Nr. Hi. ZZ8 «Tjm ®3gS Effi PM i> li WW KSMWwh fe. j®iag)ebroebeS Schicksal muß Erfüllung ftnben, Es fei in Schmerzen ober sei in Freuben; Der Mensch muß burch sein Los hinburch sich toinben, Wenn er nicht mitt, ganz von bent Leben scheiben. Wilh. v. Humbolbt. (Nachdruck verboten.) Geachtet. Roman von Lothar Brenkendorf. (Fortsetzung.) Das junge Mädchen schien dieser immer wiederholten Bitten ein wenig müde zu werden. „Nun, liebe Tante, wir haben ja immerhin noch einige Tage Zeit, uns die Sache zu überlegen. Wie schrecklich sie auch sein mag, jedenfalls ift die Aussicht auf den Hungertod in Lasdehnen kein hinreichender Grund, ba§ wir uns schon jetzt allgemach an das Verhungern gewöhnen sollten. Und ich muß gestehen, daß der lange Spaziergang mir tüchtigen Appetit gemacht hat." Eine Mahnung an ihre Hausfrauenpflichten blieb bei Frau von Menzelius niemals ohne Erfolg. Die Herrschaft in der Küche war .das einzige Regiment, das sie mit voller Selbständigkeit ausübte und in das sie keinen Eingriff duldete. Ganz erschrocken fuhr sie deshalb auf Elisabeths freundliche Erinnerung vom Sofa empor: „Du lieber Himmel — beinahe hätte ich über dieser Hiobspost wirklich die Mittagsmahlzeit vergessen." Und viel schneller, als man es bei ihrer beträchtlichen Korpulenz für möglich- gehalten hätte, trippelte sie hinaus. Charlotte aber glitt, sobald sich die Thür geschlossen hatte, neben der schönen Freundin auf die Kniee nieder, schmiegte den Kopf an ihren Arm und sagte beklommen: „Wenn ich Dich recht verstehe, Elisabeth, so ist -es Dein fester Entschluß-, nach Litauen zu gehen." „Ja, Kind! Die Mühsale, die mich dort erwarten könnten, schrecken mich nicht, und die Aussicht, diese unfruchtbare Muße mit angestrengter, nutzbringender Arbeit vertauschen zu dürfen, hat für mich sogar einen mächtig lockenden Reiz," „Es giebt also nichts, daß Dich hier in Küstrin festhält — nichts, das Dir das Scheiden schwer machen könnte?" „O doch! Wenn ich Dich und Deine Mutter hier zurücklassen müßte —" Aber Charlotte schüttelte lebhaft den Kopf. „Das meinte ich nicht. Wir gehen natürlich mit Dir; die Mutter kann ja gar nicht mehr ohne Dich leben, und unter Deinem Schutze würde sie.schließlich selbst in einen Bärenzwinger hinabsteigen. Nein, ich dachte an etwas ganz anderes. Es giebt hier so viele Menschen, die Dich verehren und anbeten — Und unter ihnen ist gewiß auch mancher Kavalier, der glücklich sein würde, wenn Tu — wenn Du — nun, wenn Du Dich entschlössest, ihm Deine Hand zu reichen." Voll Erstaunen ruhten Elisabeths Augen auf ihrem brennenden Gesicht. „Wie in aller Welt kommst Du auf solche Gedanken, thörichte, kleine Lotte? Ich wüßte wahrhaftig keinen unserer Bekannten, bei dem Deine Vermutung zutreffen konnte." „O, wenn Du nur ein wenig nachdenken wolltest! Der Leutnant von Kapnist zum Beispiel —" Sie hatte all ihren Mut zusammengenommen, aber sie konnte es darum doch nicht hindern, daß ihre Stimme zitterte, und daß ihr gar verräterische Thränen in die Augen stiegen. Elisabeth beugte sich lächelnd hinab und küßte sie aus den Mund. „Schweig still, Du Närrchen! Und daß Du nicht wieder in Versuchung kommst- Dir über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen, so laß Dir's gesagt sein: Auch- wenn ich! zum Heiraten nicht schon viel zu alt wäre, würde ich doch- diesem guten Jungen Kapnist so wenig als irgend einem andern meine Hand reichen. Die Zeit, da ich! vom Glück der Liebe träumte, ist unwiderbringlich- dahin; nichts ist mir von ihr geblieben als ein schmerzlich-süßes Erinnern. Aber