Tyy as verkürzt mir die Zeit? Thätigkeit! Was macht sie unerträglich lang? Müßiggang! Göthe. Nachdruck verboten. Heimatlos. Roman von R. P. Roe. (Fortsetzung.) IV. In der Verbannung. „Mutter, sagte der Farmer Atword am Frühstückstisch, jetzt wird die schöne Zeit bald vorüber sein, wo wir noch in Hemdsärmeln umhergingen, jetzt kommt das Stadtvolk mit Schleier und Federn und dergleichen." „Ja, ja, bestätigte sein Sohn Robert, wir werden alle in unseren Sonntagsjacken umherlaufen." Er wischte sich die Hände an einem Handtuch in einer Ecke der großen Küche, welche an gewöhnlichen Tagen auch als Speise- und Wohnzimmer diente. Seine grobe Arbeitskleidung konnte nicht verbergen, daß er eine hübsche Gestalt besaß. Seine Oberlippe wies einen Schatten der Zukunft auf, den er mit nicht geringem Stolz betrachtete. Seine freie Stirn und seine regelmäßigen Züge zeigten einen Ausdruck von Aufrichtigkeit, Gutmütigkeit und Selbstvertrauen. Jetzt aber lehnte er sich im voraus auf gegen den Zwang, den die Anwesenheit der Stadtmenschen seinem gewohnten, sorglosen Leben auflegen werde und nahm fich vor, zu beweisen, daß Landleute ebensogut ein Recht haben, nach ihrer gewohnten Weise zu leben, als Stadtmenschen. Ein gutmütig aussehender Feldarbeiter nahm Robert gegenüber Platz und schaufelte eifrig sein Frühstück mit seinem Me^ch^. >. Suianne wird wohl bald auch Federn und Bänderchen haben müssen, wie die feinen Vögelchen, die diesen Abend bei uns angeflogen kommen werden, setzte der junge Mann das Gespräch fort. „Ja, ja, murrte der alte Farmer, was verdient wird, werdet Ihr bald alles in Bändern auf dem Rücken umhertragen." „Nun, bemerkte die Farmersfrau etwas scharf, es ist doch schicklicher, daß man etwas auf dem Rücken hat, und ich denke, Susanne hat ebensogut ein Recht auf Bänder, als Robert auf den nagelneuen Jagdwagen, der zu nichts gut ist, als Mädchen spazieren zu fahren." „Warum hast Du den Sitz so schmal machen lassen, Robert?" fragte Susanne. Nicht drei Personen können einsteigen. „Ich bin zufrieden mit einem Mädchen zur Zeit, erwiderte Robert lachend." „Ja, und jedes Mädchen nur einmal, bemerkte Susanne. Du hast wohl schon alle in Forestville spazieren gefahren?" „Ich bin noch nicht ganz durch damit, manche kluge Mutter denkt, der Sitz sei etwas schmal, und diejenigen, die ich am liebsten spazieren fahren möchte, wollen nicht mitkommen, aber es giebt noch genug andere." Und eine ist so gut wie die andere, bemerkte Susanne boshaft, wenn sie nur Unsinn schwatzt und fich von Dir halten läßt, damit sie nicht herausfällt. Ich brauche nicht weit zu gehen, um zu erfahren, daß die meisten Mädchen Unsinn sprechen, erwiderte Robert lachend. Und die Schwestern können herausfallen, darum kümmern sich die Brüder nicht, fuhr Susanne fort. Es kommt darauf an, wessen Schwestern es find, erwiderte Robert aufstehend, die meinige ist bis jetzt noch immer sorgfältig behütet worden. „Ihr seid beide in Gefahr, auszufallen, bemerkte die Mutter in beschwichtigendem Tone. Robert ging an die Arbeit, und der Arbeitsmann folgte ihm bald nach. „Vater, sagte die Frau, wer wird an den Landungsplatz fahren, um die Koffer zu holen?" „Nun, ich denke, das werde ich besorgen müssen, murrte Atword. Robert will nicht, und Jotham hat keine Zeit." „Es