bat sie mit weicher, schmeichelnder Stimme, I Er zog mich auf den Sitz nieder. „schon manches Weh, von der Seele geredet, hat von seiner I „Ich bin gekommen, es Euch zu sagen und Euch zu Bitterkeit verloren. Habt Ihr kein Weib, Tönweest?" I bitten, sie frei zu geben, sonst tötet Ihr mich und sie!" Lr zuckte zusammen und starrte düster vor sich hin. I , Ich saß da wie betäubt, ich wollte auffahren, aber ein „Nein', sagte er dumpf, ,'und nach einer Weile setzte er I Blick auf den so ruhig vor mir sitzenden Mann, der mich hrnzu: „Ich hatte eins!" I traurig, bittend ansay, hinderte es. Da war der wunde Punkt, ein Weib hatte ihm das I „Weiß sie es ?" stammelte ich und sah ihn angstvoll an. Lew zugefügt, von welchem sich seine Seele nicht befreien I „Ich habe nie zu ihr davon, gesprochen, aber sie weiß konnte, an welchem er krankte und wahrscheinlich auch I e§ doch, genau wie ich es weiß, daß sie mich liebt. Das zu Grunde gehen würde, schon deshalb zu Grunde gehen I fühlt man. Sagt, Tönweest, habt Ihr Euer Weib nie wurde, weil er nichts dagegen that. Diese teilnahmlose I abgesehen, sieht so eine glückliche Frau aus? Ihr könnt Schwermut hemmte jede Thatkrast, Zerstörte jedes energische I i" hindern, mit mir glücklich zu sein, doch nie sie zwingen, Emporraffen. Die junge Fran ließ nicht nach, er mußte I e§ mit Euch zu sein." reden; und nach einem tiefen, befreienden Atemzuge be- I So sprach er und noch viel mehr, um mich zu über* gönn er: „Ich hatte ein Weib, Lisa hieß es, ein junges I Zeugen, mich weich zu machen, umsonst, ich wollte nichts . schönes, rosiges Weib, das sie alle mir mürrischem Kerl I hören, nie würde ich einwilligen, nie sie freigeben, lieber nicht gönnten; sie hätte sich besser und reicher verheiraten I würde ich sie und mich töten, sagte ich ihm. können, aber sie nahm mich, ans — Gewohnheit" I Ith- Thor, ich- wollte Mir das Glück nicht nehmen „Aus Gewohnheit?" was sagt Ihr da, sie wird Euch I (affen' aIS ob man das Glück, wenn es nicht von selbst doch lieb gehabt haben", warf die junge Frau dazwischen I bleibt, halten könnte. Immer -heftiger wurde Rede und da er verstummte. ' | Gegenrede. Er immer maßvoll, ich grob und roh, wie ....... das so in unserer Art liegt, bis er, dadurch wohl aufs höchste erregt, mir zurief: „Ihr seid ein Erbärmlicher, feer Ihr ein Weib gegen feinen Willen festhalten wollt, trennt unsere Körper, unsere Seelen, unsere Herzen könnt Ihr nicht trennen, Lisa liebt mich, mich ganz allein, mir gehören zueinander." Diese Worte brachten mich so in Wut, daß ich mich auf ihn warf und ihn an der Brust faßte. Er verteidigte sich kaum, ich rüttelte ihn derb und warf ihn dann auf seinen Sitz zurück. So glaubte, so wollte ich. Wie es nun kam, warf ich ihn zu sehr nach der Seite, wodurch er das Gleichgewicht verlor, oder that er es absichtlich, das weiß Gott'allein. W — Hatte die Schwäche ihn übermannt? oder hielt er sich für überflüssig auf der Welt, da ich lebte! Noch einmal sah ich ihn auftauchen, bann verschlang ihn das Wellengrab. Fischer, die unsere bedrängte Lage vom Ufer aus beobachtet hatten, eilten zur Hilfe herbei. Alle Nachsorsch,- ungen waren vergeblich. Nicht einmal seinen Leichnam gab das Meer zurück. Ich erkrankte heftig, Lisa Pflegte mich aufopfernd, sie sag TchA und Nacht ber mir, ohne müde zu werden. Nie sprach ich mit ihr ein Wort von dem Verunglückten, aber sie wußte es, die andern hatten es ihr erzählt. Ihr Gesicht war im Schmerz wie versteinert, ihre schlanke Gestalt war gebeugt, als trüge sie große Lasten. Ich konnte sie kaum ansehen, so schnitt ihr Anblick mir ins Herz. Und je tapferer sie sich hielt, desto erbärmlicher kam ich mir vor. Ich wurde gesund und ging wieder meiner Arbeit nach. Eines Morgens — hier stockte er etwas, um daun leise sortzufahren — stand iäy auf, und fand Lisa nicht beim Kaffeetisch wie gewöhnlich. Es lag ein ein Zettel auf dem Tisch, von ihrer Hand beschrieben. Er lautete: „Lebewohl, ich gehe zu ihm, von dem Lebenden konntest Du mich fernhalten, von dem Toten nicht. Ver- gieb und vergiß. Lisa." Von banger Ahnung erfüllt, eilte ich zum Strande. Mein Boot fehlte. Keiner der Fischer hatte es losmachen sehen. Lisa mußte am frühesten Morgen, vielleicht bei Nacht hinausgefahren fein. Mit dem Fernrohr sah man in weiter Ferne auf dem Meere einen dunklen Punkt, das konnte wohl das Boot sein! Schnell wurde ein anderes losgekettet, Krischan und noch zwei andere begleiteten mich. Wir