diese Erinnerung! ist zugleich mein kostbarster Besitz, ein Heiligtum, das nimmermehr entweiht werden soll! — Sieh mich nicht so mitleidig fragend an, Kleine! Vielleicht werde ich! Dir später einmal erzählen, was mir einst geschah. Heute würdest Du mich! doch; nicht verstehen — und der Himmel möge mich davor bewahren. Deinen sonnigen Glauben an die Güte und Weisheit der unerforsch^- lich-en Weltregierung vor der Zeit zu erschüttern." Wohl war eine Bergeslast von Charlottes Herzen gefallen, aber die Gewißheit, daß ihre vergötterte Freundin einen schweren, vielleicht unheilbaren Kummer in der Tiefe ihrer großen Seele verschließe, lähmte die Freude, die sie sicherlich- unter anderen Umständen über diese Erleichterung gefühlt haben würde. Selbst auf die Gefahr hin, sich abgewiesen zu sehen wie ein allzu neugieriges Kind, hätte sie doch vielleicht noch eine schüchterne Frage gewagt, wenn ihr Gespräch nicht durch eine unerwartete Störung unterbrochen worden wäre. Die alte Sophie, die noch- immer die Verrichtungen einer Kammerjungfer bei dem Fräulein von Marschall erfüllte, obgleich sie infolge einer schweren Krankheit inzwischen halb erblindet war, kam ins Zimmer, um Elisa- 442 beth den Besuch eines unbekannten Mannes zu melden, der sie in wichtiger Angelegenheit unter vier Augen zu sprechen begehre. „Wenn er seinen Namen nicht genannt hat, darf er auch nicht erwarten, daß ich ihn allein empfange", entschied das junge Mädchen mit jener ruhigen Bestimmtheit, die all ihren Worten und Handlungen eigentümlich war. „Sage ihm das, Sophie, und wenn er auch dann noch! aus Einlaß besteht, so führe ihn hier herein." Ein paar Minuten verstrichen, während deren namentlich die wißbegierige Charlotte ihre Hellen Augen mit großer Spannung auf die Thür gerichtet hielt. Dann trat der geheimnisvolle Fremde über die Schwelle. Er war von großer, hagerer Gestalt und nach Art eines Mannes aus dem kleinen Bürgerstande, eines Handwerkers oder bescheidenen Kaufmannes gekleidet. Ein rötlicher Bart umgab, der Sitte der Zeit entgegen, sein bleiches, eingefallenes Gesicht, und eine schwarzseidene Binde zog sich schräg über die Stirn und das rechte Auge hin. — „Ich bitte JhroGnadeu Unterthänigst Um! Verzeihung", sagte er nach tiefer Verbeugung mit leiser, fast klangloser Stimme, „aber eine Mitteilung, die ich dem gnädigen Fräulein nur ohne Zeugen machen darf —" Seit dem Moment seines Eintrittes hatte ihn Elisabeth mit großen Augen unverwandt betrachtet; nun wandte sie sich, ohne das Ende seiner Rede abzuwarten, plötzlich an ihre junge Freundin: „Laß uns allein, Charlotte! Ich möchte mit diesem Manne reden." Die Kleine schmiegte sich an sie und flüsterte ihr ins Ohr: „Er sieht so unheimlich aus, Elisabeth — willst Du mich nicht hoch lieber bei Dir behalten?" Aber eine verneinende Gebärde bedeutete sie, zu gehorchen, und zögernd ging sie hinaus. Sobald Elisabeth mit dem Fremden allein war, trat sie in sichtlicher Erregung auf ihn zu. „Täuschen mich meine Augen nicht? Du bist es, Franz? —* Du wagst es, zurückzukehren?" „Ja, ich bins — Dein armer Vetter Franz von der Räcknitz — oder, wie die Welt mich seit sieben Jahren nennt, der Handelsmann Peter Wülfing. — Und ich preise mich glücklich!, Elisabeth, daß ich Dich nach langem Suchen endlich gefunden." Er streckte ihr seine Hand entgegen, doch sie reichte ihm die ihrige nicht. Wie die Starrheit eines schönen Statuenantlitzes lag es auf ihrem Gesicht. „Was gab Dir ein Recht, mich zu suchen? Wie durftest Du mir noch einmal unter die Augen treten, nachdem Du das