ist auch besser für Dich, an den Fluß zu fahren, als den ganzen Tag Korn zu schneiden. Der Omnibus wird um fünf Uhr vorüberkommen, und ich werde das Abendessen im Wohnzimmer für die Fremden bereit halten. Du kannst also in Hemdsärmeln speisen, wenn Dich das glücklich macht." Der Alte spannte einen großen Farmerwagen ein und fuhr nach dem Landungsplatz am Hudson, der zwei Stunden entfernt war. Frau Atword und Susanne waren beschäftigt, Vorbereitungen zu treffen, Brot und Kuchen wurden gebacken und die Zimmer neu eingerichtet. Das größte war für Frau Howell bestimmt, das kleinere für Mildred und Bella, welches als einzigen Schmuck einen Blumentopf mit dunklen Rosen erhielt, und selbst Susanne erschien das Zimmer leer und kahl. Es ist alles, was wir aufzuweisen haben, seufzte fie, 10 und bei dem Preis, den sie uns bezahlen, können sie sich nicht beklagen. Susanne sah dem Besuch mit Erwartung entgegen, welcher in die Einförmigkeit des Landlebens einige Abwechselung bringen sollte. Roberts Jagdwagen war noch nicht bezahlt. Das war die eine große Extravaganz, welche sich der alte Farmer seit vielen Jahren erlaubt halte. Wie gewöhnlich hatte ihn die Frau dazu veranlaßt. Robert war erwachsen, und es mußte etwas geschehen, um ein so bedeutsames Ereignis zu feiern. Ein Jagdwagen war der Ehrgeiz aller jungen Leute in der Nachbarschaft, und Robert glaubte, kein Mann sein zu können ohne Jagdwagen. Er strebte noch nicht nach dem Ehestand, sondern gedachte eher, sich noch einige Jahre in angenehmer Weise darauf vorzubereiten. Er hatte seinem Vater versprochen, dafür ein noch größeres Feld zu bearbeiten, und hielt sein Wort, sodaß der schlaue Papa seine Rechnung dabet fand. Als er abends müde vom Felde kam, fand er den großen Lastwagen, mit Koffern beladen vor der Thüre. Die vordere Hausthüre welche von der Familie selten benutzt wurde, stand offen, ein junges Mädchen erschien und blieb einen Augenblick in Gedanken an die Thür gelehnt stehen. Robert hatte manche ländliche Schönheit, welche seine Schwester besuchte, dort stehen sehen, aber das Mädchen aus der Stadt machte doch einen ganz anderen Eindruck, den er noch nicht recht verstehen konnte. . . . Der Vater hat recht, sagte er zu sich selbst, das sind zu schöne Vögel für unser Nest! Aber warum sieht sie so betrübt aus? Sie wird uns doch wohl nicht für Barbaren halten? »Sie gehören wohl zum Haus?" fragte das Mädchen. Mit einer linkischen Verbeugung erwiderte er etwas kurz: Ja!" Wahrscheinlich einer der Arbeiter, dachte sie. „Ich wünschte, daß Sie diese Koffer in unsere Zimmer hinaufdringen. Wir warten'schon eine Weile darauf, und Herr Atword sagte, sein Arbeiter werde das besorgen, wenn er vom Felde hetmkomme." „Mag sein, aber ich bin nicht sein Arbeiter, erwiderte Robert und ging vorüber." „Robert, rief seine Mutter von der Küche her, wo ist Jotham?" „Er treibt die Kühe vom Felde ein." „Die Damen wollen ihre Koffer haben. Warum könnt Ihr denn nicht etwas früher von der Arbeit kommen?" „Robert gab keine Antwort und traf gemächlich Vorbereitungen, um seinen äußeren Menschen zu verschönern." „Höre Robert, rief seine Mutter in scharfem Tone, wenn diese Koffer nicht in zehn Minuten dort sind, wohin sie gehören, so werde ich mit Susanna sie hinauftragen!" „Nun, so wird