kamen immer näher, schon konnten wir erkennen, daß es ein Boot war, aber auch, daß es trieb, von keiner menschlichen Hand geleitet. Wo war Lisa? Der Angstschweiß brach mir aus, die Männer fühlten meine Not und gebrauchten das Ruder mit höchster Anstrengung. Wir erreichten das Boot, es war leer. Auf dem Boden lag Lisas Haube, die sie beim Todessprung wohl verloren hatte, sonst keine Spur von ihr, das Meer hatte sie ausgenommen. Gebrochen kehrte ich nach Hause zurück. „Mörder" hallte es in mir und „Mörder" tönte es in mir aus allen Ecken. »Ja, ich hatte sie gemordet, weil ich sie nicht frei gab, sie zwang, an meiner Seite zu bleiben. Immer und immer mußte ich an des Engländers Worte denken, „unsere Seelen könnt Ihr nicht trennen, die gehören zueinander". Ja, ja, jetzt waren sie vereint; sie hatten ein gemeinsames Grab, und ich war allein geblieben. Mir geschah recht — ganz recht!" Er hatte geendet und ließ den Kopf tief auf die Brust sinken. Die einfache, schlichte Weise, in welcher er das Unglück seines Lebens erzählte, berührte das junge Paar- schm erzlich. ®ie, fanden keine Trostesworte, auch fühlten sie, daß solche hier nicht am Platze waren. „Das Boot", begann er noch einmal, „verkaufte ich dem Krischan, wie hätte ich wohl nochmals darin fahren können!" Schweigend fuhren die drei Menschen dem Strande zu. Ehe sie landeten fragte Mölldner den Fischer: „Würdet Ihr wohl gern wieder ein Boot habend" Er schüttelte den Kopf. Die junge Frau reichte ihm die Hand, während in ihren Augen Thränen glänzten. Tönweest sah es, und von diesem Mitgefühl gerührt, sagte er mit bewegter Stimme: „Gott erhalte Ihnen Ihr Glück!" p- Sie neigte dankend den Kopf. W. H Riehls Geschichte« und Novellen. Gesamt.Ausgabe. Erscheint vollständig in 44 Lieferungen zu 50 Pf., alle 14 Tage eine Lieferung. Stuttgart. I. G Cotta'sche Buchhandluna Nachfolger G. m. b. H. U Rrtrfütw: «. enrtteOt. — »ruck und »erlag der Brühl'scheu Die Lieferungen 25—31 enthalten die Geschichten „Aus der Ecke", eine Samlung von Novellen, von der Riehl selbst im Eingang des Buches mit einer wahren Vaterfreude spricht. Das mögen freilich herrliche Stunden gewesen sein, als Riehl, Geibel und Heyse in der Münchener „Ecke", die sie bewohnten, jeden anderen Sonntag zusammenkamen und einander ihre neuesten Arbeiten vorlasen. Alle drei jung und „glühend in vollster Schaffenslnst". Fast ein halbes Jahrhundert ist jetzt darüber hingegangen, und von den dreien weilt unter den Lebenden heute nur noch einer; Paul Heyse. Im Andenken an diese Tage hat Riehl den vorliegenden Band seiner Erzählungen — er bildet den fünften Teil der neuen Gesamtaus- gäbe und ist in den oben erwähnten Lieferungen enthalten — „Sieben Novellen ans der Ecke" getauft. Sie gehören zum Frischesten und Anmutigsten, was er geschrieben. Aus dem „verschämten Novellisten", als der er begonnen, war er, da er sie schrieb, herausgewachsen und ein bewußter Künstler geworden. Riehl erzählt in jenem Eingang launig von drei Steckenpferden, davon er nicht kain: Musik machen, Novellen schreiben und große Fußmärsche ausführen. Von diesen ritt er, wie jedermann anerkennen wird, das mittlere mit besonderer Kunstfertigkeit. Er hatte das Ziel, das ihm vorschwebte, erreicht: nur „innerlich erlebte" Novellen zu schreiben, und aus den Stoffen, von denen er, wie er sagt, zehnmal mehr im Kopf hatte, als zu bewältigen waren, konnte er auswählen, was ihm gerade am meisten zusagte. Das merkt man dem fünften Bande seiner Geschichten und Novellen recht wohl an. Des Kindes bester Spielkamerad ist das im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin, monatlich einmal mit vielen Illustrationen und mehreren illustrierten Beilagen erscheinende Gebrauchsblatt „Kiirdergarderobt". Erfreuende Moden-Genrcbilder, wie die hier von bester Künstlerhand gebotenen, findet man sonst selten, und ebensowenig einen so überaus reichen Modenteil, bei dessen Durchsicht das Herz jeder Mutter höher schlägt. Der jeder Nummer beiliegende Schnittmusterbogen und die zu jedem Modenbilde gelieferten Eptra- schnitte nach Körpermaß, gegen Erstattung der minimalen Selbstkosten, ermöglichen der auf Sparsamkeit bedachten Hausfrau und Mutter Selbstanfertigung sämtlicher Kindergarderobe! Und ebenso lehrt „Kindergarderobe" — Abonnement nur 60 Pfg. pro Quartal — die Selbst«»- fertigung des Kinderspielzeuges aus Resten und Abfällen des Haushalts. 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