Glück meines Lebens zerstört hast?" Bestürzt hatte er den erhobenen Arm sinken lassen. Schmerz und Zerknirschung schienen sich in seinen verwüsteten Zügen zu malen. „Das Glück Deines Lebens?" wiederholte er leise. „Dessen, bei Gott, bin ich! mir nicht bewußt, und solchen Empfanges war ich nicht gewärtig. Du bist mir dereinst eine großmütige Retterin gewesen, Elisabeth, ohne Deine Hilfe wäre ich längst im Zuchthause verdorben. Nicht einen Augenblick habe ich seit jenem Tage ausgehört. Dir zu danken, und all mein Sehnen war nur darauf gerichtet, Dir auch durch! die That noch diese unauslöschliche Dankbarkeit zu beweisen. Da kannst Du noch fragen, was mir «ein Recht gab. Dich! zu suchen?" „Last das!" wehrte sie mit einer gebieterischen Handbewegung ab. „Ich begehre Deine Dankbarkeit nicht, und Du konntest mir keinen besseren Dienst erweisen, als wenn Du Dich auf ewig von mir fern hieltest. Ich! habe es wahrlich teuer genug bezahlen müssen, daß ich Deinen lügnerischen Worten einmal Glauben geschenkt." „Du weisest mich von Dir? Freilich, ich! habe nicht daran gedacht, daß Du inzwischen zu stolz und zu vornehm geworden sein könntest, um dem Ausgestoßenen anders als mit Abscheu und Verachtung zu begegnen." „Wenn Du ein Ausgestoßener bist, Franz, ziemt es Dir dann, Dich darüber zu beklagen? Haben Deine Handlungen Besseres verdient als Abscheu und Verachtung?" Wie ein tückischen Wutblitz flammte es in dem unverhüllten Auge des Mannes aus, doch schon in der nämlichen Sekunde senkte er wieder demütig das Haupt. „Du richtest streng, Elisabeth! Von Dir zuerst hatte ich Vergebung erhofft für meine That, an der meine unüberlegte Jugend und schändliche Verführung ungleich größeren Anteil hatten als die Schlechtigkeit meines Herzens." >,Darüber mit Dir zu rechten, ist meines Amtes nicht. Du magst der Vorsehung auf den Knieen danken, daß sie Dich nicht zum Mörder werden ließ, aber Du darfst nicht Dir selbst ein Verdienst daran zurechnen. Fast ein Wunder war es zu nennen, daß jener Unglückliche damals mit dem Leben davon kam." „Ich weiß es, und ich; habe seine Rettung niemals anders als wie eine Gnade des Himmels betrachtet. Meine Schuld war groß, unermeßlich! groß, doch! unermeßlich habe ich auch! dafür gebüßt. Das Leben, das ich seit sieben Jahren in aller Herren Ländern geführt, war schlechter als das Leben des verworfensten Vagabunden, mühseliger und grausamer als das Leben eines räudigen Hundes, den man mit Fußtritten noch aus der schmutzigsten Zufluchtsstätte aufjagt, in die er sich! verkrochen. Es giebt keine Entbehrung, die ich! nicht erlitten, keine Qual, die ich nscht ausgekostet hätte! Mein Dasein war ein beständiges, langsames Verschmachten, ein ins unendliche verlängertes Sterben. Und das alles — alles soll noch nicht genug sein, die sträfliche Verirrung eines unreifen Knaben zu sühnen?" Stockend und in gebrochenen Lauten wie aus einer todwunden Brust kamen die Worte über seine Lippen. Dem erschütternden Eindruck einer furchtbaren Wahrhaftigkeit, den sie dadurch erhielten, vermochte auch! Elisabeth sich nicht ganz zu entziehen. „Es ist nicht allein jene Verirrung, Franz, die uns trennt", sagte sie in milderem Tone. „Die Wunde des französischen Komödianten ist geheilt, und die Huldbeweise des Königs mögen ihn für die erlittenen Schmerzen entschädigt haben. Ein anderes, tausendmal kostbareres Dasein aber, das Dasein des edelsten, hochherzigsten Mannes hast Du auf dem Gewissen, und nie, nie kann ictji Dir verzeihen, daß Du mich zu Deiner Mitschuldigen gemacht hast an diesem