es immer sein mit diesem Stadtvolk! Jeder muß springen und rennen, sobald sie ein Wort sagen. Der Vater hat recht, mit unserer Freiheit ist's zu Ende." „Von diesen Reden habe ich jetzt genug gehört! sagte die Mutter mit Nachdruck. Dein Vater war den ganzen Tag wie ein frostiger Nordostwind, aber jetzt sage ich Euch Mannsvolk, wenn ihr etwas zum Abendessen wollt, so müßt Ihr aufwachen und aushören zu murren. Diese Worte hatten den gewünschten Erfolg. Die Herrschaft der Frau war anerkannt, und sie verstand es, die geheimnisvollen Triebfedern in Bewegung zu setzen, welchen man selten widersteht. Die offenen Küchenfenster waren so nahe, daß Mildred dieses Familiengespräch unwillkürlich mit anhörte, was ihre Niedergeschlagenheit sehr vermehrte. Sie fühlte, daß sie nicht nur ihr eigenes Heim verloren hatten, sondern auch eine andere Familie des ihrigen beraubten. Sie vermochte dem reichlichen Abendeffen keine Gerechtigkeit widerfahren zu laffen und suchte endlich ihr Zimmer mit dem peinlichen Gefühl auf, ein Eindringling zu sein. Die Welt bietet einen anderen Anblick, wenn die Lebensbedingungen sich ändern. Frau Howell sah nur langen Wochen banger Erwartung entgegen, bis sie sich wieder mit ihrem Manne vereinigen konnte. Jetzt wünschte sie reuevoll, daß sie von Brot und Wasser gelebt hätten, um nicht zu dieser langen Trennung genötigt zu sein. Ihr alter Glaube, daß alles sich auf irgend eine Weise machen werde, mußte jetzt verschwinden, und daß ihr Mann Tag um Tag vergebens Beschäftigung suchte und sich vergebens erbieten konnte, Stellungen, die unter seiner bisherigen waren, zu übernehmen, war eine Thatsache, welche sie zuerst in Erstaunen versetzte, dann aber in höchstem Grade niederschlagend auf sie wirkte. Für Mildred war die Gegenwart und Zukunft gleich dunkel, aber tief in ihrem Herzen hegte sie den tröstlichen Gedanken, daß sie nicht ungeliebt und vergessen sei. Nur fremder Wille hielt ihren Geliebten fern. Seine Schwachheit erweckte ihr Mitleiden, aber nicht ihre Verachtung. Die Ihrigen wußten nicht, daß sie auch stark sein konnte, ihre Stärke bestand in ihrer Treue für ihre weibliche Natur und in ihrem Rechtsgefühl, daß durch ihr Gottvertrauen gestärkt und gehoben wurde. V. Rob ert entdeckt einen neuen Typus. Robert erwachte am folgenden Morgen titit einem entschiedenen Entschlüsse. Seiner Mutter zuliebe wollte er gegen die Fremden höflich sein, aber auch nichts mehr. Deshalb trat er nach seiner Morgenarbeit in der Scheune ins Haus mit demselben Aeußeren wie am vorhergehenden Tage. Aber es gab keine hochmütigen Stadtleute zur Vernunft zu bringen. Sie schliefen noch alle, ermüdet von der Reise, und Frau Atword sagte, sie wolle dem Mannesvolk das Frühstück zur gewöhnlichen Stunde geben, weil ein hungriger Mann und ein plumper Bär ziemlich dasselbe seien. „Du erwartest Besuch?" fragte Robert mit einem spöttischen Blick auf das sorgfältig gekämmte Haar und den weißen Kragen seiner Schwester. Sie verstand ihn und errötete. Wenn es Dir gefällt, wie eine Vogelscheuche umher zu gehen, erwiderte sie, so ist das kein Grund für mich, Dir nachzuahmen. Kein Wunder, daß Fräulein Howell Dich für einen Arbeiter ansah. „Nun ja, Jotham und ich sollten eine Livree haben, und an der meinigen müßten zwei Knöpfe mehr