Verbrechen." Franz von der Räcknitz schüttelte den Kopf. „Ich« verstehe Dich, nicht, Elisabeth! So wahr ich auf ein gnädiges Urteil hoffe am Tage des Jüngsten Gerichts, von jener Schuld weiß ich! nichts." „So hast Du nicht erfahren, was aus Deinem heldenmütigen Retter geworden?" „Aus dem Leutnant von Plothow? Nichts sonst, als daß man mir einmal erzählte, er habe sich im letzten Feldzug rühmlich hervorgethan." Elisabeths Augen öffneten sich weit. „Wer hat Dir das erzählt? Sprich schnell! O, wenn Du die Wahrheit sagtest, ich wollte Dir alles, alles von Herzen vergeben !" „Wer es mir erzählte? — Hab' nur einen Augenblick Geduld, ich werde mich! gleich! darauf besinnen. Ja so, es war allerdings eine etwas unsichere Quelle. Ein heruntergekommener Deserteur, mit dem ich einmal in einer Scheune übernachtete, erzählte mir so allerlei von den Schlachten, in denen er mitgekämpft haben wollte — Wahres und Falsches; und es mag sein, daß des Falschen mehr darin war als des Wahrhaftigen. Da war dann auch beiläufig von einem Herrn von Plothow die Rede, der Wunder der Tapferkeit gethan habe. Und ich meinte, daß es der nämliche Offizier sein müsse, dessen Uniform mir das Leben gerettet". Das hoffnungsvolle Leuchten in Elisabeths Augen war schön wieder erloschen „Der Deserteur hat gelogen oder es gab noch einen anderen Plothow in der Armee. Der Leutnant, der Dich! gerettet, wurde schon wenige Wochen nach Deiner Flucht aus den Listen der preußischen Offiziere gestrichen". „Um meinetwillen? Es wurde also entdeckt, daß er mir Beistand geleistet?" „Ja. Hättest Du davon in Wahrheit bis heute nichts gewußt?" „Nicht das geringste, Elisabeth! Seiner Weisung gemäß hatte ich die Uniform vergraben, als ttij1 ihrer nicht mehr bedurfte, und ich meinte, daß seine Teilnahme bei meiner 443 — Flucht nun nimmer an den Tag kommen könnte. Wer in aller Welt hat ihn denn Verraten?" „Er bezichtigte sich selbst- als unser Haus Polizeilich durchsucht werden sollte und als mein Vater im Begriff stand, die Beamten in mein Zimmer zu führen, wo sie unfehlbar den von Dir zurückgelasseneu Mantel gefunden hätten. Um mich zu retten, gab er seine eigene Zukunft preis; denn er wurde auf sein Geständnis hin verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt". „Fürwahr, eine ivackere That! Nein, das wußte ich nicht! Welche Strafe aber konnte man über ihn verhangen ?" „Seine Richter waren ihm wohl gesinnt. Sie schenkten ihm Glauben, daß er nicht einem gemeinen Verbrecher habe forthelfen wollen, sondern einem Unglücklichen, der in der Notwehr zum Degen gegriffen. Und es kam ihm zu statten, daß der Franzose nicht, wie man erst gefürchtet hatte, seiner Verletzung erlag. Das Urteil lautete auf zweijährige Festungshaft, ohne daß ihm sein Offiziersrang aberkannt worden wäre. Der König aber bestätigte den Spruch des Kriegsgerichts nicht. Die zwei Jahre Festung wurden Herrn von Plothow auf dem Gnadenwege erlassen; dafür aber traf ihn das härteste, das dem heldenmütigen Mann überhaupt widerfahren konnte, er wurde mit schlichtem Abschied entlassen. Seine militärische -Laufbahn war zu Ende, seine Hoffnungen waren zerstört, fein Dasein, das so glänzend und verheißungsvoll begonnen, war vernichtet. Ich bin gewiß, daß an dem Tage, wo ihm des Königs „Gnade" verkündet wurde, kein Mensch auf Erden elender war, als er". Elisabeth brach ab, denn sie »fühlte, daß ihre Bewegung sie im nächsten Augenblick überwältigen würde, und sie wollte die unter dem Messer der Erinnerung von neuem blutende Wunde ihres Herzens nicht vor diesem .Zuhörer offenbaren. (Fortsetzung folgt.) Vom Monat August. Augast 1900. Nachdruck verboten. Unter der Einwirkung der Ernte erfahren die Marktprodukte teilweise eine Steigerung der Preise, durch die wegen Zeitmangels knappere Zufuhr auf die Märkte. — Auch die Flußfischerei wird auf Kosten der Ernte zurück- gestellt, da die ländlichen Gelegenheitssisch^er gegenwärtig Lohnenderen Verdienst in der Erntearbeit finden. Stark ist der Großhandel mit seinem Tranport in Eisverpackung oder dem Lebendversand in feuchtem Moos, um den Bedarf in Stadt und Land zu decken. Durch den Versand frischer Fische in eigenen dazu eingerichteten Eisenbahnwagen ist zur Genugthuung aller Fischsteunde die Ursache mancher Verlegenheit und Verdrusses aus dem Wege geräumt. Bekanntlich hat die Verzweiflung über das Ausbleiben eines Transportes frischer Seefische den ersten Küchenchef Ludwig XIV. int Jahre 1674 ins eigene Küchenmesser getrieben, ein Beweis, welchen kulinarischen Wert die Fische damals schon hatten. Die großen Fischhandlungen bieten fast alle Fischarten in reichster Auswahl, Süßwasserfische wie auch Seefische. Sehr schmackhaft sind jetzt in ihrer Hochsaison die frischen Heringe. — Auf der Speisenkarte florieren die Krebse, dieselben sind im letzten Monat ohne „R" am besten und in jeder Größe verhältnismäßig billig zu haben. Am billigsten ist der galizische Krebs, ein vornehmer Tafelpatrizier aber bleibt der Fluß^ krebs. Im 17. Jahrhundert aß man die Krebse noch roh mit Essig, Oel, Pfeffer und Salz. Dieselben sind jedoch in jeder Zubereitung eine stets beliebte, höchst wohlschmeckende Speise, und Krebse a la bordelaise, Krebswürst- chen mit Blumenkohl, die leckeren Krebssuppen u. a. m. sind hochfein; aber auch für die einfachere Küche ist z. B. Krebs mit Reis, gewürzt mit -Currypulver, ein leichtes und sehr schmackhaftes Gericht. Eine Anzahl schöner nicht Zu kleiner. Krebse werden gekocht; nach dem Erkalten löst man das Fleisch aus der Schale und schneidet es in schräge Scheiben. Hierauf hackt man zwei Zwiebeln sehr fein, schwitzt sie in Butter weich, -überstreut sie mit einem Kaffeelöffel Mehl und einem knappen Kaffeelöffel Currypulver, gießt ein Viertel Liter Brühe aus 5 Gramm Liebigs Fleisch- Extrakt hinzu, verrührt dieses über dem Feuer, bis es femig ist, legt das Krebssleisch hinein, dämpft es noch ein wenig, preßt vor dem Anrichten noch den Saft einer halben Citrone hinein, fchüttet das Curry auf eine erwärmte Schüssel und umgiebt dieses mit einem Reisrand. Auf dem Wildmarkt ist Reh knapper, und die Preise infolge dessen höher, größer ist die Zufuhr von Hirsch Da bei der Hitze die Wildvorräte ip kurzer Zeit dem „haut gout" verfallen, wird die spärliche Zufuhr nicht allzu sehr beklagt. Nebenbei bemerkt, betrachtet die -gastronomische Wissenschaft die Vorliebe für „haut gout", welches auch für die Krankenkost nicht paßt, als eine Geschmacksverirrung. Ende August tritt für den Feinschmecker das sehn- lichst erwartete Ereignis, der Beginn der Jagd auf Rebhuhn, des seit den ältesten Zeiten hochgeschätzten Wildes, ein. Auf den Gütern Karls des Großen war das Rebhuhn neben dem Pfau und dem Fasan ein Ziervogel. In der Grafschaft Dettingen in Bayern wurde es noch 1313 als Fürstenwild, also zur höchsten Jagd gehörig, betrachtet. Es soll sich- der besonderen Anerkennung gekrönter Häupter rühmen. Ferdinand I. schmeckte es heraus, ob das Wild auf der Jagd erlegt oder nach mehrtägiger Gefangenschaft getötet war. Friedrich Wilhelm I. von Preußen nannte soviel Kenntnis sein eigen, daß er die Heimat