sein, damit sie sieht, daß ich zur Familie gehöre." „Etwas bessere Manieren würden Deine Verwandtschaft besser beweisen als Messingknöpfe, erwiderte die Mutter ruhig." „Uff! sagte der alte Farmer, indem er sich erhob und seinem Sohn folgte. Dieser anscheinend nichtssagende Ausruf wurde von seiner Frau richtig gedeutet und rief ihren Verdruß hervor." Hätte der Vater „nein" gesagt, bemerkte sie verdrießlich zu ihrer Tochter, so hätte ich die Fremden nicht ins HauS gebracht, aber er möchte gern ihr Geld nehmen, ohne sie hier zu haben. Das steht fest, — entweder muß mir der Vater helfen, den Leuten den Aufenthalt angenehm zu machen, oder er muß ihnen sagen, daß sie noch heute das Haus zu verlaffen haben. „Und Robert?" fragte Susanne, noch immer grollend. „Robert ist ein thörichter Junge, sagte die Mutter entschuldigend. — Er war ihr einziger Sohn." Als dem Alten von seiner praktischen Frau die Wahl gestellt wurde, fügte er sich mit ziemlichem Anstand. Nachdem er zur Genüge geknurrt und gemurrt hatte, war ihm die Sache nicht so unangenehm. Frau Howell und Mildred befanden sich in betrübter, gedrückter Stimmung und in einem Zustand ungewiffer Erwartung, welcher regelmäßige Beschäftigung unmöglich macht. Von Tag zu Tag hofften sie auf die Nachricht, daß Howell eine Stellung gefunden habe, welche beffere Aussicht für die Zukunft gewähre, aber seine Briefe berichteten nur von ver- 11 geblichen Bemühungen und waren meist in zaghaftem Ton geschrieben. Nur zuweilen kam ein Brief von sanguinischen Hoffnungen, welche anfangs fröhliche Erwartungen erweckten, daun aber Erstaunen, daß nichts weiter daraus folgte. Auf Frau Howell wirkte seine Niedergeschlagenheit ansteckend, und sie fühlte sich schmerzlich berührt von Bellas Lebhaftigkeit ttxb dem Entzücken der Kinder über die Wunder des Landlebens. Bella machte bald darauf Roberts Bekanntschaft, dem sie zahllose Fragen stellte und von welchem sie nicht wenig Gefälligkeiten beanspruchte. Sie fand ihn gutmütiger als fie erwartet hatte. Endlich führte er sie zu ihrem großen Entzücken in seinem Jagdwagen zur Post. Das lebhafte Mädchen amüsierte ihn, aber er fühlte sich unendlich älter, als sie. Viel mehr interessierte ihn die ältere Schwester, welche an Charakter und Lebenserfahrung ihm weit überlegen war- Bella verstand er, Mildred war ihm ein Rätsel, xnd dieses Rätsel hatte auch den Vorzug, ein sehr schönes zu sein. Je mehr die Zeit verging, ohne bestimmte Nachrichten von dem Vater zu bringen, desto mehr wuchs ihre Ungeduld über das müßige Warten. Sie sah ein, daß es für alle bester gewesen wäre, in der Stadt zu bleiben als so getrennt zu sein. Ihre schwachen Mittel verminderten sich rasch, und sie glaubte, in der Stadt hätte sie vielleicht etwas thun können, um Geld zu verdienen? Was aber konnte fie auf dem Lande beginnen? Jeden Tag sah sie mehr die Notwendigkeit ein, eine Beschäftigung zu ergreifen, nicht mrr der Einnahme wegen, sondern auch als Gegengift gegen die Schwermut. Inmitten ihrer trüben Gedanken hatte Mildred gewiste Veränderungen im Farmhause gesehen, aber kaum bemerkt, welche ihr Interesse und ihr Wohlgefallen erregt hätten, wenn sie ruhigen Sinnes gewesen wäre. Susanne hatte ihr Kostüm durch manche kleine Veränderung zu heben gesucht, selbst die arme Frau Atword, welche seit Jahren nur mühsame Arbeit gekannt hatte, strebte darnach, in ihrem Aeußeren mehr Sorgfalt zu zeigen. Mildred gestand sich, daß sie seit einem Monat diese Leute ganz übersehen hatte und daß sie m ihrer Sorge selbstsüchtig geworden war. Jetzt erwachte ihr Interesse. Die Farmersleute hatten bald erraten, daß sich die Familie in schwerer Sorge befand und verstanden sehr wohl, zwischen Stolz und kummervoller Sorge zu unterscheiden. Bald gewannen Mildred und ihre Mutter die Sympathie der Landleute. Anfangs hatte sich Robert noch wilder gekleidet, als zuvor, um sein Selbstbestimmungsrecht dadurch zu wahren, aber als Mildred nicht mit einem Blick dagegen protestierte, fand er es nötig, zu zeigen, daß er such gute Kleider habe, wenn er sie tragen wolle. Auch diese Thatsache nahm sie ohne das geringste Erstaunen hin, und so befand er sich schließlich in einer etwas verdutzten Verfassung. Er war nicht daran gewöhnt, mit Höflichkeit ignoriert zu werden, und jetzt erwachte in ihm mit steigender Kraft der Wunsch, sein Dasein zur Geltung zu bringen. Sie ist sehr gut und höflich und würde keiner Fliege etwas zuleide thun, aber ihre Gleichgültigkeit ist wenig schmeichelhaft, dachte er bei sich selbst. (Fortsetzung folgt.) Zeh» Vorschriften der Zahnpflege?) ------- (Nachdruck verboten.) 1. Du sollst dein Kind frühzeitig an den Gebrauch seiner Zähne gewöhnen, indem du ihm neben den flüssigen und weichen auch feste und sogar harte Speisen darreichst. 2. Du sollst dein Kind, sobald es Zähne hat, daran gewöhnen, daß es dieselben morgens und abends mit frischem Wasser reinigt. *) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche: „Michaelis, Grundzüge meiner allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,—, Verlag von Hugo Ber- Mühlcr, Berlin. 3. Du sollst deine Zähne mit nicht zu harter Bürste und frischem Wasser morgens und abends reinigen. 4. Du sollst deiner Kinder Zähne, sowie deine eigenen, jährlich mindestens einmal vom Zahnarzt untersuchen, erkrankte Stellen sofort ausfüllen (plombieren) lassen, sowie die gegebenen Vorschriften des Zahnarztes gewissenhaft befolgen. 5. Du sollst, wenn die Zähne deines Kindes eine schiefe und schlechte Stellung einnehmen, möglichst frühzeitig den Rat eines Zahnarztes in Anspruch nehmen. 6. Du sollst die Hilfe eines Zahnarztes sofort aufsucheu, wenn dir kalte Speisen oder Getränke ziehenden Schmerz in einem Zahne verursachen. 7. Du sollst dir niemals einen in regelrechter, nicht allzu gedrängter Reihe stehenden Zahn, selbst wenn er heftige Schmerzen verursacht oder schon etwas gelockert oder verlängert scheinen sollte, ausziehen lassen- du sollst vielmehr solche Zähne vom Zahnarzt behandeln und plombieren lassen. 8. Du sollst Zähne, welche infolge von Vernachlässigung oder infolge höheren Alters bereits stark gelockert und nicht mehr zu erhalten sind, baldigst ausziehen*) lassen, da sie nur Ansteckungsherde für die noch vorhandenen gesunden bilden, sowie deren Gebrauch behindern. 9. Du sollst dich zum Tragen künstlicher Zähne erst dann entschließen, wenn deine eigenen zum gehörigen Kauen der Speisen nicht mehr ausreichen oder wenn entstellende Zahnlücken vorhanden sind. Niemals soll die Eitelkeit dazu veranlassen, die Zähne abbrechen oder ausziehen und durch künstliche ersetzen zu lassen. Ein selbst mehrfach plombierter**), eigener Zahn ist meist noch viel besser wie ein künstlicher. 