des Wildes, ob Preußen, die Mark oder Cleve, fast augenblicklich nach dem Geschmack erkannte; die preußischen galten ihm für die besten. Das junge Rebhuhn ist in jeder Zubereitung schmackhaft und leicht verdaulich, besonders zu empfehlen für die Krankenkost. Im August geben die jungen Tierchen die köstliche Rebhuhnkükensuppe, das glänzendste Eingangsgericht für ein großes Gastmahl. Alte Hühner finden noch- als Haschee, Suppen re. Verwendung, auch! ist folgendes Rezept für geschjwungene Rebhühner sehr zu empfehlen. Man teilt dazu die Rebhühner, löst die Brust ab und häutet sie sorgfältig. Der obere kleine Kugelknochen bleibt darin, wird aber kurz gehauen. Brust und Keulen werden nun in eine große flache Kasserolle, -in geklärte, zerlassene Butter gelegt, nachdem sie mit Pfeffer und Salz bestreut und mit Citronensaft (beträufelt worden find. In dieser Marinade müssen die Rebhühner gut drei Stunden liegen. Bon den Flügeln und anderen Abgängen wird eine Sauce gekocht, 10 Gramm Liebigs Fleisch--Extrakt beigefügt, mit etwas Mehl weiß einpassiert und kurz vor dem Anrichten mit 3—4 Eiern abgezogen. Die Hühner werden aus starkem Feuer 5—6 Minuten hin und her geschwungen, bis sie von beiden Seiten gar sind; nachdem die Sauce darüber gegossen, werden sie noch einmal durchgeschwungen. Stehen darf das Gericht gar nicht. Gut gediehen ist junges Geflügel, dessen Tisch von den Ernteabfällen jetzt gut versorgt wird, halten aber hartnäckig fest am hohen Preise. Die Natur produziert jetzt an Garten- und Feldfrüchten mehr als der Markt verbrauchen kann, das Gemüse ist wohlfeil. Starke Mohrrüben und Kohlrabi sind billig, gute Schoten und Blumenkohl halten Preise, ebenso großblättriger Spinat. Ae Gurken bereiten sich allmählich- für die Alleinherrschaft vor und beanspruchen bereits einen bedeutenden Platz auf dem Markte. Die Einlege- oder Ein- sanerzeit steht auf dem Höhepunkt. Ae wenigen Arti- schoken, die wir sahen, sind für den bürgerlichen Haushalt ohne Bedeutung, unsere Hausfrauen gehen meist ackft- los an der Dornendistel vorbei, während dieselbe im südlichen Europa einen Teil des Jahres einen Platz in der Volksernährung einnimmt, wie im Norden die Kartoffel. Der Handel mit Kohl beginnt; in großen Mengen ist Rot- und Weißkohl vorhanden, ebenso die gelblichen Köpfe des Wirsing ober Welschkohl, der zu Gemüsen feiner ist als der Weißkohl, namentlich in Begleitung einer geschmorten Ente oder eines gedämpften Rebhuhns. Eine angenehme Abwechselung bietet der jetzt zarte Wirsing gefüllt. Recht feste Heine Köpfe werden von den äußeren Blättern befreit, in zwei Hälften geteilt, jede Hälfte ausgehöhlt, mit Kalbfleischsarce gefüllt, mit einem Kohlblatt bedeckt und mit starkem Zwirn fest umwickelt. Dann schwitzt man gehackte Petersilie in gutem Fett ober Butter, legt bie Köpfe hinein, gießt ein Viertel Liter kräftige Brühe aus 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt barüber unb dünstet sie mit Satz und Pfeffer weich Indes macht man etwas Butterem- 444 brenne, gießt die Jus von Hem Welschkohl hinzu, eventuell kann man sie mit etwas Brühe verdünnen, befreit den Kohl von Zwirn und Blättern, welche die Farce bedecken, schneidet jede Hälfte nochmals auseinander, ordnet sie auf der Schüssel und giebt die Sauce darüber. Wie die Mannigfaltigkeit des Beerenobstes, die uns der Wald bietet, nimmt auch bet Reichtum an Pilzen zu, und da die Preise derselben niedriger geworden, so gehören sie nicht mehr zu den Spezialdelikatessen. Es giebt Galluschel oder Pfefferlinge, Steinpilze, Schälpilzc, Rotkappen, Schmer- oder