10. Sei standhaft bet Zahnoperationen und hüte dich vor den vielfach angepriesenen Betäubungsmitteln.***) Die Anwendung solcher ist nur da zu rechtfertigen, wo eine voraussichtlich wirklich schmerzhafte und längere Zeit in Anspruch nehmende Operation notwendig ist. Ueber den Einfluß der Nahrung auf die Zähne äußert sich B. I. Lingrand im „Journal für Zahnheilkunde" (1898, Nr. 17) u. a. folgenderweise: „Wohl am allerschwersten sündigen wir gegen unsere Zähne durch den Genuß des modern gewordenen Weißbrotes, welches aller gröberen, besonders Zahns tmelz bildenden Bestandteile, wie der Fluorsalze, beraubt ist. Durch die sorgfältige Entfernung der Hülsen, der Kleie rc. entziehen wir uns und späteren Geschlechtern den in diesen enthaltenen, sonst in unserer Nahrung nur spärlich vertretenen Fluor, der zur Erzeugung eines widerstandsfähigen Schmelzes unerläßlich ist. — Durch den Genuß weicher pappiger Nahrung geht ferner den Zähnen die zu ihrer Entwickelung, Festigkeit und Dauerhaftigkeit nötige Arbeit während des Kauens verloren und infolge der verminderten Widerstandsfähigkeit der Zahngewebe selber gegen äußere schädliche Einflüsse neigen dwse mehr und mehr überflüssig werdenden Organe zum Zahnzerfall (Caries), welcher durch die natürliche, leicht in Läure- gährung übergehende Nahrung und durch mangelhafte Zahnpflege sehr rasch befördert wird." Ein probates Zahnreinigungsmittel ist reiner Alkohol mit einigen Tropfen Löffelkcautipiritus in Wasser verdünnt. Mit dieser Lösung wird die Zahnbürste angefeuchtet. (Hegewald.) *) Auch das ist nicht immer nötig. Wenn solche Zähne durch innere spezifische Mittel behandelt und beruhigt werden, sodaß sie nicht mehr schmerzen, können fie noch lange ohne Gefahr für die Nachbarschaft erhalten und ihr allmählicher schmerzloser Zerfall abgewartct werden. **) Ein gut plombierter Zahn kann selbst 20 Jahre und noch länger, ja dauernd erhalten werden und seinen Dienst wie ein normaler Zahn verrichten. ***) Zu warnen ist auch vor der Anwendung von Kreosot (auf Watte) in hohlen Zähnen; der Schmerz wird zwar oft beseitigt, aber der betreffende Zahn ist auch verloren und meist auch noch die benachbarten Zähne. 12 zwei Mundwässer, billig, unschädlich und ärztlich empfohlen. 1. „Eukalyptus kann als Desinfektionsmittel für die Mundhöhle nicht genug empfohlen werden. Zwei bis drei Tropfen der Urtinktur werden in das zum Mundausspülen bestimmte Glas Wasser gethan und damit die Mundhöhle gründlich gereinigt. Personen mit kariösen Zähnen, die oft von Schmerzen befallen waren, haben mir erzählt, daß sie nach diesem Mundwaffer keine Zahnschmerzen mehr hatten. Diese Ausspülungen sind besonders des Abends vor dem Schlafengehen zu machen." (Dr. med. Spatzier.) 2. „Bet den häufig vorkommenden Zahnschmerzen, ohne daß Ursachen angegeben werden, wodurch dieselben entstanden find, lasse ich seit vielen Jahren ein Mundwaffer zum Ausspülen des Mundes, welches aus einem Theelöffel Arnikatinktur in einer Taffe Wasser besteht, gebrauchen, auch bei Kindern, die nach dem häufigen Küssen Zahnschmerzen bekommen, wird davon in den Mund gestrichen." (Dr. med. Blau.) Beide Mittel, Arnika wie Eukalyptus, sind demnach wichtige Vorbeugungsmittel gegen Zahnschmerz, wie zugleich wichtige Konservierungsmittel für Zähne. Gartenarbeit im Heilverfahren. Oberstabsarzt Dr. Diemer-Trachenberge schreibt in einem längeren Aufsatz im praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau über den Wert der Gartenthätigkeit u. a. folgendes: Wonach der durch seinen Beruf an geschloffene Räume bei vielleicht fitzender Lebensweise Gebannte streben müßte, um seine Gesundheit zu erhalten, das ist: der möglichst häufige Genuß frischer, reiner, freier Luft, dabei kräftige ausgiebige Atmung, Anregung der Herzarbeit und dadurch beschleunigter Blutumlauf im ganzen Körper und in allen Organen, gleichmäßiger Gebrauch und dadurch Kräftigung der verschiedenen Muskelgruppen mit allseitiger Bewegung der Gliedmaßen und des Rumpfes, und endlich ein offener Blick in die Natur mit Verständnis und Freude an ihrem Werden und Gedeihen. Könnte jeder sich womöglichst täglich, wenn auch nur stundenweise, diese gesundheitlichen Genüsse gönnen, so stände es sicherlich weit beffer um des Volkes Gesundheit. Es giebt nichts, was die Bedingungen zur Gesunderhaltung von Körper rmd Geist so in sich vereinigt, als die eigene Thätigkeit im Garten in ihrer anregenden, unterhaltenden, vielseitigen und wechselreichen Form, stets mit der Möglichkeit, nach Bedarf ausruhen zu können, dabei beständig in ruhiger, freundlicher Umgebung und in freier, reiner Luft. In vielen Heilanstalten für Nerven- und Gemütskranke wird deshalb Gartenarbeit als die wirksamste Heilmethode angesehen und ausgeübt, sie gilt als körperliche und seelische Behandlung zugleich. Nervös beanlagten Menschen wird vielfach von Aerzten als günstigste Berufsart die des Gärtners empfohlen, weil sie vorzugsweise ein stilles, naturgemäßes Leben gestattet. Weshalb sollte da nicht jeder, der seine Gesundheit erhalten will und Zeit und Mittel dazu aufwenden kann, sich einen Garten, je nachdem größer oder kleiner, zu schaffen suchen, dessen Pflege durch eigene Arbeit er als seine Erholung und Erfrischung betrachten müßte! Grundsatz aber soll dabei sein, möglichst alles selbst zu machen, nicht etwa zu unbequemeren oder nebensächlicheren Arbeiten andere zu kommandieren. Man darf sich keine Wahl der Art der Arbeit laffen, sonst wird man doch leicht zur Gemächlichkeit verführt und versäumt dadurch vielleicht gerade eine Gelegenheit zu einer zwar unbequemen, aber sehr heilsamen Körperbewegung. Der Mensch würdigt und schätzt nur das, was er versteht oder wenigstens verstehen lernen will und so ist, wie bei allem andern, auch bei der Gartenthätigkeit mit dem guten Willen der Anfang zu machen, dem dann das Jntereffe und daS Verständnis allmählich wachsend folgen wird. Ist dieses erst vorhanden, so entwickelt sich aber auch Lust und schließlich geradezu begeisterte Liebe zu dem, was man geschaffen und an dessen Gedeihen und Entwickelung man täglich seine Freude hat. rann aber wird auch der etwas egoistische Trieb wach, sich diese Freude erhalten zu wollen, wozu man wieder durch Arbeit und getreue Pflege beitragen muß. So entwickelt sich schließlich eine moralische Pflicht, ein leiser Zwang zur regelmäßigen Beschäftigung im Garten. Ach! Wie heilsam ist doch dieser Zwang für