Semmelpilze, Mousserons, Wald- nnd hellfarbige Wiesen-Champignons. Letzterer ist, wenn noch so billig eingekauft, immer ein teurer Pilz; denn 2—3 Stück gute Gartenchampignons verleihen einer Sauce dieselbe Würze, wie ein Liter dieser Wildchampignons, bei denen man sich außerdem leicht noch der Gefahr einer Verwechselung mit den schon in kleinen, Mengen sicher den Tod bringenden Gistchampignons aussetzt. Bei Verbrauch sämtlicher frischer Pilze ist immer wieder Vorsicht anzuraten; möglichst zu vermeiden sind bei Regenwetter gepflückte Pilze oder wenigstens sind sie sofort zu verwenden, da sie infolge ihres Wasserreichtums und Gehaltes an Eiweißstoffen leicht in Zersetzung übergehen. Vielfach ist eine Beigabe von Citronensaft, der die Bekömmlichkeit der Pilze sehr erhöht, zu empfehlen. Von einem Aufwärmen von Pilzgerichten ist entschieden abzuraten. Auf dem Obstmarkt finden wir alle Früchte. Süßkirschen verschwinden, Knorpel-, Sauerkirschen, Amorellen und, Weichseln stehen in vorjährigen Preisen; noch reichlich giebt es rote und weiße Johannisbeeren zum Einlegen, Himbeeren, Birnen, Aepfel, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen und Melonen bietet der offene Markt wie auch die Delikateßläden. An Waldbeeren finden wir Heidelbeeren, Preißelbeeren und Brombeeren. In Mengen bietet der Markt Tomaten, die meist üus dem Tokaier Gebiet gesandt sind und zwar die kleinfrüchtige hochrote Art, bie den in Norddeutschland gezogenen Paradiesäpfeln oder Tomaten vorzuziehen sind, weil diese nur den feinen weinsäuerlichen Geschmack besitzen. Tie Tomate liefert unübertreffliche Suppen und Saucen, und unter allen Handelssaucen verdient die Soja von Tokio und die Tomatensauce von Bozen den Preis, ebenso ist unter allen Fruchtsuppen die Tomatensuppe nicht allein die bekömmlichste, sondern auch eine für die heißen Tage gleichzeitig angenehme nnd kräftige Suppe. Man entkernt 6 reife Tomaten und kocht sie in einem Viertelliter Wasser mit einem Stück Butter, 1 Zwiebel, einer Scheibe rohen Schinken, 1 Gewürznelke, 3 Pfeffer- und 3 Gewürzkörner und einem halben Lorbeerblatt weich und drückt sie durchs Sieb. Nun macht man eine helle Einbrenne aus 30 Gramm Buter und 2 Eßlöffeln Mehl, giebt ein halbes Glas Rheinwein, etwas Citronensaft und Salz hinzu, läßt alles verkochen, giebt dann das Tomatenpüree und anderthalb Liter Brühe aus 15 Gramm Liebigs Fleischs-Extrakt hinzu, würzt die Suppe mit etwas Zucker und giebt sie über geröstete Semmelwürfel auf. Die eßbaren; Pilze von den giftigen oder ungenießbaren Arten unterscheiden! zu lernen, sollte jedermann sich angelegen sein lassen; denn diese können viel Unheil anrichten, jene lassen sich mit großem Vorteil verwendend Das demonstriert recht anschaulich eine neue Serie sog. Liebigbilder, Empfehlungskärtchen der Kompagnie Liebig, die getreue farbige Abbildungen von reickflich zwei Dutzend verschtchener Pilzarten vorführt, oben an die brauchbaren, unten in Medaillonbildchen abgesondert die schädlichen. Die Rückseiten der Kärtchen enthalten zur Bereitung von Champignons, Steinpilzen, Pfisferlingen, Morcheln rc. geeignete Küchenrezepte, die den Hausfrauen willkommen sein werden. Das echte Liebigs Fleischextrakt, das so viele Speisen wirksam verbessert und unübertroffen dasteht (enthält es doch; üur beste eingedickte Bouillon ohne jegliche fremdartige Beimischung) entfaltet auch hier seine vielseitig nutzbringenden Eigenschaften. LitterarLfches. Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Prof. Dr. Fr. Umlauft. 22.