bequeme, unlustige, verstimmte und mißvergnügte Herren! Jedenfalls giebt es im Garten so vielerlei zu denken und zu thun, daß schlechte Laune und Unbehagen bald vergessen und überwunden sind und, glaube es mir, lieber Leser, wenn Du es noch nicht selbst erfahren, nach dieser stille», friedlichen Arbeit ist auch Befriedigung in Dein Gemüt eingezogen und sanften, heiteren Sinnes kehrst Du jedesmal aus dem Garten in Dein Haus und zu Deinen sonstigen Geschäften zurück. Das ist das Bekenntnis eines Arztes, der selbst aus Gesundheitsrücksichten die Gartenarbeit als Heilverfahren wählte und deren trefflichen Einfluß am eigenen Leibe erprobte. Humoristisches. Drastischer Vergleich. „Sich' nur, wie schneidig der M. wieder gekleidet ist." — „Ja bei dem kann man auch sagen: Havanna- Deckblatt und Pfälzercinlage." Litterarisches. Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Prof. Dr. Fr. Umlauft. XXII. Jahrgang 1900. (51. Hartleben's Verlag in Wien, jährlich 12 Hefte zu 85 Pfg. Pränumeration incl. Franko-Zusendung 10 Mk.) Unter den verschiedenen geographischen Zeitschriften nimmt die „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik" sowohl durch Reichhaltigkeit als auch durch Gediegenheit ihrer Aufsätze eine hervorragende Stelle ein. Was immer auf dem Gebiete der Erdkunde Neues und Wissenswertes auftaucht, findet in derselben entsprechende Beachtung uud Würdigung, so daß sie für jedermann, der an geographischen Dingen Interesse nimmt, eine erwünschte Lektüre bildet. Auch das eben erschienene vierte Heft des XXII. Jahrganges enthält wieder eine Reihe wertvoller Beiträge: Der 7. internationale Geographenkongreß in Berlin vom 25. September bis 4. Oktober 1899. Bon Prof. Dr. Robert Sieger. — Die Tabakpflanzungen auf Sumatra. Nach dem Norwegischen des H. T. Kamstrup, von Friedrich v. Känel in Aeschi (Bern). (Mit 4 Abb.) — Deutsch-Südwcst-Afrika. Wanderungen in der deutschen Kolonie von Kurt Sinter in Salem, Damaraland. (Fortsetzung.) — Nene Kolonien der Mormonen. Von Emma Poesche in Washington. — Astronomische und physikalische Geographie. Der Schatten irdischer Bergmassen auf dem Monde. Das Klima von Berlin. — Politische Geographie und Statistik. Ergebnisse der im Jahre 1898 ausgeführten Versuchsfischerei im Kaiser Wilhelm-Kanal. — Berühmte Geographen, Naturforscher und Reisende. Ernest Krause (Carus Sterne). (Mit 1 Porträt.) — Geographische Nekrologie. Todesfälle. Professor Dr. Eduard Petri. (Mit 1 Porträt.) — Kleine Mitteilungen aus allen Erdteilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Büchertisch. (Mit 3 Abbildungen.) Der äußerst mäßige Pränumerationspreis der „Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik" ermöglicht ihr eine weite Verbreitung. Magisches Dreieck. (Nachdruck verboten.) ..................., — In die Felder nebenstehender Figur sollen die Buchstaben a a, e e, f f, 1 1 1 1, n, p --—— p, u u derart eingetragen werden, daß die einander entsprechenden wagerechtcn und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: __ 1. Eine Obstfrucht. 2. Männlichen Vornamen. -- 3. Chinesisches Maß. 4. Teil von Eldorado. — 5. Einen Buchstaben. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Logogriph in voriger Nummer: Waffe, Affe. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.